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Full text of "Die kohlenversorgung Süddeutschlands [microform]"

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; Box 33 Manno, Krnstt 1875- ' 

Die kohlenversorgung Süddoutsohlands 
I Heidelberg, Rössler,1914. 

I 159 p* 48 tab* 22 ein* 

♦ « 

- Thesis, Heidelberg* 


o 




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Oie kohlenversoraung Süddeutshlands 


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'J 





Die Kohlenversorgung 
Süddeutschlands. 


I 



Inaugural-Dissertation 

zur 

Erlangung der Doktorwürde 

einer 

hohen philosophischen Fakultät 

der 

Großherzoglich Badischen 
. ßuprecht-Karls-Universität zu Heidelberg 

vorgelegl von 

Ernst Manno 

aus Dortmund. 







yS-' 'V 




Heidelberg. 

Buch- und Kunstdruckerei Rößler & Herbert (Inhaber Paul Braus) 

1914 . 







Meiner Mutter 


A 


h 


I 




Einleitung. 

Mehr als 10 Jahre sind verflossen, seit das Kohlen- 
konlor, diese für den süddeutschen Kohlenmarkt so bedeut- 
same Organisation, seine Tätigkeit aufnahm, und man hat 
sich längst schon ein abschliessendes Urteil bilden können 
über diesen weitaus grössten Handelsannex des Rheinisch- 
Westfälischen Kohlen-Syndikats. Bedeutete seine Gründung 
einen Markstein in der Geschichte des süddeutschen Kohlen- 
grosshandels, brachte es diesem nach langen verlustreichen 
Preiskämpfen endlich wieder angemessenen Verdienst — 
wenn auch unter teilweiser Aufgabe der Selbständigkeit — , 
so hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass auch die Wr- 
braucher in Süddeutschland durchaus zufrieden sein konnten 
mit dieser Neuordnung der Dinge. Infolge der Einbeziehung 
der Schiffahrt in die neue Organisation haben auf dem Kohlen- 
markt Süddeutschlands, in der Einflußsphäre des Rheins, 
ruhigere, gleichniässigere Verhältnisse Platz genommen. Vor 
allem brachten .sie dem kohlenverbrauchenden Gewerbe 
stabilere Preise für diesen überaus wichtigen HilfstofF und 
ermöglichten ihm damit ein sichereres Kalkulieren. Ein nicht 
zu unterschätzender Vorteil gegen die früheren Zustände, dies 
um so mehr, als der Fabrikant jetzt die Gewissheit hatte, 
dass — natürlich abgesehen von den nicht zu beseitigenden 
Frachtunterschieden — sein Konkurrent im Kohlen- und 
Kokseinkauf im grossen ganzen nicht besser gestellt war als 
er, somit wenigstens in dieser Hinsicht in der Fabrikation 
vor ihm keinen Vorsprung hatte. 

Freilich, Alleinherrscher ist das Kohlenkontor auf dem 
süddeutschen Kohlenmarkt nie gewesen, ein Monopol hat 
es nie gehabt. Noch viel weniger besitzt es ein solches 
heute, wo ihm mehr als je zuvor überall starke Konkurrenz 


6 


1 



entjegentritt, von der Ruhr, vom Saarbezirk, von Schlesien 
her und aus anderen Kohlenbergbaugebieten, und dieserWett- 
bev'erb vermag ihm sogar alten Besitz streitig zu machen. 
Gle ich wohl war es in all den Jahren und ist es auch noch heute 
dark den gewaltigen Mengen, die es in den Verbrauch über- 
leit et, von ausschlaggebender Bedeutung für den süddeutschen 
Ko lienmarkt, verleiht ihm sein besonderes Gepräge. 

Bei dieser überragenden Stellung, die das Kohlenkontor 
auf dem süddeutschen Markt einuimmt, muss die Frage 
der Erneuerung des Rheinisch -Westfälischen Kohlen-Syndi- 
kat>, mit dessen Ablauf das Kohlenkontor ebenfalls zu 
Ende geht, auch für den süddeutschen Kohlen Verbraucher 
grosses Interesse haben. Wie werden sich die Verhältnisse 
ges;alten, gelingt es nicht, das Syndikat und mit ihm das 
Konlenkontor zu verlängern? Zwar wäre es au sich nicht 
ausgeschlossen, dass auch nach einem Zusammenbruch des 
Syr dikats das Kohlenkontor, wenn auch auf anderer Grund- 
lage, noch fortbestände, denn es ist ja nicht etwa eine Art 
Uulerabteilung des Syndikats, sondern in der Hauptsache 
eine Vereinigung ehemals selbständiger Kohlengrosshändler 
und Rheiureeder, in deren Besitz sich auch ein grosser Teil 
des Ruhrbergbaues selbst befindet. Fraglich erscheint es 
jede ch, ob es einem solchen Unternehmen, das sich also 
nicht mehr stützen könnte auf ein machtvolles Syndikat, 
möglich wäre, auf die Gestaltung des süddeutschen 
Kol lenmarktes einen derart weitgehenden Einfluss auszu- 
übe 1, wie dies jetzt das Kohlenkontor unter der Aegide 
des Syndikats zu tun vermag. Es würden aber auch der 
Sch vierigkeiten, die dem Bestreben, eine solche Organisation 
überhaupt zustande zu bringen, im Wege ständen, gar 
viel i sein, sodass die Schaffung eines derartigen Gebildes 
im ?alle der Nichterneuerung des Kohlen-Syndikats nicht 
geri^de viel Wahrscheinlichkeit für sich hat. 

Weit eher dürfte dann auch in Süddeutschland auf 
dem Kohleumarkt ein Kampf aller gegen alle entbrennen, 
der dem Verbraucher freilich zunächst \'orteile bringen 
würle, vornehmlich in Gestalt niedrigerer Preise. Un- 







möglich könnte aber ein solcher Zustand, der den beteiligten 
Produzenten, Reedereien und Grosshändlern schwere Ver- 
luste bringen müsste, von langer Dauer sein. Bald 
würden vielmehr nach Beseitigung der wirtschaftlich 
Schwachen die aiishaltendenStarkendesselbstzerfleischenden 
Kampfes müde werden und sich doch wieder zusammen- 
finden, was die stetig fortschreitende Konzentration im 
Bergbau, Kohlengrosshandel und Rheinschiffahrt nur be- 
günstigen könnte. Wenn sie dann sich erholten von den 
verlustreichen Zeiten und die Verbraucher zahlen Hessen, 
wer würde ihnen das verdenken können, mehr aber noch, 
wer würde das zu verhindern vermögen ? Das Gegengewicht, 
das dann der preussische Fiskus etwa bieten könnte, würde 
sich nicht als gross und stark genug erweisen, denn ist 
der staatliche Kohlenbergbau schon heute im Nachteil 
gegenüber dem privaten, so würde er es noch mehr sein, 
wenn letzterer in einem trustartigen Gebilde vereinigt 
wäre, das die Produktionsverhältnisse weit besser auszu- 
nutzen vermöchte als jetzt das Kohlen-Syndikat, wirtschafts- 
technisch also eine weit grössere Eeistungsfähigkeit besässe. 
Ein Zusammenbruch des Syndikats liegt demnach auch durch- 
aus nicht im Intere.sse der Verbraucher, ganz abgesehen von 
den gewaltigen Schäden, die er denProduzentenund Arbeitern 
bringen müsste, und den schweren Wunden, die er auch sonst 
der deutschen Volkswirtschaft schlagen würde. 

Bei den Verhandlungen zur Erneuerung und Er- 
weiterung des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats 
handelt es sich demnach um eine auch für die Kohlen- 
verbraucher Süddeutschlands höchst bedeutunsrsvolle Frag-e, 
die deshalb auch hier mit Recht im Brennpunkt des 
öffentlichen Interesses steht. Für die Kohlenversorgung 
Süddeutschlands, die den Gegenstand der vorliegenden Ab- 
handlung bildet, ist sie von so hervorragender Bedeutung, 
dass der Verfasser, ehe er an seine Aufgabe herantritt auf 
diese Verhältnisse, die später noch eingehend zu schildern 
sein werden, jetzt schon hinweisen zu müssen glaubt. 



w 




I. Der Bedarf Süddeutschlands an Brennstoffen. 

Der Kohlenbedarf eines Landes wird vornehmlich be- 
sti nmt durch den Umfang seiner Industrie. In der Steigerung 
de:. Kohlenverbrauches, d. h. natürlich weniger der abso- 
luten Menge nach als auf den Kopf der Bevölkerung be- 
zoj;-en, kommt die industrielle Entwicklung vorzüglich zum 
Al sdruck. Wie erheblich grösser der Kohlenbedarf in 
Lä adern mit fortschreitender Industrie ist, als in solchen, 
dh vorwiegend Ackerbau betreiben, zeigen die Kohleu- 
ve; brauchsziflfern, die man für die Vereinigten Staaten 
Ncrdamerikas, Grossbritannien, Deutschland, Belgien für 
19: 2 auf 4,89 t, 3,89 t, 3,51 t, 3,41 t auf den Kopf der 
Bevölkerung berechnet hat — im Jahre 1885 waren die 
en‘ sprechenden Zahlen 1,79 t, 3,63 t, 1,50 t, 2,25 t — , 
dagegen für Frankreich, Oesterreich-Ungarn, Italien, Russ- 
lai d für 1912 auf nur 1,50 t, 1,07 t, 0,17 t, 0,27 t — im 
Ja ire 1885 betrug der Kohlenverbrauch hier sogar nur 
0,/9 t, 0,59 t, 0,10 t, 0,06 t auf den Kopf der Bevölkerung — . 
In Deutschland und Oesterreich-Ungarn findet aber ausser 
de ■ Steinkohle auch die Braunkohle in ansehnlicher Menere 
Verwendung, was, da diese einen viel geringeren Heizwert 
ha , nicht ausser acht gelassen werden darf, wenn man 
die Höhe des Kohlenverbrauches richtig erfassen will. 
Nehmen wir für die Braunkohle etwa die Hälfte des Heiz- 
wertes der Steinkohle an — w'as freilich zu hoch ver- 
anschlagt wäre, käme nicht auch der starke Verbrauch 
de: höherwertigen böhmischen Braunkohle in Betracht — , 
so stellt sich nach Zurückrechnung der Braunkohle auf 
Steinkohle für Deutschland der Kohlenverbrauch im Jahre 
19 2 nicht auf 3,51 t — 2,2 t Steinkohlen und 1,31 t Braun- 






Nt'*- % 



— 9 — 

kohlen — , sondern auf nur 2,85 t auf den Kopf der Be- 
völkerung. 

Die industrielle Entwicklung eines Staates beruht nicht 
zuletzt auf dem Vorhandensein oder aber der Möglichkeit 
der billigen HerbeischafFung der notwendigen Roh- und 
Hilfstoffe, und hier steht neben den Eisenerzen die Kohle 
im Vordergrund. Seinen gewaltigen wirtschaftlichen Auf- 
schwung verdankt denn auch das Deutsche Reich mit in 
erster Linie seinen reichen Kohlenschätzen, deren Hebung 
freilich erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von 
Bedeutung zu werden beginnt. Im Jahre 1860 betrug die 
Steinkohlenförderung Deutschlands etwa 12 Millionen t. 
die Englands dagegen 81 Millionen t. Ueberragte damals 
England in der Steinkohlengewinnung Deutschland um 
nahezu das siebenfache, so steht das Deutsche Reich jetzt 
Gros.sbritannien nur noch um etwa ein Drittel nach: 1912 
förderte es 174,9 Millionen t Steinkohlen, und England 
264,6 Millionen t. Das Bild hat sich aber insofern noch mehr zu 
Gunsten Deutschlands verschoben, als hier zu derSteinkohlen- 
gewinnung noch die Braunkohlenförderuug tritt, die 1860 nur 
4,4 jMillionen t, 1912 aber schon 81 Millionen t ausmachte. 

Der Verbrauch an Steinkohlen und Braunkohlen in 
Deutschland betrug 1885 51,072 Millionen t Steinkohlen 
und 18,938 Millionen t Braunkohlen, 1913 aber 157,924 
Millionen t Steinkohlen und 92,707 Millionen t Braun- 
kohlen. Welch gewaltigen Anteil die Industrie an dem 
Gesamtkohlenverbrauch hat, lässt die Zahlentafel 1 (im 
Anhang) erkennen, die die Verteilung des Kohlenabsatzes 
des Rheinisch -Westfälischen Kohlen-Svndikats und der 
Kgl. Bergwerksdirektion Saarbrücken wiedergibt. Von der 
Verteilung des Kohlenverbrauches in Deutschland auf die 
verschiedenen Verbrauchergruppen kann diese Zahlentafel 
— von den ihr anhaftenden Ungenauigkeiten ganz ab- 
gesehen — allerdings nur ein annähernd richtiges Bild 
geben, denn sie entbehrt vor allem der Vollständigkeit, 
da sie sich nur auf den Absatz der Erzeugnisse der Syn- 
dikatszechen des Ruhrbezirkes und der fiskalischen Saar- 



— 10 — 

gn bell erstreckt. Es fehlen diesbezügliche Angaben des 
gesamten Braunkohlenbergbaus, sowie der Steinkohlen- 
ge\/iuniing in Schlesien, Sachsen, im Aachener Revier, der 
nie it staatlichen Saar- sowie der pfälzischen und Lothringer 
Ze< heil und der nicht zum Syndikat p;ehörenden Ruhr- 
gn ben, ferner auch über die eingeführten fremden Pro- 
dukte, so besonders die englischen und böhmischen Kohlen. 
Wirde nun auch eine die gesamte Produktion sowie die 
Eil fuhr umfassende Statistik das Bild hier und da anders 
ers dieinen lassen, die überragende Bedeutung der Industrie 

— /ornehmlich der Eisenherstelluug und Eisenverarbeitung 

— als Abnehmerin der Kohlenproduktioii bliebe zweifellos 
bestehen. Beträchtlich ist, wie die Tabelle zeigt, ferner 
der Bedarf der Verkehrseinrichtungen, der Eisenbahnen 
um: Schiffahrt, die allerdings ja grösstenteils wieder nur 
Hilfsorgane der Industrie darstellen. Ganz erheblich ist 
sodann der Hausbedarf, dessen Anteil am Gesamtverbrauch 
üb( rdies grösser sein dürfte, als es nach der Tabelle den 
Anichein hat, allein schon durch das Hinzutreten der 
Brsunkohle, die immer noch hauptsächlich für Hausbrand 
Vei Wendung findet. iMit der zunehmenden Bevölkerungs- 
dichtigkeit infolge der industriellen Entwicklung geht 
natirlich auch der Verbrauch an Hausbrandkohlen in die 
Hö le, dies um so mehr, als die steigende Wohlhabenheit 
siel auch in wachsenden Ansprüchen hinsichtlich der Grösse 
unc damit auch der Erwärmung der Wohnungen äussert. 

Wenn nun auch Süddeutschland — von dem äussersten 
Westen, dem Saargebiet und den angrenzenden Teilen 
Lothringens und der Pfalz natürlich abgesehen — , was das 
Vo] kommen von Kohlen angeht, von der Natur stief- 
mü terlich bedacht worden ist, so hat es an der wirtschaft- 
licfen Aufwärtsbewegung Alldeutschlands doch einen ge- 
wicätigen Anteil. Zunächst ist die oben gemachte Be- 
mei kling, dass Deutschland seinen wirtschaftlichen Auf- 
sch .vung seinen Bodenschätzen zu verdanken habe, nicht 
so zu verstehen, als ob nun die anderen in Betracht 
korimenden Faktoren nur von nebensächlicher Bedeutung 



11 



seien. Sehen wir von den rein persönlichen, freilich höchst 
wichtigen Momenten, wie Unternehmungsgeist und Aus- 
dauer, Fleiss und Reichtum an Kenntnissen, Vorzügen der 
Person, die im Süden unseres Vaterlandes zu finden sind 
wie im Norden, auch ganz ab, das Vorhandensein der Roh- 
und Hilfstoffe oder die Möglichkeit deren billigen Be- 
schaffung bilden nicht die einzige Vorbedingung für die 
industrielle Entwicklung eines Landes. Der Grad der 
Absatzmöglichkeit der erzeugten Ware, ferner die Arbeits- 
kosten, sie stellen nicht viel geringere Standortsfaktoren 
für eine Industrie dar. Zu untersuchen, welche Umstände 
nun für das Aufkommen und Anwachsen der Industrie 
in Süddeutschland massgebend waren und sind, geht über 
den Rahmen dieser Abhandlung hinaus. Hier mag ein 
Hinweis auf Tatsachen genügen, dass z. B. in einigen 
Städten des kohlenarmen Bayerns sich immerhin eine 
ansehnliche Maschinenindustrie entwickelt hat, die doch 
ihre Roh- und Hilfstoffe fast ganz von weit her beziehen 
muss, also mit Frachtkosten belastet ist, die umso erheb- 
licher sind, als hier natürliche oder künstliche Wasser- 
strassen von Bedeutung fehlen. Kaum günstiger liegen 
die Verhältnisse für Württemberg, das dennoch auch in 
der Herstellung von IMaschinen und Apparaten einen be- 
achtenswerten Platz einnimmt. Baden, die Rheinpfalz, 
das Eisass, sie sind allerdings vor dem rechtsrheinischen 
Bayern und Württemberg wieder bevorzugt durch ihre 
Lage zum Rhein, der billigen An- und Abfuhrstrasse, und 
durch die Nachbarschaft Lothringens und des Saargebietes 
mit ihrem Reichtum an Kohlen und Eisen. Welche 
Momente aber auch das Aufkou)men und Aufblühen der 
Industrie in Süddeutschland — hier sei unter vielem nur 
noch auf die grossartige Textilindustrie sowie die achtung- 
gebietende chemische Industrie hingewiesen — ermöglicht 
und begünstigt haben mögen, mit ihrem Anwachsen hat der 
Kohlenbedarf Süddeutschlands stetig zugenommen. Ziffern- 
mässig lässt er sich im einzelnen freilich kaum richtig erfassen, 
jedenfalls wären dazu Erhebungen erforderlich, die so 



12 


uriständlich und mehr noch so unsicher sind, dass das 
Eigebnis die aufgewandte Mühe nicht lohnen würde. 

Mit der industriellen Entwicklung geht natürlich Hand 
hl Hand die Verbesserung und Vermehrung der Verkehrs- 
m ttel, also vor allem der Eisenbahnen. Der wirtschaft- 
liche Fortschritt zeigt sich ferner in der Menge und Lei- 
stungsfähigkeit der Zentralanlagen für Gas-, Wasser- und 
El sktrizitätslieferung. Werden letztere auch in steigendem 
IMasse der Industrie dienstbar gemacht, so hängen ihr Ent- 
st( hen und ihre Entwicklung doch vornehmlich mit der 
Bevölkerungszunahme, mit der Zusammenballung immer 
grosserer Menschenmassen in den grossen Städten zu- 
sa innen, die ihrerseits freilich wieder in erster Linie auf 
di ; Vermehrung der Industrie zurückzuführen ist. Ueber 
di f Bevölkerungszunahme in Süddeutschland und die stei- 
gende Bevölkerungsdichtigkeit finden sich einige Angaben 
an! der Zahlentafel 2 im Anhang. Die machtvolle Ent- 
wicklung der Industrie auch im Süden Deutschlands, die 
vor allem hiermit zusammenhängende starke Zunahme der 
Bevölkerung mit ihren stets noch wachsenden Bedürf- 
ni.'.sen, die ihrerseits wieder befruchtend auf die Industrie 
zurückwirken, der gewaltige Ausbau der Verkehrsmittel, 
si( bedingen alle natürlich einen starken Kohlenverbrauch. 
Lind obschon Süddeutschland, wovon gleich noch zu spre- 
ch eil ist, über erhebliche Wasserkräfte verfiigt, die freilich bis- 
lang nur unvollkommen ausgenutzt worden sind, so ist, 
wie auch aus den Berichten der Dampfkesselüberwachungs- 
V< reine zu schliesseii, die Benutzung dei Dampf kraft deii- 
ncch in stetem Steigen begriffen. 

Kommt nun auch hauptsächlich die Industrie als Ah- 
ne hnieriu der Kohlen in Betracht, so hat, wie schon be- 
merkt, der Hausbedarf daran ebenfalls grossen Anteil. Was 
Sf ddeutschland anbelangt, so mag daran erinnert werden, 
dass infolge des Waldreichtums bis in die heutige Zeit 
hi nein in manchen Gegenden noch vielfach das Holz als 
Bi ennstoff Verwendung findet, wenn es auch immer mehr 
von der Kohle verdrängt wird. Hausbedarf stellt auch der 


r 


— 13 - 

— besonders auch durch die Ausbreitung des Wintersports — 
zunehmende Verbrauch in den grossen Hotels dar, wie- 
wohl er hier letzten Endes wieder gewerblichen Zwecken 
dient. Allerdings spielt der Fremdenverkehr in Süddeutsch- 
land noch nicht die Rolle wie etwa in der Schweiz, wo 
man ja gewissermassen von einer „Fremdenindustrie“ spre- 
chen kann. Erwähnt mag noch werden, dass auch die 
Landwirtschaft mit ihren Nebenbetrieben, wie Molkereien, 
Brennereien usw. wachsende Abnehmerin von Kohlen ist, 
wobei auf die steigende Verwendung landwirtschaftlicher 
Maschinen verwiesen sein mag, die ihren Antrieb durch 
Lokomobilen erhalten, wie z. B. Dampfdreschmaschinen. 

Der Bedarf Süddeutschlands an Brennstoffen ist also 
im fortwährenden Steigen begriffen, und zwar infolge der 
zunehmenden Industrialisierung auch relativ wachsend. 
Die Frage der Sicherstellung der Bedarfsdeckung und einer 
möglichst billigen Bedarfsdeckung ist demnach für die 
süddeutsche Volkswirtschaft von allergrösster Wichtigkeit. 
Hinsichtlich der Sicherstellung der Versorgung des Deut- 
schen Reiches mit Kohlen sei einigen Mitteilungen über 
die noch im Boden ruhenden Kohlenschätze unseres Vater- 
landes und über den Zeitpunkt ihrer voraussichtlichen Er- 
schöpfung Raum gegeben. Nach den auf eingehenden 
Untersuchungen beruhenden Schätzungen des Breslauer 
Geologen Frech ist Deutschland in bezug auf den Kohlen- 
vorrat das reichste Land Europas und wird in der Menge 
des vorhandenen Brennstoffes nur von Nordamerika und 
Nordchina übertroffen. Die Lebensdauer der einzelnen 
Lagerstättenbezirke hängt aber nicht nur von der Menge 
des Vorrates, sondern natürlich auch von der Höhe der 
Förderung ab. Wie sich letztere in Zukunft stellen, welche 
Entwicklung sie in den verschiedenen Bezirken nehmen 
wird, darüber sind indes keine auch nur annähernd rich- 
tigen Berechnungen, sondern nur Mutmassungen möglich. 
Anderseits darf bei den Schätzungen auch die Vorrats- 
menge nicht als eine feststehende Grösse betrachtet werden, 
sie wird vielmehr von der jeweiligen Abbau Würdigkeit und 


14 



Ab ^auinöglichkeit beeinflusst, die durchaus nicht immer 
gle ch bleiben. Nach Frech reicht nun die Erschöpfungs- 
dai er für die beiden Hauptkohlenfundgebiete Deutsch- 
lau is, das oberschlesische imd das niederrheinisch-vvest- 
fälische Becken, über ein Jahrtausend hinaus. Zu den 
heilen geaannteii Gebieten kommen aber auch noch das 
nach der Pfalz und Lothringen hinübergreifende Saarrevier, 
ferner das Aachener Becken, sowie das niederschlesische 
unc sächsische Revier, deren Bedeutung hinter den beiden 
ers1 genannten Kohlenfundstätteii freilich sehr zurücksteht. 
Die Abbauzeit der Kohlenmengen im Saargebiet und im 
Aa< heiler Bezirk wird mit 600 — 800 und mit 500 Jahren, 
die der Vorräte in Niederschlesien und Sachsen allerdings 
nur mit 200 — 250 Jahren angenommen. 

Wenn also auch die Erde noch ungeheuere Vorräte 
an Rohlen in ihrem Schosse birgt, und wenn auch im 
besonderen Deutschland eine Erschöpfung seiner Kohlen- 
scli.Ltze für so bald nicht zu erwarten hat, so darf man 
doch nicht ausser acht lassen, dass mit den Kohlen Werte 
ver iraucht werden, die unwiederbringlich verloren sind. 
Die Entstehung der Kohlenlager hat Millionen von Jahren 
erfcrdert. Eine hinreichend rasche Neubildung von Kohlen 
zun Ersatz der verbrauchten ist daher ausgeschlossen. Ist 
nur früher vielfach ein unverantwortlich verschwenderi- 
schirr Raubbau getrieben worden mit den Kohlenschätzen 
— vas ganz besonders für Nordamerika gilt, wo man in 
den Bestreben, nur billig zu Kohlen zu kommen, lediglich 
die besten Teile der Flöze abbaute, die weniger wertvollen 
abe: liegen Hess, sodass auch deren späterer Abbau wenn 
nicl tunmöglich, so doch unlohnend sein dürfte — , so kommt 
in c er Neuzeit mehr und mehr das Bestreben zur Geltung, 
die Naturschätze, die früher oft sinnlos vergeudet wurden, 
Öko lomischer zu verwerten. Das' wird erreicht einmal 
durch einen vernünftig geregelten Abbau, sodann aber auch 
durch eine bessere Ausnutzung der Kohle. Ist in ersterer 
Hinsicht schon viel geschehen — unter der Menge der 
tecbnischen Fortschritte sei nur das Spülversatzverfahren 



15 



erwähnt, das eine wirtschaftlichere Ausbeutung der Stein- 
kohlenlager gestattet — , so sollte die Auswertung der Stein- 
kohle weit mehr durchgeführt werden, als es jetzt schon 
geschieht. Bei einer Dampfkesselanlage beträgt z. B. die 
wirkliche Wärmeausnutzung des Brennstoffes im Durch- 
schnitt kaum mehr als 15*^ Gasmotoren werden da- 

gegen schon 25 ^/o der Wärmeenergie nutzbar gemacht. 
In Hausbrandöfen zumal älteren Stiles ist der Kaminverlust 
meist noch grösser als in industriellen Heizanlagen. In 
der Destillation der Steinkohle, in ihrer Zerlegung in Gas 
und Koks unter Mitgewinnung verschiedener anderer höchst 
wertvoller Produkte, haben wir nun zweifellos eine bessere 
Ausnutzung der Steinkohle als in ihrer direkten Verbren- 
nung. Dass dieses Verfahren aber auch stets das wirt- 
schaftlichere ist, kann bei den Kosten der hierfür not- 
wendigen Anlagen nicht ohne weiteres bejaht werden, 
vielmehr wird oft die direkte Verbrennung der Destillation 
vorzuziehen sein. Jedenfalls sind aber im Interesse einer 
möglichst langen Erhaltung der heimischen Kohlenschätze 
alle Bestrebungen, von der in der Kohle enthaltenen 
Wärmeenergie möglichst viel zu verwerten — selbstverständ- 
lich darf das ökonomische Moment nicht ausser acht ge- 
lassen werden — , nur zu begrüsseii. Hierher gehören 
aber auch die bisher leider nur mit verhältnismässig ge- 
ringen Erfolgen gekrönten Versuche der Verbesserung der 
Oefen und Kesselanlagen zum Zwecke einer grösseren Aus- 
nutzung der Brennstoffe und damit auch Beseitigung der 
Rauchplage. Für verhältnismässig kohlenarme Gegenden wie 
gerade Süddeutschland, die den Brennstoff unter hohen 
Frachtkosten aus der Ferne herbeiführen müssen, aus diesem 
Grunde auch nur hochwertige Kohlen verwenden sollten, 
haben alle diese Bestrebungen eine umso grössere Bedeu- 
tung. Hier sei auch der Gasfernversorgung gedacht, die 
den Kohlentransport von Ort zu Ort ersetzt durch Ver- 
teilung des Gases auf grosse Bezirke an jeden einzelnen 
Abnehmer. Dieses System wird mit der Zeit wohl auch 
in Süddeutschland noch zur Geltung gelangen. 


16 



Kami durch eine zweckmässige Regelung des Ab- 
baues der Kohlenlager und durch eine ökonomische Ver- 
wertung der Kohle die Erschöpfung der im Boden ruhenden 
Schätze auch zurückgehalteu werden, einmal muss der Tag 
kommen, an dem unser jetzt noch gewaltiger Kohlenvorrat 
verl)raucht sein wird. Bis dahin muss es also dem mensch- 
lichen Geiste gelungen sein, eine andere Energiequelle 
aus indig zu machen, andere Naturkräfte in nutzbare 
Energieformen zu bringen. In der Wärme der Sonne und 
in der Kraft des fliessenden Wassers scheint die Möglich- 
keit der Entbehrlichmachung der Kohle zu liegen. Ob es 
niclit einmal noch gelingen wird, die Sonnen wärme in 
irgend einer Form für wirtschaftliche Zwecke direkt ver- 
wertbar zu machen, wer kann es wissen? Mit der Aus- 
nut mng der Wasserkraft, die, schon seit Urzeiten vom Men- 
schen angewandt, dann durch die Dampf kraft verdrängt, 
lange wie ein Veilchen im Verborgenen geblüht hat, sind 
in leuerer Zeit, seit man gelernt hat, sie mit Hilfe der 
Dynamomaschine in elektrische Energie umzuwandeln, 
jedt nfalls schon beachtenswerte Fortschritte erzielt w'orden. 
Für Süddeutschland ist die Möglichkeit einer Verwertung 
der Wasserkraft von besonders grosser Bedeutung, da es, 
mit Kohlen schlecht versehen, teilweise — dies gilt vor- 
nehmlich für Südbayern und Südbaden — über erhebliche 
natürliche Wasserkräfte verfügt. Von den etwa 2000000 P.S. 
mit :barer Wasserkraft, die nach einer fachmännischen 
Schätzung das Deutsche Reich besitzt — übrigens sehr 
viel weniger als Frankreich und Italien oder gar die 
Schweiz, Schweden und Norwegen — , entfallen allein 
700XX3P.S. auf Bayern und 450000 auf Baden. Der Aus- 
bau dieser Wasserkräfte, die bis jetzt nur zum kleineren 
Tei e nutzbar gemacht worden sind, kann demnach den 
in Betracht kommenden süddeutschen Staaten ziemliche 
Ausgaben für Kohlen ersparen. Freilich muss man sich 
hiei sehr vor einem leicht irreführenden Optimismus, vor 
ein« r Ueberschätzung des wirtschaftlichen Nutzens der 
„weissen Kohle“ hüten. Denn um aus den Wasserkräften 



— 17 — 

ti 

I elektrische Energie zu gewinnen, bedarf es im allgemeinen 

^ des Baues gewaltiger Kraftwerke unter Inan.spruchnahme 

bedeutender Kapitalien, deren Verzinsung und Amortisie- 
rung die Rentabilität leicht in Frage stellen kann. Immerhin 
bilden für Süddeutschland — es gilt die.s, wie gesagt, in 
der Hauptsache allerdings nur für Südbayern und Süd- 
baden — die Wasserkräfte einen bedeutsamen Faktor für 
die Aussichten seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Wenn 
aber auch die Verwertung der Wasserkraft in Süddeutsch- 
land — wobei auch an die in Verbindung mit der Regu- 
lierung des Oberrheins geplanten Kraftwerke zu denken 
ist — noch eine grosse Zukunft haben mag, das Bedürfnis 
an Kohlen wird kaum geringer werden und die Wasser- 
kraft wohl nur eine — für den wirtschaftlichen Fortschritt 
freilich höchst wertvolle — Kraftergänzung darstellen. 

Einen Ersatz für Kohle bieten auch die flüssigen 
Brennstoffe, die sich ein immer grösseres Anwendun»s- 
gebiet erobern, nicht zuletzt inlolge der wachsenden Be- 
nutzung der Dieselmotoren. Ausser zum Antrieb von 
Motoren können aber flüssige Brennstoffe auch vorteilhaft 
verwandt werden zur Heizung von Dampfkesseln, Loko- 
motiven und Schiffskesseln, ferner für Metallschmelzung, 
schliesslich auch als Heizmaterial für W'ärmeanlagen in 
Gebäuden. Früher waren der Verwendung von flüssigen 
Brennstoffen in Deutschland dadurch Schranken gesetzt, 
dass sie von weither eingeführt werden mussten, also mit 
hohen Frachtkosten belastet waren; zudem gingen ent- 
sprechend der wachsenden Nachfrage auch die Preise 
erheblich in die Höhe. Erst die weitere Verarbeitung des 
Steinkohlenteers, des ersten Nebenproduktes der Kokereien, 
hat uns einen eigenen billigen Brennstoff beschert, das 
Teeröl. Einen eigentlichen Ersatz für die Kohle — etwa 
wie die Wasserkraft - bildet das Teeröl also nicht, da 
es ja aus der Kohle hergestellt wird. Die Gewinnung 
natürlicher flüssiger Brennstoffe, so vor allem des Erdöls, 
wird aber voraussichtlich noch weit eher beendet sein als 
die Förderung von Kohlen. Anderseits kann aber auch die 


2 


Produktion von Teeröl nicht beliebig gesteigert werden. 
Füi Gegenden, für die, wie für Süddeutschland, mit der 
Hei beischaflfung der Brennstoffe erhebliche Frachtkosten 
verbunden sind, hätte die Verwendung flüssiger Brennstoffe, 
des höherwertigen Materials, gegebenenfalls auch den Vor- 
zug der PVachtersparnis. 







II. Die Beteiligung der verschiedenen 
Produktionsgebiete un der Kohlenversorgung 

Süddeutschlands. 

Wenn Süddeutschland heute einen gewaltigen Bedarf 
an Brennstoffen hat, und zwar vornehmlich infolge der 
mehr und mehr aufblühenden Industrie, so steht die 
Deckung dieses Bedarfes teilweise in engem Zusammen- 
hang mit seiner Entstehung. Denn mögen auch Ver- 
hältnisse verschiedenster Art das Aufkommen grossgewerb- 
licher Unternehmungen im Süden des Deutschen Reiches 
ermöglicht und ihr Wachstum gefördert haben, so sind es 
offenbar doch zwei Faktoren, die auf die Entwicklung der 
süddeutschen Industrie eine besonders günstige Wirkung 
ausüben, erstens das beträchtliche Kohlenvorkommen im 
Saarrevier, sodann die eine verhältnismässig billige Herbei- 
schaffung der Kohle, des wichtigsten Hilfstoffes der Indu- 
strie, ermöglichende Wasserweg- Verbindung eines erheb- 
lichen Teiles Süddeutschlands mit unserer grössten Kohlen- 
gewinnungsstätte, dem Ruhrbecken, durch den Rhein. 
Der Bedarf Süddeutschlands an Kohlen ist also zum grossen 
Teil erst herausgewachsen aus der Möglichkeit, ihn zu 
befriedigen. Wie sehr also die beiden vorerwähnten 
Momente Saarbergbau und Rheinwasserstrasse — das 
Aufblühen des Grossgewerbes in Süddeutschland begünstigt 
haben, zeigt einmal die gewaltige eisenherstellende und 
eisenverarbeitende Industrie im Saargebiet und in Loth- 
ringen — die sich freilich jetzt nicht mehr allein auf den 
Steinkohlenbergbau in diesem Bezirke stützt, sondern ihren 
jüngsten mächtigen Ausbau vor allem den reichen Lagern 


20 


an Minette-Erzen in Eothringen zn verdanken hat — zum 
anc ern Male die Entstehung grosser Industrien am Rhein 
um. in nächster Nähe des Rheines. Selbstverständlich ist 
die relativ billige Anfuhr vou Kohlen nur einer von den 
vie .eil Vorteilen, die die Lage gewerblicher Unternehmungen 
an grossen Wasserstrassen im Gefolge hat, sicherlich aber 
an Bedeutung nicht der geringste. 

Die Feststellung des Konsums Süddeutschlands an 
Brennstoffen — wie der deutschen Verbrauchsstätten über- 
harpt — ist nun mit einigen Schwierigkeiten verbunden, 
zui] la] wenn die Brennstoffe nach ihrer Herkunft unterschieden 
weiden sollen. Ueber den Kohlenverkehr des deutschen 
Zol gebietes als eines einheitlichen Wirtschaftskörpers mit 
dem Ausland können wir uns an Hand der Reichsstatistik 
gerau unterrichten. Dagegen befasst sich keine amtliche 
Sta.istik mit der Aufgabe, für jeden einzelnen Ort des 
Deutschen Reiches seinen Verbrauch in Brennstoffen zu er- 
mitieln und diesen gar nach den verschiedenen Produktions- 
stälten zu unterscheiden. Ein — wenn auch nur annähernd 
richtiges — Bild über die Kohlenversorgung der einzelnen 
Gegenden Süddeutschlands und des Anteiles der ver- 
seil .edenen Kohlengewinnungsbezirke lässt sich jedoch 
mit Hilfe der Statistik der Güterbewegung auf den deut- 
sch äii Eisenbahnen und der Statistik der Binnenschiffahrt 
des Deutschen Reiches entwerfen, wobei aber Ungenauig- 
kei eil mit in den Kauf genommen werden müssen. Die 
ein.:elnen Produktionsgebiete, d. h. soweit sie Wirtschafts- 
ein leiten darstellen oder in Organisationen zusammen- 
gesihlossen sind, besitzen natürlich genaue Aufstellungen 
über den Verbleib ihrer Erzeugnisse. Dass sie aber diese 
Sta istiken in ihrer Ausführlichkeit der Oeffentlichkeit 
nicht gern preisgeben, liegt auf der Hand. Die amtliche 
Sta istik hat diesen gegenüber aber auch den Vorteil, dass sie 
die einzige ist, die die statistischen Erhebungen für alle 
Gri ben, ob sie nun einer Organisation angehören oder 
nidit, für den gleichen Zeitraum und die gleichen Ge- 
biete in der gleichen Weise (Erhebungstechnik) für alle 



X „ 



I 

I 




in Betracht kommenden Brennstoffe inländischer oder aus- 
ländischer Herkunft anstellt, während Erhebungsart und 
Erhebungszeit (Kalenderjahr — Geschäftsjahr) bei den ver- 
schiedenen Verkaufstellen der Produzenten ausserordentlich 
verschieden und infolgedessen genauere Vergleiche fast in 
allen Fällen unmöglich sind. Zweck der vorliegenden 
Abhandlung soll aber auch weniger der sein, ziffernmässig 
Jahr für Jahr die Brennstoffbezüge der einzelnen Gegenden 
und Plätze Süddeutschlands aus den verschiedenen Ge- 
winnungsstätten genau festzustellen, sondern eine allge- 
meine Uebersicht über die Gestaltung der Kohlenversorgung 
Süddeutschlands und der Beteiligung der verschiedenen 
Bergbaubezirke daran zu geben, mehr aber noch den Ursachen 
des Aufkommens und Fortschreitens oder des Rückganges der 
einzelnen Kohlenförderstätten hinsichtlich ihrer Lieferungen 
nach Süddeutschland nachzugehen und hieraus Rückschlüsse 
zu ziehen für die weitere Entwicklung, ferner alle die 
P'aktoren festzuhalten, die für die Sicherstellung, Ver- 
einfachung und Verbilligung der Kohlenversorgung Süd- 
deutschlands von Bedeutung sind. 

Im folgenden soll nun zunächst untersucht werden, 
welche Kohlenfundstätten an der Versorgung Süddeutsch- 
lands mit Brennstoffen beteiligt sind, welche Mengen sie 
in den Verbrauch überleiten und wie sich diese auf die 
einzelnen Gegenden verteilen. Es sollen dabei alle die 
allgemeinen und besonderen Umstände hervorgehoben 
werden, die den Anteil der betreffenden Bergbaubezirke 
erklären, weshalb es als angebracht erscheint, auch der 
Produktionsverhältnisse in den verschiedenen Kohlen- 
revieren zu gedenken. 

Die Wettbewerbsfähigkeit der Gewinnungsstätten 
unter einander wird natürlich in erster Linie durch die 
Preise bestimmt, zu denen sie ihre Produkte auf den IMarkt 
bringen können. Wenn nun auch diese Preise vornehm- 
lich aus dem Wert der Kohle auf der Grube, der hin- 
wiederum vor allem auf den Gestehungskosten beruht, 
und aus den Frachtlasten sich zusammensetzen, so sind 




t 





22 

für das Ergebnis des Wettbewerbes doch auch noch andere 
Fahtoren massgebend, vornehmlich die besonderen Eigen- 
sclu Iteii der Kohlen, die ihnen einen verschieden hohen 
Get rauchswert verleihen. Die Entscheidung des Ver- 
brauchers für dieses oder jenes Produkt wird daher im 
allgemeinen weniger von der absoluten als von der rela- 
tive;! Höhe des dafür geforderten Preises abhängen. Ausser- 
den können auch andere, nicht eigentlich in dem Produkt 
selbst liegende Faktoren den Wettbewerb stark beein- 
flusi en, so besonders die geringere oder grössere Geschick- 
lich ceit der Verkäufer, bei syndizierten hh'zeugnissen die 
Ges :häftshandhabung der Verkaufsvereinigungen, unter 
Unrüänden auch Hemmnisse politischer Natur, z. B. Zölle. 
Oft ertährt auch das Produkt des einen Reviers bei den 
VeDrauchern eine Wertschätzung, die den tatsächlichen 
Eigenschaften nicht entspricht — man könnte hier fast von 
einem -Affektionswert“ reden — , während einem andern 
Erzeugnis umgekehrt oft ein unbegründetes Vorurteil ent- 
gegengebracht wird. Dieses psychologische Moment spielt 
erfaarungsgemäss zuweilen schon eine Rolle. Man wird also 
zu einem richtigen Ergebnis nicht gelangen können, wenn 
mal — wie dies oft geschieht — den Grad der Wett- 
bewsrbsmöglichkeit der einzelnen Bergbaureviere auf 
diesmi oder jenem Markt lediglich nach den Frachtkosten 
und dem Wert der Kohle auf der Grube abschätzen will. 
Trugschlüsse werden leicht die Folge sein. IMit dem Wert 
der Collie auf der Grube oder — was fast dasselbe ist — 
den Selbstkosten der Zechen zu arbeiten, ist ohnehin ein 
missliches Ding. Denn die Berechnungen der Gestehungs- 
kosten erfolgen auf den einzelnen Zechen oder in den 
verschiedenen Revieren durchaus nicht nach dem gleichen 
Sy.stem, ihre Ergebnisse können demnach auch schlecht 
mit einander verglichen werden. Ein Moment der Un- 
sicherheit liegt ferner darin, dass diese Grubenwerte der 
Kohle oft ganz erhebliche Schwankungen aufweisen. 
Imir erhin bilden sie aber doch einen Faktor im Wett- 
bewerb, weshalb sie auch in den folgenden Untersuchungen 




— 23 - 

nicht unbeachtet bleiben sollen. Die Zahlentafel 3 (in 
der Anlage) gibt die Grubenwerte der Steinkohlen und 
Braunkohlen der verschiedenen für die Kohlenversorgung 
Süddeutschlands in Betracht kommenden Gewinnungs- 
bezirke an. Die Zahlen können aber nur einen ganz all- 
gemeinen Anhalt gewähren, zumal da sie sich nur auf das 
Rohprodukt, die Förderkohle, beziehen. 

Der zweite Hauptfaktor für den Grad der Konkurrenz- 
fähigkeit besteht in der Höhe der Frachten von der Ge- 
winnungsstätte bis zum Verbrauchsort. Hier ist es von 
wesentlicher Bedeutung, ob die Kohle mit der Eisenbahn 
befördert werden muss, oder ob sie auch den meist 
billigeren Wasserweg benutzen kann. Die wirtschaftlichen 
AMrzüge des Wassertransportes der Kohlen sollen an einer 
anderen Stelle dieser Abhandlung noch eingehend erläutert 
werden, und im besonderen wird auch die Höhe der 
Kosten der Kohlen Verfrachtung auf der Wasserstrasse nach 
Süddeutschland zu besprechen sein. Ueber die Höhe der 
Eisenbahnfrachten von den für Süddeutschlands Kohlen- 
versorgung in Betracht kommenden Kohlenrevieren nach 
den verschiedenen Gegenden Süddeutschlands geben die 
Zahlentafeln 4 a, b, c Auskunft. 

Die Wettbewerbsmöglichkeit hängt ferner von der 
Beschaffenheit der Kohle ab, die hauptsächlich in dem 
ihr innewohnenden Heizwert zum Ausdruck kommt. 
Wenn es nun auch nicht angängig ist, bei einem Vergleich 
der Kohlen verschiedener Herkunft nur nach dem Heiz- 
wert den Qualitätsgrad des einzelnen Erzeugnisses be- 
stimmen zu wollen, vielmehr je nach dem Verwendungs- 
zweck für die Wahl des Verbrauchers auch andere Eigen- 
schaften der Kohle mitsprechen müssen — dem kalori- 
metrisch bestimmten Heizwert entspricht nicht ohne weiteres 
die praktische Heizkraft — , so sind im grossen ganzen 
für die Beurteilung der Produkte der verschiedenen Berg- 
baubezirke die Heizwerte doch die gegebenen Wertmesser. 
In der Zahlentafel 5 sind die Heizwerte von Erzeugnissen 
der Süddeutschland mit Kohlen versorgenden Gewinnungs- 


I 


24 



I 


stälteu niedergelegt. Die Zahlen sind Berichten öfFent- 
licl: er Untersuchnngsanstalten entnommen. 

Einer Betrachtung der Kohlenversorgung Süddeutsch- 
lan ls hat natürlich die Festlegung des geographischen 
Be^ rifFs Süddeutschlands vorauszugehen. Unter Annahme 
der Mainlinie als nördlichen Grenze werden sich die 
folgenden Untersuchungen auf Bayern, Württemberg, 
Bac en, die bayer. Rheinpfalz, das Grossherzogtum Hessen 
(oh le Oberhessen), Elsass-Eothringen, sowie das Saargebiet 
erstrecken. Für die Kohlenversorgung dieses ganzen Ge- 
bietes kommen nun in Betracht: erstens die eigene Pro- 


dultion und zweitens die Zufuhr aus anderen Revieren, 

die ainwiederum zu trennen ist nach Inland und x\usland. Die 

eig«;ne Kohlengewinnung findet statt im rechtsrheinischen 

Ba\ ern, in der bayer. Pfalz, in Lothringen und vor allem 

im Saargebiet. Die Kohleneinfuhr geschieht aus dem 

Ruiirgebiet, dem Aachener Revier, Schlesien und Sachsen, » . 

feri er aus Thüringen, dem rhein. Braunkohlenbezirk und 

Hejsen. Sodann aus dem Ausland, und hier sind daran 

beteiligt Oesterreich (und zwar nahezu ausschliesslich 

Böl men), Belgien, Holland, Frankreich und England. 

Die Zahlentafel 6 gibt die Bezüge der einzelnen süd- 
deu :schen Staaten an Steinkohlen, Koks und Braunkohlen 
im Jahre 1912 wieder, soweit diese Zufuhren mit der 
Eisenbahn erfolgt sind. Die Zahlen sind der Statistik der 
Güt erbewegung auf den deutschen Eisenbahnen entnommen. 

Erläuternd sei dazu folgendes bemerkt: 

Die Lieferungen an schlesischer Kohle geschehen 
fast ganz aus dem Verkehrsbezirk 13, dem Regierungs- 
bezirke Oppeln. Es handelt sich also bei der Ein- 
fuhr nahezu ausschliesslich um oberschlesische Kohle. 

Der kleine Rest stammt aus dem Regierungsbezirk 
Breslau, ist somit niederschlesische Kohle. 

Der Verkehrsbezirk 19 setzt sich zusammen aus 
den preussischen Regierungsbezirken Merseburg und A * 

Erfurt, dem Kreis Schmalkalden des Regierungs- 
bezirks Kassel und den Thüringischen Staaten. Die 



— 25 - 

aus diesem Bezirk nach Süddeutschland gelangenden 
Braunkohlen stammen vornehmlich aus dem Zeitz- 
Weissenfelser Revier und aus Sachsen-Altenburg. 

Das Ruhrgebiet (Verkehrsbezirke 22 und 23) 
umfasst das von der Linie Hamm-Haltern-Dorsten- 
Dinslaken - Homberg - Düsseldorf - Bursch eid - Meinerz- 
hagen-Heraer-Hanim umgrenzte Gebiet mit Ausnahme 
der Rheinhafenstationen Duisburg, Duisburg-Hoch- 
feld und Ruhrort. Verkehrsbezirk 22 stellt den zu 
Westfalen, Verkehrsbezirk 23 den zur Rheinproviiiz 
gehörenden Teil des Ruhrgebietes dar. 

Die Verkehrsbezirke 24 (Provinz Westfalen — 
ohne Ruhrgebiet — , Lippe und Waldeck) und 25 
(Rheinprovinz rechts des Rheins — ohne Ruhrgebiet 
und Rheinhäfen — ) sind in der Aufstellung nicht 
berücksichtigt worden, da die aus diesen Gebieten 
erfolgten Lieferungen zu unbedeutend waren. 

Den Verkehrsbezirk 26 bildet die Rheinprovinz 
links des Rheins (mit Ausnahme des Saargebiets). 
Die Versandzahlen für Steinkohlen aus diesem Be- 
zirk geben also in der Hauptsache, wenn nicht aus- 
schliesslich, die Lieferungen aus dem Aachener Revier 
wieder. Bei Koks dürfte es sich zum guten Teil 
auch um Gaskoks handeln. Die Braunkohlen ent- 
stammen natürlich dem Kölner Bezirk. 

Das Saargebiet, Verkehrsbezirk 27, erstreckt sich 
von Neunkirchen (einschl.) bis Trier (ausschl.). 

Bayern rechts des Rheines zerfällt in die Ver- 
kehrsbezirke 36 Südbayern (Regierungsbezirke Ober- 
bayern, Niederbayern, Schwaben und Neuburg, sowie 
Stadt Regensburg, die Bezirksämter Regensburg und 
Stadtamhof) und 37 Nordbayern (Regierungsbezirke 
Oberpfalz und Regensburg — mit Ausschluss der 
Stadt Regensburg, sowie der Bezirksämter Regens- 
burg und Stadtamhof — , Oberfranken, Mittelfranken, 
sowie Unterfranken und AschafFenburg). Bei dem 
Versand aus Südbayern handelt es sich um die ober- 


26 



bayerischen Pechkohlen, bei dem aus Nordbayern in 
der Hauptsache um die Schwandorfer Erzeugnisse. 

Der Versand aus dem Verkehr sl)ezirk 21 (Provinz 
Hessen-Nassau und Oberhessen) an Steinkohlen be- 
steht offenbar aus in Rhein- und Main-Stationen um- 
geschlagenen IMengen. Dasselbe gilt vom Koks, mit 
der Einschränkung, dass sich hierunter auch Gaskoks 
befinden dürfte. Die Statistik macht aber in dieser 
Hinsicht keinen Unterschied. Bei der Braunkohle 
handelt es sich natürlich um die Produkte aus Ober- 
hessen und Hessen-Nassau. 

Auch die von dem Verkehrsbezirk 32 (Gross- 
herzogtum Hessen ohne Oberhessen) zum Versand 
gekommenen Mengen sind vorher über die Wasser- 
strasse herangebracht worden. Die auffallend starken 
Eieierungen aus diesem Bezirk nach Bayern erklären 
sich — was schon hier erwähnt sein mag — durch 
die Bezüge der bayer. Staatsbahnen, die den Umschlag- 
platz Gustavsburg benutzen, da kein anderer Rhein- 
hafen dem bayer. Staatsbahnnetz so nahe liegt. 

Umschlagmengen stellen sodann die Eieferungen 
aus den Verkehrsbezirken 33 (Baden ohne Mannheim 
und Rheinau) und 34 (Mannheim, Rheinau, Eudwigs- 
hafen) dar. Dasselbe gilt für den Verkehrsbezirk 30 
lEisass). Die Versandziffern der Bezirke 29 (Eoth- 
ringen) und 31 (bayer. Pfalz) geben dagegen Eiefe- 
rungen der eigenen Erzeugnisse wider. Die in 
pfälzischen Rheinhafen-Stationen (ohne Eudwigshafen) 
umgeschlagenen, übrigens nur unbedeutenden Mengen, 
gelangen kaum in einen anderen Bezirk. Sie bilden 
also einen Teil des Empfangs aus eigenem Bezirk. 

Zu den Verkehrsbezirken 54 (Böhmen), 55 (übriges 
Oesterreich), 60 (Belgien) und 61 (Holland) ist an 
dieser Stelle nichts besonderes zu erwähnen. 

Im ganzen sei zu der Aufstellung noch bemerkt, 
dass die Zahlen der Eisenbahn-Güterstatistik der 
besseren Uebersicht wegen auf 50 abgerundet worden 



\i 




sind. Die in der Statistik aufgeführten ganz kleinen 
Eieferungen sind in der Aufstellung nicht berück- 
sichtigt worden, sofern sie unter 500 t bleiben. Es 
handelt sich dabei um Zufälligkeits- oder Verlegen- 
heitsmengen, die in der Aufstellung nur störend 
wirken würden. 

Die Zahlentafel 6 lässt nun zwar klar erkennen, was die 
süddeutschen Staaten im Jahre 1912 an Brennstoffen mit 
der Eisenbahn erhalten haben, und sie zeigt auch, welche 
Kohlenfundstätten an den Eieferungen beteiligt sind und 
in welchem Umfang ungefähr. Die aus den Verkehrs- 
bezirken 21, 30, 32, 33, 34 versandten IMengen sind, wie 
nachher noch darzulegen sein wird, weitaus in der Haupt- 
sache als Ruhrkohlen anzusprechen. Die Bezüge der süd- 
deutschen Kohlenverbraucher sind aber damit noch nicht 
erschöpft. Das Bild ist unvollständig, denn es fehlen ein- 
mal die Mengen, die mit der Fuhre vom Gewinnungsorte 
zum Verbraucher gelangen, dann aber auch — und das 
ist von weit grösserer Wichtigkeit — die direkt auf dem 
Wasserwege bezogenen Mengen. 

Für das Saargebiet stellt sich bei Berücksichtigung 
des Eandabsatzes der Verbrauch an Kohlen eigener Er- 
zeugung für 1912 nicht bloss auf 3117 000 t Kohlen, d. h. 
den Eisenbahnempfang, sondern auf rund 5,5 Millionen t — 
allerdings einschliesslich Selbstverbrauch der Zechen — , 
nämlich Produktion (12,47 Millionen t) abzüglich Absatz 
im übrigen Inland und im Ausland mit Eisenbahn und 
Schiff (rund 7 Millionen t). Hiervon sind allerdings nun 
wieder die Koksbezüge mit der Bahn aus dem eigenen 
Bezirk in Abzug zu bringen, da diese IMengen, wenn auch 
in anderer Form, ja schon in den für die Koksherstellung 
an den eigenen Bezirk — mit Bahn, Fuhre, Drahtseilbahn, 
Schmalspurbahn — abgegebenen Quantitäten Kohlen ent- 
halten sind. 

In gleicher Weise berechnet sich für Eothringen der 
Steinkohlenverbrauch im Jahre 1912 auf 3,56 Millionen t 
Förderung abzüglich 2,02 Millionen t Versand ausserhalb 


28 


des Bezirkes auf 1,54 Millionen t oder nach Abzug von 
rund 100(300 t Koksbezügen eigener Herstellung auf 1,44 
Millionen t — einschliesslich Zechenselbstverbrauch — , 
wälirend die Tabelle 6 nur 1,126 Millionen t aufführt. Der 
Koksverbrauch erfährt eine Minderumj durch die nach 
Frankreich ausgeführten Mengen, die — offenbar aus 
Rulirkoks bestehend — 1912 750(300 t ausmachten. Diese 
Mengen sind ohne Zweifel in den Verbrauch der in Frank- 
reich unmittelbar an der lothringischen Grenze gelegenen 
Hülten übergegangen. 

Was sodann die bayer. Pfalz anbelangt, so besteht für 
die Berechnung deren Eigenverbrauchs insofern eine kleine 
Schwierigkeit, als die aus der Pfalz in die Pfalz selbst mit 
der Eisenbahn versandten Quantitäten vielleicht auch 
Rin inumschlagsmengeii enthalten. Diese sind aber auf 
jech n Fall so gering, dass sie unberücksichtigt bleiben 
dür en. Es betrug nun im Jahre 1912 die Förderung der %.• 

pfälzischen Gruben 7900(30 t Kohlen, der Versand rund 
540 300 t. Es bleibt ein Konsum — wieder einschliesslich 
Seil stverbraiich der Zechen — von 250(300 t, während die 
Eis( nbahnstatistik nur 122600 t als Empfang aus eigenem 
Bez rk aiiführt. 

Von der Braunkohleiipioduktion Bayerns rechts des 
Rheines wurden ausgeführt im Jahre 1912 aus Nordbayern 
rund 500(30 t, aus Südbayeru rund 25 0« 30 t. Bei einer 
Gesmitförderung von etwa 1 8(30(300 t ergibt das einen 
Eig mverbrauch von 1725000, während die Eisenbahn- 
stat: stik nur 973000 t als Empfang aus eigenem Bezirk 
aulfihrt. Der erhebliche Unterschied erklärt sich einmal 
dun h den starken Selbstverbrauch der Gruben, im be- 
somkren auch zur Brikettherstellung — die Brikettmengen 
sind aber in den als abgesetzt verzeichneten Mengen ent- 
halten — , sodann auch durch die Versorgung von Elek- 
trizi;ätsanlagen in unmittelbarer Nähe der Gruben. Etliche 
Mei]gen entfallen auch auf den sonstigen Landabsatz. , ' 

Um ein richtiges Bild von dem Gesamtverbrauch Süd- I 

deutschlands an Brennstoffen zu erhalten, muss man, wie ( 


29 


gesagt, ferner die auf dem Wasserwege herangeführten 
Mengen berücksichtigen. Hier sind zwei Haupt-Zufuhr- 
strassen zu unterscheiden : erstens der Rhein, der natürlich 
die Hauptmengen bringt, und zweitens die Kanäle in 
Elsass-Lothringen, die einerseits Saarkohlen und anderseits 
belgische und französische Erzeugnisse herbeischaffen. 

Der Gesamtempfang der Rheinstationen von Mainz 
aufwärts bis Strassburg betrug im Jahre 1912: 

6 6318(30 t Steinkohlen und Steinkohlenbriketts, 
462600 t Koks, 

406 200 t Braunkohlenbriketts. 

Diese Mengen dürfen natürlich nur zum kleineren 
Teil als weiterer Empfang zum eigenen Verbrauch be- 
stimmter Brennstoffe Süddeutschlands gebucht werden, 
denn einmal sind in ihnen ja bereits die Quantitäten ent- 
halten, die in den betreffenden süddeutschen Verkehrs- 
bezirken umgeschlagen und an süddeutsche Verbraucher 
mit der Bahn weiterversandt worden sind. Es sind also 
die in der Zahlentafel 6 aufgeführten Versandmengen aus 
den Verkehrsbezirken 30 (Eisass), 32 (Grossherzogtum 
Hessen), 33 (Baden), 34 (Mannheim, Rheinau, Ludwigs- 
hafen) in Abzug zu bringen. Die aus der Pfalz (ohne 
Ludwigshafen) versandten Mengen sollen in Ueberein- 
stimmuiig mit dem oben Gesagten nicht als Umschlags- 
mengen gelten. Der Versand aus den Verkehrsbezirken 32, 
33, 34 und 30 nach süddeutschen Gegenden — die 4 Ver- 
kehrsbezirke einbegriffen — belief sich gemäss Tabelle 6 
im Jahre 1912 auf: 

3 984000 t Steinkohlen und Steinkohlenbriketts, 

212 500 t Koks, 

223 500 t Braunkohlenbriketts. 

Sodann sind aus den 3 letztgenannten Bezirken in das 
Ausland (Schweiz, Frankreich, Italien, Oesterreich, Luxem- 
burg) ausgefühlt worden (Bahnversand): 

1116(3(30 t Steinkohlen und Steinkohlenbriketts 
107 800 t Koks 
23 6(30 t Braunkohlenbriketts. 


30 




Schliesslich wurden auf den elsass-lothring. Wasser- 
stn.ssen nach Frankreich versandt 216350 t Kohlen. Diese 
All duhrmengen sind, will man den Inlandabsatz der auf 
dei 1 Rhein herangebrachten Kohlen erfassen, natürlich 
ebenfalls abzuziehen. Nach Abzug der Mengen der 3 ge- 
nai Ilten Gruppen von den auf dem Rhein den grösseren 
Ha enplätzen von Mainz bis Strassburg zngeführten Oiianti- 
täti n verbleiben : 

1215 350 t Steinkohlen und Steinkohlenbriketts, 

142 300 t Koks, 

159100 t Braunkohlenbriketts. 

Aber auch die so gewonnenen Zahlen dürfen nicht 
obre weiteres als Verbrauchsmengen der betreffenden süd- 
deutschen Staaten im Jahre 1912 angesprochen werden. 
Del 11 es ist zu beachten, dass die auf dem Wasserwege 
her ingebrachten Mengen nicht sämtlich sofort den Ver- 
bra ichern zugeführt werden, vielmehr ein beträchtlicher 
Tei auf Kager gelegt wird. Anderseits ist von den ver- 
sainlten Mengen möglicherweise auch ein Teil Kager- 
besländen entnommen, die aus Schiffszufuhren eines 
frül ereil Zeitraumes herrühren. Die gewoniieneii Zahlen 
köiiLien also nur dann als in dem betreffenden Jahr in 
den Verbrauch übergegangeii angesehen werden, wenn 
mal annimmt, dass Kagerzugang und Kagerabgaiig sich in 
den selben Jahr aiisgleichen, was aber selbstredend nicht 
zuzi .treffen braucht und in der Regel auch nicht der Fall 
ist. Es hängt dies natürlich sehr von der Marktlage, von 
der Nachfrage ab. Wenn es demnach auch so gut wie 
111111 öglich ist, auf Grund der amtlichen statistischen Unter- 
lagen anzngeben, wieviel von den in einem Jahre auf dem 
Sch:ffswege nach dem Oberrhein verbrachten Mengen in 
den Verbrauch der betreffenden Rheiniiferplätze über- 
gegi Ilgen ist, so darf doch angenommen werden, dass dies 
für ien weitaus grössten Teil der Mengen zu gelten hat, 
was 3ei der Schlusszusammenstelluug berücksichtigt werden 
soll. Diese Mengen sind aber nun nicht sämtlich in nn- 
mitt dbar am Rhein gelegenen Plätzen den Verbrauchern 



— 31 — 

überwiesen worden, vielmehr findet ein nicht unbeträcht- 
licher Schiffsversand auf den Kanälen Elsass-Kothringens 
statt. 1912 belief sich dieser innere Schiffsverkehr auf 
247 550 t Kohlen. Recht klein ist der Schiffsversand den 
Neckar aufwärts, der 1912 mir 22 800 t betrug. 

