Skip to main content

Full text of "Eine reise nach Paris [microform]"

See other formats


MA S TER 

NEGA TIVE 

NO. 93-81222-15 



MICROFILMED 1 993 
COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES/NEW YORK 



as part of the 
Foundations of Western Civilization Preservation Project" 



Funded by the 
NATIONAL ENDOWMENT FOR THE HUMANITIES 

Reproductions may not be made without permission from 

Columbia University Library 



COPYRIGHT STATEMENT 



The Copyright law of the United States - Title 17, United 
States Code - concerns the making of photocopies or 
other reproductions of copyrighted materiai. 

Under certain conditions specified in the law, libraries and 
archives are authorized to furnish a photocopy or other 
reproduction. One of these specified conditions is that the 
photocopy or other reproduction is not to be "used for any 
purpose other than private study, scholarship, or 
research.** If a user makes a request for, or later uses, a 
photocopy or reproduction for purposes in excess of "fair 
use,*' that user may be iiable for Copyright infringement. 

This Institution reserves the right to refuse to accept a 
copy Order if, in its judgement, fulfillment of the order 
would involve violation of the Copyright law. 



A UTHOR : 



SAUVAGE, JEAN 



TITLE: 



EINE REISE NACH PARIS 



PLACE: 



BERLIN 



DA TE : 



1900 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATION DEPARTMENT 



Master Negative # 



BIBLIOGRAPHIC MICROFORM TARGFT 



Restrictions on Use: 



Original Material as Filmed - Existing Bibliographie Record 



" i n ,1 pwf^^i^ 



944 
Z8 




pppyww^ : ii -nj« i jftij i .^.M. ^ p . i n.i.. ■ iiH | 



Sauvage, Jean. 

Sine reise nach Paris. Berlin, Gaertner, 1900. 
44 p. 2ih cm* 



•:'■ 



Jahresbericht der Siebenten ^Städtischen real- 
schule zu Berlin, 1900. 

Volume of dissertations 



i 



5 Another oopv- 

Box 9 



i- ) 



/ 



TECHNICAL MICROFORM DATA 



FILM SIZE: 't)/^_ REDUCTION RATIO: /^/ 

IMAGE PLACEMENT: lA «flS* IB IIB 

DATE FILMED: y^^dlSj. INITIALS z^^^ 

HLMEDBY: RESEARCH PUBLICATIONS. INC WOODBRIDGE/CT 



/ 



>*. 




.vi 










Association for Information and Image Management 

1100 Wayne Avenue, Suite 1100 
Silver Spring, Maryland 20910 

301/587-8202 




Centimeter 

1 2 3 

1 



4 5 

miniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimlimliniliiiil 



m 



[ii 



7 8 9 10 11 12 13 14 15 mm 

liiiiliiiiliiiiliiiiliiiiliiiiliiiil |m| iiiiliiiiliiiiliiiiliiiiliiiiliiin^ 



TTT 



Inches 



MIM 



\ 



1.0 



l.l 



1.25 



Ifiä 

^^ MSSS 
1^ _ 

Ii 1^ 

!f^ 14.0 



1.4 



TTT 



2.5 



TTT 



2.2 



2.0 



1.8 



1.6 



I 




MRNUFflCTURED TO flllM STPNDPRDS 
BY OPPLIED IMRGE, INC. 



\ 








CA-^w\-o 



» \ ♦. 



(\ 



yX 



0( 



Z-8 



Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht 
der Siebenten Städtischen Realschule zu Berlin. Ostern 1900. 



Eine Reise nach Paris. 



Von 



Jean Sauvage, 

Oberlehrer. 



1900. Programm Wr. 123. 



BERLIN 1900. 

R. Gaertners Verlagsbuchhandlung 

Hermann Heyfelder. 



mmm gpia^»».»— 



l/a in diesem Jahre die Weltausstellung die allgemeine Aufmerksamkeit auf 
Paris lenkt, wird es manchem nicht unerwünscht sein, wenn ich in kurzen Worten 
schildere, wie ich dorthin gekommen und was ich dort gesehen habe. 

Da es sich nach meiner Ansicht früh morgens fröhlicher in die Welt hinaus- 
fährt, fuhr ich mit dem Zuge, der um 9 Uhr 55 Minuten früh den Bahnhof Friedrich- 
strafse verläfst, nach Cöln. 

Für eine einfache Fahrkarte zweiter Classe hatte ich 69 Mark und einige Pfennige 
zu zahlen. Mein Gepäck von Berlin nach Paris (wirkliches Gewicht: 25 k, bezahltes 
Gewicht: 39 k) (Gepäckschein heifst kurz bulletin [de bagage]) kostete: 

taxe et Supplement de taxe 



Mark 


Pfennig 


2 


76 




4 


2 


80 



Eine Revision des aufgegebenen Gepäckes findet erst in Paris, nicht an der Grenze statt. 
Man nehme nicht zu viel mit; einen Hut kauft man besser drüben, der vornehme Pariser 
trägt gern den Cylinder (chapeau de haute forme oder chapeau de soie, vom Volke auch 
spöttisch d^calitre genannt), im Theater ist der claque oder chapeau ä claque beliebt. 
Ein in Deutschland gekaufter Hut bewirkt, dafs man noch schneller als Ausländer 
erkannt wird, was nicht angenehm ist, denn man wird dann das ständige Ziel der 
Attacken der zahlreici^^n Fremdenführer. 

Will man in Gesellschaften erscheinen, so mufs man einen Frack mitnehmen, 
denn Frack und weifse Binde ist unerläfslich, selbst im kleinen Kreise. Auch ist es zu 
empfehlen, einen schwarzen Rock auch auf der Strafse zu tragen, denn es charakterisiert 
den Mann aus den besseren Ständen und sichert allerseits zuvorkommende Behandlung 
zu. In den guten Theatern erscheint man auf den besten Plätzen im Frack, doch ist 
der Zwang hier nicht so streng wie in England, wo selbst den Officieren der Zutritt 
nur im Frack gestattet ist. 



— i ^ 



- 5 - 



Man hatte mir geraten, Sommerkleidung mitzunehmen, da der April drüben so 
warm wie unser Mai sei ; ich habe aber der Witterung wegen auch im April die Winter- 
kleider nie ablegen mögen. 

In Cöln traf ich um 5 Uhr 56 Minuten Nachmittags ein und hatte noch hin- 
reichend Zeit, die Stadt zu besichtigen. Am nächsten Morgen fuhr ich um 9 Uhr 
3 Minuten früh von Cöln ab und kam gegen 6 Uhr in Paris an. 

Beim Passieren der belgischen Grenze machte ich die Bemerkung, dafs meine 
Uhr auf der ersten Station in Belgien die Berliner Zeit mit 17 Minuten vor 12 Uhr 
angab, während die dort befindliche Uhr erst 20 Minuten vor 1 1 Uhr auswies. Ehe wir 
noch in la Gare du Nord in Paris einliefen, erblickte ich auf der Höhe der la Butte 
Montmartre von einem mächtigen Gerüst umgeben: die weifsen Türme der immer noch 
nicht ganz fertigen £glise du Sacr6-Coeur. Zugleich sah ich auch über einer Wolke von 
Nebel emporragend die schlanke Spitze des Eiffelturmes. Ein eignes Gefühl der Wonne 
beschlich mich, als ich dies Wunderwerk erblickte und mich einer für mich ganz neuen 
Welt näherte, von der ich so viel gelesen hatte. 

Auf dem Bahnhofe angelangt, fragte ich die Gepäckträger (facteurs), wo ich 
mein aufgegebenes Gepäck finden könne; sie wiesen mich auch richtig nach der belgischen 
Douane auf dem Bahnhofe. Die kurz angebundene Art des belgischen Zollbeamten, bei 
dem ein energisches „Sortez" mit einem freundlicheren „Entrez" über ein halbes Dutzend 
Male abwechselte, stach grell ab von der Liebenswürdigkeit der Franzosen, die ich bald 
kennen lernen sollte. 

Die Liebenswürdigkeit der Franzosen macht sich schon bei dem Verkehr 
auf der Strafse bemerkbar und ist wohl jedem Fremden aufgefallen. Niemals bleibt das 
„Pardon, monsieur!" aus, wenn man im Gedränge von irgend jemandem unversehens 
gestofsen worden ist. Ebenso liebenswürdig hat man mir, in welchem man schon von 
weitem, seinem ganzen Äufsern nach, den Deutschen erkennt, überall bereitwilligst Aus- 
kunft gegeben, wenn ich, des Weges unkundig, den Arbeiter in der blauen Bluse oder 
den einfachen Bürgersmann ansprach. Auch die Ehrlichkeit des Franzosen habe ich 
zu meiner Freude kennen gelernt, als ich einmal an der Theaterkasse in aller Eile eine 
Anzahl Zweifrancsstücke statt der erforderlichen Einfrancsstücke bezahlt hatte. Sofort 
eilte mir einer der befrackten Herren, die vor der Kasse standen, nach und führte mich 
zum Schalter zurück. Allerdings habe ich auch einmal ein falsches Zweifrancsstück er- 
halten und zur bleibenden Erinnerung mitgenommen, trotzdem der Kellner, der es als 
falsch erkannte, es für einen Franc in Rechnung nehmen wollte. 

Sehr hübsch ist die Einrichtung auf französischen und auch auf englischen 
Bahnhöfen (z. B. Holborn viaduct Bahnhof in London), dafs die Droschken direct unter 
der Bahnhofshalle in langer Reihe wie die Wagen des Eisenbahnzuges und parallel mit 
dem Schienengeleise untergebracht stehen, so dafs man nicht in die Lage kommen kann, 
wie bei uns in Wind und Wetter sein Fahrzeug draufsen suchen zu müssen. Auch wird 
der Schutzmann, der bei uns die Blechmarken der Droschken in der Bahnhofshalle aus- 
giebt, überflüssig und seinem wirklichen Berufe erhalten. 

Ich benutzte keine Droschke zur Fahrt nach dem „Hotel Moderne" auf dem 
„Place de la R6publique", da dieser kaum zehn Minuten entfernt ist. Der Gepäckträger 
empfahl mir einen der auf dem Bahnhof befindlichen Dienstmänner (commissionaires). 




I 



indem er mir sagte, derselbe habe nur den äufserst geringen Preis von einigen sous (die 
genaue Summe habe ich vergessen) zu verlangen. Jener forderte aber nachträglich be- 
deutend mehr, nämlich einen Franc, beinahe ebenso viel, wie ich für eine Droschke be- 
zahlt hätte. Auch macht es immer einen besseren Eindruck, wenn man in einem 
Wagen vorfährt. 

Ich wählte das Hotel Moderne, weil es ein französiches Hotel ist und mir 
empfohlen war. Das Hotel ist etwa von der Gröfse des Kaiserhofes in Berlin; man ist 
dort ganz ungeniert, hat nicht nötig, das diner oder souper im Hotel einzunehmen, wie 
das auch in den andern Hotels meist Sitte ist. Nur, wenn man das Frühstück nicht im 
Hotel einnimmt, wird der Preis des Zimmers erhöht, wie im Zimmer durch Anschlag 
bekannt gegeben wird. 

Um ein Zimmer zu erhalten, wies mich der Pförtner des Hotels an einen Schalter, 
an dem mich ein Herr sehr höflich fragte, zu welchem Preise ich das Zimmer wünschte. 
Auf meine Frage, welches die gewöhnlichen Preise für ein gutes Zimmer seien, antwortete 
er mir: 5 bis 7 francs den Tag. Ich liefs mir nun ein Zimmer zu 5 francs zeigen und 
war auch ganz zufrieden damit. Zwar vermifste ich den deutschen Kleiderschrank, doch 
da fiel mir ein, dafs es in Frankreich und auch in England Sitte ist, die Kleider nicht 
aufzuhängen, sondern sie liegend aufzubewahren; dazu war der hier stehende Schrank 
vollkommen zweckentsprechend. 

Alle Speisen, die man im Hotel verzehrt, bezahlt man sofort, auch das erste 
Frühstück. 

Trinkgelder giebt man bei der Abreise an Stubenmädchen und Hausknecht in 
der Höhe von je 5 oder 10 francs. Ich hielt mich übrigens nicht an diese landes- 
üblichen Preise, von denen mir der eine bei einem vierwöchentlichen Aufenthalt viel zu 
hoch, der andere zu niedrig erschien, und wählte den gerade dazwischen liegenden, 
ungewöhnlichen Preis, was mir in den Augen jener Dienstboten aber durchaus nicht 
geschadet, wie ich aus ihren erfreuten Gesichtern ersehen konnte. 

Die Hausthür des Hotels ist bis zwei Uhr nachts stets geöffnet, so dafs man, 
ohne zu klingeln, eintreten kann. Der Pförtner steht unten am Schalter und händigt 
einem den Stubenschlüssel aus, wofür er ein Trinkgeld von 10 Centimes und beim Ab- 
schied einen kleinen Zuschlag erwarten dürfte; viele zahlen auch erst bei der Abreise. 

Wer ein deutsches Hotel vorzieht, findet ein solches zu soliden Preisen auch in 
der Nähe der boulevards in der rue de rfichiquier (Schachbrett), es heifst: Hotel 
du Pavillon. 

Wer Privatwohnung vorzieht, hat das Unangenehme in Kauf zu nehmen, dafs er, 
da es keinen Hausschlüssel für die Mieter giebt, jedes Mal bei spätem Nachhausekommen 
den Pförtner herausklingeln mufs. Und spät nach Hause kommt man in Paris, schliefsen 
doch sämtliche Theater nicht vor 12 Uhr! Was die Polizeistunde anbetrifft, so 
schliefsen die meisten caf6s auf den Hauptboulevards um 1 oder um 2 Uhr nachts. Um 
2 Uhr wird dann aber auch so schleunig geschlossen, dafs man sogar den Billardspielern 
mitten im Spiel die Kugeln fortnimmt. 

Die Rechnung für die Woche fand ich in einem Briefumschlag am Morgen des 
sechsten Tages nach meiner Ankunft und dann immer bei der wöchentlichen Wiederkehr 
dieses Tages vor meiner Thür aufgebaut auf meinen Stiefeln, die ich zum Reinigen 



— 6 



hinausgesetzt hatte. Als ich einmal nicht sofort zahlte, fand ich am nächsten Morgen 
ein Duplicat meiner Rechnung (note de semaine) vor. 

Bei meiner Ankunft hatte ich übrigens sogleich nebenstehenden Schein, der für 

die Polizei bestimmt ist, auszufüllen: 



HOTEL MODERNE. 



Bulletin d'arriv^e 

du 



Appartement No. 

Nom 

Pr^noms 



Age 

Qualit^ ou Profession 

Lieu de Naissance 

Domicile habituel 

Arriv6 le k 



heure du 



Die Wochenrechnuns lautete einmal 



wie folgt: 



No. 3,238 



Serie Q 



Fo. 322 



HOTEL MODERNE 
PARIS 

Place de la Röpubliqne. 

420 Chambres et Salons. 
Mr. Sauvage 



189 




Mars 


27 




28 




29 




30 




31 


Avril 


1 




2 



Appartement . . . 

1 bougie 

Appartement . . . 
blancbissage . . . 
Appartement . . . 



5 
4 
5 
5 
5 
5 
5 



Die Zahl 5, so bemerke ich hierzu, 
wird gewöhnlich ohne jede Abkantung ge- 
schrieben, so dafs sie aussieht wie ein sich 
windender Regenwurm oder auch wie ein 
herunterhängender Faden. 

Die Wäsche liefs ich vom Hotel aus 
besorgen; dazu ist man laut Anschlag ver- 
pflichtet; dieselbe leidet natürlich sehr. Ich 
lasse zwei Wäscherechnungen folgen: 

Blanchisserie de la Seine. 

6. Rue Collas, ä Billanoourt (Seine) 
Doit M 



Billancourt, le 28 Mars 18i)9 



50 



75 



Aombre 
de 


DESIGNATION 


Prix 


Sommes 


2 
1 
1 
8 
5 
3 
4 


Chemises 

id. nuit .... 

flanelle 

Mouchoirs 

faux cols 

P'«" Manchettes . . . 
P'^ bas laine 


^— 


40 

10 
15 
30 
20 


■ 


80 
30 
40 
80 
75 
90 
80 


24 


4 


75 



— 7 _ 



Marqae 



HOTEL MODERNE 



.-«^..^. 



