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Full text of "Die Thora im Lichte der Wissenschaft [microform]"

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DIE THORA 

IM LICHTE DER 
WISSENSCHAFT 



VON 



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ZACHARIASA, DAUBER 




CERNÄUTI - BÜC.OViNA 

1928 

IM SELBSTVERLAGE DES VERFASSERS 

DRUCK HORNIK & BIRNBAUM, CERNÄÜTL 








IM LICHTE DER 
WISSENSCHAFT 

VON 

ZÄCHARIAS A. DAUBER 





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g ; i; ^ ^ IM SELBSTVERLAGE DES VERFASSERS 

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Alle Rechte der Uebersetzung 
und Reproduktion vorbehalten. 



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Vorwort. 



Seit meinier frühesten Jugend befasse ich mich 
mit dem Studium und der Beleuchtung einzelner Stellen 
der Thora, die trotz unzähliger Kommentierungen bis 
heute in tiefstes Dunkel gehüllt sind und eine Un- 
menge unrichtiger und überspannter Auslegungen 
zeitigten. 

In diesem Büchlein trete ich mit einem Teile 
meiner Arbeit vor die Oeffentlichkeit. Möge es seine 
bescheidene Mission erfüllen. 



Cernäuti, im Mai 1928. 



DER VERFASSER. 




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Zur Zeit, als die sogenannte „Menschheit" aul- 
ganz niedrigem Niveau stand, verehrte und hielt sie, 
Stärkeres, Schöneres u.a. als ,,Gbtt*i, d.h. als etwas 
Höheres als sie war. Jedes Individuum oder Gruppe 
sah, je nach ihrer Entwicklung in dem Einen oder 
Anderen einen „Gott**, dem sie Opfer darbrachten und 
dem sie sich anzupassen SU diten. 

Mit dem geistigen Fortschritt, kam die Erkennt- 
nis des Mo not h e i s m u s, indem festgestellt und 
eingesehen würde, dass es eine höhere Macht gibt, 
die alle verehrten „Gottheiten" beherrscht. Den Sitz 
dieser Mac h t fand man weder i n noch au f dem 
Erdboden, daher musste diese nur am H o r i z o in t e 
sich befinden. Die Bekenner des Monotheismus stellten 
sich ihren Gott vor, als. Figur mit allen Gliedern,; 
welcher im Himmel (den Horizont geineint) thront. 
Ihm steht iein Heer von Engeln zur Verfügung, von^ 
denen viele mit Namen benannt sind, es wird dort 
geschrieben, gerechnet, gebucht u. s, w. 

Diese Vorstellungen fassten immer mehr Wurzel; 
es bildete sich eine R e.l i g i ö n s w i s s e n seh af t 



heraus, die von Gelehrten nach Gesetzen und For- 
mein geregelt wurde, wobei sie den jeweiligen passen- 
den Verhältnissen und dem jeweiligen Volksgeiste 
Rechnung trugen. 

Die kulturelle Entwicklung hat aber nicht Halt 
gemacht, vielmehr ist sie soweit fortgeschritten, dass 
ein grosser Teil der „Menschheit" den Glauben an 
e i n e n Gott im Himmel, verloren hat Und so 
gottlos wurde/ Die Religion ist aber für das mensch- 
liche Individuum sehr nützlich, weil sie ihm einen 
moralischen Halt gibt 

Die Philosophie, welche die obgenannten göttlichen 
Vorstellungen bekämpft, kann das Individuum nicht 
befriedigen und bietet für die Religion keinen Ersatz. 

Seit vielen Jahrhunderten versuchen Gelehrte, 
einen Ausgleich zwischen Theologie d.h. Thorä ' 
und P h i 1 o s o p h i e d, h. N a t u r herbeizuführen. 
Die der Wissenschaft bekannten und von ihr ange- 
führten Argumente, führten nicht zum Ziele. 



Die „Thora", Bibel oder altes Testament ge- 
nannt;, ist ein Werk, das von Tausenden übersetzt 
und von Millionen nicht verstanden wird. Zu allen 
Zeiten waren die grössten Gelehrten bemüht, dieses 
Buch je nach dem Zeitgeiste zu kommentieren. Es 



entstanden, der Talmud und unzählige Meinungen 
und Erklärungen in allen Sprachen und Ländern. 