Sodann sei noch der freilich nur geringen Zufuhr auf 
dem Main nach Bayern gedacht, die nach dem amtlichen 
Material leider nicht genau festzustellen ist. Sie dürfte 
sich auf hochgerechuet 1(X)000 t belaufen. 

Schliesslich ist noch zu bemerken, dass an Saarkohlen 
1912 auf dem Wasserwege nach Eisass- Kothriiigen 150400 t 
gebracht wurden. Die Einfuhr belgischer Kohlen und 
französischen Koks (die Statistik trennt die beiden Sorten 
nicht) nach Elsass-Kothringeu betrug in demselben Jahre 
97100 t. 

Im ganzen wird man den Kohlenverbrauch der süd- 
deutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden, bayer. 
Pfalz, Hessen, Elsass-Kothringen, Saargebiet im Jahre 1912 
auf rund 21 Millionen t Steinkohlen und Steinkohlenbriketts, 
4 IMillionen t Koks und 4f'c Millionen t Braunkohlen und 

t im 

Braunkohlenbriketts schätzen dürfen. Der Verbrauch von 
Gaskoks ist nicht besonders berücksichtigt, denn diese 
Mengen sind zum weitaus grössten Teile in den zu- 
geführten Kohlenmengen enthalten. Die Einfuhr von Gas- 
koks ist schon in der Zahlentafel 6 fast ausschliesslich 
berücksichtigt. 

Schon aus der Zahlentafel 6 ergibt sich, dass an der 
Kohlenversorgung Süddeutschlands das Ruhrrevier weitaus 
den grössten Anteil hat, der zudem dadurch noch ver- 
stärkt wird, dass zu diesen direkt ab Zeche mit der Bahn 
gelieferten sowie an oberrheinischen Hafenplätzen um- 
geschlageneu Mengen noch die mit Schiff über die Rhein- 
strasse den Verbrauchern unmittelbar zugeführten Quanti- 
täten kommen, die aber, wenn auch nicht ausschliesslich, 
so doch in ganz überwiegendem Masse aus dem rheinisch- 
westfälischen Kohlenbecken stammen. Dieses Gebiet nimmt 
ja nun auch überhaupt eine alles weit überragende Stellung 


— 32 — 

im deutschen Kohlenbergbau ein. Mit Rücksicht darauf, 
das: neben ihm auch fast alle anderen deutschen Kohlen- 
ge\^ innnngsstätten an der Brennstoffversorgnng Süddeutsch- 
laiK.s mehr oder weniger stark beteiligt sind, dürfte eine 
vergleichende Zusammenstellung der Produktion der ver- 
schiedenen Reviere am Platze sein. Die Zahlentafeln 7 und 
8 ii 1 Anhang geben die Entwicklung des Steinkohlen- 
bergbaues sowohl wie der Braunkohlengewiiinung der 
eiii 2 einen Bergbaubezirke wider. 

Noch immer trägt unsere grösste Kohlengewinnungs- 
stät e die Bezeichnung Ruhrrevier, obschon die Kohlen- 
förcerung jetzt nur noch zu einem sehr kleinen Teil an 
der Ruhr stattfindet, von deren Tälern sie freilich aus- 
geg ingen ist. In neuerer Zeit wandert dei Bergbau immer 
wei er nach Norden hin, zur Emsche und Lippe, und noch 
dari .ber hinaus dringt er vor. Neuerdings macht sich auch 
der Uebergang auf die linke Rheinseite immer mehr be- 
mer:cbar. Hier, wo früher — allerdings schon seit 1875 — 
nur die Zeche Rheinpreusseu aus dem Schoss der Erde 
die , schwarzen Diamanten“ heraufholte, stehen jetzt schon 
melrere Bergwerksunternehmungen grössten Stils in För- 
den ng, und weitere Zechen befinden sich im Ausbau. Ist 
also auch auf der linken Seite des Nied errh eins ein aus- 
gedehnter Steinkohlenbergbau im Emporkoninien begriffen, 
der noch grosse Entwicklungsmöglichkeiten in sich birgt, 
so entspricht das Wort „Ruhrkohlenrevier^ um so weniger 
den tatsächlichen Verhältnissen, und richtiger bezeichnet 
mai: jetzt das ganze Gebiet als das niederrheinisch- 
weitfälische Steinkohlenbecken. Die Zahl der 
bau vürdigen Flöze in diesem Bergbaurevier wird auf etwa 
100 geschätzt, die durchschnittlich 1 m Mächtigkeit be- 
sitze 11 , weshalb der Abbau im grossen ganzen gut erfolgen 
kan 1 . Das Kohlengebirge tritt im Süden zu Tage aus, wäh- 
renc es nach Norden von einem immer stärker werdenden 
Dec igebirge überlagert wird, das bei Recklinghausen schon 
etw£ 600 ni Mächtigkeit erreicht. Der besondere Vorzug 
des Ruhrbeckens ist nun der, dass es Kohlen verschie- 


33 



1 

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denster Art hervorbriiigt, also die mannigfachsten An- 
sprüche der Verbraucher zu befriedigen vermag. Erfolgte 
der ältere Ruhrkohlenbergbau vornehmlich in der Mager- 
kohlenpartie, so sind diese sowie auch die Esskohlen im 
Laufe der Jahre mit dem Vordringen des Bergbaues nach 
Norden und dem Aufkommen der Tiefbauanlagen mehr 
und mehr an Bedeutung zurückgetreteu. Die Fettkohlen 
und die Gas- und Gasflammkohlen machen jetzt den über- 
wiegenden Teil der Produktion aus. Von der Förderung 
der dem Rheinisch- Westfälischen Kohlen-Syndikat ange- 
hörenden Zechen im Jahre 1913 von 101652297 t entfielen 
65 555692 t oder 64,49 o/o auf die Fettkohlen und 24004823 t 
oder 23,61 o/o auf die Gas- und Gasflammkohlen, während 
die Mager- und Esskohlen-Förderung 12091782 t aus- 
niachte = 11,9 o/q der Gesamtproduktion. Diese wesent- 
liche Verschiebung in der Art der geförderten Kohlen hat 
nun auch zum grossen Teil dazu beigetragen, dass der 
Ruhrbergbau nicht mehr wie ehedem sich mit dem blossen 
Gewinnen, dem Zutagebringen der Kohlen begnügt, son- 
dern — abgesehen von der jetzt fast durchweg angewandten 
Aufbereitung der Rohkohlen auf mechanischem Wege — 
auch zu deren Veredlung durch chemischen Prozess über- 
gegangen ist. Aus dem ursprünglich rein okkupatorischen 
Gewerbe hat sich eine Bergwerksindustrie entwickelt. Es 
handelt sich hierbei in erster Linie um die Herstellung 
von Koks, die durch das reiche Fettkohlen-Vorkommen 
begünstigt wird. Die überragende Stellung des Ruhr- 
reviers hl der Koksproduktion Deutschlands lässt die Zahlen- 
tafel 9 erkennen. Welche Bedeutung die Koksherstellung 
für manche Zechen gewonnen hat, erhellt aus der Tat- 
sache, dass z. B. die Zechen Konstantin der Grosse, Dannen- 
baum und Friedlicher Nachbar ungefähr die Hälfte ihrer 
Kohlenförderung verkoken. Im ganzen betrachtet werden 
von den koksproduzierenden Zechen des Ruhrgebiets etwas 
über 250/0 der Kohlenförderung zur Koksherstellung ver- 
wandt. Der gewaltige Aufschwung, den die Koksindustrie 
namentlich in den letzten Jahren genommen hat, ist be- 

3 


34 


35 



soLders auch auf die Gewinnung von Destillaten aus den 
Koiisofengasen, wie Ammoniak, Benzol, Teer, zurückzu- 
lülren. Die Herstellung dieser sogen. Nebenprodukte — 
die freilich jetzt eine solche Bedeutung erlangt haben, 
dass nicht zuletzt aus ihnen der Gewinn der Zechen her- 
voi geht — hat eine ganz beträchtliche Steigerung erfahren. 
Hiirnnit im Zusammenhang steht auch die wachsende Ab- 
gal e von Leuchtgas an im Industriegebiet und in dessen 
näl erer Umgebung gelegene Städte und Gemeinden, die 
schon im vorigen Abschnitt erwähnte Gasfernversorgung. 
Fe] ner die Erzeugung von elektrischer Energie unter 
Verwendung der Koksofengase in Gaskraftmaschinen oder 
auc h durch deren Verbrennung unter Dampfkesseln. Beide, 
die Gasfernversorgung wie die Herstellung elektrischer 
Kr; .ft zur Abgabe au fremde Verbraucher — Ueberland- 
zentralen — , befinden sich im Anfangsstadium, lassen aber 
noch grosse Entwickluugsmöglichkeiten zu. 

Die Verwendung des Kohlenkleins zu Briketts ist viel 
jüuger als die Verarbeitung der Feinkohlen zu Koks. Dass 
die Herstellung von Briketts erst verhältnismässig spät — 
in den 1880er Jahren — in Deutschland bezw. im Ruhr- 
gel iet Eingang fand, während Frankreich und Belgien 
schon seit Mitte des vorigen Jahrhunderts Briketts produ- 
zieren, hängt mit zwei die Brikettindustrie auch heute 
no( h ganz besonders beeinflussenden Faktoren zusammen, 
dei 1 Verhältnis des Preises der Feinkohle zu dem der Stück- 
kohle sowie den Kosten des Bindemittels. Während nun 
aber in Belgien und Frankreich Stückkohlen Jahrzehnte 
lan j 4 — omal teuerer waren als Feinkohleu, verhielten sich 
die;e beiden Sorten im Ruhrbezirk preislich zu einander 
nie.nals höher als wie 1:3; zurzeit beträgt das Verhältnis 
etv a 1 : Ferner aber liess der hohe Preis des Binde- 

mil tels, des Steinkohlenpechs, die Verarbeitung der F'ein- 
kolilen zu Briketts nicht als vorteilhaft erscheinen, solange 
Stückkohlen verhältnismässig billig waren. Die wachsende 
Verwendung der Stückkohlen durch die Eisenbahnen, vor 
alRm auch die zunehmende Aufbereitung der Mager- und 






Esskohlen hatten zur Folge, da.ss die Gruben auf bessere 
Verwertung der stärker anfallenden aber schlecht ver- 
käuflichen Kleinkohle bedacht sein mussten. Immer aber 
wirkten die erheblichen und infolge der gestiegenen Nach- 
frage noch weiter in die Höhe gehenden Preise des Pechs, 
das aus England bezogen werden musste, hindernd, und 
eine raschere Zunahme der Brikettfabrikation setzte erst 
dann ein, als mit der Einrichtung der Koksöfen mit Neben- 
produktengewinnuug Steinkohlenteer und damit auch Pech 
im Ruhrgebiet selbst hergestellt, das notwendige Binde- 
mittel also billiger beschafft werden konnte. Die zu- 
nehmende Brikettherstellung hängt auch zusammen mit 
der steigenden Erkenntnis der Verwendungsmöglichkeiten 
der Briketts und deren dadurch wachsenden Beliebtheit. 
Ganz vorzüglich eignen sich Briketts, was gerade für diese 
Abhandlung besonderes Interesse bietet, und wovon später 
noch zu sprechen sein wird, zur Ansammlung von Vor- 
räten, infolge ihrer Wetterbeständigkeit, ihres hohen Heiz- 
wertes und ihrer geringen Neigung zur Selbstentzündung. 
Ueber die Steinkohlenbrikett-Herstellung im Deutschen 
Reich gibt die Zahlentafel 10 Auskunft. Aus der Zu- 
sammenstellung ist ersichtlich, wie unbedeutend im Ver- 
gleich zur Briketterzeugung des Ruhrgebietes die der 
anderen Kohlengewinnungsstätten ist. Wurde durch das 
reiche Vorkommen geeigneter Fettkohle die Koksproduk- 
tion im Ruhrgebiet besonders begünstigt, so hat zur 
Steigerung der Brikettherstellung die ebenfalls stark zu- 
nehmende Gewinnung von Mager- und Esskohlen bei- 
getragen, deren verhältnismässig weiche Beschaffenheit 
überdies einen beträchtlichen Anfall von Feinkohle zur 
Folge hat. 

Wie übrigens zur Koksherstelluug ausser der Fett- 
kohle auch Esskohle und Flammkohle verwandt wird, so 
dienen zur Brikettproduktion neben Ess- und IVIagerkohlen 
auch Fettkohlen. An der Koksherstellung hat die Fett- 
kohle etwa mit 93% Anteil, Esskohle mit etwa 1 — 2% 
und Flammkohle mit etwa 5—6%. Letztere wird aller- 





36 


37 


dirgs im steigenden Masse verwandt, vor allem weil sie 
we Jen ihres höheren Gasgehaltes für Nebenprodukten- 
gewinnung als besonders geeignet erscheint. Bei der Brikett- 
erz engung spielt die Hauptrolle die Esskohle mit etwa 
60* /o Anteil, während Fettkohlen mit etwa 23%, Mager- 
kohlen mit ca. 17% beteiligt sind. Der Anteil der Fett- 
ko!ile schwankt ziemlich stark je nach den allgemeinen 
wh tschaftlichen Verhältnissen; in Hochkonjunkturzeiten 
bei starker Nachfrage nach Koks wird man die Fettfein- 
kohlen natürlich lieber zur Koksproduktion verwenden 
als zur Brikettherstelluug. Die Beteiligung der Esskohle 
an der Brikettproduktion nimmt stetig zu, und zwar auf 
Kosten der Magerkohle. 

Wie schon oben erwähnt, erfahren auch die nicht 
de] Koksproduktion oder der Brikettherstellung dienenden 
Ruhrkohlen, ehe sie in den Verkehr kommen, jetzt in 
de] Hauptsache erst eine Veredlung durch die sogen. Auf- 
beieitung, während noch vor etwa 40 Jahren fast die 
Gesamtmenge der Förderung in dem Zustande, in dem sie 
au,', der Grube herauskam, verladen und dem Verbraucher 
zugeführt wurde. Erst mit den Eieferungen nach ent- 
fernteren Plätzen, vor allem auch in das Ausland, und dem 
da nit im Zusammenhang stehenden Bestreben, durch Ver- 
sand des besten Materials den Frachtanteil herabzusetzen, 
an Fracht zu sparen, sodann auch mit den wachsenden 
Ar Sprüchen der Kundschaft, die sich zumal bei dem ge- 
steigerten Wettbewerb bemerkbar machten, hat sich mehr 
uni mehr die vorherige Aufbereitung der Kohlen durch- 
ge setzt, d. h. einmal deren Befreiung in der Wäsche von 
fremden und schädlichen Bestandteilen, wie z. B. Brand- 
schiefer, die den Aschengehalt der Kohlen erhöhen, sodann 
dit Trennung über Sieben nach Korngrössen, entsprechend 
de 1 wechselnden Verwendungszwecken. Durch diesen 
Verfeinerungsprozess entsteht in Verbindung mit der 
Ur terscheidung nach der Qualitüt eine ganz beträchtliche 
Reihe verschiedenster, im Preise mehr oder weniger stark 
vo 1 einander abweichender Sorten, und es spielt diese 


’ Sortenspezialisierung beim Absatz der Kohlen eine grosse 

Rolle. Die in ihrem ursprünglichen Zustande in den Ver- 
y\. kehr gelangende Kohle, die Förderkohle, besitzt, je nach- 

dem ob es sich um Fett- oder Flammkohlen handelt, 
einen Stückgehalt von 25— 40 o/o. Förderkohlen mit einem 
Stückgehalt unter 20— 25 o/q nennt man Fördergruskohlen. 
Die durch die Aufbereitung gewonnenen Sorten zerfallen 
in drei Hauptgruppen: Stückkohlen (über 80 mm gross), 
Nusskohlen (von 80 — 10 mm Grösse) und schliesslich Fein- 
kohlen (unter 7 — 10 mm). Die Nusskohlen unterscheidet 
j man nach der Grösse in 4 oder auch 5 Körnungen: I ca. 

50/80, II ca. 30/50, III ca. 15/30, IV ca. 10/15, V ca. 7/lOmm. 
Förderkohlen werden durch Zusatz von Stücken aulgebessert 
j und gelangen so als Melierte (ca. 40 ^/q Stückgehalt) und 

I Bestmelierte (ca. 50®/o Stückgehalt) in den Handel. Was 

f den Verwendungszweck der einzelnen Kohlensorten an- 

. belangt, so finden Gasflammkohlen vorwiegend in der 

Industrie als Kesselkohle, ferner auch als Eokomotiv- und 
Bunkerkohle Absatz, während die Gaskohlen vornehmlich 
zur Herstellung des Eeuchtgases in den Gasanstalten dienen. 
Die westfälischen Gas- und Gasflammkohlen zeichnen sich 
nicht nur durch hohen Gasgehalt, sondern auch durch 
grosse Härte und Festigkeit aus, was sie besonders für 
SchifFstransport und Lagerung geeignet macht. Fettkohlen, 
die vor Gas- und Gasflammkohlen den Vorzug geringerer 
Rauchentwicklung haben, finden zu den verschiedensten 
Industriezwecken sowie auch für Hausbrand Verwendung-. 

o 

Besonders begehrt ist die Ruhrfettkohle wegen ihrer Neigung 
zum Backen auch als Schmiedekohle. Ess- und Magerkohlen 
werden vorzugsweise für Hausbrand verwandt, aber auch 
für Industriezwecke, wenn es nämlich auf geringe Rauch- 
entwicklung ankommt. Eine besondere Gruppe unter den 
Magerkohlen bilden die Anthrazitkohlen mit dem höchsten 
Gehalt an Kohlenstoff und dem geringsten an flüchtigen 
Bestandteilen. Sie sind das geeignetste Material für Füll- 
öfen, dienen aber auch zur Erzeugung von Gas im Generator. 
Bei Koks unterscheidet man ebenfalls verschiedene Sorten: 



38 


Hochofenkoks, Giessereikoks, Brechkoks und Sieb- oder 
Abfdlkoks, Auf den Verwendungszweck von Hochofen- 
kok 5 und Giessereikoks weisen schon die Bezeichnungen 
hin, beide Sorten werden in grösseren, aber nicht etwa 
bestimmte Körnungen aufweisenden Stücken geliefert. 
Breehkoks, der zwar auch metallurgischen Zwecken dient, 
mel r und mehr aber in Zentralheizungen — in den kleinen 
Grössen teilweise auch inZimmeröfen — Verwendung findet, 
win. im Brechwerk gebrochen und über Siebe geleitet. 
Har unterscheidet Brechkoks I ca. 50, 60/80, 100 mm, 
II ca. 30, 40/50, 60mm, III ca. 20/40 mm und IV ca. 10/20 mm. 
Der Abfallkoks, d. h. der nach Verladen des besten Koks 
verbleibende Abfall, kommt ebenfalls in verschiedener 
Körnung abgesiebt in den Verkehr: Knabbelkoks ca. 
50/tr0 mm, Kleiukoks ca. 40/60 oder 30/50 mm, Kleinkoks 
ca. :?0/40 mm, Perlkoks 10/20 mm und schliesslich Koks- 
gru; . Auch die Briketts werden in verschiedenen Grössen 
geliefert: Vollbriketts, die meist ein längliches Format 
auB ^eisen, in Gewichten von D/ 2 , 3, 5 oder 10 kg — sie 
find m hauptsächlich in industriellen Betrieben und auf 
den Lokomotiven der Bahnen Verwendung — , Eiform- 
briketts, die, meist aus Magerkohlen hergestellt, besonders 
Hai sbrandzwecken dienen. 

Was nun den Absatz der Produkte der Ruhrzechen 
anb dangt, so sei zunächst auf den erheblichen Anteil 
des Auslandes hingewiesen, der seine Ursache hat in der 
geo; graphischen Lage des Ruhrbeckens sowohl wie in der 
Gröise der Kohlenförderung dieses Reviers. Ueber die 
Ent vicklung der Ausfuhr in den früheren Jahren besitzen 
wir nun leider zuverlässige Statistiken nicht. Immerhin 
ist festzustellen, dass sie stetig zugenommen hat. An 
Har d der Ausweise des Kohlen-Syndikats lässt sich ein 
gut( s, wenn auch nicht ganz vollständiges Bild der Aus- 
fuh: des Ruhrgebietes gewinnen. Der Absatz der Syndikats- 
zecl en ins Ausland betrug 1912 rund 14 Millionen t Kohlen, 
4 V 2 Millionent Koks und 1,7 Millionen t Briketts, 1908 waren 
es nur 9 Millionen t Kohlen, 2,7 Millionen t Koks und 


39 


* ‘ 725000 t Briketts. Die Ausfuhr dürfte jetzt etwa ein 

Viertel des Gesamtabsatzes des Syndikats erreicht haben. 
Vornehmlich daran beteiligt waren 1912 Holland mit ca. 
* ' 30 0 / 0 , Belgien mit ca. 22^Iq, Frankreich mit ca. 25 ^/q, Italien 

mit etwa 41 / 2 % Schweiz mit nahezu 4^Iq. Eine 

stetig steigende Zunahme ist auch bei der Ueberseeausfuhr 
zu verzeichnen. Der Auslandabsatz der preussischen Staats- 
zechen im Ruhrbezirk ist ebenfalls recht ansehnlich und 
betrug in den letzten Jahren durchschnittlich etwa 20®/o 
des Gesamtabsatzes; Hauptabnehmer sind hier Belgien und 
Holland. Das deutsche Absatzgebiet der Ruhrkohle ist 
sehr umfangreich, im Osten dürfte die Oder die Grenze 
bilden, wiewohl auch schon in dem Gebiet zwischen Oder 
und Elbe die westfälische Kohle an Bedeutung zurück- 
tritt und schlesische Kohle überwiegt. In der Provinz Sachsen 
und in den thüringischen Staaten findet ein starker x\.bsatz 
. . derRuhrkohlestatt. Hauptabnehmersind — natürlich ganz ab- 

gesehen vom rheinisch-westfälischen Industriebezirk selbst — 
die Rheinlande, Hessen-Nassau, Westfalen, Hannover. Im 
^ Norden nahe der Nordsee stösst die Ruhrkohle mit der eng- 

lischen Kohle zusammen, und wie im 0.sten Berlin so stellt 
hier Hamburg einen heiss umstrittenen Absatzplatz dar. 

Was nun im besonderen die Beteiligung des Ruhr- 
reviers an der Kohlenbedarfsdeckung Süddeutschlands an- 
I belangt, so ist ohne weiteres klar, dass Süddeutschland 

* hinsichtlich seiner Brennstoffversorgung überhaupt auf 

1 den niederrheinisch-westfälischen Bergbau mit in erster 

I Linie angewiesen ist. Ja es ist, wie schon bemerkt, gerade 

1 die günstige Lage zum Ruhrbezirk, die durch die Rhein- 

wasserstrasse gegebene vorteilhafte Bezugsmöglichkeit, 
I was Süddeutschlands wirtschaftlichen Aufschwung mit ge- 

' fördert hat. Die eigene Kohlengewinnung Süddeutschlands 

; ist abgesehen von der des Saarreviers von ganz unter- 

geordneter Bedeutung. Die Lage des Saarbeckens aber 
, an der äiissersten Peripherie hat den Nachteil, dass hier- 

aus nur der westlichste Teil Süddeutschlands sich billig 
mit Kohlen versorgen kann, während für das übrige Ge- 





m 


— 40 — 

bie: der Bezug von Saarkohlen beträchtliche Ausgaben 
für Eisenbahnfracht beansprucht. Dass aber das östliche 
Süddeutschlaud, d. h. das rechtsrheinische Bayern, das 
sei: le geographische Lage an der böhmischen und sächsischen 
Gri ;nze auf die Kohleubedarfsdeckung aus diesen Produktions- 
stä teil hinweist, gleichwohl in ganz erheblichem Umfange 
Ruirkohle bezieht — und dies, obschon es mangels einer 
geeigneten Wasserstrasse nur auf dem teureren Bahnwege 
sidi versorgen kann — , lässt darauf schliessen, dass die 
Ru irkohle diesen Absatzmarkt auch Faktoren verdankt, 
die den Nachteil der grossen räumlichen Entfernung der 
Ge vinnungsstätte vom Verbrauchsorte ausgleichen oder 
wenigstens sehr an Bedeutung verlieren lassen. Die be- 
sor deren Eigenschaften, die qualitativen Vorzüge der Ruhr- 
kolile, die ja an Heizw'ert die Saarkohle und schlesische 
Ko ile um etwa lO^/o, die sächsische und böhmische Stein- 
kohle um nahezu 20% übertrifft, während* die ober- 
ba) erischen Kohlen ca. 35®/o und die böhmischen Braun- 
kohlen ca. 45% weniger Heizwert haben, sind es denn 
auch, die ihr den Wettbewerb überall erleichtern, und 
hie: spielt noch eine besondere Rolle der Ruhrkoks, der 
an Qualität unerreicht dem Ruhrbergbau sogar eine Art 
Moaopol verleiht. Wie sich die Eieferungen der Ruhr 
auf die einzelnen Gegenden Süddeutschlands verteilen, ist 
oben an Hand der Zahlentafel 6 schon gezeigt worden. 
Die Gestaltung des Eisenbahnabsatzes der Ruhrkohlen in 
Süe.deutschland in den Jahren 1909 — 1912 gibt die Zahlen- 
tafe 1 11 wieder. Die Rheinumschlagsmengen sind auch hier 
wie schon in der Zahlentafel 6 sämtlich als vom Ruhrbezirk 
stammend angenommen worden, was freilich nur im grossen 
garzen richtig ist. Der Anteil der anderen Provenienzen 
kai 11 aber im Verhältnis nur unbeträchtlich sein. Der Ver- 
sau 1 aus den Rhein-Ruhrhäfen über die Rheinstrasse nach 
Süc deutschland ist aus der Zahlentafel 12 ersichtlich. 

Während man früher das Steinkohlenvorkommen im 
Aachener Revier als ein isoliertes Becken aufgefasst 
hat ist in neuerer Zeit dessen geologischer Zusammen- 


41 


hang mit dem Ruhrbecken nachgewiesen worden. Den 
Uebergang bilden die schon erwähnten Steinkohlenlager 
auf der linken Seite des Niederrheins. Das Aachener 
Kohlenrevier zerfällt wieder in dasAVurm- und das Inde- 
Gebiet, von denen jenes neben Fettkohlen auch halbfette 
Kohlen und Anthrazit enthält, während in diesem Fett- 
und Fettflammkohlen gefördert w'erden. Die Entwicklung 
der Gesamtproduktion ist aus der Zahlentafel 13 ersichtlich. 
Die Abbauverhältnisse sind hier schwieriger als im Ruhr- 
gebiet, die Gestehungskosten infolgedessen höher. Die 
Veredelung der Kohlen hat auch im Aachener Revier an 
Bedeutung zugenommen. Die Koksproduktion betrug 1912 
mehr als 1000000 t, an Briketts wurden ca. 85000 t her- 
gestellt. Aber auch die Kohlen werden grösstenteils vor 
dem Versand aufbereitet. Von der Gesamtförderung des 
Bezirkes beträgt der Anteil der Fettkohlen rund 550/o, der 
der Flammkohlen ca. 10*^ .'o und der Magerkohlen etwa 3 o ^! q . 
Die Hauptmengen finden naturgemäss in dem industrie- 
reichen Regierungsbezirk Aachen selbst Absatz. Lothringen 
nimmt einen sehr grossen Teil der Koksproduktion auf. 
Von ausländischen Absatzmärkten kommen eigentlich nur 
Belgien und Holland in Betracht, wo indes neben Ruhr- 
uiid englischen Kohlen mehr und mehr das einheimische 
Erzeugnis der Aachener Kohle starken Wettbewerb be- 
reitet. Nach Süddeutschland gelangen aus dem Aachener 
Revier vornehmlich die Hausbrandzwecken dienenden halb- 
fetten und Anthrazitkohlen. Gross ist ja, wie aus den 
Zahlentafeln 6 und 14 hervorgeht, im Verhältnis zu anderen 
Bergbaugebieten, der Anteil des Aachener Reviers an der 
Kohlenversorgung Süddeutschlands nicht. Die Wurmkohle, 
zumal der Anthrazit, dürfte sich aber hier, schon seit Jahren 
eingeführt, auch weiterhin halten. Der Koks aus deniAachener 
Bezirk wird übrigens im süddeutschen Kohlenhandel bis- 
weilen unter dem Sammelbegriff „Ruhrkoks“ verkauft. 

Wie bereits erwähnt, hat für Süddeutschlands Kohleu- 
versorgung neben der Ruhrkohle die Saarkohle die grösste 
Bedeutung. W’as die Entwicklung des Bergbaues im Saar- 


1 


— 42 — 

gebiet aubelangt, so sei auf die Zahlentafelii 7 und 13 
ver\’deseu. Die auf letzterer mitgeteilteu Ziffern beziehen 
sich jedoch nur auf die Förderung der auf preussischem 
Gebiet gelegenen 12 fiskalischen Gruben sowie der Privat- 
zecl e Hostenbach. Zum Saarrevier im weiteren Sinne 
gehören aber auch noch die in mächtiger Entwicklung 
befindlichen Gruben in Eothringen sowie die Zechen 
im i.ngrenzenden Teil der bayerischen Pfalz. Hierüber 
finden sich nähere Angaben auf der Zahlentafel 7. Die 
Jaln esförderung ersterer beträgt zurzeit nahezu 4 Millionen t, 
die letzterer etwa 800000 t. Gefördert werden im Saar- 
revi jr sowohl Fettkohlen wie Flammkohlen. Während 
früher der Anteil der Flammkohlen an der Förderung 
den der Fettkohlen über wog, hat in den letzten Jahren 
die Gewinnung der Fettkohlen auch relativ zugenommeu 
und macht jetzt etwa die Hälfte aus. Die Steigerung der 
Fettkohlengewinnung hängt mit dem Bestreben zusammen, 
den wachsenden Koksbedarf der Hütten zu decken; die 
loth ringischen Hüttenwerke sind jetzt vornehmlich auf 
Rubrkoks angewiesen. Freilich ist die Saarkohle längst 
nicl t in dem Masse zur Koksherstellung geeignet wie 
die R.uhrkohle, beträgt doch das Koksausbringen der Saar- 
koh.e nur etwa 54 — 56 o/o gegen 76— 78 o/o der Ruhrkohle. 
Auch steht der Saarkoks wie der Eothringer Koks quali- 
tati'*' hinter dem Ruhrkoks sehr zurück, Uebrigeus stellt 
von den fiskalischen Gruben nur die Zeche Heinitz Koks 
her — rund 225000 t im Durchschnitt der letzten Jahre — , 
während die sonstige Kokserzeugung im Saarrevier in 
den Hütten-Kokereien stattfindet. Von den lothringischen 
Gruben hat bis jetzt nur die Saar- und Mosel-Bergbau- 
Gessllschaft die Herstellung von Koks aufgenommen 
und beabsichtigt, diese noch stark auszudehnen. Obschon 
nun auch im Saarrevier die Kohlen, bevor sie in den Ver- 
brat. ch übergehen, zumeist einen Veredlungsprozess durch- 
machen, so spielen im Saarkohlenhandel eine grosse Rolle 
nocu die Stückkohlen, die hier in stärkerem Masse an- 
falh n als an der Ruhr. Dass die Gasausbeute der Saar- 


) 


— 43 — 

kohle sehr gross ist, verschafft ihr besonders in den Gas- 
anstalten Absatz, w’as die Zahlentafel 1 dartut. Der ver- 
i, hältnismässig hohe Absatz an Eisenbahnen — aus der- 

selben Aufstellung ersichtlich — ist wieder dem grossen 
Stückgehalt der Saarkohle zu verdanken. Nachteilig 
wirkt auf den Absatz der Saarkohle ihre Neigung zum 
Russen, die sie deshalb für Hausbrandzwecke als weniger 
geeignet erscheinen lässt. Briketts werden im Saarrevier 
nicht hergestellt. Das Absatzgebiet der Saarkohle ist 
längst nicht so umfangreich wie das der Ruhrkohle. Die 
Saarkohle hat aber neuerdings infolge der erheblich ge- 
stiegenen Förderung und der heftigen Konkurrenz im 
engeren Gebiet die bisherigen Grenzen — natürlich unter 
Schmälerung der erzielten Preise — überschritten. Der 
in starkem Masse und stetig zunehmende Absatz in den 
süddeutschen Staaten, auch in den frachtlich weniger 
1^ günstig gelegenen, tut dies dar. Es sei dieserhalb auf 

die Zahlentafel 15 verwiesen. Der Absatz der fiskalischen 
Saargruben im Ausland betrug im Durchschnitt der letzten 
^ 10 Jahre etwa 15®/o, und zwar erhielten fast ausschliess- 

lich Frankreich und die Schweiz diese Exportmengen. 
Die Koksproduktion findet fast ganz im Saargebiet und 
in Lothringen Absatz. 

Die Verteilung und Entwicklung des Absatzes der 
lothringischen Gruben in Süddeutschland ist aus der Zahlen- 
tafel 16 ersichtlich. Auch Lothringen hat diesen Absatz 
grösstenteils nur unter starken Preisopfern erringen können. 
Etwa 6 — 7 0 /q der lothringischen Produktion gelangen in 
die Schweiz und 14 o/q nach Frankreich. 

Die Förderung der rheinpfälzischen Zechen, die früher 
hauptsächlich im engeren Gebiet in den Verbrauch über- 
ging, hat von der Mitte der 1890 er Jahre ab von Jahr 
zu Jahr sich ein grösseres Absatzfeld gewonnen. Der An- 
teil der anderen süddeutschen Staaten an der Abnahme 
zeigt die Zahlentafel 28. 

Ausser den drei bereits betrachteten Steinkohlenfund- 
stätteii haben wir im Westen des Deutschen Reiches noch 


— 44 — 

einen sehr ansehnlichen Braunkohlenbergbau, der — was für 
die vorliegende Abhandlung von besonderer Wichtigkeit 
ist — auch für die Brennstoffversorgung Süddeutschlands 
von Jahr zu Jahr an Bedeutung zunimint. Die Braun- 
kohiengewinnung auf der linken Rheinseite in der Nähe 
von Köln hat ihre Grundlage in dem reichen Vorkommen 
des sogen. Vorgebirges. Die rheinische Braunkohle 
wird fast ausschliesslich im Tagebau gewonnen, die Ge- 
stehungskosten sind deshalb, zumal bei den niedrigeren 
Löhnen, wesentlich geringer als im Steinkohlentiefbau. 
In r.nbetracht dessen, dass es sich bei der Braunkohle um 
einen in seiner chemischen Zusammensetzung von der 
Steiakohle erheblich abweichenden Brennstoff handelt, sei 
eiiii jeii allgemeinen Bemerkungen über die Braunkohle, 
von der Süddeutschlands Kohlenbedarf zu ganz erheblichem 
Tei; gedeckt wird, Raum gegeben. Wie mit der Länge 
der Entstehungszeit der Kohle der Kohlenstoffgehalt zu-, 
der Sauerstoffgehalt abnimmt, so weist auch die Braun- 
koh.e, die jüngere Formation, beträchtliche Unterschiede 
gegenüber der älteren Formation, der Steinkohle, auf. 
Der Gehalt an Sauerstoff bewegt sich bei der Braunkohle 
zwischen 20 — SO^/q, bei der Steinkohle zwischen 3 und 
15^0 (Anthrazit bis Flammkohle), an Kohlenstoff dagegen 
weist die Steinkohle 75—93% (Flammkohle bis Anthrazit) 
auf, Braunkohle nur 55 — 700 /q. Der Gehalt an Wasser- 
stof', Stickstoff, Schwefel ist im grossen ganzen bei Braun- 
und Steinkohle ziemlich gleich. Der Aschengehalt schwankt 
bei Braunkohlen in noch weit grösserem Masse als bei 
Steinkohlen. Die deutsche Rohbraunkohle ist in dem Zu- 
star de, in dem sie die Grube verlässt, ausserordentlich 
wasserhaltig, enthält an die 50% Wasser, oft gar noch mehr. 
Die böhmische Braunkohle dagegen ist viel wasserärmer und 
enthält nur etwa 18 — 36 O q Wasser. Der Heizwert der 
deuischen Rohbraunkohle schwankt zwischen 2000 — 3000 
W.L., böhmische Braunkohlen hingegen besitzen einen Heiz- 
wer: von 4500—5000 W.E. Wenn man bedenkt, dass 
beispielsweise Ruhrsteinkohlen einen Heizwert von 



— 45 — 

7400 — 7800 W.E. aufweisen, so leuchtet ohne weiteres ein, 
dass die Rohbraunkohle auf dem weiteren Markt nicht 
wettbewerbsfähig ist, da sie schon geringere Transport- 
kosten nicht zu tragen vermag. Der Aufschwung des 
deutschen Braunkohlenbergbaues beginnt denn auch erst, 
seit es gelang, auf dem Wege der Aufbereitung aus der 
minderwertigen Rohkohle ein hochwertiges Produkt zu 
schaffen, das Braunkohlenbrikett. Nur diesem, das übrigens 
nicht wie das Steinkohlenbrikett mit Hilfe eines Binde- 
mittels hergestellt wird, sondern lediglich durch Pressung 
der Braunkohlen unter hohem Druck (1200 — 1500 Atmo- 
sphären), hat der Braunkohlenbergbau in Deutschland 
seinen glänzenden Aufstieg zu verdanken. Hinsichtlich 
der Entwicklung der deutschen Braunkohlenförderuug sei 
auf die Zahlentafel 8 verwiesen. 

Ueber die Zunahme der Braunkohlenbrikettfabrikation 
unterrichtet die Zahlentafel 17. Das deutsche Braunkohlen- 
brikett weist einen mittleren Heizwert von 48(X) — 4900 W. E. 
auf. Von einem minderwertigen Brennstoff wie der Roh- 
braunkohle kann demnach nicht mehr die Rede sein. Mit 
Hilfe der Briketts hat der Verbrauch an Braunkohle in 
Deutschland von 1885 — 1912 auf den Kopf der Bevölke- 
rung gerechnet sich verdreifacht (1,33 t gegen 0,41t), der 
an Steinkohle sich nur verdoppelt (2,33 gegen 1,09 t). 
Dabei geht die Verwendung ausländischer Braunkohlen 
andauernd zurück. Die Steigerung des Verbrauchs wird 
also ausschliesslich von der einheimischen Förderung be- 
stritten. Neben dem Oberbergamtsbezirk Halle hat der 
Braunkohlenbergbau im Kölner Revier an der gewaltigen 
Mehrproduktion und Absatzzunahme den Hauptanteil, 
Charakteristisch ist für diesen Bezirk besonders die grosse 
Steigerung der Brikettherstellung. Die Braunkohlenbrikett- 
fabrikation Deutschlands wuchs im Jahre 1913 von 19,06 Mil- 
lionen t — Herstellung im Jahre 1912 — auf 21,42 Millionen t 
an, also um 2.36 Millionen t oder 12,5%. Im Oberberg- 
amtsbezirk Bonn wurden 1913 800000t Briketts mehr als 
im Vorjahre hergestellt, eine Zunahme von 16 0/o. Während 



— 46 — 

im rheinischen Braiinkohlenbezirk die Briketts noch vor 
wei igen Jahren überwiegend Hausbrandzwecken dientea, 
findet neuerdings das rheinische Braunkohlenbrikett in 
zun sinnendem Masse auch in der Industrie — es werden 
zu liesein Zwecke besondere Briketts in kleinerem Format 
hergestellt — Verwendung, wie aus der Zahlentafel 18 
ersishtlich ist, die sich auf den Absatz des Braunkohlen- 
Bril:ett- Verkaufsvereins in Köln bezieht. Diese fortgesetzte 
beti ächtliche Zunahme des Verbrauches der Industrie an 
Bra inkohlenbriketts ist deren mancherlei Vorzügen zu 
verdanken, die sie für verschiedene industrielle Betriebe 
als ?ehr geeignet erscheinen lassen. Für Industriezwecke 
kommt sowohl die direkte Verbrennung als auch die Ver- 
wei düng in Generatoren zur Erzeugung von Kraft- und 
Heicgas in Betracht. Das Absatzgebiet der rheinischen 
Bra inkohle, das ursprünglich rein lokal war, gewinnt von 
Jah • zu Jahr an Ausdehnung, eben infolge der stetig 
wachsenden Herstellung hochwertiger Briketts aus der 
minderwertigen Rohkohle. Wie sehr für den Absatz die 
Rol kohle gegen das Brikett an Bedeutung verloren hat, 
geh: daraus hervor, dass der Absatz von Rohbraunkohle 
sich im Jahre 1905 auf 1035 100 t und 1912 auf 1334 700 t 
belief, gegenüber 2125 600t Briketts im Jahre 1905 und 
4 89 j 800 t 1912. Ueber die Entwicklung des Absatzes 
der rheinischen Braunkohlenbriketts und die allgemeine 
Richtung dieses Absatzes gibt die Zahlentafel 19 Aus- 
kunft. Was das inländische xhbsatzgebiet anbelangt — 
die Richtung der Ausfuhr ist aus der letzterwähnten 
Zah.entafel ebenfalls ersichtlich — , so sind natürlich 
in illererster Linie die Rheinlande daran beteiligt, so- 
wie die angrenzenden Gebiete Hessens, Westfalens — es ist 
hoc ist interessant, dass das rheinische Braunkohlenbrikett 
in die ureigenste Domäne der Ruhrkohle, in den rheinisch- 
wes :fälischen Industriebezirk, einzudringen vermocht hat 
— ind Hannovers. In stark wachsendem Masse nimmt 
Süd ieutschland rheinische Braunkohlenbriketts auf, worüber 
aus Zahlentafel 20 Näheres zu ersehen ist. An Stelle der 


47 




früheren Spezialmarken der verschiedenen Werke bringt das 
Brikettsyndikat nur einzige einheitliche Marke „Union“ 
in den Verkehr. 

'J Die anderen Braunkohlenvorkommeii Westdeutsch- 

' lands, nämlich das im Bezirk Kassel sowie das in Ober- 

' hessen, sind für Süddeutschlands Kohlenverbrauch von nur 

untergeordneter Bedeutung. Der Absatz der im Bezirk 
Kassel bezw. im Wesergebiet gelegenen Gruben erstreckt 
sich kaum bis nach Süddeutschland, und das oberhessische 
ä Erzeugnis dringt auch nicht sehr weit nach Süden vor. 

■i Von dem Vertrieb der Braunkohlenbriketts der Gruben 

Frielendorf (Kassel) und Friedrich (Oberhessen) nach Süd- 
deutschland wird an einer anderen Stelle dieser Abhand- 
' lung noch zu sprechen sein. 

. Hiermit wäre über sämtliche im Westen und Xord- 

■■ westen des Deutschen Reiches gelegenen Kohlenfundstätten 

' für die vorliegende Abhandlung das Nötigste gesagt. Was 

nun sonst noch von Westen oder Nord westen her an Brenn- 
stoffen nach Süddeutschland gelangt, stammt aus dem Aus- 
• * lande. Wie bereits angedeutet, weist die westdeutschen 

Kohlengewinnungsbezirke ihre geographische Lage nahe 
i den Grenzen wirtschaftlich hochstehender Staaten direkt 

j auf eine Ausfuhr hin — ein Umstand, der übrigens bei 

der Beurteilung der .Ausfuhrpolitik des Kohlensyndikats 
oft nicht genügend berücksichtigt wird — , umgekehrt ist 
es aber auch nicht verwunderlich, dass die angrenzenden 
Länder einen Teil ihrer eigenen Kohlenproduktion nach 
i Deutschland abstossen, weil eben für diese Ausfuhr im 

allgemeinen keine grossen räumlichen Entfernungen zu 
überwinden sind oder aber günstige Transportgelegenheiten 
sie erleichtern. 

Da wäre zunächst B elg i e n zu nennen, wegen dessen 
Ausfuhr nach Deutschland an Kohlen, Koks und Briketts 
auf die Zahleiitafel 21 verwiesen sein mag. Die Förderung 
- • des belgischen Südbeckens (Hennegau, Lüttich, Namur) 

betrug 1912 rund 23 Millionen t Kohlen, hat sich aber in 
den beiden letzten Jahrzehnten kaum vermehrt. Die Zechen 




48 



des Nordbeckeiis (Limburg) sind erst im Ausbau begriffen. 
Au;, den belgischen Gruben werden Flammkohlen (ca. 10 
der Gesamtförderung), Fettkohlen (ca. 25 ^/o), halbfette 
Ko! den (ca. 43%) und schliesslich Magerkohlen (ca. 22%) 
gev'onnen. Die Autbereitung und Weiterverarbeitung der 
Ko ile hat auch in Belgien grosse Fortschritte gemacht. 
Die Kokserzeugung betrug 1912 3187000 t gegen 2 239000t 
im Jahre 1905, die Brikettherstellung 1912 2 691000 t gegen 
1712000 t im Jahre 1905. Die Gesamtausfuhr Belgiens 
stellte sich 1912 . auf rund 5 Millionen t Kohlen, 1 Million t 
Ko!:s und 6(30000 t Briketts; ein Blick auf die Zahlentafel 
21 ; eigt, dass der Anteil Deutschlands — d. h. des deutschen 
Zol gebietes — daran, was Kohlen und Briketts angeht, 
ver lältnismässig gering ist, es dagegen die Hälfte der von 
Bel ^ien ausgeführten Menge Koks aufnimmt. Letzteres 
erk ärt sich durch die starken Koksbezüge der luxem- 
burgischen und lothringischen Eisenindustrie. Den Absatz 
nac 1 Süddeutschland stellt die Zahlentafel 22 dar. Es 
hardelt sich dabei hauptsächlich um Mager- und halbfette 
Ko! den. Begünstigt wird die Einfuhr auch durch billige 
Fracht infolge Benutzung der Kanäle nach und in Elsass- 
Lot bringen. Im Zusammenhang mag noch erwähnt werden, 
das ; Belgien trotz dieser nahezu ein Drittel der Gesamt- 
förc .erung ausmachenden Ausfuhr in rasch steigendem Masse 
aus.ändische Brennstoffe (1912 9 777000 t Kohlen, Koks 
unc Briketts gegen noch nicht 6 Millionen im Jahre 1908) 
ein ührt, der Import sogar den Export ganz beträchtlich 
überragt. Also auch hier die Erscheinung, dass für die 
Entwicklung und Ausdehnung des Kohlenabsatzes einer 
Föiderstätte nicht die politischen Grenzen bestimmend, 
soniern rein wirtschaftliche Faktoren, die nicht zuletzt 
auf der Frachtlage basieren, massgebend sind. Von der 
Ein Fuhr nach Belgien entfällt übrigens weitaus die grösste 
Menge auf Deutschland. 

Lediglich der Vollständigkeit halber sei der Ein- 
fuhr Frankreichs nach Deutschland gedacht, die 
grösstenteils aus Koks bestehend im Verhältnis nur un- 



49 




bedeutend ist. Die kleinen Mengen gelangen vornehmlich 
auf dem Wasserwege in das Eisass, wo zeitweise der Pariser 
Gaskoks — bekanntlich aber aus Ruhrkohlen hergestellt — 
guten Absatz findet. (Siehe Zahlentafel 22.) 

Einen steigenden Anteil an der Kohleneinfuhr nach 
Deutschland hat Holland, und hier ist wie bei Belgien 
die zunächst absonderlich erscheinende Tatsache zu ver- 
zeichnen, dass dasselbe Land, das dem Deutschen Reiche 
Kohlen zuführt, in ganz beträchtlich stärkerem Umfange 
solche aus Deutschland bezieht. Die Niederlande sind 
nächst Oesterreich-Ungarn die besten Abnehmer der deut- 
schen Kohlen und erhielten 1913 aus Deutschland — natür- 
lich weitaus am meisten aus dem Ruhrgebiet — 7 218(300 t 
Steinkohlen, ferner 285 (300 t Koks, 805000 t Steinkohlen- 
brikets, 10000 t Braunkohlen und 2820(30 1 Braunkohlen- 
brikets. Gegen diese 8 Millionen t Jahreseinfuhr an Brenn- 
stoffen aus Deutschland — ein Teil dieser Einfuhr ist freilich 
nur Durchfuhr, nimmt, für andere Länder bestimmt, nur 
seinen Weg über Holland, das also auch einen Transithandel 
in Kohlen hat — ist die Ausfuhrmenge holländischer Kohlen 
nach Deutschland, die 1918 510000 t Kohlen und 13000 t 
Steinkohlenbrikets betrug, nur gering. Immerhin ist sie 
doch so gross, dass sie bei der Betrachtung der Kohlen- 
versorgung Deutschlands und im besonderen auch Süd- 
deiit.schlands nicht übersehen werden darf. Die Steinkohlen- 
gewinnung Hollands ist zwar schon sehr alt, hat aber erst 
im letzten Jahrzehnt eine stärkere Entwicklung genommen. 
Im Jahre 1902 betrug die Gesamtförderung nur 390(3(30 t, 
wuchs bis 1908 auf 910000 t an und stellte sich 1912 auf 
1 7250(30 t. Nach den Ausbau-Plänen der holländischen Re- 
gierung — der Staatsbetrieb wird im niederländischen Stein- 
kohlenbergbau mit der Zeit ausschlaggebende Bedeutung 
erlangen — soll in den kommenden Jahren die Kohlenge- 
winnung mehr und mehr gesteigert werden und 1925 wird 
sie voraussichtlich rund 4 Millionen t ausmachen. Dass trotz 
der ansehnlichen Steigerung der Eigenproduktion Hollands 
nach wie vor die ausländische, und zwar in erster Linie 

4 


50 



di« • Ruhrkohle den niederländischen Kohleninarkt beherrscht, 
di'.‘ deutsche Einfuhr sogar von Jahr 5cu Jahr in erheb- 
lichem Masse zunimmt, liegt an der für Hollands Brenn- 
stoffversorgung ungünstigen Lage seines Steinkohlen- 
beckens, das im südlichen Teil der Provinz Limburg ge- 
legen mit dem übrigen Holland nur durch Eisenbahnen 
verbunden ist, während Ruhr- und englische Kohlen auf 
dem Wasserwege in die Niederlande eindringen. Um- 
ge?:ehrt ist die geographische Lage des holländischen 
St hnkohlenvorkommens die Ursache der Ausfuhr der 
nioderländischen Kohle, die ausser Stande, im Norden 
m:t der Ruhrkohle in erfolgreichen Wettbewerb zu treten, 
versuchen muss, sich anderswo Absatz zu schaffen. Ein 
sehr grosser Teil der Förderung im Limburger Revier 
ge;it daher nach Deutschland, nach dem benachbarten 
Ai ebener Revier vor allem. Aber auch nach Süddeutsch- 
laiid dringt die holländische Kohle, teilweise durch die 
RI .einlande an den Rhein gelangend und den Wasserweg 
benutzend vor. Näheres gibt die Zahlentafel 23 an. Wie 
in Belgien so werden auch in dem verwandten Steinkohlen- 
becken Hollands Fett-, Halbfett- und Magerkohlen gewonnen. 
Die Produkte gelangen meist nach vorheriger Aufbereitung 
in den Handel. Süddeutschland erhält hauptsächlich IMager- 
urd halbfette Kohlen, ferner auch Brikets. 

Die Rheinwasserstrasse ist es, die einem anderen aus- 
ländischen Brennstoff ermöglicht, auf dem süddeutschen 
Kohlenmarkt den deutschen Erzeugnissen Konkurrenz zu 
m; .dien, und das ist die englische Kohle. Ist es an 
sich auch eine höchst unerfreuliche Erscheinung, dass, 
wiewohl die eigene Förderung Deutschlands so gross ist, 
da ;s sein ganzer Bedarf mit Leichtigkeit dadurch gedeckt 
WC rden könnte, trotzdem alljährlich noch erhebliche Mengen 
audändischer Kohlen, und zwar hauptsächlich englischer 
Herkunft, in das Deutsche Reich eiugeführt werden und 
gevvaltige Summen dafür in das Ausland wandern, so 
ha: dies, wie schon erwähnt, seine natürlichen Gründe, 
nä ulich einmal in der ungünstigen geographischen Lage 



51 


I der deutschen Kohlengewinnungsbezirke zum Norden 

Deutschlands, zum andern Male in der verschiedenen Ge- 
genden des Deutschen Reiches nahen Nachbarschaft aus- 
ländischer Fundstätten. Wie das kohlenarme Bayern zum 
erheblichen Teil seinen Brennstoff bedarf im angrenzenden 
Böhmen deckt, so ist für die norddeutschen Hafenplätze 
der Bezug aus England bei dem erheblichen Frachtvor- 
sprung, den hierher die englische Kohle gegenüber der 
deutschen besitzt, nur zu erklärlich. Und solange die 
preussische Eisenbahnverwaltung sich nicht entschliesst, 
den einheimischen Bergbau — Ruhr und Oberschlesieu — 
durch noch billigere Frachtsätze nach dem Norden und 
dem Innern Deutschlands im Kampfe gegen die englische 
Kohle zu unterstützen, wird diese nicht nur an den Hafen- 
plätzen der Nord- und Ostküste vorherrschen, sondern auch 
bis weit in das Binnenland hinein eindringen können, zu- 
• 1 ■ mal da von fast allen grossen Häfen Wasserwege in das 

Innere des Reiches führen. Die Entwicklung der eng- 
lischen Kohleneinfuhr nach Deutschland im letzten Jahr- 
* zehnt gibt die Zahlentafel 24 wieder. Hat also die Vor- 

* herrschaft der englischen Kohle im Norden Deutschlands 

ihre guten Gründe — selbst eine Aenderung der Tarif- 
politik der preussischen Bahn, d. h. die Gewährung billiger 
Ausnahmefrachten, wird hier die engl. Kohle wohl niemals 
ganz zu verdrängen vermögen — , so erscheint die Tatsache, 
I dass die englische Kohle auf dem Rhein, unmittelbar am 

I Ruhrgebiet vorbei, in Deutschland in steigendem Masse 

' hat Eingang finden können, denn doch verwunderlich. 

Bis 1905 war freilich — abgesehen von 1900, dem Jahr 
der Kohlenknappheit, wo 605000 t über die Rhein wasser- 
strasse nach Deutschland gelangten — die englische Kohlen- 
einfuhr auf dem Rhein unbedeutend. Aber im Jahre 1905, 
als der englische Bergbau wegen Absatzmangels im eigenen 
I Lande sich mit ganzer Kraft auf die Ausfuhr legte und 

' ' * der Zufall es wollte, dass der Ruhrbergbau durch den 

plötzlich ausgebrochenen grossen i\rbeiterausstand in eine 
vorübergehende Verlegenheit geriet, stieg die Einfuhr über 




I 



Emmerich auf eine ansehnliche Menge, ging aber bereits 
im nächsten Jahre wieder zurück, und erst im Jahre 1907, 
das dem Deutschen Reiche eine Hochkonjunktur bescherte, 
die freilich auch eine unangenehme Begleiterscheinung 
hat e, insfoern als zeitweise eine fühlbare Kohlenknappheit 
besiand, ermöglichte dem englischen Bergbau, seine Aus- 
fuh ■ nach Deutschland nicht nur in und über die Hafen- 
plätze an der Ost- und Nordsee, sondern auch über die 
Rh( instrasse ganz beträchtlich zu vergrössern. Zum guten 
Tei stellt dieser Einfuhrzuwachs über den Rhein allerdings 
ein Hilfsmittel dar, dessen die Verkaufsorganisationen des 
Rul rbergbaus selbst — das Kohlen-Syndikat und das Kohlen- 
Koi tor — sich bedienten, um ihre regelmässigen Abnehmer, 
die sie vorübergehend mit Ruhrkohlen nicht genügend 
zu " versorgen vermochten, nicht in Verlegenheiten geraten 
zu 'assen. Das erklärt denn auch hauptsächlich das starke 
Fallen der Einfuhr im Jahre 1908. Nun tritt aber von 
neunn ein Steigen ein in den folgenden Jahren, obschon 
Rul rkohle jetzt wieder in ausreichender Menge zu haben 
war Das ergab sich zunächst dadurch, dass der englische 
Kol lenhandel bestrebt war, die Stellung, die er 1907 er- 
rungen hatte, nach Möglichkeit zu behaupten, wenn es 
oft auch noch so grosser Preiszugeständnisse bedurfte. 

Ancerseits aber brachte für diejenigen \’’erbraucher, die 
ihre Kesselanlagen für die Verwendung englischer Kohlen, 
das ungewohnte, neue Material, hatten einrichten lassen, 
die Ilückehr zum Verbrauch der deutschen Kohle Betriebs- 
ändorungen und damit Kosten und Unannehmlichkeiten 
mit sich, die sie oft lieber vermieden, selbst wenn sie für 
die englischen Kohlen keine niedrigeren Preise als für 
deulsche, genauer betrachtet vielleicht sogar noch höhere 
zu bezahlen hatten. Ein solcher Wechsel im Kohlenbezuge 
musste besonders auch in Gasanstalten und Elektrizitäts- 
werj:eu unangenehm empfunden werden. Vielfach hat 
sodünn der englische Wettbewerb in den Zeiten der 
Kohlenknappheit die Gelegenheit wahrgenommen und auf 
Tätigung langfristiger Verträge hingearbeitet. Schliesslich i 



53 


waren es oft unverkaufte Schiffsladungen, die unter Aus- 
niitzung des guten Wasserstandes und der billigen Fracht 
den Rhein hinauf gefahren wurden, um dann am Ober- 
rhein mangels Raum zur Auflagerung zu jedem Preise losge- 
schlagen zu werden. Hier und da mag auch einekartellfeind- 
liche Anschauung und damit die Abneigung gegen Kohlen- 
syndikat und Kohlenkontor mit dazu beigetragen haben, 
dass am Bezüge der englischen Kohle festgehalten wurde. 

Es ist selbstverständlich, dass die auf dem Rhein 
herangebrachten englischen Kohlen erst am Mittelrhein 
und Oberrhein dem Verbrauch übergeben werden, und 
nur im Jahre 1907 sind manche Aushilfslieferungen auch 
schon am Niederrhein in den Konsum übergegangen. 
Sonst muss sich hier natürlich die Verwendung der ein- 
heimischen Kohle immer billiger stellen. Welche Plätze 
Süddeutschlands letzten Endes die englische Kohle zum 
Verbrauch aufnehmen, lässt sich an Hand des statistischen 
Materials freilich nicht feststellen. Die Zufuhr lässt sich 
nur bis zu den betreibenden Rheinhäfen verfolgen. Von 
den nach dem Oberrhein verfrachteten Mengen geht ein 
ansehnlicher Teil (1912 waren es rund 1300000 in den 
Main hinein zur Versorgung Frankfurter und Offenbacher 
Industrie vornehmlich. Die den Rhein weiter hinauf ge- 
langenden Quantitäten sind in weitaus überwiegendem 
Masse für Mannheim, Rheinau, Eudwigshafen bestimmt, 
kleinere Mengen erreichen Karlsruhe und Strassburg. 

Der rasche Rückgang der englischen Kohleueinfuhr 
über den Rhein nach Deutschland tut dar, dass es eigent- 
lich nur besondere, aussergewöhnliche Umstände waren, 
die der englischen Kohle ermöglichten, mit Erfolg die 
deutsche Kohle in deren natürlichem Absatzgebiet zu be- 
kämpfen. Sowohl 1900 wie 1907 stand der deutsche Markt 
unter dem Zeichen der Kohlenknappheit, übertrieben oft 
Kohlennot genannt. Kohlenangst ist wohl die richtigste 
Bezeichnung der übermässig starken Nachfrage in jener 
Zeit, die oft weniger im augenblicklichen Bedarf ihre 
Ursache hatte als in der Furcht, nicht rechtzeitig mit 


54 



Bremistoifen versorgt zu werden und dadurch im Nach- 
teile zu sein gegen den Konkurrenten. So erklärt sich 
zuin guten Teil das Stürmische der Nachträge, und diese 
Verhältnisse machten sich die Importeure englischer Kohlen 
zunutze. Dass die englische Kohle auch heute noch auf 
dem Rhein nach Süddeutschland gelangt, wenn schon, 
wie die Zahlentafel 24 zeigt, in stark abnehmenden Um- 
fange — allen Anzeichen nach geht die Einfuhr 1914 
noch weit mehr zurück — , das ist vor allem zurückzu- 
füln en auf die verschiedenen vorhin erwähnten Umstände, 
die freilich oft noch eine Unterstützung finden in billigen 
Sch; ffsfrachten und niedrigen Kohlenpreisen auf dem eng- 
lischen Markt. Es darf aber auch nicht unerwähnt bleiben, 
dass niedrigere Preise englischer Kohlen am Oberrhein 
zun: guten Teil auch in geringerer Qualität der Kohle 
beg:'üudet liegen, da die Importeure bei den im ganzen 
schliesslich doch hohen Transportkosten nicht gerade die 
besten und teuersten Marken einführen können, was aber 
zwe fellos von den Abnehmern oft übersehen worden ist. 
Umsomehr ist es als wünschenswert zu bezeichnen, dass 
auf dem deutschen Rhein die englische Kohle, hier ein 
unnatürlicher Konkurrent des deutschen Erzeugnisses, 
wie 1er verschwindet. 

Was die britische Kohlenausfuhr im allgemeinen an- 
behngt, so betrug sie 1913 rund 98 Alillionen t bei einer 
Förlerung von 280 Millionen t. Dieses Jahr ist freilich 
als ein Rekordjahr zu bezeichnen; 1910 waren die ent- 
sprechenden Zahlen 85 Millionen t und 265 Millionen t, 
190) 58 Millionen t und 225 Alillionen t, 1890 39 Millionen t 
und 182 Millionen t. Hinsichtlich der Sorten besteht die 
englische Ausfuhr nach Deutschland zum weitaus grössten 
Tei aus Kesselkohlen, nächst ihnen sind für die Ausfuhr 
von Bedeutung die Gaskohlen, und in weitem Abstande 
folgen sodann Anthrazit und andere Hausbrandkohlen. 
Die Ausfuhr an Koks und Brikets ist verhältnismässig 
seh • gering, wie denn überhaupt die Aufbereitung und 
Veredelung der Kohle in England längst nicht in dem 




d 


— 55 — 

Umfange geschieht wie in Deutschland. Von den englischen 
Kohlen, die nach dem Oberrhein gelangen, spielt eine 
besondere Rolle der Anthrazit, der wegen seiner hervor- 
ragenden Güte — dies gilt vornehmlich von dem Wales- 
Anthrazit — auch weiterhin auf dem süddeutschen Kohlen- 
markt seinen Platz behaupten dürfte. Die hohen Preise, 
die für ihn verlangt und erzielt werden, lassen es freilich 
manchem Verbraucher als ratsam erscheinen, auf das 
billigere und trotzdem gute deutsche Erzeugnis überzugehen. 