NOTE DE LINQE remis au blancbissage le par M 

No. 322 pour etre rendu le 189 



Nombre 
de 


LINGE D'HOMME 


Nombre 
de 


LINGE DE FEMME 


>'ombre 
de 


LINGE D'ENPANT 


Pieces 




Piecea 




Pieces 




2 


Chemises 




Chemises 




Chemises de gargon 


1 


— de nuit 




— garnies 




— de nuit 




— de soie 




Rohes de nuit 




— de fillette 




— de flanelle 




— ouvragdes 




Pantalons 




Devants de Chemise 




Jupons ordinaires 




— flanelle 




CaleQons 




— flanelle 




— garnis 




— de flanelle 




— brod^s 




Rohes 




— de soie 1 


— garnis,ouvrages 




— garnies 


1 


Flanelles 




Pantalons 




Corsets 




— de soie 




— brod^s ouvrag6s 




Canezous 


8 


Mouchoirs 




Camisoles 




Flanelles 




Foulards 




— garnies 




Langes de flanelle 


5 


Faux-cols 




Corsages 




— de piqu6 




Cravates 




— garnis 




Serviettes 


3 


Manchettes (paires) 


Flanelles 




Pelerines 




Gants d° 1 


— soie 




Cols 




Guetres d» 


Corsets 




Manches 




Bas de coton d® 


Garibaldi 




Mouchoirs 


4 


— de laine d° 


— garnis 




Tabliers 




— de soie d" 1 


Peignoirs 




Jupons ordinaires 




Chaussettes coton d" 




Mouchoirs 




— empes6s 




— laine d° 




— garnis 




— gamis,ouvrag6s 


r 


— soie d° 




Foulards 




Bonnets 




Bonnets de coton 




Cols 


• 


Bas (paires) 




Pantalons blancs de toile 




Cravates 


, 


Bavettes 




— de drap ou flan^' 




Petits cols 




Blouses 




Gilets blancs de toile 




Manches (paires) 




Vestes 




— de drap 




Manchettes d'* 




CaleQons 




Bords de gilets 




Bas de coton d° 




Gilets de flanelle 




Paletots toile 




— de laine d** 




Guimpes 




Ceintures 




— de soie d** 




Chaussettes coton 




Rohes de chambre 




Fichus 




— laine 




Serviettes 




Corps de fichus 




Costumes 




Draps 




Bonnets ä rang 




Serviettes 




Taies 




Serviettes 




Chemises brassi^res 




Gilets de coton 




Matin^es 
Costumes 

TablierS (femmes de ebsmbre) 












Plastrons flanelle 
Peignoir Peluche 
Complets 






• 






















■ 





— 8 — 



HOTEL MODERNE 

RESTAURANT 



1 Couvert 

1 Cote Veau I 1 

Vs Cantenac I 1 



25 

50 
50 



I 3 I 25 



Zum Schlufs eine Rechnung über das erste souper, das ich im Hotel verzehrt habe: 

Man zahlt also das Gedeck besonders mit 
25 Centimes. 

Wer ein vorzügliches diner in kostbar 
ausgestatteten weiten Räumen einnehmen 
will, findet ein solches im Hotel Conti- 
nental für 7 francs, miteingerechnet den 
Wein, der in carafes neben dem Gedeck 
steht, ä discr^tion benutzt werden kann 
und auf Wunsch vom Kellner ohne weiteres 
durch neuen ersetzt wird. Der Franzose 
ist eben mäfsig im Genufs des Weines, 
den er gern mit Wasser mischt. Dieses 
Hotel ist eines der vornehmsten und liegt sehr schön gleich am jardin des Tuileries in 
der Rue Gastiglione. 

Dicht an dem Palaste des Louvre liegt auch das grofse Hotel du Lonvre, 
gegenüber dem grofsen Verkaufshause „Les Grands Magasins du Louvre ^ in welchem 
alles zu haben ist, welches aber im Innern wenig elegant ist und durch die aufgespeicherten 
Waren übermäfsig beengt wird. 

Ein anderes grofses Warenhaus „Au printemps" liegt am Ufer der Seine weiter 
stromaufwärts. Das bekannte Geschäftshaus Bon march^ (magasin du Bon-March^) liegt 
auf dem linken Ufer der Seine in der engen rue de Sevres, zu welcher vom Pont du 
Carrousel (am Palais du Louvre) die Strafse Rue des Saints P^res führt Nicht weit 
davon liegt übrigens le Mont-de-Pi6t6, das bekannte Leihhaus am Boulevard Raspail, 
welcher die rue de Sevres schneidet und in le Boulevard St. Germain einmündet. 
Letzterer zieht sich in einem grofsen Bogen von dem Pont Sully (ganz im Osten) nach 
dem Pont de la Concorde am Place de la Concorde (im Westen). 

Zur besseren Orientierung machen wir folgende Angaben : Der weit sichtbare Are 
de Triomphe auf la Place de l'fitoile (Stern genannt, weil etwa ein Dutzend Strafsen 
dort zusammentreffen) liegt im Westen. Nach dem Osten führt von dort 1' Avenue des 
Champs £lys6es; in ziemlich gerader Linie wandern wir weiter östlich über den Platz 
de la Concorde, dann durch le jardin des Tuileries, la place du Carrousel, la Cour du 
Palais du Louvre bis zur Kirche St. Germain-VAuxerrois, welche uns den Weg versperrt. 
Die Strafse du Louvre, an der die Kirche liegt, führt uns südlich zur Seine, nördlich 
aber zu der langgestreckten von Westen nach Osten führenden rue de Rivoli. Dieser 
folgen wir immer weiter dem Osten zu; sie nimmt am Schlufs den Namen rue St. Antoine 
an und führt uns zum Platz de la Bastille, welcher im östlichen Paris liegt. Gehen wir 
weiter nach dem Osten, so gelangen wir von dort durch die rue du Faubourg St. Antoine 
ebenfalls in ziemlich gerader Richtung nach la place de la Nation. Weiter östlich liegt 
noch le Bois de Vincennes. Dieses die Linie von Westen nach Osten. 

Im Norden liegt la gare du Nord, auf welchem wir angekommen sind. Dicht 
daneben liegt la Gare de TEst, von diesem führt in gerader Linie nach dem Süden; le 
Boulevard de Strasbourg und der Boulevard de S^bastopol bis zur Seine; über diese 
führt uns le Pont du Change auf die Insel, auf welcher die Kirche Notre-Dame und das 



Palais de Justice liegen. Wir befinden uns hier in der Rue du Palais de Justice und 
gehen südwärts über le pont St. Michel in den grofsen Boulevard St. Michel hinein. 
Diese letztere Strafse führt uns zum Jardin du Luxembourg ganz im Süden. Dies sei 
vorausgeschickt zur näheren Orientierung über die ungefähren Himmelsrichtungen. 

Am Tage nach meiner Ankunft war ich von der Reise abgespannt, auch regnete 
es, deshalb wollte ich von dem Place de la R6publique aus, an welchem ich wohnte, 
nicht gleich durch die berühmtesten Boulevards nach der Vendöme-Säule und dem Are 
de Triomphe gehen. Diese Überraschung wollte ich mir für schönere Tage vorbehalten. 

Mein erster Gang führte mich nach dem Quartier latin, welches auf dem linken 
Ufer der Seine liegt. Aus dem Hotel herausgetreten, betrachtete ich zunächst die weib- 
liche Idealgestalt der Republik auf dem gleichnamigen Platze vor meinem Hotel. Es 
ist ein Platz von ungeheurer Ausdehnung; in der Mitte erhebt sich stolz die mächtige 
Bronzestatue der Republik ganz schwarz aussehend. Am quadratförmigen, breiten, weifsen 
Sockel sind die Reliefs von allen wichtigen Ereignissen der Revolutionszeit in ebenfalls 
ganz schwarz gewordener Bronze angebracht. 

Ich wende mich nun von diesem Platze, wie gesagt, nicht nach dem schönsten 
Teile von Paris, sondern gehe in südöstlicher Richtung den Boulevard Voltaire hinab, 
der in seiner breiten Anlage mit seinen grofsen Bäumen einen recht gefälligen Eindruck 
macht. Von hier aus biege ich ganz südlich ab durch den Boulevard Richard le Noir 
und gelange in ganz kurzer Zeit nach der Place de la Bastille. Hier stand früher 
la Bastille, bis sie am 14. Juli 1789 zerstört wurde. Dort erhebt sich auf dem weiten Platze, 
in den etwa sieben breite Strafsen einmünden, eine aufserordentlich hohe Säule (Colonne 
de Juillet) mit einem Jüngling darauf, errichtet zur Erinnerung an die Opfer der Juli- 
revolution 1830, durch welche Charles X. seinen Thron verlor. Der Jüngling stellt 
le g6nie de la Libert6 dar mit der Fackel der Civilisation in der einen und den ge- 
brochenen Fesseln der Knechtschaft in der anderen Hand. Am Denkmal fiel mir auch 
der gallische Hahn, der viermal am Sockel angebracht war, auf. Ich hätte übrigens 
nach diesem Platze auf kürzerem Wege gelangen können, und zwar durch den etwas 
mehr westlich gelegenen Boulevard du Temple, der direct dorthin führt, wobei er aller- 
dings einmal den Namen ändert und zum Schlufs Boulevard Beaumarchais heifst. An 
diesem Platze befindet sich auch la gare de Vincennes, welcher nach dem schönen Bois 
de Vincennes führt (dort häufig Wettrennen, zu welchem auch grofse vierspännige 
Omnibusse, genauer Chars-ä-bancs [Sitze alle nach vorn gerichtet, das heifst Lehne hinten 
an der Bank, so dafs alle Mitfahrenden den Blick nach vorn den Pferden zuwenden] für 
1 franc von der Place de la R6publique abgehen). Von dem Platze de la Bastille führt ein 
kurzer Kanal in die Seine. Gehen wir an diesem entlang, so kommen wir, wenn wir 
uns östlich, das heifst nach links wenden, an le Pont d'Austerlitz. 

Auf dem Wege dorthin sehen wir ein grofses rundes Gebäude: Le Panorame 
de la Bastille. Dort wird unter anderem eine guillotine gezeigt, diese furchtbare 
Erfindung eines Arztes, des Dr. Guillotin, f ISH, Sehr anziehend aber ist darin das 
herrliche Panorama von Paris selbst mit der Seine zur Zeit der Revolution, auch eine 
Deputation der Dames de la Halle befindet sich darauf, die jugendlichen Gestalten mit 
ihren coquetten Häubchen und hübschen Costümen machen einen recht freundlichen Ein- 
druck (in einer Galerie habe ich ein Gemälde gesehen, auf dem sie ähnlich dargestellt sind). 

VIL Stidtische RetUchale. 1900. o 



— 10 — 



Ich überschritt alsdann die Seine am Pont d'Austerlitz und erblickte im Osten 
la gare d'0rl6ans und direct vor mir le Jardin des Plantes. 

Wir treten in den Jardin des Plantes, den eigentlichen Zoologischen Garten, 
ein (der im Bois de Boulogne befindliche Jardin d'acclimatation hat nicht einmal Löwen 
und Tiger aufzuweisen). Besonders bemerkenswert sind die vortrefflichen Museeen darin, 
auch ein Palmenhaus findet sich vor. Es lohnt sich sehr die naturwissenschaftlichen 
Sammlungen in diesen Galeries de Zoologie zu betrachten. Der Zutritt ist an manchen 
Tagen nur nach Meldung beim Inspector und zu gewissen Stunden gestattet. Doch gegen 
Fremde, die nur einen Blick hineinwerfen wollen, ist man in ganz Paris und Umgegend 
nachsichtig; auch wird ein kleines Trinkgeld wohl nie verschmäht. Le Jardin des Plantes 
proprement dit est ouvert toute la journ^e; aber die m^nagerie ist nur otfen von 11 Uhr 
bis 4 Uhr im Winter, 5 Uhr im Sommer. Les galeries des animaux vivants sont 
publiques le jeudi de 1 h. a 5 h. en 6t6 et 4 h. en hiver, quand les animaux ne sont 
pas expos^s au dehors, et visibles de meme les autres jours sur presentation de billets 
qu'il faut demander a l'administration. Les galeries d'histoire naturelle sont ouvertes 
au public les jeudi et dimanche de 11 h. a 4 h. et visibles aussi les mardi, vendredi et 
samedi avec un billet d'entr6e (Baedeker p. 248). 

Im Garten selber bewundern wir das Gerippe eines 14 Meter langen Walfisches 
(baieine, 6chou6e ä Tcmbouchure de la Seine) ferner eine herrliche Cedre du Liban 
(gepflanzt 1735). 

Wir betreten dann den eigentlichen Tiergarten nahe dem Seinequai mehr nach 
dem Mittelpunkt der Stadt zu gelegen. Wir sehen schöne Exemplare von Löwen und 
anderen animaux f^roces ') in ihren Käfigen. Die Gebäude sind einfache Gebäude wie im 
Londoner Zoo; sie machen keinen Anspruch auf architektonische Schönheit. Auch ist 
kein eigentliches Restaurationslocal im Garten. 

Wir sehen uns dann die animaux paisibles an, wir besuchen le palais des singes 
(äufserlich und innerlich nichts weniger als Palast), la rotonde des grands animaux: 
616phants, hippopotames, chameaux, rhinoc6ros, dann: la fosse aux ours, la grande 
Voliere, les cages des oiseaux de proie, la faisanderie, le pavillon des reptiles, le bassin 
des crocodiles, le bassin de Totarie ou lion de mer. 

Wir werden gewarnt bei den Aflfen durch einen Anschlag: „Prenez garde aux 
morsures!"; an einem andern Ort steht: „il est dangereux de passer dans ce couloir". 
Zum Schutze der Tiere lesen wir: „Defense d'exciter les animaux!" 

Den Salamander finden wir bezeichnet als triton, dagegen steht unter unserem 
gelbbetupften Harzsalamander: la salamandre; die Krähe finden wir bezeichnet als 
pie vulgaire. 

Wir verlassen nun le jardin des plantes, gehen an la Halle aux vins mit ihren 
zahllosen Weinfässern vorüber, nähern uns dem Pont Sully, von welcher Brücke westlich 
le Boulevard St. Germain im weiten Bogen zu der Seine stromabwärts leitet (während 
nach dem Nordosten der Boulevard Henri IV auf kurzem Wege zu der Place de la 
Bastille zurückführt). Wir blicken stromabwärts und sehen l'ile St. Louis und dann 
nie de la Cit6, die letztere mit der Morgue, der Kirche Notre Dame, dem Hotel-Dieu, 



>) Ein wiiilcr Schwan heifst aber an cygne sanvag(>, und nicht färoce. 



— 11 — 

dem Palais de Justice, der Sainte Chapelle und am westlichen Ausläufer dem Denkmale 
Heinrichs IV am Pont Neuf. 

Beim Anblick von Notre Dame, welche mir durch Victor Hugos gleichnamigen 
Roman so vertraut war, so wie beim Schauen in das herrlich wirbelnde, schöne, grüne, 
weifs schäumende Seinewasser ging mir das Herz auf. 

Am Strome safsen Angler mit langen Angelstöcken, denn die Quaimauern sind 
recht hoch; im Flusse schwammen gleich grofsen Schiffen riesige Badehäuser für kalte 
und wärme Bäder. Grofse Lastkähne treiben dahin, von Schleppdampfern gezogen; sie 
sind vorn und hinten schwerfällig breit abgerundet, während unsere Oderkähne im Ver- 
gleich daKU namentlich nach vorn mehr spitz und schnabelförmig auslaufen. 