Um die „T h o r a" bildete sich ein K u 1 1 als 
Gottesdienst, der ebenfalls dem jeweiligen Z'eitgeiste 
angepasst war. 

Mit deiii geistigen Fortschritt der Menschheit, 
begann ein Bekritteln und Bekämpfen der b i b 1 i s c h e n 
Komm e n t ar e. Der Urtext wurde nicht in Mitleiden- 
schaft gezogen, da es sich um die Üebersetzung resp. 
Deutung handelte, wobei ein jeder das Seine für das 
Richtige hielt. 

Es entstanden ,, Zweifler "und sogenannte „Kon- 
iess.ionsl os e", die die Kommentare wie auch die 
Bibel ablehnen und teils auch bekämpfen. 

Die „Thora" enthält: Naturkunde, ferner mora- 
lische, demokratische und zeremonielle Gesetze. 

Der erste Teil bietet die höchste Philosophie 
imd die Lösung der Welträtsel, die vollkommen sind 
und in keinem Gegensätze zu unserem Denken stehen- 
Mystik wie sonst Uebernatürliches ist nicht , zu finden 
und nur durch M i s s d e u t u n g des Urtextes 
nich,t verstanden und der Wissenschaft entzogen. 

Wir werden im ersten Teile über die Entstehung, 
Entwicklang und das Ende unseres Planeten auf das 
Genaueste informiert, ebenso werden all die Fragen, 
^vorüber Gelehrte Bände schrieben und dadurch berühmt 
wurden, beantwortet. 



:r 



Auf der höchsten Stufe der Vollkommenheit sin^ 

die moralischen und demokratischen Gesetz^. 

Alle Forscher von Namen und Ruf, schöpften 
ihr Wissen aus dem unversiegbaren Brunnen der 
Thora. Diese Formeln entsprechen nicht nur dent 
früheren, sondern jedem Zeitgeiste. 

Die zeremoniellen Gebote, waren für den 
damaligen Gottesdienst Bestimmt, Die Opferung von 
Tieren musste angeordnet werden, weil das Volk kein 
Verständnis für einen andern Gottesdienst hatte. Diese 
Anordnungen sind längst durch andere Forrneln er- 
setzt worden und verursachten die Spaltung unter den 
Anhängern des M o n o t h e i s m u s. Der G 1 a übe 
ist einheitlich, der Kult verschieden. 



Als „Gott" wird immer das H ö h e r e verehrt» 
Wir erkennen als „Gott" die höchste Voll- 
kommenheit an. Unser Planet auf dem wir leben^ 
hat auch seine Entwicklung im Sinne der ,, Gottheit** 
d. h. der höchsten Vollkommenheit durchgemacht. 

Diese Kraft, welche den Urstoff 
unseres Planeten bildete und zur Ent? 
widklung bradite, nennen wir „Gott^V 



8 



. Wenn wir die Entstehung, Entwicklung und das 
Absterben eines jeden Lebewesens beobachten, so 
finden wir, dass dies auf folgende Weise geschieht: 
Der Same, den eine vollkommen entwickelte Kreatur 
abgegeben hat, wird vermittelst bestimmter Natur- 
kräftc zum Leben und weiteren Entwicklung gebracht/ 
Und wenn die so wieder entstandene Kreatur eine 
bestimmte Stufe d. i; ihre Vollkommenheit erreicht, 
gibt sie ihren Samen ab/ 

Dass dies die höchste Entwicklungsstufe war, be- 
weistv dass nach Absonderung des Samens, ein lang- 
sames Absterben der Kreatur beginnt. Die Medizin 
nennt dies Arterienverkalkung und beginnt diese beim 
Mcnseheii vom 40-ten Lebensjahr. Während die ab- 
sterbende Kreatur ihrem Ende entgegensieht,, entwickelt 
sich der von ihr hinterlasserie Samen und übernimmt 
ihre Mission. Das Alte stirbt, das Junge lebt weiter, 
bis es auch stirbt und anderen Platz macht. 