Wie bereits erwähnt, nehmen an der Kohlenversorgung 
des östlichen Süddeutschland, d. h. vornehmlich des rechts- 
rheinischen Bayern, ausser den bereits behandelten Kohlen- 
bezirken noch einige andere deutsche und ausländische 
Fundstätten teil, vornehmlich Böhmen, Schlesien, Sachsen 
und Thüringen. Neben diesen kommt für Bayerns Kohlen- 
verbrauch noch die eigene Produktion in Betracht, über 
die zunächst einiges zu sagen wäre. 

Ein eigentliches Steinkohlenvorkommen besitzt Bayern 
überhaupt nicht. Das einzige Steinkohlenbergwerk, die 
Zeche Stockheim, in Oberfrankeii an der ba^'risch- 
meiniiigischen Grenze gelegen, ist stillgelegt worden. 
Auf Grund günstig lautender Gutachten und glänzender 
Rentabilitätsberechnungen erwarb der bayrische Staat im 
Herbst 1908 die Grube Stockheim, machte jedoch schon 
nach 2 Jahren von dem Rechte des Rücktritts vom Kauf- 
verträge Gebrauch, nachdem wider alles Erwarten die nach 
der Erwerbung vorgenommenen Bohrungen ein sehr un- 
günstiges Ergebnis hatten. Für die bayrische Staatskasse 
bedeutete freilich dieser Versuch, Bayern zu einer eigenen 
Steinkohlenzeche zu verhelfen, einen Verlust von mehreren 
Millionen Mark. 

Nicht unbedeutend sind dagegen die oberbayrischen 
Kohlenlager. Freilich handelt es sich hier nicht um eigent- 
liche Steinkohlen. Die oberbayrischen sogenannten Pech- 
glanzkohlen besitzen zwar ein der Steinkohle ähnliches 
Aussehen, auch deren Struktur und Festigkeit, sind aber 
ihrer Zusammenzetzung nach als eine Abart der Braun- 


56 


kohle anzusprecheii, weshalb sie auch seit einigen Jahren 
in ien amtlichen Statistiken als Braunkohlen aufgeführt 
weiden. Vor Braunkohlen zeichnet sich freilich die ober- 
bayrische Kohle durch ihren ganz erheblich höheren 
Heizwert aus, der 5200—5600 W.E. beträgt. Die Förderung 
der oberbayrischen Gruben betrug 1880 305000 t, 1890 
493 300 t, 1900 648000 t, 1913 rund 900 Oa) t, wovon etwas 
übe;- 2/3 auf die der oberbayrischen Aktien-Gesellschaft für 
Bergbau gehörenden Gruben Hausham und Penzberg und 
nahezu 1/3 auf die staatliche Zeche Peisseuberg entfallen. 
Dui ch sorgfältige Auf bereitungder Rohkohle ist es gelungen, 
ein auch höheren Ansprüchen genügendes Produkt auf den 
]\Ia] kt zu bringen. Es ist naturgemäss, dass die ober- 
bay rischen Kohlen in erster Linie in den den Fundstätten 
näc ist gelegenen Teilen Bayerns Absatz erhalten. So 
spi< len sie eine grosse Rolle bei der Deckung des Haus- 
bra idkohlenbedarfs der südbayrischen Städte, vornehmlich 
Augsburgs und Münchens, Aber auch in der Industrie 
ist die oberbayrische Kohle verwertbar, wenn sie sich auch 
für manche industrielle Zwecke weniger gut eignet. Der 
ver lältnismässig stark anfallende oberbayrische Gries findet 
in 1 ierfür besonders eingerichteten Kesselanlagen vorteilhaft 
unc in steigendem Masse Verwendung. 

Die verschiedenen Vorkommen Bayerns an eigentlicher 
Bra ankohle besitzen meist nur untergeordnete und lokale 
Beceutuug. Erwähnt sei die Grube Gustav bei Dettingen 
am Main, die zumal durch die Versorgung einer Ueberland- 
zen ;rale für die Aschaffenburger Gegend von Wichtigkeit 
ist. Die Förderung dieser Zeche an Rohbraunkohlen 
bet ägt rund 250000 t, die Briketherstellung 48000 t. 
Eb( nfalls hauptsächlich für den Bedarf einer Ueberland- 
zen:rale arbeitete die Grube Haidhof in der Oberpfalz, die 
frei ich eine viel geringere Produktion hat. Eine grössere 
Au: dehnung weisen allein die in der Oberpfalz gelegenen 
Wa :kersdorfer Gruben auf, die von der Schwandorfer 
Bra ankohlen-Industrie- Aktien-Gesellschaft ausgebeutet wer- 
den Die Förderung hat hier in den letzten Jahren rasch zu- 


— 0/ — 

genommen ; sie beläuft sich jetzt auf rund 800000 1 Rohkohlen, 
die Briketfabrikation auf 200000 t. Diese Fundstätte spielt 
demnach für Bayerns Kohlenversorgung schon eine Rolle. 

Im Vergleich zu dem grossen Kohlenbedarf Bayerns 
ist also seine Eigenproduktion gering, sodass es auf die 
Zufuhr aus fremden Revieren angewiesen ist. Unter diesen 
nimmt Böhmen den ersten Platz ein, das sowohl Stein- 
kohlen als auch Braunkohlen nach Bayern einführt. Für 
den Export von Steinkohlen nach Bayern kommt haupt- 
sächlich das westböhmische Revier (Pilsen) in Betracht, 
für die Ausfuhr der Braunkohlen nach Bayern sowohl das 
grössere Teplitz-Brüx-Komotauer Becken, als auch das 
kleinere, aber Bayern näher gelegene Ellbogen-Falkenauer 
Revier. Die böhmische Steinkohle ist eine flammige, teil- 
weise auch backfähige Kohle mit einem Heizwert von 
6000—6500 W.E., steht also erheblich zurück hinter der 
Saar- und schlesischen Kohle oder gar der Ruhrkohle. 
Die böhmische Braunkohle dagegen hat der deutschen 
gegenüber, wie weiter oben bereits bemerkt, den Vorzug 
erheblich höheren Heizwertes und viel geringeren Wasser- 
gehalts. Dies ist auch der Grund, weshalb im Gegensatz 
zu Deutschland in Oesterreich die Braunkohlenbriket- 
herstellung nur langsam Fortschritte macht. Bei dem er- 
heblich höheren Wert der Rohbrauukohle lohnt sich der 
Briketierungsprozess meistens nicht sehr, da er keine 
wesentliche Heizwertsteigerung herbeizuführen vermag. 
Wie nun im allgemeinen die Einfuhr Deutschlands aus 
Oesterreich in fortgesetztem Rückgang begriffen ist — eine 
für die deutsche Volkswirtschaft im allgemeinen und den 
deutschen Bergbau im besonderen erfreuliche Tatsache — , 
so gilt dies vornehmlich auch für die Bezüge Bayerns an 
böhmischen Brennstoffen. Dagegen macht die Ausfuhr 
Deutschlands nach Oesterreich-Ungarn rasche Fortschritte. 
1913 bezog Oesterreich-Ungarn aus dem Deutschen Reich 
12153000 t Steinkohlen, 1053 000 t Koks, 141000 t Stein- 
kohlenbriketts und 117 000 t Braunkohlenbrikets, 1908 
waren es nur 8 996 000 t Steinkohlen, 957000 t Koks, 


- 58 — 

137 000 t Steinkohlenbrikets iiud 14000 t Brauukohlen- 
bril ets. Dass Oesterreich, obschoii es seinen Bedarf ans 
der eigenen Produktion nicht decken kann, dennoch er- 
hebliche Mengen im Auslande absetzt, hat ebenfalls wieder 
seil e Ursache in der besonderen geographischen Lage der 
österreichischen Kohlenreviere. Ueber die BrennstofFeinfuhr 
Oesterreichs, im besonderen Böhmens, nach Süddeutschland 
gibl die Zahlentafel 27 Näheres an. 

Im Nordosten grenzt Bayern an das Königreich 
Sac hsen, das einen ansehnlichen Bergbau in Steinkohlen 
und auch in Braunkohlen sein eigen nennt, letzterer be- 
son<lers ist in einem raschen Aufblühen begriffen, wie 
aus den Zahlentafeln 8 und 17 hervorgeht. Von den 
säcl sischen Steinkohlenrevieren hat nur das Zwickau- 
Chemnitzer grössere Bedeutung. Die hier gewonnenen 
Kol len sind in der Hauptsache langflammige Gaskohlen. 
Ihr Heizwert beträgt etwa 6300 W.E., ist also nahezu 20 0/o 
niec riger als der der Ruhrkohlen. Der ziemlich hohe 
Asc lengehalt der sächsischen Steinkohle macht eine gute 
Aufbereitung erforderlich. Die Verarbeitung der Steiu- 
koh en zu Koks und Brikets ist nur unbedeutend, die 
Briketherstellung nimmt allerdings, wenn auch langsam, 
so loch stetig zu. Die Braunkohlengewinnung findet in 
Sachsen in zwei räumlich voneinander getrennten Revieren 
stat , dem östlichen, in der sächsischen Oberlausitz ge- 
legenen, und dem westlichen, Ueipzig-Bornauer Becken, 
das nach und nach das östliche Revier überflügelt hat, 
dan c vor allem der Steigerung der Braunkohlenbriket- 
herstellung. Was den Absatz der sächsischen Steinkohle 
betr.fft, so gehen nur etwa 15 über die Grenzen des 
Königreiches hinaus, und hiervon wieder gelangt etwa 
ein Drittel nach Bayern. Die Einfuhr nach Bayern nimmt 
abei relativ ab, was vornehmlich in dem stark wachsenden 
Eig< nbedarf Sachsens seine Ursache hat. Der Braunkohlen- 
absatz Sachsens in Bayern ist, wenn auch zunehmend, so doch 
verhältnismässig nicht beträchtlich. Ueber den Absatz 
Sacl sens in Süddeutschland unterrichtet die Zahlentafel 25. 


59 



Hat der sächsische Bergbau für den Steinkohlenver- 
brauch Bayerns au Bedeutung verloren, so ist im letzten 
Jahrzehnt auf dem bayerischen Kohlenmarkt den bisherigen 
Eieferauten ein neuer und recht gefährlicher Konkurrent 
entstanden in der oberschlesischen Kohle. Das muss 
zunächst wunder nehmen, wenn man sich vergegenwärtigt, 
dass die schlesische Kohle, um nach Bayern zu gelangen, 
in grossem Bogen um Böhmen herumfahren muss. Und 
in der Tat, es ;ist einzig und allein die Tarifpolitik der 
preussischen, sächsischen und bayerischen Eisenbahnen, 
die den schlesischen Bergbau in den Stand gesetzt hat, 
in Bavern — und zwar vornehmlich in Südbavern — festen 
Fuss zu fassen, indem die Bahnen der Frachtberechnung 
der schlesischen Kohlensendungen nach Bayern den kürzesten 
Weg durch Böhmen zu Grunde legen. Mit Ausnahme- 
preisen allein würde Schlesien, wiewohl die von ihm in 
Bayern gestellten Preise die denkbar niedrigsten sind, 
nicht zum Ziel gelangen können. Der Ausdehnungsdrang 
Oberschlesiens ist an sich verständlich, sind doch die Ab- 
satzverhältnisse für diesen höchst leistungs- und entwick- 
lungsfähigen Bergwerksbezirk leider recht ungünstig. So 
sieht sich Oberschlesien im Norden zurückgedrängt durch 
die englische Kohle, die ihr z. B. mehr und mehr den 
Absatz auf dem Berliner Markt entreisst, und es muss 
daher seine Förderung anderweitig unterzubringen suchen. 
Die Unterstützung, die die preussische Bahn dem ober- 
schlesischen Bergbau in seinem Bestreben, seinen Absatz 
nach Bayern auszudehnen, zuteil werden lässt versagt 
sie ihm — offenbar mit Rücksicht auf die Oderschififahrt — 
' da, wo sie besser am Platze wäre, ja direkt notwendig ist, 
nämlich auf dem Wege nach Norddeutschland, im Wett- 
bewerb mit der englischen Kohle. Hier wären Fracht- 
ermässigungen, mit deren Hilfe allein das ausländische 
Produkt aus dem Felde geschlagen werden könnte, besser 
angebracht als für den Versand nach Bayern, wo erst 
anderen deutschen Erzeugnissen ihr alter Besitzstand entrissen 
werden mu.ss, nm der schlesischen Kohle Platz zu schaffen. 



— 60 — 

Ueber die Entwicklung der Steinkohlenförderiing in 
Sch esien sagen die Zahlentafeln 7, 9, 10 und 13 Näheres. 
Die oberschlesischen Kohlen, die sehr stückreich fallen, 
habm einen hohen Gehalt an flüchtigen Bestandteilen, 
sine aber, wie auch die nicht unbeträchtliche Kokspro- 
duktion dartut, zum Verkoken geeignet. Hinsichtlich ihres 
Heizwertes stehen sie wie die Saarkohlen um nahezu 10% 
hinler der Ruhrkohle zurück. Die schlesischen Kohlen 
stel en einen für Hausbrand sowohl wie für Industriezwecke 
gee:gneten Brennstoff dar. Die Entwicklung des Absatzes 
der ;chlesischen Kohlen in Süddeutschland zeigt die Zahlen- 
tafe 25. 

An Braunkohlen, d. h. Braunkohlenbrikets, erhält 
Bayern auch ein ansehnliches Quantum aus Thüringen, 
vornehmlich aus Sachsen-Altenburg, aber auch aus dem 
Zeitz- Weissenfelser Revier. Auch aus diesen Fundstätten 
nimmt die Einfuhr nach Bayern zu. In thüringischen 
Braunkohlenbrikets gelangen kleinere Mengen auch nach 
Wü 'ttemberg. 

Gibt die Zahlentafel 6 darüber Auskunft, in welchem 
Um'aiige im Jahre 1912 die verschiedenen in Betracht 
kommenden Kohlengewinnungsstätten an der Brennstoff- 
ven orgung Süddeutschlands beteiligt waren — die Rhein- 
uim ch lagsmengen sollen dabei als Ruhrkohlen angesehen 
werden — und wie sich ihre Eieferungeu auf die einzelnen 
Gec enden Süddeutschlands verteilen, so kommt in den 
.Zahlentafeln 11, 14, 15, 16, 20, 22 — 28 die Entwicklung 
zun Ausdruck, die die Beteiligung der Bergbaubezirke 
an der Kohlenversorgung der süddeutschen Staaten in 
den Jahren 1909 — 1912 im einzelnen genommen hat. 

In ganz überwiegendem Masse wird also Süddeutsch- 
lanc vom Ruhrgebiet versorgt, und der auf die Ruhr- 
kob le entfallende Anteil ist umso höher einzuschätzen, 
als bei dem nächstgrössten Lieferanten, der Saarkohle, 
der Verbrauch im eigenen Bezirk, im Saargebiet selbst, 
wei über die Lieferungen in das übrige Süddeutschland 
hini.usgeht. Der Versand von Ruhrkohlen nach Süd- 


61 



deutschland hat sich nun in dem genannten Zeitraum so 
ziemlich auf gleicher Hohe gehalten, bei Koks und Brikets 
ist eine wesentliche Zunahme zu verzeichnen, die sogar 
bei Brikets ganz erheblich ist, ein Beweis für die wachsende 
Beliebtheit dieser Sorte. Die Kokszuuahme entfällt nahe- 
zu ganz auf Lothringen, und erklärt sich durch den stetig 
wachsenden Bedarf der grossen Hüttenwerke. 

Der Anteil der Saarkohle hat eine nicht unbeträcht- 
liche Zunahme erfahren, und zwar in fast allen Gebieten. 
Nur nach dem Eisass ist der Versand stark zurückgegangeu, 
offenbar zu Gunsten der Ruhr, die hier, wie aus Zahlen- 
tafel 11 ersichtlich, eine Absatzverstärkung zu verzeich- 
nen hat. 


Die starke Absatzzuuahme Lothringens, auch in 
Bayern, Württemberg und Baden, erklärt sich durch den 
Ausdehnungsdrang dieser noch jungen Kohleufundstätte. 
* Auch der Absatz der Pfälzer Kohle hat einen Zu- 

wachs erfahren. Hier teilen sich das rechtsrheinische 
Bayern, das Grossherzogtum Hessen und das Saargebiet 


in die Mehrabnahme, während in Elsass-Lothringen der 
Verbrauch der Pfalzkohle zurückgegangeu ist. 

Der Absatz der Kohlen aus dem Aachener Revier 
nach Süddeutschland hat sich in den letzten Jahren so 
ziemlich in denselben Grenzen gehalten. Der Menge nach 
kommt diesem Produkt für Süddeutschlands Kohlenver- 
sorguug ja auch keine grosse Bedeutung zu. 

Die Brennstoff lieferungen Sachsens, die sich fast 
ausschliesslich auf Bayern erstrecken und hier wieder in 
ganz überwiegendem Masse das nördliche Bayern betreffen, 
haben eine nur unwesentliche Steigerung erfahren. Im 
Verhältnis geht der Anteil der sächsischen Kohle an der 
Versorgung Bayerns zurück. 

Schlesien ist es, das hier mit raschen Schritten 
vordringt und eine Stellung nach der anderen erobert. 
Dass ihm dies nur ermöglicht wird durch die Ausnahme- 
tarife derpreussischen, sächsischen und bayerischen Bahnen, 
wurde vorhin schon bemerkt. Trotzdem sind aber die 


62 



Frachten von Oberschlesien nach Bayern höher als die 
von der Ruhr oder gar von Sachsen. Dass die ober- 
schDsische Kohle gleichwohl auf dem bayerischen Markt 
solc le Fortschritte macht, hat denn auch zweitens seine 
Ursache in den hier gestellten Ausnahniepreisen, wobei 
allerdings nicht ausser acht gelassen werden darf, dass 
die Gestehungskosten gerade im oberschlesischen Bergbau 
die niedrigsten in Deutschland sind. Freilich entspricht 
dem niedrigeren Preis gegenüber Ruhrkolile hinwiederum 
auch ein geringerer Heizw^ert. Was an schlesischen Kohlen 
nach Württemberg oder gar Baden gelangt, ist ganz 
unbeträchtlich. Hier ist Schlesien frachtlich doch zu sehr 
im Nachteil, weshalb auch der Absatz nicht zunehmen wird. 

Braiiiikohlenbrikets erhält Süddeutschland in 
— V enn auch nur langsam — steigendem Umfange auch aus 
Thüringen. Abnehmer sind Nord- und Südbayern, zum 
klei leren Teil auch Württemberg. Die oberhessische 
Brai.nkohle ist für Süddeutschland von viel geringerer 
Bedinitung, sie kommt in Betracht eigentlich nur für das 
Gro:.sherzogtum Hessen. 

Einem Siegeszug kommt dagegen das Vorrücken des 
rheinischen Braunkohle nbrikets gleich, und seine 
Erfc Ige sind besonders gross, seit die Brikets auf dem 
Schiffswege nach dem Oberrhein befördert werden, um 
von hier aus, soweit sie nicht an Ort und Stelle in den 
Ver])rauch übergehen, mit der Bahn weiterversandt zu 
werden. Baden, Rheinhessen und Starkenburg, die Pfalz 
und Württemberg, nehmen in wachsendem Masse rheini- 
sche Braiiiikohlenbrikets auf, aber selbst im rechtsrheini- 
schen Bayern vermag dieses Erzeugnis trotz den hohen 
Frac hten P'ortschritte zu erzielen. Sie liegen begründet in 
der Güte des Brikets, in den im Verhältnis nicht hohen 
Frei >en, sodann aber auch, wie nachher näher zu schildern 
sein wird, in den besonderen Absatzmassnahmen der Ver- 
kant sorganisation des rheinischen Braunkohlenbergbaus. 

Im Abnehmen begriffen ist die Einfuhr Oesterreichs, 
d. h natürlich vorwiegend Böhmens, nach Bayern, in 


63 


j( Steinkohlen verhältnismässig viel stärker als in Braun- 

kohlen. Dass Böhmen völlig verdrängt wird vom bayerischen 
. ^ ^ Kohlenmarkt, darf allerdings als ausgeschlossen angesehen 

werden, es wird dank seiner geographischen Eage auch 
weiterhin Bayern mit Brennstoffen versorgen. In Württem- 
berg wird dagegen die böhmische Braunkohle bald ganz 
verschwunden sein. In Braunkohlen haben Thüringen 
und Köln Böhmen Absatz entrissen, der Rückgang der 
Steinkohlen dürfte auf das Konto der schlesischen Kohle 
zu buchen sein. 

Der Absatz der holländischen Erzeugnisse ist 
beachtenswert, ihr Anteil an Süddeutschlands Kohlenver- 
sorgung ist umso grösser, als sie im wachsenden Umfang 
auf der Rhein wasserstrasse — über Neuss vornehmlich — 
(siehe Zahlentafel 29) nach Süddeutschland gelangen. Die 
Erfolge Hollands beziehen sich aber wohl nur auf die 
' « Menge des Absatzes, angemessenen Gewinn dürften sie 

den Gruben kaum bringen, da sie nur zu niedrigen Preisen 
unterzubringen sind. 

In belgischen Erzeugnissen ist bei der Einfuhr uach 
Süddeutschlau d bei Kohlen ein Rückgang festzustellen, 
der allem Anschein uach vornehmlich dem Aufblühen 
des Bergbaues in Eothringen zu verdanken ist. In Koks 
dagegen weist die Einfuhr eine Vermehrung auf, und zwar 
sind es offensichtlich lothringische Hüttenwerke, die in 
stärkerem Umfang belgischen Koks verwenden. Die Ur- 
sache liegt natürlich in Preisunterschieden zwischen Ruhr- 
und belgischem Koks. 

Dass die englische Kohleueinfuhr über die Rhein- 
strasse erfreulicherweise stark zurückgeht, wurde oben 
schon bemerkt. 





Ul. Die technische Gestaltung der 
Kohlen vers orgung. 

Arm au eigenen Kohlenfundstätten, von denen die 
eirzige von Bedeutung überdies im äussersten Westen liegt, 
ist also Süddeutschland bei dem Bezug der notwendigen 
Bronnstofie in der Hauptsache auf mehr oder weniger weit 
eni fernte Produktionsgebiete angewiesen. Die Kosten der 
Verbringung der Kohlen vom Fundort zur Verbrauchs- 
stelle nehmen infolgedessen hier einen zumeist recht grossen 
Te 1 der Ausgaben für die Brennstoffversorgung in Anspruch, 
und es hängt sehr viel von ihrer Höhe ab, für welche 
Provenienz der Kohlenverbraucher sich entscheidet. Fetzten 
Endes beruht nun aber — allgemein betrachtet, im Einzel- 
faf e treten selbstverständlich auch noch andere Faktoren 
hirzu — die Höhe der Transportkosten auf der Art des 
zui Verfügung stehenden Transportmittels. Was an Kohlen 
mii der Fuhre, der auf weitere Entfernungen kostspieligsten 
Ve kehrsvermittlung, direkt von der Clrube dem Ver- 
braucher zugeführt wird, ist natürlich nur sehr wenig. 
Im Saargebiet, wo ein solcher Eandabsatz noch Verhält- 
nis nässig gross ist, beträgt er dennoch nur etwa 50 /o des 
Gesamtabsatzes. Diese Art der Beförderung kann dem- 
nach für eine nähere Betrachtung der technischen Ge- 
sta tung der Kohlenzufuhr unberücksichtigt bleiben, da 
sie ja nur für ganz wenige in allernächster Nähe der Zechen 
ansässige Verbraucher in Betracht kommt. Die grosse 
Menge der süddeutschen Konsumenten muss ihre Kohlen 
auf weite Entfernungen auf dem Schienen- oder auf dem 
Wasserwege beziehen. Ob Eisenbahn- oder Schiffsver- 
frachtung für die Beförderung der Kohlen vorteilhafter 



— 65 — 

ist, darüber sei nun zunächst einigen Bemerkungen Raum 
gegeben. 

Der allgemeine Hauptvorzug der Binnenwasserstrassen 
gegenüber der Eisenbahn besteht in der Möglichkeit des 
Massen Verkehrs. Die Wasserstrassen lassen die Benutzung 
weit grösserer Beförderungsgefässe zu als die Eisenbahnen, 
sie setzen ferner der Fortbewegung einen viel geringeren 
Reibungswiderstand entgegen. Hierzu kommen noch das 
beim Schiff günstigere Verhältnis zwischen toter East 
und Nutzlast, sowie die im Vergleich zur Ladefähigkeit 
viel geringeren Anschaffungskosten des Schiffes als des 
Eisenbahnwagens, ferner die verhältnismässig meist niedri- 
geren Be- und Entladungskosten, sowie die grössere Frei- 
heit in der Wahl der Lagerplätze. Freilich stehen diesen 
erheblichen, in der Verbilligung des Transportes schliess- 
lich zum Ausdruck koninienden Vorzügen der Wasser- 
strassen auch manche Nachteile gegenüber; die Unter- 
brechungen des Verkehrs durch Frost. Hochwasser oder 
Wassermangel sind weit häufiger als Verkehrsstörungen 
der Eisenbahn, an Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Sicher- 
heit steht der Transport auf der Wasserstrasse dem auf 
dem Schienenwege zweifellos nach. Niedriger Wasserstand 
hat, wenn er nicht gar die Schiffahrt unmöglich macht, 
zur Folge, dass die Fahrten mit geringerer Ladung gemacht 
werden müssen, die Tragkraft also nicht ausgenutzt werden 
kann, oder aber unterwegs die Fahrt unterbrochen werden 
muss und höchstens nach Auf leichterung fortgesetzt werden 
kann. Schliesslich haben die Wasserstrassen längst nicht 
die Verzweigungsmöglichkeit wie die Eisenbahnen : der 
natürlichen Flussläufe gibt es nur wenige, und der Anlegung 
künstlicher Wasserstrassen sind viele Schranken gezogen. 

Die Binnen Wasserstrasse kommt also namentlich da 
für den Verkehr in Betracht, wo das Hauptgewicht auf 
die Billigkeit gelegt wird. Dies trifft natürlich vor allem 
auf die Massengüter zu, und hier steht ohne Frage im 
Vordergrund die Kohle, die bei ihrem im Verhältnis zum Vo- 
lumen geringen Wert grosse Frachtkosten schlecht tragen 

5 


66 


kann Es lohnt sich aber die Kohlen Verfrachtung auf 
dem .Vasserwege nur auf grössere Entfernungen, auf kurze 
Strecceu ist der Eisenbahntransport billiger. Die Grenze 
lässt sich freilich schwer bestimmen, massgebend ist aber 
vor sllem die Lage des Gewinnungsortes sowohl wie des 
Verbrauchsortes zu der Wasserstrasse. Die günstigste 
\'orb idingung ist gegeben, wenn beide unmittelbar am 
Wasserwege liegen, die ungünstigste im umgekehrten Fall, 
der einen doppelten Umschlag nötig macht. Hat der Ver- 
sand der Kohlen mit dem Schiff seine grossen Vorteile in 
der D löglichkeit, umfangreiche Mengen auf einmal fort- 
zuschaffen, und in der grösstenteils hierauf beruhenden 
Tranrportverbilligung, so ergeben sich anderseits doch auch 
manche nicht zu unterschätzende Nachteile dieser Be- 
förderungsart. Zunächst, wie schon vorher erwähnt, ihre 
geringere Schnelligkeit entgegen dem Versand mit der 
Eisei bahn und ihre Abhängigkeit von den mit Jahreszeit 
und vVitterung wechselnden Wasserverhältnissen, die hin- 
wiederum zur Folge haben, dass die Lieferung auf dem 
Wasserwege nicht mit der gleichen Pünktlichkeit und 
Siclierheit erfolgen kann wie mit der Bahn. Im Zusammen- 
hang damit steht die sich oft ergebende Notwendigkeit 
der xAufstapelung der Kohlen, da der Transport sich nicht 
nur nach der xAnforderung, nach dem Bedarf der Verbraucher 
zu richten vermag, sondern günstiger Wasserstand stets 
ausgf nutzt werden muss. Die Lagerung hat aber neben 
dem Vorteil der Aufspeicherung von Vorräten für Zeiten, 
wo dsr Wassertransport notgedrungen ruht, den Nachteil, 
dass damit erhebliche Unkosten verknüpft sind, so der 
meist teure Erwerb und die oft kostspielige Einrichtung 
und CJnterhaltung von Lagern, ferner Umschlagkosten, 
Zinsverluste, schliesslich — und nicht in letzter Linie — 
auch die Wertverminderung der Kohle, die der mehrmalige 
Umschlag mit sich bringt. Diese Qualitätsherabsetzung, 
derer LUsache in der Zerkleinerung der Brennstoffe beim 
Laden und Löschen des Kahns zu suchen ist, ist denn 
Überl aupt ein Faktor, der oft gegen die Benutzung des 


67 


Wasserweges für den Kohlentransport spricht. Sie ist weniger 
da von Bedeutung, wo die Kohlen für Verbrauchszwecke 
bestimmt sind, für die sich auch grusreichere Kohlen eignen, 
während bei manchen hochwertigen und empfindlichen 
Sorten die Verschlechterung der Kohle durch den Schiffs- 
transport so erheblich ist, dass trotz Frachtersparnis ihr 
Versand auf dem Wasserweg sich oft nicht empfiehlt. Der 
Grad der Härte der Kohle ist vor allem bestimmend für 
die Möglichkeit ihrer Versendung mit dem Schiff, sodass 
sich dazu vornehmlich die härteren Gas- und Gasflammkohlen 
und Anthrazit, weniger die Fett- und Esskohlen eignen. 
Im allgemeinen müssen also, wenn für den Versand die 
Wasserstrasse gewählt werden soll, die Nachteile des Wasser- 
transports durch die Frachtersparnisse mindestens aus- 
geglichen werden. Diese sind aber um so grösser, je weiter 
der Weg von der Kohlengewinnungsstätte zum Bestimmungs- 
orte, und diese Tatsache ist es denn, die bei der grossen 
Entfernung Süddeutschlands vom Ruhrkohlengebiet für 
den Brennstoff bezug eine ausgiebige Benutzung der leistungs- 
fähigen Rheinwasserstrasse als vorteilhaft erscheinen lässt. 

Die im vorstehenden aufgeführten für und wider den 
Wassertransport sprechenden ^Momente sind mehr oder 
weniger natürlicher Art, jedenfalls lassen sie sich nicht so 
ohne weiteres nach Belieben ändern. Die tatsächlichen 
Unterschiede zwischen Schiffs- und Eisenbahnfrachten be- 
ruhen nun aber auch noch auf anderen Faktoren. Hier 
ist vornehmlich zu beachten, dass Schiffsfrachten sich in 
der Hauptsache im freien Wettbewerb bilden, die Eisen- 
bahnfrachten dagegen in Deutschland sich aus Tarifen 
ergeben, deren Festsetzung immerhin auch vom freien 
Willen der Besitzer der Bahnen abhängig ist. Wie sehr 
deren Tarifpolitik die für die Wirtschaftlichkeit des Wasser- 
transportes als im allgemeinen gültig anzusehenden Regeln 
zu durchbrechen vermag, zeigt gerade die Geschichte der 
Rheinschiffahrt, in deren \" ordergrund der Kampf zwischen 
Eisenbahn und Schiffahrt steht. Die Tarifherabsetzung 
der Bahn muss bei der Schiffahrt aber wieder das Bestreben 


V 


68 



wecken, ihre natürlichen Vorzüge vor der Eisenbahn noch 
zu verstärken und zu vermehren durch Einrichtungen, die 
eine Verbesserung und Vereinfachung und damit Ver- 
billigung des Transportes bewirken, und technische Fort- 
schri te sind es denn auch, denen in erster Linie — da- 
neben freilich auch der heftige Wettbewerb der Reeder 
und Schiffer untereinander — der stete Rückgang der 
Rhei ifrachten zu verdanken ist. Man denke nur an die 
fortgesetzte Vergrösserung der Transportgefässe, die Ein- 
führi ng mechanischer Umschlagseinrichtungen, die Ver- 
stärk mg der Bewegungskraft. Gewiss steht dieses Mittel 
auch der Eisenbahn zu Gebote, auch sie sucht durch fort- 
währ ende Verbesserungen technischer und organisatorischer 
Art c ie Betriebskosten herabzusetzen, aber der Unterschied 
zwischen einst und jetzt dürfte hier längst nicht so gross 
sein vie bei der Rheinschiffahrt. Wie dem auch sein möge, 
die n itürlichen, wenn auch nicht stets gleich l)leibenden Vor- * 

teile der Wasserverfrachtung müssen sich auf die Dauer durch- 
setze 1 , wenn anders die Bahn nicht mit Verlust arbeiten will. 

3er Kohlentransport auf dem Rhein reicht schon weit 
zurü( k und ist hervorgegangen aus der Kohlenschiffahrt 
auf (.er Ruhr, die vor Erbauung der Eisenbahn dem Ruhr- 
kohlenbergbau als einzige Abfuhrstrasse von Belang dienen 
konnte. Anfangs nahm der Kohlenhandel über den Rhein 
seine Richtung nach Holland, doch wurde der Ruhrkohle 
dieses Absatzgebiet vom Jahre 1815 ab verschlossen, als 
Holland nach seiner Vereinigung mit den belgischen 
Laue eil zum Schutze des Kohlenbergbaues in der Lütticher 
Gegc nd auf Ruhrkohlen einen übermässig hohen Einfuhr- 
zoll ;rhob. Da musste denn für die Ruhrkohle ein neuer 
Absatzmarkt gesucht werden, und dass er gefunden und 
festgehalten wurde, das ist vor allem den Gebrüdern Stinnes 
zu verdanken, die der Ruhrkohle den Oberrhein erschlossen. 

Sie brachten im Jahre 1815 bereits 2665177 Zentner 
Kohlen den Rhein hinauf, von denen über 2 Millionen 
höher als bis Köln gingen, ja sie konnten ihre Fahrten schon 
bis Strassburg ausdehnen. War dem Ruhrhohlenhandel 




69 


und damit dem Ruhrbergbau durch die holländische Ein- 
fuhrerschwerung, die einer Einfuhrsperre gleichkam, ein 
harter Schlag versetzt worden, so vermochte die Aus- 
dehnung des Kohlenabsatzes rheinaufwärts hierfür bald 
einen Ausgleich zu schaffen. Welche Rolle der Kohlen- 
transport auf dem Rhein spielte, mag daraus entnommen 
werden, dass man für das Jahr 1822 von der Bergfahrt auf 
dem Niederrhein bis Köln 69% und auf dem Mittelrhein 
bis Mainz 24% als Anteil der Steinkohle am Gesamt- 
transport — dem Gewichte nach — berechnet hat. Der 
Versand der Ruhrkohle rheinaufwärts hatte für Süddeutsch- 
laud auch noch den Vorteil der Möglichkeit billiger Ver- 
frachtung oberrheinischer Erzeugnisse den Rhein hinunter, 
zumal da der Transport der Ruhrkohle zum Oberrhein 
nur rentabel war, wenn die Schiffe Rücktransport erhielten ; 
dieser bestand vornehmlich in Getreide. Dem Ruhrbergbau 
öffnete sich Anfang der 1880er Jahre infolge der Veränderung 
in den politischen Beziehungen der Niederlande zu Belgien 
auch wieder der holländische Markt, und das hatte eine 
ganz wesentliche Verstärkung der Förderung an der Ruhr 
zur Folge. Umsomehr musste man dann aber später, d. h. 
schon Anfang der 40er Jahre, als diese günstigen Verhält- 
nisse wieder ein Ende genommen hatten, darauf bedacht 
sein, den Absatz am Mittel- und Oberrhein zu heben. Um 
die Transportkosten zu verbilligen, was um so notwendiger 
war, als man nach Eröffnung der Pfälzer Bahn noch weit 
mehr als zuvor mit dem Wettbewerb der Saarkohle zu 
rechnen hatte, gingen die beiden grössten Kohlenhandels- 
firmen Stinnes und Haniel zur Anschaffung eigener Schlepp- 
boote und eiserner Kähne über. Mit Hilfe der Schlepp- 
schiffahrt gelang es, den Kohlentransport noch mehr zu 
steigern, auch dann noch, als die immer grössere Kon- 
kurrenz der Eisenbahn längs des Rheines der Schiffahrt 
bereits einen beträchtlichen Teil des Transportes, allerdings 
besonders höherwertiger Waren, genommen hatte. An Stein- 
kohlen gingen 1856 bei Koblenz zu Berg 3 210195 Zentner, 
1866: 8969661 Zentner. In den folgenden Jahren kam 


70 


aber der Rückschlag mit den Tarif herabsetzungeil der 
Eisei .bahnen. Waren 1867 in Ruhrort und Duisburg 
38581834 Zentner Kohlen verschifft worden, so ist 1873 
der ''"ersand auf 32309 973 Zentner ziirückgegangen, und 
zwar ist es der Transport rheinaiifwärts, der diesen erheb- 
liche 1 Ausfall zu tragen hatte. Auf dem Oberrheiii zwischen 
Maniiheim und Strassburg war der Kohlentransport schon 
Anfarg der 1840 er Jahre zum Erliegen gekommen, die 
Elsässer Bahn nahm ihm seine Rentabilität. Im Eisass 
herrschte von da ab, unterstützt freilich anfangs auch durch 
den I.hein-Rhonekanal, die französische Kohle, die erst nach 
Eröffnung des Saarkanals eine Konkurrentin in der Saar- 
kohlc erhielt. 

Ging nun auch in den 1870 er Jahren der Wasser- 
transport der Ruhrkohle rheinaiifwärts mit raschen Schritten 
zurü< k und sah es fast aus, als ob die Eisenbahn die 
Verpachtung auch dieses Rohstoffes und Massengutes an *• 

sich reissen werde, so hat doch schon bald wieder die 
Wasserstrasse ihre natürlichen Vorzüge zur Geltung bringen 
können, und dank vor allem den technischen Fortschritten 
in der Schiffahrt fielen die Kohlentransporte zum Oberrhein 
wied ir nach und nach hauptsächlich der Wasserstrasse zu. 

Wie sich seit 1880 die Kohlenabfuhr aus den Duisbiirg- 
Ruhiorter Häfen zum Oberrhein gestaltet hat, darüber gibt 
die Zahlentafel 12 Auskunft. 

. hren Ausgang nimmt also die Verschiffung der Ruhr- 
kohlen in den Ruhrhäfen, worunter im weiteren Sinne 
alle lie Häfen zu verstehen sind, die am Niederrhein au 
der Vlündung der Ruhr, sowie oberhalb und unterhalb 
liege 1 . Es sind dies der Ruhrorter Hafen (Alter-, Nord-, 

Süd- Kaiserhafen, Hafenkanal, Becken A, B, C., Eisenbahn- 
hafei ), der Duisburger Hafen (Innen-, Aussen-, Parallel- 
hafeii), der Hochfelder Hafen, die Häfen Alsum, Schwel- 
gern, Walsum. Die drei letztgenannten sind Privathäfen,. 

Alsu: n und Schwelgern gehören der Gewerkschaft Deutscher « 

Kaiser, Walsum befindet sich im Besitz der Gutehoflfnungs- 
hütte. Ferner kommt für die Kohleuverschiffung auch 


71 


noch der linksrheinische Hafen der Zeche Rheinpreussen 
in Betracht. Weitere Zechenhäfen auf der linken Rhein- 
seite sind im Bau oder geplant, so der der Gewerkschaft 
Diergardt in Hochemmerich und der der Zeche Friedrich 
Heinrich in Eintfort. Die Entstehung der Ruhrhäfen ist 
recht eigentlich auf den Kohlenbergbau im Ruhrgebiet 
zurückzuführen. Die Gründung des Ruhrorter Hafens er- 
folgte zwar schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts, Be- 
deutung erlangte er aber erst, als ihm über den durch 
Schleusenbau regulierten Ruhrstrom die Erzeugnisse der 
Ruhrzecheu zugeführt wurden. 1820 — 25 wurde die alte 
Anlage bedeutend erweitert und der erste eigentliche Hafen 
mit 500 Quadratruten Magazinen hergestellt. Schon in 
den 1830 er Jahren erwies sich die Anlage als zu eng und 
in den Jahren 1837—42 wurde ein neuer Hafen gebaut. 
Weitere Häfen folgten 1860-68, 1872-90, 1903-07. Der 
Duisburger Hafen ist 1833 entstanden, der Hochfelder 1869. 
Die Duisburger Anlagen wurden 1889 — 98 ausgebaut und 
ganz beträchtlich vergrössert. Erfolgte in den ersten Jahr- 
zehnten des 19. Jahrhunderts die Kohlenzufuhr nach dem 
Ruhrorter Hafen ausser auf der Ruhr auch auf den in 
diesen Jahren angelegten Kunststrassen, die die Verbindung 
mit den abseits der Ruhr gelegenen Zechen herstellten, 
wie die Mülheim-Borbecker Aktienstrasse, so erfuhr der 
Kohlenumschlag einen mächtigen Aufschwung, als von 
der Mitte des vorigen Jahrhnnderts ab auch die Eisen- 
bahnen den Transport von den Zechen zum Hafen über- 
nahmen. Bald hörte dann die Anfuhr auf der Eandstrasse 
auf und auch die RuhrschifFahrt wurde von der Bahn nach 
und nach in raschem Tempo überholt, bis sie in den 80 er 
Jahren ganz zum Erliegeu kam. 

Wenn nun auch an dem Gesamtverkehr in den Ruhr- 
häfen Waren mannigfacher Art, so in steigendem Masse 
Erze, Roheisen, verarbeitetes Eisen, Getreide, Holz, Pe- 
troleum beteiligt sind, so hat die Kohle ihre überragende 
Stellung nicht eingebüsst. Der Kohlenumschlag macht 
weit über 60% des gesamten Güterverkehrs aus. Von den 


) 


72 


Privi.thäfen dient der Hafen der Zeche Rheinpreussen 
— P'07 ansgebaiit. eine eigene Verladestelle bestand schon 
seit luide der 70er Jahre — fast ausschliesslich der Kohlen- 
verh düng, und auch in den Häfen Schwelgern und Wal- 
sum — 1904 und 1905 in Betrieb genommen — und dem 
Haft 11 Alsum — 1884 entstanden — ist das läanptnmschlag- 
gnt iie Kohle. Ueber die Kohlenabfuhr aus diesen Privat- 
häfe 1 unterrichtet die Zahlentafel 30, und aus der Zahlen- 
tafel 31 ist der Anteil ersichtlich, den die einzelnen öffent- 
lichtn und privaten Ruhrhäfen am Gesamtkohlenversand 
haben, sowie ferner die Verteilung der Kohlenabfuhr auf 
die nnzelnen Stromstrecken und die verschiedenen Be- 
stini nuugsländer. Ob der Kohlenunischlag in den Ruhr- 
häfe:i — hier im engeren Sinne den Dui burg-Ruhrorter 
Häft 11 — auch weiterhin so riesenhaft wachsen wird, darf 
als Iraglich angesehen werden. Die gewaltige Steigerung 
des Kohlenverkehrs in ihnen hatte nicht zuletzt darin seinen 
Grund, dass die weitaus meisten Ruhrzechen keinen An- 
schluss an eine Wasserstrasse hatten, somit erst einen 
leistungsfähigen Hafenplatz mit Hilfe der Bahn auf- 
such an mussten. Hierin ist jetzt aber eine Aenderung ein- 
getreten, indem mit der Eröffnung des Rhein-Herne-Kanals 
eine beträchtliche Anzahl grosser Zechen ihre Erzeugnisse 
direkt ins Schiff — d. h. auch in Rheinschiffe — verladen 
oder doch wenigstens unter Aufwendung viel geringerer Un- 
kost m ans Wasser bringen kann, den teuren Eisenbahn- 
tran: port zum Duisburg-Ruhrorter Umschlagplatz also spart. 
Es i d demnach sehr wohl möglich, vielmehr wahrschein- 
lich, dass fernerhin ein Teil der über die Rheinwasser- 
strasse zum Versand gelangenden Mengen in Zechenhäfen 
am Rhein-Herne-Kanal verfrachtet wird. Ihre überragende 
Bed< utung für den Kohlentransport auf dem Rhein* kann 
den Ruhrhäfen der Kanal jedoch keinesfalls nehmen. 

Die heute auf dem Rhein für Kohlen ausschliesslich 
angewandte Transportart ist der Schleppzug, der aus einem 
Rad- oder Schraubendampfer mit einem Kahn, meist aber 
meh 'eren — 2—3, auch 4 und 5 — hölzernen oder, was 


73 


mehr und mehr die Regel wird, eisernen Kähnen im An- 
hang besteht. Dass der Transport so gewaltiger Mengen 
Kohlen auf dem Rhein leistungsfähiges und genügendes 
Schiffsmaterial zur Voraussetzung hat, ist selbstverständlich. 
Die Zahlentafel 32 zeigt, zu welch achtunggebietender Höhe 
die Rheinflotte im letzten Jahrzehnt angewachsen ist. Hierzu 
sei noch bemerkt ; Von den insgesamt 354 566 Pferdestärken 
der Dampfschiffe entfallen rund 53,3^ o "^7 Schiffen 
auf die deutsche Flagge, 36,8® o 710 Schiffen auf die 
niederländische, 9,6 ®/o mit 212 Schiffen auf die belgische. 
Von den insgesamt 4 925 765 t Tragfähigkeit der Segel- 
schiffe und Schleppkähne entfallen auf 

3187 deutsche Schiffe . . . 2 243 900 t = 45.5 ® o 
5073 niederländische Schiffe 1774 914 t = 36 ®o 
2437 belgische Schiffe. . . 884 270 1 = 17,9 ®/q. 

Von den 1671 Dampfschiffen der Rheinflotte sind 
185 Räderboote mit 129 109 indizierten P.S. der IMaschinen 
und 1486 Schraubenboote mit 225457 ind. P.S. Was die 
besondere Verwendung der Dampferflotte anbelangt, 

so dienen 1163 oder 69,6 ®/o dem Schleppdienst, woraus er- 
sichtlich, wie gross der Anteil der Masseuverfrachtung, und 
hier wieder in vorderster Eiuie die Kohle, am Güterverkehr 
auf dem Rhein ist. Die grössten Schleppdampfer sind folgende : 

„Rob. Müser“ mit 2200 ind. P.S. 

..Mathias Stinnes XXII“ . „ 1700 

..Hugo Stinnes I u. II“ . „ je 1500 

„T. Schürniann Sne. IV“ . „ „ 1500 

Aus der Aufstellung geht hervor, dass immer mehr 
die Zahl der hölzernen Kähne zurückgeht, die der eisernen 
um so beträchtlicher znnimmt, anderseits die mittlere 
Tragfähigkeit der eisernen (533,9 t) die der hölzernen 
(183,7 t) fast um das dreifache übertrifft. Die Zahl der für 
den Massentransport bestimmten grossen eisernen Schlepp- 
kähne von mehr als 1000 t Tragfähigkeit betrug im 
Jahre 1912 1300 gegen 890 im Jahre 1906 und 537 im 
Jahre 1900. Eine Uebersicht der grössten Schleppkähne 
bietet folgende Zusammenstellung : 




W 


n 


n 


n 


74 



K irl Schroers 31 . . 


mit 

3583 t 

Tragfähigkeit 

T ansport I . . . . 


W 

2596 t 

95 

T ivssen VI ... . 


95 

2583 t 

95 

. VH. . . . 


9J 

2568 t 

95 

„ IV ... . 


95 

2581 t 

59 

„ V . . . . 


95 

2581 t 

95 

R chard IV . . . . 


95 

2635 t 

95 

T Schürmann Söhne 

24 

w 

2530 t 

95 

«95 ” 

23 

95 

2430 t 

95 


^V’’egeu der besonderen Bedeutung, die dem Kohlen- 
kont('r für den Kohientransport über die Rheinstrasse zu- 
komi it, ist in der Zahlentafel 33 der Besitz der am Kontor 
betei igten Finnen an Dampfschiffen und Kähnen zu- 
samiiieugestellt. 

Der Hauptvorteil des Schiffsversandes der Kohlen ist, 
wie gesagt, neben der Möglichkeit der Verfrachtung grosser 
Mengen auf einmal, die Verbilligung der Transportes. Die 
Kostm des eigentlichen Kohlentransportes über den Rhein 
setze 1 sich aus Kahnfracht und Schlepplohn zusammen. 
Die ] 'rächten bilden sich auf offenem Markt, und es findet 
ihre jeweilige Höhe in dem auf amtlicher Feststellung 
beru lenden, vom Vorstand der Schifferbörse in Duisburg- 
Ruhi ort herausgegebenen Kurszettel Ausdruck. Massgebend 
ist fir die Gestaltung der Frachten in erster Linie das 
Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Dieses hin- 
wied irum ist abhängig einmal von der allgemeinen wirt- 
schal tlichen Lage — in Hochkonjunkturszeiten wächst der 
Bedarf, sind grössere Mengen zu befördern, geht die Nach- 
frage nach Schiffraum in die Höhe — , sodann aber auch 
sehr von natürlichen Verhältnissen — niedriger Wasser- 
stand macht volle Beladung der Schiffe unmöglich, steigert 
also den Bedarf an Schiffsraum, verstärkt somit ebenfalls 
die Machfrage — . Aus diesen Hauptfaktoren, zu denen 
auch noch Momente von untergeordneter oder vorüber- 
gehender Bedeutung treten können, ergibt sich ein heftiges 
Sch\ sanken der Schiffsfrachten sowohl wie der Schlepp- 
löhn Die Annahme und die Ausrechnung von Durch- 



1 


75 



Schnittsfrachten haben daher nur einen problematischen 
Wert, folglich auch alle Kohlenpreisberechnungen, bei 
denen die Schiffsfracht einen wesentlichen Faktor bildet. 
Die Zahlentafel 34 bringt eine Gegenüberstellung der 
Monatsmittel-Frachten für Kohlen von den Duisburg-Ruhr- 
orter Häfen nach Mannheim, nach den Aufzeichnungen 
an der Schifferbörse in den Jahren 1908— 1912. Diesen 
in seiner Höhe und Bedeutung sehr stark schwankenden 
Faktor bei der Preisbildung für Kohlen auf dem süd- 
deutschen Markt zu beseitigen, ihn zu ersetzen durch eine 
wenigstens für einen längeren Zeitraum konstante Grösse, 
war in erster Linie der Beweggrund des Zusammenschlusses 
der am Transport und Handel beteiligten Reederfirmen 
und Kohlengrosshandlungen zum Kohlenkontor. Dieses 
gewährt seinen Beteiligten für die Transporte, die sie ge- 
mäss Vertrag auszuführen Anspruch haben und verpflichtet 
sind, bestimmte für längere Zeiträume festgelegte Sätze. 
Zurzeit gelten folgende Sätze (die für die Jahre vorher 
gütig gewesenen Sätze sind in Klammern beigefügt): 


Nach 

Kahnfracht 
für 10 t 

Schlepplohn 
für 10 t 

Zusammen 

Mainz-Gustavsburg 

M. 12.- (12.50) 

M. 7.- (11.50) 

M.19.-(24.-) 

Frankfurt-Offenbach 

„ 12.50(14.-) 

„ 8.- (11.50) 

„ 20.50(25.50) 

Worms, Mannheim, 1 ; 
Rheinau, Ludwigshafen j 

1 

„ 12.- (13.50) 

„ 8.- (11.50) 

„ 20.- (25.-) 

Karlsruhe 

„ 15.— (16.50) 

, 11.— (14.50) 

„ 26.- (31.-) 

Lauterburg 

„ 15.- (16.50) 

„ 14.- (17.50) 

„ 29.- (34.-) 

Kehl-Strassburg 

„ 17.- (18.50) 

„ 19.- (22.50) 

, 36.- (4L-) 


Da der weitaus grösste Teil der zum Oberrhein ge- 
langenden Kohlenmengen für Rechnung des Kontors ver- 
frachtet wird, dieses aber, wenn überhaupt, so doch nur 
für relativ kleine Mengen an den offenen Frachtenmarkt 
heranzutreten braucht, die Notwendigkeit hierzu im all- 
gemeinen aber gerade dann vorhanden sein wird, wenn 



76 


die > achfrage nach Schiffsraum gross ist, die Frachten 
also Ulf offenem Markt in die Höhe gehen, hat die Be- 
rechriing von Einstandspreisen für Kohlen am Oberrheiu 
an F and der offiziellen Frachtnotierungen also so gut 
wie l eine Bedeutung. Hierzu kommt noch, dass auch die 
fiskal; sehen Ruhrkolilen zu bestimmten Sätzen über die 
Rheii Strasse transportiert werden infolge des Abkommens 
des p eussischen Fiskus mit der Rhein- und vSee-Schiffahrts- 
gesell Schaft. Nahe Beziehungen bestehen aber auch zwischen 
der g: össten Aiissenseiterfirma M. Stromeyer und der Rheiu- 
schiff.ihrts-Aktien-Gesellschaft, vorm. Fendel. Auch der 
Tran; port der Braunkohlenbrikets erfolgt auf Grund lang- 
fristic er Transportver träge. 

\ Vielehen Anteil die Kohle am Gesamtverkehr auf 
dem Rhein hat, zeigen folgende Zahlen : Die Zufuhr in 
Schiff sn und Flössen in den wichtigeren deutschen Rhein- 
häfeii von Strassburg abwärts bis Wesel betrug im Jahre 
1912 rund SSf/o Millionen t. Die Zufuhr an Steinkohlen, 
Stein lohlenbrikets, Koks, Braunkohlenbrikets stellte sich 
auf rahezu 8 Millionen t. Die Abfuhr in Schiffen und 
Flöss iii in den deutschen Rheinhäfen betrug im gleichen 
Jahre stark 26 Millionen t, wovon die Kohlen nahezu 
20 Millionen t ausmachteii. 

Die zum Oberrhein gelangenden mit Kohlen beladenen 
Kähne sind hinsichtlich ihrer nächsten Bestimmung in 
2 Hai ptgruppen zu unterscheiden : erstens die Schiffe, die 
den Eestellern direkt zugeführt werden, und zweitens die- 
jenigen, deren Bestimmungsort ein Umschlagplatz ist. 
Uetze re sind stark in der Mehrzahl, wie die dem Jahres- 
bericht des Kohlenkontors für 1912 entnommene Aufstellung 
auf Seite 77 zeigt. 

Die direkten Empfänger sind teils Selbstverbraucher, 
teils Händler. Es liegt in der Natur der Sache, dass nur 
solche Verbraucher die benötigten Brennstoffe mit Schiff 
beziehen können, die schon einen ansehnlichen Jahres- 
bedart haben. Denn eine solche Bezugsart setzt einerseits 
voraus, dass beträchtliche Mengen auf einmal bezogen 




— / / — 


1. Versandte Ladungen an direkte Empfänger nach 

oberrheinischen Stationen; 


1910/11 

1911/12 

1912/13 

2 Kähne bis 250 t 

5 Kähne bis 250 t 

5 Kähne bis 250 t 

218 „ „ 500 t 

377 „ „ 500 t 

296 „ „ 500 t 

1086 „ „ 1000 t 

1685 „ „ 1000 t 

1337 „ „ 1000 t 

469 „ über 1000 t 

398 „ über 1000 t 

704 „ über 1000 t 

1775 Kähne. 

2465 Kähne. 

2342 Kähne. 

2. Versandte Ladungen nach den oberrheinischen Lagern : 

4 Kähne bis 250 t 

16 Kähne bis 250 t 

14 Kähne bis 250 t 

375 „ „ 500 t 

682 „ „ 500 t 

329 „ „ 500 t 

1943 „ „ 1000 t 

2831 „ „ 1000 t 

1967 „ „ 1000 t 

1879 „ über 1000 t 

1184 „ über 1000 t 

2115 „ über 1000 t 

4201 Kähne. 

4713 Kähne. 

4425 Kähne. 


werden, anderseits bringt sie so erhebliche Unkosten (Ein- 
richtung von meist teuren Lagerplätzen, Umschlagvor- 
richtungen usw.) mit sich, dass nur bei grossen Verbrauchs- 
mengen der direkte vSchiffsbezug sich billiger stellen kann 
als der Bezug von den allgemeinen Umschlagplätzen. Diese 
kommen daher für die Versorgung der süddeutschen Ver- 
brauchstellen — zumal da von diesen ja auch nur wenige 
direkt an den Wasserstrassen liegen — in erster Linie in Be- 
tracht. Verhältnismässig recht klein sind die Mengen, die 
aus Rheinschiffen übergeschlagen werden in kleinere Kähne 
(so für den Neckar und die Kanäle in Elsass-Lothringen). 
Wie sich die durch das Kohleukontor abgesetzten Erzeug- 
nisse auf die einzelnen Bezugsarten (direkter Versand ab 
Zeche mit der Eisenbahn, Schiffslieferung, Bezug auf ge- 
brochenem Wege) verteilt, zeigt die ebenfalls dem Jahres- 
bericht des Kohlenkontors entnommene Aufstellung 35 in 
der Anlage. Die Zahlen stellen den Gesamtabsatz des 
Kontors dar, umfassen also auch die Lieferungen in das 


78 


Ausl iiid ( vornehmlich Schweiz). Das Bild für Süddeutsch- 
land wird sich aber nach Abzug der Auslandsmengen I 

nur .inwesentlich ändern. . 

geschieht also die Versorgung Süddeutschlands mit 
Ruh kohlen zum überwiegenden Teil nicht auf unmittel- 
bare n Wege von der Grube bis' zum Verbraucher — sei 
es n 111 mit der Bahn oder mit Schiff — , müssen vielmehr 
die K ohlen zumeist vom Eisenbahnwagen ins Schiff, aus dem 
Schi f wieder in den Waggon verladen werden, ehe sie die 
letzt' i Fahrt zum Konsumenten antreten, so sind natürlich 
von lesonderer Wichtigkeit bei diesem sogen, gebrochenen 
Fracatverkehr die Plätze, an denen der Umschlag erfolgt. ! 

Sie naben eine um so grössere Bedeutung, als sie einen 
betri.chtlichen Teil der ihnen über die Rheinwasserstrasse * 

zugeführten Kohlenmengen aufzunehmen und aufziistapeln 
bestimmt sind. Bekanntlich ist die Binnenschiffahrt sehr 
von den Wasserstandsverhältnissen abhängig, und zu den ” * 

wichtigsten Voraussetzungen einer gedeihlichen Wasser- 
wirt; chaft gehört die möglichst dauernde Erhaltung eines 
wirt; chaftlich vorteilhatten Mittelwassers. Sind nun auch ■ • 

in d eser Hinsicht die Verhältnisse auf dem Rhein, dem 
gros >e Gletschergebiete in den Alpen in den Somnier- 
111011 iten ihre Schmelzwässer zuführen, im grossen ganzen 
günstig, günstiger z. B. als auf der Elbe, in deren Strom- , 

gebi ;t das Hochgebirge fehlt, gehört auch auf dem Rhein, i 

im Gegensatz wieder zur Elbe, die gänzliche Einstellung | 

der Schiffahrt wegen Wassermangels glücklicherweise zu 
den Seltenheiten, so muss die Rheinschiffahrt doch sehr 
mit dem nach Jahreszeit und Wetterlage schwankenden 
Was;erstaiid rechnen. Wenn auch in Hochwasser, Eis- 
ganc , Nebel weitere Feinde der Schiffahrt zu erblicken 
sind, so .stellt ihr grösstes Hemmnis doch das Kleinwasser 
dar, da es sich bei den erstgenannten meist um weniger 
lang anhaltende, sondern rascher vorübergehende Er- 
sehe nungen handelt. Bei dem Wassertransport von Massen- * * 

güte .'11, also in vorderster Linie der Kohlen, kommt es 
aber sehr darauf an, Schiffsraum und Schleppkraft aus- 


l 


— 79 — 

zunutzen, bedeutet es eine mehr oder minder grosse Be- 
einträchtigung des wirtschaftlichen Ergebnisses, wenn die 
vorhandenen Transportmöglichkeiten nur unvollkommen 
benutzt werden können. Man wird also bestrebt sein, bei 
günstigem, die volle Abladung der Schiffe gestattendem 
Wasserstand rasch nacheinander so viel Kohlen wie nur 
irgend möglich den Rhein hinauf zu bringen. Diese 
grossen Mengen dann auch sämtlich sofort an die Ver- 
braucher weiterzuleiten, ist jedoch nicht angängig, da diese 
aus naheliegenden Gründen zumeist vorziehen, ihre Kohlen- 
bezüge nach dem jeweiligen Bedarf zu bemessen oder in 
regelmässigen Zeiträumen zu beziehen, und grössere \ or- 
räte nicht gern halten. Ein technisches Hindernis läge 
aber auch in der zu dieser Zeit guten Wasserstandes dann 
nötig werdenden übermässig starken Inanspruchnahme der 
Bahn, deren Leistungsfähigkeit umgekehrt bei geringen 
Schiffszufuhren nicht genügend ausgenutzt würde. Auch 
sind die über das ganze Gebiet verteilt wohnenden Händler, 
die die Aufgabe haben, den kleineren und kleinsten 
Konsumenten die notwendigen Brennstoffe zuzuführen, 
im allgemeinen nicht in der Lage, grosse Mengen auf- 
zuspeichern. Es ergibt sich also schon aus diesen Momenten 
die Notwendigkeit, von den Kohlenmengen, die man bei 
günstigem Wasserstand mit Schiff zum Oberrhein ver- 
frachtet hat, einen je nach den augenblicklichen Ver- 
hältnissen mehr oder weniger grossen Teil auf Lager zu 
nehmen. Zweifellos ist es aber auch allgemein wirtschaft- 
lich betrachtet vorteilhafter, nur an einigen wenigen, in 
der Nähe der Verbraucher gelegenen Plätzen grosse Vor- 
räte aufzustapeln, als dass jeder einzelne Konsument für 
sich die Auflagerung vornimmt. 