Am interessantesten aber sind die zahllosen kleinen Dampfer, die in kurzen 
Zwischenständen sich folgen. Ihr Rumpf zeigt meist die schwarze Farbe. Flott und 
glatt gleiten sie dahin; mouches nennt sie der Pariser, die gröfseren Personendampfer 
heifscn hirondelles. Diese mouches befördern Passagiere für 10 Centimes an Wochen- 
tagen, für den doppelten Preis an Sonntagen durch ganz Paris. Man steigt vom quai 
herab auf einen grofsen ponton, auf welchem ein Schutzdach errichtet ist. Das billet 
erhalten wir erst auf dem Dampfer während der Fahrt; der Cassierer geht herum, mahnt 
auch wohl zum Zahlen durch den Ruf: les places! Sehr hübsch ist die Einrichtung, dafs 
auf dem Verdeck und in der Cajüte eine Tafel angebracht ist, welche den Namen der 
prochaine Station angiebt; mit lautem Klingeln schlägt die Tafel hinter jeder neuen 
Station um, und zwar durch einen Druck des Capitaines oder Steuermannes auf die 
Leitung. Manche Dampfer haben das Vorderdeck durch Glaswände geschützt, auch sind 
die erhöhten Rücklehnen der einander gegenüberstehenden Bänke geeignet, gegen Wind 
und Wetter Schutz zu gewähren. Man sieht daraus, dafs die Dampfer auch bei schlechtem 
Wetter gern benutzt werden. Für unsere Verhältnisse freilich scheint das jedoch wenig 
praktisch, da wir Dampferfahrten nur bei schönem Wetter unternehmen und so viel 
frische Luft als möglich geniefsen wollen; bietet doch bei umschlagender Witterung die 
Cajüte Schutz! Es ist verboten, mit dem Steuermann zu sprechen (il est interdit aux 
voyageurs de causer avec le pilote), so besagt „un 6criteau". Will man nach St. Cloud 
oder weiter hinaus fahren, so mufs man an dem pont de la Concorde aussteigen, dicht 
daneben befindet sich ein anderer Ponton, an welchem der andere Dampfer anlegt. 
Übrigens heifst „fertig zur Abfahrt!« pret; Abfahrt nach St. Cloud natürlich „D^part 

pour St. Cloud!" 

Auffallend ist es, wie schnell diese Dampfer anlegen und wieder abfahren. Eine 
Barriere hält nämlich längs der Dampferanlegestelle einen Gang frei, welchen das 
Publicum erst betreten darf, wenn die Leute, die vom Dampfer absteigen wollen, durch 
eine zweite Thür diesen Gang verlassen haben. Der Dampfer braucht also nicht wie 
bei uns immer vorwärts und rückwärts und wieder vorwärts zu fahren, da er nicht eine 
schmale Eingangspforte am Landungsplatz genau mit einem bestimmten Teile seines 
Schiffes in Berührung zu bringen braucht, sondern einfach an jedem Teile des langen Ganges 
halten kann. Vom Ponton aus wird er dann sofort mit starken Tauen festgehalten, bis 
er zur Abfahrt fertig ist. 

Eine Tafel an der Treppe enthält die Aufschrift: Defense de stationner, d. h. man 

soll sich dort nicht unnütz aufhalten. 

2» 



^ 12 -^ 



— 13 •* 



Auch schwimmende Waschhäuser, genannt „lavoirs", sieht man auf der Seine. 
Am Ufer des Stromes befindet sich ein Gebäude der Rettungsgesellschaft (Soci6t6 
fran^ise de sauvetage); auf einem Schilde las ich, dafs die Rettungsmedaille von der 
r6publique frangaise für einen acte de d^vouement verliehen wird, ferner dafs man eine 
Unfallstation bezeichnet mit „Poste de secours** oder „Secours aux blesses". 

Auf Pontons ruhende verankerte Badeanstalten habe ich schon erwähnt. Dort 
kann man auch schwimmen lernen, daher die Aufschrift £cole de natation; ferner lesen 
wir: Bains froids pour hommes P* classe 50 Centimes, !!• classe 30 Centimes. 

Die Brücken, die wir bei einer Fahrt stromabwärts passieren, sind: Pont 
d'Austerlitz, Pont Sully, Pont St. Louis (er verbindet die beiden vorher genannten Inseln), 
Pont d'Arcole (am Hotel de Ville), Pont Notre Dame, Pont au Change, Pont Neuf, Pont 
des Arts (am Louvre, am linken Ufer gegenüber l'Institut de France, in welchem die 
unsterblichen Akademiker tagen), Pont du Carrousel, Pont Royal (am Jardin des Tuileries), 
Pont de Solf^rino (auch am Jardin des Tuileries, gegenüber le palais de la Legion 
d'honneur), Pont de la Concorde (am place de la Concorde, gegenüber la Chambre des 
D6put63), Pont Alexandre III, Pont des Invalides (in der Nähe des Hotel und Dome des 
Invalides), Pont de l'Alma, Pont d'J^na (am Trocad6ro, gegenüber la tour Eiffel; 
Blücher hatte sie nach seinem Einzüge sprengen wollen, doch der Czar intervenierte), 
Pont de Passy, Pont de Grenelle. An dieser Brücke am linken Ufer befindet sich 
la Statue de la Liberia (nachgebildet derjenigen, welche Frankreich an Amerika geschenkt 
hat) in verkleinertem Mafsstabe; sie ist gewidmet von der colonie parisienne des £tats- 
Unis d'Amörique a la ville de Paris, wie die Inschrift besagt. 

Wir kehren nun zurück zum Pont d'Austerlitz. Es scheint nicht rätlich, 
meine Wanderungen nach den Tagen, an denen sie gemacht worden sind, hier aufzu- 
zählen, denn ich habe dieselben der Abwechslung halber an jedem Tage in anderer 
Richtung fortgesetzt. Den Hauptanziehungspunkt bildet stets der Verkehr auf den 
grofsen Boulevards zwischen der Place de la R^publique und der Oper bis weiter hinauf 
zum Bois de Boulogne. Ich aber werde zunächst das linke Seineufer besprechen bis 
zum Terrain der exposition universelle, dann die Boulevard?, Place de la Concorde bis 
zum Bois de Boulogne, drittens vom Place de la Concorde zurück bis zur Kirche 
Unsrer Lieben Frau, zum Schlufs einige Ausflüge in die Umgegend und das Terrain der 
Ausstellung. 

Vom Pont d'Austerlitz wenden wir uns am Jardin des Plantes entlang bis zum 
Pont Sully. Von dort gehen wir links den Boulevard St. Germain hinauf, dann links 
den Boulevard St. Michel (oder auch rue St. Jacques [das a in Jacques so wie in Jeanne 
ist lang zu sprechen]) hinauf, und noch einmal links durch die breite rue Soufflot, so 
gelangen wir zum Pantheon, welches, auf hohem Berge gelegen, von allen Aussichts- 
punkten der Umgegend sofort ins Auge fällt. 

Zuvor können wir noch in dem Boulevard St. Germain das Mus6e de Cluny 
besuchen (dieses ist nur Montags geschlossen). Man mufs die Garderobe abgeben, ohne 
dafür zu zahlen (Vestiaire obligatoire, mais gratuit). Die Vorderseite so wie die Rück- 
seite des Gebäudes ist wegen seiner eigenen Bauart sehr sehenswert. Im Innern ist recht 
vieles bemerkenswert, unter anderem zwei Curiositäten aus der Zeit ritterlicher Minne, 
welche der Aufseher gegen kleines Trinkgeld bereitwilligst zeigt. 



V 



Das Pantheon liegt im Südosten auf dem höchsten Punkte des linken Seineufers 
sur Templacemeut du tombeau de Ste. Genevieve, patronne de Paris (422 — 512). II a 
6t6 construit de 1764 ä 1790 sur les plans de Soufflot. On le dddia aussi k Ste. 
Genevieve, mais la Constituante le convertit en 1791 en un Pantheon. Die Überschrift 
lautet: Aux grands hommes. Dort wurde 1885 von der „patrie reconnaissante" die 
Leiche Victor Hugos beigesetzt. Das Pantheon ist übrigens täglich aufser Montags bis 
4 Uhr geöffnet. Eine Besteigung des Turmes ist sehr lohnend. Neben dem Pantheon 
steht eine Statue Rousseaus; die Statue Voltaires ist nicht weit entfernt davon. 

Le Pantheon est un temple imposant en forme de croix grecque, ayant au milieu 
un döme de 83 m. de haut et plus de 23 m. de diametre. Ce dome repose sur un haut 
tambour entour6 d'une colonnade corinthienne, et il est surmont6 d'une lanterne qui a 
elle-meme un petit döme. La fagade est formte par un portique colossal de 22 colonnes 
corinthiennes cannel^es, hautes de 25 m., dans le genre de celui du Pantheon de Rome. 
(Baedeker, Paris p. 227). Die Hauptfigur auf dem Giebelfelde stellt Frankreich dar, wie 
es an seine Kinder Kränze verteilt. 

Mir erscheint die Kuppel etwas zu klein im Verhältnis zum übrigen Bau. Das 
Innere ist ziemlich kahl, man sieht Gemälde die auf die Heilige Genoveva Bezug, sonst 
aber nichts Anziehendes haben; ich war eigentlich enttäuscht; die Ausschmückung hatte 
ich mir würdiger gedacht, sie ist noch unfertig. Besonders mifsfiel mir das Modell zu 
einer riesengrofsen Frauengestalt mit fliegendem Gewände, welches im Hintergrunde des 
Gebäudes aufgestellt wird. Die Figur wirkt viel zu unruhig für die ernste ruhige Stätte. 

Die Grabgewölbe sind nicht bemerkenswert und nicht ohne weiteres zugänglich. 
On y voit d'abord un c^notaphe de mauvais goüt 6rig6 ä J.-J. Rousseau, le monument 
bien simple de l'architecte Soufflot, celui de Voltaire avec sa statue d'apres Houdon. 
Plus loin ä g. un caveau oü sont maintenant les restes du conventionnel Lazare Carnot 
(1753 — 1823), du g^n^ral Marceau, du fameux grenadier la Tour d'Auvergne (1743—1800), 
de Baudin et du pr^sident Carnot (1837—1894). Ensuite Victor Hugo (1812—1885), 
le mar^chal Lannes, le math^maticien Lagrange etc. 

Die Front des Pantheon wendet sich gen Westen dem Innern der Stadt zu; der 
Weg von dort führt hinab zu dem viel tiefer gelegenen Jardin du Luxembourg, zu 
welchem wir durch die rue Soufflot gelangen. Ganz in der Nähe (etwas mehr der Seine 
zu) befindet sich le th6ätre national de TOdöon, in welchem die zweitbeste Schau- 
spielertruppe von Paris spielt. Vor dem Theater steht die Statue von fimile Augier. 

Durch ein hohes Gitterthor gelangen wir in den schönen Garten, der mit vielen 
Statuen geschmückt ist. Wir steigen hinab zu einem sehr grofsen Bassin mit Spring- 
brunnen, auf welchem die Jugend herrliche kleine Schiffe schwimmen läfst, welche Spiel- 
warenhändler direkt am Platze verkaufen. Diese stolzen Schiffchen mit grofsen Segeln 
versehen, dem Steuer unbedingt gehorchend, legen die Fahrt über das breite, runde 
Bassin meist siegreich zurück. 

Nördlich davon liegt le palais du Luxembourg, wo jetzt der Senat tagt. Sehr 
sehenswert ist le mus6e du Luxembourg westlich vom Palast gelegen, es enthält sehr 
schöne Sculpturen und Gemälde. II comprend une collection d'ouvrages d'artistes vivants. 

Im Garten ist noch zu erwähnen die schöne Fontaine de M6dicis östlich vom 
Palais du Luxembourg, nahe dem östlichen Eingangsthore des Parkes, durch welches wir 



- u - 

eingetreten sind. Den Namen hat der Palast von einem H6tel de Luxembourg, welches 
einst an dieser Stelle gestanden hat. 

Zwischem dem Palais du Luxembourg, dem Panth^oji und dem Mus6e de Cluny 
liegt die neuerbaute Sorbonne, le College de France und viele wissenschaftliche Institute. 
Hier auf dem linken Seineufer ist das sogenannte Quartier latin. Die Sorbonne wird 
von etwa 1400 Studierenden besucht. Les cours (Vorträge) sont gratuits et publics. 
La Sorbonne est redevenue le siege de l'universit^ de Paris. Das ehemalige Gebäude 
wurde 1629 von Richelieu erbaut für die theologische Facultät der Universität. La 
Sorbonne doit son origine a un College fond6 en 1253 par Robert de Sorbon, confesseur 
de St. Louis et dont la r^putation fit bientot le centre de Venseignement de la th^ologie 

scolastique. (p. 225 Baedeker). 

Gehen wir den Boulevard St. Germain nach Westen hinauf, so bemerken wir die 
weithin sichtbare, alte, schöne Kirche St Germain-des-Pr6s. Auch St. Sulpice in der 

Nähe ist eine sehr schöne Kirche. 

Wir kommen dann zum Ministere des Travaux publics und zum Ministere de 
la Guerre. Dort berühren wir das Terrain der Weltausstellung. 

Die letzte Querstrafse des Boulevard St. Germain ist die rue de Lille, in welcher 
sich FAmbassade d'AUemagne und die Einfahrt zum Hofe du Palais de la Legion 
d'Honneur befindet. Die Fronten dieser Paläste sind aber der Seine zugewandt. Auch 
die übrigen Botschaftspaläste so wie das Palais des Präsidenten der Republik haben 
nach der Strafse zu den Hof mit der Einfahrt; dieser Hof ist durch eine hohe Mauer 
und schwere Thore nach der Strafse zu begrenzt, während das eigentliche Palais hinter 

dem Hofe liegt. 

Am Ausgange des genannten Boulevard St. Germain gelangen wir zur Seine am 
Pont de la Concorde. An dieser Brücke liegt la Chambre des Ddput^s mit sehr schöner 
Säulenhalle, weiter dahinter le Ministere des Affaires fitrangeres, daneben la Gare des 
Invalides, von welchem man durch die Esplanade des Invalides zum Hotel des Invalides 
gelangt. Dieses Schlofs ist von Louis XIV. erbaut und zeigt dessen Relief. Uniformierte 
Führer stehen am Eingange, sind aber ganz überflüssig. Wir treten durch das Portal 
in la cour d'honneur, zu beiden Seiten sehr wichtige Museeen: le mus6e d'artillerie, le 
mus6e de l'Arm6e. Sehr interessant sind in dem links gelegenen Museum zwei Stühle 
und der Tisch, den Napoleon I. als Lieutenant benutzt hat; das Sitzbrett eines solchen 
Stuhles mit seiner steifen hohen Lehne ist kaum halb so breit wie dasjenige unserer 
einfachsten Rohrstühle. Auch ein Hut Napoleons befindet sich dort. Im Museum zur 
zur rechten Hand befinden sich Waffen und Ritterkostüme. Die Museeen sind nicht 

immer geöffnet. 

Eine Tafel giebt folgende Warnung: Defense de toucher. Am Eingang werden 
wir gebeten, die Füfse zu reinigen: Essuyez vos pieds S. V. P. (s'il vous plait). Einmal 
lesen wir auch „frisch gestrichen": Prenez garde ä la peinture! 

Zur Grabstätte Napoleons, die auch nicht jeder Zeit geöffnet ist, gelangen wir 
von der grade entgegengesetzten Seite dieses grofsen Gebäudecomplexes. An diesen 
schliefst sich zunächst l'6glise St Louis direct an, an diese dann le dome des Invalides, 
welchen wir jetzt von dem Platze Vauban aus betreten wollen. Es wäre eindrucksvoller, 
wenn der Eingang von der anderen (der nördlichen) Seite der Kirche her geöffnet wäre. 



— 15 — 

So treten wir beinahe direct in den Raum, in welchem die Gebeine Napoleons ruhen, 
welche man von St. Helena hierher überführt hat. Doch steht der mächtige Granit- 
sarg in einem etwas tiefer liegenden Stockwerk; eine runde Gallerie läuft oben herum 
und gestattet den Einblick nach unten. Der Leichenstein ist aus rotem Granit in der 
Form unserer Särge gehalten, er steht auf ziemlich hohen Füfsen; den Sargdeckel bildet 
eine schwere Granitplatte, deren Seitenansicht an die Schneckenformen der jonischen 
Säulen erinnert. Über dem Ganzen wölbt sich die grofse Kuppel des dome des Invalides. 
Genauer sagt Baedeker p. 264: Le tombeau de Napoleon 1", construit par Visconti est 
sous le dorne. 11 consiste en une crypte circulaire ouverte dans le haut. Au milieu est 
le sarcophage de l'empereur, mort ä Ste.-H^lene en 1821 et dont les restes ont 6t6 
transf^r^s ä Paris en 1840. Ce sarcophage est en forme de cuve antique, de 4 m. de 
long sur 2 m. de large et 4 m. 50. de haut, fait d'un seul bloc d'une espäce de gres 
rougeätre de Finlande. Le pav6 est une mosaique avec une gloire, une couronne de 
laurier et des noms de batailles. Les douze helles figures colossales autour de la crypte 
symbolisent les principales victoires de Tempereur. Les six troph^es se composent de 
60 drapeaux pris sur rennemi. Le jour faible et bleuätre qui tombe d'eu haut contribue 
encore a l'impression de solennelle grandeur que produit ce tombeau. Der Eindruck des 
Ganzen ist sehr ernst und würdevoll. 