* 



Die Philosophie stellt die Entstehung unseres 
Planeten in folgender Weise dar: Ein Nebel bildete 
sich, aus diesem entstand eine feurige Kugel, die dann 
im Verlaufe weiterer Entwicklung und zwar durch 
Abkühlung, die die Luft und das Wasser verursachten 
eine Erdkruste überzog. Durch die Teilung von Land 
und Wasser, und weitere Abkühlung verdickte sich 



der Erdboden und es entstanden auf ihm Gewächse 
und Tiere, 

Wir sehen, dass unser Planet, ebenso wie die 
Kreatur im Kleinen, eine Entwicklung durchzumachen 
hatte. Es ist kein Zweifel, dass der Nebel, von dem 
sich unser Planet bildete, der abgegebene Samen 
eines andern entwickelten Planeten war, der voi^ 
ebensolchen Wesen belebt war und dieselben Stoffe 
enthielt wie der ünsrige sie hat. 

Wenn unser Planet eine bestimmte Entwicklungs- 
stufe erreicht haben wird, wird er ebenfalls seinen 
Samen absondern. Und wie die Kreatur, so geht auch 
der Planet langsam ein. Die Erdkruste schrumpft immer 
mehr zusammen. Das. Feuer im Innern, welches das 
Herz * bildet und dem Erdkörper das Leben verleiht, 
wird schwächer, bis alle Kräfte verbraucht sind. Alles 
Leben am Planeten stirbt langsam ab und dann wan«' 
delt er herum wie der Mond, als Leiche, während 
ein anderer Planet sich entwickeln wird um dieselben 
Lebewesen hervorzubringen wie der unsrige. 



Die Entstehung unseres Planeten, nach 
dem Urtext der „Thora". 

„Bereschit bara E 1 o h i m"/ Elbhim heisst die 
Macht, die Gewa,lt. Elohim heisst auch ein Gerichts-; 
tribunal. : " . 



10 



Diese Macht, die wir „Gott* * nennen, schuf 
„et Haschamajm weet Haaretz". Haschamajm heisst . 
„Haesch" das F e u e r und „Majm** das Wasser 
Wehaarez heisst der Boden^ Diese sind die drei 
Elemente, Das letzte war „tou we wou", „Werur 
ach Elohim merachefet al pene Hama Jim"/ 
Ein Wind, das vierte Element dieser schaffenden 
Macht, schwebte über dem Wasser. 

Nach der Wissenschaft entstand die Er d- 
kruste durch die Abkühlung, die das Wasser 
und die Luft verursachten. Die weitere Entwicklung 
schritt fort. Es entstand das Licht, dann teilte sich , 
das Wasser vom f e s t e n B o d e n, es entstan- ■ 
den Nebel und trockene Winde. 

Ein Bibelkommentar besagt: „Bei Gott ist ein 
Tag tausend Jahre", für damalige Begriffe, eine unend- 
liche Zeit. In sechs solcher Zeitabschnitte wird die 
Entstehung unseres Planeten und seiner Bewohner, 
eingeteilt, 

Jeder Fortschritt der Entwicklung wird 
>»Tag", der frühere Zustand „Nacht" benannt. 

Es entstanden die Gewächse (Pflanzen), der 
Planet kam in seine feste B a h n, es enstandeii die 
Jahreszeiten, dann bildeten sich die Wassertiere, die 
Vögel, nach weiterer Entwicklung die L and tie ce- 



ll 



/ Wie der Pianet als Ganzes, so wird jedes Ge- 
schöpf, das. sich herausbildet, von der „Gottheit^', d. 
h. von der höchsten Vollkommenheit, zur weiteren 
Entwicklung gebracht, weil in jedem „Gottheit" vor- 
handen ist und es so einen Teil des Ganzen bildet. 

Im fünften Zeitabschnitt wird von „Eiohim" an- 
geordnet, dass jedes Geschöpf zu seiner 
Rasse kehr e. Und jedes zog zu seiner Verwandt- 
schaft, zu seinem Stamme. Und wenn diese Indivi- 
duen eine bestimmte Entwicldungsstufe erreichen 
werden, dann entsteht der „Mensch". 



Die Instinkte oder Triebe, zeigen den Grad der 
Entwicklung an. Es ringen miteinander, die „Gott- 
h e i t" und das „Tierisch e", der Fortschritt und 
der Rückschritt, das Höhere und das Niedrige. Die 
Gottheit wird ,,Je z er-t o w", das Tierische ,jJ ez er- 
hör a" benannt, 

„Jezer" heisst das Bildende, Schaffende („ascher 
jazar et Haadam" d. h. welcher erschaffen hat, den 
Menschen.) 