Hand in Hand mit der Entwicklung des Kohlentrans- 
portes über die Rheinstrasse gehen also die Entstehung und 
der Ausbau der Umschlagplätze, von denen am Oberrhein 
als der älteste und — auch heute noch — bedeutendste IVIann- 
heim zu gelten hat, das bis in die jüngste Zeit hinein den 
natürlichen Endpunkt der Großschiffahrt auf dem Rheine 


i 


— 80 — 

darstellte. Mannheim wählten denn auch die die Ruhr- 
kohlen vertreibenden Händler und Schiffer von der Ruhr 
und vom Niederrhein, um sich am Oberrhein festzusetzen 
und von hier aus, unterstützt durch das ausgedehnte Bahn- 
net; , das die badische Bahn von dieser bedeutendsten 
Hai delsstadt Süddeutschlands aus anlegte, ihre Kohlen 
entleriiteren Gegenden zuzuführen. Mannheim wurde so 
nach und nach wie für viele andere Güter so besonders 
aucli für Kohlen der Hauptstapel- und Umschlagplatz 
für das südliche Deutschland. Betrug der Gesamtkohlen- 
verkehr Mannheims — Empfang und Versand zusaninien- 
gen chnet — 1875 nahezu 540(X)0 t, so wuchs er bis 
188.» auf nahezu 1,1 Millionen t an, bis 1895 aul fast 
2,4 Millionen t und bis 1900 auf 4,4 Millionen t. Nach 
und nach haben auch andere Hafenplätze den Kohlen- 
uimchlag und Kohlenversand übernommen, so zunächst 
Luc wigshafen, für das ja die gleichen natürlichen Bezugs- 
verliältnisse be.stehen wie für Mannheim, sodann aber auf 
bad scher Seite Karlsruhe und Kehl, auf elsässischer Lauter- 
bur und Strassburg, die ihr Entstehen und Aufblühen 
den unter Aufwendung grosser Mittel seitens der beteiligten 
Ufe -Staaten erheblich verbesserten Stromverhältnissen zu 
verdanken haben. Schliesslich ist noch Rheinau bei Mann- 
heim zu nennen, dessen Kohlen verkehr ganz besonders 
stark gestiegen ist. Die Zahlentafel 41, die den Empfang 
der oberrheinischen Hafenplätze an Steinkohlen und Stein- 
kob lenbrikets, Koks und Braunkohlenbrikets anzeigt, lässt 
die rasche Aufwärtsentwicklung der oberhalb Mannheim 
geh genen Hafenplätze, so vornehmlich Karlsruhes und 
Stri ssburgs, erkennen. Die wachsende Bedeutung dieser 
Häleii als Kohlenumschlagsplätze ergibt sich aus den 
Zahlentafeln 36, 37, 38, in denen der Versand aus Ver- 
kehrsbezirk 30 (Eisass), also aus Lauterburg und Strass- 
bur ^ vornehmlich, aus Verkehrsbezirk 33 (Baden ohne 
Mannheim und Rheinau — also hauptsächlich Karlsruhe und 
Kel 1 — ) und aus Verkehrsbezirk 34 (Mannheim, Rheinau, 
Luc wigshafen) in den Jahren 1909 — 1912 wüedergegeben 


81 


ist. Zweifellos ist das Anwachsen des Umschlagverkehrs 
in diesen Häfen zum grossen Teil auf Kosten Mannheims 
geschehen. Es ist aber nicht zu erwarten, dass weiterhin 
der Kohlenverkehr Mannheims stark abnehmen wird — 
bislang ist er ja eigentlich auch nicht so sehr absolut als 
relativ zurückgegangen — und Karlsruhe und Strassburg 
— letzterem beginnt in letzter Zeit das badische Kehl 
Konkurrenz zu machen — noch mehr von dem Kohlen- 
umschlag an sich reissen werden. Abgesehen davon, dass 
Mannheim später wieder eine Ueberlegenheit gegen sie 
erhalten wird, sobald — was ja freilich noch in einiger 
Ferne liegt — das Projekt der Vertiefung der Fahrrinne 
des Rheins bis Mannheim um V 2 zur Ausführung gelangt 
ist, wird der Kohlenbedarf der Gegenden, für die eine 
Lieferung von den oberen Rheinumschlagplätzen vor- 
nehmlich in Frage kommt, kaum sehr stark wachsen, 
zweifellos sogar noch zurückgehen, wenn die in Verbindung 
mit dem Ausbau des Oberrheins von Strassburg bis Basel 
und weiter zum Bodensee geplanten Wasserkraftwerke 
einen Teil der von der Industrie benötigten Kraft liefern 
werden. Immerhin — und das gilt wohl mehr für andere 
Güter als für Kohlen — muss Mannheim, das einst Mainz 
seine Vorherrschaft auf dem Rhein entriss, damit rechnen 
müssen, dass ihm seine oberrheinischen 'Nebenbuhler einen 
beträchtlichen Teil seiner bisherigen Aufgaben abnehmen. 
Mannheim wird Ersatz suchen müssen und hat ihn 
auch schon gefunden in seinem Ausbau zur Industrie- 
stadt, wofür ja in besonderer Weise die Vorbedingungen 
gegeben sind. 

Kommen nun auch für die Versorgung der süddeutschen 
Staaten Baden und Eisass, Württemberg und Bayern mit 
Ruhrkohlen in erster Linie die vorhin aufgeführten Rhein- 
häfen in Betracht — im Eisass spielen noch eine besondere 
Rolle die Kanalumschlagplätze Colmar, iVIülhausen und 
Hüningen — , so zeigt die Zahlentafel 6, dass auch aus 
Hessen, sowohl dem Grossherzogtum Hessen wie der 
Provinz Hessen-Nassau, in beträchtlichem Umfange Kohlen 

6 


82 



zu u \ ersand gelangen, bei denen es sicli ja ebenfalls nur 
iin Umschlagsmengen handeln kann. Worms, Mainz, 
Gl stavsburg, Frankfurt und Offenbach, das sind hier die 
Ph.tze, an denen ein lebhafter Unischlagverkehr in Brenn- 
stc ffen vor sich geht. Die geographische Lage dieser 
Hefen bestimmt sie zwar vornehmlich zur Versorgung 
de:' hessischen Lande selbst, doch auch für das nördliche 
Bay'ern liegen sie frachtlich nicht ungünstig. Gleichwohl 
wrrde der Versand aus diesem Bezirk nach Bayern nicht 
die Höhe erreichen, die er tatsächlich einnimmt, wenn 
nicht die bayerische Bahn einen grossen Teil ihres Be- 
darfes au Ruhrkohlen über Gustavsburg bezöge, wie schon 
ob m erwähnt, lediglich deshalb, weil dieser Rheinhafenplatz 
vo 1 dem bayerischen Staatsbahnnetz am wenigsten weit 
en Lernt liegt, die Bahn aber ihre Dienstkohlen möglichst 
au ■ eigenen Strecken befördern will. Der Umschlagverkehr 
in AschafFenburg ist nur ganz unbedeutend — die Kohlen- 
mc ngen, die über Offenbach hinaus den IMain hinaufgehen 
kö inen, sind, wie oben schon bemerkt, nur gering — , 
ihi 1 wird aber noch eine grosse Rolle zufallen, wenn ein- 
msl die Mainkanalisation bis Aschaffeuburg durchgeführt 
un 1 ein Großschiffahrtsweg bis hierher geschaffen ist. 

Grosse Umschlag- und Lagerplätze bedingen einmal 
die Bereitstellung eines umfangreichen Lagerraums, sodann 
aber zweckmässige Einrichtungen für das Löschen der 
Scliiffe, das Verladen der Kohlen auf Eisenbahnwagen, 
da‘ Verwiegen und Separieren, das Befördern und Stapeln 
aui das Lager, das Abziehen vom Lager usw. Alle diese 
Arbeiten geschehen in modernen Anlagen mit Hülfe me- 
chi.nischer Einrichtungen unter möglichster Ausschaltung 
menschlicher Arbeitskraft. Hierzu gehören Hochbahnen 
mil Aufzügen oder bei neueren Anlagen Verladebrücken, 
ferner fahrbare oder feststehende, mit Selbstgreifern aus- 
gei üstete Krane, sodann Siebwerke (zum Nachsieben der 
Koiilen), hier und da auch Brech werke (zum Brechen von 
Stückkohlen und grosstückigem Koks), Waggonzug- 
ma>chinen, Waggonversetzmaschinen, Waggon- und Fuhr- 


83 


werkswaagen. Bei der überragenden Bedeutung des Kohlen- 
kontors für die süddeutsche Kohlenversorgung dürfte eine 
Uebersicht — Zahlentafel 39 — über die dieser Organisation 
für den oberrheinischen Umschlagverkehr zu Gebote 
stehenden Lagerplätze nnd Einrichtungen von Interesse 
sein. Es stehen dem Kontor darnach Lagerplätze mit 
einem Flächeninhalt von zusammen rund 1222000 qm zur 
Vertügung, die eine Lagerung von etwa 4 Millionen t 
gestatten. Naturgemäss hat auch die in den letzten Jahren 
stark gewachsene Konkurrenz des Kontors Lager- und 
Umschlagplätze einrichten müssen, erwähnt sei hier nur 
der Erwerb des preussischen Fiskus von umfangreichem 
Lagerraum in Rheinau uud jüngst auch in Kehl. 

Die grossen Vorteile der Umschlagplätze zeigen sich 
in mehrfacher Hinsicht. Haben sie — ganz abgesehen 
natürlich von ihrer ersten und vornehmlichsten Funktion, 
eben den Umschlag aus dem Schiff auf die Eisenbahn zu 
besorgen — , wie schon erwähnt, zunächst die Bestimmung, 
alle die Mengen aufznnehmeii, die nicht sofort nach An- 
kunft der Schiffe weitergesandt werden können, so liegt 
hierin auch ihre weitere grosse Bedeutung, nämlich als 
A^orratsplätze zu dienen, aus den aufgespeicherten Mengen 
die Verbraucher zu versorgen in Zeiten schwacher Schiffs- 
zufuhren oder gar gänzlicher Schiffahrtseinstellung. Direkte 
Lieferungen ab Zeche können dann nicht vollgültigen 
Ersatz bieten, da sie sich — oft recht wesentlich — teurer 
stellen als der Bezug auf gebrochenem Wege, der Ver- 
braucher aber eben nur unter Berücksichtigung des billigen 
Wassertransportes sich zum Kauf entschlossen hatte. Es 
müssen also ausreichende Mengen auf Lager gelegt werden, 
damit die regelmä.ssige Versorgung der Industrieverbraucher 
sowohl wie der Hausbrandkohleii-Konsumenten sicher- 
gestellt ist. Der Brennstoff bedarf für das Haus spielt 
hierbei eine umso grössere Rolle, als die Nachfrage gerade 
dann am stärksten ist, wenn die Schiffahrt am häufigsten 
Störungen erfährt. Eine ganz besondere Bedeutung er- 
langen die Vorräte in Zeiten der Not, so bei Bergarbeiter- 




84 



aus ständen, wenn die Lieferungen der Zechen stark ein- 
geschränkt werden oder gar völlig auf hören müssen. Dann 
scli ützen die angesammelten Vorräte die Verbraucher vor Ver- 
legenheiten und Schaden, der Fabrikant braucht nicht aus 
Mangel an Kohlen seinen Betrieb einzustellen, und auch der 
Be<larf an Hausbrandkohlen kann weiter gedeckt werden. 
Zweimal im letzten Jahrzehnt hat das Kohlenkontor bei 
solchen Gelegenheiten eine Probe seiner Leistungsfähigkeit 
abl ?gen können, bei den Streiks der Ruhrbergleute im Jahre 
1912 und mehr noch 1905, als es den Verbrauchern seine ge- 
wa tigeii Vorräte — seinen regelmässigen Abnehmern 
übiigens ohne Preiserhöhungen — zur Verfügung stellte 
un<l die Versorgung der Konsumenten so durchzuführen 
vei mochte, dass in Süddeutschland den Kohlenverbrauchern 
dei Ernst der Lage an der Ruhr gar nicht einmal recht 
ZU! 1 Bewusstsein kam. 

Ermöglichen also die Umschlagplätze dem Kohlen- 
veibraucher einen billigeren Bezug der benötigten Brenn- 
sto5e und geben sie ihm ferner die Gewähr, sich dieser 
voi teilhafteren Bezugsart im allgemeinen auch regelmässig 
zu bedienen, so sind mit der Entnahme der Kohlen aus 
dei Umschlaghäfen auch noch manche andere, an Be- 
dei tung hinter jenen freilich zurücktretende Vorzüge ver- 
bunden. Bei der geringeren Entfernung der Verbrauch- 
stede vom Umschlagplatz als von der Zeche, können die 
bestellten Mengen rascher in den Besitz der Verbraucher 
gelangen, was unter Umständen, so z. B. bei plötzlich, 
un< r wartet eintretendem Mehrbedarf, von grossem Wert 
sein kann. Ein Vorteil des Bezuges über den Umschlag- 
pla;z liegt für industrielle Verbraucher ferner darin, dass 
duich geeignete Mischungen verschiedener Sorten eine 
ge^ mnschte, im Betriebe am vorteilhaftesten zu verwendende 
Quilität gewonnen werden kann. 

Für den Bergbau, für den die Möglichkeit der Ver- 
frarhtung der Kohlen auf dem Wasserwege vor allem eine 
En /eiterung seines natürlichen Absatzgebietes darstellt, hat 
es im Interesse eines regelmässigen Fortganges des Be- 


I 



4 - 




85 


triebes ferner auch sehr viel zu bedeuten, wenn ihm auch 
über den augenblicklichen Bedarf hinaus geförderte Mengen 
abgenommen werden können, er des wenig wirtschaftlichen 
Verfahrens der Aufstapelung solcher Mengen auf den 
Zechen enthoben wird. Die Umschlag- und Lagerplätze 
helfen so, einen Ausgleich zu schaffen zwischen Produktion 
und Konsumtion. Ein allgemein wirtschaftlicher Vorzug 
der gebrochenen Kohlenlieferung dürfte schliesslich noch 
darin liegen, dass das Wagenmaterial der Eisenbahnen weit 
besser ausgenutzt wird. Die langen Reisen von den Zechen 
bis zum Verbrauchsort, womit zumeist der unwirtschaftliche 
Rücklauf leerer Wagen verbunden ist, fallen weg, werden 
ersetzt durch kurze Transporte von der Zeche zum Verlade- 
hafen, vom Umschlagplatz zur Verbrauchstelle. 

Freilich, wo Licht ist, da ist auch Schatten, und die 
Schattenseiten des Wassertransportes der Kohlen, sie dürfen 
nicht ausser acht gelassen werden, will man die Höhe 
des wirtschaftlichen Nutzens, den er zweifellos mit sich 
bringt, richtig ermessen. Auf die Wertverminderung, die 
die Kohle bei der Beförderung auf dem Wasserwege durch 
Zerbröckeln infolge des mehrfachen Umladens erfährt, 
wurde oben schon hingewiesen. Der grösste Teil der mit 
dem Schiff zum Umschlagplatz beförderten Nusskohlen 
muss vor dem Weiterversand mit der Bahn nachgesiebt 
werden, was an sich schon Kosten verursacht. Vor allem hat 
aber der anfallende Gries längst nicht den Wert wie die Stück- 
kohle. N ur für bestimmte Zwecke oder unter bestimmten Vor- 
aussetzungen verwendbar muss er zu wesentlich niedrigeren 
Preisen abgegeben werden. Wie hoch die Kosten für das 
Nachsieben und wie gross die Wertverminderung durch die 
Griesbildung zu veranschlagen sind, wird später noch zu sagen 
sein. Sie kommen natürlich letzten Endes in dem Preise 
für die nachgesiebte Kohle zum Ausdruck, bilden somit 
einen wesentlichen Faktor bei der Frage der Rentabilität 
der Beförderung der Kohlen auf dem Wasserwege. Der 
Aussiebgries spielt erklärlicherweise im oberrheinischen 
Kohlenhandel eine besondere, nicht unbedeutende Rolle. 





86 


Handelt es sich bei dem Vorgesagteii um einen mit 
den eigentlichen Umschlagbetrieb zusammenhängenden 
Na .'hteil, so sei nun auch noch der Wertverminderung 
gec acht, die die Kohle bei längerer Uagerung an der Luft 
erh idet. Sind dort mechanische Einwirkungen auf die 
Ko ilen die Ursachen ihrer Wertherabsetzuug, so ist diese 
hie ■ aufchemischeVeränderuugen der Kohle zurückzuführen, 
der^u Hauptgrund in der Neigung der Kohle liegt, aus 
der atmosphärischen Uuft Sauerstoff aufzunehmen. Dieser 
als Verwitterung zu bezeichnende Vorgang hat eine Ab- 
nafme des Heizwertes, eine Verminderung der Gasausbeute 
unc. schliesslich auch eine Herabsetzung der Backfähigkeit 
zur Folge. Mit der Oxydation der Kohle ist nun auch 
ein i Wärmeentwicklung verbunden, die unter Umständen 
sich derart steigern kann, dass sie zu einer vSelbstentzündung 
der Kohlen führt. Uagerbrände, entstanden durch Selbst- 
entmndung der Kohlen, sind, wenn auch nicht häufig, 
so aber auch nicht selten. Koks und Anthrazit sind der 
Ge ahr der Selbstentzündung so gut wie garnicht aus- 
gesetzt — wie auch ihr Heizwert bei der Lagerung an 
der Luft wenig oder garnichts einbüsst — , wohl aber Gas-, 
Flamm- und Fettkohlen, vor allem auch Braunkohlenbrikets. 
Dit vielfach empfohlene Aufbewahrung der Kohlen unter 
Wfsser oder die Lagerung unter sauerstoffarmen Gasen 
vermögen zwar die Verwitterung der Kohlen zu verhindern, 
do( h dürfen — eingehende fachmännische Untersuchungen 
haben dies dargetan — gegen diese Auf bewahr angsarten 
die hohen Kosten sprechen, die zu der tatsächlichen Wert- 
veiminderung der Kohlen beim Lagern an der Luft in 
keinem Verhältnis stehen. Immerhin ist diese Wert- 
veiminderung vorhanden, wenn auch längst nicht in dem 
Ma>se und auch nicht so ohne weiteres festzustellen wie 
die Wertverminderung infolge des Griesverlustes. Schutz 
ge^ en Verwitterung bietet auch schon eine Ueberdachuug 
der Vorräte — bei Braunkohlenbrikets fast durchweg an- 
geA/andt — , doch ist auch dies schon mit beträchtlichen 
Ko >ten verknüpft, sodass man im allgemeinen davon absieht. 



— 87 — 

Der wirtschaftliche Wert der Umschlagplätze erleidet 
nun eine erhebliche Einbusse durch die grossen Kosten, 
die mit dem Umschlagverkehr verbunden sind. Hohe 
Lagerplatzmieten, die Verzinsung und Tilgung der kost- 
spieligen Verladeeinrichtungen, Arbeitslöhne, sonstige V’^er- 
waltungsspesen, Zinsen für die Lagermengen, dies alles 
erfordert bedeutende Summen und nimmt von der Fracht- 
ersparnis durch den Wassertransport einen guten Teil 
wieder auf. Bei der Gestaltung der oberrheinischen Preise 
müssen diese Unkosten daher sehr mitsprechen. 

Eine besondere Bedeutung kommt bei den Lieferungen 
! von den oberrheinischen Lagerplätzen den Steinkohlen- 

. brikets zu. Die Entstehung der Briketfabriken am Ober- 

' rhein hängt mit dem ganzen Schifftransport von Ruhr- 

kohlen nach dem Oberrhein zusammen. Die Briketfabriken 
sollen die überschüssigen Mengen Feinkohlen aufnehmeu 
• I ' und sie zu Brikets verarbeiten, was unter Zusatz von Stein- 

1 kohlenteerpech geschieht. Die Brikets bilden, soweit sie 

i nicht direkt von der Fabrik aus zum Versand gelangen, 

einen wertvollen Bestandteil der Lagervorräte. Gegen 
Verwitterung geschützt durch den Pechzusatz erleiden sie 
weit weniger Verlust an Heizwert und sind auch der Ge- 
fahr der Selbstentzündung so gut wie gar nicht ausgesetzt. 
Das macht sie für lange Lagerungen besonders geeignet, 
i zumal da sie sich leicht aufstapeln und die Bestände gut 

kontrollieren lassen. Diese Briket-Lagermengen am Ober- 
rhein stellen eiserne Bestände dar, die in Zeiten ausser- 
gewöhnlich starker und in anderen Sorten nicht zu be- 
friedigender Nachfrage, besonders auch in Zeiten der Not, 
gute Dienste leisten können und schon oft geleistet haben. 
Die Entwicklung der oberrheinischen Briketfabriken, zu 
j deren regelmässigen Abnehmern neben vielen industriellen 

Betrieben vornehmlich Eisenbahnen — so vor allem auch die 
schweizerischen Bahnen — gehören, zeigt die Zahlentafel 40. 

* Ein besonderer Vorteil der oberrheinischen Brikettfabriken 

liegt nun noch darin, dass sie im Gegensatz zu den Zechen 
I bald mehr diese, bald mehr jene Feinkohle — z. B. Fett- 




88 



ocer Magerkohle — für die Briketfabrikation verwenden, 
al:.o durch geeignete Mischungen ein den besonderen 

Wünschen der Abnehmer entsprechendes Briket hersteilen 
kc nnen. 

So hat also auch heute noch der Rhein als Zufuhr- 
st] asse für Süddeutschlands Kohlenversorgung eine über- 
ragende Bedeutung. JVIusste freilich die Tarifpolitik der 
prmssischen Bahn, nämlich die Einführung des Rohstoff- 
taiifes für den Versand von Kohlen und Koks ab Zeche, 
die Ende der 1890er Jahre erfolgte, den Aktionsradius des 
oberrheinischen Umschlag Verkehrs arg einschränken — 
dies trotz der Gegenmassregel der badischen und württeni- 
bergischen Bahnen durch entsprechende Frachtherab- 
sel Zungen von den Umschlagplätzen — , so hat die Kohlen- 
ve -frachtung über die Rheinstrasse gleichwohl von Jahr 
zu Jahr und in starkem Masse zugenommen. War es ehe- 
ni£ Is nur der Ruhrbergbau, der sich der Rheinwasserstrasse 
füi den Absatz seiner Erzeugnisse bediente, so haben in 
jüi gster Zeit auch die Produkte anderer Bergbaureviere 
mi; Hilfe des Rheins in Süddeutschland eindringen können. 
Dies gilt vornehmlich von englischen Kohlen, die, wie 
oben gezeigt, seit Anfang dieses Jahrhunderts Jahr für 
Jal r, wenn auch in stark schwankendem Umfange zum 
Ob?rrhein gelangt sind. Freilich ist es nicht nur zu hoffen, 
SOI dem auch anzunehmeu, dass diese für Deutschlands 
\ o .kswirtschaft unerfreuliche Erscheinung nur eine vor- 
übergehende Erscheinung bedeutet. 

Die Zahlentafel 29 zeigt, dass nicht nur von den 
Rh sin-Ruhr-Häfen aus Steinkohlen nach dem Oberrhein 
vei frachtet werden, sondern auch noch von Krefeld, Düssel- 
doif und Neuss. Ist die Abfuhr aus den beiden erst- 
gei annten Plätzen auch ganz unbedeutend, so werden von 
Ne ISS aus in stetig steigendem Umfange Kohlen — es 
hai delt sich hier vornehmlich um holländische Erzeug- 
nisse — rheinaufwärts verschifft, und die Abfuhr erreicht 
sch DU eine ganz ansehnliche Höhe. Allerdings ist sie im 
Vei gleich zu den gewaltigen Mengen, die der Ruhrbezirk 



— 89 — 

nach Süddeutschland über die Rheinstrasse bringt, so gering, 
dass es die tatsächlichen Verhältnisse nicht entstellen 
heisst, wenn man, wie es ja auch in vorliegender Abhand- 
hmg geschehen, bei der Betrachtung des oberrheinischen 
Umschlagverkehrs die von Neuss zugeführten Mengen als 
Ruhrkohlen behandelt, natürlich, wie gesagt, nur not- 
gedrungen, weil eben eine Unterscheidung der Kohlen 
nach der Herkunft bei der Abfuhr von den Umschlag- 
plätzen nach den amtlichen Statistiken nicht möglich ist. 

Viel grössere Beachtung gebührt der vom Kölner 
Braunkohlenbriket -Verkaufsverein ins Leben gerufenen 
Verfrachtung der Braunkohlenbrikets über die Rhein- 
wasserstrasse, dies um so mehr, als das Braunkohlen- 
Syndikat gerade durch diese Ma.ssregel seinen Absatz in 
Süddeutschland so erheblich zu steigern vermocht hat. 
Lässt der verhältnismässig sehr geringe Verkehr in Braun- 
kohlenbrikets auf den ostdeutschen W^asserstrassen darauf 
schliessen, dass man das Braunkohlenbriket für die Be- 
förderung auf dem Wasser nicht für sehr geeignet hält, 
offenbar wegen seiner Neigung zum Zerbrechen beim 
Schütten in den Kahn, so beweisen der rasch zunehmende 
Wassertransport der rheinischen Braunkohlenbrikets und 
die wachsende Beliebtheit auch dieser Schiffsbrikets bei 
den süddeutschen Verbrauchern, dass wenigstens das 
rheinische Braunkohlenbriket den Versand mit Schiff und 
den Umschlag gut aushält. Bei der doppelten Umladung 
ab Werk bis zum Verbraucher rechnet man nur mit etwa 
8 o/o Bruch, der — natürlich zu herabgesetzten Preisen — 
vielfach am Umschlagplatze selbst bei der Industrie Absatz 
findet. Die Schiffsverladuiig erfolgt nahezu ausschliesslich 
auf der Werft Wesseling, der Umschlag in Köln — auch 
vorher nur unbeträchtlich — ist heute fast ganz aus- 
geschaltet. Der Schiffsversand der rheinischen Braun- 
kohlenbrikets rheinaufwärts — die Verladungen strom- 
abwärts spielen gegenüber dem Versand zu Berg keine 
Rolle — hat grösseren Umfang seit 1905 erreicht und 
betrug 1906 rund 106 (XK) t, 1907 rund 177 WO t. In den 


90 



Jahren 1911 und 1912 wurden in Wesseling zu Berg ver- 
frachtet 325000 t und 438 (XX) t. Wie sich die Mengen 
auf die oberrheinischen Hafenplätze verteilen, ist aus der 
Zahlentafel 41 ersichtlich. In den Main gelangten in 
den Jahren 1907—1912 39000, 39500, 19000, 400, 2700, 
278('0 t. Dem erheblichen Umschlagverkehr am Ober- 
rhei i entsprechen natürlich auch hinreichend grosse Lager- 
plät: e, von denen der bedeutendste der dem Briket- 
verk aufsverein gehörende Platz in Rheinau ist, der rund 
55(XO qm Flächeninhalt hat, wovon rund 25000 qm über- 
dacl t sind. 

Geijen den Kohlenverkehr auf dem l^hein muss die 

o 

Verirachtung von Saarkohlen auf dem Wasserwege nach 
Elsass-Lothringen, die auf dem Rhein-Marne- und dem 
Rhe .n-Rhone-Kanal erfolgt — die Zahlentafel 15 gibt Aus- 
kun t über den Umfang, den sie in den letzten Jahren 
hatt; — , ganz verschwinden. Die sonstigen Wasser- 
tran jporte von Kohlen in Süddeutschland nehmen aber 
wiec.er ihren Ausgang von den Rheiiiverfrachtungen, so 
die |a auch nur unerheblichen Sendungen auf dem Main 
nacl. Aschaffenburg und Würzburg und auf dem Neckar 
nach Heilbronn, welch letztere sich 1912 auf 228CX3 t 
stelten. Mehr Bedeutung kommt schon dem Kohlen- 
verl.ehr auf den Kanälen im Eisass zu, der wohl aus- 
schl lesslich aus mit Rheinschift nach Strassburg gebrachten 
Ruirkohlen besteht. In den Jahren 1910, 1911 und 1912 
betr lg dieser innere Kohlentransport auf dem Wasserwege 
211800, 207 900 und 247 5(X) t. Auch belgische Kohlen 
und französischer Koks gelangen auf den Kanälen nach 
Elsass-Lothringen. Ueber den Umfang dieser Einfuhr in 
den letzten Jahren unterrichtet die Zahlentafel 22. 

Die ohne Zweifel grossen wirtschaftlichen Vorzüge 
leistungsfähiger Wasserstrassen müssen bei den süddeut- 
schen Staaten, die über dieses Verkehrsmittel nicht ver- 
fügen, das sind also Württemberg und das rechtsrheinische 
Bay irn vornehmlich — auch das Saargebiet und Eothringen 
vers Drechen sich grosse Vorteile von einer Kanalisierung 



91 


der Mosel — , den Wunsch rege werden lassen, an grössere 
Wasserwege angeschlossen zu werden. Und hier ist es 
nun gerade wieder die dadurch gegebene Möglichkeit, den 
wichtigsten Hilfstoff der Industrie, die Kohle, billiger zu 
erhalten, was den betreffenden Staaten den Ausbau genügend 
grosser Wasserstrassen als erstrebenswert erscheinen läs.st. 
Die vielen Rentabilitätsberechnungen, die darüber auf- 
gestellt worden sind, sie beziehen sich fast alle in erster Einie 
auf den Kohlentransport. Das Schiffahrtsabgabengesetz 
vom Jahre 1911, das zugleich ein Programm bestimmter 
Wasserstrassen- Ausbauten aufstellt, die erst ausgeführt 
sein müssen, ehe Abgaben erhoben werden, wird die 
Wünsche der betreffenden Staaten — wenn auch nur teil- 
weise — in Erfüllung gehen lassen. Die Kanalisierung 
des Mains von Aschaffenburg bis Offenbach und des 
Neckars von Heilbronn bis zur Mündung wird für Bayern 
und Württemberg den Bezug der Ruhrkohleii günstiger 
gestalten, wiewohl die. Vorteile nicht überschätzt werden 
dürfen, denn der Aktionsradius der zukünftigen Kohlen- 
umschlagplätze Aschaffenburg und Heilbronn kann nicht 
sehr gross sein. Auf die Belastung, die der Kohlentransport 
auf dem Rhein durch die künftigen Schiffahrtsabgaben, 
deren Erhebung freilich ja noch in weiter Ferne liegt, 
erfährt, sei bei dieser Gelegenheit hingewiesen. Ob sie 
durch die beabsichtigten Verbesserungen des Fahrwassers 
im Rheinstrom — an denen, nebenbei bemerkt, der Ruhr- 
kohlentransport weniger Interesse hat als die rheinische 
Braunkohlenindustrie — wettgemacht werden, ist mehr 
als fraglich, wobei an das grundsätzlich Bedenkliche und 
das Gefährliche der Wiedereinführung von Abgaben auf 
dem freien Rhein nicht einmal gedacht werden soll. 

Fällt nun auch der Rheinwasserstrasse ein grosser 
Teil der Vermittlung der Kohlenversorgung Süddeutsch- 
lands zu, so ist im ganzen betrachtet der Anteil der Eisen- 
bahn doch noch grösser. Von den vielen an der Brenn- 
stoffversorgungSüddeutschlands beteiligten Bergbaurevieren 
ist es ja eigentlich nur die Ruhr, die grosse Mengen auf 


V 


92 


93 


de] Wasserstrasse heranführt, die Lieferungen der anderen 
Kotliengewinnungsstätten erfolgen dagegen fast ganz auf 
dem Schienenwege. Ja selbst aus dem Ruhrgebiet gelangen 
ganz beträchtliche Mengen auf der Bisenbahn nach Süd- 
dei .tschland. Hier sind es einmal Lieferungen nach Plätzen, 
für die ein Bezug von dem nächsten Rheinhafen schon 
iiictit mehr lohnend ist, sodann wird aber vielfach trotz 
billigerem Bezug ab Umschlagplatz der direkte Versand 
ab Zeche vorgezogen, vor allem dann, wenn es sich um 
besonders hochwertige oder empfindliche Sorten handelt 
oder aber der Verbraucher aus betrieblichen Rücksichten 
Wert darauf legt, eine bestimmte, ihm genau bekannte 
Ori jinal-Zechenware zu erhalten. Wenn somit auch die 
Eisenbahn hinsichtlich der Kohlenversorgung Süddeutsch- 
lan is grosse Aufgaben zu erfüllen hat — wobei natürlich 
wieder auch die Sendungen von den Unischlagplätzen eine 
grosse Rolle spielen — , so ist es volkswirtschaftlich doch 
nui zu begrüssen, dass in steigendem Masse die Wasser- 
strt sse, hier der Rhein, an der Vermittlung der Kohlenzufuhr 
teilaimmt, dies um so mehr, als die Bahn ohne ganz ge- 
wa.tigen Ausbau der Linien — was aber z. B. längs der 
Rh iinstrasse technisch kaum möglich sein dürfte — , er- 
bet liehe Verbesserungen der sonstigen Anlagen, ausser- 
ordentliche Vermehrung des rollenden Materials nicht im- 
stai.de wäre, die Lieferungen der Ruhrkohle nach Süd- 
dentschland ganz zu übernehmen. Wie rasch die Anlagen 
der Bahn bei schnell wachsenden Anforderungen der 
Indastrie veralten und unzulänglich sind, mit anderen 
Worten, die Bahn oft nicht Schritt halten kann mit dem 
sch lellen Vorwärts der Industrie, das hat der regelmässig 
wiederkehrende Wagenmangel, der im Herbst und Winter 
191 2 in einer wahren Wagennot verbunden mit der 
sch immsten Verkehrsstockung endete, leider zur Genüge 
bev lesen. Wie die Binnenschiffahrt ohne Eisenbahn 
nur ein unvollkommenes, unvollständiges Verkehrsmittel 
bedeuten würde, so kann die Bahn heute bei dem 
imi ier mehr nötig werdenden Massentransport von Gütern 


der Mitarbeit der Schiffahrt nicht entraten. Deshalb soll 
nicht die Frage aufgeworfen werden, ob Eisenbahn, ob 
Schiffahrt wirtschaftlicher, nein, Hand in Hand sollen 
Eisenbahnen und Schiffahrt arbeiten, und das von der 
Natur gewährte Geschenk der Wasserkraft als eines Mittels 
zur Beförderung von Gütern, es soll nicht brach liegen. 



i 


/V. Die Organisation des Kohlenhandels 

in Süddeutschland. \ 

I 

I 

Dass die Kohle von der sie fördernden Zeche in die 

I 

Hä ide des Verbrauchers unmittelbar übergeht, auf Grund 
ein;s direkten, auf freiem Markt zustande gekommenen 
Ka ifvertrages, ist in Deutschland heute nicht mehr die 
Regel. Längst schon haben vielmehr die Produzenten in | 

der Erkenntnis, dass die schweren Schäden des schranken- 

< 

losen Wettbewerbes nur auf dem Wege gegenseitiger Ver- * 

stä;idigung sich verhüten lassen, sich zu einigen gewusst, • ' 

um. so tritt denn jetzt bei uns auf dem Kohlenmarkt dem 
Koasumenten im allgemeinen nicht mehr die einzelne 
Zec he gegenüber, sondern eine kleinere Zahl mehr oder ♦ ■ 

we liger fest geschlossener, die Preise und zumeist auch 
die Produktion regelnder Verbände, oder aber auch selb- 
ständiger, mehrere Gruben des gleichen Bezirkes um- I 

fassender, privaten oder staatlichen Besitz darstellender 
Grossunternehmuiigen. Mit einem beträchtlichen Teil der 
Ve: braucher treten diese Vereinigungen und diese Gross- I 

betriebe nicht in direkte Beziehungen, sondern bedienen i 

sich hier für den Vertrieb ihrer Erzeugnisse der ver- 
mittelnden Tätigkeit des Handels. Der Grosshandel ist es so- S 

dar 11 auch zumeist, der die Produkte der nicht zu Kartellen | 

gel örenden oder im Besitz von Grossunternehmungen 
befiidlichen Kohlengruben in den Konsum überleitet, und j 

geride die letzten Jahre mit den vielen Neugründungen 
im Kohlenbergbau haben ihm wieder eine grössere Be- 
deutung verliehen. Eine beachtenswerte Rolle spielt ferner .» > 

der Handel bei dem Absatz der ausländischen Brennstoffe, | 

die — vom nationalen Standpunkt aus freilich eine be- [ 


95 


dauer liehe Tatsache — noch in ansehnlichem Umfang in 
Deutschland Eingang finden. 

Was nun im besonderen die Verhältnisse in Süd- 
deutschland anbelangt, so nehmen hier auf dem Kohlen- 
markt zwei jener vorerwähnten Gebilde, in ihrem Aufbau 
freilich grundverschieden, eine überragende Stellung ein, 
einmal das Rheinisch -Westfälische Kohlen-Syndikat mit 
seiirem Handelsannex, dem Kohlenkontor, sodann der 
preussische Fiskus mit seinem Grubenbesitz an der Saar 
und in neirerer Zeit auch im Ruhrgebiet. Von den an 
der Kohlenversorgung Süddeutschlands sonst noch be- 
teiligten Produktionsstätten ragt der rheinische Braun- 
kohlenbezirk mit ehr er straffen Verkaufsorganisation, dem 
Kölner Braunkohlen-Briket- Verkaufs verein, hervor, während 
das Aachener Revier vor allem mit einer grossen Besitz- 
einheit, dem Eschweiler Bergwerksverein, arrf den Plan 
tritt. Bei der Bedeutung, den diese Gebilde hinsichtlich 
der Kohlenversorgung und im besonderen auch der Preis- 
gestaltung für den süddeutschen Verbraucher haben, muss 
hier näher auf sie eingegangen werdeir, wie auch derr für 
unser Gebiet weiter, wenn auch in viel geringerem IMasse, 
in Betracht kommenden Vereiirigungen Aufmerksamkeit 
zu schenken ist. 

Das Rheinisch -Westfälische Kohlen-Syndikat in Essen- 
Ruhr, das für unsere gesamte Volkswirtschaft bedeutendste 
Rohstoff kartell, wurde im Jahre 1893 gegründet. Hervor- 
gegaugen ist es aus dem Bestreben, .den westfälischen 
Bergbau, der, von einigen Zeiträumen ausgeprägter Hoch- 
konjunktur abgesehen — den stets nur kurz bemessenerr 
Zeiten auskömmlicher Preise standen lang anhaltende 
Perioden unzureichender Preise gegenüber — , bis dahin 
nur geringen Verdienst gebracht hatte, nutzbringender zu 
gestalten, eine angemessene Verzinsung des gewaltigen 
darin angelegten Kapitals herbeizuführen. Dass die west- 
fälischen Kohlenbergwerke in ihrer grossen Mehrzahl in 
jenen Zeiten so gut wie ertraglos blieben, ja oft beträchtliche 
Zubusse erforderten, erscheint als ein um so bedenklicheres 


% 


96 


Ergebnis bei dem mit dem Bergbau verbundenen ausser- 
gewöhnlich grossen Risiko. Auch volkswirtschaftlich 
hatten daher die Bestrebungen der beteiligten Kreise zur 
Bes htigung dieser ungesunden Verhältnisse ihre volle Be- 
rechtigung. Die Wurzel des üebels sass in der starken 
Zersplitterung des Bergwerkseigentums. Bei der grossen 
Menge selbständig verkaufender Zechen wurde der Markt 
föriilich überschwemmt mit Angeboten, und dieser gegen- 
seit geWettbewerb musste um so heftigereFormen annehuien, 
je \A eiter sich die Erzeugung vom Bedarf entfernte. Ueber- 
produktion war aber gerade die natürliche Folge der 
sinl enden Preise, da die einzelne Zeche sich dem Preisfall 
anzupassen suchte durch Verminderung der Gestehungs- 
kos en, d. h. durch Vermehrung der Produktion. Es galt 
also, den ungesunden Wettbewerb mit seinen verderblichen 
Folgen zu beseitigen oder ihn doch wenigstens in erträg- 
lichere Formen zu bringen. 

Suchten die verschiedenen „Preiskonventionen“ die Ver- 
seil euderung der Kohlen durch Verständigung über die 
Pre sstellung zu verhindern, so wollten die „Förder- 
kor ventionen“ durch Regelung der Produktion das Ueber- 
ang ebot auf dem Markt beseitigen. Aber beide Einrichtungen 
ver nochten die auf sie gesetzten Hoflfnungen nicht oder 
nur ganz vorübergehend zu erfüllen, und auch sonstige 
Beriühungen der interessierten Kreise, eine Gesundung 
der Verhältnisse herbeizuführen, hatten keinen durch- 
gre fenden Erfolg. Zu festeren und damit auch erfolg- 
reicheren Organisationen gelangte man erst, nachdem der, 
wie gesagt, die Preisbildung mit in erster Einie ungünstig 
bee nflussende Faktor, eben die grosse Besitzzersplitterung, 
eine Abschwächung erfahren hatte durch die Verschmelzung 
viel ^r selbständiger Gruben zu einheitlich geleiteten Gross- 
beti ieben, wie Gelsenkirchen, Harpen, Hibernia u. a. m. 
Aus der 1884 gegründeten Vereinigung der Koksanstalten 
und Fettkohlenzechen, die — freilich auf Koks und Koks- 
kohien sich beschränkend — bereits eine Förder- und 
Pre; skonvention zugleich darstellte, entwickelte sich die 


97 


Westfälische Koksvereinigung, die hinwiederum 1890 im 
Westfalischen Koks-Syndikat zu Bochum aufging. In diesem 
haben wir die erste Organisation im Ruhrbezirk, die den 
alleinigen Verkauf der Produktion ihrer Mitglieder besorgte, 
aber auch auf die Höhe der Erzeugung Einfluss hatte. 
Auch die Brikets herstellenden Zechen trafen ein ähnliches 
Abkommen miteinander, dessen Entwicklung in Händen 
des Briketverkaufsvereins zu Dortmund — 1890 gegründet — 
ruhte. 

Noch aber fehlte der feste Zusammenschluss der eigent- 

, o 

liehen Kohleiiproduktion. Hier sind Vorläufer des Kohlen- 
syndikats die „Kohlenverkaufsvereine“. Diese Vereini- 
gungen örtlich oder durch die Qualität ihrer Kohlen auf 
einander angewiesener Werke waren jedoch ihren Auf- 
gaben nicht gewachsen. Mehr und mehr drang in 
den Kreisen der rheinisch-westfälischen Bergbauindu.strie 
die Ueberzeugung durch, dass eine wirkliche Gesundung 
der Verhältnisse nur durch den Zusammenschluss aller 
Werke zu einem einzigen Organ zu erzielen sei. Nach 
langen mühevollen Verhandlungen, die oftmals zu scheitern 
drohten, kam endlich im Jahre 1893 eine Einigung zu- 
stande mit der Errichtung des Rheinisch- Westfälischen 
Kohlen-Syndikates, neben dem das Koks-Svndikat und 
der Briketverkaufsverein ihre Tätigkeit weiter ausübten 
bis zum Jahre 1903, wo sie mit dem Kohleu-Svndikat 
verschmolzen wurden. So lauge die drei Organisationen 
neben einander bestanden, war in Wahrung des allen drei 
gemeinsamen Zweckes durch gegenseitige Abkommen ein 
Haudinhandgehen gesichert. Im ganzen traten dem 
Kohlen-Syndikat 106 Zechen mit rund 33 Jo Millionen t 
Förderung bei. Fern blieben ihm 12 Hüttenzechen mit 
3,3 Millionen t und 12 reine Zechen mit 1,1 Millionen t 
Förderung. Nicht berücksichtigt wurden bei der Syndikats- 
gründuug die ganz kleinen Zechen, deren Gesamtförderung 
im Jahre 1893 zusammen etwa 40000 t betrug, sowie die 
Zechen des Bergreviers Osnabrück — mit zusammen etwa 
250000 t Produktion — , deren Beteiligung am Syndikat 

7 






98 


ihrer entfernteren Lage wegen nicht als zweckmässig | 

erschien. Der Förderung der Syndikatszechen von 
33,5 Millionen t stand somit eine solche von 4,7 Millionen t ^ 

den übrigen Gruben gegenüber. Die Hüttenzechen, d. h. 

Zec lenbetriebe mit Hochofenwerken in einem Unternehmen 
vereinigt, die ihre Produktion — Kohlen und Koks — 
zun grossen Teil selbst verbrauchen, fehlten wie im 
Kol lensyndikat so auch im Kokssyndikat. Der Briket- 
verl ;aufsverein dagegen zählte alle Briketfabriken zu seinen 
Miti ,diedern, und erst in späteren Jahren entstanden Fabriken, 
die ausserhalb des Verkaufsvereins blieben. 

Der dem Kohlensyndikat zu Grunde liegende Vertrag 
von 1893 wurde schon 1895 zur Beseitigung von mancherlei 
Uii 2 Uträglichkeiten abgeändert und in der neuen Form für 
die Dauer von 10 Jahren, bis Ende 1905, geschlossen. 

Inn« -re Alisstände und äussere Schwierigkeiten — hier die be- 
träclitliche Zunahme der Förderung der Hüttenzechen und 
der anderen ausserhalb des Syndikats stehenden Gruben, 
dorl der heftige Wettlauf um immer höhere Beteiligungs- 
ziffern, der die Anpassung der Produktion an den Bedarf 
zu vereiteln drohte — gaben den i\nstoss zur Aufnahme 
der Erneuerungsverhandlungen schon weit vor Ablauf des | 

Syndikats, und im Jahre 1903 kam ein neuer Vertrag zu- 
stai de, nach dem eine Erhöhung der Beteiligung nur statt- 
find 211 kann, wenn die Marktlage dies gestattet. Die von 
Jah • zu Jahr unbequemer gewordene Konkurrenz der 
Aussenseiter gelang es zu beseitigen, indem man die 
Hüttenzechen und die aussenstehenden reinen Zechen für 
das Syndikat zu gewinnen vermochte. Nicht traten ihm 
bei von grösseren Werken die fiskalische Grube Gladbeck 
und die Zeche Freie Vogel und Unverhofft, jene mit 217000, 
diese mit 158000 t Förderung, sowie verschiedene kleinere 
Zec len, von denen nur Alte Haase und Johannessegen 
eini ^ermassen von Bedeutung waren. Rund 65 Millionen t 
För ierung der Syndikatszechen stand nur eine Produktion ^ 

von etwa 850000 t der anderen Ruhrzechen gegenüber. i 

Der Anteil ersterer an der Gesamtkohlengewinnung betrug I 


99 


also 98 , 70/0 und der letzterer nur 1,3 o/q. Die ^Machtstellung 
des Kohlensyndikats hatte somit eine gewaltige Steigerung 
erfahren. 

Inzwischen haben sich freilich die Verhältnisse sehr 
zu Ungunsteii der im Syndikat vereinigten Zechen ver- 
schoben. Von 850000 t im Jahre 1903 ist die Kohlen- 
gewinnung der nichtsyndizierten Zechen auf 12,7 Millionen t 
im Jahre 1913 gestiegen, die der Syndikatszechen von 
64,7 Millionen t auf 101,6 Millionen t. Damit fiel der An- 
teil letzterer auf 88 , 880 / 0 , während die Aussenseiter im 
Jahre 1913 mit nicht weniger als ll,120/o an der Kohlen- 
gewinnung beteiligt waren. Ganz beträchtlich ist auch 
die Koksherstelluug der Aussersyndikatszechen gestiegen. 
Während 1903 und in den nächstfolgenden Jahren die 
ganze Koksproduktion syndiziert war, nahm in den letzten 
Jahren die Entwicklung der Kokserzeugung der Aussenseiter 
rasch zu. Im Jahre 1913 betrug sie 2,64 Millionen t und 
machte damit 14,5 0/0 der Gesamtkoksgewinnung der Ruhr- 
zechen aus. Bemerkenswert ist hier die steigende Be- 
deutung des Ruhrfiskus, der 1913 fast 1 f '2 Millionen t 
Koks herstellte. Die Briketproduktion der Aussersyndikats- 
zechen ist dagegen in den letzten Jahren nicht gestiegen, 
im Verhältnis sogar zurückgegangen. 1913 betrug sie 
306000 t oder 6, 16 o/q der Gesamtherstellung. Dieses auf 
Kosten der Syndikatszechen erfolgte rasche Wachstum der 
Aussenseiter ist es denn auch vornehmlich, was die 
interessierten Kreise veranlasst hat, schon frühzeitig auf 
die Erneuerung des Kohlensyndikats auf stärkerer und 
breiterer Grundlage hinzuarbeiten. Mit der Aussenseiter- 
Frage steht auch die andere grosse Schwierigkeit der Syndi- 
katserneuerung, die Frage der künftigen Stellung der Hütten- 
zechen, zum Teil im ursächlichen Zusammenhang. Denn 
hier handelt es sich vor allem um eine andere, und zwar 
eine die Hüttenzechen mehr als bisher in Anspruch 
nehmende Deckung der Syndikatskosten, die aber gerade 
infolge des heftigen Wettbewerbes der Aussenseiter und 
der damit für das Syndikat verbundenen Preisopfer in 




100 



der letzten Jahren eine unerträgliche Höhe erreicht 
hat :en. 

Nach dieser kurzen Schilderung des Entstehens des 
Ko ilen-Syndikats und der Entwicklung, die es genommen, 
nun noch einige Worte über seine innere Gestaltung und 
seine Geschäftshandhabung. Nach dem Gesellschaftsvertrag 
— den Satzungen — von 1903 des als Aktiengesellschaft ge- 
gründeten Kohlensyndikats ist der Gegenstand des Unter- 
nefmens „der An- und Verkauf von Kohlen, Koks und 
Bri cets, die Aufbereitung von Kohlen, der Erwerb von 
Gn.benfeldern und Bergwerksanteilen, der Betrieb von 
Un' eruehmuugen aller Art, die auf Eageruug, den Absatz 
unc die Beförderung von Bergwerksprodukten gerichtet 
sind, sowie die Beteiligung an solchen Unternehmungen“, 
während in den alten Verträgen von 1893 und 1895 als 
Zw ;ck lediglich Ein- und Verkauf der Produktion der 
Mitglieder galt. Das Syndikat erhielt durch diese neuen 
Zweckbestimmungen zweifellos eine grössere Bewegungs- 
freiheit und Stärkung seiner Stellung. Die im Syndikat 
beteiligten Zechenbesitzer verkaufen gemäss Vertrag 
zwischen der Aktiengesellschaft Rheinisch- Westfälisches 
Kodlen-Syndikat und den zu ihm gehörenden Zechen 
„ihee gesamte Produktion an Kohlen, Koks und Brikets 
dem Syndikat, das dagegen die Verpflichtung der Abnahme, 
unc des Weiterverkaufes dieser sämtlichen Produkte nach 
Ma: sgabe der festgestellten Bestimmungen übernimmt“. 
Am genommen von dem Verkauf au das Syndikat ist neben 
den Eanddebit- und den Deputat-Kohlen vor allem der 
Sel1)Stverbrauch der Zechen, für Hüttenzechen auch der 
Sell)stverbrauch der eigenen Hütten, hier aber nach einer 
Ver tragsänderung im Jahre 1908 nur bis zur Höhe der 
fest gelegten Verbrauchsziffer. Der Vertrag zwischen 
Syndikat und Zechen, der „die Beseitigung ungesunden 
We tbewerbes anstrebt“, sieht folgende Organe vor: a) die 
Ver ?ammlung der Zechenbesitzer, b) den Beirat und c) die 
Koiimission zur Festsetzung der Beteiligungsziffern, Die 
Organe der Aktien-Gesellschaft Rheinisch- Westfälisches 


I 



— 101 — 

Kohlen-Syndikat sind nach den Satzungen Vorstand, Auf- 
sichtsrat und Generalversammlung. Bemerkenswert ist 
die Bestimmung, dass dem Vorstand des Kohlen-Syndikats 
gestattet ist, auch Kohlen, Koks und Brikets von ihm 
nicht angehörenden Zechen zu kaufen und zu verkaufen. 
Als Grundlage für die Beteiligung der Zechen am Absatz 
gilt die ihnen beim Abschluss des Vertrages oder später 
zugebilligte Beteiligungsziffer. Diese stellt eine Verhältnis- 
zahl dar, d. h. jede Zeche hat am jeweiligen Gesamtabsatz 
im Verhältnis ihrer Beteiligung zur Gesamtbeteiligung 
Anteil. Die Verkaufspreise und Verkaufsbedingungen 
werden vom Vorstand des Rheinisch-Westfälischen Kohlen- 
Syndikats festgesetzt, jedoch unter Beachtung der vom 
Beirat hinsichtlich der Preis- und Sortenbestimmung auf- 
gestellten allgemeinen Vorschriften. Die vom Syndikat 
den Zechen zu zahlenden Kaufpreise sind die Verrechnungs- 
preise, die der Vorstand für alle Qualitäten und Sorten 
jeder Zeche an Hand der vom Beirat, meist für das ganze 
Geschäftsjahr (April — März) bestimmten allgemeinen Richt- 
preise festsetzt. Ein im Verkauf etwa erzielter Ueber- 
schuss gebührt der liefernden Zeche. Die Geschäftskosten 
des Rheinisch- Westfälischen Kohlen-Syndikats werden 
durch die sogenannte Umlage aufgebracht, d, h. durch 
gleichmässige prozentuale Abzüge an denMonatsrechnuugen. 
Die Höhe des Abzuges wird durch den Beirat auf Vor- 
schlag des Vorstandes festgestellt. Aus der Umlage werden 
auch die Unterschiede zwischen den den Zechen gezahlten 
Preisen, und den etwa beim Absatz notgedrungen ge- 
währten Ausnahmepreisen gedeckt. 

Wie vollzieht sich nun durch das Syndikat der Absatz 
der Erzeugnisse der ihm angehörenden Zechen? Hier mag 
in einer unmittelbaren Ueberleitung der Brennstoffe 
von der Verkaufszentrale zum Verbraucher die beste 
Wahrung des ökonomischen Prinzips erblickt werden. 
Gegen eine derartige Zentralisation der Versorgung erheben 
sich jedoch so gewichtige Bedenken und stehen ihr so 
grosse Hindernisse gegenüber, dass sie für absehbare Zeiten 


102 


nicht in Frage kommen kann. Der Absatz der Syndikats- 
kohlen geschieht vielmehr zum grössten Teil in einer 
stafl eiförmig gebildeten Dezentralisation unter Mitwirkung 
des Handels. Allerdings hat das Syndikat in Verfolgung 
und zur Sicherung seiner auf Beherrschung des Marktes 
him.uslaufenden Bestimmung Einrichtungen geschaffen und 
iMassiiahmen getroffen, die in den Gesamtabsatz eine ge- 
wiss eEinheitlichkeit bringen und die ihm eineAbsatzkontrolle 
ermöglichen. Vor Syndikatszeiten beherrschte der Gross- 
hanlel den Kohlenmarkt. Die Zechen, im Interesse der 
Veroilligung der Produktion auf ununterbrochenen Fort- 
gan r der Erzeugung und stete Aufrechterhaltung des Be- 
trie )es bedacht, waren auf ihn, der allein in der Lage war, 
auch in Zeiten schwächerer Nachfrage regelmässig ab- 
zun ihmen, völlig angewiesen. Diese Zwangslage nahm 
abe - ein Ende, sobald die Zechen im Syndikat vereint 
ihrt Produktion zu regeln vermochten und nun nicht mehr 
genötigt waren, zur Unterbringung überschüssiger Mengen 
den Handel in Anspruch zu nehmen. Dass die neue 
Vei kaufsgenieinschaft der Zechen mit Umgehung des ihnen 
bisl er unentbehrlich gewesenen Grosshandels sich unter 
den Verbrauchern auch eine dii^kte Abnehmerschaft 
grü idete, geschah gewiss weniger aus allgemein volks- 
wirl schaftlichen, auf Vereinfachung des Güterumlaufes hin- 
ziel mden Motiven, als vielmehr vor allem in dem Bestreben, 
sici vom Handel möglichst unabhängig zu machen. Als 
das Syndikat seine Tätigkeit begann, musste es den be- 
stel enden Verhältnissen Rechnung tragen. Es konnte im 
groi 'Sen ganzen der Vermittlung des Handels nicht entraten, 
und seine direkte W^erkskundschaft — das Syndikat hat 
als solche nur Selbstverbraucher mit schon ganz ansehn- 
lich sm Jahresbedarf, im allgemeinen von mindestens 6000 1 — 
bildete sich zu ihrer jetzt immerhin doch beträchtlichen 
Höhe erst im Verlauf der ersten Jahre seines Bestehens. 
Lag dies einerseits daran, dass manche, auch grössere Ver- 
braucher aus diesem oder jenem Grunde auf einen unmittel- 
baren Verkehr mit dem Syndikat zunächst nicht sonderlich 


103 


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Gewicht legten, vielmehr vorzogen, auch weiterhin vom 
Grosshandel zu kaufen, so war es anderseits aber auch gar 
nicht die Absicht des Syndikats, den Grosshandel völlig 
auszuschalten. Dies dürfte allein schon die Tatsache be- 
weisen, dass, sehr im Gegensatz zu den preussischeii Staats- 
zechen an der Saar und in Oberschlesien, die auch kleineren 
Selbstverbrauchern direkt zu liefern pflegen, das Syndikat 
nur etwa 40 seiner Mengen auf Grund direkter Verträge 
mit dem Konsumenten unterbringt, der Anteil des Handels 
also ca. 60Vo beträgt. Der Saarfiskus setzt mehr als ^ ^ 
seiner Produktion unmittelbar an Selbstverbraucher, darunter 
an viele kleine Konsumenten ab, und bei den oberschlesischen 
Staatsgruben ist dieser Prozentsatz noch grösser, etwa 90 ^/q. 
Allerdings lagen die Verhältnisse beim Syndikat teilweise 
anders, wie es z. B. — was hier besonders interessiert — 
für die beträchtlichen über die Rheinstrasse zum Absatz 
kommenden Mengen auf die grossen Handels- und Reeder- 
firmen direkt angewiesen war. Ueberhaupt ist zu berück- 
sichtigen, dass das Interessengebiet der Ruhr weit aus- 
gedehnter und deshalb weniger übersichtlich ist, als das 
der Saar und Oberschlesiens. Wenn nun auch das Kohlen- 
syndikat den Handel nicht beseitigen wollte, so hat es 
ihn doch in völlige Abhängigkeit gebracht. Anders hätte 
es freilich auch sein Ziel, Beherrschung des Marktes, 
nicht erreichen können. Die vom Syndikat für alle von 
ihm kaufenden Grosshändler festgesetzten gleichlautenden 
Bedingungen — besonders hinsichtlich Abnahme und 
Zahlung — hatten neben anderm auch die Wirkung, dass 
die Konkurrenz unter den Händlern auf ein geringes Mass 
zurückging. Aber auch einer Uebervorteilung der vom 
Handel beziehenden Konsumenten wird durch die in dem 
sogen. „Handelskammerparagraphen“ niedergelegte Be- 
stimmung vorgebeugt. Die Abschwächung des Wettbewerbes 
der Syndikatshändler unter einander wurde ferner be- 
sonders dadurch erreicht, dass ihnen bestimmte Absatz- 
bezirke, deren Umfang sich in der Regel nach dem bis- 
herigen Tätigkeitsgebiete richtete, zugewiesen wurden 



— 104 — 


übel die hinaus sie ihre Verkaiifsbemühungen nicht er- 
strecken sollen. So istSüddeiitschland in folgende Syndikats- 
revicre eiugeteilt: 20 (Wiesbaden), 21 (Saarbrücken, Neun- 
kirc len, Mainz sowie Nordpfalz), 22 (Frankfurt, Darmstadt, 
Wüizburg), 23 (Nord-), 24 (Mittel-), 25 (Süd-Bayern), 26 
(Bac en iind Württemberg), 27 (Südpfalz), 28 (Elsass-IyOth- 
ring^n). Der Vertrieb aussersyudikatlicher Produkte wurde 
allen Grosshändlern untersagt — auch für ihre Unter- 
abnehmer — unter Androhung eines Preisaufschlages auf 
die /om Syndikat gekauften Mengen. 

i\Iit der Selbständigkeit des Handels, dem einst die 
Zeel eu untertan waren, war es freilich nun so ziemlich 
vorl ei, Ziel und Wege waren ihm jetzt von den Produ- 
zenten vorgeschrieben, und er war recht eigentlich zu einem 
Hilf;gewerbe des Bergbaues herabgesunkeu. Nicht als ob 
nun seine Existenz untergraben worden sei, im Gegenteil, 
durc h die vorerwähnten Einrichtungen des Syndikats wurde 
dem Handel gewissermassen sein Bestehen und ein angemesse- 
ner Gewinn gewährleistet. Seine Stellung wurde unstreitig 
gesi :herter, wiewohl allerdings die Möglichkeit der Ausdeh- 
nung, der Geschäftsvergrösserung des einzelnen, vor allem 
des deinereu, kapitalschwächeren Händlers sehr zurückging. 

War nun auch durch das Syndikat der gegenseitige 
Wettbewerb des zu ihm gehörenden Handels bereits er- 
heblich zusammengeschrumpft, so lag doch für die Händler 
der Gedanke nahe, auch diesen Rest von Konkurrenz 
unter einander noch zu beseitigen, und dieser Wunsch, 
der natürlich letzten Endes bei Absatz -Vereinfachung und 
Betriebs- Ersparnissen Gewinnerhöhung bezweckte, führte 
dam. zu Vereinigungen der gleiche Bezirke bearbeitenden 
Gro: shandelsfirmen. Der erste Zusammenschluss geschah 
im ^ ahre 1896 in Cassel, wo die Händler des Syndikats- 
reviers 17 in der „Glückauf“ sich vereinigten. Gleichzeitig 
mit dieser Gesellschaft trat die „Westfalia“ in Hannover 
ins ;vcben, und diesen beiden folgten 1897 die „Deutsche 
Koh enhandelsgesellschaft m. b. H.“ in Bremen, 1899 die 
„Westfälische Kohlenhandelsgesellschaft“ in Dortmund, 


( 


— 105 — 

1901 die „Westfälische Kohlen- und Koksverkaufsgesell- 
schaft“ in Magdeburg, 1906 die „Westfälische Kohlen- 
verkaufsgesellschaft“ in Berlin, im gleichen Jahre das 
„Westfälische Kohlenkontor“ in Hamburg, Im Auslande 
finden wir den Handel mit Syndikatsprodukten vereinigt 
in der Steenkolen-Handelsvereeniging in Utrecht (für die 
Niederlande) und in der Societe Gendrale Charbonniere 
in Antwerpen (für Belgien). Diesen Handelsorganisationen, 
die also nicht etwa vom Syndikat ins Eeben gerufene 
Vertriebsorgane darstellen — als eine solche ist aber die 
Düsseldorfer Kohlenverkaufstelle anzusehen, die allerdings 
den Erwartungen nicht entsprochen haben soll — , viel- 
mehr ihr Entstehen der Initiative des Kohlenhandels selbst 
verdanken, verlieh das Syndikat das Alleinverkaufsrecht 
für die betreffenden Gebiete, d. h. es übertrug ihnen den 
gesamten Vertrieb der Erzeugnisse seiner Zechen in den in 
Frage kommenden Bezirken. Der gesamte Einkauf und 
Verkauf geschah von nun ab von einer Stelle aus, die 
einzelnen an den Verkaufsgesellschaften beteiligten Firmen 
gaben ihre Grosshandelstätigkeit auf, und nur einige von 
ihnen betrieben auch fernerhin ein selbständiges Kohlen- 
geschäft, indem sie ihre Bedarfsmengen von den Handels- 
gesellschaften kauften zu denselben Preisen und Bedingungen 
wie deren andere Händlerkundschaft. Die Handelsgesell- 
schaften sind als Gesellschaften mit beschränkter Haftung 
gegründet und werden von Geschäftsführern geleitet, auf 
deren Ernennung das Syndikat Einfluss hat, wie es sich 
überhaupt eine Ueberwachung der Geschäftsführung ge- 
sichert hat. So gehört dem Aufsichtsrat der Verkaufs- 
gesellschaft auch ein Syndikats -Vorstandsmitglied an, dem 
sogar der Vorsitz zusteht. Die Gesellschafter sind am 
Gewinn beteiligt im Verhältnis ihrer Einlage, die hin- 
wiederum sich richtet nach dem Umfang des früheren Ab- 
satzes der betreffenden Firma. An dem Reingewinn 
hat satzungsgeniäss auch das Syndikat Anteil. 