Wir steigen dann in das untere Stockwerk hinunter; beim Eintritt in den Raum, 
in welchem sich der schwere Steinsarg erhebt, lesen wir über dem Eingange die Worte 
Napoleons: Je dösire que mes cendres reposent sur les bords de la Seine au milieu de 
cc peuple frangais que j'ai tant aim6. 

Diese Worte machen einen tiefen Eindruck, freilich erinnern sie auch an die 
rührenden Abschiedsworte Napol6ons an die Deutschen, denen er das Glück und die 
Freiheit hatte bringen wollen, wie ich in^ einem Museum auf dem Schlachtfelde bei 

Leipzig lesen konnte. 

Die Namen der Schlachten, die ich in der Nähe des Sarkophages Napoleons ver- 
ewigt sah, waren: Marengo, Wagram, Austerlitz, Moscowa, J6na, Pyramides. Die 
Kuppel des dome des Invalides strahlt in lichtem Golde weit über Paris hinaus. 

Ich habe vergessen zu sagen, dafs sich am Eingange zum Hotel des Invalides 
eroberte Geschütze, darunter auch vier preufsische, befinden. 

In dem Hotel des Invalides wohnen übrigens nur noch etwa 175 Invaliden. 

Kehren wir wieder zur Seine und zum Bahnhofe des Invalides zurück, so be- 
finden wir uns vor dem Pont Alexandre III., der jetzt im Bau begriffen ist, dessen 
Geschichte wohl hinlänglich bekannt ist. 

Kehren wir von hier zu unserem Ausgangspunkte zum Pont d' Austerlitz immer 
am linken Ufer der Seine entlang zurück, so bemerken wir das Gebäude de la lögion 
d'Honneur, la Caisse des Depots, l'ficole des Beaux Arts, l'Institut de France, la biblio- 
theque Mazarine. 

L'Institut liegt vor dem Pont des Arts gegenüber dem Louvre, letzteres am 
rechten Ufer der Seine. Die Kuppel (le dome) jenes Gebäudes ist wohl durch die 
Abbildung in Daudets „l'ImmorteP' schon bekannt. In der Nähe auf beiden Seiten der 
Seine auf den Quaimauern befinden sich die Holzkästen der Verkäufer von alten Büchern, 
Muschel- und Steinsammlungen. Diese Kästen sind mit eisernen Stäben befestigt. Schön 



16 — 



ist es grade nicht, den Blick auf die Seine durch diese Auslagekästen zu behindern, doch 
bietet der Inhalt derselben vieles Interessante. Früher war das Wasser der Seine unrein, 
deswegen beachtete man es nicht. 

U Institut se divise en Acad6mie Fran^aise, Acad6mie des inscriptions et belles- 
lettres, Acad6mies des sciences, Acad^mie des beaux-arts et Acad6mie des Sciences morales 
et politiques. Die Geschichte des Instituts, welches aus der alten berühmten Acad^mie 
hervorgegangen ist (letzterer Name ist bei uns Deutschen meist noch der geläufige) ist 
zu bekannt, um hier darauf einzugehen. 

Wir werden uns nun dem rechten Ufer der Seine zuwenden, indem wir unsern 
Ausgangspunkt wieder von der Place de la R6publique nehmen. Das Leben und Treiben 
der Boulevards ist so häufig beschrieben, dafs ich mir diese Mühe ersparen kann. Der 
Anblick dieser breiten, schönen Strafsen mit ihren hohen Bäumen (vielfach Platanen), mit 
ihrem munteren und regen Verkehr wirkt erhebend. Die vielen Läden mit ihren mannig- 
fachen Ausstellungen locken zum Kauf. Viele Verkäufer rücken ihre Ware auf Kisten, 
Kästen und Holzgestellen weit in die Strafse, die ja allerdings genug Platz bietet, hinein, 
um Kauflustige zu reizen. Da sehen wir allerhand Kleidungsstücke in Massen ausgelegt, 
dort den Inhalt eines ganzen Seifenladens auf der Strafse ausgestellt, dort allerhand Efs- 
waren; ein Kunsthändler bietet an: Objets anciens; dort liegt frischer grüner Spargel, 
wie man ihn hier geniefst, dort Austern und seltene Schnecken zum Essen (huitres, 
escargots), hier wieder empfiehlt jemand Mappen für Schüler (serviettes ind^chirables de 
2 francs). Dort besagt ein 6criteau: on fait des brosses a dents dont les soies ne tom- 
bent pas. Dort kann man erhalten: choucroute chaude ä toute heure! Dort verkündigt 
ein Schild: „Liquidation! Grand rabais!" Ein anderer empfiehlt des sacs en papier 
(Papierdüten). Zwischen all dem Menschengewühl bricht sich ein Glaser einen Weg durch 
die Menge mit dem Rufe: Prenez garde, s'il vous plait. Die camelots eilen zwischen 
durch und brüllen den Namen ihrer Zeitung aus; stündlich erscheinen neue Ausgaben. 
Die Strafse bedeckt sich mit unzähligen Papieren, die Anpreisungen von Restaurants und 
Kaufhäusern enthalten. Ich teile hier einige solche Anzeigen mit. 



AUX GOURMETS 

5, Boulevard Voltaire, 5 

(Pr^s la Place de la R^pabliqae) 

POTAGE ET PAIN A DISCR£TI0N 

Le potage est tervi i discr^tion dans des Soupiires 

DEJEUNERS 1.16, DINERS 1.25; 

Hors-d'oeuvre ou potage, 1 plat de Viando, 1 plat de 

ygames ou poisson, 1 dessert, 1/2 bouteille de via rouge 

ou blanc, cidre on hihre et pain. 

D^EUNERS 1.40—1.80 & 2 FRANCS, DINERS 1.50 & 2 FRANCS 

I Piasieurs grands salons an rez-de-chaussäe et au premier 

EEPAS DE CORPS - SALON POÜE NOCES 

Le Maison se recommande particulierement ponr ses Yins 

6, Boulevard Voltaire, 6 

ON SBRT AÜX MEME9 PRIX DANS T0Ü8 LES SALONS 



— 17 — 



ÜJ 

Q 
< 

q: 
CD 



CO 

•^9 



g 5 

^ LU 



a> 






QQ 



-^1 

p 
« § 



GS 

= ^na 3 



Habillients k Nesie 

Choix considerable de Draperies Fran;aises et Anglaises 

HAÜTES NOUVEAUTllS 

Maison E. ETIÖVANT 



Les demandes 



BURE AÜX: 

d..,„.„„ d. c.„p., 72, RUE ROCHECHOUART, 72 "»^r' 

et les commaodes MAGASINS & ATELIERS les nngtquatre heurcs 



doirent fitre adressees jj^ fUG Jean-Jacques-Rousseau 

rue Rochechouart »» . _^ . ... 

PARIS 



aax 
lettres affraochies 



COUPE ^L^GANTE - FAQON TR^S SOIGN^E 



Complets sur mesure depuis 60 f 
Pantalons — — 1 5 f 

Pardessus — — 55 f 



Complets tout faits depuis 35 f 
Pantalons — — 9f.50 

Pardessus — — 30 fr. 



PAYABLEAßAisoNDElO,15ET20^AßMOIS 



UJ 

CO 

CO 
CO 



CO 



525 



(ff 

P 

s ff, 



es ^ 

e p 

.52 5» 

es 

a » 
|n 

* s 

a 'o 


















-1 



CQ 






> 

9i 



P-l ^ 

CO ^« 



CS 
> 

's 
e 



e 















CS — 
«a 



o 



'o 



s 

CO 

a> 

B 

.s 

o 

CO 



1 I 

u 



e 



« 



S '^ 



s 
e 






•- OD 

o 



ex 

s 

o 



M 


OD 




^ 


CS 




, -» 




PQ 


H 


h:*:^ 


Hl 


PQ 


a* 


1 


EM 

vallet 


CJ) 


EH § 


ca 


n 


-«d 


Q § 


Piq 


3 


PQ 


ARD 

le Resta 


1 


> S 


l 


w •^ 


PQ 


d » 


^ 


P 


P-i 


o 


P4 
PQ 


pq 


00 


i 


^ 



TI(, Btftdtisobe RealMhale. 1900. 




t 



n 

H 
525 
H 






CD 

er CD 
«♦ 2 

OB O 

S" -• 



geg. 



^ OQ 



«• ö* 



9 



CD P* 



12; 
C 

125 



K 

O' 

(D 

CD 

b 

5* 



o 

I - 

I a 



•ig 1— ^ ^ I— 



O -• 



9 
89- 



OOOO O 

CO lO 00 &9 Ol 

o o oo o 



n 

a 
o a 
p r- eu 

« - ? 

C «TS 

•o O 
2. -« 

(9 
9: 
S 
»4 



O fl «♦ Ol 

2. ® ® Q 

flu« 2 -^ 

» OD ? 2 

S. » S 

o* o 

— • r* 

©- 99 

o 

(5 



— 18 



►ö — ^ ^^ 



« ST ° ^ 



o 



o 



©- 
o 
2. 
o 



O 
« 

< 1 

T3 — 

ff ^ 

« -* 

• dl 



H 
00 



00 



o « 

9> 
O. -• 

CS G^ 

o 

p 



2 S 

5- g. 
2. of 

ST rt 

o 3 

»-• CD 
SB &< , 

-;• rt> 

(D 
. ^ 



a «* ä 

** CD » 
CB 



cü 2 
® 2. 

1 3 



ST o 

0» < 
« 9B 

35 



C^. 

5 

CD 



'S. 
et 

3 

CD 

s 



5. -. 

3 2 

(D 

o ^ 
S,cr 

S B 
P o 



^« p^ 09 »^ ^^ 

CT* 0."Ö >< B* 

o CD j::* fD o 

e: aa iB «t >i a 

2. ? ^ o o. "5- 

S 2. » « 

AM o "• 

SB * ^ 





0000000 

»*». — — »o w *• u> 
001ÜV o 0001 



o 

Cl 



o 
s 



10 



h^ »^ 1-^ 09 ^^ 

«»'s g ST =» g 

5* - =8 ? 

• 2. 3 2 

■*=- 'S 3 

w o 

2^ » "^ 

» 'S - 

O ? 3. 

2. 



o 



p 

3 
P 

3 

« 

O 
o 

CD 

3 



o 

p 



« 

3 
-t 

o 

o 

3 






3 

(D 

3 
-1 

CB 
0> 

3 
« 

tn 

o 

C9 

n 

9 






oi 




P : 




•n ■ 




CD ; 




3 : 


tJ 


•0 : 


. "3 


p : 


: «^ 


C5 : 


: 3 




: CD 


P : 






: «♦ 






^^ : 


■■ 1 


tO ': 




o" : 


' -....^^^ 


■ 


: (O : 




r* . 


1 - 


CD : 






e* 


^ ; 




CD : 


; < 


T3 : 


: 3 


P ' 




1 ; 


: <*» 


. : 


: "t 


—^ : 


: ^ 


to : 


■ a. 


— : 


■ 


r*- ■ 




1 


i r» 


a : 


: 


a. : 




CD : 


: P 


•3 : 






: 5 


n ■ 

■ 






: K3 


ö : 


• 


. 




m^ < 


■ n 


ü' • 


: 9 




: 3 


• 


r* 


CD : 












r* t 








0. : 




CD ! 



H 



CB 

8" 

3 



o 
3 

•ö 

o 



^ p 

Qc 

3 

o 



p 
n 

3* 
O 



o i 5z: 



?iH W 



0U 

CS 

CB 

CD 

s- 

p 

S- 

o 

•KM 

M 






Q 
o 

5 

o 

B 

B 

p 

€-► 
►«• 

o 

B 



o 

3 

P 
c 

CO 

O 



5 

a 
P 
«•• 

03 

P 

m 

a 



a 

m 

P< 
a 


p 



I 



OD 



ST 
CD 

•TS 

O 
P 

^* ^ 

O A 

p ^ 

O r> 

ja - 

"-» 

CD 

w 

o 



a 
o 



Q 

CD- 

<^ B 

P P 

3 - 

o « 

P 

&. I 



o 

n 

p 
f? 

3* 
(D 



O 



<D 



CD 



•-* > 
0< ^ 

OQ 

CD ;-• 
e^ P 

o ® 

p 

03 

CO 

p 

(6 
>^ 

{0 

o 



- td 

o« o 

CD 2L 

10 2 

o 9 



PL. 
O 

3 

3 _ 

g. «• 

o _^ 



P' ^ 

3 • 

3 — 

CD Si 

C <D 

O «• 

3 

S- 03 



S 3 

P c 

= *2 

O CO 

CO M 

e»* cp 



S S 



00 




CD 
CO 






c? 

CO 


CD 


»* 


I-* 






I 

ce CD 



S CO 

et» t^, 
CD 






CD 



CD 

0> 



CD 



c^- C» 

ff p 

a CD 

Srt P 



" O 
- I 

fc-» CS 

X P 

P 

CD» CO 

►^ P 
f» ^. 

CO e^ 

O 

^'^ 

3 :i3 

CD 

a CD 

er ,-. 
p p 
«» »H 

o 

CO 

CO 



00 CD 

M« OQ 

CD 

5 p 

'*^ CO 

►5* c 

^ CD 



CO 

CD 
M 

CD 

CO 

P« 
CD 

O 


et- 



o 

CD 

B 

CD 
O 

o 

M 



CD ■ ■ 

s »"^ 

M _^ 

W ."' 

o 

CD 

P 




10 isl 

00 

cö" cd" 



»» Ä 5: 



CD 

P< 
CD 

S» 

P 

P 



CD 
00 



§ s 
eg 

^ z 

CD P 

O OD 
P3 O 



OQ 



P 

B 






CP 



< 
ST P © 



w 

er 
Kl 
5Ö 
PI 
H 

I > 

p H 
S (/) 

CD* 

P 

5* 

CD 

o 
p 
p 
p 

CO 
OB 

CD 



2 






CD O 

, P 
Ot CO 

p- 3 

m>i P 
p 



CD 



00 o 



P ^' 

<5 
O 
P 
Cu 
•1 
P 



™ CD 



OQ 
O 



O 

Kl 
H 

»— I 

P3 



^1 



CD 

P 



o 

B 
O 

CD 
"-« 

P' 
CD 

CO 

p 



CO 

CD 

rj 

CD 

P 

3 

CD 



O 

<rs 
rs 
P 

CO 

O* 

3 



> 
Cl 
H 

d: 

Kl 

PO 
Kl 
H 



o 

? 

P 
P- 

n 

P- 
p 

P 
(9 



o 

00 







k4 






I 
00 



> 

o 
so 









- 19 - 

REMISAGE DE TRICYCLES A P^TROLE MAiSON FONDJ^E EN 1888 



E. LEBOUCHER 

Constructeur de Cycles, Brevet6 S. G. D. G. 
33, Quai aux Fleurs; 3, Rue de la Colombe & 19, Rue des Ursins-PARIS 



EEPARATIONS DE BICYCLETTES ET DE PNEUMiTIQUES 

De toutes xnarqnes et de tons genres 



La Maison a toujours 
DE BONNES MACHINES D'OCCASION 

A VENDRE 



MAGASIN SPECIAL 

DE REMISAGE 

PRIX TRES MODfiRfiS 



lOCATION DE BICYCLEnES, TRICYCLES, TANDEMS & TRIPLETTES 



Pneumatiques, 


l'heure .... 


n 


la demi-journee 


n 


la joarnee . . 


9) 


3 jours . . . 


fi 


1 mois .... 



. 1,25 
. 6 „ 
8 „ 
.25 „ 
• 60 „ 



Tandems, l'heure 

la demi-heure . . 

la demi-journee . 

la joumee - . . 
Tricycles, caoutchouc creux, 1 
Triplettes, l'heure 






heure 



. 3,25 
. 2„ 
.12,, 
.20 „ 
. I 



n 



5 



n 



La Maison est ouverte en 6t6 de 6 heures du matin ä Minuit 




o 









o 



o 
in 

o 
ü 
ü 



^2 






-Ml 



-EH 
IrA 






u 

a> 

t 



•öco 

'S flc 

•§^ 

^ o 

1^ 

o ^ 
so UJ 
B s 

^ CO 

^ CO 
O Ul 

o 



e 

00 

'S 

s: 



•• .o 
.So« 

c»-o «t-i 

® »^ 

o* ^ Q 
"o sä 

0? O 

'«.J^ 61) 

< « g 



10 

•— I CO eo »— I 



o 



O 



. • 






o 






tn 


«I-» 


<o 


3 




.C 


. <s 


^^ 






<v 


/:3 








3 . 

c3 


• «J 








P 
OS 

-** 
es 

O 
Oi 



S 2 <D j2 

S 9i m m 

'O .'S <o *> 
t-iPQHÖ 



»o »o o o 

CN (M »O Tf< 

« 0) 



oo 

TJH CC 

o 



>4 . 