*Die „Gottheit" will das Individuum in ihrem 
Sinne „schaffen", bringt es dazu, höher Eni- , 
wickeltes zu verehren. Edles zu pflegen und 
sich in ihrem Sinne zu vervollkommen. Dies aber be- 



12 



kämpft das „Tierische" weil es das Individuum zum 
grössten Teile beherrscht. 



Der „Mensch". 

. - Das „M e n s c h" genannte Individuum, ist durch 
seine Konstruktion und Art fähig, das Fortgeschrittenste 
imter ^llen zu sein. Die Gottheit verfeinert es, bringt 
es auf eine höhere Stufe und zur höchsten V o M- 
kö mni enh e i t d. h. zu ihrer Aehn liehke it, 
denn je edler in Geist und Art sich das Individuum 
entwickelt und Gottheit in sich aufnimmt, desto mehr 
5,Mensch" wird es, weir es nach dem „Bilde" 
der Gottheit sich formt. 

■ Mit der Benennung „Mensch", muss das In- 
dividuuin in Ethik und M oral vollkommen, d. h. 
-gott ähnlich sein. 

,,Wajwru Elohim et H a a d a m bezalmo, Bezelim 
Elohim bara ojto, Zachar u Nekeva bara ojtom". 

„Haadam" heisst j^min Hadama" vom Erd- 
boden, „Elohim" nennt das menschliche Individuum, 
i,A dam", weil es im Gegensatze zu den anderen, 
zur Ernährung, den Erdboden bearbeite t, 
dadurch sich über 'das Tier emporhebt, es beherrscht 
uiid zum „Menschen" sich vervollkommnet 



13 



Nach dem Grade der Entwicklung der .Bewoh- 
ner unseres Planeten, ersehen wir in welchem Zeit- 
abschnitte d, h, Schöpfungstage wir uns befinden. 

Von den Geschöpfen, die am fünften Zeitab- 
schnitte sich in verwandte Gruppen sonderten, nehme 
ich das am höchsten entwickelte menschliche Indivi- 
duum als Beispiel und folge weiter der biblischen 
Lehre. 

Von den Stämmen, bildeten; sich Völker 
und N a t i o n e n. Die Entwicklung schritt so weit 
vor, dass sich einzelne Individuen zum. „Menschen** 
emporhoben. Als Beispiel : Moses wird ein „D i eh e r 
Gottes** und auch „I seh Elohi m** d. h. „M e n seh 
Gottes** genannt. . 

Er lebte und wirkte im Sinne der Gottheit, 
hatte also viel Gottheit in sich und war so ein voll- 
kommener „Mensch**. Er gab der sogenannten „Mensch- 
heit** Gelegenheit, Menschen zu werden, wenn sie sich 
nach den von ihm verkündeten Geboten und Rat- 
schlägen entwickeln wird. 

Die Propheten, werden göttlich geehrt, weil 
sie Moral d. h. Gottheit predigten. 

Jesus V o n N a z ja r e t h folgte der Lehre 
Mosis. Er entwickelte sich im Sinne der Gottheit und 
war so ein Mensch nach dem Bilde Gottes. Weil- er 
im Gegensätze zu seiner Umgebung moralisch so hoch 
stand, wurde er von ihr „Sohn G o tt es** benannt. 



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14 



„Waihie Erew'\ es ward Nacht. T i e r und' 
' Gottheit, Fortschritt und Rückschritt ringen tim 
Leben und Tod. Diö menschlichen Individuen werden 
von inneren Trieben gehetzt, wie Bestien und zer- 
fleischen einander wie wilde Tiere. (In diesem Zeit- 
alter befinden wir uns gegenv^ärtig.) 

„Waihie Boker", es ward Tag ! Die Gottheit 
wird den Sieg davontragen. 

Die sechste Zeitepoche wird die des M e n- 
sehen sein. Der Mensch wird das Tier vollständig be- 
herrschen. Das wird die Zeit der Prophezeiung Jesajas 
über VöJkerfrieden und Menschen sein. 