Sind nun auch diese Gesellschaften, wie gesagt, auf 
Anregung der Händler entstanden und stärkte auch der 


k 


106 



Grnsshandel durch diese Vereinigung seiue Stellung dem 
Syndikat gegenüber — denn dieses hat es nun statt wie 
bis ler mit einer Vielheit von einzelnen, untereinander sich 
bei ämpfender Firmen mit einer fest geschlossenen, ein- 
heidich geleiteten Gruppe zu tun — , so darf anderseits 
nie it verkannt werden, dass aus dieser Neuregelung der 
Verhältnisse für das Syndikat ebenfalls nicht unbeträcht- 
licl e Vorteile heraussprangen. Sein Verkaufsgeschäft 
wu de, wo für es für jeden grösseren Bezirk jetzt gewisser- 
massen nur noch ein Händlerabnehmer in Betracht kommt, 
ein acher und übersichtlicher, eine dauernd gleichmässige 
Abnahme ist ihm sicher, das Risiko und die Lasten des 
Vertriebes fallen ihm nicht zu, gleichwohl hat es auf die 
Geitaltung der Preise, auf die Verkaufsbedingungen Ein- 
fluss, kurz, seinem Ziel, Regelung des Absatzes bis zum 
let 2 ten Verbraucher, ist es wesentlich näher gekommen. 

Gelangte also der Grosshandel in dem norddeutschen 
Ab; atzgebiet des Kohlensyndikats grösstenteils schon in 
deu Jahren 1896 — 99 zur Einigung, so erfolgte der Zu- 
san menschluss in dem Gebiet, dem diese Abhandlung 
gilt in Süddeutschland, erst geraume Zeit später. Hier 
lag(.*u freilich die Verhältnisse auch ungleich komplizierter, 
Stal deiiEinigkeitsbestrebungen erheblich grössereSchwierig- 
keilen im Wege. Geschieht in Norddeulschland der Ab- 
sat 2 der Ruhrkohle fast ausschliesslich mit der Eisenbahn, 
so i:.t für Süddeutschland die Hauptzufuhrstrasse der Rhein. 
Wa 'en dort für die Verkaufspreise der Händler die Grund- 
lage n dieselben — Syndikatspreise und feste, gleichbleibende 
Eisenbahnfrachtsätze — , so hatten hier die Händler zwar 
auc 1 mit den gleichen Preisen ab Zeche zu rechnen, aber 
den anderen Hauptfaktor der Preisgestaltung bildeten hier 
die nach dem Wasserstand und dem Angebot von Kahn- 
rauiu stark schwankenden Schiffsfrachten. Es mussten 
sich demnach für die einzelnen auf dem süddeutschen 
Kol lenmarkt in Wettbewerb stehenden Händler in der 
Preiskalkulation trotz gleichem Einkauf Unterschiede er- 
geben, die umso erheblicher waren, als ein ansehnlicher 


4 


107 


Teil der Kohlengrosshandelsfirmen selbst Schiffsraum be- 
sass und dadurch von vornherein ein Uebergewicht hatte 
über die lediglich auf den Frachtenmarkt angewiesenen 
Konkurrenten. Dass der Wettbewerb hier schliesslich 
viel schärfere F'ormen annahm als in den anderen Bezirken, 
war die natürliche Folge. Um so mehr war also gerade 
in Süddeutschland ein Zusammenschluss vonnöten. Dass 
er erst verhältnismässig spät erfolgte, ergab sich einmal 
aus einer gewissen Disharmonie der Interessen der in 
Frage kommenden Handelsfirmen, die, wie schon erwähnt, 
teilweise auch Reeder, ja auch Grubenbesitzer waren. Der 
Aufschub der Einigung erklärt sich sodann dadurch, dass 
in den letzten Jahren des verflossenen Jahrhunderts bei 
guten Konjunkturverhältnissen das Bedürfnis einer Ver- 
ständigung sich nicht besonders geltend machte. Erst als 
nach Beendigung der Hochkonjunktur, die etwa um die 
Mitte des Jahres 1900 ihren Abschluss fand, sich um den 
Absatz ein überaus heftiger verlustreicher Konkurrenz- 
kampf entspann, trat das Verlangen nach Einigung wieder 
in den Vordergrund, dies um so mehr, als sich für die 
norddeutschen Händler eben dank ihrem Zusammenschluss 
in den Kohlenhandelsgesellschaften auch in jenen schlechten 
Jahren immer noch Gewinn ergab. In Süddeutschland 
aber brachte der wilde Wettbewerb derartige Verluste mit 
sich, dass auch bei jenen Grosshandelsfirmen, die Ree- 
dereien, ja selbst Zechen besassen, also viel besser gestellt 
waren als ihre nur den Kohlenhandel betreibenden Kon- 
kurrenten, der Wunsch, auf dem Wege gegenseitiger Ver- 
ständigung mit den Misständen aufzuräumen, immer mehr 
durchdrang. Ja es waren gerade die grossen Reederzechen, 
die bei der Neugründung des Syndikats im Jahre 1903 
für ihren Eintritt in dieses sogar zur Bedingung machten 
die Regelung der Absatzverhältnisse über den Rhein. 
Man erwartete also, nachdem mehrfache schon 1901 auf- 
genommene Einigungsbestrebungen keinen Erfog gehabt 
hatten, dass das Kohlensyndikat eine zweckentsprechende 
Ordnung der Verhältnisse in die Wege leite. Obschon 




108 


also hier viel grössere Schwierigkeiten zu überwinden 
waien es galt, nicht nur den Kohlen verkauf, sondern 
auch den d.ransport und den Umschlag an den grossen 
Ua< erplätzen zu organisieren — gelang es, dank der Mit- 
wiriiung des Syndikats, die in Betracht koininenden Firmen 
zus immenzubringen. Am 13. September 1903 kam es zu 
eiir ?m Vertrage zwischen den Zechenreedereien Math. Stinnes, 
Franz Haniel & Co., Bergbau- und Schifi’ahrts-Aktien-Ge- 
selhchaft vorm. Gebr. Kannengiesser und Hugo Stinnes 
sowie dem Kohleu.syndikat und damit zur Gründung der 
Rh( änischen Kohlenhandel- und Reedereigesellschaft m. b. H. 
mit dem Sitz in Mühlheim-Ruhr. Der Beitritt stand allen 
den Grosshaudelsfirmen frei, die in den Geschäftsjahren 
1901 02, 1902/03, 1903/04 durchschnittlich mindestens 

50ClK} t Kohlen vom Syndikat für eigene Rechnung ge- 
kaiitt und im Interessengebiet der neuen Vereinigung ab- 
gesctzt hatten. Um aber auch den Händlern mit geringerem 
Absatz den Eintritt zu ermöglichen, wurde ihnen freige- 
stel t, zur Erreichung der BeteiHgungsgrenze ihre Betriebe 
zu v’ereinigeu und nach vollzogener Verschmelzung der 
Verdnigung beizutreten. Als das Kohlenkontor am 1. April 
1904 seine Tätigkeit aufnahm, gehörten ihm ausser dem 
Kol leii-Syndikat 44 Firmen an mit einer Gesamtbeteiligung 
von 9231 600 1, der ein Gesellschaftskapital von M. 13847400 
(.M. 1.50 für eine t) entsprach. Im Raufe der Jahre wurde 
die Beteiligung viermal um je lOO/o des Stammanteils er- 
höh;, sodass jetzt die Touneubeteiligung 12924240 t, das 
Gesdlschaftskapital M. 19 386 360 beträgt. Die stärkste 
Bett iligung hat das Syndikat selbst, jetzt 2004520 t = 
M. 1 006 780. Fast erreicht wird es von der Firma Math. 
Stin nes, der als nächstgrosse folgen Raab, Karcher & Co. — 
der Gelsenkircheuer Bergbau-Aktien-Gesellschaft angeglie- 
— , Hugo Stinnes, die Harpener Bergbau-Aktien-Ge- 
sellschaft (früher Kannengiesser), Franz Haniel & Co. Diese 
5 Firmen und das Syndikat besitzen zusammen weit mehr 
als die Hälfte der Gesamtbeteiliguug. Zu der Beteiligungs- 
ziffe ' des Syndikats ist zu bemerken, dass ihm die Ab- 


I 


4 


109 


satzmengen derjenigen Firmen zuflossen, die, weil sie die 
Älindestgrenze nicht erreichten, in die Gesellschaft nicht 
aufgenommen wurden. Hatte sich, wie oben erwähnt, 
das Syndikat bereits bei den anderen Kohleuhandelsge- 
sellschaften einen weitgehenden Einfluss auf die Geschäfts- 
handhabuug gesichert, so nimmt es auch als Beteiligte des 
Kohlenkontors eine Ausnahmestellung ein, die sich schon 
darin zeigt, dass ihm vom Reingewinn vorab 5 o/o Zufällen, 
abgesehen von dem ihm nach seiner Beteiligung gebührenden 
Gewinnanteil. Auch im Aufsichtsrat der Gesellschaft kommt 
seine überragende Stellung zum Ausdruck, ihm stehen von 
den 9 Plätzen 2, darunter der des Vorsitzenden, zu. 

Zweck der Gründung des Kohlenkontors war die 
Regelung des Absatzes der Syndikatsprodukte über die 
Rheinstrasse. Jedoch wurden in den Tätigkeitsbereich der 
neuen Gesellschaft nicht hineingezogen die Verschiffungen 
für die Seeausfuhr, sowie nach Belgien und Frankreich. 
Von Frankreich gehören aber die hinsichtlich der Kohlen- 
versorgung als Hinterland von Rauterburg und Strassburg 
anzusprechenden Departements Doubs, Haute-Saone und 
Territoire de Beifort zum Absatzgebiet des Kohlenkontors. 
Ferner wurde der Gesellschaft vom Syndikat der Allein- 
verkauf seiner Erzeugnisse — auch für den direkten Eisen- 
bahnversand — übertragen für Süddeutschland, Vorarlberg, 
Tirol und die Schweiz, während nach Holland nur die 
Rieferungen mit Schiff durch das Kontor — das seinerseits 
wieder der schon erwähnten Steenkolen-Handels-Vereeni- 
ging in Utrecht den Vertrieb der von ihm verfrachteten 
Mengen überlässt — , die Streckenlieferiingen aber nach wie 
vor durch das Syndikat selbst erfolgen. Die Dauer der 
Gesellschaft ist bestimmt durch die Uebertragung des 
Alleinverkaufsrechtes, das bis zum Ablauf des Svndikats- 
Vertrages von 1903 gilt. Rieferungen an Eisenbahnen, Ga.s- 
anstalten, Behörden und Grossverbraucher mit einem Jahres- 
bedarf von mindestens 6000 t behält sich zw^ar das Syndikat 
vor, selbst auszuführen, doch sollen solche — abgesehen 
von den an die preussisch-hessischen Staatsbahnen — nur 


I 


110 


111 


ausnahmsweise unmittelbar vom Syndikat bewirkt werden. 
Al ch hat das Syndikat in derartigen Fällen dem Kohlen- 
kontor M. 0,25 die Tonne Abgabe zu zahlen. Das Kontor 
ist v’erpflichtet, alljährlich mindestens die gleichen Mengen 
abmnehnien, die im Vorjahre in seinem Interessengebiet 
ab gesetzt worden sind. Das gesamte Einkaufs- und Ver- 
ka ifsgeschäft erfolgt einzig und allein durch das Kontor, 
uni die Mitglieder, die ihren Kohlenhandel auch weiter 
be reiben wollen, müssen ihren Einkauf beim Kontor be- 
wi-ken, w^obei für sie dieselben Preise und Eieferungs- 
bedingungen massgebend sind wie für die sonstigen Ah- 
ne: iiner des Kontors. Dem Einkauf des Kohlenkontors beim 
Sy idikat liegen im allgemeinen die Preise zugrunde, die 
das Syndikat für Grossabnehmer im unbestrittenen Absatz- 
gebiet als Normalpreise festsetzt. Abweichungen, die be- 
sonderer Vereinbarung zwischen Syndikat und Kontor 
1111 ' erliegen, können da stattfinden, wo, wie zum Teil in 
dei Schweiz, Elsass-Eothringen, den genannten drei franzö- 
sischen Departements infolge des Wettbewerbes anderer 
Provenienzen, z. B. belgischer Kohlen, sich zeitweise Preis- 
kouzessionen als unumgänglich erweisen. Dem Recht des 
Alleinverkaufs der Syndikatsprodukte steht auf der anderen 
Seite das Verbot gegenüber, ohne Genehmigung des Syn- 
dikats Kohlen, Koks und Brikets anderer Herkunft zu ver- 
tre:ben. Diese Bestimmung gilt sinngemäss auch für die 
voi 1 Kohlenkontor kaufenden Händler. Allerdings bezieht 
sich hier das Verbot — abgesehen von den Produkten der 
nie itsyndikatlichen Ruhrzechen, deren Kauf selbstverständ- 
licl ausgeschlossen ist — eigentlich nur auf englische Kohlen. 
In Südbayern ist den Kontorhändlern auch der Vertrieb 
schlesischer Kohlen untersagt. Der Verschleiss von Saar- 
kol len ist, was besonderer Hervorhebung verdient, da ja 
die Saar in Süddeutschland der stärkste Konkurrent der 
Ruhr Ist, freigegeben. Im übrigen sieht das Kontor — und 
das ja auch mit gutem Recht — darauf, dass die Bezüge der 
anderen Produkte über den bisherigen Umfang nicht hinaus- 
gehen, es sei denn, dass auch der Absatz in Syndikats- 


erzeugnissen entsprechend wächst. Dass man hinsichtlich 
des Vertriebes der Händler in anderen Provenienzen so 
verfuhr, wird einerseits aus Billigkeitsgrüuden geschehen 
sein, denn sicherlich würde die vollständige Aufgabe des 
Verkaufes der betreffenden fremden Produkte manchen 
Händler schwer benachteiligt haben, anderseits aber hätte 
ein streng durchgeführtes Verbot dem Absatz dieser Er- 
zeugnisse auch schwerlich Eintrag getan, sie sicherlich 
nicht vom Markt fernhalten können, vielmehr nur neue, 
als Konkurrenten des Kontors um so eifriger den Vertrieb 
fremder Kohlen forcierende Händler aufkommen lassen'. 
Wenn im Eaufe der Jahre in Süddeutschland Handelsfirmen 
entstanden sind, die, sich mit dem Vertrieb fremder Pro- 
dukte befassend, der Syndikatskohle fühlbaren Abbruch 
tun konnten, so hat dies sicherlich nicht zuletzt darin seine 
Ursache, dass das Kontor seine Tätigkeit auf die Erzeug- 
nisse der Syndikatszechen beschränken musste. Es leuchtet 
durchaus ein, dass, wie im Geschäftsbericht des Kohlen- 
kontors für 1911/12 ausgeführt wird, es dem Absatz der 
Ruhrkohle nur förderlich sei, wenn das Kontor in der Lage 
wäre, „neben der Ruhrkohle in angemessenem, den be- 
stehenden Verhältnissen entsprechendem Umfange auch 
andere Erzeugnisse zu liefern, die in den verschiedenen 
Gebieten seit altersher Fuss gefasst haben und von den 
Händlern auf jeden Fall vertrieben werden“. 

Während sich nun bei den anderen unter der Aegide 
des Syndikats entstandenen Kohlenhandelsgesellschaften 
der Vertrieb der Brennstoffe insofern einfach vollzieht, als 
es sich im allgemeinen nur um Bahulieferungen, um 
waggonweisen Absatz handelt und grosse Lager nicht 
unterhalten werden, spielt, wie wir schon oben sahen, für 
die Kohlenversorgung Süddeutschlands gerade der Um- 
schlagverkehr eine grosse Rolle. Das Kohlenkontor als 
solches besitzt nun weder Transportmittel noch Lager — 
erst in den späteren Jahren hat das Kontor eigenen Lager- 
raum erworben — , dagegen werden ihm von den Be- 
teiligten — also auch vom Syndikat, das am Oberrhein 


1 


112 


eii^ene Lagerplätze geschaffen hatte — deren Umschlag- 
einrichtnngen Lagerplätze und Briketfabriken zur Ver- 
fügung gestellt gegen feste Vergütungen. Diejenigen Be- 
te: ligten, die auch Reeder waren, wurden verpflichtet, die 
Ih ansporte der neuen Gesellschaft zu den im Geschäftsver- 
tn.ge niedergelegten, von Zeit zu Zeit aber zu revidierenden 
Sätzen zu übernehmen, und zwar bis zu den Mengen, die 
sie im Durchschnitt in den Jahren 1901/02, 1902/03, 1903/04 
vom Kohleu-Syndikat für eigene Rechnung gekauft, mit 
eigenem Schiffsmaterial verfrachtet und im Interesseimebiet 
de* Vereinigung abgesetzt hatten. Umgekehrt erhielten 
sie aber auch Anspruch auf diese Mindesttransportmengen. 
Fi r etwaigen weiteren Bedarf an Transportmitteln tritt 
da; Kontor an den offenen Markt heran. Anderseits haben 
die Reederfirmen für die Ausnutzung ihres Schiffsparks 
über die vertraglichen Verpflichtungen hinaus völlig freie 
Hand. Nach dem Durchschnitt des Betriebes in den vor- 
erwähnten 3 Jahren richtet sich auch die Beschäftigung, 
die das Kontor den Verladebetrieben und Briketfabriken 
seiner Beteiligten zukommen lässt. 

Der Absatz des Kohlenkontors erfolgt nun entweder 
in direktem Verkehr mit den Verbrauchern oder aber 
durch Vermittlung des, hier also die „zweite Hand“ dar- 
stellenden Handels. Die Bedienung grösserer Selbst- 
ve: braucher behält sich das Kontor vor, ohne dies grund- 
sätzlich durchzuführen. Dagegen ist der Kreis der dem 
Ha ndel freigegebeuen Geschäfte hier viel enger gezogen 
als beim Syndikat, und im allgemeinen soll — besondere 
\erhältuisse bedingen natürlich auch Ausnahmen von 
dieser Regel — dem Handel nur die Bedienung der Werke 
zuJ allen, die unter 600 t Jahresbedarf haben. Dieser erheb- 
lic.ie Unterschied ist erklärlich, wenn man berücksichtigt, 
da; s das Kontor ja den Grosshandel selbst, in einem Organ 
vereinigt, bedeutet. Den vom Kohlenkontor kaufenden 
Händlern, die, wie bemerkt, teilweise seine eigenen Be- 
teiligten sind, überweist es — analog dem Verfahren des 
Syndikats seinen Grosshändlern gegenüber — bestimmte 


113 


• < « 

I im allgemeinen nach dem bisherigen Vertrieb sich richtende 

Absatzgebiete. Soweit die Handelsfirmen mindestens 6000 t 
im Jahre abzusetzen vermögen, geniessen sie die Grund- 
preise des Kontors, den Händlern mit geringerem Absatz 
werden Preisaufschläge von M. 0,10 bis M. 0,50 die Tonne 
berechnet. Dies hat natürlich zur Folge, dass viele der 
kleineren Händler nicht direkt vom Kontor kaufen, sondern 
sich an den Grosshandel als Vermittler wenden, dem sie, 
wenn überhaupt, so doch nur wenig höhere Preise zu 
zahlen haben, welcher Nachteil aber wieder dadnreh teil- 
weise ausgeglichen wird, dass der Grosshandel es mit den 
1 Verkaufs- und Lieferungsbedingungen — hier besonders 

' hinsichtlich der Abnahme und Zahlung — nicht so genau 

nimmt wie das Kontor, das genötigt ist, überall mit 
• gleichem Masse zu messen. So verlangt das Kohlenkontor 

von den mit ihm arbeitenden Händlerfirmen regelmässige 
» ■ • Abnahme und bedingt ferner eine sich nach den durch- 

I schuittlichen Bezügen richtende Sicherstellung, was aber 

manchem Händler unbequem oder gar unmöglich ist. 
. , « Dass der direkte Verkehr des Kontors mit dem Handel 

; infolge dieser Umstände sich immerhin nur auf einen 

Tfsil der Ruhrkohlen vertreibenden Firmen erstreckt und 
selbstverständlich vor allem die leistungsfähigeren umfasst, 
bewirkt eine wesentliche Vereinfachung des Verkaufs- 
geschäftes des Kontors. Wird nun schon durch die Be- 
schränkung des Wettbewerbes auf wenige im grossen 
ganzen auch hinsichtlich des Preises gleich gestellte Händler 
im selben Bezirk dem Handel ein angemessener Gewinn 
gewährleistet, da doch alle verdienen wollen und auf die 
Dauer keiner zu Einkaufspreisen oder gar darunter zu 
verkaufen Lust haben wird, so geht das Kontor hier sogar 
noch einen wesentlichen Schritt weiter, indem es für den 
Verkauf seiner Erzeugnisse den Händlern die Einhaltung 
bestimmterMindestaufschläge vorschreibt, eine Bestimmung, 
• > durch die das Kohlengeschäft eine viel solidere Grund- 

I läge erhalten hat. Vereinigungen der Platzhändler zur 

I Wahrung gemeinsamer Interessen steht das Kontor durch- 

8 


L 


114 


115 


aus freundlich gegenüber und begünstigt solche lokalen 
Organisationen, indem es allen von ihm direkt oder indirekt 
beziehenden Händlern des betreffenden Platzes den Beitritt 
zu diesen Vereinen nahelegt, jedenfalls aber ihnen die 
Eiihaltnng der von den Vereinen festgesetzten Verkaufs- 
preise und sonstiger Bestimmungen zur Pflicht macht. 
Wi ’d hierdurch dem Händler im lokalen Absatz ein seiner 
Arbeit angemessener Nutzen gesichert, so geschieht dies 
doch nicht zum Nachteil der Verbraucher, da die mit Ver- 
luslen verbundenen zu billigen Verkäufe doch schliesslich 
wieder den Versuch auslösen, sie durch unlautere Ge- 
sch iftsgebräuche wettzumachen. Das anderseits die Preise 
der Platzhändler- Vereinigungen das gebührende Mass nicht 
überschreiten, dafür würd durch das Kohlenkontor ebenfalls 
ges 3rgt, indem es die Preisstellungen prüft und ihr Inkraft- 
tret en von seiner Genehmigung abhängig macht. Ist das 
Ko itor so bedacht, berechtigten Ansprüchen des Handels 
Rec hnung zu tragen, so verschliesst es sich anderseits 
durchaus nicht aus Verbraucherkreisen kommenden, auf 
Vei einfachung und Verbilligung des Kohlenbezuges durch 
Un gehung des Handels hinzielenden Wünschen. Mag 
auch der Handel in vielen Fällen — dies gilt vor allem 
aiicir für den Kleinverkauf — als nicht entbehrlich er- 
sehenen, so ist es volkswirtschaftlich doch nur erstrebens- 
weit, dem Konsumenten durch Verkürzung des Bezug.s- 
w'eges die Kohle zu verbilligen. Freilich ist durchaus 
nicht immer mit der Vereinfachung der Beziehungen 
zwischen Konsumenten und Produzenten auch die Gewähr 
für die Verbilligung der Produkte gegeben, verursacht 
vielmehr unter diesen Umständen diese Art des Bezuges 
keine geringeren, wenn nicht gar noch grössere Unkosten 
als der Umweg über den Händler. Jedenfalls aber finden 
derartige Bestrebungen beim Kohlenkontor kein Hinder- 
nis. Einmal hat es, wie schon bemerkt, die Möglichkeit 
des direkten Bezuges nur wenig eingeschränkt. Schon 
ein 600 t Bedarf genügt dazu als Voraussetzung, ja selbst 
das Ersuchen noch kleinerer Selbstverbraucher um direkten 


V’’erkehr pflegt es zu berücksichtigen, wenn dies ohne Uii- 
zuträglichkeiten möglich ist. Sodann finden auch die Be- 
strebungen der genossenschaftlich organisierten Verbraucher 
bei ihm volles Verständnis, und die Zahl und der Umfang 
seiner Verträge mit Genossenschaften, mag es sich hierbei 
um private Hausbrandkohlenverbraucher oder kleine land- 
wirtschaftliche oder gewerbliche Konsumenten handeln, 
ist recht beträchtlich. Das Kohlensyndikat hatte gegen 
einen direkten Verkehr seinerseits mit derartigen Genossen- 
schaften zunächst gewichtige Bedenken gehabt und es hat 
sich erst in den späteren Jahren, nachdem in den kontra- 
diktatorischen Verhandlungen auch dieser Punkt eine ein- 
gehende Erörterung gefunden hatte, entschlossen, den 
Genossenschaften gegenüber eine andere Stellung ein- 
zunehmeu. Die Bedingungen, unter denen das Kontor 
direkt an Selbstverbraucher liefert, unterscheiden sich im 
allgemeinen nicht von den für Händler geltenden. Hin- 
sichtlich der Abnahme allerdings — dem Handel ist, wie 
gesagt, ungefähr gleichmässiger Bezug vorgeschriebeii — 
passt es sich mehr dem jeweiligen Bedarf der Werke an. Von 
der Stellung einer Kaution pflegt es bei Selbstverbraucheru 
Abstand zu nehmen. Den gleichzeitigen Mitbezug fremder Er- 
zeugnisse schliesst es auch bei den direkten Werksabnehmern 
aus, was sich freilich wieder nur gegen nichtsyndikatliche 
Ruhrkohlen und englische Kohlen richtet. Die ein- 
schränkende Bestimmung fällt überhaupt w^eg, wenn das 
Kontor nicht in der Lage sein sollte, den Bedarf des 
Verbrauchers rechtzeitig oder in genügendem Umfange 
zu decken. 

Nachdem schon auf eine lange Reihe von Jahren zurück 
die Tätigkeit der beiden Organisationen — Kohlen-Syndi- 
kat und Kohlenkontor — überblickt w^erden kann, darf 
man, wie gesagt, über ihre Bedeutung, ihren wirtschaft- 
lichen Wert schon ein abschliessendes Urteil fallen. Im 
ersten Jahrzehnt seines Bestehens ist das Kohlen-Syndikat 
manchem heftigen Angriff ausgesetzt gewesen. Parlamente 
und Regierungen, Wissenschaft und Presse, nicht zuletzt 


I 


— 116 — 

seine eigenen Abnehmer haben seine Geschäftsführung 
bes;ändig einer scharfen Kritik unterzogen, im besonderen 
seine Preispolitik oft in der leidenschaftlichsten Weise 
beliämpft. Zum grossen Teil werden diese allgemeinen 
An griffe durch die in jenen Jahren über die in Deutschland 
damals erst im Aufkommen begriffenen Kartelle überhaupt 
herrschenden Anschauungen zu erklären sein, die in dieser 
Wi tschaftsform vielfach kaum etwas anderes erblickten 
als den Versuch der Monopolisierung der Produktion und 
damit der Ausbeutung der Konsumenten. Erst als man 
sich im Laufe der Zeit mit den Kartellen eingehender be- 
schiftigte, sie der Oeffentlichkeit gegenüber den Charakter 
des Geheimnisvollen verloren und es sich zeigte, dass sie 
besser waren als ihr Ruf, ist auch eine ruhigere, vorurteils- 
freiere und mehr sachgeniässe Beurteilung des Kohlen- 
Syi dikats an die Stelle der früheren, meist unbegründeten, 
zum mindesten aber weit übertriebenen Angriffe getreten. 
l\Iö ^en auch dem Syndikat besonders in den ersten Jahren 
seines Bestehens Irrtümer unterlaufen sein, in den kontra- 
dikiatorischen Verhandlungen im Jahre 1903 hat es den 
Be^v^eis erbringen können, dass seine Geschäftspolitik eine 
un]»arteiische Kritik nicht zu scheuen brauchte. Seit dieser 
Zei: sind die Organisation des Kohlen-Syndikats und seine 
Ge:.chäftsgrundsätze immer mehr der Öffentlichkeit bekannt 
ge\ worden, und es ist heute ein völliger Umschwung der 
öffe ntlichen Aleinung festzustellen. Nichts vermag dies 
vie leicht besser zu kennzeichnen als die vom preussischen 
Ha idelsminister am 20. Mai im preussischen Landtage ab- 
geg ebene Erklärung: „Es stehe zu befürchten, dass ein 
Zusammenbruch des Kohlen-Syndikats einen Kampf aller 
gegen alle entfesseln und dadurch zu Zuständen führen 
werde, die nicht nur die Erträgnisse des Bergbaues, zumal 
bei den schwächeren Werken, in Frage stellen, sondern 
auch die Beschäftigungs- und Lohnverhältnisse der Berg- 
arb üter höchst nachteilig beeinflussen und auf diese Weise 
zu >chweren wirtschaftlichen und sozialen Erschütterungen 
führen würde. Der aus dem Preissturz sich ergebende 


117 


vorübergehende Nutzen für den Kohlenverbraucher würde 
zu den geschilderten Nachteilen in keinem Verhältnis stehen“. 
Oder auch die einige Tage zuvor von einem Mitglied der 
Budgetkommission des preussischen Landtags erfolgte Er- 
klärung: „dass seine politischen Freunde hinsichtlich der 
Stellung des Staates zum Kohlen-Syndikat prinzipiell in 
Zukunft einen anderen Standpunkt einnehmen würden, als 
sie ihn früher eingenommen hätten . . . Die veränderte 
Stellung seiner Freunde sei besonders veranlasst durch die 
unbestrittene Tatsache, dass, nachdem das Syndikat einmal 
solange ausgleichend gewirkt habe, es zu sehr gefährlichen 
Krisen allgemeiner Art kommen würde, wenn es nicht 
gelänge, das Syndikat wieder in Ordnung zu bringen.“ 
So wird also heute das Kohlen-Syndikat als eine volkswirt- 
schaftlich notwendige Einrichtung anerkannt. Nicht verlangt 
man mehr wie ehedem seine Auflösung, im Gegenteil, man 
tritt nachdrücklich für seine Erneuerung ein und empfiehlt 
jetzt sogar dem Fiskus den Beitritt. 

Worin liegt nun die Bedeutung des Syndikats? Den 
Produzenten brachte es — und das war ja auch der erste 
und eigentliche Zweck seiner Gründung — endlich an- 
gemessenen Gewinn,- das im Bergbau angelegte Kapital 
konnte nunmehr mit Nutzen arbeiten. Wenn die Gewinn- 
ergebnisse der Zechen recht verschieden ausfallen, ja auch 
nicht verhütet werden konnte, dass einige — freilich nur 
ganz wenige — Betriebe zeitweise auch jetzt ohne Gewinn 
blieben — der Aufkauf kleinerer Zechen durch Gross- 
betriebe lediglich zur Erhöhung der Beteiligungsziffer hängt 
damit zum Teil zusammen — , so liegt das in der Ver- 
schiedenheit des Aufbaues der Werke, besonders auch der 
Lagerungsverhältnisse, und damit der Gestehungskosten 
Mit den besseren Erträgnissen im Bergbau haben auch 
Förderung und Absatz einen ungeahnten Aufschwung 
genommen, freilich ist da auch die allgemein günstige 
Entwicklung unserer volkswirtschaftlichen Verhältnisse, 
so vor allem in der Eisenindustrie, dem Syndikat zu Hilfe 
gekommen ; denn eine Voraussetzung für die in den letzten 


i 


I 



— 118 — 

2ü Jahren auf nahezu das Dreifache gestiegene Produktion 
dei Syndikatszechen war natürlich auch eine entsprechende 
Au 'nahmefähigkeit der Verbraucher. An der Hebung des 
Ru irbergbaues — dies gilt nicht zuletzt auch für die 
tec mischen Fortschritte, die der Bergwerksbetrieb ge- 
nommen — hat das Syndikat also gewaltigen Anteil und 
damit auch ein nicht unwesentliches Verdienst um unsere 
gesamte Volkswirtschaft. Der günstige Einfluss des Syndikats 
auf die technische Entwicklung — direkt hat das Syndikat 
die ; freilich nicht bewirkt, da es sich um die Betriebsgestaltung 
der einzelnen Verbandszechen nicht kümmert — verdient 
um so mehr Hervorhebung, als die fast allgemein geltende 
Anschauung technische Fortschritte nur hervorgehen lassen 
wil aus dem Bestreben im freien Wettbewerb stehender 
Prcduzenten, durch Verbesserungen im Betrieb und damit 
bill.gere Produktion den Konkurrenten niederzuringen. 
Es ist aber nicht einzusehen — und das Kohlen-Syiidikat 
lief irt dafür auch den Beweis — , weshalb nicht auch die 
kar :ellierten Produzenten auf Vereinfachung und damit Ver- 
bill gung der Erzeugung hinarbeiten sollten, die ihren 
Gewinn doch nur erhöhen kann. Der Gegenpol des freien 
Wettbewerbes, der Trust, dürfte die Richtigkeit dieser An- 
schumng dartuu, denn sein, sagen wir ruhig, volkswirt- 
sch iftlicher Vorzug besteht ja nicht zuletzt gerade in der 
dur:h ihn gegebenen Möglichkeit, den grössten Nutzeffekt 
mit dem geringsten Aufwand an Kapital und Arbeit zu 
erzi eien. Eine Produktions-Vereinfachung und Verbilligung, 
wie sie ein Trust vornehmen kann, die aber natürlich die 
Au; Schaltung, die Stillsetzung der weniger vorteilhaft ar- 
beil enden Betriebe zur Folge haben muss, hat das Syndikat 
nicht herbeigeführt. Dass die zahlreichen unmodern ein- 
gerichteten oder schlechtere Eagerungsverhältnisse auf- 
wei senden Gruben, die im freien Wettbewerb von ihren 
groi sen, weit leistungsfähigeren Konkurrenten erdrückt 
worden wären, noch fortbestehen konnten, haben sie im 
Gec enteil nur dem Syndikat zu verdanken. Mit dem Durch- 
halt sn dieser weniger produktiven Werke durch das Syndikat 



119 


ist nun auch verbunden eine Schonung der im Boden 
ruhenden Kohlenreserve, wie ja überhaupt die Syndizierung 
der Produktion dem Raubbau Abbruch getan hat. — Als 
ein volkswirtschaftlicher Gewinn ist ferner zu buchen die 
durch das Syndikat in die Wege geleitete Absatz -Verein- 
fachung und die damit verbundene Kräfteersparnis. — Der 
krisenmildernden Wirkung des Syndikats sei noch gedacht. 
Dass bei den beiden Krisen im deutschen Wirtschaftsleben 
im verflossenen Jahrzehnt der Uebergang von der Hoch- 
konjunktur zum Tiefstand sich allmählich vollzog, schwere 
Rückschläge im allgemeinen ausblieben, ist zweifellos neben 
anderen Kartellen vornehmlich dem Kohlen-Syndikat zu 
verdanken. Ein Allheilmittel gegen Krisen darf freilich 
in dem Syndikat nicht erblickt werden. 

Einen ganz besonders günstigen Einfluss hat das 
Syndikat auf die wirtschaftliche Tage der Bergarbeiter 
gehabt. Gab es den Zechen Gewinn, so setzte es sie damit 
auch in den Stand, ihren Arbeitern bessere Löhne zu 
zahlen. Es ist denn auch eine unbestreitbare Tatsache, dass 
der grösste Teil der Preiserhöhungen den Bergarbeitern 
zugeflossen ist. Mögen auch jetzt noch die Löhne 
Schwankungen unterworfen sein, wiesie eben die wechselnden 
Konjunkturverhältnisse mit sich bringen müssen, so zeigt 
sich doch in der Gesamtrichtung die Tendenz zum Steigen, 
und entsprechend den Syndikatspreisen weist auch die 
Lohnkurve immerhin eine gewisse Stetigkeit auf. Die 
Besserstellung der Arbeiter kommt ferner auch in der 
regelmässigeren, weniger Betriebseinschränkungen unter- 
worfenen Beschäftigung zum Ausdruck. Dass die ge- 
waltigen sozialen Lasten, die unsere Gesetzgebung im Laufe 
der Jahre dem Unternehmertum auferlegt hat, vom Ruhr- 
bergbau nicht hätten übernommen werden können, wenn 
nicht durch das Syndikat seine wirtschaftliche Lage so 
erheblich verbessert worden wäre, steht ausser allem Zweifel. 
Die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Syndikats zeigt 
sich also auch in den Arbeiterverhältnissen. Dass trotz 
dem ewigen wohl nie ganz überbrückbaren Gegensatz 



— 120 — 

zwischen Unternehmertum und Arbeiter gerade im Uager 
der Bergarbeiter das Syndikat schliesslich ebenfalls eine 
gerechtere Beurteilung gefunden hat und ihm auch hier 
die gebührende Würdigung zu Teil geworden ist, kann 
den 1 auch nicht als verwunderlich erscheinen. 

Wie werden nun aber durch das Syndikat die Interessen 
der Verbraucher berührt, die sich in erster Linie auf die 
Pre;se erstrecken, die sie zahlen müssen? Zugegeben, dass 
die Konsumenten aus dem freien Wettbewerb der Ber«^- 
wer ve zunächst ihren Vorteil hatten, nämlich niedrige 
Preise. Dem stand aber der Nachteil des fortwährenden, 
meist unberechenbaren W'echsels zwischen Hoch- und 
liel stand der Preise, je nach der Marktlage, gegenüber, 
der ganz erhebliche Unterschiede mit sich brachte. Hier 
sei nur erinnert an die masslos hohen Preise, die die 
Zeclien und mehr noch der Handel vor Syndikatszeiten 
bei starker Nachfrage — wie in den Hochkonjuktur- 
jahrsn 1872/73 und 1890/91 — die Verbraucher haben 
zahlen lassen. Dagegen hat die Stetigkeit der Preise doch 
ihre grossen Vorzüge und für diejenigen Verbraucher noch 
bescndere Bedeutung, die nicht Nurkonsumenten sind, 
sonc ern die Kohle als Hilf- oder Rohstoff für ihre Produktion 
verv 'enden. Denn ihre Preiskalkulation erhält sichere, 
länger gleichbleibende Unterlagen, ein um so grösserer 
Vor;;ug, als ja auch der Konkurrent im Einkauf der Kohle 
nicht besser gestellt sein kann. Voraussetzung ist freilich, 
dass die nicht auf dem freien Markt entstehenden, sondern 
von der Verkaufsorganisation festgesetzten Preise sich in 
ang{ messenem Rahmen bewegen. Die Preispolitik des 
Kohlensyndikats, die natürlich nicht einseitig vom Stand- 
punlit der Verbraucher beurteilt werden darf, ist aber an- 
erka iintermassen stets massvoll gewesen und hat auch den 
bestehenden Verhältnissen jeweils Rechnung getragen. 

Bleibt noch zu erwähnen, wie der Handel, der Ver- 
mitt; er zwischen Bergbau und Verbraucher, mit dem Syndikat 
gefa.iren ist. Auch er hat keinen Anlass über seine, aller- 
ding? gänzlich veränderte Lage zu klagen. Ein an- 


121 


gemessener Gewinn wird ihm, wie wir schon sahen, vom 
Syndikat sozusagen gewährleistet, in seinem Besitzstand 
ist er geschützt. Seine Selbständigkeit büsste er dafür 
freilich zum grossen Teil ein. Wo er aber vom Syndikat 
ausgeschaltet wurde, indem dieses in direkte Beziehungen 
zu Grosskousumenten trat, hat es sich eben um Beseitigung 
eines entbehrlichen, nur unnötige Kosten verursachenden 
Vermittlertums gehandelt. Uebrigens hat wohl auch der 
Handel dafür manchen Ersatz gefunden und seine Kräfte 
auch weiter voll verwerten können infolge des in ge- 
waltigem Masse gestiegenen allgemeinen Bedarfes. Dass 
der Handel die Vorteile, die ihm das Kohlensyndikat ge- 
bracht hat, wohl zu würdigen weiss, lassen die vom Zentral- 
verband der Kohlenhändler Deutschlands wiederholt ab- 
gegebenen Erklärungen erkennen, von denen eine hier 
angeführt sein mag: „Der berufsmässige Kohlenhandel 
steht der Entwicklung der Kohlensyndikate und deren 
Unter verkaufzentralen freundlich gegenüber und konstatiert 
eine andauernde Rücksichtnahme derselben auf die Lebens- 
interessen des soliden arbeitsamen Handels. Ein fester 
Bestand gut geleiteter Syndikate bildet die Garantie für 
eine gesunde Entwicklung auf allen Wirtschaftsgebieten. 
Ein harmonisches Zusammenarbeiten zwischen Kohlen- 
syndikaten, Kohlengross- und Kohlenplatzhandel tritt 
immer mehr in die Erscheinung. Der industrielle aber 
auch der Hausbrandkonsum ist in Bezug auf Streiks und 
zweckentsprechende Belieferung gesicherter denn je. Die 
Preisentwicklung darf ausserordentlich normal genannt 
werden. Aus all diesen Gründen ist eine Erneuerung 
des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats nur zu 
wünschen.“ Also selbst der Handel, der, so könnte man 
glauben, aus der Uneinigkeit der Produzenten Vorteile 
ziehen würde, erklärt sich für Ordnung und Organisation. 
Ganz richtig erwähnt derselbe Zentralverband bei einer 
anderen Gelegenheit, „dass dem grossen wie dem kleinen 
Kohlenverbrauch an einer erzwungenen spekulativen Be- 
tätigung des Handels kaum etwas liegen könne. ^ 


I 


— 122 — 

So hat das Kohleiisyndikat einen weittragenden, über- 
aus günstigen Einfluss auf die Entwicklung unseres natio- 
nalen Wirtschaftslebens ausgeübt. Wie steht es nun mit 
der wirtschaftlichen Bedeutung der Kohlenhandelsgesell- 
schiften, im besonderen des Kohleukontors? Welche 
\’o] teile die Errichtung dieser Absatzorgane des Syndikats 
ihn und dem beteiligten Handel brachte, sahen wir schon. 
Ab( r auch die Verbraucher haben sich durch diese Rege- 
lung des Absatzes der Syndikatsprodukte unleugbar manche 
Voizüge ergeben. War schon mit der Gründung des 
Syr. dikats in die Versorgung des Konsums eine gewisse 
Einlieitlichkeit getreten, und hatte sich seitdem die Preis- 
be\^egung ruhiger gestaltet, beides wesentliche Faktoren 
für den industriellen Kohlenverbrauch, so hat sich diese 
Absatz- und Preispolitik des Syndikats doch erst mit Hilfe 
der Handelsgesellschaften ganz durchsetzen können. Frei- 
lich hat es an Angriffen auf diese Organisationen nicht ge- 
fehl;, und hier und da mögen auch Klagen nicht unberech- 
tigt gewesen sein. Es ist aber auch erklärlich, dass Unter- 
neh .nungen von einer so grossen Bedeutung für das Ge- 
samtwohl nicht immer die Interessen, die Wünsche aller 
im bleichen Masse berücksichtigen können, sich vielmehr 
stet:: Unzufriedene finden werden. 

Interessant ist es auch, dass während die Urteile der 
Ver mancher, der Abnehmer der Handelsgesellschaften, über 
dies 2 im grossen ganzen günstig lauteten, ihnen manches 
Eob gespendet wurde, gerade in den Kreisen der Produ- 
zenten, der Zechen, abfällig urteilende Stimmen über sie 
laut geworden sind. Hier glaubte man den Grund eines 
zeitweiligen Rückganges des Absatzes in zu hohen Gewin- 
nen der Handelsgesellschaften erblicken zu müssen, wäh- 
renc die Ursache eben in der Abnahme des Bedarfs lag. 
Dem mit Preisherabsetzung allein lässt sich bei Kohlen 
in 2 eiten wirtschaftlichen Tiefstandes der Konsum nicht 
wecken. Dem Absatz der Syndikatskohlen sind übrigens 
die Angriffe aus dem eigenen Lager wenig dienlich gewe- 
sen. Sie waren nur zu geeignet, die Ansprüche der Ver- 


123 


braucher, die ohnedies bei rückgängiger Konjunktur in 
die Höhe zu gehen pflegen, über die Gebühr wachsen zu 
lassen. Mancher Uebergang zur Konkurrenz des Syndi- 
kats war nur die Folge. Damals traten auch Vorschläge 
auf, die Organisation der Handelsgesellschaften völlig um- 
zugestalten, aus den selbständigen Gesellschaften Unterab- 
teilungen des Syndikats zu machen. Offenbar wurde dabei 
aber zu wenig berücksichtigt, dass der in den Handelsge- 
sellschaften verkörperte Grosshandel es doch schliesslich 
war, der in Vorsyndikatszeiten den Ruhrprodukten zu Ab- 
satz verhelfen hat, mag er schliesslich auch damit vor allem 
seine eigenen Vorteile verfolgt haben. Ob dem Handel 
dieses moralische Recht auf unbegrenzte Zeit zusteht, ob 
er billigerweise auch dauernd Anspruch machen kann auf 
den ihm zufliessenden Zwischengewinn, ist allerdings eine 
andere Frage. Allerdings erheben sich dann wieder berech- 
tigte Zweifel, ob ein rein syndikatliches Organ mit, man 
möchte fast sagen, behördlichem Charakter im Stande 
wäre, den Vertrieb der Ruhrkohle mit demselben Erfolg 
zu besorgen, wie der beweglichere, den jeweiligen V erhält- 
nissen sich weit besser anschmiegende Grosshandel. 

Waren es also, wie gesagt, die Kohlenhandelsgesell- 
schaften, die eine den Intentionen des Syndikats entspre- 
chende Versorgung des Konsums erst durchzuführen ver- 
mochten, so gilt dies ganz besonders vom Kohlenkontor. 
Denn vor seiner Gründung waren infolge des grosseiiEinflusses 
der Schiffsfrachten auf die Preisgestaltung in Süddeutsch- 
land die Zustände auf dem Kohlenmarkt trotz Syndikat 
völlig verworren, und erst mit dem Kohlenkontor erhält 
der Markt eine festere Gestalt, erst jetzt verliert die Preis- 
bewegung ihren heftig schwankenden Charakter. Die beson- 
dere Bedeutung des Kohlenkontors, sein hoher wirtschaft- 
licher Wert liegt sodann in der weiteren Vereinfachung 
der Versorgung, in der Möglichkeit der Kostenverbilligung. 
Seine Einrichtungen gestatten ihm auch, nicht nur die 
Interessen der Produzenten, der Schiffahrt und des Han- 
dels wahrzunehmen, sondern auch — und dies ist umso- 


k 


124 




mehr zu betonen, als oft das Gegenteil behauptet worden 
ist -- den individuellen Bedürfnissen der \’erbraucher sich 
anzi passen und ihren Wünschen Rechnung zu tragen. Wie 
sich nun auch fernerhin die Verhältnisse gestalten mögen, 
den Kohlenhandelsgesellschaften, vornehmlich aber dem 
Kohlenkontor, ist ein grosser wirtschaftlicher Wert zuzu- 
sprezhen. Und ob diese Absatzorganisationen zweckmäs- 
sige" anderen Verkaufseinrichtungen Platz machen, darf 
als mehr wie fraglich erscheinen. 

Stehen, wie schon erwähnt, den Bestrebungen zur 
Erneuerung des Köhlens vndikats vor allem zwei grosse 
Hindernisse entgegen, einmal die Frage der Beteiligung und 
sonsdgen Stellung der Aussenseiter, in erster Linie des 
Ruh:fiskus, mit ihrer gewaltig gestiegenen Förderung, zum 
anderen die äusserst schwierige Hüttenzechenfrage, kommt 
es drrt darauf an, die jedenfalls nicht übermässig beschei- 
den iusfallenden Ansprüche und Sonderwünsche der neuen 
Zeel en auf ein angemessenes Mass zurückzuführen und 
mit len Gesamtinteressen und den wohlerworbenen Rech- 
ten der alten Syndikatsmitglieder in Einklang zu bringen, 
gilt iS hier, zwischen Hüttenzechen und reinen Zechen zu 
vernitteln und einen Weg zu finden, der billigen Forder- 
ungen beider Gruppen möglichst weit Rechnung trägt, so 
habe.i im Kohlenkontor die inneren Verhältnisse im 
Lauf; der Jahre, besonders aber in jüngster Zeit, derart 
einschneidende Aenderungen erfahren, dass sie bei einer 
Erneuerung des Kontors, das ja mit dem Syndikat zu 
End« geht, auf seine zukünftige Gestaltung unmöglich ohne 
erheblichen Einfluss bleiben können. Es wurde schon 
erwäint, dass an der Gründung des Kohlenkontors in 
erste " Linie die grossen Reederzechen wirksam beteiligt 
wäre i, und dass sie mit dem Syndikat im Kontor eine 
schon in der Besetzung des Aufsichtsrates zum Ausdruck 
kommende Vormacht-Stellung einnehmen. Wie überall im 
modernen Wirtschaftsleben so hat sich auch im Kohlen- 
kont('r die Konzentrationsidee durchgesetzt. Die in der 
Zusammensetzung des Kontors erfolgten Veränderungen 



125 


sind einerseits zurückzuführen auf Bestrebungen beteilig- 
ter Grossfirmen, durch Ankauf kleinerer Beteiligten ihre 
, Stellung zu befestigen — so gliederte sich Math. Stinnes 

nach und nach nicht weniger als 7 Firmen an mit einer 
Gründungsbeteiligung von zusammen 738 800 t — ander- 
seits aber, und zwar gerade in neuester Zeit, auf die Nei- 
gung grosser Syndikatszechen, zur Stärkung ihrer Position, 
besonders für den Fall der Nichterneuerung des Syndikats, 
an Kohlenhandels- und Reederfirmen sich anzuschliessen, 
für die hinwiederum in einer Verschmelzung mit Kohlen- 
gruben ebenfalls gro.sse Vorteile liegen, so vor allem der, 
bei einem etwaigen Aufhören des Kohlenkontors für den 
freien Wettbewerb Rückhalt an grossen Zechen zu besit- 
zen und für ihren SchifFspark eine dauernde, regelmässige 
Verwendung zu haben. Die Beteiligung an einer leistungs- 
fähigen Reederei oder gar der Erwerb einer solchen hat 
' für die Zechen eine weitere Bedeutung, dass sie dadurch 

die Mittel erhalten, die durch den demnächst in Betrieb 
kommenden Rhein-Herne-Kanal sich ergebende Möglich- 
‘ keit der Abfuhr ihrer Erzeugnisse auf dem Wasserwege 

bis zum Rhein und der Nordsee vorteilhaft zu benutzen. 
Aus dem Bestreben, unmittelbaren Einfluss zu gewinnen 
auf die Kohlenverschiifung und den Kohlenhandel, gingen 
ja auch bereits der Ankauf der Firma Gebr. Kaunengiesser 
durch die Harpener B.-A.-G. und die Angliederung von 
Raab, Karcher & Co. an die Gelsenkirchener B.-A.-G. 
hervor, welche beiden Vereinigungen nun ja schon weit 
zurückliegen. Erst in jüngster Zeit haben sich dann, offen- 
bar unter dem Eindruck der Schwierigkeiten bei den 
Syndikatserneuerungsverhandlungen. weitereVerschmelzun- 
gen vollzogen, welche die Aufstellung auf Seite 126 
näher bekennzeichnet. 

Das Beteiligungsverhältnis der beiden Gruppen im 
Kohlenkontor, hier der Reederzechen, dort der freien 
Reedereien oder Kohlengrosshandlungen, hat sich also 
ganz wesentlich verschoben. Wie aus der Aufstellung auf 
Zahlentafel 42 ersichtlich, stellt sich die Beteiligung der 


— 126 — 


Gesellschafter 

Vereinigt mit 

! Beteiligung 
(abl.IV. 13) 

\Vin‘ chermann & Co. 

Gewerkschaft König Ludwig 

289 800 t 

Fr. Wilh. Liebrecht 

Gutehoffnungshütte 

108 360 t 

H. Faul Disch 

Concordia 

162 120 t 

Gebi. Dörtelmann 

Constantin der Grosse 

104 160 t 

Staclielhaus & Buchloh 

yy 

257 600 t 

Ad. Thomae 

Ewald 

154 280 1 

Gert. Engels & Co. 

w 

73 640 t 

Jul. le Gruyter 

König Wilhelm 

280 000 t 

Heni enbruch & Haumann 
Ad. Harloff 

(Graf Bismarck mit 51% 

beteiligt) 

(Friedrich der Grosse mit 
25% beteiligt) 

87 920 t 
310 800 t 

Gg. ?eitz 
Jos. Schürmann 

i 

Köln-Neuessener B.-V. 

Arenberg’sche A.-G. für 
Bergbau- u. Hütten-Betrieb 

125 440 t 
70 000 t 


Ree lerzecheii, die ja freilich schon von Anfang an das 
Uebsrgewicht besassen, jetzt auf 84,6%, der Anteil der 
unabhängigen Firmen aber nur auf 15,4% der Gesamtbe- 
teili.,^ung. Ihre Bedeutung im Kontor ist somit auf ein 
Min:mum zusammengeschrumpft, zudem ist der x\ufsauge- 
Pro 2 ess wahrscheinlich noch nicht abgeschlossen. Wenn 
nun auch die Verschmelzungen — die übrigens nicht alle in 
der gleichen Form erfolgt sind — von Zechen mit Reeder- 
eien und Kohlengrosshandlungen in erster Linie Vorsorge 
treff m wollen lür eine etwa anbrechende syndikatlose Zeit, 
so s nd die von den Zechen hierfür notgedrungen aufge- 
wandten Geldmittel denn doch zu beträchtlich, als dass 
die ilamit erkauften \ orteile für den Fall der Nichterneue- 
rung des Kohlenkontors ein hinreichendes Aequivalent 
darsi eilten. Offenbar geht vielmehr mit dem Streben der 
Zect eil nach Unabhängigkeit in der Wasserverfrachtung 
ihrei Erzeugnisse Hand in Hand das Verlangen, bei einem 
Wiecierzustandekommen des Kohlenkontors sich einen 


127 


f Einfluss zu sichern auf die Geschäftsführung und Anteil 

zu haben an dem Gewinne dieser Handelsgesellschaft. Das 
. volkswirtschaftlich Bedeutsame in dem sich vollziehenden 

Umwandlungsprozess liegt nun daran, dass die Produzen- 
ten, die Zechen, längst schon, wie wir sahen, Beherrscher 
des Handels, jetzt auch den Wassertransport der Kohle 
in ihre Hände bekommen. In welcher Form auch das 
Kohlenkontor wieder erneuert werden mag, in ihm wird 
sich noch weit weniger als bisher der unabhängige Gross- 
handel, die selbständige Rheinschiffahrt verkörpern, sondern 
die Kohlenproduktion selbst. 

Dass dem Kohlensyndikat angehörende Zechen sich 
am Kohlenkontor beteiligte Reeder- und Kohlenhandels- 
firmen angliedern und die damit verbundenen grossen 
Geldopfer nicht glauben scheuen zu sollen, ist in Anbe- 
tracht der sich daraus zweifellos ergebenden Vorteile nur 

♦ verständlich. In noch höherem Masse aber als bei den 

I Syndikatszechen muss bei den aussenstehenden Gruben 

das Verlangen sich geltend machen, sich nach dieser Rich- 
. tnng für die nächste Zukunft zu sichern. Der bei weitem 

grösste der TVussenseiter, der preussische Ruhrfiskus, setzte 
denn auch das Bestreben der Stärkung seiner Stellung 
schon vor einigen Jahren in die Tat um, indem er 1911 
mit der Rhein- und Seeschiffahrts- Gesellschaft in Köln 
ein Abkommen traf, wonach er ihr für die Dauer von 7 
Jahren (vom 1. April 1912 ab) die Beförderung der in 
den staatlichen Gruben des Ruhrbezirks gewonnenen Koh- 
len insoweit übertrug, als für deren Absatz die Rhein- 
wasserstrasse in Betracht kommt. Bei dem Abschluss dieses 
übrigens für die Rhein- und Seeschiffahrts-Gesellschaft 
recht günstigen Transportvertrages sicherte sich der Fis- 
kus zugleich das Bezugsrecht auf die Mehrheit der Aktien, 
und von diesem Recht machte er schon sehr bald dar- 
nach Gebrauch. Die Bedeutung dieser Aktion ist um so 

* höher einzuschätzen, als mit der Rhein- und Seeschiffahrts- 
gesellschaft zwei andere grosse Transportunternehmungen 
Zusammenhängen, die Mannheimer Lagerhausgesellschaft 




~ 128 — 

unc. die xMaiiiiheimer Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft. 
De: preiissische Fiskus hat damit einen Schiffahrtskonzern 
unter seine Kontrolle gebracht, der über eine Rheinflotte 
voi 29 Schleppdampfern, 21 Güterbooten und 164 Schlepp- 
käl neu mit 150000 t Ladefähigkeit verfügt, und nimmt 
somit in der Rheinschiffahrt einen ersten Platz ein. Der 
Hauptzweck des Vorgehens des preussischen Bergfiskus 
wai offenbar der, seine Stellung auch im Kohlenverkehr 
auf dem Rhein zu verbessern, dies zumal im Hinblick auf 
die bevorstehenden Verhandlungen zur Erneuerung des 
Syi dikats und des Kohlenkontors. Dass der Fiskus so 
rasdi Zugriff und die Aktienmehrheit erwarb, wird wohl 
mit in der Besorgnis zu suchen sein, dass ein grosses 
Unlernehmen der Kohlen- und Eisenindustrie, nämlich die 
Del tsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten - Aktien - 
Gesellschaft sich die Rhein- und Seeschiffahrtsgesellschaft 
angliedern werde. Tatsächlich hat jetzt neben dem Fis- 
kus diese Montanunternehmung kraft ihres beträchtlichen 
Aktienbesitzes — mehr als 1/4 — ebenfalls grossen Einfluss 
auf die Leitung der Rhein- und Seeschififahrtsgesellschaft. 
Diesem nicht nur für den Kohlentransport und Kohlen- 
handel als auch überhaupt für die weitere Entwicklung 
der Rheinschiffahrt so wichtigen Zusammenschluss folgte 
bak ein zweiter, nämlich die Interessen- Vereinigung der 
Rhunschiffahrts-Aktien-Gesellschaft vorm. Fendel und der 
Bad Aktien-Gesellschaft für Rheinschiffahrt und Seetrans- 
pori , zn denen noch die Speditions- und Schiffahrts-Firma 
Theodor Fügen in Ludwigshafen a. Rh. gehört. Dieser 
Koi zern besitzt 31 Schleppdampfer, 4 Güterboote und 180 
Sch eppkähne mit 202 875 t Ladefähigkeit. Hat bei der 
Rhein- und Seeschiffahrtsgesellschaft der preiissische Berg- 
fiskus das Uebergewicht, so steht hinter dem anderen 
Kor zern der badische Staat, der zwar keine Aktien er- 
wor )en, sich aber ein dahingehendes Optionsrecht gesichert 
hat. Geldlich hat sich Baden insofern an der Vereinigung 
beteiligt, als es der vermittelnden Bank die erforderliche 
Suirme zu 3 V 2 ®/o zur Verfügung stellte. Offenbar leitet 



r 




129 


hierbei den badischen Staat die Absicht, gleich dem preus- 
sischen Fiskus im Rheinschiffahrtsverkehr ein Wörtlein 
mitsprechen zu können, und es erscheint nun auch nicht 
verwunderlich, wenn auch Bayern für die Wahrung sei- 
ner Interessen an der Rheinschiffahrt — wobei vor allem 
auch die Förderung des Aschafifenburger Umschlags nach 
Durchführung der Mainkanalisierung ins .Luge gefasst ist 
— zu sorgen bemüht ist, und zwar geschieht dies durch den 
Konzern, in dessen Mittelpunkt die Schiffahrtsgesellschaft 
„Rhenania“ steht. Diese Gruppe verfügt über 6 Schlepp- 
dampfer, 35 eigene und 40 dauernd angemietete Kähne 
mit einer Ladefähigkeit von 98000 Tonnen. Der bayr. 
Staat förderte den Zusammenschluss durch Gewährune 

O 

eines niedrig verzinslichen Darlehens von 2 Millionen 
Mark. Den Einfluss zu schildern, den die genannten 
drei Schiffahrtsgruppen auf die zukünftige Gestaltung der 
Rheinschiffahrt ausüben müssen, vor allem auch auf das 
finanzielle Ergebnis, das bisher im ganzen sehr unbe- 
friedigend war und eine Besserung dringend erheischt, 
geht über den Rahmen dieser Abhandlung hinaus. Hier 
interessiert in erster Linie, inwieweit der Kohlentransport 
auf dem Rhein durch diese Konzentration in der Schiff- 
fahrt berührt wird. Dass der Anschluss des preussischen 
Fiskus an die Rhein- und Seeschiffahrtsgesellschaft vor- 
nehmlich dem Bestreben entsprang, für die Erzeugnisse 
der staatlichen Ruhrzechen eine vorteilhafte Beförderunp-s- 

o 

möglichkeit auf dem Rhein zu sichern, darauf wurde schon 
hingewiesen. Dem Zusammenschluss der Rheinschiffahrts- 
gesellschaft vorm. Fendel und der Bad. Aktien-Gesellschaft 
für Rheinschififahrt und Seetransport ging aber die Anglie- 
derung ersterer Gesellschaft an die Kohlengrosshandlung 
M. Stromeyer, Lagerhausgesellschaft, Konstanz, die grösste 
aussersyndikatliche Ruhrkohlen vertreibende Firma Süd- 
deutschlands, voraus. Es ist selbstverständlich, dass auch 
sonstige ausserhalb des Syndikats stehende Ruhrzechen 
einerseits und an dem süddeutschen Geschäft interessierte 
Kohlengrosshandlungen anderseits für alle Eventualitäten 


9 


130 


sich vorzusehen besorgt sind. Freilich ist von diesbezüg- 
lich m Bestrebungen oder gar Massnahmen bislang nur 
wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen. Man darf aber 
mit Bestimmtheit annehraen, dass die in Betracht kommen- 
den Interessenten nicht die Hände im Schoss ruhen lassen. 
Er\% ähnt mag werden, dass auch die Beförderung der Erzeug- 
niss j der Zeche Diergardt seinerzeit der Rhein- und SeeschifF- 
fahrisgesellschaft vertraglich übertragen wurde. Zu beach- 
ten st ferner, dass einzelne Aussersyndikatszechen Mitglie- 
der! des Syndikats und des Kohlenkontors nahestehen, 
so z B. Lohberg, die Thyssen bezw. der Gewerkschaft 
Deuischer Kaiser gehört, an deren Rheinhafen sie auch 
ang( schlossen ist. Die jüngst ins Leben gerufene Thyssen’- 
sche Handelsgesellschaft in Bruckhausen soll offensichtlich 
vor allem dem Zweck dienen, die Produktion mit dem 
Transport und auch dem Handel in enge Verbindung zu 
bringen und sie unabhängigzu machen von anderen Reede- 
reien. Eine der bedeutenderen nicht zuraS yndikat und 
Kohlenkontor in Beziehung stehenden, aber auch Ruhr- 
koh en vertretenden Kohlengrosshandlungen, die Firma 
Hansen & Neuerburg in Strassburg, sucht ihre Stellung 
zu \erbessern durch Einrichtung einer Reederei und Aii- 
schl ISS an eine Frankfurter Aussenseiterfirma. Also überall 
Bestrebungen der beteiligten Kreise, sich zu rüsten für 
die Zukunft, in erster Linie für den Fall der Nichterneue- 
runt des Kohlenkontors .Hier mag darauf hingewiesen 
werc en, dass der Vertrag des Bergfiskus mit der Rhein- 
und Seeschiffahrtsgesellschaft durchaus nicht als eine Vor- 
bere tung oder Erleichterung des Anschlu.sses der staatli- 
cher Ruhrzechen an das Syndikat und das Kohlenkontor 
angesehen werden darf, im Gegenteil, er i.st nur zu geeig- 
net, Schwierigkeiten in die Verhandlungen hineinzutragen. 
Wie seinerzeit schon vor Gründung des Kohlenkontors 
der 11 Betracht kommende Grosshandel, lediglich um sich 
eine möglichst hohe Beteiligungsziffer zu sichern, Geschäfte 
um _ eden Preis zu machen suchte, wenn auch noch so 
gros: e Verluste damit verbunden waren, so hat sich auch 


— 131 — 

in der jüngsten Zeit auf dem süddeutschen Kohlenmarkt 
ein gleiches Bestreben bei jetzt noch abseits stehenden 
Firmen bemerkbar gemacht, denn anders sind die zu wirk- 
lichen Verlustpreisen getätigten Verkäufe nicht zu erklären. 