3.0 

t>c S « 

°o S O 

**-' 'K "■-' 00 

2 * w 



o 
ö 

.-I o 

=t S " 

O hl 
«^ O U 

0l2 ß 
.2 « » 

-« ^ o* 

C3 I U 
CO ' ^ 

Q) «' 

1 1 " 

. O V 

«.Da 

w eJ ^ 
" e 

2 rt 

CS (M o 

© » 2 

O 00 

?► © -^ 
e- "Ö CO 
« « «» 

CS BQ *• 
3 

E^ 

OQ 



- 20 — 



Das weltbekannte Haus „Au bon march^" (Maison Aristide Boncicaut in rue de 
S^vres) empfiehlt auf einem Theaterzettel „Costumes et confections pour Dames, Hommes 
et Enfants- 



(jrand RESTAURANT 

DE LA JEUNE FRAiXCE 

T'T', I^iie de Tui'bioro, TT 

Pres la place de la Republique 

Maison fTsAEDES 



Dejeuners ä 1 fr. 10 

Hors d'oeuvie ou potage 

1 plat de viande 

1 legume ou poisson 

1 dessert 

1/2 bouteille de vin 

Fain k discrdtion 



Dejeuners ä 1 fr. 40 

Hors-d'oeuvre ou potage 

2 plats au choix 

1 dessert 

1/2 Bordeaux ou Mucon 

Puin ä discrdtion 



DTners ä 1 fr. 20 

1 potage 

1 plat de viande 

1 Idgume ou poisson 

1 dessert 

1/2 bouteille de vin 

Pain ä discr^tion 



Diners ä 1 fr. 50 

Hors-d'oeuvre ou potago 

2 plats au choix 

1 dessert 

1/2 Bordeaux ou Macon 

Pain k discre'tion 

Dejeuners et dTners ä 2 fr. 

Hors-d'oeuvre ou potage, 3 plats au choix dont 1 de 

legume ou de poisson, 1 dessert, 1 bouleille de Bordeaux 

ou Macou 1/2 supericur, Pain a discretion 

Citli'e ou Bidre en replacement de vins 

Par cachets, 5 Centimes de diminution 

CAFE k PETIT VERRE 30. — VINS SUP. OEPUIS 1 FR. LA BOUT. 

Dejeuners et Diners ä la Carte, 



Auf dem Damm eilen die Droschken dahin, auch Kutscher mit weifslackierten 
Cylindern sieht man; manche von ihnen tragen eine Trauerbinde am Arm, was bei uns 
kaum gebräuchlich ist. Auch einen einfachen Soldaten sah ich mit Trauerband am 
linken Oberarm. 

Der Zuruf der Droschkenkutscher lautete meist etwas gedehnt etwa wie hepe, 
so dafs der Fufsgänger nicht erschrickt. Die Droschkenkutscher in Paris fahren viel 
vernünftiger als die unsrigen, d. h. sie nehmen Rücksicht auf den Fufsgänger und biegen 
ihm aus, während unsere es doch für ein Verbrechen an der eigenen Person und am 
Pferde halten würden, wenn sie einmal nach der Leine greifen und ein wenig vom graden 
Wege abweichen sollten! Grade in den grofsen Boulevards, in den Champs Elys6es und 
im Bois de Bois de Boulogne scheint es eine Ehrensache für den Kutscher zu sein, 
recht flott zu fahren; doch, wie gesagt, er biegt, wenn irgend möglich, dem Fufsgänger 
aus. Ein Bekannter warnte mich über den Damm zu „laufen", das sei in Paris nicht 
nötig, „il ne vous renverse pas" meinte er. Doch ganz so friedlich ging es nun doch 
nicht immer zu, aber selbst im gröfsten Wagengewühl hatte ich ein gröfseres Gefühl der 
Sicherheit als in Berlin. 

Der Preis einer Droschke a Pheure (der Fremde thut wohl am besten, nach der 



— 21 - 



Zeit zu fahren) ist 1,50 francs für die erste Stunde, dazu kommen 25 Centimes Trinkgeld. 
Näheres darüber in dem vorzüglichen Buche von Georg Stier „A Paris (Berlin, Zolki); 
auch empfehle ich sehr Causeries frangaises von demselben Verfasser, im selben Verlage 
erschienen. Nur bedauere ich, dafs der Autor auch das falsche Französisch in fetten 
Lettern neben dem richtigen anführt. Das kommt mir beinahe so praktisch vor wie das 
Verfahren jenes grofsen Pädagogen, der da fragte: „wie heifst: ich bin gewesen?" 
und der nicht zufrieden mit der richtigen Antwort auch noch wissen wollte, wie 
es nicht heifse! — 

Macht man eine Fahrt hors des fortifications, so thut man gut, den Preis vorher 
festzustellen. Die Taxameterdroschken heifsen Fiacres-compteurs (p. 35 Strien, A Paris). 
Die weiteren Preise findet man im Baedeker (p. 34 Anhang) und bei Strien im genannten 
Buche. Statt fiacre ist das Wort voiture jetzt mehr im Gebrauch. Neben den eigent- 
lichen Droschken (voitures de place) fahren auch eine Menge von voitures de remise, 
die besser, aber auch teurer als die Droschken sind und die man besser direct beim Fuhr- 
herrn mietet, (p. 33 Strien, A Paris.) Das Trinkgeld erhöht sich bei einer einstündigen 
Fahrt auf 50 Centimes (p. 35 A Paris). 

Es giebt über 15 000 Droschken in Paris. Ces voitures sont pour la plupart 
k 2 places ou ä 3 en comptant celle qui est ä cötö du cocher ou le strapontin des 
voitures d6couvertes, qu'on ne peut toutefois occuper que du consentement du cocher. (!) 
II y a ensuite des voitures ordinaires ä 4 places, les seules qui aient au-dessus une 
„galerie" pour les bagages, mais les cochers des autres ne refusent pas d'habitude de 
placer une malle ä c6t6 d'eux. Les landaus, un peu plus chers, sont des voitures a 
4 places qui se ddcouvrent ä volonte. Toutes ces voitures stationnent sur la voie publi- 
que, dans les cours des gares etc. (p. 16 Baedeker, Paris). 

En arretant une voiture, avoir soin d'en demander le num^ro au cocher, qui 
doit vous remettre un bulletin portant ce numöro et indiquant le tarif maximum, qu'il 
lui est interdit de d^passer. (ib.) 

Baedeker bezeichnet die Taxameter mit „voitures k compteur". On recommande 
les voitures des cochers ä chapeaux blaues, comme g6n6ralement plus confortables et 
mieux attel6es. (ib.) 

Les voitures de place et de remise ont ä leurs lanternes des verres de couleur 
dififerant selon les quartiers oü se trouvent leurs remises, ce qui est a observer la nuit, 
par exemple pour le retour du th^ätre: bleu, Popincourt-Belleville (N.-E.); jaune, faub. 
Poissonnifere et Montmartre (centre); rouge, Passy-Batignolles (0.); vert, Invalides- 
Observatoire (S.). Les cochers doivent marcher a tonte r^quisition, quel que 
soit le rang quMls occupent aux stations (p. 34 Baedeker Anhang: letzte Seite 
des Buches). 

Überraschend für uns Berliner und bewunderungswürdig ist die Thätigkeit der 
Polizei. An allen, nur einigermafsen gefährlichen Übergangsstellen finden wir zwei oder 
mehr sergents de ville; sie sorgen aufs eifrigste, dafs die Wagen anhalten und dem Fufs- 
gänger den Weg über den Damm frei machen. Selbst ohne dafs ein grofser Andrang 
von Fufsgängern vorhanden ist, walten sie umsichtig ihres Amtes. Ich sah einen herr- 
schaftlichen Kutscher, der es offenbar eilig hatte, nach dem Theater zu kommen. Er 
mufste anhalten, er that zwar als ob er sein cheval fougueux nicht halten könnte, doch 



— 22 — 

der Schutzmann trat dicht an ihn heran mit dem erhohenen schweren Elfenheinstabe, 
und der unbändige Gaul fand auf einmal seine Ruhe völlig wieder. 

Viele Automobiles sieht man bereits auf den Strafsen. Die Velocipedisten sind 
weniger zahlreich als bei uns in den Strafsen der Stadt; auf der Avenue de la grande 
Arm^e und auch sonst haben sie schöne, besondere Asphaltwege für sich. Vor allem fiel 
es mir auf, dafs sie sich weniger lästig machen als bei uns; dieses nervösmachende 
Klingeln wird fast gar nicht, die sonstigen Warnsignale werden nur im äufsersten Not- 
falle angewandt. Auch schneidet der Radfahrer dem Passanten nicht kurzer Hand den 
Weg ab, sondern er fahrt fein säuberlich ohne Signal hinter dem Fufsgänger vorbei. 

Tramways und Omnibusse giebt es in Hülle und Fülle. Der Unterschied zwischen 
dort und hier ist nicht erheblich. Nur sehen wir noch meist Pferde- und schwerfällige 
Dampfbahnwagen (Presque tous sont jusqu'a präsent train^s par des chevaux, mais il y 
en a qui marchent par l'air comprim6, par l'^lectricit^ et par la vapeur), aber eine sehr 
schöne elektrische Bahn führt zum Beispiel nach dem Bois de Vincennes. Eine Pariser 
elektrische Pferdebahngesellschaft schreibt sich: Compagnie de Tramway ^lectrique de 
Paris. Auf einem anderen Wagen lesen wir: Traction 61ectrique k conducteur Souterrain 
(mit unterirdischer Stromzuführung). 

Aber auch die besten elektrischen Wagen von Thomson Houston scheinen mir 
nicht die bei uns aus St. Louis eingeführten zu erreichen Andrerseits habe ich aber 
auch nirgends traurigere Sitzplätze gesehen als bei uns, wo die Rücklehnen der Sitze oft 
dicht an einander stofsen, so dafs man durch einen breitkränipigen Strohhut einer Person, 
die hinter einem sitzt, arg belästigt wird, und selber, wenn man einen solchen Hut trägt, 
gezwungen ist, krumm zu sitzen, um nicht lästig zu fallen. 

Manche Pferdebahnen in Paris sind noch so unpraktisch eingerichtet, dafs sie 
vorn und hinten nicht gleich gebaut sind; sie haben einen Kutscherbock und müssen am 
Endpunkte auf Drehscheiben gedreht werden. Warnsignale werden nicht durch Läuten, 
sondern mit einem Hörne gegeben, ebenso auf der Eisenbahn, das wirkt auch und ist 
angenehmer als das scharfe Klingeln, welches durch den Schrecken, den es verursacht, 
leicht Unheil stiften kann. 

Auch kleinstädtisch ist manches in Paris. Man hat überhaupt den Eindruck, als 
ob die Stadt nicht ganz gleichmäfsig mit den andern Grofsstädten mitgeht. Wie ab- 
scheulich ist zum Beispiel die Beleuchtung in den Nebenstrafsen ! Letztere sind aller- 
dings auch sonst eng und unfreundlich, und das in nächster Nähe der grofsen Boulevards! 
— So passierte mir noch zum Schlufs ein kleines Unglück, welches in einer Stadt mit 
grofsem Fremdenverkehr nicht vorkommen sollte ! Ich hatte noch am letzten Tage einer 
Einladung Folge zu leisten. Da es aber zu regnen drohte und ein ganz leerer Omnibus 
mit dem Endziel „Bahnhof St Lazare" an der Place de la Republique hielt, beschlofs ich 
einzusteigen und ein Stück die Boulevards hinaufzufahren. Ich wunderte mich auf der 
Fahrt, dafs der Schaffner gar keine Miene machte, das Fahrgeld einzukassieren. Plötzlich 
biegt der Wagen aus den Boulevards ab; ich will schleunigst aussteigen, aber eine Thür 
auf der hinteren Plattform ist geschlossen. Ich verlange, dafs sie geöffnet werde; ich be- 
schwere mich über „privation de libert6", aber alles umsonst ! — Der Omnibus (übrigens 
der einzige in Paris, auf welchem einem dieses Mifsgeschick passieren kann, der aber 
durch kein Schild äufserlich kenntlich gemacht ist), ist nur für Reisende, die nach dem 



- 23 - 



Bahnhof St. Lazare fahren wollen, bestimmt, deshalb darf niemand während der Fahrt 
aussteigen. Der Schaffner würde bestraft werden, wenn er jemanden aussteigen liefse» 
Aufsteigen dagegen kann man während der Fahrt; auch für die Rückfahrt vom Bahnhof 
finden diese energischen Bestimmungen inbetreff des Aussteigens keine Anwendung. 

Sehr stolz ist der Pariser darauf, dafs er für nur 30 Centimes auf dem Omnibus 
oder dem Tramway durch ganz Paris fahren kann. Auf der imperiale (Decksitz) kostet 
ein Platz sogar nur 15 Centimes; doch, nimmt man eine correspondance (d. h. will man 
das Recht erwerben, noch einen zweiten Omnibus zu benutzen), so kostet es auch 
30 Centimes. Andrerseits ist der niedrigste Preis im Innern eines Pariser Omnibus oder 
Tramway immer mindestens 30 Centimes, wie kurz auch die Strecke ist, die man zurück- 
legen will! — 

Steigt man in einen solchen Wagen ein, so fragt uns der Schaffner, dem man 
sein Billet bezahlt, ob wir correspondance wünschen. Sagen wir ja, so erhalten wir mit 
einem Billet das Recht, ein anderes Gefährt zur Weiterfahrt zu benutzen. Wie die 
Strecken zusammengehören, sagt uns der Mann in den zahlreichen Omnibusbureaux oder 
der Schaffner; auch Baedeker giebt darüber Auskunft; mau kauft auch im Omnibusbureau 
einen Plan-bijou de Paris, herausgegeben von der Omnibusgesellschaft. „Ce n'est que 
sur les plans bijoux et omnibus que sont trac6es les lignes de Tramways et d'Omnibus, 
chacuue separ6iuent''. „Chaque ligue de voiture peut y etre suivie de l'oeil facilemeut, 
dans tout son parcours" Preis 1 frauc. 

Sehr hübsch ist die Einrichtung der Omnibusbureaux, die auf den grofsen Plätzen 
in Kiosken oder Hallen, auf den Boulevards in Geschäftsräumen untergebracht sind. Es 
kann einem auf diese Weise nicht passieren, dafs man ewig umsonst wartet, da der 
Wagen voll ist. (Ist der Wagen im Innern voll besetzt, so wird un 6criteau hochgezogen, 
auf der complet steht.) Man geht in das Bureau, fordert eine Nummer, indem man den 
Namen der Strafse nennt, bis zu welcher man zu fahren wünscht; man bezahlt hierfür 
nichts, sondern erhält umsonst eine Karte mit einer Nummer. Kommt nun der Wagen 
an, so ruft der Schaffner die Nummern der Reihe nach auf, und man steigt ein, wenn 
nicht in diesen, so doch sicher in einen der nächsten Wagen, sobald die eigene Nummer 
genannt wird. Dadurch wird auch an Sonntagen das unheimliche Drängen und Stofsen 
vermieden. Das Publicum steht an gröfseren Haltestellen unter Schutz bietenden Dächern 
am Damme; durch Barrieren, ähnlich wie früher bei unserem Opernhause, wird es erreicht, 
dafs die Personen in langer Reihe hinter einander antreten. 

Ich sah einmal, wie das Publicum einen Dampf bahnwagen zu stürmen versuchte; 
etwa zehn Personen waren hinaufgestiegen, doch der Schaffner verlangte energisch und 
erreichte es auch ohne grofse Mühe, dafs der Wagen geräumt wurde. Dann fragte er, 
welches die niedrigsten Nummern wären, und nun fing er an von unten aufwärts die 
Nummern aufzurufen, und alles ging glatt und schön. 