Die Epoche des Menschen ist nach der Thora 
die höchste Entwicklungsstufe unseres Planeten. 

„Waichilu Häschumajm, Wehaarez wechol Ze- 
wuom", u, s. w. „Elohim" beendete die Tätigkeit aller 
Elemente. Der Planet und seine Bewohner treten in 
ewige Ruhe. „Waiwurech Elohim es Jörn haschwii 
waikadisch ojto", Elohim gibt den letzten Segen und 
als „Kudisch" wird er wandeln, als lebloser Körper. 



* * 

* ■ 



Wie ich liier erklärt habe, bietet die Thora die 
höchste Wissenschaft und steht in gar keinem , Gegen- 
satze zu ihr. Sie ist daher mit Recht das Buch der 
Bücher. 

Ein grosser Teil der „Menschheit" ist in seiner 
„Entwicklung" so weit, dass sie aus verschiedenen 
Gründen die „Thora" ablehnen. ■ 



15 ^ 



Das Ablehnen der ,,Thorä" heisst, sich lossagen 
von der in ihr enthaltenen W i s s e n s c h a f t, E t h i k^ 
Moral und Demokratie- Die „Menschheit" muss 
diesen Irrtum erkennen, unter dem Banner der 

Thora die keine Konfessionen kennt, sich 

vereinigen und nach ihrer Lehre die weitere 
Entwicklung fortsetzen. 

Die Thora lehrt j „Der Göttesglaube" ist der 
Balsam des Lebens, ^ 

Der Gottesdienst, ist Wissenschaft, Arbeit, 
Wohltätigkeit und NächstenHebe, diese sind die Grund- 
pfeiler des menschlichen Seins. 

* * ..." 

Das Gebet, übt eine Art Suggestion auf die 
Seele aus. 

Wer dieser Lehre folgt, trägt mit Recht den 
Namen „Mensch**, nach dem Bilde Gottes. 

Möge noch im 20-ten Jahrhundert, das in Bliii: 
und Tränen gebadet ist, das Licht der Wahrheit auf- 
gehen und nach der Lehre der Thora, die „Mensch- 
heit" als Menschen zu Brüdern sich vereinigen. v 



Kain und Hebel! 

Hebel (nicht Abel) war von der Gottheit be- 
günstigt. 



16 



Hebel versinnbildlicht uns das Nichtige, Ver- 
gängliche, Kohelet ruft :„Hakol hebel", alles ist nichtig. 
Kain war von „EloHm" zurückgesetzt, er lehnte sich 
auf gegen den vom Glücke bevorzugten „Hebel" und 
ersphlug ihn. 

Wie wenn der Arme sich gegen den Reichen 
vergreifen soll Da setzte die Gottheit dem Mörder 
ein Schandzeichen auf die Stirne und sagt ihm als 
Warnung: „Das Blut des Ermordeten ruft nach Ver- 
geltung und wer Dich, Mordet-, tötet, wird auch be- 
strafte 

Diese Erzählung dient zum Schutze des Besitzen- 
den gegen Besitzlose. Nicht durch Mord, sondern 
durch Fleiss und Redlichkeit kann man des Glückes 
teilhaftig werden. 



Abraham. 

Abraham war der Sage nach am Felde aufge- 
wachsen. Er sah die Gewalt der Natur und bekannte 
sich so zum Monotheismus. Der Glaube an e i n e n 
Gott trieb ihn aus seiner Heimat, weil ihn seine Um- 
gebung nicht verstand und er den Verfolgungen ent- 
gehen musste. 



17 



Malachim, sogenannte Engel. 

Zu Abraham kamen /drei Engel. Der eine brachtev 
die Voraussage der Geburt eines Sohnes, der zweite 
um den Loth zu retten, der dritte um die Zerstörung 
von, Sodom und Gomorrha durchzuführen. Konnte denn 
e i n „Maloch" nicht alles besorgen ? Ein Bibelkommen- 
tar beantwortet diese Frage dahin, dass ein „Maloch-- 
nur eine Mission ausiühren könne. 

Meine Antwort wäre : Malachim sind die. Ele- 
mente, Ereignisse und Schicks ale,d.jiv 
die drei Engel waren, die Nachricht, die Rettung 
und die Z e r s t ö r u n g. So konnte einer, den andern 
ilicht vertreten. 