Wie schon erwähnt, ist die Produktion der dem Kohlen- 
syndikat fernstehenden Ruhrzechen in den letzten Jahren 
ganz gewaltig gestiegen, und zwar gilt dies nicht allein 
vom Fiskus. Das rasche Wachstum der Aussenseiter, der 
immer gefährlicher werdende Wettbewerb musste natur- 
geniäss beim Syndikat den Wunsch einer Einigung mit 
diesen auslösen. Die dahin zielenden im Jahre 1911 auf- 
genommenen Bestrebungen verliefen zuerst ergebnislos, 
nicht etwa dass auf der Gegenseite keine grundsätzliche 
Neigung zu einer Verständigung vorhanden gewesen wäre, 
nein auch hier war man sich der Nachteile der scharfen 
Konkurrenz, die zu befriedigenden Erträgnissen nicht füh- 
ren konnte, wohl bewusst. Wunsch und Wille, dem Wett- 
bewerb ein Ende zu machen, war auch hier vorhanden. 
Die Verhandlungen scheiterten vielmehr zunächst an den 
Forderungen einiger Gruben. Aber schon bald darnach, 
zu Anfang des Jahres 1912, kam eine Einigung zustande 
in der Gestalt eines Verkaufsabkommens des Syndikats 
einerseits und anderseits des Fiskus sowie der Zechen 
Auguste Victoria, Brassert, Hermann, Trier, denen sich 
nach und nach noch Emscher-Lippe, Teutoburgia. \’ic- 
toria (Lünen), Westfalen, Maximilian, Fürst Leopold, Jakobi 
zugesellten. Wie hoch der Wert dieser Verständigung zu 
veranschlagen ist, erhellt allein schon aus der Tatsache, 
dass der Fiskus im Jahre 1913 nahezu 4»/2 Millionen t 
Kohlen förderte und IV 2 millioneii t Koks herstellte. Die 
Förderung der vorgenannten an dem Abkommen beteilig- 
ten privaten Gruben betrug 1913 über 5 Millionen t Kohlen 
und die Kokserzeugung 1.34 Millionen t. Freilich der 
P'riede zwischen Fiskus und Syndikat war nur von kurzer 
Dauer, schon im Spätherbst desselben Jahres entschloss 
sich der preussische Handelsminister von der Erneuerung 
des Verkaufsabkommens abzusehen. Den Anlass dazu gab 



ä 


— 132 — 

ihm die vom Kohleusyndikat für 1913/14 vorgeuommeiie 
Preiserhöhung, die er nicht billigen zu können meinte. 
Die anderen Zechen hielten dagegen an dem natürlich nur 
ein Provisorium darstellenden und den endgültigen Aii- 
schl .ISS ans Svndikat vorbereitenden Abkommen fest, und 
eiuii'-e weitere schlossen sich, wie schon bemerkt, ihm 
später noch an. 

Der Absatz der Produkte des Fiskus sowie der privaten 
.•\us,;ersvndikatzechen, die dem Verkaufsabkommen nicht 
beigätreten sind, erfolgt nur zum kleinen Teile direkt, in 
der Hauptsache aber durch den Handel. So hat z. B. die 
Zeche Friedrich Heinrich zwei Verkaufsgesellschaften ge- 
grüi.det im Verein mit einigen Kohlenhandlungen. Eine 
grosse Kohleiihandelsfirma, die neuerdings auch im schlesi- 
schen Kohlenhandel Bedeutung erlangt hat, Wulff & Co. 
in Düsseldorf, hat die Jahresproduktion verschiedener 
aussenstehender Zechen für lange Jahre aufgekauft, eine 
andere Zeche direkt erworben. Der Ruhrfiskus brachte 
im Jahre 1913 77,30/o seiner Kohlenförderung und 68,6 % 
sein sr Koksproduktion durch den Handel ln den Konsum, 
und nur 9,7 o/q bei Kohlen und 29,8 o/q bei Koks lieferte 
er auf Grund direkter Verträge mit den Verbrauchern, der 
Res' von 13 o/q Kohle und 1,6 o/q Koks stellt den Absatz 
an ‘ taatliche Betriebe dar. Hieraus ist ersichtlich, welche 
Bed mtung für den Ruhrfiskus noch der unabhängige Handel 
hat, ganz im Gegensatz zum Saarfiskus, bei dem er nur 
eine untergeordnete Rolle spielt, während der mit dem 
Syn likat in Verbindung stehende Handel von ihm ab- 
hängig ist. Die Verhandlungen zwischen Kohlensyndikat 
und Ruhrfiskus zum Zwecke der Uebernahine des Vertriebs 
der fiskalischen Erzeugnisse durch jenes haben für Süd- 
deul schland noch die besondere Bedeutung, als damit Hand 
in Ifand ging der Versuch einer Einigung im Saarbezirk. 
Bevor dieser noch ungelösten Frage, die für die Kohlen- 
vers^rgung Süddeutschlands von höchster Bedeutung ist, 
nähi irgetreten wird, sei einigen Angaben über die Organi- 
satic n des Saarkohlenhandels Raum gegeben. 


133 


* Den weit überwiegenden Anteil an der Kohlenförderung 

im Saargebiet — auch im weiteren Sinne verstanden, also 
unter Einbeziehung der Lothringer und Rheinpfälzer Gruben 
— hat der preussische Fiskus. Von der Kohlengewinnung 
im engeren, eigentlichen Saarbezirk in Höhe von rund 
I2V2 Millionen t im Jahre 1912 entfielen fast 97 o,q auf die 
staatlichen Zechen, den kleinen Rest lieferte die Privat- 
grube Hostenbach. Die Produktion der lothringischen 
Zechen betrug im gleichen Jahre stark 3 f '2 Millionen t, 
während der Pfälzer Bergbau nahezu 800 0(X) t förderte. 
Der Verkauf der fiskalischen Kohlen erfolgt nun durch 
das Handelsbüro der Kgl. Bergwerksdirektion in Saar- 
brücken. Wie schon oben erwähnt, geschieht der Absatz 
vornehmlich auf direktem Wege, und nur etwa ^ 4 der 
Produktion wird durch Vermittlung des Handels in den 
' Konsum übergeleitet. Dieses sehr im Gegensatz zu dem 

• I . Verfahren des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats 

stehende Svstem erklärt sich nicht etwa daraus, dass den 
Fiskus ein allgemein wirtschaftliches Alotiv, etwa das, 

. I . durch Ausschaltung des Zwischenhandels den Preis für 

den Verbraucher billiger zu gestalten, leitete — an der 
Ruhr bedient sich, wie schon bemerkt, der Fiskus im über- 
wiegenden Masse der Vermittlung des Handels — , als viel- 
mehr durch das viel engere natürliche Absatzgebiet des 
fiskalischen Saarbergbaues, der die Hauptmenge seiner 
Förderung in nächster Nähe bei der hochentwickelten 
Industrie unterzubringeu vermochte, den Handel also zum 
guten Teil entbehren konnte. Nachdem aber der preussische 
I Saarfiskus durch die heftige Konkurrenz der Lothringer 

Gruben im näheren Absatzgebiet in den letzten Jahren 
sich gezwungen sah, weiter entfernte Märkte aufzusuchen, 
scheint er mehr als früher den Handel als Vermittler in 
Anspruch nehmen zu müssen. Das lassen auch die Angaben 
über den Absatz der staatlichen Saargruben erkennen, 

* ’ • wonach der Anteil des Handels — einschl. Hausbedarf — 

1910 21,040/0, 1911 22,510/q, 1912 25,210/q des Gesamt- 
absatzes betrug, also eine nicht unbeträchtliche Zunahme 






134 


erfal ren hat. Es liegt in der Natur der vSaclie, dass der ' 

Handel au den Eieferuugen in das weitere Absatzgebiet 
viel stärker beteiligt ist als an den in das engere. Der , 

Ausl indsabsatz erfolgt erklärlicherweise ebenfalls durch 
\ en littlung grosser Handelsfirmen. Während beim Kohlen- 
Sync ikat und Kohleukontor als Vorbedingung für den 
unm ttelbareu Verkehr der Abschluss bestimmter Miudest- 
jahresmengen gilt, kennt das Saarbrücker Haudelsbüro 
keine solche Mindestgrenze, sondern liefert au Private 
jedes beliebige Quantum von 10 t an, freilich zu den sogen. 
„Tagespreisen“, die höher sind, als die „V^ertragspreise“ 
oder „festen Preise“, wobei natürlich überhaupt. Voraus- 
setzung ist, dass dem Büro noch freie Mengen zu Gebote 
stein n. Offenbar um den Handel anzuspornen zur Steigerung 
seiner Verkaufsbemühuugen, gewährt der Saarfiskus seit 
dem 1. Januar 1912 dem Kleinhandel bei dem Absatz von 
Mine estmengen Nachlässe und stellt anderseits seine Preise *f • 

tür \ erkäufe an Private so, dass der Handel sich genügend 
betätigen kann und ihm ein angemessener Gewinn ver- 
bleibt. Wie das Syndikat, so legt auch die Bergwerks- • 

direftion Saarbrücken ihren Grosshändlern die Verpflich- 
tung auf, die besonderen Konkurrenzerzeugnisse, hier vor- 
uehndich lothringer und pfälzer Kohlen, nicht zu ver- 
treib 211 . Auch sonst decken sich — wenigstens in den 
Hauj tpunkten — die Verkaufsbedinguiigen des Saarbrücker 
Hane elsbüros mit denen des Kohlen-Syndikats, sind indes 
in mancher Hinsicht schärfer gefasst als diese, so bezüglich 
der Zuteilung und Abnahme, sowie auch der Kautions- 
stelh ng. Einem unwirtschaftlichen, unzweckmässigen Wett- 
bewerb der Grosshändler untereinander wird auch im Saar- j 

kohh nhandel durch Festsetzung bestimmter Miudestauf- ) 

schläg^e beim Weiterverkauf vorgebeugt. ' 

Oie einzige private Saarkohlengrube, die schon er- 
wähn :e Zeche Hostenbach mit etwa 200000 t Förderung, 
ist Eigentum der Familie Röchling. Für diese Zeche sowie * « 

auch für die Saar- und Mosel-Bergwerksgesellschaft in 
Eoth; Ingen, Besitz von Thyssen und Hugo Stinnes, ist der 


135 


Vertrieb gegeben durch die Kohlenhandelsfirmen Gebr. 
Röchling und Hugo Stinnes, die beide an den Haupt- 
plätzen Süddeutschlaiids Niederlassungen besitzen, die teil- 
weise aus aufgekauften Kohlenhandlungen bestehen und 
noch deren alte Firmenbezeichnungen tragen. Der Gross- 
haiidel' ist es auch, der vornehmlich die Erzeugnisse der 
anderen Lothringer Zechen und der Pfälzer Gruben — welch 
letztere übrigens teilweise Staatsbesitz darstellen — in den 
Verbrauch überleitet. Zur besseren Bearbeitung des süd- 
deutschen und auch des Schweizer Marktes haben sowohl 
die de Wendel’sche Grube in Klein-Rosseln als auch die 
Bergwerksgesellschaft La Houve in Kreuzwald besondere 
Verkaufsbüros in Strassburg eingerichtet. 

Im Aachener Bezirk bestanden lange Jahre zwei Gross- 
betriebe nebeneinander: die Vereinigungsgesellschaft für 
Steinkohlenbau im Wurmrevier zu Kohlscheid und der 
Eschweiler Bergwerksverein, von denen dieser lediglich 
Industriekohlen, jene aber fast ausschliesslich Hausbrand- 
kohlen förderte. Erfolgte deshalb auch kein eigentlicher 
Wettbewerb zwischen den beiden Betrieben, so hat die Er- 
wartung, durch eine Fusion die Erträgnisse steigern zu 
können, hier zu einer Vereinigung geführt, die sich 
Mitte 1906 vollzog, wo die Kohlscheider Gesellschaft 
in dem Eschweiler Bergwerksverein aufging. Ausser 
dieser grossen Besitzeinheit mit fast 3 Millionen t Förderung 
und fast 1 Million t Koks- und 100000 t Briket-Produktion 
ist im Aachener Revier noch von Bedeutung die Zeche 
Nordstern mit etwa 1/2 Million t Förderung. Der wie schon 
bemerkt im Verhältnis zur Ruhr und Saar nur geringe 
Vertrieb der Aachener Kohlen in Süddeutschland erfolgt 
ausschliesslich durch den Handel. 

Wie oben erwähnt, hat bei den Verhandlungen des 
Kohlen-Syndikats mit dem Ruhrfiskus und den sonstigen 
aussenstehenden Zechen im Jahre 1911 und später eine 
grosse Rolle die Frage der Regelung der Verhältnisse im 
Saarbezirk gespielt. Ist an der Ruhr der preussische 
Staatsbergbau dem Syndikat ein höchst unbequemer Kon- 





— 136 — 

kur: ent geworden, so hat er umgekehrt an der Saar stark 
zu 1 iiden unter dem Wettbewerb der mächtig aufstrebenden 
und mit allen Mitteln Absatz suchenden Lothringer Gruben, 
der sich hinwiederunm auch für das Kohlenkontor nicht 
weniger unangenehm bemerkbar macht. Der Wunsch, auch 
hier zu einer Verständigung zu gelangen, musste also und 
muss auch heute noch auf beiden Seiten sich geltend 
machen. Den Lothringer Gruben, die, wollen sie ihren 
Absitz weiter ausdehnen, dies nur mit Preiskonzessionen 
kön len, muss im Interesse einer günstigen finanziellen 
Ent vicklung an einem solchen Abkommen ebenfalls sehr 
gelegen sein. Die wiederholten Verhandlungen in diesem 
Sini e haben freilich zu einem Ergebnis nicht geführt- 
Sie scheinen seinerzeit weniger an den Forderungen der 
Saa: - und Mosel-Bergwerksgesellschaft gescheitert zn sein 
als an der Stellung der Firma de Wendel, die in Loth- 
ringen die über 2 Millionen t fördernden Gruben von 
Kle:n-Rosseln besitzt, aber auch im Ruhrgebiet eine sehr 
entvdcklungsfähige Zeche ihr eigen nennt, die für ein Ab. 
kon men mit dem Syndikat bislang nicht zn haben war. 
Nacidem der preussische Handelsminister von dem Ver- 
kau sabkommen mit dem Syndikat nach verhältnismässig 
kur; er Zeit schon zurücktrat, erfuhren natürlich die Be- 
strebungen, im Saargebiet eine Verständigung herbei- 
zuführen, wieder ein starkes Hemmnis. Dass der Fiskus, 
tritt er endgültig dem Syndikat bei, die Einbeziehung der 
Saal gruben in irgend einer Form und die Regelung des 
Abs itzes der Kohlenproduktion im Südwesten Deutschlands 
zur v^oraussetzung machen wird, ist mehr als wahrschein- 
lich Man wird also alles daransetzen müssen, auch diese 
Frage in einer allen Beteiligten gerecht werdenden Weise 
zu 1 3sen, und es steht zu hoffen, dass man der mancherlei 
Schwierigkeiten Herr werden wird. Dass eine den ge- 
sam en westdeutschen Kohlenbergbau, also unter Einschluss 
der Aachener Gruben und vielleicht auch des Kölner 
Brat nkohlenbezirkes, umfassende Organisation zu stände 
kouimeii wird, ist freilich einstweilen kaum zu erwarten, 


137 


obschou dies fast als eine wirtschaftliche Notwendigkeit 
erscheinen möchte. 

Die wachsende Bedeutung des rheinischen Braunkohlen- 

I • ^ 

brikets für die Kohlenversorgung Süddeutschlands ist in 
den vorhergehenden Abschnitten schon gezeigt worden. 
Jetzt auf die Verkaufsorganisation des Kölner Braunkohlen- 
bergbaues näher einzugehen, ist umso mehr angezeigt, als 
es diesem nie gelungen wäre, in einem so überraschend 
schnellen Masse auf dem süddeutschen Kohlenmarkt festen 
Fuss zu fassen und sich von Jahr zu Jahr einen immer 
grösseren Anteil an der Brennstoffversorgung des südlichen 
Deutschlands zu sichern, hätten ihm nicht die weitblickenden, 
grosszügigen Massnahmen seiner Organisation, des Kölner 
Braunkohlen -Briket-Verkaufsvereins, den Weg gebahnt. 
Vorbedingung hierfür war natürlich erst die Verarbeitung 
der, wie gesagt, für den Transport auf grössere Entfernungen 
. ♦ ungeeigneten Rohkohle zu Brikets, die im rheinischen 

Bezirk Anfang der 1880er Jahre aufgenommen wurde, 
sich aber erst nach und nach auf den verschiedenen Gruben 

, , durchsetzte. Aehnlich wie das Kohlensvndikat ist auch 

0' 

der Braunkohlenbriket -Verkaufsverein aus loseren Vereinen, 
aus Zusammenschlüssen mehrerer Gruben für einen gemein- 
samen Zweck hervorgegangen. 1899 gegründet und 1902 
erweitert, ist er 1904 neugebildet und seine Dauer 
bis zum 31. März 1915 bestimmt worden. In seinem 
inneren Aufbau — dies gilt auch für das jüngst gegründete, 
am 15. April 1915 in Kraft tretende neue Braunkohlen - 
Briket-Svndikat — hat der Briketverkaufsverein freilich 
einen erheblichen Vorteil aufzuweisen gegenüber dem 
Essener Syndikat, der in der viel geringeren Besitzverteilung 
besteht, da im rheinischen Braunkohlenbergbau im Laufe 
der Jahre eine noch weit stärkere Konzentration der Be- 
triebe stattgefunden hat als im Ruhrbezirk. An der Briket- 
herstellung sind im KölnerVerkaufsverein zwei Grossbetriebe 
• » — die Briketwerke Roddergrube und die Rhein. Act.-Ges. 

für Braunkohlenbergbau und Briketfabrikation — mit über 
650/y beteiligt, wodurch deren gewaltige L'ebermacht deut- 

r » 



138 


Hch LU die Erscheinung tritt. Im neuen Syndikat ist ihre 
Bete liguiig durch die Zubilligung höherer Ziffern au die 
anderen und das Hinzutreten neuer Betriebe freilich nicht 
ineh • ganz so gross (1650000 t und 2 600000 t bei einer 
Gess mtbeteiligung von 8410000 t), immer aber noch geben 
die jeiden Werke den x^usschlag. Das muss natürlich 
in e ner viel grösseren Beweglichkeit des Verkaufsvereius 
und demnächstigen Syndikats zum Ausdruck kommen, als 
das .^uhrsviidikat sie besitzt, in dem weit mehr Einzel- 
intei essen zu berücksichtigen und, was schlimmer, weit 
grös ;ere Gegensätze auszugleichen sind. Dass die Konzen- 
trati )nsbewegung noch nicht abgeschlossen ist, darf wohl 
mit Sicherheit angenommen werden. Dass die Entwicklung 
mit dem Zusammenschluss aller Werke zu einem einzigen 
Untt rnehnien schliesslich endigen wird, wenn darüber 
allerdings auch noch manche Jahre hingehen mögen, ist 
nich: nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich. 

Die Geschäft.spolitik des Kölner Bramikohlen-Briket- 
Verkaufsvereins kann hier natürlich nicht im einzelnen 
behi udelt werden, wohl aber seien die Hauptmomente 
her\ orgehoben, denen die staunenswerten Erfolge dieser 
Org anisation, die in hervorragendem Masse auch Süd- 
deulschland berühren, zu verdanken sind. Die beiden 
Hauptfaktoren liegen einmal auf technischem und zum 
andern Male auf kaufmännischem Gebiete, hier in dem 
Verhältnis des Verkaufsvereins zum Handel, dort in seiner 
technischen Betätigung. Wenn auch der Briketverkaufs- 
verein in Industriebrikets mit grösseren Verbrauchern un- 
mittelbar Lieferungsverträge abschliesst, so erfolgt der Ver- 
triel I der Hausbrandbrikets doch ausschlie.sslich durch den 
Hardel. Die in früheren Jahren vom Verkaufsverein vorge- 
non: mene Abgabe von Brikets an die Kundschaft aus eigenen 
Lag irn geschah nur da, wo ihm kein geeigneter Ortshändler 
zu Gebote stand und er deshalb selbst zur Einführung der 
Bril; ets schreiten musste. Solche Lager bestanden unter 
anderen in Mannheim, Heidelberg und Pforzheim. Diese 
Art des Absatzes stellte nur eine vorübergehende Mass- 


r 


139 


nähme dar, die auch die gewünschten Ergebnisse 
hatte. Von den vom Briketverkaufsverein ähnlich wie 
vom Kohlen-Syndikat eingerichteten Vertriebsgesellschaften 
käme für Süddeutschland eigentlich nur die in Trier, 
deren Absatzgebiet sich bis nach Elsass-Lothringen er- 
streckt, in Betracht. Eine Abgrenzung von Verkaufs- 
gebieten, wie das Essener Syndikat sie seinen Händlern 
zuweist, hat der Briketverkaufsverein sonst in Süddeutsch- 
land nicht vorgenommen. Die Händler besitzen also eine 
grössere Bewegungsfreiheit und auch völlige Selbständig- 
keit, die auch durch die Lieferungsbedingungen — hierher 
gehört die Vorschrift bestimmter Mindest- und Höchst- 
preise — nur eine unwesentliche Beeinträchtigung erfährt. 
Ganz anders liegen freilich auch die Verhältnisse beim 
Rheinisch -Westfälischen Kohlen-Syndikat und beim Kölner 
Braunkohlen -Briket- Verkaufs verein ; dort handelt es sich 
um ein altes bekanntes Erzeugnis, dessen Absatz an sich 
im allgemeinen keinen grossen Schwierigkeiten begegnet, 
sofern nicht etwa preisliche Verhältnisse ihn erschweren, 

. hier kommt eine gerade in Süddeutschland vielfach 

ganz unbekannte Kohlensorte in Betracht, deren Ein- 
führung und Verbreitung oft sehr von dem mit den Ver- 
brauchern in enger Fühlung stehenden Handel abhängt. 
Die Verhältnisse sind also sehr verschiedener Art und 
dürfen nicht ohne weiteres mit einander verglichen werden. 
Immerhin lässt sich nicht verkennen, dass die Geschäfts- 
handhabung des Briket -Verkaufsvereins den Händlern 
gegenüber sich bewährt und in einer wesentlichen Absatz- 
steigerung seinen sichtbaren Ausdruck gefunden hat. 
Die auf technischem Gebiete ruhenden Massnahmen des 
Briket -Verkaufs Vereins bestehen vor allem in der Auf- 
klärung der Kundschaft über die vorteilhafte Verwendung 
des Brikets, kostenlosen Heizversuchen mit Brikets, der 
praktischen Unterweisung im Verbrauch der Brikets, der 
' Ueberwachung der briketverwendenden Betriebe, was alles 

in der Hauptsache durch die eigenen Ingenieure des 
Vereins geschieht. Hierher gehören auch Vorträge von 




— 140 — 

Fachleuten, die Propaganda durch Flugblätter und sonstiges 
Re damematerial, das den Händlern zur Verfügung gestellt 
wh d, ferner aber auch die Beeinflussung der Industrie zur 
Herstellung geeigneter Oefen, Kesselanlagen etc., Unter- 
suchungen über die Verwendbarkeit der Oefen usw. Als 
Massnahmen technischer Art sind ferner anzusprechen die 
du3 ch den Verein bewirkten Verfrachtungen auf dem 
Wi sserwege, womit im Zusammenhang stehen die Be- 
mrhungen, die ökonomischste Umschlagsart zu ermitteln, 
die Einrichtung von Stapelplätzen mit Vorrichtungen zur 
Sicherung der Lagervorräte durch geeignetes Lagern. 
Alls diese Momente zusammenfasseud, darf man also sagen, 
dass erst die besondere Geschäftshandhabung des Brauu- 
kohlen-Briket-Verkaufsvereins wie anderswo, so besonders 
aiK h in Süddeutschland eine gewaltige Steigerung des 
x\b Satzes herbeigeführt hat. Die rheinische Braunkohle 
ist auf dem süddeutschen Kohlenmarkt ein Faktor ge- 
worden, mit dem sehr gerechnet werden muss. Wie schon 
er\^ähnt, ist es gelungen, den rheinischen Braunkohleu- 
beigbau für einen weiteren Zeitraum zusammenzuhalten. 
Im März dieses Jahres ist die Erneuerung der Verkaufs- 
gemeinschaft auf neuer, erweiterter und gesunderer Grund- 
lage zu Stande gekommen, und zwar gleich auf 15 Jahre. 
Von den Veränderungen gegen heute mag nur die wichtigste 
er\'ähnt werden, das ist die Trennung des jetzigen Briket- 
Ve .'kaufsvereins in zwei Organisationen, von denen die eine, 
die Vereiniguugsgesellschaft rheinischer Braunkohlenberg- 
werke m. b. H., auf unbestimmte Zeitdauer gegründet, die 
jet;;t im Besitz des Verkaufsvereins befindlichen Vermögens- 
werte (Grubenfelder, Umschlagplätze, Hafenanlagen, Ver- 
lad eeinrichtungen, Wertpapiere, die Briketfabrik Türnich ) 
vei walten, gegebenenfalls auch vermehren und ausgestalten 
sol . Die eigentliche Verkaufstätigkeit wird indes vom ' 
1. April 1915 ab eine neue Körperschaft, das Rheinische 
Brc unkohlen-Briket-Syndikat in Köln, ausüben. Nachdem 
es so gelungen ist — freilich nach Ueljerwindung ganz 
erl eblicher Schwierigkeiten — , den gesamten rheinischen 




141 


Braunkohlenbergbau zu einigen, ist zu erwarten, dass dieser 
auch fernerhin eine kräftige Entwicklung nehmen wird. Dass 
er be.strebt sein wird, das süddeutsche Geschäft auch in Zukunft 
besonders zu pflegen und auszudehneu, ist zweifellos. Dies zu 
erreichen, besitzt er von nun ab noch grössere Mittel als bisher. 

Wird die Gestaltung des Vertriebes der Erzeugnisse 
der verschiedenen im vorstehenden behandelten Kohlen- 
gewinnungsstätten in der Hauptsache durch die Massnahmen 
der Verkaufsorganisationen (Kohlensyudikat, Kohlenkontor, 
Brauukohlen-Briketverkaufsverein) oder der grossen Besitz- 
einheit des preussischeu Fiskus im Saargebiet bestimmt, 
so ist es vornehmlich der selbständige Grosshandel, 
der für die sonst noch an der Kohlenversorgung Süd- 
deutschlands beteiligten Bergbaubezirke hier den Absatz 
vermittelt. Dies gilt sowohl im Westen für die Einfuhr 
aus Belgien, Holland, Frankreich, England, wie im Osten 
für die Erzeugnisse Böhmens, Sachsens, Schlesiens, Thü- 
ringens. Freilich bestehen in einigen dieser Bergbaugebiete 
ebenfalls Produzentenvereinigungen. Ihnen kommt indes ja 
bei weitem nicht die Bedeutung zu wie etwa dem Rheinisch- 
Westfälischen Kohleu-Syndikat. Erwähnt sei nur die ober- 
schlesische Kohlenkonvention, die aber bekanntlich kein 
festgeschlossenes Kartell darstellt, auch nicht den eigent- 
lichen Verkauf der Erzeugnisse ihrer Alitglieder besorgt, 
vielmehr nur die Höhe der Produktion regelt und Bestim- 
mungen über Mindestverkaufspreise trifft, welche zudem 
auf die Preisgestaltung im weiteren, umstrittenen Absatz- 
gebiet (hier also in Bayern) kaum von Einfluss sind. Ueber- 
dies konzentriert sich aber auch der überwiegende Teil 
des Absatzes der Konventionszechen in den Händen zweier 
Kohlengrosshandlungen, der Firmen Cäsar Wollheim und 
E. Friedländer & Co. Diese beiden Firmen nehmen auch 
an den Verhandlungen der Konvention mit beratender 
Stimme teil und sie sind es recht eigentlich, von denen 
der Umfang der Absatzmengen abhängt. Hinsichtlich des 
Vertriebes der böhmischen Kohlen verdienen besondere 
Beachtung die beiden Kohlengrosshändler und Gruben- 



— 142 — 

bedtzer Weinmanu iu Aussig und Petschek in Hausham, 
di( zwei der drei grossen Konzerne des böhmischen Berg- 
ba les repräsentieren. Sie, sowie auch der dritte böhmische 
Konzern, der Duxer Kohlenverein, haben in jüngster Zeit, 
und das ist von grösster Tragweite, auch im mitteldeutschen 
Br lunkohlenbergbau festen Fuss gefasst durch Erwerb von 
Gl üben und Briketfabriken oder Beteiligung daran. Für 
di(! Gestaltung der Braunkohlenversorgung des südöstlichen 
D( utschlands werden sie, und zwar in erster Einie Petschek, 
in Zukunft ganz besondere Bedeutung haben. Der Ver- 
su :h Petscheks dagegen, auch in den Braunkohlenbergbau 
de> rheinischen Reviers einzudringen, ist allem Anschein 
na:h misslungen. Dass Petschek seinen Einfluss auch auf 
de .i oberschlesischen Kohlenmarkt, wie auch auf den ober- 
sc' ilesischen Bergbau ausgedehnt hat — in Gemeinschaft 
teilweise mit Wulff & Co. — , ist bei dem wachsenden .Anteil 
Ol erschlesiens an Bayerns Kohlenversorgung ebenfalls von 
grosser Bedeutung. 

Der Vollständigkeit halber sei noch der Gaskoks- 
V( rtriebsgesellschaften gedacht, die die wirtschaftliche 
V( reinigung deutscher Gaswerke in Köln auch in Süd- 
de atschland vor einigen Jahren eingerichtet hat, von 
denen die eine in München, die andere in IMannheim ihren 
Sil z hat. Zweck der Gründung war, geregelte Verhält- 
nii se zu schaffen für den Absatz und den Verkauf von 
Gi skoks in Süddeutschland. 

Ueber das \Vrhältnis der verschiedenen an Süddeutsch- 
lai.ds Kohlenversorgung beteiligten Bergbaugebiete zu 
einander ist oben schon einiges bemerkt worden, so, dass 
Kchlen-Syndikat und Kohlenkontor in ihren Lieferungs- 
beiiugungen den Mitveririeb oder die Mitverwendung 
fremder Erzeugnisse untersagen, was sich aber eigentlich 
nur auf die Produkte der aussersyndikatlichen Ruhrzechen 
und auf englische Kohlen, teilweise auch auf schlesische 
K( hlen bezieht. Dieses Verfahren hat zwar manchen An- 
gr ff der Syndikatsgegner auf sich gezogen, sehr mit Un- 
recht jedoch. Dass das Syndikat seine Interessen gegen- 




143 


über den Aussenseitern nachdrücklich wahrnimmt und ver- 
teidigt, ist selbstverständlich. Dass aber das Syndikat 
und das Kontor die Uebertretung des Verbotes mit Preis- 
aufschlägen bedenken — sie sollen letzten Endes natür- 
lich die Aussenseiter treffen — und so den den ungeteilten 
Bedarf beziehenden Abnehmern indirekt eine Vorzugstellung 
einräumen, kann nicht befremden, und es heisst dies doch 
nicht den anderen Abnehmern ein Unrecht zufügen, diesen 
steht es überdies jederzeit frei, sich den Genuss des gleichen 
Vorzuges zu verschaffen. Zu einer Gefahr für die \’er- 
braucher kann das Verbot des Bezuges fremder Erzeug- 
nisse auch nicht werden, denn das Kontor setzt diese Be- 
dingung ausdrücklich ausser Kraft für den Fall, dass es 
nicht im Stande sein sollte, die verkauften IMengen 
rechtzeitig oder auch etwaigen Mehrbedarf zu liefern. Wie 
auf diese Weise der syndizierte Ruhrbergbau Front macht 
* ; gegeii seine Aussenseiter, so tun dies in gleicher Weise der 

preussische Bergfiskus in Saarbrücken und der Kölner 
Braunkohlen-Briketverkaufsverein. Was im besonderen das 
. Verhältnis des Kontors zum Saarfiskus anbelangt, so voll- 

zieht sich hier der Wettbewerb ohne jede schärfere Form, 
ja man hat oft auf Abmachungen zwischen beiden schliessen 
wollen, was aber, wenn überhaupt, höchstens auf Ausnahme- 
fälle zutreffen dürfte. Eine gewisse Gegnerschaft des 
Kohlenkontors zum Kölner Braunkohlen -Briket- Verkaufs- 
verein kann man vielleicht in dem vor mehreren Jahren vom 
Kontor eingerichteten Vertrieb der Erzeugnisse der hessi- 
schen Braunkohlengruben Frielendorf und Friedrich er- 
blicken, der aber später wieder aufgegeben wurde. 

Während der Wettbewerb der Grosshändler unter- 
einander durch die Massnahmen der Verkaufsorganisationen 
(bestimmte Absatzgebiete, Vorschrift von IMindestverkaufs- 
preisen) stark eingedämmt ist, findet zumeist eine umso 
heftigere Konkurrenz zwischen den Platzhändlern statt. 
•' Zwar suchen hier, wie schon erwähnt, Vereinigungen der 

Händler geregelte Verhältnisse, an denen auch der Kon- 
sument nur Interesse haben kann, herbeizuführen, und 


144 


wie das Kohleukoutor, so leihen hierzu auch das Saar- 
br icker Haudelsbüro und das Kölner Syndikat ihren Bei- 
st^ nd, indem sie nötigenfalls sogar Händlern, die sich den 
lo]:alen Vereinbarungen nicht fügen wollen, den Bezug 
ih -er Erzeugnisse sperren. Natürlich sichern sie sich auch 
einen Einfluss auf die von den Platzhändlervereinen fest- 
gesetzten Verkaufspreise, schon im Interesse des Absatzes 
ih: er Produkte. Solche Häudlervereinignngen bestehen 
z\\ar an vielen, aber längst nicht an allen grösseren 
putzen Süddeutschlands. Wenn man nun auch die Aiif- 
reehterhaltnng des vollständig freien Wettbewerbes unter 
de 1 Platzhändlern als für die Verbraucher wünschenswert 
bezeichnen könnte, so liegt bei der Eigenart des Detail- 
kohlenhandels die Gefahr vor, dass die Händler die Ver- 
hüte, die mit ihren Unterbietungen der Preise der Kon- 
kurrenten notwendigerweise verbunden sind, durch un- 
rerlle Geschäftsgebräuche wieder wettzumachen suchen. 
W ?nn der Detailhandel nicht ausgeschaltet werden kann 
— und das scheint einstweilen unmöglich zu sein — , 
so hat die Volkswirtschaft nur Interesse daran, dass er 
wirtschaftlich auf festen Füssen steht und moralisch kräftig 
ist Ein trübes Kapitel im Platzkohlenhandel bieten im 
be sonderen die Submissionen für Eieferungen an staat- 
lic le und kommunale Behörden. Sie teilen den Uebel- 
staud der Submissionen überhaupt, die dem Mindest- 
foidernden den Zuschlag geben, und bringen höchst selten 
de n die Lieferung ausführenden Händler den ihm billiger- 
weise zukommenden Nutzen, während sie anderseits, wenn 
aiieh die Submissionsbedingungen noch so genau und 
scharf sein mögen, doch nich die Gewähr geben, dass nun 
aneh die Lieferung den Absichten der bestellenden Be- 
hö 'de völlig entspricht. Hier und da suchen sich die Platz- 
hä idler zu .schützen gegen die Auswüchse der Submission 
du "ch vorherige Abmachungen, doch wird dies naturgemäss 
nu ■ dort geschehen können, wo die Händlervereinigungen 
auj fester Grundlage beruhen. Alles in allem betrachtet 
dai f mau sagen, dass heute ein schrankenloser Wettbewerb, 


145 


der in der Kohlenproduktion sowohl wie im Kohlengross- 
handel eine überwundene Wirtschaftsform bedeutet, auch 
im Detailhandel seine grossen Gefahren hat, vornehmlich 
natürlich für den Händler selbst, dann aber auch für die 
Konsumenten. 

In diesem Zusammenhang sei auch der Vereinigung 
v’on Kohlenverbrauchern zum Zwecke gemeinsamen Ein- 
kaufs der Brennstoffe gedacht, worauf ausführlich eiu- 
zugehen im Rahmen dieser Abhandlung freilich nicht 
möglich ist. Dass derartige Konsumenten-Verbände eine 
\ ereinfachung, auch eine Verbilligung des Kohlenbezuges 
herbeiführen können, liegt auf der Hand, nicht aber. das> 
sie dies unter allen Umständen erreichen müssen. Die 
Ausschaltung des Zwischenhandels — darauf laufen die 
Bestrebungen der Einkaufsgenossenschaften oder Konsum- 
vereine in der Hauptsache hinaus — ist vielmehr gerade 
bei einer Massenware wie Kohlen durchaus nicht so ein- 
fach. Den Schwankungen des Bedarfs passt sich der 
Handel durch Halten von Lagervorräten an, wozu aber 
Genossenschaften nicht imstande sind, wollen sie nicht 
den Geschäftsbetrieb ganz beträchtlich verteuern. Setzt 
man also den Handel beiseite, so läuft man Gefahr, beim 
unerwarteten Eintritt stark erhöhten Bedarfs oder gar bei 
plötzlich auftretender Kohleuknappheit Anforderungen 
gegenüberzustehen, denen man nicht nachzukommen ver- 
mag. Immerhin können Konsum-Vereine und Einkaufs- 
Genossenschaften den Verbrauchern doch auch Vorteile 
bieten, die natürlich in erster Linie, wenn nicht allein, 
geldlicher Natur sind. P'reilich hängt es wieder sehr vom 
einzelnen Fall ab, ob nicht die Ersparung des Zwischen- 
gevvinns des Handels absorbiert wird durch verhältiii.s- 
mässig hohe Geschäftsunkosten. Wie sich Kohlen- 
Syndikat und Kohlenkontor zu Einkaufsgenossenschaften 
und Konsumvereinen stellen, wurde an anderer Stelle 
bereits erwähnt. 

Handelt es sich bei derartigen Organisationen in der 
Hauptsache um Vereinigungen von Kleinverbrauchern — 


f 


10 


146 


ob die Kohlen nun für Hausbrand bestimmt sind oder 
geH^erblichen Zwecken dienen sollen, ist \ on nntergeoidnetei 
Bedeutung — , können sie also, zumal da ihre Tätigkeit 
meist nur engbegreuzt ist, keine Macht bedeuten gegenüber 
dei Produktion, so, dass diese mit ihnen ernstlich rechnen 
mi sste, so könnte das sehr wohl der Fall sein bei Zn- 
sai nnenschliissen grösserer Gruppen von [ndustrielleu zum 
Zwecke gemeinsamen Kohleneinkaufes. Sie können unter 
Umständen ein Gegengewicht darstellen zu der Organisation 
des Bergbaues und des mit ihm im Znsammenhang 
ste lendeii Grosshandels. Bestrebungen nach dieser Richtung 
sinf nun auch in Süddeutschland festzustellen, wobei vor 
allmn einmal an das Vorgehen des südwestdeutschen In- 
dui.triellen-Verbandes, zum andern Male an den Zusammen- 
scl hiss württembergischer Industrieller im württem- 
bei gischen Industriekohlenverein zu denken ist. Ganz 
vei schieden sind allerdings die Wege, die beide Verbände 
bes chreiten. Beschränkt sich der Verband südwestdeutscher 
Im ustrieller darauf, seinen Mitgliedern den Kohlenbezug 
von einigen bestimmten Grosshändlern zu empfehlen, mit 
diesen Firmen für die Abschlüsse mit den Verbands- 
mi gliedern geltende Preise und Lieferungsbedingungen 
am zumachen, überlässt er aber den eigentlichen Abschluss 
und die Abwdckelnng der Verträge völlig den beiden 
Kcntrahenten, Lieferungsfirma und Verbandsmitglied, so 
tri1t der wmrttembergische Industriekohlenverein als Selbst- 
käufer auf und verteilt die von ihm eingedeckten und 
be; ogenen ]^Iengen auf seine Mitglieder gemäss deren An- 
meldungen. So grundverschieden die Wege sind, die 
beide Verbände gehen, so sehr unterscheiden sich auch die 
Te idenzen, die sie verfolgen. Hat der übrigens noch recht 
jurge wmrttembergische Indnstriekohlenveiein von vorn- 
heiein Wert darauf gelegt, die Beziehungen zu den alten 
bewährten Lieferanten seiner Mitglieder, also vornehmlich 
den Kohlenkontor, aufrecht zu erhalten, erblickt er seinen 
Ha Liptzweck in der Vereinheitlichung und damit V erbillignng 
dej Kohleneinkaufes, sowde in der Sicherstellung des Kohlen- 


I 


— 147 — 

bezuges seiner Mitglieder — seine eben auf einem festen Zn- 
sammenschluss der einzelnen Industriellen beruhende Stärke 
hat er bislang nochnichtzuerproben Veranlassung gehabt — , 
so richtete sich die Spitze des Vorgehens des südwmstdentschen 
industriellen Verbandes von Anfang an gegen Kohlen- 
Syudikat und Kohlenkontor, und die ganze Aktion wmr 
als ein entscheidender Schlag gegen diese geplant. Das 
vorerwähnte Abkommen ist denn auch mit Aussenseiter- 
firmeii getroffen wmrden. Mag auch das Kontor auf diese 
Weise an Absatz verloren haben, so hat das ganze Unter- 
nehmen doch bei weitem nicht das Ergebnis gehabt, das 
man sich wmhl von ihm versprochen hat. Darauf lässt 
schon die Tatsache schliesseu, dass ein sehr grosser 
Teil der Verbandsmitglieder der S}'iidikatskohle treu ge- 
blieben ist. 

Im ganzen betrachtet, befindet sich die Organisation 
der Kohlenverbraucher also noch im Aufangsstadium. Ob 
sie sich weiter entwickeln und wirklich zu einem Macht- 
faktor ausbauen wird, mit dem die Produzenten ernstlich 
zu rechnen haben, steht noch dahin. In Süddeutschland 
scheint aber auch bislang das Bedürfnis nicht gar gross 
zu sein, was ja auch eigentlich nicht wmnder nehmen 
kann, denn trotz der überragenden Bedeutung des Kohlen- 
kontors bildet doch der süddeutsche Kohlenmarkt ein Bild 
heftiger Konkurrenzkämpfe. Die Verbraucher haben es 
somit völlig in der Hand, sich ihre Lieferanten zu w'ählen 
und ihnen unbequeme und als unbillig erscheinende Beding- 
ungen abzulehnen. 



K Die Kohlenpreise in Süddeutschland. 

Abgesehen von der Sicherstellung des Kohlenbedarfes 
ist j ür den Verbraucher natürlich die Höhe des Kohlenpreises 
voi der grössten Bedeutung. Hier kommt es aber weniger 
auf den absoluten als den relativen Preis an. Selbst die- 
jen gen der Verbraucher, für die die Kohle reiner Konsum- 
ee« enstaiid ist, also die Hausbrandkohleiiverbraiicher, im 
Ge ^ensatz zur Industrie, sie werden nur dann ein Steigen 
dei Kohlenpreise als störend empfinden, wenn diesem nicht 
am h eine allgemeine Aufwärtsbewegung der wirtschaft- 
lichen Verhältnisse entspricht, die bei ihnen in einem 
höheren Einkommen zum Ausdruck gelangt. Den Kohlen- 
vei brauchern, für die die Kohle ein Produktionsmittel 
bedeutet, kann die Erhöhung der Kohleiipreise noch viel 
weniger eine Belastung sein, sofern es ihnen nur möglich 
ist, den Aufschlag auf die Abnehmer ihrer Erzeugnisse 
ab: uwälzen durch entsprechend höhere Preisstellung dieser 
Produkte. 

Dass die Kohlenpreise in Deutschland seit Jahrzehnten 
stehg in die Höhe gehen, ist eine Tatsache, und daran 
ändert auch nichts, dass hin und wieder auch Preisrück- 
o-äiio-e zu verzeichnen sind. Diese Tendenz zum Steigen 

o o 

ist. nun aber nicht, wie so gern behauptet wird, nur die 
na ürliche Folge des Zusammenschlusses der Produzenten, 
eil e Frucht vornehmlich der Tätigkeit des Kohlensyndikats. 
\V;ewohl zuzugeben ist, dass die Organisation des Berg- 
baues, die ja auch in erster Eiuie zum Zwecke der Stei- 
ge uiig der Erträgnisse geschah, und damit die teilweise 
Al sschaltung des Wettbewerbes auf die Gestaltung der 
Pr'dsbewegung von grossem Einfluss waren, so sind die 


149 


Kartelle doch nicht allein verantwortlich für die anhaltende 
Preissteigerung der Kohlen. Vielmehr hat diese einmal 
ihre Ursache in den fortgesetzt wachsenden Selbstkosten 
der Zechen, d. h. vor allem in den stetig steigenden Löhnen 
und den damit zusammenhängenden unablässig in die Höhe 
gehenden sozialen Lasten in Verbindung mit ständig ver- 
mehrten staatlichen und kommunalen Steuern. Heute 
kann der Bergbau nicht mehr einer weichenden Konjunktur 
einfach mit einer Herabsetzung der Löhne folgen, für die 
die organisierte Arbeiterschaft kein Verständnis haben 
würde. Das Streben des Arbeiters zielt auf eine andauernde 
Wrbesserung seiner Lebenshaltung, das ist ja auch au sich 
kein unbilliges Verlangen. Sein Einkommen darf aber 
nicht nur nicht herabgehen, sondern muss fortgesetzt 
wachsen, will er nicht auf einen schlechteren Stand zurück- 
sinken, denn die Lebensbedingungen werden ja unablässig 
schwieriger. Die allgemeine Preiserhöhung oder, anders 
ausgedrückt, das Sinken des Geldwertes, das ist das zweite 
und das wichtigste INIoment, das die fortgesetzte Preis- 
stei<^’'erunu auch der Kohlen erklärt. Auf die Ursachen 

ö o 

der Verminderung des Geldwertes kann hier nicht ein- 
gegangen werden, äussern muss sie sich letzten Endes in 
der allgemeinen Erhöhung der Einkommen, die denn auch 
offensichtlich stattgefunden hat. Ohne sie hätte die Preis- 
steigerung ja auch zu einer Einschränkung des Konsums 
führen müssen. Das trifft aber weder für andere Waren 
noch auch für die Kohle zu, im Gegenteil, es ist durch- 
weg- nicht nur absolut, sondern auch relativ eine Ver- 
mehrung des Kohlenverbrauches festzustellen. Der Kon- 
sument hat die Erhöhung seines Budgets durch die Preis- 
steigerung der Kohle ertragen können, weil eben auch 
seine IMittel gewachsen sind. So der Xurkonsument. Dass 
der P'abrikant, dem mehr oder weniger die Kohle Pro- 
duktionsmittel ist, den Ausgleich schaffen konnte in der 
Preisstellung seiner Erzeugnisse, das beweist die glänzende 
Aufwärtsbewegung unserer gesamten weiterverarbeitenden 
Industrie. 


— 150 — 

Oiese allgemeinen Bemerkungen seien einer Betrachtung 
der Klohlenpreisgestaltnng im besonderen in Süddentscli- 
land voransgeschickt. Der Hinweis auf den wichtigsten, 
die Preisbewegung der letzten Jahrzehnte beeinflussenden 
Faki or darf wohl umso mehr als angezeigt erscheinen, 
als nan gerade in Süddeutschland bisweilen in kohleii- 
verb rauchenden Kreisen unter völliger Ausserachtlassung 
dies( s Momentes hohe Kohlenpreise auf einen Missbrauch 
der Macht des Syndikats znrückführen zu müssen glaubt 
und sich natürlich vollziehende Wirtschaftsäusserungen 
dem Syndikat zur Last legen will. Richtig ist ja, dass 
für lie Gestaltung des süddeutschen Kohlenmarktes das 
Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat und seit 10 Jahren 
mit ihm das Kohlenkontor von ausschlaggebender Be- 
deut ing sind. Ebenso falsch ist aber die Ansicht, die Be- 
hauptung, dass Kohlen-Syndikat und Kohlenkontor in 
Südc entschland beliebig hohe Preise fordern könnten. 
Wie gross der Anteil anderer Produktionsstätten, hier vor 
allem des Saarbergbaues, an der Kohlenversorgung Süd- 
deut: .chlands ist, wurde oben gezeigt. Dass er noch stark 
waclsen könnte, wollten die Verbraucher das Syndikat 
auss( halten, steht ebenfalls ausser Frage. Nein, wie das 
Kohlen-Syndikat in seiner Preispolitik durchaus nicht frei 
ist, 1 icht nach seinem Gutdünken verfahren kann, viel- 
meh] schliesslich dabei doch abhäugt von der allgemeinen 
Whrt ichaftslage und schwere preispolitische Fehler sich 
in e nein Absatzrückgang rächen müssten, so hat auch 
auf ( ein süddeutschen Markt das Kohlenkontor es durch- 
aus 1 icht in seiner Hand, den Verbrauchern einfach Preise 
zu d ktieren. 

Hängt es nun zwar an sich nicht bloss vom freien 
Wilh n des Syndikats und des Kontors ab, welche Preise 
die K ohlenverbraucher in Süddeutschland zu zahlen haben, 
gibt vielmehr das meist starke Angebot anderer Erzeug- 
nisse — vom Saarflskus sei sogar zunächst ganz abgesehen — 
dem Konsumenten die Möglichkeit, unter Umgehung des 
Kont )rs seinen Bedarf eiuzudecken, so ist anderseits doch 


I 


151 


nicht zu verkennen, dass der süddeutsche Kohlenmarkt 
sein eigentliches Gepräge von der Preisforderung des 
Kontors erhält, neben der die vom Saarfiskus festgesetzten 
Preise mit bestimmend sind. Mehr oder weniger richten 
sich die anderen Kohlengewinnungsstätten mit ihren Preisen 
nach denen des Kontors und des Fiskus. Sie, vor allem 
aber die Aussenseiter, brauchen ja auch, wenn sie verkanten 
wollen, nur soweit unter den Preisen des Kontors und des 
Saarfiskus zu bleiben, dass der Konsument in einem Kaufe 
bei ihnen noch einen Vorteil sieht. Mit höheren Preisen 
o-ar werden sie nur in Ausnahmefällen ankommen können. 
Englische Kohlen und aussersyndikatliche Ruhrkohlen sind 
meist nur unbeträchtlich billiger angeboten und verkault 
worden als die Svndikatsprodukte, ja der Händler be- 
schränkte sich schliesslich oft sogar darauf, zu erklären, 
dass er seine Kohlen um, sagen wir, 4 M. für 10 t billiger 
abgeben werde als das Kontor, ohne dessen Preisstellung 
im einzelnen Falle zu kennen, ein erfahren, das man wohl 
nicht als kaufmännisch bezeichnen kann. Erst in jüngster Zeit 
sind bei steigender Förderung gewisser aussersyndikatlicher 
Zechen und damit auch wachsender Konkurrenz der Ausseu- 
seiter untereinander in Verbindung mit dem Nachlassen 
der Nachfrage die Preise der Aussenseiter — zumal für 
Koks — stärker hinter denen des Kontors zurückgeblieben. 

Unter diesen Umständen erscheint es nicht als zweck- 
mässig, die Preisstellung sämtlicher an der Kohlen Versorgung 
Süddeutschlands beteiligten Kohlengewinnungsstätten oder 
der verschiedenen zu ihnen gehörenden Haudelsgruppen 
im einzelnen genauer zu verfolgen. Abgesehen davon, dass der 
Umfang der vorliegenden Abhandlung dies nicht zulässt, 
würde aber auch das zu erwartende Ergebnis die aufgewandte 
IMühe nicht lohnen, und mehr noch, das Resultat wäre schliess- 
lich doch recht problematisch, da man in der Hauptsache aut 
völlig unkontrollierbare Angaben, die sich deshalb auch 
schlecht auf eine Formel bringen Hessen, angewiesen wäre. 

Die Zahlentafel 43 bringt die Richtpreise des Rheinisch- 
Westfälischen Kohlen-Syndikats in den letzten 10 Jahren, 


152 


die wahlentafeln 44 und 45 geben die oberrheiiiisclieii Preise 
des K^ohleiikoiitors ini gleichen Zeitraum wieder. Der 
besseren Uebersicht und der Platzerspaniis halber sind 
aus der Anzahl von Sorten nur einige, gewisserinassen 
die lülirenden lieransgegrifFen worden. Die Richtpreise 
des Rohlen-Syndikats decken sich bekanntlich nicht mit 
dessen \ erkanfspreisen, sondern dienen, wie im vorigen 
Abschnitt schon erwähnt, dem Vorstand des Syndikats als 
Ricl tschnnr bei der Festsetzung der den Zechen für ihre 
vers diiedenen Erzeugnisse zu gewährenden Preise — der 
\ er; echnungspreise — , bilden aber natürlich zugleich die 
Gru idlage lür die eigentlichen Verkaufsj^reise. Die für 
die Preisgestaltung massgebenden Faktoren sind vor allem 
die Gestehungskosten tworunter auch die Kosten für die 
\eri-delung der Kohle verstanden sein sollen), ferner die 
verschiedene Beschaffenheit der Kohlen, die an sich schon 
eine verschiedene Bewertung zur Folge haben muss, sodann 
die -illgemeine Lage des Kohlenniarktes, die natürlich eng 
zusammenhängt mit den allgemeinen Konjunkturverhält- 
niss ni, unter Umständen auch die besondere Marktlage 
für diese oder jene Sorte, so z. B. übermässig starke Nach- 
frage nach einer Sorte, die aber nicht in beliebiger l\Ienge 
aut den Markt gebracht werden kann. Der verschiedenen 
Anheierungsweise des Kohlenkontors — darüber ist im 
Abschnitt III bereits näheres gesagt worden — entsprechen 
vers chiedene Berechnungsarten, und so sind zu unterscheiden 
Zechen-, Schiff- und Oberrhein-Preise. Die Zechenpreise 
lehnen sich eng an die Syndikatsverkaufspreise an und 
unt( rscheiden sich von diesen im allgemeinen nur durch 
best nimte, nicht für alle Sorten ganz gleiche Preisaufschläge, 
die selbstredend in dem Charakter des Kontors als einer 
Handehsgesellschaft begründet liegen. Die Kontor-Zechen- 
prei ;e aufzuführen, erübrigt sich also. Die Schiffspreise 
rich:en sich nach dem Bestimmungsplatz — das Kontor 
pflegt, da es ja auch den Wassertransport besorgt, die Schiffs- 
prei ;e frei Empfangsort zu stellen — und sind daher im 
einzGuen sehr verschieden, weshalb in der Aufstellung 


153 


nur die Preise frei Schiff ^Mannheim Aufnahme gefunden 
haben. Auf diesen Schiffspreisen bauen sich nun die Preise 
frei Eisenbahnwagen Umschlagplatz auf, von denen dei 
Höhe der Versandziffern entsprechend die grösste Bedeutung 
natürlich den Preisen ab 5Iannheim, Rheinau, Ludwigshafen 
zukommt. Sie sind daher für die Aufstellung ausgewählt 
worden, und zwar gelten die aufgeführten Preise grössten- 
teils für nachgesiebte, d. h. durch Absieben von dem 
während des Transportes und durch das Umladen ent- 
standenen Gries befreite Ware. Für die Kohlen, die dieser 
Aufbesserung nicht unterworfen werden, also ungesiebt zum 
Weiterversand gelangen, gelten die Schiffspreise mit einem 
Aufschläge von im allgemeinen M. 4. — für 10 t, der die 
Kosten für den Umschlag aus dem Schiff direkt in den 
Eisenbahnwagen darstellt. Die Kosten der Verbringung 
der Kohlen von der Zeche bis zum Umschlagplatz setzen 
sich vor allem zusammen aus der durchschnittlichen Hafen- 
fracht fvon der Zeche bis zum Duisburg-Ruhrorter Hafen) 
von M. 15.50, der Schiffsfracht und dem Schlepplohn (nach 
den Angaben im Abschnitt III betragen jetzt die den Kontor- 
beteiligten gewährten Sätze für IMannheim, Rheinau, 
Ludwigshafen M. 12. — und M. 8.—, also zusammen M. 2C) — ), 
hierzu kommen noch Kippgebühr, Verladeprovision, \'er- 
sicherung. Im grossen Durchschnitt sind zurzeit die Preise 
frei Schiff IMannheim (oder Rheinau und Ludwigshalen) 
etwa M. 40.— (lür 10 t) höher als die Zechenpreise. 
Während nun, wie gesagt, diejenigen Kohlen, die in dem 
Zustande, in dem sie mit dem Schiff anlangen, mit Eisen- 
bahnwagen weiter versandt werden, nur die geringe Ver- 
teuerung durch den Umschlag erfahren, stellt sich die 
nachgesiebte Ware wesentlich teurer. Der hierfür in Betracht 
kommende Aufschlag von IM. 16. — bis M. 20. — (einschliess- 
lich Umschlaggebühr) auf die Schiffpreise entspricht dem 
beträchtlichen Anfall an Gries, wofür sich ja nur viel 
schlechtere Preise erzielen lassen. Der Aufschlag i.st um- 
so höher, je niedriger der Preis, der für den Gries bezahlt 
wird, so wird Koksgries am geringsten gewertet, und dem- 




154 



geuiäss ist die Preiserhöhung für Koks (der übrigens nur 
in 1 achgesiebtem Zustande versandt wird) die stärkste. 
In cem Aufschlag für nachgesiebte Ware sind ferner die 
Spesen für das Nachsieben enthalten. Bei der Festsetzung 
derlhnschlagplatz-Preise muss natürlich auch berücksichtigt 
werden, dass ein grosser Teil der Mengen über Lager geht, 
weshalb auch die allgemeinen Lagerunkosten in der Preis- 
kalk alation mit aufgenommen werden müssen. Die Preis- 
festsetzung geschieht vom Kohlen-Syndikat und demgemäss 
and vom Kohlenkontor im allgemeinen für ein Jahr, das 
Ges( hältsjahr vom April bis zum x\pril. Während die Preise 
für ' ndustriesorten im allgeraeiuen das Jahr hindurch un- 
verä idert bleiben, sind die Sätze für die in der Hauptsache 
Hau ;brandzwecken dienenden Sorten nach Zeitabschnitten 
— h luptsächlich wird zwischen Sommer- und Winterpreis 
unterschieden — abgestuft, offensichtlich, um den Konsii- 
men:en und Händlern den Bezug auch in der bedarfsärmeren 
Zeit nahezulegen und zu erleichtern. Die angegebenen 
Prei ;e des Kohlenkontors stellen im übrigen die Normal- 
verkaufspreise dar, die nur den Grossverbrauchern und 
grös ;eren Händlern gewährt werden. Den übrigen Firmen 
werc en je nach Umfang ihrer Bestellung Aufschläge 
von M. 1. — bis M. 6. — (für 10 t) in Ansatz gebracht. 
Für len Weiterverkauf der Händler ist, wie schon an anderer 
Stelle erwähnt, zur Ausschaltung ungesunden Wettbewerbes 
lind zur Gewährleistung eines mit den Bemühungen im 
Einklang stehenden Verdienstes die Einhaltung bestimmter 
Mindestaufschläge vorgeschrieben, die je nach Sorte, Zeit 
und V^erbraucherkreis — Hausbrand oder gewerblicher Ver- 
brau 2 I 1 — M. 4.— bis M. 10. — (für 10 t) betragen. 

Ein Vergleich zwischen den beiden Zusammenstellungen 
der Syndikats-Richtpreise und der oberrheinischen Ver- 
kaufspreise des Kontors ergibt im grossen ganzen eine 
Ueb ireinstimmung in der Preisbewegung, was ja auch 
iiich: anders zu erwarten ist, da das Kohlenkontor eine 
eigene Verkaufspolitik insofern nicht treiben kann, als es 
in d^r Hauptsache auf die Preisfestsetzung des Syndikats 



— 155 — 


angewiesen ist. Höchstens kann man eine eigene Ver- 
kaufspolitik des Kontors in der Tatsache erblicken, dass 
es je nach der besonderen Marktlage in Süddeutschland 
für die eine oder andere Sorte bisweilen bei seinen Preis- 
festsetzungen mehr oder weniger abweicht von der 
durch das Syndikat vorgezeichneten Richtlinie, doch sind 
das nur iVusnahmefälle. Während nun im allgemeinen 
die Preise des Kontors in Süddeutschland den Normal- 
verkaufpreisen des Syndikats entsprechen, Süddeutschland 
trotz dem heftigen Wettbewerb anderer Bergbaubezirke 
also als unbestrittenes Gebiet gilt, hat das Syndikat not- 
gedrungen zeitweise auch Ausnahmepreise zur Bekämpfung 
der Konkurrenz gewähren müssen. Hier kann natürlich 
darauf im einzelnen nicht näher eingegangen werden, solche 
Kampfpreise kommen aber naturgemäss vor allem für die 
Grenzgebiete in Betracht, so z. B. im Westen gegen belgische 
Erzeugnisse. 

Was nun die Preisbewegung anbelangt, so zeigt diese 
— freilich neben der Tendenz zum Steigen — doch eine 
gewisse Stetigkeit. Dass diese Stabilität dem Zusammen- 
schluss des Grosshandels im Kohlenkontor zu verdanken 
ist, darauf wurde an anderer Stelle schon hingewiesen. 
Wie stark die Preise für Ruhrkohlen in Süddeutschland 
in früheren Zeiten schwankten, ergibt sich aus der Auf- 
stellung 46, die der Abhandlung von G. Singhof „Der 
Mannheimer KohlengrosshandeP entnommen ist. Aller- 
dings ist hier zu beachten, dass in den Jahren 1899 — 1904 
auch aussergewöhnliche Verhältnisse mitsprachen: einmal 
die Hochkonjunktur im Jahre 1900 verbunden mit Kohlen- 
mangel, sodann das Wettlaufen des Grosshandels in den 
letzten Jahren vor Gründung des Kontors, als man zu 
jedem Preise unter unerhörter gegenseitiger Unterbietung 
abschloss, nur um sich eine hohe Beteiligungsziffer am 
Kontor zu sichern und selbst beträchtliche Verluste dafür 
in den Kauf nahm. 