Übrigens verzichten auch einige, denen die Zeit zu lang wird, auf die Fahrt und 
bringen ihre Nummer zurück, so kam ich einmal mit einer sehr hohen Nummer auf der 
Dampf bahn, die vom Louvre nach Versailles fährt, als allerletzter mit, da viele die Hoff- 
nung, so zeitig mitzukommen, aufgegeben und ein d^jeuner in Paris vorgezogen hatten. 

Nur mufs man darauf achten, dafs man, wenn man den Wagen, zu dessen Be- 
nutzung die correspondance berechtigt, besteigt, dem controleur, der nicht mit dem Wagen 



— 24 



mitfahrt, sondern vor dem Bureau stehen bleibt, sein Billet (die sogenannte correspondance) 
abgiebt. Diese Leute sind meist zu lässig, um auf die imperiale hinaufzusteigen, sondern 
sie rufen einfach von unten herauf: „Correspondance!", worauf man ihnen die Karte hin- 
unterwirft; diese hat die Gröfse und das Aussehen eines deutschen Eisenbahnbillets. 
Wirft man die Karte nicht hinunter, so setzt man sich Unannehmlichkeiten aus, eigentlich 
hat man das Recht auf die Weiterfahrt verscherzt. Nur beim Bezahlen des Fahrgeldes 
hat man das Hecht, eine correspondance zu verlangen. So steht auf dieser gedruckt: 
La correspondance ne peut §tre r^clam^e qu'en payant la place. 

Auf einem Billet der Compagnie G6n6rale Parisienne de Tramways steht z. B. ge- 
schrieben: 1" classe 30 Centimes. Ce billet doit ^tre pr6sent6 k toute r^quisition et 
d^truit en descendant. 

Die wenigen elektrischen Wagen haben meist unterirdischen Betrieb; diejenigen 
(nach Vincennes) mit oberirdischem haben zierliche Eisenstangen zum Halten des Drahts 
mitten zwischen beiden Schienengeleisen; ähnlich ist es bei uns an dem Görlitzer Bahn- 
hofe der Fall. Also sind die Strafsen noch nicht mit jenem häfslichen Drahtnetz über- 
spannt wie bei uns. 

Zu den Rennen, die fast täglich stattfinden (in Longchamp, Auteuil, Vincennes etc.) 
fahren grofse chars-a-bancs vom Platz de la R^publique aus, für 1 franc die Person. 

Das Privatfuhrwerk ist von einer einfachen, vornehmen, ruhigen Eleganz; etwas 
steiler oder mehr senkrecht sind die Seitenwände des Sitzes; man hat diese Art Wagen 
jetzt neuerdings auch bei uns. Dagegen von wahrhaft üppiger, prunkhafter Schönheit 
sind die grofsen viersitzigen Landauer, wenn sie mit herabgeschlagenem Verdeck fahren. 

Aufifallend sind femer die Lastwagen, oft mit fünf Pferden bespannt, von denen 
eines hinter dem andern einherwandelt ; der Wagen ist dann häufig auch noch ziemlich 
lang. Diese Karren sind vielfach zweirädrig wie in London und anderen Städten, die 
Tiel hügeliges Terrain haben. Niemals aber habe ich das wüst schnelle Fahren von 
Arbeitswagen, wie es sich bei uns Schlächter, Rollkutscher und Bierwagenführer gestatten, 
bemerkt. Glückliche Stadt! — 

Häufig sehen wir Cürassiere das Strafsenbild beleben; sie reiten meist einzeln, 
würdig und ernst, wohl um Botschaften vom Praesidenten oder von einem Ministerium 
zum andern zu überbringen. 

Dann sah ich Mehl Verkäufer (fariniers) in blauer Bluse mit grauen Hüten, die 
unendlich breite Krampen haben, etwa von Schulter zu Schulter reichend und darüber 
hinaus, wie wir sie bei uns höchstens aus der Operette kennen. 

Die Frauen aus dem Volke tragen vielfach saubere, weifse Häubchen, die wohl 
etwas kleiner sein könnten, um hübsch zu wirken. Ammen tragen gern zwei etwa hand- 
breite Bänder daran befestigt, die ziemlich bis zum Erdboden reichen. 

Bemerkenswert ist auch, dafs sämtliche Hunde ohne Maulkorb umherlaufen; ist 
das auch eine Wirkung der Worte Liberty, Egalit^, Fraternit^, mit denen man in grofser 
Druckschrift sämtliche öffentlichen Gebäude verunziert hat? 

Eigentliche Briefkästen findet man nicht ganz leicht. Nebenbei bemerkt werden 
die Briefe vom Briefträger an den concierge abgegeben; dieser übergiebt sie weiter an 
die Bewohner des Hauses. Natürlich ist an jedem bureau de poste (eines befindet sich 
im H6tel Moderne) ein Briefkasten. Sonst aber findet man dieselben an den Thüren 



— ^5 - 

von Cigarrenläden und anderen Geschäften meist ziemlich tief angebracht; sie sind klein, 
sie tragen weifse Schilder mit schwarzer Aufschrift „Lettres"; sie haben zwei Einwurfs- 
löcher, über dem einen steht „en ville", über dem andern: „ä l'etranger"; darunter die 
Worte: partiront, darunter aujourd'hui soir oder demain ohne Angabe einer bestimmten 
Stunde. Es giebt aber auch noch andere Briefkästen, diese sind angebracht an Reclame- 
pfählen, die dicht am Fahrdamm stehen. Es giebt aber deren nicht zu viele. 

Postwertzeichen kauft man in der Post oder in Cigarren- und anderen Geschäften; 
diese werden dafür entschädigt; man ist also nicht etwa verpflichtet, etwas anderes ein- 
zukaufen. Der Pariser Kaufmann ist sehr zuvorkommend; einmal wollte ich eine einzelne 
violette de Parme, die mir durch Farbe und Reichtum der Blütenblätter auffiel, aus einem 
gröfseren Bouquet heraus kaufen; da ich nur eine einzige Blume verlangte, nahm der 
Verkäufer dafür keine Zahlung an. Als ich einmal etwas Watte für die Ohren kaufen 
wollte, da ein arger Wind wehte, gab mir die Frau, der ich dieses sagte, ein grofses 
Stück Watte umsonst; ich nahm daher nur einen Teil davon und erlangte nur mit grofser 
Mühe, dafs die Frau 2 sous als Zahlung annahm. 

Auffallend sind schliefslich die vielen urinoires, die sich mit grofser üngeniertheit 
den Blicken praesentieren. Auch an cabinets d'aisance ist kein Mangel; in der Nähe 
des Palais royal hat man einen ganzen langen Gang oder Laden in einem Hause für eine 
grofse Anzahl von cabinets d'aisance eingerichtet, die fleifsig benutzt werden. Diese 
urinoires sind auf den Boulevards gewöhnlich um Anschlagssäulen herum angebracht, 
diese Säulen sind für Ankündigungen, die längere Zeit daran bleiben sollen, bestimmt: sie 
preisen zum Beispiel an: L'extrait de viande Liebig indispensable dans toute bonne cuisine 
oder Bec Auer oder Tendeur pour pantalons. Der untere Teil dieser Säulen ist mit 
einem nicht ungefälligen, in Kopfeshöhe mit zahlreichen Öffnungen versehenen Blech- 
verschlage umgeben. Andere urinoires sind viel primitiver; in dem feinen Bois de Boulogne 
genügten zwei senkrecht zu einander angefügte, gestrichene Bretter für den Zweck. In 
Genf sieht man ja Ähnliches. Das Ärgste aber ist doch dies: An dem grofsartigen, 
schönen Platze de la Concorde befinden sich auf hohem viereckigen Postament acht 
sitzende Statuen, welche Städte darstellen, darunter die von Strasburg, die mit Trauer- 
kränzen und Schleifen mit Inschriften reich bedeckt ist und oft ein Gegenstand begeisterter 
Ovationen geworden ist. An einer von diesen Statuen, nicht mehr an der letztgenannten, 
sah ich, dafs ein Winkel, der durch eine dem Denkmal angefügte Sandsteinmauer mit 
jenem gebildet wird, durch zwei Brettchen und Abflufslöcher zum urinoire hergerichtet 
ist. Auch sonst sollen viele urinoires nicht mehr erreichen, als das, was im Bade die 
Badehose bezweckt. 

Ferner bemerkte ich Anschlagsäulen, die abends hellleuchtend die Aufschrift 
,',Spectacles" tragen. Sie geben an, was am betreffenden Abende in den Theatern ge- 
geben wird. 

Auch Trinkhallen habe ich gesehen mit der Bezeichnung Büffets Parisiens, 
es giebt aber aufser Selterwasser auch Vermont und andere Getränke als Zusatz 
zum Wasser. 

Von Sonntagsruhe in kaufmännischen Geschäften habe ich nichts bemerkt; es besteht 
auch kein Verbot, die Waren an Sonn- und Festtagen selbst auf der Strafse auszustellen. 
Doch mufs wohl eiu solches in der Luft schweben, denn ich las einen Anschlag: 

VIL Stüdtisch« Healscbuie. 1800. « 



- 26 — 



Grand meeting. 

Ordre du jour: Protestation contre la rentr^e des Etalages le 

dimanche et le soir. Le meeting a pour but de rechercher ua terrain 

d'entente qui sauvegarde Fint^ret de l'employe sans amener la ruine 

certaine des petits commer^ants, dont sept sur dix n'ont pas d'employ^s. 

Bäckerware und anderes wird vielfach auf dem Kopfe getragen, doch wird dieser 
durch ein Kissen geschützt Die Fleischerläden sind nicht so prunkvoll ausgestattet wie 
bei uns; jedes Stück Fleisch aber befindet sich in einer sauberen, weifsen Hülle, wie man 
sie früher um Blumensträufse wickelte; dadurch wird die Berührung des Fleisches mit 
den Händen des Verkäufers verhindert. 

Die Soldaten tragen das Gewehr mit spitzem Bajonnette ziemlich steil, die Schlofs- 
teile nicht nach oben gerichtet Ich sah Cürassiere Posten stehen; sie hatten, wie in 
England, den Pallasch nicht gezogen, sondern hielten in der Hand das kurze Gewehr mit 
aufgepflanztem Bajonnette. In allen Theatern und gröfseren Vergnügungslocalen findet 
man Soldaten der Republik, welche in der Eingangshalle ruhig und würdevoll Posten 
stehen. Posten vor öffentlichen Gebäuden dürfen still stehen ; wenn sie aber sich bewegen, 
müssen sie dies zwischen zwei genau bestimmten Punkten thun und am Endpunkt ange- 
langt stramm Kehrt machen, ebenso in London. 

Die Polizeiwachen, postes de police, sind durch rote Laternen mit weifser Inschrift 
kenntlich gemacht Eine cabine de tel6phone publique sah ich mit blauem Schilde. 

Auf oder an allen öffentlichen Gebäuden weht die französische Fahne zu jeder Zeit 

Neben dem Mont-de-piet^ befinden sich besonders viele Rückkaufsgeschäfte. Auf 
dem Ladenschild steht: Achat de reconnaissances avec facilitö de rachat, 2^2 7o par mois. 
Titres garantis. Achat d'or et d'argent. 

Auch sonst findet man interessante Ankündigungen. Eine Färberei empfiehlt sich 
als Splendide teinturerie. 

Ein Mittel gegen Husten wird empfohlen mit: Ne toussez plus!; ein solches 
gegen Hühneraugen mit: ne coupez plus vos cors! Ein Automat hat die Aufschrift: 
£lectrisez-vous! 

Ein vornehmes Hotel in den Hauptboulevards führt den Namen: Hotel Joli S6jour. 
Gegenüber dem Hotel Continental liegt das ebenfalls vornehme Hotel Balmoral. 

Dort empfiehlt eine Boulangerie viennoise ihr pain allemand. 

An den Ecken grofser Häuser lesen wir meist Defense d'afficher. 

Schulen sah ich bezeichnet als 6cole municipale de Paris oder 6cole communale; 
auch mit Zusätzen wie z. B. de jeunes filles. 

Feuermelder heifsen „Avertisseur d'incendie" und enthalten die Aufforderung: 
£n cas de sinistre briser la glace. 

Dort steht an einem Restaurant: A la halte des Cyclistes, an einem anderen 
A la halte des Cochers oder Au Rendez-vous des cochers!, auch „Au repos des Bicyclistesl" 
ferner: A la poule-au-pot! 

Dort empfiehlt ein Schneider vetements sur mesure im Gegensatz zu vetements 
tout faits (fertig). 

Zu Reparaturen von Stiefeln etc. kündigt sich der Handwerker an durch die 
Inschrift: R^parations! 



- 27 — 

Die Baugerüste sind oft, wie in England, mit einem Bretterverschlag versehen, 
der von oben bis unten mit Plakaten bedeckt ist. Um beim Bau sehen zu können, sind 
Fenster improvisiert 

Rue barree heifst: Strafse gesperrt. Ein Haus abbrechen heifst: d^molir 
une maison. 

Eine Eisbahn im Bois de Boulogne kündigt an: Patinage sur vraie glace! Piste 
unique ä Paris! 

Wenn eine Leiche vorüberfährt, entblöfsen alle, auch die Kutscher sämtlicher 
Fahrzeuge, das Haupt. Sehr schön schreibt Eugene Manuel in seinen vorzüglichen 
Poemes populaires darüber in seinem Gedicht: 

Le dernier salut. 

Vivant, cet homme 6tait une äme hasse et vile: 

II avait insult6, calomnie, menti, 

Vendu sa conscience et trahi son parti. 

Ses mains gardaient le sang de la guerre civile. 

Rien n' avait fatigu6 sa lachet^ servile. 
Le m^pris sur son nom s'6tait appesanti. 
Et debout sous la honte, il n'avait rien senti. 
Nul ne saluait plus 1' infame par la ville. 

Dans l'ombre s'est eteint le sinistre vieillard; 
La-bas obscur6ment s'enfuit le corbillard. 
Pas un ami ne suit sa memoire abhorrde: 

Mais — 6 respect des morts! culte grave et profond! — 
Au milieu des saluts la depouille ignoröe 
S'avance, et les plus purs se decouvrent le front! 

Dem Leichenzuge folgen die Leidtragenden meist zu Fufs; die Wagen folgen bei 
Wohlhabenderen dahinter. Der Wagen ist leicht gebaut, offen, Farbe schwarz mit Silber; 
der Sarg meist mit weifsem Tuche verhüllt, einige Trauerkränze liegen daneben. Diese 
sind nicht aus frischen Blumen, sondern aus lilafarbigen, gemachten Blumen mit anderem 
Putzwerk; sie sehen recht häfslich aus, aber sie verwelken nicht. 

Wir treten nun unsere wichtigste Wanderung an, indem wir von dem Place de 
la R^publique die grofsen Boulevards hinaufgehen bis zum Platz, auf welchem die Opera 
steht. Das Terrain ist manchmal hügelig, so liegen einmal Häuser und Bürgersteige 
ziemlich hoch auf dem Hügel, die Fahrstrafse hingegen ist nivelliert und führt mitten 
durch den Hügel hindurch, so dafs der Fufsgänger vom Bürgersteige auf die Gefährte 
herabblickt. 

Die Namen der grofsen Boulevards, die in beinahe gerader Linie fortgehen, nur 
vor dem Bd. des Italiens eine Wendung nach links nehmen, sind: 

1. Boulevard St.-Martin, 

2. Boulevard St-Denis, 

3. Boulevard Bonne-Nouvelle, 



J 



I 



— 28 — 

4. Boulevard Poissonniere, 

5. Boulevard Montmartre, 

6. Boulevard des Italiens 

7. Boulevard des Capucines. 

Auf diesem Wege sehen wir zwei grofse Thore oder Triumplibogen frei auf 
kleinem Platze mitten im Strafsengewühl stehen. Zunächst la Porte St.-Martin, arc de 
triomphe de 17 m. 50 qui fut ^rig6 en 1674 en l'honneur de Louis XIV. Les bas-reliefs 
repr^sentent la prise de Besangon et la dissolution de la triple alliance, la prise de 
Limbourg et la d^faite des Allemands, que rappellent aussi les inscriptions. Dann folgt 
la porte St.-Denis qui est plus remarquable; sie ist zwei Jahre früher errichtet als die 
oben erwähnte, en memoire des triomphes de Louis XIV en Hollande et en Allemagne; 
an ihr befindet sich auch der Vater Rhein auf der Vorderseite des Denkmals. 

Le Boulevard des Capucines führt an der Oper und dem Opernplatze vorüber. 
Von dem Platze de l'Op^ra, der sehr belebt ist, führt im rechten Winkel die schöne 
Avenue de l'Op^ra zum Palais Royal und zum Louvre. 