Die Jakobsleiter.*) 

nO 1 i m w e j o r d i m". 

Und Jakob verliess fluchtartig sein Elternhaus, 
um» der Rache Esatis zu entgehen. 

Auf seiner einsamen Wanderung durch die Stein- 
wüste, legte er, als die Nacht hereinbrach," einen Stein 
tinter seinem Haupte und sah im Traume eine Leiter 



*) Abgedruckt in der „Ostjüdischen Zeitung" vom 4. August 
1927. Der Autor. 



18 



auf dei: „Malächim" (übersetzt „Engel") auf und a b- 
stiegen. So die biblische Erzähiung, 

Wer waren nun die „Malachim" und warum 
stiegen sie erst a u f und d an n a b ? Warum nicht 
umgekehrt'? 

^ Den Sinn dieser Erzählung will ich an Hand 
folgender Geschichte erklären ; 

Einst wurde ein siegreicher Feldherr vom Volke 
bejubelt und mit Lorbeer bekränzt. Den Höhepunkt 
erreichte seine Ausrufung zum Könige des Landes.^ 

Als ihm die Krone überreicht wurde, zog er 
sich in die Einsamkeit zurück und vergoss Tränen 
des Kummers^ Wegen dieses seltsamen Gebahrens 
befremdet, erlaubt^ sich sein Adjutant ihn nach dem 
Grund zu fragen. „Morgen sage ich es Dir'*, war die 
lakonische Antwort. 

In der Nacht brach eine Revolution aus, der 
neue König wurde gefangen, in den Kerker geworfen 
und dann zum Tode verurteilt. i 

' Einen Tag vor Volistreckung des Urteils, fragte 
man, ihn, der damaligen Sitte gemäss, nach, seinem 
letzten Wunsch. „Man bringe mir ein Laib Brot" 
antwortete der Verurteilte. Als ihm der Adjutant das 
Gewünschte herbeischaffte, hinstellte, verzshrten die 
Ratten das Brot. Während der Adjutant ausser sich 
war, dass dem Könige selbst dör letzte Wunsch nicht 



19 



ohne Hindernisse erfüllt werden könnte, jauchzte der 
König vor Freude* Auf die erstaunte Frage, was die 
Freude zu bedeuten habe, antwortete der König: 
„Morgen sage ich es Dir" ! 

In der Nacht gelang es den Anhänigern des Königs, 
die Revolution niederzuschlagen. Der König wurde 
befreit und wieder in allen Ehren eingesetzt/ 

Als sich die Gemüter beruhigten, erbat der Ad- 
jutant die Beantwortung seiner Fragen. Der König 
sprach : „Das menschliche Glück, sein Schicksal, steigt 
wie auf einer Leiter hinauf und herunter. Als mich 
das höchste Glück erreichte und ich zum König aus- 
gerufen wurde, wusste ich mich auf der höchsten Stvife 
der Leiter und ahnte, dass es nun abwärts niit mir 
geljen müsse. Darum Wjeinte ich ! Aber als die Ratten 
mir den letzten Brotlaib wegfrassen, befand ich mich 
auf der niedrigsten Stufe der Leiter und ich ahnte, dass 
der Aufstieg, beginnen wird. Darum freute ich mich-*. 

Als Jakob an spin Elternhaus dachte und s^ine 
damalige Lage in Rücksicht zog, sah er sein Schicksal 
auf und absteigen. Er wusste sich auf der niedrigsten 
Stufe und er hoffte auf einen Aufstieg, denn er nsihin 
sich vor, einst an der Stelle wo er ruhte, einen Altar 
zu erbauen. Er sah die „Malachim" aufsteigen. ' 



Darum ist es auch erklärlich, dass er di^ „i 
lachim" zuerst auf und dann absteigen sah. „ÖJim 



20 



Wejordim", Auf- und Abstieg ist das Schicksal des 
Einzelnen wie einer Gesamtheii 

Man verzweifle, nie wenn man sich auf der 
niedrigsten Stufe befindet und freue sich nicht ange- 
sichts des höchsten Glückes. 



21 



ummm k daübei 



«eRNOWm Tempelf,