Ausschlaggebend für die Preisfestsetzungen des Kohlen- 
kontors sind also in vorderster Linie die Preise des Svn- 


— 156 — 

dikats. Auf dessen Preispolitik kann hier nun aber nicht 
nähe: eingegangen werden, sie ist vielmehr für die Be- 
tracl'tung der Entwicklung der Kontorpreise als einfache 
Tatsache hinzunehinen. Betont sei aber, dass das Kohlen- 
Syncikat Hochkonjunkturen nie ausgenutzt hat, wie dies 
in den Zeiten vorher der Bergbau natürlicherweise tat, 
sond ;rn stets eine Politik der mittleren Einie befolgt hat. 
Es schützte die Verbraucher in den Zeiten der Kohlen- 
knajipheit vor Auswucherung, das verpflichtete aber auch 
die Abnehmer hinwiederum, in Zeiten rückgängiger Kon- 
junkuir Preise zu zahlen, die nicht unter den Produktions- 
kosten standen, wie das unter der Herrschaft des schranken- 
lose! Wettbewerbes der Fall gewesen war. Dem ent- 
spricht es denn auch, dass das Syndikat nach Beendigung 
der Tochkonjunktur von 1907 seine Preise nicht herab- 
setzte, was überdies ja auch die Wirkung der Produktions- 
eins( hränkung bei der kohlenverbrauchenden Industrie 
hattr und somit die gesamte Wirtschaft leichter über die 
Krise hinweghalf. 

Während also Kohlensyndikat und Kohlenkontor die 
Prei: e für ein ganzes Jahr bestimmen, die Abschlüsse mit 
den Händlern sowohl wie mit den Selbstverbrauchern im 
allgt meinen für diesen Zeitraum — 1. April bis 31. März — 
getä .igt werden, setzt die Kgl. Bergwerksdirektion Saar- 
brücken die Preise stets für ein halbes Jahr (1. Januar bis 
30. Juni und 1. Juli bis 31. Dezember) fest und schliesst 
demgemäss halbjährige Verträge mit dt.ii Abnehmern. 
Beide Systeme haben offenbar Vorzüge und Nachteile. 
Eeg' man besonders auf Stetigkeit der Preise Gewicht — 
was jedenfalls dem Fabrikanten eine sicherere Grundlage 
für 5 eine Kalkulation gibt — , so wird man sich für das 
Verjähren des Syndikats entscheiden. Dass den Ver- 
brar ehern langfristige Abschlüsse erwünschter sind als nur 
für airze Zeit laufende, ist denn aueh sehr häufig fest- 
zust dien, und das ist offenbar auch die Ursache, dass das 
Handelsbüro in Saarbrücken später dazu übergegangen 
ist, iiich für längere Zeit abzuschliessen, was jetzt mehr 



157 


und mehr geschehen soll. Uebrigens lässt sich auch das 
Kontor unter Umständen und auf besonderen Wunsch der 
Abnehmer auf mehrjährige Verträge ein, die natürlich 
für beide Teile ein mehr oder weniger grosses Risiko 
bedeuten. 

Die in der Zahlentafel 47 aufgeführten Preise des 
Handelsbüros der Kgl. Bergwerksdirektion in Saarbrücken 
sind die Richtpreise für den Eisenbahnabsatz. Auf diese 
Richtpreise — die die Grundlage nur für die Dauer-Ver- 
träge bilden, während Einzelbestelluugen zu den höheren 
Tagespreisen ausgeführt werden — gewährt der Saarfiskus 
Rabatte, die verschieden hoch bemessen sind. Die Rabatt- 
sätze waren in den letzten Jahren oft ganz beträchtlich, 
da es vielfach nur mit Ausnahniepreisen möglich war. 
dem Wettbewerb der privaten Saargruben zu begegnen. 
IMit den normalen Preisen hätte der Saarfiskus seinen Ab- 
satz nicht aufrecht erhalten oder gar ausdehnen können. 
Während also nach der Zahlentafel 47 die Preise des Saar- 
fiskus als sehr stabil erscheinen und noch weit weniger 
Schwankungen aufweisen als die Entwicklung der Syndi- 
kats- und Kontorpreise, ist in Wirklichkeit die Bewegung 
bei weitem nicht so ruhig verlaufen. Umgekehrt sind 
auch Preiserhöhungen zu verzeichnen, wo die Richtpreise 
keine Aenderung aufweisen, das gilt z. B. vornehmlich .für 
das 1. Halbjahr 1913. Ende des Jahres 1912 hatte der 
preussische Handelsminister das Abkommen mit dem 
Kohlen-Sy ndikat gekündigt, weil er die neuen Preisaufschläge 
des Svndikats nicht mitmachen zu können meinte. Das 
Hess erwarten, dass die Preise für die Erzeugnisse der fiskali- 
schen Saargruben keine Aenderung erfahren würden, und 
tatsächlich waren die neuen Richtpreise, von geringfügigen 
Ausnahmen abgesehen, die gleichen. Und dennoch hatte 
das Handelsbüro faktisch die Preise erhöht, denn die 
Rabattsätze wurden ganz erheblich herabgesetzt, was in 
Wirklichkeit einem Preisaufschlag von M. 8, — im Durch- 
schnitt gleichkam. Gleich dem Kohlenkontor wacht auch 
die Bergwerksdirektion Saarbrücken darüber, dass ihre 




J 


— 158 — 

Hän Iler beim Weiterverkauf einen angemessenen Gewinn 
erzic len. Xaclidem das früher unter den Grossliändlern 
best indene Provisionsabkommen vor einigen Jahren auf- 
gehc'ben wurde, hat das Handelsbüro seinerseits bestimmte 
\'onchriften über die Preisstellung erlassen, wonach als 
Gru idlage für die Verkäufe ein Aufschlag von M. 0,60 für 
die fonne gilt. 

Die Preise des Saarfiskus erscheinen als hoch im Ver- 
glei( h zu denen der Ruhr, umsomehr wenn man die ge- 
ring ;re Güte — am Heizwert gemessen — der Saarkohle 
berücksichtigt. Tatsächlich hat denn auch der fiskalische 
Saaraergbau nicht nur hinsichtlich seiner Förderpolitik 
sondern besonders auch wegen seiner Preispolitik manchen 
heft gen Angriff und zwar gerade aus dem vSaargebiet selbst 
auf sich gezogen. Richtig ist ja freilich, dass der staat- 
licht Bergbau an der Saar sich nur langsam weiter ent- 
wiclelt hat und auf diese Weise der Anteil des Saarreviers 
an d ;r Kohlengewinnung Deutschlands im Verhältnis immer 
mehr absrenommen hat. Die Ursache des Zurückbleibens 
des äskalischen Saarbergbaues darf man wohl grösstenteils 
ebei in der Eigenart des weit schwerfälligeren staatlichen 
Betr.ebes suchen. Darauf wenn auch nicht allein beruhen 
aucl die relativ hohen Selbstkosten, die schliesslich in den 
holnm Preisen ihren Ausdruck nach aussen finden. 

Die Zahlentafel 48 bringt sodann die Entwicklung der 
Prei ;e der rheinischen Braunkohlenbrikets in Süddeutsch- 
land Hier springen in die Augen bei den Haiisbrand- 
brikAs die beträchtliche Preissteigerung von 1903 bis 1907 
und der Stillstand bis 1911, wo wieder ein Rückgang ein- 
trat, während für Industriebrikets die Preise — die an 
sich niedriger sind als die für Hausbrandbrikets — bis 
1911 sich auf absteigender Linie bewegen, dann aber in 
die Höhe gehen. Nichts vermag vielleicht das Ziel, die 
Absatzpolitik des Kölner Syndikats besser zu kennzeichnen. 
An üch ist zu den angeführten Preisen noch zu bemerken, 
dass der Briketverkaufsverein für Lieferungen nach den 
entfernteren Gegenden Süddeutschlands beträchtliche Nach- 


T 

— 159 — 

i; lässe eintreten lässt und ferner Rabatte bewilligt für den 

I Bezug bestimmter Mindestmengen sowie für die Abnahme 

. in den bedarfsschwächeren Monaten; letzteres gilt vor- 

nehmlich für Lieferung von Schiffsbrikets im Sommer. 



Schluss wort. 


Wiewohl also Süddeiitschland seine benötigten Brenn- 
stoffe grösstenteils ans entfernt gelegenen Bergbanbezirken 
herliolen muss, für eine indnstrielle Entwicklung ein starkes 
Hindernis, so wird dieser offensichtliche Nachteil einiger- 
massen in seiner Wirkung abgeschwächt durch die Wasser- 
wegverbindung mit dem niederrheinisch-westfälischen Berg- 
baubezirk. Die Ruhrkohle wird nach Ausbau und Ver- 
besserung der Wasserstrassen an Bedeutung für Süddentsch- 
lands Kohlenversorguug zweifellos noch gewinnen. Die 
süddeutschen Verbraucher haben somit ein nahes Interesse 
an der Entwicklung der weiteren Organisations-Bestreb- 
ungen des Ruhrbergbaues und seines Handels und der 
damit zusammenhängenden Rheinschiflfahrt. Es sei noch- 
mals darauf hingewiesen, dass nicht das .-^useinauderstreben 
dieser Kräfte den süddeutschen Konsumenten erwünscht 
sein kann, das ihnen höchstens vorübergehende Vorteile 
bringen würde. Ueber den einseitigen Interessen der 
süddeutschen Kohleuverbrancher — obschon sie freilich 
in dieser Abhandlung in erster Einie in Betracht kommen — 
steht zudem das allgemeine volkswirtschaftliche Interesse, 
und dieses erheischt — das kann nicht genug betont 
werden — dringend die Verständigung der Kohlenprodu- 
zenten, sollen nicht gewaltige Werte vernichtet werden. 
Gewiss, die Ausschaltung des Wettbewerbes birgt grosse 
Gefahren für die Konsumenten in sich. Hat aber das 
Kohlensyndikat bislang schon eine weise Mässigung an 
den Tag gelegt, hat es bewiesen, dass nicht bloss privat- 
wirtschaftliche Motive es leiten, so ist mit einer Beteiligung 
des preussischen Staates am Syndikat erst recht die Ge- 


I 


161 


währ dafür gegeben, dass die Interessen der Verbraucher 
nicht weniger gewahrt werden als die der Produzenten. 
Es ist demnach dringend zu wünschen, da.ss man der 
grossen Schwierigkeiten, die den Syndikats- Erneuerungs- 
Verhandlungen noch im Wege stehen, bald Herr werden 
wird. Dass die vSyndikatsverlängerung in Verbindung mit 
einer Verständigung mit dem Saarbergbau geschehen muss, 
dass die fernere Gestaltung des Kohlentransportes auf dem 
Rhein gleichzeitig von neuem festzulegen ist, verleiht dieser 
aktuellen Frage für den süddeutschen Kohlenverbraucher 
noch ein besonderes Interesse. 



« 



Benutzte Literatur. 

Eulenberg, Die Preissteigerung des letzten Jahrzehnts. 

Goitzke, Das Rheinisch -Westfälische Kohlen-Syndikat. 

Go h ei n, Geschichtliche Entwicklung der Rheinschiffahrt im 19. Jahr- 
hundert. 

Ha ;nig, Die Steinkohle. 

Jur ge, Die rationelle Auswertung der Kohlen. 

Keinpkens, Die Ruhrhäfen, ihre Industrie und ihr Handel. 

Paj sow, Kartelle des Bergbaues. 

Singhof, Der Mannheimer Kohlengrosshandel. 

Stegemann, Der Eschweiler Bergwerksverein. 

Tiegs, Deutschlands Steinkohlenhandel. 

Tc lierschky, Kartell und Trust. 

Uhie, Die Produktionsbedingungen des deutschen und englischen 
Steinkohlenbergbaues. 

Alfred Weber, Lieber den Standort der Industrien. 

Wi idenfeld. Das Rheinisch -Westfälische Kohlen-Syndikat. 
Zoärner, Der Steinkohlenbergbau des preussischen Staates in der 
Umgebung von Saarbrücken. 


Baedekers Jahrbücher für den Oberbergamtsbezirk Dortmund. 

Ber chte des Zentralverbandes der Kohlenhändler Deutschlands. 
„Glickauf,“ Berg- und hüttenmännische Zeitschrift. 

Koi tradiktatorische Verhandlungen über deutsche Kartelle 1903. 
Lembergs Jahrbücher der Steinkohlenzechen und Braunkohlengruben 
Westdeutschlands. 

Veräffentlichungen des Verbandes südwestdeutscher Industrieller. 

Wü ttembergische Industrie, Zeitschrift des Verbandeswürttembergischer 
Industrieller. 

Sta istische Jahrbücher verschiedener deutscher Bundesstaaten. 
Kölnische Zeitung, Rheinisch -Westfälische Zeitung, Kölnische Volks- 
zeitung, Frankfurter Zeitung, Deutsche Bergwerks-Zeitung. 


* f 


• ♦ 


Inhalts Verzeichnis. 

Seite 


Einleitung 5 

I. Der Bedarf Süddeutschlands an Brennstoffen 8 

II. Die Beteiligung der verschiedenen Produktionsgebiete an der 

Kohlenversorgung Süddeutschlands 19 

III. Die technische Gestaltung der Kohlenversorgung .... 64 

IV. Die Organisation des Kohlenhandels in Süddeutschland . . 94 

V. Die Kohlenpreise in Süddeutschland 148 

• • Schlusswort 160 


» # 




^ \ 



t 


t 


Lebenslauf. 

Geboren bin ich am 31. Mai 1875 in Dortmund als 
Soh 1 des verstorbenen Stadtbaiimeisters Carl Manno und 
sein ;r Ehefrau Julie, geb. Büttinghausen, Ich besuchte 
die Gymnasien zu Bonn und Dortmund und erhielt von 
letzterer Anstalt Ostern 1895 das Zeugnis der Reife. Ich 
studierte hierauf 5 Semester Chemie auf den Universitäten 
Lei|; zig, Jena und Münster, wandte mich dann aber juristischen 
und volkswirtschaftlichen Studien zu. In (3öttin»en hörte 

o 

ich bei den Professoren Eexis, Cohn und Ehrenberg, in 
Heidelberg bei den Professoren Gothein, Alfred Weber, 
Sein oeder, Heinsheimer. F. Kleiner, Jellinek, Leser, Jaffe, 
Lev ', P'. A. Schmidt, Pereis, sowie bei den Dozenten Alt- 
mami, Mückle, Wätjen, Salz. Zwischen mednem Göttinger 
und Heidelberger Studium liegt eine 10jährige praktische 
Tätigkeit auf kaufmännischem Gebiete. 

Ernst Manno. 


Zahlentafel 1. 


Verteilung des Kohlenabsatzes des Rheinisch -Westfälischen 
Kohlen-Syndikats und der Kgl. Bergwerksdirektion zu Saar- 
brücken nach Verbrauchern im Jahre 1912. 


Industriezweig 

Ruhr- 
kohlc *) 
0 

.0 

Fiskalische 

Saarkohlc 

"/o 

Gewinnung von Steinkohle, Koks- und Briketfabrikation 
(Selbstverbrauch der Zechen) 

7,00 

11,06 

Erzgewinnung und Aufbereitung von Erzen aller Art . 

0,41 

0,12 

Salzgewinnung, Salzbergwerke und Salinen .... 

0,45 

0,21 

Metallhütten aller Art (ausgenommen Eisenhütten) . 


— 

Eisenhütten, Herstellung von Eisen und Stahl, Frisch- 

und Streckwerke 

Metallverarbeitung (ausgenommen Eisen- und Stahl- 
verarbeitung) 

Verarbeitung von Eisen und Stahl 

Industrie der Maschinen, Instrumente und Apparate . 

42,58 

30,37 

0,07 

0,95 

0,36 

Elektrische Industrie 

1,58 

0,81 

Industrie der Steine und Erden 

4,38 

2,66 

Glasindustrie 

0,70 

0,99 

Chemische Industrie • 

3,03 

1,86 

Gasanstalten 

3,33 

11,38 

Textilindustrie, Bekleidungs- und Reinigungsgewerbe . 

2,82 

2,05 

Papierindustrie und polygraphische Gewerbe .... 

1,32 

0,86 

Leder-, Gummi- und Guttapercha-Industrie .... 

0,30 

0,39 

Industrie der Holz- und Schnitzstoffe 

0,11 

— 

Rüben- und Kartoffelzuckerfabrikation und Zucker- 
raffinerie einschl. Fabrikation von Stärke und 
Stärkesyrup 

0,61 

0,33 

Brauereien und Branntweinbrennereien, einschl. Mäl- 
zereien, Likör-, Presshefe- und Spritfabrikation . 

0,92 

0,29 

Industrie der übrigen Nahrungs- und Genussmittel . 

0,94 

0,06 

Wasserversorgungsanlagen, Bade- und Waschanstalten 

0,39 

0,10 

Hausbedarf 

12,35 

25,21 2, 

Eisenbahn- und Strassenbahnbau und -Betrieb, aus- 
genommen elektrische Bahnen 

10,87 

9,84 

Binnenschiffahrt, See- und Küstenschiffahrt, Hochsee- 
fischerei, Hafen- und Lotsendienst 

4,63 

0,03 

Kriegsmarine 

1,28 

— 


100,- 

100,- 


*) Nur Absatz der dem Rheinisch-Westfälischen Kohlcn-Syndikat angeschlosscnen 
Zechen. Die Koksmengen sind unter Annahme eines Ausbringens von 78% und die Brikets 
unter Berücksichtigung eines Kohlegehalts von 92 auf Kohle zurückgercchnet worden. 

2) Hausbedarf und Handel. 



t 




Zahlentafel 2. 


Staat 


Grösse 

Ortsanwesende 

Zunahme in % 

Auf 1 qkm kommen 


qm 

Bevölkerung 

von 1905 

von 1871 

Einwohner 



1905 

1910 

bis 1910 

bis 1910 

1871 

1910 

Preussen .... 

• • • 

348 780 

37 293 

40165 

IJ 

62,7 

00 

o 

115,2 

Bayern .... 

• • • 

75870 

6524 

6887 

5,6 

41,6 

64,1 

90,8 ‘ 

Baden 

• • • 

15070 

2011 

2143 

6.6 

46,6 

96,9 

142,2 

Württemberg . . 

• • • 

19507 

2302 

2438 

5.9 

34,0 

93,2 

125,0 

Elsass-Lothringen . 

j 

i 

• ■ • 1 

14522 

1815 

1874 

3,3 

20,9 

106,8 

129,1 

Hessen .... 

• • • 1 

7688 

1209 

1282 

6,0 

50,3 

111,0 

166,8 

Deutsches Reich 

1 

i 

• • • i 

! 

1 

1 

1 

1 

1 

■ 

1 

i 

■ 

540858 

60642 

1 

1 

64926 

\ 

! 

7,1 

! 

58,1 

! 

! 

i 

75,9 

120,0 



i 



Zahlentafel 3. 


Durchschnittswert für eine Tonne Kohle auf der Grube (in Mark). 





Steinkohle 





Braunkohle 

1 

Jahr 

Oberberg am tsbezirk 

Sachsen 

Loth- 

ringen 

Oester- 

reich 

Belgien 

, 

Holland 

England 

Bonn 

Snchscn- 

Altenburg 

Königr. 

Sachsen 

Hessen 

; 

Bayern 0 

Böhmen 

Dortmund 

Breslau 

Bonn 

1885 

4,70 

4,37 

7,13 

7,13 

i 

1 

7,72 

1 

5,22 

7,18 


5,19 


1,78 

3,02 

6,62 

4,06 

2,95 

1890 

7,96 

5,49 

9,96 

9,92 

9,93 

5,79 

10,68 


8,30 

1 

1 1,70 

1 

1,98 

2,99 

4,31 

4,97 

3,07 

1895 

6,66 

5,75 

8,34 

9,22 

8,17 

5,96 

7,65 

— 

6,07 

1,38 

1,88 

2,63 

2,77 

3,46 

3,23 

1900 

8,53 

7,72 

11,15 

12,56 

10,66 

7,39 

14,10 

— 

10,86 

2,33 

2,46 

2,80 

2,95 

3,68 

4,44 

1905 

8,40 

7,59 

10,96 

10,58 

10,61 

6,75 

10,24 


6,99 

i 2,17 

2,37 

2,47 

2,18 

2,97 

3,78 

1906 

8,76 

7,75 

11,21 

11,04 

10,77 

7,45 

12,15 

9,05 

7,33 

2,27 

2,32 

2,59 

1,84 

2,60 

3,72 

1907 

9,52 

8,78 

11,93 

11,97 

11,49 

7,95 

13,66 

11,50 

9,05 

1 2,92 

2,41 

2,73 

2,31 

2,98 

4,06 

1908 

10,06 

9,54 

12,37 

12,59 

12,21 

8,56 

13,09 

11,61 

8,96 

3,06 

2,44 

2,80 

1,77 

8,75 

4,46 

1909 

9,94 

9,54 

12,18 

12,39 

11,65 

8,76 

11,64 

11,09 

8,10 

3,04 

2,33 

2,68 

2,14 

7,83 

4,53 

1910 

9,78 

9,17 

12,00 

12,19 

11,54 

8,60 

11,82 

10,76 

8,24 

2,94 

2,26 

2,64 

2,07 

7,47 

4,60 

1911 

9,73 

8,80 

11,49 

1 

12,10 

10,79 

8,47 

11,96 

j 

10,86 

8,19 

2,66 

2,26 

2,54 

2,23 

7,50 

4,51 


Seit dem 1. Januar 1908 wird die oberbayr. sogen. Pechglanzkohle, die früher unter Steinkohle geführt wurde, als Braunkohle aufgeführt. 


n 


1 




Zahlentafel 4 a. 


Frachtsätze für 10 t in Mark nach Bayern und Württemberg. 


\ 

Von 

N< ch 

Essen 

Ru 

Mann- 

heim 

h r k 0 h 1 e 

Karls- Gustavs- 
ruhe bürg 

; Aschaf- 

1 

fenburg 

1 - 


Saar 

Dechen 

Loth> 

ringen 

Spittel 

Schlesien 

Waiden-: i Deutsch- 

bure 

Böhmen 

Brüx 

Belgien 

Lüttich 

Holland 

Heerlen- 

Kerkrade 

Sachsen 

Meusel- 

Zwickau 

Schwan- 

dorf 

Bayern 

Pcissen- 

berg 

Miesbach 

Rhei- 

nische 

Braun- 

kohle 

Liblar 

Auj[sburg . . 

123.— 

75.- 

67.- 

94.- 

79.- 

123- 

94.- 

98.- 

130.- 

150.- 

156.- 

116.- 

142.- 

133.— 

91.- 

94.- 

47.- 

25.- 

31.- 

113.— 

München . . 

131.- 

89.- 

81.- 

107.- 

93.- 

132.- 

102.- 

99.- 

129.- 

142.- 

150.- 

114.- 

150.- 

142.- 

92.- 

96.- 

47.- 

21.- 

19.- 

122.- 

Ro; enheim . 

140.— 

102.— 

94.- 

121.— 

106.- 

140.- 

111.— 

115.- 

129.- 

139.- 

146.- 

115.- 

158.- 

150.- 

98.- 

102.- 

56.- 

34.— 

19.- 

130.- 

Lar dshut . 

130.- 

102.- 

96.— 

105.— 

90.- 

130.- 

112.- 

116.- 

118.- 

137.- 

144.- 

98.- 

149.- 

140.- 

80.- 

85.- 

30.- 

36.- 

35.- 

120.— 

Re{ ensburg . 

121.— 

88.- 

86.— 

91.- 

76.— 

122.- 

105.- 

109.- 

110.- 

133.- 

136.- 

85.- 

140.— 

132.— 

66.- 

72.- 

16.- 

49.- 

48.- 

112.— 

Nüi nberg . . 

107.— 

66.— 

64.- 

69.- 

54.- 

107.- 

91.— 

95.- 

118.- 

141.- 

143.- 

86.- 

126.— 

118.- 

65.— 

69.- 

28.— 

55.- 

62.- 

97.- 

Kulmbach. . 

107.— 

84.- 

88.— 

76.— 

61.- 

112.- 

95.— 

101.- 

111.- 

137.- 

139.- 

77.- 

130.- 

122.— 

43.- 

47.- 

37.- 

82.- 

86.- 

102.- 

Wü'zburg . 

93.— 

43.- 


47.- 

32.- 

93 — 

72.— 

81.- 

130.- 

153.- 

154.- 

109.- 

111.- 

103.- 

77.— 

76.- 

50.- 

72.- 

79.— 

83.— 

Ast haffenburg 

78.— 

35.- 

_ 

27.- 

— 

79.— 

52.- 

62.- 

138.- 

162.- 

163.- 

126.- 

98.— 

90.- 

88.- 

87.- 

70.- 

89.- 

93.- 

62.- 

Ra\ ensburg . 

124.- 

75.- 

67.- 


— 

123.- 

94.- 

92.- 

— 

— 


143.- 

148.- 

133.— 






113.— 

Uln a. Donau 

112.- 

57.- 

49.- 

— 

— 

111.— 

81.— 

86.- 

— 

— 

— 

124.- 

138.— 

121.- 

— 

— 

— 

— 

— 

101.- 

Tübingen . . 

107.— 

50.- 

37.- 

— 

— 

107.- 

70.— 

76.- 

— 


— 

143.- 

127.- 

117.- 

— 

— 

— 

— 

— 

97.- 

Stu :tgart . . 

98.- 

36.- 

27.- 



98.- 

60.- 

66.- 

— 

— 

— 

129.- 

117.- 

108.- 

— 

— 

— 

— 

— 

88.- 

Heidenheim 

113.- 

58.- 

49.- 

— 

— 

112.- 

82.- 

87.- 

— 

— 

— 

119.— 

139.- 

122.- 

— 

— 

— 

— 

— 

102.- 

Heilbronn. . 

93.- 

27.- 

24.- 

— 

— 

92.- 

55.- 

63.— 

— 

— 

— 

126.— 

111.- 

102.- 

— 

— 

— 


— 

81.- 

Schwäb. Hall. 

100.- 

39.— 

36.- 



100.- 

67.- 

75.- 




114.- 

122.— 

110.- 






90.- 











Zahlentafel 4 b. 


Frachtsätze für 10 t in Mark nach Baden, Pfalz und Hessen (Rheinhessen und Starkenburg). 


Von 

Nach 

Essen 

Mannheim 

R u h r 1 

Karlsruhe 

c 0 h 1 e 

! 

Kehl j 

1 

Ludwigrs- 

hafen 

Worms 

Wurm- 

revier 

Kohlscheid 

M 

Lothringen 

Spittel 

Belgien 

Lüttich 

Holland 

Heerlen- 

Kerkradc 

Rheinische 

Braun- 

kohle 

Liblar 

Hessische E 

Trais 

Horloff 

iraunkohle 

Frielendorf 

Freiburg 

108.- 

45.- 

36.- 

26.— 



107.- 

61.- 

58.- 

110.- 

117.- 

97.- 



Offenburg 

99.- 

35.- 

24.- 

12.- 

— 

— 

98.- 

47.- 

44.- 

96.— 

108.- 

88.- 

i 

— 

Karlsruhe 

89.- 

21.- 

— 

1 

1 

— 

— 

88.- 

41.— 

47.- 

98.— 

98.- 

75.- 

j 

— 

Pforzheim 

Os 

28.- 

15.- 


— 

— 

93.- 

47.- 

54.— 

105.— 

103.- 

82.- 

i 

1 

1 

— 

Heidelberg 

83.— 

11.- 

— 

— 

— 

— 

82.- 

40.- 

49.- 

95.- 

91.— 

66.— 

— 

— 

Mannheim 

78.- 

— 

— 

— 

— 

— 

77.- 

35.- 

45.- 

91.— 

86.- 

61.- 

— 

— 

Weinheim 

79.- 

13.- 

— 

— 

— 

— 

79.— 

41.- 

50.— 

92.- 

89.- 

62.— 

— 

— 

Tauberbischofsheim . . 

94.- 

37.- 

— 

— 

— 

— 

94.- 

67.- 

77.- 

133.- 

113.- 

84.- 

— 

— 

Zweibrücken 

82.- 

34.- 



31.- 

36.- 

80.— 

14.— 

21.- 

72.- 

— 

65.- 

— 

— 

Pirmasens 

87.— 

32.- 


— 

30.— 

36- 

82.- 

21.- 

27.- 

78.- 

— 

66.- 

— 

— 

Neustadt a. H 

77.- 

16.— 

— 

— 

14.- 

23.- 

76.— 

26.- 

36.- 

86.- 

— 

60.- 

— 

— 

Kaiserslautern .... 

73.- 

24.- 

— 

— 

21.- 

26.- 

73.— 

19.- 

28.— 

79.- 

— 

56.- 

— 

— 

Ludwigshafen 

75.- 

9.- 

— 

— 

— 

13.- 

75.- 

33.- 

42.- 

88.- 

— 

58.- 

— 

— 

Winnweiler 

68.- 

24.— 

— 

— 

21.— 

18.- 

67.- 

24.- 

34.- 

81.- 

— 

51.- 

— 

— 

Mainz 

63.- 


-- 

— 

— 


62.— 

40.- 

49.- 

84.- 

— 

46.- 

28.— 

48.- 

Darmstad 

70.- 

— 

— 

— 

25.- 

18.- 

70.- 

44.— 

53.- 

92.- 

— 

54.- 

26.- 

46.- 

Bensheim 

75.- 

— 

— 

— 

17.- 

13.- 

75.- 

39.- 

49.- 

96.- 

— 

59.- 

31.- 

51.- 

Alzey 

64.— 

— 

— 

— 

26.- 

15.- 

63.— 

31. ~ 

4L- 

84.- 

— 

47.- 

38.— 

57.- 

Worms 

71.- 




13.- 


70.- 

33.- 

42.- 

91.- 


54.- 

34.- 

54.- 


« 


1 









Zahleniafe! 4 c. 


Frachtsätze für 10 t in Mark nach dem Saargebiet und Elsass-Lothringen. 


Von 


Rubrkotale 


Wurm- 

revler 

Saar 


Belgien 

Holland 

Frankreich 

Rheinische 

Braunkohle 

Hessische 

Braunkohle 

Nach 

Essen 

Mann- 

heim 

Lud- 

wigrs- 

hafen 

Lauter- 

burg 

Straß- 

burg 

Kohl- 

scheid 

Dechen 

St. Ing- 
bert 


Lüttich j 

Hcerlen- 

Kerkrade 

Meurchin 

1 Rou- 
champ 

Liblar 

Trais 

Horloff 

Frielen- 

dorf 

Saar )rücken 

82.- 

— 

36.— 

— 

1 

71.— 

13.- 

10.- 

13.- 

72.- 

_ 

82.- 


62.- 

64.— 

1 

Merz ig 

73.- 

— 

43.- 

— 

— 

63.- 

21.- 

19.- 

18- 

66.- 

— 

82.— 

— 

53.- 

68.- 

— 

Neur Kirchen 

83.- 

— 

31. 

— 

— 

75.— 

7.- 

1 

15.- 

17.- 

76.- 

— 

87.- 

— 

65.- 

59.- 

— 

Mülhausen i. E 

110. - 

60.- 

60.— 

35.- 

27.- 

106. - 

62.- 

59.- 

59.- 

106.- 

116.- 

89.- 

37.- 

99.- 

— 


Coln^ar 

104.- 

50.— 

50. 

29.- 

20.- 

100.- 

53.- 

50.— 

49.- 

96.- 

110.- 

101.- 

49.- 

93. - 

— 

— 

Stras sburg 

95.- 

36.- 

36.- 

19.- 

— 

92.- 

38.- 

35.- 

35.- 

87.- 

102.- 

93.- 

60.- 

84.— 

— 


Hagenau 

90.- 

34.- 

31.- 

16.- 

14.- 

90.- 

35.- 

32.- 

31.- 

83.- 

100.- 

93- 

67.- 

77.- 

— 

— 

Saarhurg 

93.- 

49.- 

46. - 

27. - 

21.- 

85.- 

29.— 

26.— 

25.- 

73.- 

93 — 

78.- 

60.- 

77.- 

— 

— 

Metz 

85.- 

54.- 

51.- 

37.- 

31.~ 

66.- 

30.- 

27.- 

20.- 

56.- 

73.— 

67.- 

61.- 

65.- 

— 

— 

Died inhofen 

78.- 

54.— 

51.- 

39. - 

36.— 

58.- 

31.- 

28.- 

21.- 

49.- 

66.- 

65.- 

70.- 

58.- 

— 

— 














Zählentafel 5. 


Heizwerte 

von Kohlen aus den für die Brennstoffversorgung Süddeutsclilands 

in Betracht kommenden Bergbaugebieten. 


A. Ruhrkohlen: 


I. Magerkohlen. 

Anthrazitnuss II von Gottfried Wilhelm 8089 W.E. 

„ II von Langenbrahm 8235 W.E. 

Eßstückkohlen von Schürbank 7928 W.E. 

Essnusskohlen III von Caroline 7623 W.E. 

' Im Durchschnitt ca. 8000 W.E. 

II. Fettkohlen. 

Consolidation-Nusskohlen II 7882 W.E. 

Constantin der Grosse-Nusskohlen I! . . 7754 W.E. 

Bonifacius-Nusskohlen 7924 W.E. 

Hannibal-Stückkohlen 7827 W.E. 

König Ludwig-Nuss III 7634 W.E. 

Minister Achenbach-Stückkohlen 7828 W.E. 

Rheinpreussen-Förderkohlen 7715 W E. 

Tremonia-Nusskohlen II 7694 W.E. 

Victor-Nusskohlen II 7997 W.E. 

Im Durchschnitt ca. 7850 W.E. 

UI. GasUammkohlen. 

Dahlbusch-Stückkohlen 7809 W.E- 

Graf Bismarck-Stückkohlen 7548 W.E- 

Mathias Stinnes-Stückkohlen 7599 W.E- 

Rheinelbe- und Alma-Nusskohlen 1 7592 W.E. 

Unser Fritz-Stückkohlen 7431 W.E. 

Zollverein-Nusskohlen II 7779 W.E. 

!m Durchschnitt ca. 7650 W.E. 

B. Saar-, Pfalz- und Lothringer-Kohlen: 

Dudweiler-Stückkohlen 7092 W.E. 

itzenplitz-Nusskohlen II 6789 W.E. 

Reden-Nusskohlen 11 7093 W.E. 

Kohlwald-Nusskohlen II 6679 W.E. 

Luisenthal-Nusskohlen II 6678 W.E. 

St. Ingbert 7065 W.E. 

Mittelbexbach 7155 W.E. 

Klein-Rosseln-Nusskohlen II 7389 W.E. 

Spittel 6223 W.E. 

Im Durchschnitt ca. 6900 W.E. 





C. Schlesische Kohlen: 

Königin-Luise-Förderkohlen 

Königsgrube 

Concordia-Kleinkohlen 

Cleophas-Gaskohlen 

Heinitz-Stückkohlen 

Wollheim-Förderkohlen 



Wolfgang-Stückkohlen 

Königshütte-Stücke 

Emanuelssegen 

Im Durchschnitt ca. 6900 W.E. 


D. Sächsische Kohlen: 

Zwickau 

E. Oberbayerische Kohlen: 

Peissenberg 

Hausham 

Penzberg 

F. Böhmische Steinkohlen: 

Austria 

Alexander (Osegg) 

Mathilde 

Brucher Kohlenwerke • . • 

Im Durchschnitt ca. 6100 W.E. 


G. Böhmische Braunkohlen: 


Brüx 

Bilin 

Bilin 


Im Durchschnitt ca. 4300 W.E. 


H. Belgische Kohlen: 


Im Durchschnitt ca. 7250 W.E. 

I. H olländische Kohlen: 

K. Englische Kohlen: 

Wales-Anthrazit 

« « 

Im Durchschnitt ca. 8Ck)0 W.E. 


. 6866 W.E. 

. 6927 W.E. 
. 6923 W.E. 
. 7518 W.E. 
. 6639 W.E. 
. 6671 W.E. 
. 7114 W.E. 
. 7201 W.E. 
. 6737 W.E. 
. 6352 W.E. 


ca. 6300 W.E 


ca. 5400 W.E. 
ca. 5600 W.E. 
ca. 5200 W.E. 


6776 W.E. 
5618 W.E. 
6669 W.E. 
5372 W.E. 


4395 W.E. 
4161 W.E. 
4322 W.E. 


7553 W.E. 
7576 W.E. 
6761 W.E. 


ca. 7200 W.E. 


7925 W.E. 
8092 W.E. 
7906 W.E. 


» 


f 


\ 


Cardiff-Kohlen 


»> « 


Yorkshire . 




• •••••• 

Im Durchschnitt 


7700-7800 W.E. 


7914 W.E. 
7865 W.E. 
7724 W.E. 
7639 W.E. 


7033 W.E. 
7428 W.E. 
7130 W.E. 
7347 W.E. 


L 


Im Durchschnitt 7300—7400 W.E. 


Zahlentafel 6. 


Empfang der verschiedenen süddeutschen Eisenbahn -Verkehrsbezirke an Steinkohlen und Stein- 
kohlenbrikets, Koks, Braunkohlen und Braunkohlenbrikets mit der Eisenbahn im Jahre 1912. 

St. = Steinkohlen und -Brikets; K. = Koks; Br. = Braunkohlen und -Brikets. 

(ln Tonnen.) 







Nach Verkehrsbezirk 





Versand aus 

Sorfei 

37 

t 36 

1 

35 

1 

34 

33 

32 

31 

30 

29 

27 

1 


Verkehrsbezirk 

1 



Mannheim 

1 Baden 

Gross- 

Bayer. 


1 

; 

Zus. 



Nord- 

Süd- 

WUrftem- 

Rheinau 

i ohne 

herzogtum 

‘ Pfalz Ohm 

l 






bayern 

bayern 

berg 

1 Ludwigs. 

1 

Mannheim 

j Hessen 
' ohne Ober 

. Ludwigs- 

Eisass 

! Lothringer 

1 Saargebie 

t 






hafen 

Rheinau 

1 hessen 

1 hafen 

1 

i 

1 


1 

1 

13 und 15, 

St. 

13620C 

1 423 IOC 

1 2 IOC 

'i - 

1 050 

1 

— 

i 


— 

562450 

Schlesien 

K. 

5 IOC 

1 39800 

1 

— 

— 

— 

1 — .. 

— 

— 

— 

44900 

Br. 

1 “ . 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 


St. 

1 












19, Thüringen 

K. 

— 

— 

— 

— 

— 

_ 

_ 


_ 




Br. 

97650 

61700 

7900 

— 

500 

650 

— 

— 

i 

— 

168400 


St. 

292900 

HB 

1200 



_ 





313350 

20, 20a, Sachsen 

K. 

1 1 .300 

18850 

— 

— 

- - 



_ 

_ 

- 

30150 


1 Br. 

19150 


500 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

24850 

22, Ruhrgebiet 

(Westfalen) 

St. 

K. 

Br. 

307850 

234750 

71 250 
83400 


15300 

16650 

53850 

132800 

19500 


14000 

1700 

46000 

2479600 

14450 

76250 

658900 

3065250 







— 

— 

— ■ 

— 


— 

23, Ruhrgebiet 

(Rheinland) 

j St. 

74800 


67250 

5300 



6200 


54.500 

130800 

402950 

s K. 
j Br. 

1 1600O 

■ 

i - 

B- 

13850 

32200 

2500 



28200 


360250 

4000 

472400 

26, Rheinprovinz 

links des Rheins 

1 St. 
K. 

1 16000 
2050 

■H 

21300 

3200 

— 

17750 

4750 

30600 

3900 

■B 

1200 

8000 

219450 

mm 

112000 

284650 


Br, 

j 

:33100 


85100 

5700 

44250 

104700 


47300 

65400 

20900 

513050 


i St. 
■ 

217550 

1 

201 950 

618100 

174800 

711550 

312400 

809350 

441550 

686000 

3117000 

72902.50 

27, Saargebiet 

I K. 
1 

! — 

— 

2450 

— 

6500 

1100 

10750 

6400 

229900 

305150 

562250 


i Br. 

i — 

1 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

1 

1 - 


; St. 
■ 

6050 


2.58400 

16500 

157800 

38200 

146450 

307400 

1 125850 

310900 

1 

2431300 

29, Lothringen 

K. 

1 


1600 




1000 

2350 


2500 

105650 


Br. 

ü 

P 

■ 

E 


— 

— 

— 

— ; 

— 

— 

— 

— 


1 

i 

! St. 

41450 

26100 

50800 

9000 

66950 

17700 

122600 

4950 

34100 

146200 

■ 

519850 

31, Bayer. Pfalz 

i K. 

— 

— 

- __ 









i 

1 

Br. 

— 

1 

j 

— 

— 

— 


— 

— 

; 1 
I 

I 

1 

St. 1 

■ 

■ 








1 


36, Südbayern 

; K. 

— 

— 

— 

— 

— 

— - 1 




_ 



Br. 

2350 

714700 

4200 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

721250 


St. ! 


— 

- 


_ 





3 


37, Nordbayern 

; K. 

— 

— 

— 

— 

— 


___ 



1 

■ 



Br. 

1 163000 

86900 

1800 

— 

18i00 

17 1(K) 

— 

— 

— 

— 

270600 

21, Provinz Hessen* : 

St. 

75900 





26900 






Nassau und 

K. 

7700 

9800 


-- - 

4000 









Oberhessen 

Br. 1 

i 

- 3700 


Bul!l 

— 

3900 

17000 

— 

— 

— 

— 


22, Grossherzogtum 

St. 

443700 

325400 

— 


1500 


15700 



! 

1014350 

Hessen ohne 
Oberhessen ? 

K. 

Br. 

1900 

1100 

1950 


1300 


— 

— 

— 

■ 

i 

1 

13250 

■ 

\ 







' ' ■ 

' ■■■“■ 

““ 

■ ■ 

— 


St. 

1 

4000 



344800 


17.50 

3300 



504850 

33, Baden 

K. 

— 



- 

17a50 


■ 

550 


1 

31100 

.... p 

Br. 1 

— 



— 

42400 

— 

— 

1500 

— 

1 

1 

■ 

1 

76800 

■ 

■ 

34, Mannheim 

St. 

■ 

13700 


852500 

132600 

907 100 

47900 


7150 


1 

1950| 

2099750 

Rheinau 

K. 1 



51 200 

11150 

35400 

750 


800 

1150 

1 

■ 

105400 

Ludwigshafen 

Br. 1 

1 

■ 

1 

1 


50450 

23400 

31550 

850 


950 

— 

■ 

122250 


st. 



1000 

1000 


14200 



346300 

1900 


364400 

30, Eisass 

K. 

600 

2500 

4450 

— 

13400 

— 


30300 

mm 


52300 

1 

I 

Br. 

— 

— 

— 

— 

600 

— 


3900 

— 

— 

4500 


St. 

182800 

88850 

— 



_ 





271650 

54, Böhmen 

K. 

— 

— 

— 


- 








Br. 

1504500 

509350 

9900 

1 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

2023750 

55, Uebriges 

St. 

K. 

\ 

1 

1 

14600 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

14600 

Oesterreich 


r 

“ ' ■ 


— — 

— 

— 

— 

f 

— 

— 

1 

Br, 

— 

12200 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

12200 


St. 

■ 

1 

_ 





2100 

11200 


13300 

58, Frankreich 

K. ! 

— 

— 

— 

— — 





2400 

107950 

i 

110350 


Br. 

— 

1 

I 

1 

— 

— 

— 

1 

— 

— 

— 



St. 

1000 

1150 

12200 


19300 

2850 

2900 

62700 

34800 

5000 


60, Belgien 

K. 

— 

i 

— 

— 

— 

— 

— 

5000 

332200 

.. 

«SfWM 


Br. 


— 

- -■ ■ 

— 

— 

— 

— 

— 

! 

— 

— 


st. 

2250 

3050 

73.50 


9350 

5200 


2850 

2400 


32450 

61, Holland 

K. 

— 









i 

■ 

Br. 

■ 

— 

— 

— 

— 

— i 

— 

— 

— 

— 

- 1 

— 


St. 

1812150 

1378600 ! 

1986400 

343500 

2278750 

918400 

1 196900 

1202900 

2005400 

3728 100 j 

16851 100 

Zusammen 

K. 

279400 

172850 

196500 

80800 

1455.50 

43200 

70400 

56000 

3823550 

4358001 

52.54050 

i 

Br. 

1 

1 8234.50 

1442.300 

192650 i 

j 

29100 i 

1 

1 

125000 

140300 

70600 

53650 1 

65400 

20900 1 

3963.350 






















































i 


Zahlentafel 6. 


Empfang der verschiedenen süddeutschen Eisenbahn -Verkehrsbezirke an Steinkohlen und Stein- 
kohlenbrikets, Koks, Braunkohlen und Braunkohlenbrikets mit der Eisenbahn im Jahre 1912. 

St. = Steinkohlen und -Brikets; K. = Koks; Br. = Braunkohlen und -Brikets. 

(In Tonnen.) 


Versand aus 
Verkehrsbezirk 


13 und 15, 
Schlesien 


19, Thüringen 


20, 20a, Sachsen 


22, Ruhrgebiet 

(Westfalen) 


23, Ruhrgebiet 
(Rheinland) 


26, Rheinprovinz 

links des Rheins 


27, Saargebiet 


29, Lothringen 


31, Bayer. Pfalz 


36, Südbayern 


37, Nordbayern 


21, Provinz Hessen 
Nassau und 
Oberhessen 


22, Grossherzogtum 
Hessen ohne 
Oberhessen 


33, Baden 


34, Mannheim 
Rheinau 
Ludwigshafen 


30, Eisass 


Sorten 










54, Böhmen 


55, Uebriges 
Oesterreich 


58, Frankreich 


292900 
1 1 900 
19150 


307850 

234750 


74800 

16000 


16000 
2050 
33 100 


6050 


75900 

7700 

3700 


13700 


600 


182800 


1000 


2250 


Nach Verkehrsbezirk 


37 

36 

35 

34 


32 

31 

30 

29 

27 

Nord- 

bayern 

SUd- 

bayern 

Württem- 

berg 

Mannheim 

Rheinau 

Ludwigs. 

hafen 

Baden 

ohne 

Mannheim 

Rheinau 

Gross- 
herzogtum 
Hessen 
ohne Ober- 
hessen 

Bayer. 
Pfalz ohne 
Ludwigs- 
hafen 

Eisass 

Lothringen 

Saargebiet 


Zus. 


136200 423100 

5100 39800 


2 100 — 



562450 

44900 


97650 61700 


19250 

18850 

5200 


71 250 
83400 


7900 


1200 

500 






62850 

13850 


13400 

1350 

48800 


6725C 

3220C 


85100 




41450 26100 


50800 


2350 714700 


4200 


163000 86900 


1800 


9800 


443700 325400 

1 900 1 100 


1950 


2250 


1000 

2500 


88850 


1504500 509350 


_ 14600 


— 12200 


9900 


1150 12200 


3050 


15300 


5300 

2500 



16650 132800 

53850 19500 


14000 46000 

1700 2479600 


168400 


313350 

30150 

24850 


658900 

3065250 




81100 

5000 


5700 


217550 201950 618100 174800 

— — 2450 — 


17750 30600 

4750 3900 

44250 104700 


711550 312400 

6500 1100 


6200 

28200 


1950 

2050 

57800 


809350 

10750 



1200 

47300 


441550 

64(X) 


54500 130800 402950 

360250 4000 472400 


8000 1 800 112000 
219450 47900 284650 

65400 20900 513050 




686000 3117000 7 290250 

229900 305150 562250 


258400 16500 167800 38200 146450 307400 1125850 310900 2431300 

1600 _ 5100 _ 1000 2 350 92000 2 500 105650 



9000 


66950 17700 122600 


4950 34100 146200 519850 


721250 


18;00 17 1(K) 


270600 


222750 

5160 


15700 


344800 
1735 
4240 


1750 


852500 132600 

51200 11150 

50450 23400 


1000 

4450 


42 

34 


600 




1500 


7150 

800 

950 


346300 

30300 

3900 


1900 

1050 


2850 


2900 


9350 


5200 


Zusammen 



279400 172850 196500 30800 145550 43200 

1823450 1 442300 192650 29100 125000 140300 


70400 

70600 


2100 

2400 

11200 

107950 

62700 

5000 

34800 

332200 

2850 

2400 

1202900 

56000 

53650 

2005400 

3823550 

65400 


1014350 

13250 


504850 

31100 

76800 


1950 2099750 

105400 
122250 


364400 

52300 

4500 


271650 

2023750 


14600 


12200 


13300 

110350 


5000 141900 

337200 


32450 


20900 3963350 























































































Zahlentafel 7. 


Entwicklung des Steinkohlenbergbaues im Deutschen Reich. 


Oberbergamtsbezirk 


Dortmund Breslau 


Bonn 


Clausthal 


Halle 


Zus. 

Preussen 


( 

• i Zus. 

_ ^ Eisass- ^ ^ Uebrige ^ 

Sachsen . , . Bayern *) ^ Deutsch 

Lothringen Staaten 

land 


Förderung (in 1000 t) 



1885 

28970 

15786 

7634 

465 

23 

52879 

4151 

591 

586 

113 


1890 

35469 

20076 

8178 

628 

23 

64374 

4151 

775 

791 

147 


1895 

41 146 

21944 

8974 

549 

9 

72622 

4435 

990 

973 

149 


1900 

59619 

29597 

11980 

758 

12 

101966 

4803 

1137 

1 185 

199 


1905 

65374 

32319 

14566 

735 

7 

113001 

4943 

1824 

1318 

213 

\ 

1906 

76811 

35063 

15663 

749 

11 

128296 

5148 

2072 

1381 

221 


1907 

80183 

37803 

15289 

760 

10 

134044 

5232 

2194 

1496 

220 


1908 

82665 

39590 

15990 

748 

10 

139002 

5378 

2368 

708 

215 

0 

1909 

82804 

40275 

16095 

724 

9 

139906 

5442 

2467 

759 

213 ' 


1910 

86865 

39993 

16177 

729 

8 

143772 

5370 

2686 

774- 

226 1 

l 

1911 

91329 

42300 

16954 

733 

7 

151324 

5418 

3033 

763 

208 


1912 

100265 

46584 

17736 

708 

9 

165303 

5066 

3539 

791 

I 


1913 

110722 

49077 

20657 

948 

8 

181413 

5471 

3817 

811 

! 

[ 

I 






Zunahme 1913 gegen 

i 1 

1885 





1000 t 

81752 

33291 

13023 

483 

— 

128534 

1320 

3226 

225 

1 

1 


«/o 

282,20 

210,89 

170,59 

103,87 

— 

243,07 

31,80 

545,85 

38,40 

— 






Anteil an der Qesamtförderung (% 

) 




1885 

49,67 

27,07 

13,09 

0,8 

0,04 

90,67 

7,12 

1,01 

1,01 

0,19 


1913 

57,81 

25,63 

10,79 

0,5 

— 

94,73 

2,86 

1,99 

0,42 

1 


58320 

70238 

79169 

109290 

121299 

137118 

143186 

147671 

148788 

152828 

160747 

174881 

191511 


133191 

228,78 


100 

100 


\ 


Seit 1. Januar 1908 wird die oberbayerische sogen. Pechglanzkohle, die früher unter Steinkohle gezählt wurde, als Braunkotile aufgeführt. 







Zahlentafel 8. 


Entwicklung des Braunkohlenbergbaues im Deutschen Reich. 


Jahr 

Halle 

0 b e r b ( 

1 

Bonn 

ergamts 

Breslau 

bezirk 

Clausthal 

Zus. 

Preussen 

Sachsen- 

Alten- 

burg 

König- 

reich 

Sachsen 

. Braun- 
schweig 

Anhalt 

Hessen 

Bayern 0 

Uebrige 

deutsche 

Staaten 

Zus. 

‘ Deutsch- 
land 

1885 

11424 

1 

360 

1 

416 

186 

För 
i 12387 

deru ng 
859 

(in 100 
732 

0 t) 

380 

893 

60 

11 

33 

15355 

1890 

14077 

662 

448 

. 281 

15468 

1081 

848 

568 

868 

173 

10 

37 

19053 

1895 

17565 

1682 

476 

392 

20115 

1377 

1018 

869 

1 108 

233 

29 

39 

24788 

1900 

27407 

5197 

869 

535 

34008 

1866 

1541 

1360 

. 1347 

256 

39 

81 

40498 

1905 

34190 

7961 

1216 

781 

44149 

2408 

2168 

1725 

1465 

422 

122 

52 

52512 

1906 

36022 

9707 

1368 

815 

47913 

2235 

2314 

1924 

1415 

434 

140 

44 

56420 

1907 

38948 

11309 

1512 

891 

52661 

3061 

2486 

2166 

1368 

476 

286 

43 

62547 

1908 

40331 

12603 

1535 

o 

00 

00 

55457 

3789 

2884 

2280 

1306 

466 

1415 

18 

67615 

1909 

41395 

12303 

1344 

987 

56030 

4080 

3168 

2099 

1294 

499 

1480 

9 

68658 

1910 

41171 

13083 

1361 

1029 

56644 

3972 

3624 

2058 

1266 

482 

1495 

6 

69547 

1911 

42633 

14957 

1878 

1063 

60532 

3657 

4325 

1881 

1321 

499 

1548 

11 

73774 

1912 

44891 

17609 

2171 

1132 

65804 

4092 

5339 

2063 

1543 

394 

1700 

- 

80935 

1913 

46502 

20335 

1 

2305 

1115 

70256 

4910 

6316 

2183 

1474 

429 

1895 

11 

: 87475 

1000 t 

35078 

19975 

1 

S 1889 

929 

Zunat 

57869 

ime 191 
4051 

3 gegen 
5584 

1885. 

1803 

581 

369 

1884 


72120 

% 

307,06 

5548,01 

454,09 

499,46 

467,18 

471,59 

762,84 

474,47 

65,06 

615,00 


— 

469,68 

1885 

74,40 

2,35 

2,71 

An 

1.21 

teil an ( 
80,67 

1er Gesc 
5,60 

imt^örde 

4,77 

irung (0/ 
2,47 

o)* 

5,82 

0,39 

0,07 

0,21 

100 

1913 

53,38 

23,34 

2,65 

1,28 

80,65 

5,64 

7,25 

2,50 

1,69 

0,49 

2,18 

0,01 

100 


1) Seit 1. Januar 1908 wird die oberbayerische sogen. Pechglanzkohle, die früher unter Steinkohle gezählt wurde, als Braunkohle aufgeführt. 


♦ 


$ 


* 




« 






Kokserzeugung im Deutschen Reich (in 1000 t). 


Zahlentafel 9. 


Jahr 

Dortmund 

( 

Bonn 

Dberbergamtsbezirl 

• 

Breslau Halle 

Clausthal 

Zus. 

Preussen 

Sachsen 

Zus. 

Deutsch- 
land 9 

1901 

8052 

380 

633 


34 

9100 

63 

9163 

1905 

12098 

1936 

2053 

133 

205 

16424 

68 

16491 

1906 

15556 

2168 

2173 

136 

166 

20199 

67 

20266 

1907 

16604 

2581 

2395 

139 

153 

21872 

66 

21938 

1908 

15567 

2819 

2444 

142 

137 

21 110 

65 

21 175 

19'w9 

15534 : 

3180 

2401 

145 

84 

21344 

63 

21408 

1910 

17424 

3445 

2437 

146 

85 

23537 

63 

23600 

1911 

18828 

3546 

2655 

138 

86 

25253 

62 

25405 

1 

1912 

22134 

3718 

2926 

121 

85 

28984 

62 

29141 

1913 

24737 

1 

3928 

3114 

1 

145 

86 

32011 

65 

32168 


0 Ausserdem wurden nach dem Geschäftsbericht 
angeschiossenen Gasanstalten gewonnen in: 


der Wirtschaftlichen Vereinigung deutscher Gaswerke auf 


den ihr 


1908: 1 199673 t 
1909: 1240927 t 


1910: 1302147 t 
1911 : 1206831 t 


1912: 2141910 t 
1913: 3898366 t 


Zahlentafel 10. 


Steinkohlenbriketherstellung im Deutschen Reich (in 1000 t). 


Jahr 

Dortmund 

Breslau 

Bonn 

Clausthal 

Halle 

Zus. 

Preussen 

Sachsen 

Zus. 

Deutschland 

1907 

3043 

206 

71 

94 

63 

3478 

46 

3524 

1908 

3452 

229 

71 

133 

57 

3942 

53 

j 3995 

1909 

3300 

280 

63 

106 

111 

3921 

55 

3976 

1910 

3692 

417 

69 

118 

89 

4386 

55 

1 4441 

1911 

4212 

424 

77 

122 

100 

4936 

55 

4991 

1912 

4557 

481 

86 

80 

79 

5273 

61 

5334 

1913 

4954 

532 

107 

94 

73 

% 

5759 

65 

5824 

] 


Die Erzeugung der dem Handel gehörenden Briketfabriken, so der am Oberrhein befindlichen Fabriken, 
ist in der Aufstellung nicht enthalten. 









Zahlentafel 11. 


Entwicklung des Versandes mit der Eisenbahn in Erzeugnissen des Ruhrbergbaues nach Süddeutschland 

(In Tonnen.) 


Steinkohlen 


Stein kohlen-Brikets 


1909 1910 1911 1912 1909 1910 1911 1912 



s 

1911 


1912 


Nordbayern 


aus 

Verkehrs- 

bezirk 


22 254370 

23 71200 

30 — 

21 I 68450 

32 379450 

33 I 3 25o 

3t f 4650 


254850 

70750 

66 100 
316950 
1800 
3200 


255700 

79850 

82 200 
324900 
3950 
4700 


283700 

67800 

76 900 
391 500 
50 
12700 


7200 

4200 


5 800 
4 600 


3370 47500 

— 100 


Zusammen jl 781370 613650 751300 831650 I 45100 


58000 


8600 

6050 


51 750 
50 
300 

66750 


24150 1 168000 182600 

7000 ! 10000 11150 

— j 9400 8450 

522.50 5650 3900 

\ 

1000 I — — 

84400 193050 206100 


211100 

20000 

9600 

3450 

50 

200 


234750 

16000 

7750 

1900 

100 

100 


244400 260600 


(22 

I OQ 


Südbayern 


aus I dl 

Verkehrs- <21 
bezirk 1 32 


89100 i 104200 
80600 1 97100 


70250 

62650 


61 600 
49500 


3(X) 

200 


100 

200 


32 1 331150! 293600 i 306900: 296800 

33 I 11900 20500 ! 39800 i 4000 

Ol n ^ i -lorr/i ' 0 


19650 i 20950 

21700 * 16650 


24700 ' 29100 


16600 


1 1 000 


13550 ! 48950 


Zusammen I 529850 1 526700 ' 493150 460850 


450 

66500 


_260 

66950 


13300 

100 

29400 

400 

2150 

54650 


9650 

13350 

1000 

28650 

50 

9950 


84850 

21500 

650 

4200 

250 

100 


76 100 
23750 
1300 
5050 
200 

100 


83650 

19500 

450 

8800 

300 

100 

100 


83400 

13850 

2450 

9800 

1100 

500 

600 


62650 I 111550 I 106500 112900 111700 


Württemberg 

22 

28 

aus 30 

Verkehrs- <21 
bezirk 1 32 


66 100 
90800 
1 000 
500 
150 


72150 

78100 


43800 

64700 

3300 


33 586100 

34 4042(10 


250 — 

501050 567750 

322750 359200 


39800 

65300 

1000 

50 

148000 

809650 


6650 

2100 


4750 

1800 


4400 

1800 


3400 

1950 



37900 

65250 


76850 

32200 


Zusammen 1148850 974300 1038750 1063800 






— 1 

O VO\J 

11400 

i ! 