Gehen wir dagegen geradeaus den angefangenen Weg auf den Boulevards weiter, 
so kommen wir zu dem herrlichen Tempelbau der Kirche la Madeleine (gewidmet als 
6glise d'expiation der heiligen Magdalena, 1807 angefangen, erst später zur Kirche 
bestimmt, 1842 vollendet). An diesem Platze befindet sich übrigens eine Endhaltestelle 
für Omnibusse, welche durch die grofsen Boulevards über la place de la Röpublique fahren. 

Von dieser Kirche führt die Rue Royale zum Platz de la Concorde. 

Wir aber wählen weder den ersteren, noch den letzteren Weg, der kürzer wäre, 
um nach unserem weiteren Ziele, Place de la Concorde, zu gelangen, und gehen die 
zwischen beiden Strafsen laufende, vornehme rue de la Paix hinab, welche von dem 
prachtvollen Opernhause zur Place Colonne Vendome und über diesen Platz hinweg in 
gerader Linie am Hotel Continental vorbei zum Jardin des Tuileries führt. 

Hier und am Platz der Vendomesäule fällt uns mehr als je der eigene Stil der 
Pariser Häuser auf; fast eines gleich dem anderen, im ganzen palastartig ruhig vornehm 
mit Eisengittern vor den Fenstern, die oft zugleich Thüren sind und zu schmalen kleinen 
Balcons führen; vornehme antike Säulen, die halb in der Mauer stecken, schmücken 
häufig das weifsgraue Haus; charakteristisch sind ferner die hohen, vornehm ausschauen- 
den Fensterläden von grauer oder einstmals weifser Farbe. Diese Monotonie des Bau- 
stils macht sich an diesem Platze namentlich recht vorteilhaft geltend; es sieht alles 
gleich vornehm aus und bildet ein einheitliches Bild. Allerdings fällt es sonst auf, wie 
wenig man daran denkt, auch einmal ein Haus in anderem Stile zu bauen! Der Grund 
dafür soll darin zu suchen sein, dafs ganze Strafsenzüge von einer einzigen Gesellschaft 
erbaut worden sind. 

La place Vendome verdankt seinen Namen einem hötel bäti ä cet endroit par 
Henri IV pour son fils, le duc de Vendome. Einst stand hier ein Reiterstandbild von 
Louis XIV. La colonne Vendome au centre de la place, 6rig6e de 1806—1810 par 
Napoleon I". Sie ist eine Nachahmung der Trajansäule zu Rom; sie wurde 1871 von den 
communards gestürzt, später wieder aufgerichtet; ganz so wie früher befindet sich jetzt 
die Statue Napoleons I darauf; sie wird nicht mehr bestiegen. Es befinden sich an ihr 
Adler, welche broncene Blumengewinde aus Lorbeer und Eiche tragen; sie ist aus er- 



/• 



— 29 - 

oberten Kanonen hergestellt. Die Inschrift besagt, dafs sie zur Erinnerung an den 
bellum germanicum (1805) ex aere capto errichtet ist; Neapolio imperator augustus 
widmet dies Denkmal dem Ruhme des gröfsten Heeres. Dargestellt sind: les faits m6mo- 
rables de la campagne de 1805 depuis la levde du camp de Boulogne jusqu'ä la bataille 
d'Austerlitz. 

Gehen wir um das Denkmal herum in der angefangenen Richtung weiter, so 
kommen wir durch die rue Castiglione zu dem Jardin des Tuileries, zu welchem Stufen hinab- 
führen und der durch ein eisernes Gitter (zum Teil vergoldete Lanzen bilden dasselbe) 
von der Strafse getrennt ist. Abends wird der Garten vor Eintritt der Dunkelheit ge- 
schlossen; ein einzelner Trommler verkündet dies durch Trommelschlag, indem er 
schleunigen Schrittes durch den Garten marschiert. Bis zu diesem Gitter war es den 
siegreichen deutschen Soldaten 1871 gestattet die Stadt in Augenschein zu nehmen. 
Wir befinden uns hier vor dem Garten in der langgestreckten rue de Rivoli. 

Um den noch übrig bleibenden Teil der schönsten Sehenswürdigkeiten nach einem 
einheitlichen Plan kennen zu lernen, folgen wir dieser Strafse, indem wir uns ostwärts 
oder nach links wenden, um nach der Ostseite des Louvre zu gelangen. 

Hierbei führt uns unser Weg am Grand Hotel du Louvre vorbei zum Place du 
Palais Royal. Wenden wir uns nach links, so sehen wir vor uns das Palais Royal 
mit seinem Hofe und Einfahrtsthore davor. Dieser Platz wird begrenzt von dem genannten 
Hötel im Westen, vom Louvre im Süden, von den Grands Magasins du Louvre im Osten 
und von dem angegebenen Palais im Norden. 

In diesem Palais hält jetzt der Conseil d'Etat seine Sitzungen ab. Gehen wir 
über den Platz und dann etwas zurück nach Westen, so kommen wir zum Place du 
Th^atre frangais. Dieses berühmte Theater befindet sich im südwestlichen Teile des 
Palais. Von diesem Platz führt die schöne Avenue de l'Op^ra zurück zum Opernhause, 
während eine andere, enge Strafse, die rue de Richelieu, an der Fontaine Moliere und 
und an der Bibliotheque nationale vorbei zum Boulevard des Italiens zurückführt. 

Das genannte Th6ätre im Palais Royal nennt sich auf dem Theaterzettel 
Comödie-frangaise 1680—1899. 

Das Palais ist von Richelieu erbaut und hiefs zuerst Palais-Cardinal. Von dem 
Cardinal wurde es Louis XIII. vermacht; Anne d'Autriche bewohnte es mit ihren un- 
mündigen Kindern, Louis XIV. und Philippe d'Orl^ans, von der Zeit führt es den Namen 
Palais-Royal. Louis XIV. schenkte es an seinen Bruder le duc d'Orl^ans, von diesem 
vererbte es auf dessen Sohn, den durch seine Orgien bekannten Regenten Philippe 
d'Orl^ans (1674—1723). Man lese hierzu das interessante Buch von F6val: Le Bossu. 
Sein Enkel Philippe-figalite, der Vater des Königs Louis Philippe (1830 Juli bis Februar 
1848), der mit seinem Gelde nicht auskommen konnte, liefs zahlreiche Kaufmannsläden 
im Palais anbringen. So können wir in den Colonnaden des inneren Schlofshofes, der 
mit sehr regelmäfsigen Parkanlagen ausgestattet ist, sehr schöne Andenken kaufen. Von 
verschiedenen Strafsenseiten ist durch diese Läden das Schlofs so entstellt, dafs es seinen 
Character als Schlofs dort völlig eingebüfst hat. Auch viele Caf6s und Restaurants be- 
finden sich darin. Hier versammelte sich 1789 die Schar der Unzufriedenen, welche 
Desmoulins dorthin am 12. Juli 1789 zu den Waffen rief, um sie zwei Tage später zur 
Erstürmung der Bastille zu führen. Damals hiefs das Schlofs Palais-£galit6, Louis- 



— 30 - 

Philippe bewohnte es bis 1830, 1848 wurden die Gemächer desselben zerstört; le prince 
J^rome, der ehemalige König von Westfalen, bewohnte es nachher; 1871 wurde es von 
den communards zum grofsen Teile zerstört, aber später wiederhergestellt. 

Im Sommer spielt im Garten des Palais Militärmusik. 

Wenden wir uns nun zum Louvre nach der rue de Rivoli zurück, so gehen wir 
■an diesem Palaste entlang bis zur rue du Louvre, in welchem die Ostfagade des Gebäudes 
mit seinen schönen korinthischen Säulen liegt ^). Vor dem Paläste sehen wir die Kirche 
St.-Germain-l'Auxerrois, daneben la Mairie. Von dem Louvre lesen wir im Baedeker 
p. 76: Son nora lui vient, dit-on, d'uu chäteau ou reudez-vous de chasse dans un bois 
appel^ Lupara ou Louverie. Philippe-Auguste (gestorben 1223) erbaute hier am Ufer der 
Seine zuerst eine Festung. Frangois V" liefs die stehenden Mauerwerke niederreifsen und 
erbaute hier das gegenwärtige Palais vom Jahre 1541 an. Hier wohnte Catharine de 
M6dicis, sie fügte den Flügel nach der Seine zu an. Auch Henri IV. baute an diesem 
Schlosse weiter; Louis XIV. setzte das Werk fort. 

Das Vieux Louvre ist ein Quadrat von Gebäuden mit einem grofsen Hofe in der 
Mitte; es liegt im Osten, gegenüber der Eglise St.-Germain-l'Auxerrois. La riebe fagade 
du c6t6 Ouest passe avec raison pour le monument le plus parfait de l'^poque de 
Frangois P'. 

Wir verändern nun die Richtung unseres Weges, indem wir uns ganz umwenden 
und nach Westen zurückwandern. Zunächst besichtigen wir noch die Museeen, denn zu 
diesen ist das Innere des Schlosses zumeist umgewandelt worden, doch erkennen wir 
noch namentlich an den Decken und Wänden der manchmal unangenehm langgestreckten 
Säle die Herrlichkeit des einstigen Palastes. Im Louvre befinden sich jetzt die berühmten 
Museeen, enthaltend Sculpturen, Gemälde und Kleinode. Am berühmtesten ist die „V^nus 
de Milo". Sie befindet sich im südöstlichen Erdgeschofs des Alten Louvre; sie ist inso- 
fern schlecht aufgestellt, als das Licht nur von einer Seite auf sie fällt durch ein aller- 
dings ziemlich grofses Fenster, welches auf den Schlofshof hinausgeht. Diese Statue 
stammt von der Insel Melos, heute Milo, sie wurde im Jahre 1820 von einem Landmann 
in einem Keller entdeckt; die französische Regierung hat 6000 francs dafür bezahlt 
(p. 84 Baedeker). 

Es ist nicht möglich, alle Schätze, die das Louvre enthält, hier auch nur an- 
nähernd zu besprechen. Zahlreich sind die Gemälde von Raphael und Rubens. Letzterer 
hat namentlich Scenen aus dem Leben Marie de Medicis verewigt. Auf einem derselben 
fand ich eine Darstellung der drei Grazien, die Thorwaldsen entschieden den Anlafs ge- 
geben haben mufs zu seineu herrlichen Bildwerken, die denselben Gegenstand behandeln; 
so grofs ist die Ähnlichkeit zwischen beiden Kunstwerken! Die Gestalt eines Mars 
(Borghese) ebendort scheint denselben Bildhauer inspiriert zu haben, als er seinen Jason 
mit dem g. Vliefs schuf. Nebenbei bemerkt, habe ich im Incunabeln-Saal der Glyptothek 
in München eine „Spes" gesehen, die in Haltung, Stellung, Tragen des Gewandes und 
einer Blume in der Hand eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem gleichnamigen Bild- 
werke Thorwaldsens hat; dadurch möchte ich dieses grofsen Meisters Verdienst nicht 



*) Wer recht billige Abbildungen der Gebäude möglichst YoUständig sehen will, lasse sich 
schicken „Souvenir de Paris et Versailles", erschienen bei Albert Levy, Paris, Faubourg St. Martin. 



— 31 — 

schmälern, der aus einer geringen Anregung heraus ein so wunderbares Meisterwerk 
geschaffen hat, denn in dem seelischen Gesichtsausdruck seiner Spes allein, abgesehen 
von all dem andern, was er unendlich zu verschönern verstanden hat, hat der berühmte 
Däne ein unvergängliches Werk geschaffen! — 

Das Neue Louvre fügt sich auf beiden Seiten als Flügel dem alten Louvre an 
und verbindet sich schliefslich mit den beiden Flügeln des ehemaligen Tuilerienpalastes. 
Dieser letztere ist vollständig vom Erdboden verschwunden (abgesehen von den soeben 
erwähnten Flügelbauten). An seiner Stelle befindet sich le jardin des Tuileries mit seinen 
schönen Statuen. Nur das frühere Eingangsthor zu dem Hofe des ehemaligen Palais 
des Tuileries ist noch erhalten; es ist l'arc de triomphe du CarrouseL Dieser, 
bedeutend zu klein im Verhältnis zu dem heute dort entstandenen, grofsen, freien Platze, 
verherrlicht die Siege Napoleons des Ersten im Jahre 1805 und sechs. Er ist eine 
Nachahmung des Triumphbogens des Septimius Severus in Rom. Der Palast selber ist 
von Catharine de Medicis, der Witwe Heinrichs IL, erbaut worden; der Beginn des Baues 
datiert vom Jahre 1564. Der Name tuilerie stammt von einer Ziegelei her, die einst an 
jener Stelle inmitten enger, jetzt verschwundener Strafsen gestanden hat. Die Tuilerien 
waren die Residenz Napoleons I. , Ludwigs XVIIL , Karls X. , Louis - Philippes und 
Napoleons IH. Die communards haben das Schlofs 1871 zerstört. 

Gegenüber dem Triumphbogen du Carrousel befindet sich die Statue Gambettas, 
der seine Landsleute zum Kampfe führt; hinter seiner Gestalt steht ein hoher steinerner 
Obelisk, auf einem Löwen thront die Volksherrschaft in Gestalt einer schönen Frau. 

Der Hauptteil des Jardins des Tuileries, der uns zu der Place de la Concorde, 
dem schönsten und gröfsten aller Pariser Plätze, am Eingange zu den Champs £lys6es, 
im Mittelpunkte aller Sehenswürdigkeiten von Paris zurückführt, verdankt seine jetzige 
Form dem berühmten Le Notre, der ihn im Auftrage Ludwigs XIV. anlegte. Im Garten 
befindet sich rechts auf einer Terrasse ein Gebäude für le jeu de paume, links dem ent- 
sprechend die Orangerie. 

In dem Garten fielen mir einige „charraeurs" auf; Sperlinge setzten sich dem 
einen in Scharen auf Arme, Kopf und Hände, liefsen sich füttern und waren nicht einmal 
mit einer kleinen Rute fortzujagen. Nicht weit davon hatte ein Knabe eine grofse Zahl 
von Täubchen in gleicher Weise um sich versammelt. Dieses Schauspiel soll hier kein 
seltenes sein. 

Wir steigen dann einige Stufen hinan, blicken noch einmal hinab auf die hohen, 
grünenden Bäume des Tuileriengartens und befinden uns auf dem Place de la 
Concorde. Hier befindet sich l'entr^e principale de l'exposition universelle. 

In der Mitte desselben steht der grofse Obelisk de Louqsor, unter Louis-Philippe 
errichtet; er ist ein Geschenk des Paschas von Egypten Meh6met-Ali an den König; er 
ist ein einziger Granitblock. Auf den Seitenflächen sind bildliche Darstellungen von der 
überaus schwierigen Herbeischaffung und Aufstellung des Obelisken angebracht. Früher 
erhob sich an dieser Stelle ein Denkmal Ludwigs XV. 

Um diesen Obelisk herum zieht sich die Strafse für die Wagen in einem 
mächtigen, weiten Bogen. Zahllose Gefährte sausen in der Hauptverkehrszeit an uns 
vorüber; führt doch hier der Weg zum Bois de Boulogne hinaus. 

Herrlich ist der Anblick, den man von diesem Platz aus geniefst. Hinter uns 






— 32 - 

erblicken wir le jardin des Tuileries und das Louvre, vor uns les Champs-£lys6es im 
Hintergrunde auf einem Hügel weit sichtbar nach allen Seiten auf dem grofsen runden 
Platze r£toile erblicken wir den grofsen Are de Triomphe de l'fitoile. Rechts erblicken 
wir die herrliche Madeleine, links das schöne Chambre des D6put6s, dessen Fagade wie 
die Madeleine die Gestalt eines antiken Tempels aufweist. Zwischen der Chambre des 
D6put63 fliefst die Seine, über sie führt der im Bau begriffene grofse Pont Alexandre HL 

Diesen Platz umrahmen in weitem Bogen acht Bildsäulen von sitzenden Frauen- 
gestalten, welche Städte darstellen. Besonders schön finde ich sie nicht; kaum zu sehen 
ist die Statue Strafsburgs, denn sie ist mit Trauerkränzen bis zum Halse bedeckt; viele 
Aufschriften befinden sich auf diesen Kränzen; eine Widmung der Ligue des Patriotes 
besagt: „Qui vive? La France! Quand meme". 