11350 

12900 

rtciv 

9900 



— 


1 

200C 

4150 

6150 

1950 

2600 

0 

9000 

22050 

3000 1 

14000 

11950 

37950 

12700 

2570 


26400 

. 22600 

42900 1 

17800 

10800 

17350 

51 150 

6045 


42050 

50 850 


162800 

146950 

177950 

189200 


Mannheim, 

Rheinau, 

Ludwigshafen 


(22 

I 


aus I 30 

Verkehrs- { 21 
bezirk 32 


1050 

550 


360 

26900 

72700 


6«!0 

2700 


300 

33700 

766.50 


300 

950 


100 

43500 

79750 


5300 


300 

400 

116200 


600 

6.50 


4600 

15200 


Zusammen 101560 113950 i 124600 ! 122200 I 2105 


400 

200 


2150 

11050 

1000 


14800 


300 

600 


5 100 
6900 
2150 


15050 


3.50 


5000 

16400 



Baden, ohne 
Mannheim und 
Rheinau 


(22 

I 


aus 1 30 

Verkehrs- 21 

bezirk 32 

33 
^4 

Zusammen 


Grossherzogtum 
Hessen, ohne 
Oberhessen 


aus 

Verkehrs- 

bezirk 


29000 
8400 
5700 
100 
1100 
504 1 00 
542.550 


27 900 
9800 
4800 

2100 
593 .300 
450 900 


25400 
9000 
11700 
100 
1700 
645 150 
462500 


15400 

9550 

12000 

1300 
337 8Ü0 
773300 


7250 ! 2200 

1 650 i 1 800 

3900 850 


58600 

30200 


150 

43850 

16300 


2800 

900 

1100 


56450 

61850 


1250 

12.50 

2200 

200 

7000 

133800 


1090950 I 1088800 1155550 1149.350 1 101600 65150' i 123100 145700 


116950 115800 114400 

105250 80550 : 81100 

38500 .50000 | 40800 

209150 179600 j 177100 

7050 16850 I 15050 

27800 24100 I 30900 


125400 

76750 

26300 

211650 

200 

461.50 


5550 

1000 

150 

8850 

100 

300 


2800 

3650 

150 

8200 

350 

650 


5800 

3250 

100 

7100 

700 

1100 


7400 

4300 

600 

11100 

1750 


Zusammen I 504700 466900 4.59350 486450 i 15950 


15800 18050 


Rheinpfalz, ohne 
Ludwigshafen 

(22 i 

I OQ 


aus 

Verkehrs- 

bezirk 


12150 

3700 


20 000 
5350 
48400 


11000 
6 500 


23700 
9 700 
51 7.50 



Zusammen 


89600 i 101650 95950 


11750 

4150 


1110 

175 

7115 

9990 


1250 

1750 


200 

450 


3650 


1700 

2760 


4600 

450 

450 


9950 


25' 

240 


58.50 

750 

1950 

11200 


95 

205 


4600 

6150 

13750 


Eisass 


aus 

Verkehrs- 

bezirk 


22 10700* 

23 4850 

30 218300 

- 

32 I 

.33 28450 

34 I 29050 


6500 

6300 

292000 


5000 

1550 


7900 

7100 

344300 


7400 

2200 


13800 

8550 

324250 


3100 

6300 


Zusammen i 291350 311350 368900 356000 


1550 

2250 

2360 


300 

6450 


1700 

3850 

9600 


200 

15350 


2050 

10550 


200 
WO 

12900 


1200 

850 

22100 


200 

800 

25150 


Lothringen 


(22 
I ou 


aus 


47800 

22000 

700 


35 800 
20650 

1000 


27 050 
43500 
1350 



1500 

17950 


3600 

18200 


8300 

30350 


150 


Verkehrs- < 21 | — 


bezirk 


Zusammen 


150 

70650 


_ 100 
57 550 


150 

72050 


400 

71150 


250 


19450 


21800 


38650 


1 12850 

11000 

1 

12550 

15300 

850 

4200 

3100 

2500 

1 ‘*i00 1 

300 

450 

500 

1 200 

550 

650 : 

1850 

1 2100 

2800 

3350 1 

— 

1 5100 , 

4400 

4950 ' 

11150 

1 21 300 

23250 

25050 


25700 

1 

18500 

45500 1 

53850 

I 3600 

3500 

3.350 

3950 

1 83.50 

11500 

12150 

13400 

1 3800 

5150 

58.50 

4000 

i 1150 

1100 

1350 1 

1300 

12600 

16600 1 

24050 

17350 

11450 

6600 i 

11800 

35400 

1 66650 

62950 , 

104050 

129250 

1 13000 

i 

i 

14350 

1 

• 1 

j 

15600 ' 

19500 

I 5300 

4100 

5700 , 

5000 

4400 

2600 

5950 

7800 

5450 

6350 

60.50 

5150 

100 

200 

600 

100 

I 200 

2.50 

150 

7.50 

1 28450 

27850 

34050 

38300 

1 17800 

20200 

1 

' 

■ 

21000 

24050 

1 18800 

20600 

25350 

28200 

1 200 

450 

850 

400 

I 550 

850 

450 

300 


350 

i 850 

— 

1 1700 

2450 

21.50 

4350 

1 39050 

44900 

50650 

.57300 

1 9900 

8000 

10000 

1700 

I 10900 

1100 

1 1000 

6450 

1 15450 

34900 

24500 

30 300 

1 100 

250 

700 

550 

j 1200 

100 

700 

800 

1 37 550 


36900 

39800 

1478050 

1 

1948750 

2344700 

2479600 

426600 

242700 

585 .500 

360250 

500 

2100 

800 

1050 

* 

z 

E 

IlOO 

1 1 905 150 

2193550 

2931000 

2842000 


Saargebiet 


aus 

Verkehrs- 

bezirk 


21900 

26600 


7000 21900 

83900 I 123100 


9650 

125700 

650 


25W 

51000 


_ 700 — _ 

91600 145000 


190 0 

137900 


Zus^rnmen ^ i i iutu/mi 


Zusammen . . 14659880 i 4446450 4704600 1 4779250 





14100 

13650 

9800 

76300 

83850 

61600 

80250 

323950 

404 85Ö 

471 900 

1 2641850 

2940250 

3778550 

3779700 





















Zahlentafel 12. 


Kohlenabfuhr aus den Häfen Ruhrort, Duisburg 

und Hochfeld (in 1000 t). 


Nach dem Mittelrhein Nach Koblenz 

bis Koblenz und oberhalb 


Gesamtabfuhr 
rheinaufwärts und 
rheinabwärts 


1885 

1890 


1895 


1900 


1905 


1906 


1907 


1908 


1909 


1910 


1911 


107 


113 


151 


128 


106 


116 


127 


629 


1 024 


2686 


3244 


5922 

5937 

5505 

5950 


6805 


6804 


6205 

6363 


2633 

3533 


4520 


5160 


8173 

9603 


8926 


9066 


10725 


11942 

12882 


13496 


1912 


7050 


15521 



Zahlentafel 14. 

Eisenbahnabsatz der Aachener Kohle mit der Eisenbahn 

in Süddeutschland. 

St. = Steinkohlen und Brikets; K. = Koks. 

(ln Tonnen.) 



1909 

1910 

1911 

1912 

Nordbayern 

. . St. 

14300 

18500 

19200 

1 

■ 16000 


K. 

2000 

2700 

2900 

2050 

Südbayern 

. . St. 

11200 

' 14300 

14 200 

13400 


K. 

8700 

5500 

2800 

1350 

Württemberg 

. . St. 

27700 

26300 

27200 

21300 


K. 

30700 

26500 

6400 

3200 

Baden 

. . St. 

20700 

16600 

24500 

17750 


K. 

5500 

4500 

5500 

4750 

Qrossherzogtum Hessen 

. . St. 

33000 

35300 

32900 

30600 


K. 

8400 

5500 

5900 

3900 

Bayer. Pfalz 

. . St. 

1400 

1500 

1400 

1950 


K. 

6300 

5200 

1200 

2050 

Eisass 

. . St. 

1200 

1300 

2200 

1200 


K. 

700 

400 


— 

Lothringen 

. . St. 

2400 

2500 

3700 

8000 


K. 

94200 

2300 

219700 

219450 

Saargebiet 

. . St. 

1450 

1900 

1400 

1800 


K. 

134300 

96200 i 

1 

113200 

47900 


Steinkohlen und Brikets .... 113350 118200 | 126700 s 112000 

Koks 200800 148800 ! 357600 284650 

I I 


Zählentafel 15. 



Eisenbahn-Absatz der Saar in Süddeutschland. 


St. = Steinkohlen; K. = Koks. 
(In Tonnen.) 




1909 

1910 

1911 

^ 1912 

Nordbeyern 

. . St. 

155350 

164150 

158750 

217550 


K. 

t 

I 

— 

— 

— 

Südbavern 

. . St. 

1 

1 37 550 

142950 

181700 

201 950 


K. 

700 

200 

100 

— 

Württe nberg 

. . St. 

592 300 

573 900 

644350 

618100 


K. 

3 300 

t 

4400 

2100 

2450 

Mannh ;im, Rheinau, 1 

St. 

83 750 

64 400 

121 100 

1 74 800 

Ludwigshafen 1 

K. i 

1 000 

150 

300 

150 

Baden 

. . St. 

61 1 650 

512150 

583 200 

711550 


K. 

\ 

3100 

2 250 

1900 

6500 

Grosshirzogtum Hessen 

. . St. 

321 400 

302 550 ' 

303 250 

312400 


K. 

850 

400 

700 

1 100 

Bayer, ^falz 

. . St. 

825900 

764 250 

780 700 

809350 


K. 

7 000 

7950 

5850 

10750 

Eisass 

. . St. 

548450 

419550 

433 900 

441 550 


K. 

5650 

7700 

4450 

6400 

Lothringen 

. . St 

570 500 

531 000 

542 700 

686 000 


K. 

217150 

2 1 4 550 

217850 

229900 

Saargel 'iet 

. . St. 

2715800 

2 825 200 i 

2 887 050 

3117 000 


K. 

296 300 

307600 

323 000 ^ 

305150 

Zusammen . . 

. . St 

6562650 

6 300 1 00 

6 636 700 I 

7 290 250 


K. 

535 050 

545 200 

555250 

562 400 


Einfihr von Saarkohlen nach Elsass-Lothringen auf dem 

Schiffswege (Kanal). (In Tonnen.) 


1910 


1911 


1912 


■ 


t 

i 




\ 

i 


» 





1 54 1 75 


1 43 900 


150450 


Zahlentafel 16. 


Eisenbahn-Absatz Lothringens in Süddeutschland. 

St. == Steinkohlen ; K. = Koks. 

(ln Tonnen.) 



1909 

1910 

1911 

1912 

Nordbayern 

. St. 
K. 

5400 

5600 

8350 

6050 

Südbavern 

. St 

22200 

30750 

46950 

63750 

K. 

— 

— 

— 

1 100 

Württemberg 

. St. 

118000 

162350 

232 200 

258 400 


K. 

200 

150 

1 650 

1600 

Mannheim, Rheinau, ( 

St. 

1500 

56950 

24800 

16500 

Ludvvigshafen ^ 

■ K. 

150 

— 

— 

— 

Baden 

. St. 

102 200 

167 350 

148550 

157800 


K. 

450 

4000 

4200 

5100 

Grossherzogtum Hessen . 

. St 

9800 

34350 

33000 

38200 


K. 

— 

— 

— 

— 

Bayer. Pfalz 

. St 

93050 

102 200 

145200 

146450 


K. 

150 

— 

550 

1000 

Eisass 

. St 

307 250 

254 850 

227 500 

307 400 


K. 

5800 

1050 

4150 

2350 

Lothringen 

. St 

912 350 

951 300 

1 171000 

1125850 


K. 

11100 

74350 

77 200 

92000 

Saargebiet ....... 

. St 

241 250 

273 600 

285600 

310900 


K. 

250 



2500 


Zusammen .... St. 

K. 


1813000 2039300 2323150 2431300 
18100 79750 89800 105650 








u;c£6r,'t^ 

'Vor.8‘48 = 1 1181-24 1 

®/o89‘c!9 = 1 r, 11 246^ 

81/2161 

1128 8911- 

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21/1161 

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®/o19‘08 = 1 180 2V11 l 

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11/0161 

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1 

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01/6061 

1881791^18 : 

^/oS2‘86 = 1 Z.86 684 

%81‘94 — 1 9619012 

60/8061 

198Z.Z.18 0 

%29‘1’6 — 1889169 

”/o28‘24 — 18118212 

80/4061 

1862 981^6 

= 1294112 

%44‘44 = 18881681 

40/9061 

1 8Z,8 1 1 1 8 

®/o 81 ‘61 — 1888 801 

‘’/o 48‘08 — 1 061 404 1 

90/206 1 

1 201^ 088 l 

i 

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1 

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20/1061 

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♦ ► 

Zahlentäfel 17. 




Braunkohlenbriket-Herstellung in Deutschland (in 1000 t). 






Oberbergamtsbezirk 


Zus. 


Zus. 

i 



Jahr 

Breslau 

Bonn 

Halle 

Clausthal 

Sachsen 

Preussen 

Deutschland 0 

i 

1 

1 



1897 

33 

531 

2925 

43 

3582 

54 

3940 



1900 

77 

1275 

4444 

35 

5831 

97 

6506 



1905 

158 

2021 

6670 

75 

8924 

261 

10233 



1907 

206 

3045 

7710 

90 

11053 

404 

12890 



1908 

229 

3524 

8221 

112 

12063 

508 

14227 



1909 

280 

3412 

8753 

123 

12446 

602 

14834 



1910 

417 

3628 

8731 

122 

12633 

786 

15126 



1911 

424 

4 232 

9480 

134 

14197 

953 

16837 

% 


1912 

481 

5 023 

10407 

152 

16053 

1 123 

19058 



101 ^ 


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1) ohne Bayern. 





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0161 

1909 

1 908 

1907 

1905 

(X)6 1 

068 1 

1 

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.1 


Zahlentafel 20. 


Eisenbahn-Absatz der rheinischen Braunkohle in 

Süddeutschland. 

Z. = direkt ab Zeche; U. = ab Umschlagplatz. 

(In Tonnen.) 



Nordbayern Z. 

Südbayern Z. 

U. 

Württemberg Z, 

U, 

Mannheim, Rheinau ( Z 

Ludwigshafen ^ U 

Baden Z 


Grossherzogtum Hessen. . . Z 

U. 

Bayer. Pfalz Z. 

U. 

Eisass Z. 

U. 

Lothringen Z 

Saargebiet Z, 


Zeche 

Umschlagplatz .... 


Zusammen 


Mit Schiff an Rheinuferplätzen von 
Mannheim bis Strassburg angeliefert 

Ab Oberrhein versandt (Inland und 
Ausland) 

Mithin weiter an den Rheinufer- 
plätzen in den Konsum überge- 
gangen 


1909 

1910 

191 1 

1912 

1 1 300 

15300 

25600 

33100 

19100 

22800 

29900 

48 800 

— 

800 

1 800 

3450 

90100 

87000 

83 700 

85100 

22 500 

41 900 

60900 

82150 

16400 

9500 

9300 

5 700 

3 000 

9400 

22 000 

23400 

75 1 00 

55 800 

50700 

44 250 

20 000 

34 000 

54 300 

73 950 

82100 

74 900 

76 300 

104 700 

200 

500 

400 

850 

51 90(1 

51 300 

55900 

57 800 

600 

5 300 

9100 

1 2 800 

56600 

41 200 

49 700 

47 300 

900 

1 700 

4 900 

2 450 

60300 

49 200 

56 300 

65 400 

15100 

15600 

16500 

20 900 

478000 

422600 

453 900 

513050 

47200 

93 600 

1 53 400 

1 99 050 

525 200 

516200 

607 300 

712100 

156900 

245300 

314600 

402300 

54 700 

101500 

1 64 800 

228300 

1 02 200 

143800 

1 49 800 

1 74 000 


Zahlentafel 21 


Ausfuhr Belgiens nach Deutschland 0« 

(ln 1000 t.) 



Kohlen 

Koks 

1 

Brikets 

329 

263 

32 

508 

385 

33 

617 

330 

! 116 

935 

416 

124 

541 

365 

95 

600 

395 

111 

478 

439 

87 

547 

493 i 

89 

499 

525 j 

99 

434 

1 

545 i 

o/ 

384 

510 1 

32 

315 ' 

518 

14 


in das deutsche Zollgebiet, also ein 
Luxemburg. 



Zahlentafel 22. 


Eisenbahnversand Belgiens nach Süddeutschland. 

St. = Steinkohle und Brikets; K. — Koks. 

(ln Tonnen.) 



[ 1909 

1910 

1911 

1912 

Nordbayern 

. St. 

930 

750 

850 

1000 

K. 

50 

— 

— 

— 

Südbayern 

. St. 
K. 

750 

950 

650 

1 150 

Württemberg 

. St. 

14 600 

12100 

13200 

12 200 

K. 

— 

; — 

— 

— 

Baden 

. St. 

23100 

19400 

22150 

19300 


K. 

1 050 

900 

— 

— 

Grossherzogtum Hessen . 

. St. 

3500 

2750 

2600 

2850 

K. 

— 

— 

— 

— 

Bayer. Pfalz 

. St. 

2 750 

2 200 

2 900 

2900 

K. 

500 

— 

— 

— 

Eisass 

. St. 

99100 

85 1 00 

80000 

62 700 


K. 

4700 

3 600 

5 750 

5000 

Lothringen 

. St. 

74550 

72 250 

42 1 00 

34800 

K. 

1 32 950 

303 400 

308000 

332 200 

Saargebiet 

. St. 

3 950 

5100 

4450 

5000 

K. 

— 

— 

— 

— 

Zusammen . . . 

. St. 

223 230 

200 600 

168900 

141900 


K. 

139250 

307 900 

313750 

337 200 


Eisenbahnabsatz französischer Brennstoffe in 

Süddeutschland. 

(ln Tonnen.) 



1 1 909 

1910 

191 1 

1912 

Eisass St. 

K. 

Lothringen St. 

K. 

3 000 
1 750 

300 
44 350 

2 300 

1 850 

2 1 50 
69000 

1 750 
1 950 

850 

76000 

2100 
2 400 

11 200 
1 07 950 

Zusammen .... St. 

K. 

! 3300 

j 46100 

4 450 
70850 

2 600 
77 950 

1 3 300 
1 1 0 350 


Einfuhr von belgischen Kohlen und französischem Koks 
auf dem Kanalwege nach Elsass-Lothringen. 

(ln Tonnen.) 


191 1 

i I 



1910 
1 48 900 


113700 


1912 

98000 







Zählentafel 23. 





Eiscnl)ahnvcrsand holländischer Steinkohlen und Stein- 

kohlenbrikets nach Süddeutschland. 

(ln Tonnen.) 



1909 

1910 

1911 , 

1 

1 

1 

1912 

Nordbi.yern 

350 

1460 , 

1 

2700 ^ 

2250 

Südbaj ern 

975 i 

2000 

2800 

3030 

Württe Tiberg 

1 550 

3400 ' 

5200 , 

7350 

Baden 

2950 

7250 

5700 

9350 

Gross! erzogtum Hessen. . 

3420 

2920 

3670 

5200 

Bayer. Pfalz 

135 

35 

100 

— 

Eisass 

235 

750 

1340 

2850 

Lothringen 

13900 

3450 

; 2750 

2400 

Saargebiet 

100 

100 

— 

— 

Zusammen . . . 

23615 

21365 

^ 24260 

32430 


CO 









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X 

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CM 

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CM 




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X 


CM 






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LO 


03 


u 


t ca 













Zahlentafel 25. 



Absatz schlesischer Brennstoffe in Süddeutschland. 

St. — Steinkohlen und Steinkohlenbrikets ; K. = Koks. 

(In Tonnen.) 




1909 

1910 

1911 

1912 

Nordbay'!rn 

. . St. 

62500 

85 500 

129500 

136200 

K. 

3900 

3900 

5500 

5100 

Südbayei n 

. . St. 

256 500 

355 500 

372 200 

423100 

K. 

28500 

26000 

30 200 

39800 

VVürttem Derg 

. . St. 

500 

400 

830 

2100 

K. 

85 

— 

— 

— — 

Baden 

. . St. 

70 

700 

600 

1050 


K. 

250 

150 

' 


Zusammen . . 

. . St. 

319570 

442 1 00 

503 130 

562450 

K. 

32 735 

30 050 

35 700 

i 44 900 


Absatz Sachsens in Süddeutschland. 

St. = St hnkohlen und Brikets ; K. = Koks ; Br. = Braunkohlen und Brikets. 

(ln Tonnen.) 




1909 

1910 

191 1 

1912 

Nordbajern 

. St. 

280 1 00 

272 lOO 

302 300 

292 900 

K. 

12 800 

11201) 

1 2 300 

11300 


Br. 

13400 

17300 

18700 

1 <, 1 50 

Südbavern 

. Sr. 

13 400 

13600 

15800 

1 9 250 


K. 

6800 

7 900 

8600 

18850 


Br. 

1 500 

1 700 

4 500 

5200 

Wünterr berg 

. St. 
K. 

500 

600 

1000 

1 200 


Br. 

300 

600 

800 

^ SCO 

Zusammen . . . 

. St. 

[ 

I 294 000 

28630- 

319100 

313350 


K. 

i 19600 

19 100 

20 900 

30 1 50 


Br. 

t 1 5 200 

1 9 60( » 

24 000 

24 850 


I 


Zahlentafel 26. 


4 


9 


Absatz von Braunkohlen und Braunkohlenbrikets aus 

Thüringen in Süddeutschland. 

(ln Tonnen.) 



1909 

1910 

1911 

1912 

Nordbayern 

63400 

72700 

79100 

97(j50 

Südbayern 

41600 

44 ( )00 

ö55()0 

61700 

Württemberg 

7 6») 

6 7O0 

8a)o 

7900 

Baden 

200 

1 

300 

400 

500 

Grossherzogtum Hessen , . 

300 

500 

800 

650 

Zusammen .... 

113100 

124200 

1 

* 143800 

‘ 168400 


Absatz von Braunkohlen aus der Provinz Hessen-Nassau 
und aus Oberhessen in Süddeutschland. 

(ln Tonnen.) 



1909 

1910 

1911 

1912 

Nordbayern 

1600 

2300 

2200 

3700 

Südbayern 



— 

— 

Württemberg 

26^)0 

2800 

1000 

1100 

Baden 

4 900 

5200 

3200 

3900 

Grossherzogtum Hessen . . 

9900 

1 7 30(4 

57CX) 

17000 

Zusammen .... 

19000 

27600 

12100 

25 7<)0 








Zahlentafel 27. 




Bl ennstoff-Einfuhr Böhmens nach Süddeutschland. 

St. = Steinkohlen; Br. = Braunkoiilen und Brikets. 

(ln Tonnen.) 



1909 

1910 

191 1 

1912 

Nordt ayern 

. St. 
Br. 

221 300 
1497(X)0 

202 1(X) 
1 486400 

181 100 
1 502 1 50 

1828(X) 
1 504 500 

Südbayern . 

. St. 
Br. 

135000 
652 0(X) 

1 25 300 
649500 

109700 

586350 

88 850 
509350 

Württi;mberg 

. St. 
Br. 

1 6 550 

127tX) 

9800 

i 

9 9ad 

Zusammen . 

. St. 
Br. 

356300 
2 165550 

3274(X) 

2148600 

290 8(X) 
20983(XJ 

271650 

2023750 


Stein <ohIen- und Braunkohlen-Einfuhr aus dem übrigen 

Oesterreich nach Süddeutschland. 

(ln Tonnen.) 



1909 

1910 

1911 

1912 

Südba/ern . . St. 

35 OCX) 

1 7 800 

25550 

14600 

Br. 

8600 

17250 

166(X) 

1 

12200 


Zahlentafel 28. 



, ’ ( 
■ 5 


5 

Eisenbahn-Absatz der pfälzischen Gruben an Steinkohlen 



in Süddeutschland. 

(ln Tonnen.) 



1 90<) 

1910 

1911 

1912 

1 

Nordbayern 

1 

14 10) 

20400 

1 

33 700 

41450 

Südbayern 

1 3 55( ' 

222(X) 

35 1 50 

26 100 

Württemberg 

48 -! 50 

54300 

0-4 ■+( )( ) 

50800 

Mannheim, Rheinau, | 
Ludwigshafen 1 

() 650 1 

4 100 

i 

! 

14 91 )0 

9 (XX) 

Baden 

70950 i 

61 800 

579(X) 

66950 

Grossherzogtum Hessen . . 

1300 ! 

8 (>50 

15050 

1 7 7(X) 

Bayerische Pfalz 

1 

1181 00 ^ 

112400 , 

1083CX) 

122oOO 

Eisass 

78200 : 

53300 1 

-iOdOO 

4950 

Lothringen 

12350 

25 lon 

35800 

34 1 00 

Saargebiet 

96 950 

128650 , 

137050 

1 46 200 

Zusammen .... 

i i 

460()00 1 

I 1 

490900 

532 7(K) 

519850 


( 



Zahlentafel 29. 



Abfuhr in Steinkohlen und Steinkohlen 
brikets von Düsseldorf, Crefeld und 
Neuss rheinaufwärts. 


Jahr 

Neuss 

t 

Düsseldorf 

t 

Crefeld 

t 

1905 

18500 

6300 


1906 

25850 

5300 


1907 

30600 

6200 


1908 

39850 

4550 


1909 

131000 

4150 

3450 

1910 

159600 

5000 

2850 

1911 

160200 

300 

800 

1912 

189100 

9900 

6300 


i 


Zahlentafel 30. 



i 


\ 


Kohlenausfuhr aus den privaten 

Ruhrhäfen 


(ln 1000 t.) 


1885 .... 

88 1908 . . 

. . 2439 

1890 .... 

173 1909 . . 

. . 2698 

1895 .... 

168 1910 . . 

. . 2800 

1900 .... 

210 1911 . . 

. . 2 962 

1905 .... 

952 1912 . . 

. . 3108 

1906 .... 

1435 1913 . . 

. . 3 203 

1907 . . . . 

1 549 





1 



Rjhrort 

1 1 231575 

i 13205097 

Duisburg 

3405399 

4 (.34 209 

Hochfe'd . 

456 25 1 

1 423018 

leinpreussen 

1 130115 

1147804 

S:h\veliiern 

1070474 

1 065896 

Walsum 

907666 

X 

X 

X 

Zusammen .... 

18204480 

21464887 

V crtcilung auf die einzelnen Strecken und Länder, 


i 

1912 

1913 

Näch Coblenz und oberhalb . 

8036135 

9209007 

B s Coblenz ausschliesslich . . 

184072 

242215 

Nach Holland 

5 72500() 

7005643 

Nach Belgien 

3595013 

4218455 

Nach Frankreich 

354984 

384369 

Nach anderen Gebieten. . . 

309270 

1 

405 1 98 

Zusammen .... 

1 

18204480 

21464887 







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mit Trag- 
fähigkeit 
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Anzahl 

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mit Trag- 
fähigkeit 
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Segels 

Sohle 

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mit indizierten 
Pfcrde»tärken 
der Maschinen 

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Zahlentßfel 36. 


Versand aus Vcrkchrsbczirk 30 (Eisass) an Steinkohlen, 
Steinkohlenbrikets, Koks und Braunkohlenbrikets. 





1909 

1910 

191 1 

1912 

ln den eigenen Bezirk; 





Steinkohlen 

2 1 8 295 

292021 

344 293 

324 226 

Steinkohien-Brikets .... 

2 341 

9 589 

1 0 548 

220S1 

Koks 

15446 

34 903 

24497 

30 284 

Braunkohlen-Brikets . . . 

562 

326 

414 

3918 

In inländische Bezirke: 





Steinkohlen 

7 739 

6 131 

16929 

16564 

Steinkohien-Brikets .... 

3 969 

940 

1 254 

3 360 

Koks 

1 3 507 

1 9 692 

1 4 046 

22 1 45 

Braunkohlen-Brikets . . . 

!5 

— 

10 

705 

In ausländische Bezirke: 





Steinkohlen 

90598 

151 579 

1 34 300 

1 87 983 

Steinkohien-Brikets. . . . 

95 808 

162 389 

171 352 

169153 

Koks 

30 253 

44 086 

60599 

71 214 

Braunkohlen-Brikets . . . 

10 : 

i 1 

— 

5 

1 405 

Zusammen: 





Steinkohlen 

316632 

449 731 

495 522 

528 773 

Steinkohien-Brikets. . . . 

102118 

172918 

183154 

194594 

Koks 

59 206 

98651 

99142 

1 23 643 

Braunkohlen-Brikets . . . 

587 

326 

429 

6 028 


V 



Zahlentafel 37. 



Versa id aus Vcrkchrsbczirk 33 (Baden), ohne Mannheim 
und Rhiinau, an Steinkohlen, Steinkohlen-Brikets, Koks und 

Braunkohlen-Brikets. 



1909 

1910 

1911 

1912 

In den ngenen Bezirk: 

Si einkohlen 

504062 

593 295 

645157 

337 793 

Sieinkohlen-Brikets . . . . 

58596 

43834 

56436 

6976 

K )ks 

12604 

16614 

24039 

17346 

B aunkohlen-Brikets . . . 

18868 

29444 

49134 

42379 

In inlär dische Bezirke: 

Si einkohlen 

669 664 

589 049 

685319 

157484 

Sieinkohlen-Brikets. . . . 

31 319 

21 191 

31093 

3299 

K )ks 

16757 

15614 

43 537 

13 990 

B aunkohlen.Brikets . . . 

25299 

57757 

93790 

34 692 

In ausländische Bezirke: 

Steinkohlen 

258374 

227 889 

216274 

205 234 

Sieinkohlen-Brikets. . . . 

1 02 838 

1 26 697 

139957 

2029 

K )ks . . . , 

10573 

8379 

17055 

14 244 

B aunkohlen-Brikets . . . 

6829 

6985 

10 393 

15106 

Zusammen: 

Steinkohlen 

1 432100 

1 410233 

1 546 750 

700 51 1 

Steinkohlen-Brikets. . . . 

192 753 

191722 

227 486 

12304 

K )ks 

39934 

40607 

84631 

45580 

B aunkohlen-Brikets . . . 

50996 

94186 

153317 

92177 



Zahlentafel 38. 




Versand aus Verkehrsbezirk 34 (Mannheim, Rheinau, 
Ludwigshafen) an Steinkohlen, Steinkohlen-Brikets, Koks 

und Braunkohlen-Brikets. 





1909 

1910 

191 1 

1912 

In den eigenen Bezirk: 





Steinkohlen 

72 696 

76 625 

79 723 

116 206 

Steinkohlen-Brikets .... 

15171 

1007 

2123 

16412 

Koks 

5082 

4 397 

495H 

11136 

Braunkohlen-Brikets . . . 

589 

343 

1002 

23 388 

In andere inländische Bezirke: 





Steinkohlen 

1 077 640 

867 740 

938 837 

1777318 

Steinkohlen-Brikets .... 

57095 

54063 

91087 

197 981 

Koks . . , 

32466 

20250 

32 437 

94 422 

Braunkohlen-Brikets . . . 

2000 

5 842 

9561 

98490 

In ausländische Bezirke: 





Steinkohlen 

212354 

152783 

172143 

217752 

Steinkohlen-Brikets .... 

52 438 

66615 

142086 

333 697 

Koks 

6872 

3419 

7 921 

23000 

Braunkohlen-Brikets . . . 

10 


10 

7 445 

Zusammen: 





Steinkohlen 

1 362 690 

1097148 

1190703 

2111276 

Steinkohlen-Brikets .... 

124 704 

121 685 

235296 

548 090 

Koks 

44 420 

28066 

45 314 

128558 

Braunkohlen-Brikets . . . 

2599 

6 185 

10573 

129 323 




Zählentöfel 39. 


D c dem Kohlcnkontor am Oberrhein zu Gebote 
stehenden Umschlag- und Lagerplätze. 


Umsch agplatz 

Anzahl 

der 

Läger 

Gesamt- 

Lagerraum 

qm 

1 locli- 
bahnen 

Fahrbare 

Verlade- 

Brücken 

Krane 

Siebvverke 
B rech werke 

Strassturg 

3 

154 (XX) 

— 

o 

11 

3 

Colma . . 

1 

21 930 



— 


Mülhai sen 

1 

9000 

— 


2 


Hüninten . . 

1 

200(X:) 

— 



1 

— 

Lauterburg 

1 

2(X)000 



6 

• \ 
o 







2 

Kehl . . . 

o 

63000 

— 

3 

n 

3 

Karlsrihe . . 

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7 5 7 ( X ) 

— 

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8 

6 

Rheinaj . . 

5 

325610 


6 

18 

11 







1 

Alannh^im 

11 

148875 


3 

28 

24 

2 

Ludwigshafen 

1 

73250 

— 

o 

4 

3 

Worms . . . 

1 

3 264 

1 

— 

1 

— 

Gustav ;burg . 

ö 

56488 

5 


12 

2 

Mainz . . . 

1 

8500 

1 


1 : 

1 

Frankfurt . . 

6 

48 333 

6 


11 

12 

Offenbach. . 

o 

13489 

— 

1 

1 

— 

Zusam nen 

48 

1221439 

13 

19 

107 

68 

5 



Zählentäfel 41. 


Empfang der oberrhein. Häfen an Steinkohlen u. Steinkohlenbrikets, Koks u. Braunkohlenbrikets. 

St. = Steinkohlen und Steinkohlenbrikets; K. = Koks; Br. = Braunkohlenbrikets. 

(in 1000 t.) 



1904 

1905 

1906 

1907 

1908 

1909 

1910 

1911 

1912 


( St. 

238,0 

426,6 

305,0 

341,0 

541,5 

543,5 

599,1 

487,7 

797,2 

Strassburg 

K. 

6,3 

16,7 

17,3 

22,2 

21,2 

32,0 

37,6 

31,9 

59,7 


1 Br. 

— 

1,2 

7,7 

8,1 

8,1 

9,0 

14,1 

13,8 

46,8 


[ St. 

25,1 

75,6 

44,4 

30,6 

89,7 

77,6 

134,4 

85,8 

1.52,3 

Kehl 

K. 

0,1 

2,8 

— 

— 

3,0 

19,0 

5,7 

4,3 

14,0 


1 Br. 





— 

— 

— 


0,1 

— 


St. 

274,5 

356,7 

213,0 

226,6 

288,7 

374,0 

378,0 

294,3 

266,0 

Lauterburg 

K. 

10,0 

17,8 

4,1 

15,0 

20,0 

29,0 

27,0 

26,1 

48,3 


Br. 

— 

— 

— 

— 


0,2 

.3,1 

1,9 

4,7 


{ St. 

257,8 

288,6 

215,4 

257,0 

344,6 

432,0 

390,8 

424,1 

521,7 

Karlsruhe i 

K. 

4,5 

14,7 

6,5 

11,3 

23,8 

27,1 

31,6 

41, H 

.57,6 


i Br. 

0,3 

4,8 

7,8 

8,5 

7,6 

8,7 

9,5 

.59,6 

111,9 


( St. 

5,5 

5,5 

4,7 

5,3 

6,5 

7,4 

7,9 


— 

Maximiiiansau ^ 

K. 


— 


— 

— 


— 

— 

— 


Br. 



— 

1,0 

— 

— 

— 

— 

— 


St. 

18,6 

22,3 

18,3 

19,5 

18,2 

12,4 

19,4 

14,0 

16,4 

Soever 

K. 


0,2 

0,3 

0,1 

0,6 

0,8 

— 

0,7 

0,8 

! Br. 

1,3 

2,3 

1,6 

5,1 

0,9 

2 

-1*-' 

3,7 

0,6 

1,4 


St. 

1 136,5 

1 120,4 

1038,7 

1 460,3 

1 493,2 

1318,6 

1 235,5 

1124,6 

934,8 

Rheinau 

K. 

43,6 

33,9 

61,7 

45,7 

70,6 

96,0 

108,2 

111,8 

136,6 


Br. 

— 

18,6 

33,2 

38,9 

64,1 

81,4 

124,5 

148,8 

1 25,6 


1 St. 

1687,5 

1 487,4 

1 686,9 

2294,5 

2289,2 

2004,1 

1 752,7 

1 775,2 

1817,3 

Mannheim 

K. 

53,7 

60,6 

91,5 

95,9 

79,8 

85,9 

84,0 

108,3 

114,8 


\ Br. 

4,8 

18,2 

30,3 

.30,0 

8,7 

19,6 

3t), 5 

36,9 

50,6 


1 St 

552,8 

448,7 

535,4 

740,2 

75.5,4 

760,3 

597,6 

583,7 

677,8 

Ludwigshafen . ... 

K 

8,0 

5,6 

6,9 

8,2 

9,6 

9,4 

13,7 

11,7 

14,2 


! Br 

— 

0,7 

0.4 

34,2 

38,7 

35,8 

54,0 

53,0 

61,4 


( St 

119,2 

128,7 

117,1 

148,2 

137,1 

143,6 

15.5,0 

119,8 

128,6 

Worms 

K 

1,0 

1,1 

i 0,9 

2,0 

1,4 

1,2 

1.1 

0,6 

0,6 

1 Br 


0,2 

1 

— 

— 

— 

— 

— 

— 


1 St 

50,9 

54,6 

47,5 

47,5 

55,1 

64,4 

.50,2 

59,0 

61,1 

Gernsheim ...... 

K 

— 


— 


— 

1,3 

1,4 

1,9 

2,1 


1 Br. 

— 


— 

— 

0,4 

— 

— 

— 

— — 


St‘ 

11,4 

11,5 

6.2 

11,3 

8,4 

8,0 

8,1 

2,7 

0,5 

Nierstein 

K' 



— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

1 

Br.- 

— 

- 

— 


— 

1,1 

1,9 


— 

• 

1 St. 



_ 


— 


- 1 

69,8 

78,8 

Weisenau 

K. 

— 

— 



— 

— 

— 

0,1 

0,8 


Br. 

— 

— 


— 

— 

— 

— 

— 

— 


St. 

774,6 

670,2 

639,1 

917,8 

1 054,7 

928,2 

790,8 

878,5 

903,0 

Gustavsburg 

K. 

0,8 

3,4 

3,4 

2.1 

4,6 

4,2 

4,3 

6,0 

7,1 


Br. 




0,1 

0,9 

0,9 

— 

0,5 

0,5 


St. 

166,0 

149,4 

151,4 

193.1 

220,6 

214,7 

218,7 

251,2 

271,3 

Mainz 

K. 


2.8 

8,2 

— 

— 

2,8 

.3,1 

4,1 

.5,9 


Br. 


0,1 


— 

0,4 

0.4 


0,3 

3.4 


St. 

5318,4 

5246,2 ' 

5023,1 

6692,9 

7302,9 

6878,8 

63.38,2 

6 1 70,4 

6631,8 

Summe . . . 

K. 

128,0 ! 

159,6 

200,8 . 

202,5 

234,6 

308,7 

317,7 

348,8 

462,5 


Br. 

6.4 

46,1 

81,0 

125,9 

129,8 

1,59,3 

246,3 

315,5 

406.3 


Summe . . 


Zahlentatei 42. 


Gesellschafter-Verzeichnis des Kohlenkontors 
(Rlicinischc Kohlenhandel- und Reederei-Gesellschaft m. b. H.) 

Geschäftsjahr 1913/1914. 


Gesellschafter 


Beteiligung 
in Tonnen 


Rheinisch -Westfälisches Kohlen-Syndikat . . . 

Math. Stinnes 

Raab, Karcher & Co., (Gelsenkirchener Bergbau- 

A.-G.) 

Hugo Stinnes 

Harpener Bergbau-A.-G 

Franz Haniel & Co 

D. Mackh, G. m.b. H., (Deutscher Kaiser). . . 
Ad. Harloff (Graf Bismarck 51 %, Friedrich der 

Grosse 25%) 

Winschermann & Co. (König Ludwig). . . . 

Jul. de Gruyter (König Wilhelm) 

Hennenbruch & Haumann (dto.) 

Stachelhaus & Buchloh (Constantin der Grosse) 

Gebr. Dörtelmann (dto.) 

H. Paul Disch (Concordia) 

Ad. Thomae (Ewald) 

Gerh. Engels & Co. (dto.) 

Georg Reitz (Köln-Neuessener Bergbau -V.) . . 

F. W. Liebrecht (Gutehoffnungshütte) . . . . 

Jos. Schürmann (Arenberg) 

Piepmeyer & Oppenhorst 

Stöck & Fischer 

Gottfried Kleinschmidt 

Gebr. Röchling 

T. Schürmann Söhne 

Carl Geldner 


2004520 
1 986 880 

1 489 600 
961800 
919520 
915320 
375 760 

310800 
289800 
280000 
87 920 
257600 
104 160 
162120 
154280 
73640 
125440 
108 360 
70000 
342 160 
261 520 
255 920 
242 200 
117600 
110320 


Uebertrag 1 2 007 240 


Gesellschafter 


Beteiligung 
in Tonnen 


Uebertrag 120(37 240 

26. Diekmann & Müller 109760 

27. S. Bergmann 97 16O 

28. Ulrich, Müller & Volz 95480 

29. Henri van den Bergh 84840 

30. Jean Balthazar 84000 

31. Rud. Hannesen 79 240 

32. Krauss-Bühler • . . . . 78400 

33. Nold & Leo. • 770(30 

34. J. A. van Ouwerkerk 71 120 

35. W. Klusmann 70000 

36. Gerh. Mühlenbeck 70(300 

Zusammen | 12924240 

In Math. Stinnes aufgegangen : 

1. Anton Fulda (d. h. nur Beteiligung am Kontor auf Math. 

Stinnes übertragen) 

2. H. A. Disch 

3. C. G. Faber 

4. Gebr. Mellinghof 

5. Battlehner & Co. 

6. Paul Barlen 

7. Kampf & Hollender 

Diese 7 Firmen hatten bei Gründung des Kontors zusammen 
7388(30 t Beteiligung. 

In Hugo Stinnes aufgegangen: 

Jac. Trefz & Söhne mit einer Gründungsbeteiligung von 742(30 t 

In Winschermann & Co. aufgegangen : 

Weber, DuLsburg, mit einer Gründungsbeteiligung von 50(300 t 

Summe der Beteiligungsziffern 
von 1 (Syndikat) und 2—19 
(Reederzechen) sowie 23 
(Gebr. Röchling) .... 10919720 t = 84,6 »/o 

Summe der Beteiligungsziffern 

von 20 — 22 und 24 36. . 2(304520 t = 13.4 Gesamt- 


12924240 


10 919 720 t = 84,6 »/o 


der 


\2 und 24 36. . 200452(3 1=15,4% Gesamt- 

beteiligung 

Gesamtbeteiligung 12924 240 t=100^,o 



Zahlentafel 43. 


Flammkohlen. 

Gas-Förderkohlen 

Gas-Flamm- „ 
Nusskohlen I u. 11 
Nusskohlen 111 . 

Nusskohlen IV . 

< 

Fettkohlen. 

Förderkohlen . . 
Bestmelierte . . 

Nusskohlen 1 u. 11 

Nusskohlen 111 . 

• 

Nusskohlen IV . 
Kokskohlen . . 

Esskohien. 

Nusskohlen 1 u. 11 

Nusskohlen 111 . 
Nusskohlen IV . 
Feinkohlen . . 

Magerkohlen. 

Anthrazitnuss 1 . 

Anthrazitnuss 11 , 
Anthrazitnuss 111 

Koks. 

Giessereikoks 
Brechkoks 1 . . 
Brechkoks 11 , . 
Brechkoks 111 

Brikets. 

I. Sorte . . . 

II. Sorte . . . 

III. Sorte . . . 


Richtpreise des Rheinisch -Westfälischen Kohlen-Syndikats. 

S = in den Sommermonaten; W = in den Wintermonaten. 


(In Mark für 1 Tonne.) 


1905/06 

1906/07 

1907/08 

1 

1908/09 

1909/10 

1910/11 

1911/12 

1912/13 

1913/14 

1914/15 


M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

s 

•4 -4 r 

11.50 

12.50 ^ 

12.50 

12.- 

12.— 

11.50 

12.- 

12.50 

12.- 

W 

11,50 

12.50 

13.50 

13.50 

13.- 

13.— 

12.50 

13.- 

13.50 

13.- 

• 

10.- 

10.75 

11.75 

11.75 

11.25 

11.25 

11.— 

11.75 

12.50 

11.75 

• 

12.50 

12.50 

13.50 

13.50 

13.50 

13.50 

13.25 

13.75 

14.25 

13.75 

• 

11.50 

12.- 

13.- 

13.— 

12.75 

12.75 

12.75 

13.75 

14.25 

13..50 

• 

10.40 

11.- 

12.- 

12.- 

11.75 

11.75 

11.75 

13.— 

13.75 

13.— 


9.30 

10.— 

11.- 

11.- 

10.50 

10.50 

10.50 

11.25 

12.— 

11.25 


10.50 

11.10 

12.10 

12.10 

12.10 

12.10 

11.85 

12.50 

13.— 

12.50 


12.50 

12.50 

13.50 

13.50 

13.50 

13.50 

13.25 

13.75 

14.25 

13.75 


11.50 

12.— 

13.— 

13.— 

12.75 

12.75 

12.75 

13.75 

14.25 

13.50 


10.40 

11.- 

12.25 

12.25 

11.75 

11.75 

11.75 

13.— 

13.75 

13.- 


9.50 

10.50 

12.25 

1225 

11.- 

11.25 

11.25 

12.25 

13.25 

12.25 

s 

•i i rkr 

13.75 

14.75 

14.75 

14.75 

14.75 

14.75 

15.50 

16.- 

15.50 

w 


1.5.50 

16.50 

16.50 

16.50 

16.50 

16.50 

17.25 

17.75 

17.25 

• 

11.75 

12.25 

13.25 

13.25 

13.- 

13.- 

13.- 

14.- 

14.50 

14.- 


10.65 

11.25 

12.50 

12.50 

12.— 

12.— 

12.- 

13.25 

14.- 

13.25 

t 

6.— 

7.50 

8.50 

8.50 

7.50 

7.50 

7.50 

8.- 

9.50 

8.50 

s 

16.- 

16.— 

17.- 

17.- 

17.- 

17.- 

17.- 

17.75 

18.25 

17.75 

w 

18.- 

18.50 

19.50 

19.50 

19.50 

19.50 

19.50 

20.25 

20.75 

20.25 

s 

18.- 

20.- 

21.- 

21.- 

21.— 

21.— 

21.— 

21.75 

22.25 

21.75 

w 

22..50 

22.50 

23.50 

23.50 

23.50 

23.50 

23.50 

24.25 

24.75 

24.25 

• 

16.— 

17.- 

18.— 

18.- 

18.- 

18.- 

17.50 

18.— 

18.25 

18.— 

• 

16.50 

17.- 

19.- 

19.- 

17.— 

16.— 

17.- 

18.- 

19.- 

17.50 







at) 1. 0kl. 17.- 






17.50 

18.— 

20.50 

20.50 

19.50 

18.50 

19.50 

20.- 

21.— 

19.— 



' 




aD 1. Okt. 19.50 





• 

16.50 

17.- 

19.50 

19.50 

19.— 

18.- 

19.- 

20.— 

21.- 

19.- 







aß 1. Okt. 19.- 

40/60 19.50 

40/60 20.50 

40/60 21.50 

40/60 20.- 

• 

12.— 

12.50 

15.— 

15.- 

14.- 

13.50 

14.- 

14.- 

14.50 

14.50 







aß 1. Okt. 14.- 





• 

12..50 

12.75 

13.75 

13.75 

13.25 

12.75 

12.75 

13.75 

14.50 

13.75 

« 

12.- 

12.25 

13.- 

13.- 

12.50 

12.- 

; 11.85 

12.85 

1 13.50 

12.75 

• 

10.50 

10.75 

11.50 

11.50 

10.50 

10.— 

' 10 — 

1 

1 

10.- 

i 11. .50 

11.— 


Zahlentafel 44. 


Normal -Verkaufspreise des Kohlenkontors frei Schiff Mannheim. 

(ln Mark für 1 Tonne.) 


Sorte : 

190,5 06 

1906,07 

1907 OS 

1908/09 

1909/ 10 

1910/ !1 

1911 12 

1 

1912 13 

1913/14 

1914/15 



M. 

M. 

M. 

M. i 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

Flammnusskohlen I u. 11 

• 

17.30 

17.50 

19 .- 

19.40 1 

19 20 , 

18.60 

17.60 ’ 

18.20 1 

1 

18.80 

18.20 

Fettnusskohlen 11 . . 

• 

17.50 

17.80 

19.20 

19.40 ’ 

19.20 

1880 

17.80 

18.60 

19.20 

18.60 

Fett- u. Flammnusskohlen 

111 

16.50 

17 .— 

18.40 

18.80 

18.40 

18 .- 

17 .- ' 

18.20 

18.80 

18 .- 

Fett-u. Flammnusskohlen IV 

15.30 

16 .- 

17.60 

18 .- 

17.40 : 

17 .— 

16 .— 

17.60 

18.40 

17.40 

Schmiedenusskohlen 111 

• 

17 .- 

17.50 

18.90 

19.20 

18.80 

18.40 

17.80 

18 60 

19.20 

18.40 

Schmiedenusskohlen IV 

• 

15.50 

16.30 

17.90 

18.30 

17.60 

17.20 

16.60 

18.20 

18.80 

17.80 

Gasflammförderkohlen 

• 

14.50 

15.50 

16.70 

17 .— 

16.40 

16 .— 

15 .— 

16.20 

17 .- 

16.20 

Maschinenkohlen . . 

• 

15 .— 

15.70 

17 .- 

17.20 

16.70 

16.20 

15.40 

16 60 

17.40 

16.60 

(50 o/o Stücke.) 












1 

S 

19..50 

19.50 

21 .— 

21 .- 

21 .- 

21 .- 

20 .- 

20.80 

21 .- 

20.60 

Essnusskohlen 1 u. 11 . | 

w 

21 .- 

21..50 

23 .- 

23 .- 

23 .- 

23 .- 

21 .- 

22 .- 

21.80 

22.80 

22 .- 

23 .- 

21.60 

22.60 

Essnusskohlen 111 . . | 

s 

17 .— 

17.50 

19 .— 

19..50 

19 .- 

18.60 

17.60 

18.60 

19.20 

18.40 

[W 

18.50 

19 .— 

20.50 

20..50 

20 .— 

19.60 

18.60 

19.60 

20.20 

19.40 

1 

s 

24 .— 

22 .— 

23.50 

24..50 

23 .- 

23 .— 

23 .- 

23.80 

23.80 

23.40 

Anthrazitnusskohlen 1 . | 

w 

26 .- 

25 .- 

2 . 5.50 

25.50 

24 .- 

24 .— 

24 - 

24.80 

24.80 
25 80 

24.40 

25.40 

1 

s 

26 .- 

24 .- 

25 .- 

27 .— 

26 .- 

26 .- 

26 .— 

26.60 

27 .— 

26.40 


w 



C\r7 r r\ 

28 .— 

27 .- 

27 .— 

27 .- 

27.60 

28 .- 

27.40 

Anthrazitnusskohlen 11 . | 

28 .— 

27 .— 

2 / .oü 

31 .- 

29 .— 

29 .— 

28 .- 

28.60 

29 .- 

28.40 

1 

Anthrazitnusskohlen 111 

f s 

21 .— 

22 .- 

24 .— 

24 .- 

23 .— 

9*;> 

21 .- 

22.40 

22.40 

22.40 

[W 

22 .- 

23 .- 

25 .- 

25 .- 

24 .- 

23 .- 

22 .- 

23.40 

23.40 

23.40 

Giessereikoks .... 

• 

22 .- 

22.80 

25 . — 

25 . — 

22.60 

22 .- 

22 .- 

23 40 

24.40 

22.80 

Brechkoks 1 .... ' 

1 s 

23 .— 

23.40 

26.20 

26.20 

24.60 

23.80 

23.60 

24.60 

25.60 

23.60 

[W 

23.50 

24 .— 

27.20 

27.20 

25.60 

24.80 

24.60 

25.60 

26.60 

' 24.60 

j 

Brechkoks 11, 40/60 mm 

s 

23 .— 

23.40 

26.20 

26.20 

24.60 

23.80 

23.60 

25 .— 

26 .— 

24.40 

[W 

23..50 

24 .- 

27.20 

27.20 

25.60 

24.80 

24.60 

26 .- 

27 .— 

2 , 5.40 

Brechkoks 111 . . . . ■ 

s 

20.50 

20.60 

22.40 

! 22.40 

21.20 

20.80 

20.60 

19.60 

20 .- 

20 .— 

(W 

21 .— 

21.20 

23.40 

23.40 

22.20 

21.80 

21.60 

20.60 

21 .- 

21 .— 

Perlkoks 


12 .- 

1 14 .- 

14.40 

14.40 

13.40 

13.20 

12.80 

14 .— 

( 

14.40 

. 

; 13 .— 

f 

f 

1 


Zahlentafel 45. 


Normal -Verkaufspreise des Kohlenkontors frei Eisenbahnwagen Mannheim. 

(In Mark für 1 Tonne.) 


Sorte: 

1905,06 i 

190607 

1907/08 

1908/09 

1909/10 , 

1910/11 i 

1911/12 ! 

1 

1912 13 

1913|14|1914|15 



M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

Flammnusskohlen 1 u. 11 


19.30 

19.60 

21 .- 

21.40 

21 .— 

20.60 

19.20 

19.80 i 

20.40 

19.80 

(nachgesiebt) 






1 



20.20 

21 .- 

20.40 

Fettnusskohlen 11 . . . 

• 

19.80 

20.20 ! 

21.40 

21.60 

21.40 

21 .- 

19.60 

(nachgesiebt) 


1 

1 






18.40 

19.60 

20.20 : 

19.40 

Fett- u. Flammnusskohlen 11 1 

18 .- 

18.50 

20.20 

20.40 

19.80 

19.40 

(nachgesiebt) 


I 






17.40 

1 

19 .- 

19.80 

18.80 

Fett- u. Flammnusskohlen IV 

16.80 1 

17.50 

19.20 

19.60 

18.80 

18.40 

(nachgesiebt) 







19.80 

19.20 

1 

20 .— 

20.60 

19.80 

Schmiedenusskohlen 111 . 

• 

18.50 

19 .- 

20.50 

20.80 

20.20 

(nachgesiebt) 









19.60 

20.20 

19.20 

Schmiedenusskohlen IV 

• 

17 .— 

17.80 

19.30 

19.90 

19 .- 

18.60 

18 .— 

(nachgesiebt) 









16.60 

1 

17 . 40 * 

16 . — 

Gasflammförderkohlen . 

• 

15 .- 

16 .- 

17.10 

17.40 

16.80 1 

16.40 

1 

15.40 

Maschinenkohlen . . . 

• 

15.50 

16.20 

17.40 

17.60 

17.10 

16.60 

15.80 

17 .- 

17.40 j 

16.60 

(50 o/o Stücke) 









14.20 

15.60 

14.60 

Aussiebgries .... 

• 

11.80 

12.50 

14.50 

15.60 

14.40 

14.40 

13.60 

j 

S 

22 .- 

22 .- 

23 .- 

23 .- 

23 .- 1 

23 .— 

22.60 

23.40 

24.— 1 

23.60 

Essnusskohlen I u. 11 J 

W 

23 .— 

23 .- 

25 .- 

25 .- 

25 .— 

25 .- 

23.60 

24.40 1 

25 .— 

24.60 

(nachgesiebt) | 

24.60 

25.40 

26. -1 

1 

25.60 

Essnusskohlen 111 . 

s 

18.50 

19 .— 

20.50 

21 .— 

20 .— 

19.80 

19 .— 

20.20 

20.80 

20 .— 

(nachgesiebt) 

[W 

19.50 

20 . - 

22 .— 

22 .- 

21 .— 

20.80 

20 .— 

21.20 

21.80 

21 .- 

I 

s 

25..50 

24 .- 

25 .— 

26 .-- 

25 .— 

25 .— 

25 .- 

26 .— 

26.80 

26.40 

Anthrazitnusskohlen I j 

w 

27.50 

25 .- 

27 .— 

27 .- 

26 .- 

26 .- 

26 .— 

27 .- 

27.80 

28.80 

27.40 

28.40 

Anthrazitnusskohlen II < 

s 

27.50 

26 .- 

27 .— 

28 .- 

29 .— 

28 .— 

28 .- 

28 .- 

28.60 

29 .- 

28.40 

w 

29.50 

28 .- 

29 .- 

30 .- 

29 .- 

29 .- 

29 .— 

29.60 

30 .- 

29.40 

. 

29 .- 

30 .— 

31 .- 

30 .— 

30 .— 

30 .- 

30.60 

31 .— 

30.40 

Anthrazitnusskohlen III 

I s 

21.50 

22.50 

25 .- 

25.60 

25 .— 

24 .- 

23 .— 

24 .- 

24 .- 

23.60 

(W 

22.50 

23.50 

26 .— 

26.60 

26 .— 

25 .— 

24 .— 

25 .— 

25 .- 

24.60 

Giessereikoks .... 

• 

23.60 

24.40 

26.60 

26.60 

24 .- 

23.20 

23.60 

25.20 

26.40 

24.80 

Brechkoks 1 . . . 

/ s 

23.80 

25.20 

27.80 

27.80 

26.40 

25.60 

25.60 

26.80 

28 .— 

25.60 

(w 

24.40 

25.80 

28.80 

28.80 

27.40 

26.60 

26.60 

f 

27.80 

29 .— 

26.60 

Brechkoks II, 40/60 mm 

I s 

23.80 

25.20 

27.80 

27.80 

26.40 

25.60 

25.60 

27.20 

28.40 

26.40 

(w 

24.40 

25.80 

28.80 

28.80 

27.40 

26.60 

1 26.60 

28 20 

29.40 

27.40 

Brechkoks III .. . 

f s 

21.40 

22.— 

24 .— 

24 .- 

23 .— 

22.60 

1 

22.60 

21.40 

21.60 

22.- 

{w 

22.- 

22.60 

25 .- 

25 .- 

24.- 

23.80 

23.60 

22.40 

22.60 

23 .- 

Perlkoks 

Kokgries 

• 

• 

13.20 

14.60 

16 .— 

i 

15.60 

14.60 

14.60 

14.80 

15.40 

16 .— 

! 14.60 

Brikets 


17.60 

18.60 

21.50 

21.60 

19.60 

19 .- 

18 .— 

19 .— 

20.40 

19.40 

j 

s 




21.50 

20 .- 

19.60 

17.60 

18 .— 

18.80 

18.40 

Anthrazit-Eiformbrikets | 

w 

19 .- 

20.— 

21.50 

22.50 

21 .- 

20.60 

18.60 
1 19.60 

19 . - 

20. - 

19.80 

20.80 

19.40 

20.40 


Zahlentafel 46 



Ungefähre Preise des Mannheimer Kohlengrosshandels 

in den Jahren 1899 — 1904 (für 1 t). 

(Aus Singhof: Der Mannheimer Kohlengrosshandel.) 


,5 

TL 

T* 


i 


I 


! 





A 

■« 

‘ * 


Jahr 

Fettflamm- 

förder- 

kohlen 

Flamm- i 
nuss I u. 11 

Flamm- 
nuss III 

Flamm- 
nuss IV 

Schmiede- 
nuss 111 

Schmiede - 1 
nuss IV i 

Gries 


M. 

M. 

M. 

M. 1 

M. 

M. 1 

M. 

1899/1900 

14.- ! 

17.— 

1 

16.— 

15.- 

16.50 1 

15.50 

11.— 

1900/01 

17.50 

18.50 

1 

20.— 

21.- 

19. - ^ 

20. - 

1 

18.— ; 
19.- 

i 

19. - 

20. — 

18.- 

19.- 

16.— 

1901102 

16.20 

20.65 

21.15 

1 

18.65 

17.- 

19.— 

18.- 

15.— 

1902 03 

13.50 

18.50 

16.— 

14.50 

16.50 

' 15.50 

i 

1903/04 

13.— 

17.70 

i 15.50 

1 

14.- 

i 16.- 

1 

1 14.50 

,11.- 



— 

Fettnuss 

Fettschrot 

Ruhr- 

engl. 

Giesserei- 

Brechkoks 

Perl- 

Jahr 


lu.ll 

1 

350/0 

Anthrazit 

Anthrazit 

koks 

i 

koks 



M. 

M. 1 

M. i 

M. 

M. 

M. 

M. 

1899 1900 

s 

’w 

1 

18.50 

19.50 ! 

14.- 

1 

1 

26.- 

27.- 

1 

27. - 

28. — 

28.— i 

j 

! 

22.50 

12.50 

I900I0I 

: S 

1 

21- i 

17.- I 

28.50 

34.- 

1 

BO — 

1 

30 — 

14.— 

iW 

22 — 

18.— ! 

31.— , 

35.- 


1 


I90II02 1 

1 8 
IW 

21 — i 
22.— 

16.— 

31.- 

33.— 

35.— 

37.- 

30.— 

30.- 

il4.- 

1902i03 1 

[8 

[W 

19. — 

20. - 

1 

13.50 

29.— 

31.- 

35.— 

37.— 

23.- 

1 

i 23.50 

; 11.50 

1903104 

|8 

(W 

17.50 

18.— 

i 13.- 

28.50 
, 29.50 

1 

34.- 
! 36.— 

21.50 

: 21.50 

! 

11.50 

* 

1 



Zahlenfafe! 47. 





Richtpreise der Kgl. Bergwerksdirektion Saarbrücken für den deutschen Eisenbahnabsatz. 

(In Mark für 1 Tonne.) 



I9a^> 

190ß 

1907 

1908 

1909 

1910 

1911 

1912 

1913 

1914 


1. i 11. 

I. 

11. 

I. . 11. 

I. 1 II. 

1. 1 II. 

I. 1 II. 

I. 1 11. 

I. i II. 

I. 1 11. 

I. i 11. 


Halbjahr 

Halbjahr 

Halbjahr 

Halbjahr 

Halbjahr 

Halbjahr 

Halbjahr 

Halbjahr 

Halbjahr 

Halbjahr 


M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

M. 

Flammkohlen. 




1 


i 

1 

♦ 


( 


Stücke (Griesborn) .... 

15.40 

15.40 


16.20 

16.20 

16.20 

15.60 

15.80 

1 5.80 

15.60 

15.-: 

Förderkohlen (Louisenthal) . 

11.101 

11.10 


12.20 

12.20 

12.20 

11.60 

12.20 

12.20 

12.60 

12.60 

Würfel (Reden-Itzenplitz) . . 

16.60 

16.60 


17.20 

17.20 

17.20 

16.60 

16.40 

16.40 

16.40 

15.20 

Nuss l (Reden-Itzenplitz) . . 

16.60 

16.60 


17.20 

17.20 

17.20 

16.60 

16 . 40 ^ 

16.40 

16.80 

15.60 

Nuss 11 (Reden-Itzenplitz) . . 

14.90 

14.90 


15.40 

15.40 

15.40 

14.80 

15.60 

15.60 

15.60 

14.80 

Nuss 111 (Göttelborn) . . . 

12.60 1 

12.60 

r— 

Cd 

13.20 1 

13.20 1 

13.20 1 

12.60 1 

13.20 1 

13.40 1 

Cd 

13.60 














Fettkohlen. 

mX^ 

• 


Cd 

n 

• 

Cd 

r 

• 

Cd 

r 

• 

Cd 

r 

« 

Cd 

H 

• 

Cd 

• 

Cd 

r 

• 

Cd 

n 

• 

Cd 

r 

• 

Stücke (Heinitz-Dechen) . . 

16.50 . 2 ^ 

16.50 

O) 

17.20 .22 

17.20 .oj 

16 . 80 ^ .22 

16.20 .22 

15.60 . 2 i 

15.60 o ; 

16 .— .22 

15.60 ^ 




5 









Förderkohlen (König) . . . 

12.10 

12.10 


13.10 

13.10 

12.80 

12.30 

12.80 

12 . 80 ; 

12.80 

12.80 

Würfel (Heinitz-Dechen) . . 

16.60 

16.60 


17.20 

17.20 

16.80 

16.20 

16 .- 

16 .-; 

16 .- 

1 

15.60 

Nuss 1 (König) 

16.40 

16.40 


17.20 

17.20 

16.80 

16.20 

16.40 

16.40 

16.40 

15.60 

Nuss 11 (Sulzbach) .... 

14.10 

14.10 


15.20 

15.20 

15.20 

14.60 

15.20 

15.20 

15.20 

15 .- 

Nuss 111 (Brefeld) 

12.60 

12.60 


13.20 

! 

13.20 

1 

1 

13.20 

I2.6O1 

13.20 

1 

13.40 

\ 

14 .- 

1 

14 .- 

1 









Zahlentafel 48. 


Verkaufspreise für die Rheinischen Braunkohlenbrikets, Marke „Union“. 

(In Mark für 10 Tonnen.) 



1903104 

1904 05 

1905/06 

1906/07 

1907/08 

1 

1908109 

1909/10 

i 

1910/11 

1911/12 ; 

1912/13 

1913/14 

191415 

a) Hausbrandbrikets: 













ab Grube .... 

87.— 

92.- 

92.— 

100.— 

108.— 

108.— 

108.— 

108.— 

100.— 

90.- 

95.— 

95.— 

ab Rheinau . . . 



134 — 

142.— 

152.— 

152.— 

152.— 

152.— 

142.— 

S 129.— 
W 132.- 

134.— 

138.— 

134.— 

138.— 

b) Industriebrikets: 













ab Grube .... 






73.- 

65.— 

67.- 

63.— 

75.— 

78.- 

74.— 

ab Rheinau . . . 






117.- 

103.— 

106.- 

103.- 

115.— 

118.- 

114.—