Ferner schmücken den Platz zwei grofse Springbrunnen, acht korinthische Säulen; 
iu der Mitte der letzteren ragen je zwei laternentragende Rostra hervor. 

Den Eingang zu den Champs Elys6es zieren zwei Marmorstandbilder; sie 
stellen antike Pferdebändiger dar. Le Palais du President de la R6publique befindet 
sich rechter Hand, der Park desselben grenzt an les Champs-£lys6es, der Eingang zum 
Hofe des Palais de TElys^e selber befindet sich in der Rue du Faubourg-St.-Honor6. 
In der Verlängerung nach dem Osten nimmt diese Strafse den Namen Rue St.-Honore 
an, in welcher sich die schöne, alte Kirche St. Roch befindet (letztere in der Nähe de 
la rue des Pyramides, welche in die Avenue de l'Op^ra einmündet). 

In der Avenue des Champs-Elysees befindet sich in der Mitte der breite Fahrweg 
mit Inselperrons für die Laternen. Grün ist der Park, doch beengt durch zwei grofse 
Caf^s, ein Cirque d'6te und anderes. Das Petit Palais des Beaux-Arts, in welchem die 
unter dem Namen le Salon bekannten Kunstausstellungen stattfinden, steht auf der 
Stelle des alten Palais de Tlndustrie, welches für die Weltausstellung vom Jahre 1855 
erbaut ward; seine Front geht nach der Avenue des Champs-Elys6es hinaus. 

Alcazar heifst eines der caf6s-concerts in den Champs-]£lys6es. In letzteren be- 
findet sich auch ein ehemaliges Panorama: le palais de Glace, transform^ pour le patinage 
sur la glace artificielle. 

In der Mitte der genannten Avenue befindet sich ein grofser runder Platz, ge- 
nannt Rond Point, mit sechs grofsen Fontainen. 

Wir steigen nun weiter hinauf zu der kleinen Anhöhe des Platzes de l'Etoile. 
Zwölf Avenuen münden hier. * 

In der Mitte erhebt sich Tarc de triomphe de r£toile, ein wirklich schönes, 
grofsartig wirkendes Monument. Napoleon I. liefs im Jahre 1806 zur Erinnerung an die 
Schlacht bei Austerlitz mit dem Bau desselben beginnen, erst 1836 wurde es vollendet; 
das Denkmal hat über neun Millionen Mark gekostet. Es fehlt allerdings als Krönung 
des Werkes etwas wie ein Triumphwagen. 

Das Denkmal ist zu besteigen: 261 Stufen führen auf die Plattform hinauf; nach 
Regenwetter ist die Aussicht besonders günstig; die Besteigung kostet nichts. 

Für uns hat dieses Denkmal seine eigentliche Bedeutung verloren; es erinnert 
uns, gleichsam ein Denkmal an die deutschen Siege von 1870/71, an den Einzug unserer 
Truppen im Jahre 71. Ketten verhindern, dafs Wagen oder Reiter ihren Weg unter dem 



— 33 - 

Triumphbogen, der von grünen Rasenflächen umgeben ist, hindurch nehmen; letztere 
müssen vielmehr in einem grofsen Kreise herumfahren. 

Die directe Fortsetzung der Avenue des Champs-filys^es über l'fitoile hinaus ist 
die überraschend breite und dadurch überaus wirkungsvolle Avenue de la Grande Arm6e. 
Links zweigt sich unter anderen ab: L'AvenueduBoisdeBoulogne. Dieser prächtige 
Strafsenzug ist von ganz aufserordentlicher, nie gesehener Breite; hohe alte Bäume zieren 
ihn, hügelig ist das Terrain an den Seiten des breiten Dammes, Rasenflächen ziehen sich 
längs des Bürgersteiges hin. Auf dem Fahrdamm, namentlich nach den grofsen Rennen, 
findet hier ein unglaubliches Gewühl von Wagen statt. Nirgends wirkt die Polizei unnütz 
hemmend; ich glaube, ich habe sechs bis acht oder noch mehr Wagenreihen neben ein- 
ander fahren sehen. An jeder Übergangsstelle wird für die Fufsgänger durch mehrere 
Polizisten für ein sicheres Überschreiten des Fahrdammes gesorgt. Von entgegengesetzter 
Richtung kommende Wagen finden auch ihren Weg durch dieses grofsartige, ihnen ent- 
gegenstrebende Meer von eleganten Fahrzeugen. 

Wir wenden uns nun zu dem Bois de Boulogne, welches jenseits der Forti- 
fications beginnt. Durch die Porte Dauphine gelangen wir dorthin. Von dort wendet 
sich nach links die Route de Suresnes, welche uns zu den grofsen Seeen und Cas- 
caden führt. 

Die eben angeführte Avenue de la Grande Arm6e führt durch die Porte Maillot 
ebenfalls zum Bois de Boulogne, aber nicht in die Mitte desselben. Von jenem Thore 
aus kommt man in kurzer Zeit zum Jardin d'Acclimatation, der im Norden durch 
den Boulevard Maillot begrenzt ist, letzterer geht von dem gleichnamigen Thore aus und 
bildet die Grenze für das Bois de Boulogne. 

Von der Porte Maillot führt die lange A116e de Longchamp nach Longchamp, 
wo die bekannten Rennen stattfinden. 

Ein anderer Weg zum Bois de Boulogne führt von der Place de l'fitoile zur 
Porte de la Muette; es ist dies le Boulevard Victor Hugo. Von dem Platze an dem 
genannten Thore sehen wir über eine weite Rasenfläche hinüber zu einem steilen Hügel, 
es ist der Mont Valerien. Wir sehen deutlich die Kasernengebäude darauf. Mont 
Bullerjahn nannten ihn unsere Truppen im deutsch-französischen Kriege. 

Nahe der porte de la Muette (der Name rührt her von einem ehemaligen Schlosse 
La Muette) befindet sich ein schönes Denkmal von Lafontaine, am Fufse desselben 
sehr hübsch le renard, oberhalb le corbeau tenant en son bec un fromage. Auf dem 
cimeti^re du Päre-Lachaise, auf welchem sich das Grab des berühmten Fabeldichters 
befindet, sind am Denkstein angebracht die Darstellungen von: le loup et l'agneau, und 
le loup et la cigogne. 

Wir beginnen nun unsern Ausflug in das Bois de Boulogne und zwar von dem 
Punkte, wo wir zuerst mit ihm in Berührung traten, nämlich an der Porte Dauphine an 
der Avenue du Bois de Boulogne. Von diesem Platze führt uns die Route de Suresnes 
nach dem Carrefour du Bout des Lacs, dort befinden wir uns am Anfange des lang- 
gestreckten Lac Inf^rieur mit zwei durch eine Brücke mit einander verbundenen hübschen, 
ziemlich grofsen Inseln. Zu diesen gelangt man nur auf Kähnen, da eine Brücke fehlt. 
Bäume und Strauchwerk zieren die hügeligen Eiländer. Am Ausgange des Sees ist 
eine cascade. 

VII. Sttdtiache Realachal«. 1800. je 



— 34 — 



- 35 - 



Gehen wir an einem der Ufer des Sees auf verhältnismäfsig schmalen Stehen ent- 
lang, so gelangen wir schliefslich am Ende des Sees an einen anderen Platz, den Carrefour 
des Cascades. Gehen wir in der begonnenen Richtung weiter über diesen Platz, so ge- 
langen wir zu dem bedeutend kleineren Lac Sup^rieur. Noch etwas weiter fortschreitend, 
kommen wir zu einer Anhöhe la Butte Mortemart mit Aussicht auf St. Cloud und Meudon, 
dieser Berg ist mit den d^blais der beiden Seeen, welche künstlich angelegt sind, ange- 
fertigt, ähnlich der Scherbeiberg bei Leipzig. Hier sehen wir vor uns le Champ des 
Courses d'Auteuil. Preise: Pesage (Sattelplatz) 20francs, zweiter Platz (Pavillon) kostet 
ö francs. Soldaten mit Gewehr stehen dort zur Aufrechterhaltung der Ordnung. 

Von dem Carrefour des Cascades begeben wir uns auf dem hübschen Fufspfade 
Route de la Vierge des Berceaux (von dem Lac inf^rieur aus führt la route de la Grande 
Cascade ebendorthin) zu dem grofseu schönen Wasserfall mit prächtigen Bergpartieen ; 
man besteige die Felsen! Von hier aus ging ich ungefähr in der eingeschlagenen Richtung 
weiter bis zur Seine und bestieg in Suresnes einen Dampfer, der mich nach Paris 
zurückführte. 

Zwischen dem lac inf^rieur und dem Jardin d'Acclimatation liegt ein See zum 
Schlittschuhlaufen (Lac pour le patinage). Auch ein Gebäude für das Taubenschiefsen 
(tir des pigeons) befindet sich hier; dieser Teil ist abgesperrt jür das gewöhnliche Publicum. 

Wir wenden uns nun dem Jardin d'acclimatation zu, zu dem wir am ein- 
fachsten, wie oben geschildert, durch die „Avenue de la Grande Armöe'^ und die „Route 
de la porte des Sablons a la porte Maillot** kommen. Auf dem gelösten Billet lesen wir: 



JARDIN D'ACCLIMATATION 



Uli Franc 






Ppösenter ce Billet ä toute Röqulsition. 

Valable poor Ic joar memo. 



Auf der Rückseite empfiehlt der genannte Jardin: 



Envoie a Bomicile 

Deux fois par Jour 

Du Lait 

fraTchement trait 

en vases cachetes (plombes) 



1 Litre 1 fr. 



J Litre O'OO. 



Im Garten fällt linker Hand zuerst la grande Serre et le Palmarium in die Augen. 
Ein munteres Bächlein rollt im Palmenhause über einen mit Tropfsteinen versehenen Ab- 
hang hinab. Herrlich schön sind die dickstämmigen Camelienbäume, die über und über 
mit Blüten bedeckt sind. Hier wie im Jardin des Plantes sah ich einen Eucalyptus, 
aus dessen Früchten man Rosenkränze verfertigt. 

Hinter dem Palmenhause befindet sich ein grofser Saal für Vorträge, Concerte etc. 
Ich las dort eine Ankündigung, dafs man nächstens den Fliegenden Holländer (le Vaisseau 
fantöme) und die Meistersinger (Maitres chanteurs) zum Vortrag bringen würde. Places 
assises kosten nach Baedeker p. 144 1 franc, 50 et 25 c. 

Nicht weit davon am Chenil (Hundezwinger) befinden sich deutsche Geschosse 
aus der Zeit der Belagerung. 

Ein kleiner offener tramway für acht Personen fährt übrigens durch den Garten 
von der Porte Maillot. 

Eine Tafel belehrt uns über Neuanschaffungen und Geburten von Tieren im 
Garten (arrivages et naissances.) 

Dem Palmenhause gegenüber befindet sich das Museum (mus6e de chasse et de 
peche: armes, pieges, engins, accessoires etc.). 

Das Vivarium enthält einige seltene lebende Tiere, namentlich Affen. 

Unter den vielen Vogelarten nimmt sich besonders possierlich aus: der grofse 
Secr6taire (statt des r befindet sich hier ein richtiges z in der Schrift). (Auch bei dem 
grofsen geschriebenen T sah ich mitunter eine auffallende Abweichung: der obere Bogen 
fehlt hinten ganz, endigt also beim Grundstrich, oder er wird nach oben und rückwärts 
weiter geführt, bis er in den Grundstrich übergeht; bei beiden Schreibarten fand ich 
dann, dafs der untere Bogen nicht nach vorn, sondern nach hinten abgeführt wird, so 
dafs das beinahe wie ein C aussah, dessen vorderer Bogenstrich mit der Schleife des T 
versehen war: '^'^ableaux. 

Dagegen fand ich einmal ein grofses F wie ein grofses T geschrieben, z. B. in 
der Oper: „Tidelio" statt Fidelio. Die Abkürzung für grand lautet: gd., also Gd. 
Restaurant. 

Der oben genannte Vogel, auch serpentaire oder messager genannt, verdient wohl 
wegen seines schleichenden Schrittes, seines hübschen Frackes, seiner niedlichen natür- 
lichen Kniehosen seinen Namen in vollem Mafse; zum Überflufs sieht es beinahe aus, 
als wenn er eine Brille auf der Nase und eine Feder hinter dem Ohre trägt. 

Im Bois de Boulogne sah ich an einzelnen Stellen wie in England die Leute, 
selbst wenn schützende Gitter angebracht waren, auf dem Rasen gehen und liegen. 

Hier aber las ich: Defense de marcher sur les gazons. 

Les crocodiles haben einen besonderen, hübschen, lichten Pavillon; vor dem Ein- 
tritt warnt aber eine Tafel mit den Worten: Entr6e interdite et dangereuse! Trotzdem 
sind wir nur durch Fensterscheiben, nicht durch Gitter von diesen getrennt. 

Vor frisch gestrichenen Bänken warnt wieder ein Zettel: Prenez garde a la peinture! 

Das Panorama est fermö pour cause des r6parations. 

Elefanten, Kamele, Pferde und andere Tiere dienen dem Publicum zum Spazier- 
reiten. Tarifs: 616phants, 25 c, petites voitures, 25 c; dromadaires, 50 c.; voitures 50 c.; 
petits chevaux 50 c. Diese befinden sich bei den Ställen (6curies) au fond du jardin. 

5* 



II '.: 



i 



I 

I 



— 86 - 

Cest U que se porte surtout la jeunesse, pour faire une promenade sur les ^l^phants, 
les dromadaires et autres montures, ou dans des voitures attach^es d'une autruche, de 
lamas etc. 

Am interessantesten waren für mich drei grofse Seelöwen in einem geräumigen 
Bassin im Freien; in der Mitte des Beckens befand sich ein kleiner Fels; die drei Tiere 
jagten nun im Kreise neben einander einträchtig schwimmend immer im Bassin um den 
Fels in weitem Bogen herum; dabei bildeten sich grofse Wogen und es war ein hübsches 
Bild, wie sie bald ihren Kopf in den Wellen vergruben, einen Augenblick ganz ver- 
schwanden, dann wieder beinahe einen lebenden Bestandteil der Woge selbst ausmachten. 
Es war ein Bild, wie man es sonst nur auf offener See haben kann, so schön 
machten sich die lang gestreckten wallenden Wogenhügel! Wenn man dies sieht, so 
begreift man, wie Böcklin dazu kam, allerlei lebende Wesen in die wogende See hin- 
einzuzaubern. 

Das Publikum soll diese Tiere nicht füttern, es heifst: Defense de donner du 
pain a TOtarie (oder Lion de mer de l'oc^an Pacifique). 

Wir sehen noch la singerie, des oiseaux, et. d'abord les echassiers: gnics, 
cigognes, flamants, h6rons, autruches, marabouts etc. Derri^re des oiseaux aquatiques: 
cygnes, oies, canards de toutes sortes; le pigeonnier oü l'on 61eve des pigeons 
voyageurs. 

Wir besuchen auch la Faisanderie, in welcher nicht nur Fasanen zu sehen sind, 
ferner erblicken wir: des alpacas, des antilopes, des lamas, des yacks, des chevres 
exotiques und anderes, nur keine grofsen vierfüfsigen Raubtiere. Allerdings eine Bären- 
grube befindet sich im Garten. 

Beim Hundezwinger lesen wir folgende Warnung: 

Avis. 
Le public est pr6venu 
qu'il est imprudent de passer 
les doigts entre les barreaux 
des grilles du Chenil. 

Ferner: II est d^fendu de se promener aux bords du Chenil avcc des chiens meme 
tenus en laisse. 

Wir verlassen den Garten und treten wieder in das Bois de Boulogne ein. Hier 
laden Stühle zu Ruhe ein, man zahlt 10 c. und erhält ein Billet, auf dem steht: 



JARDINS ET PROMENADES DE PARIS. 
J. Chabaüd, Concessionnaire. 



Si^ge: 10 C"'*. 



18593 



Ce billet est nul s'il a 6t6 cML 



Produire ce bulletin a toute r^quisition da controle. 



Jl 



'- 37 - 

Auf der Rückseite befindet sich wieder eine Reclame : 

ETABLISSEMENT THERMAL DU MONT-DORE 

(Puy-de-Dome) 

Concession: Chabaud. 

Saison du V Juin au 1" Octobre. 

Maladies des Voies Respiratoires 

Laryngites, Bronchites, Asthme, Phtisie pulmonaire, 

Aifections cutanees 

Exportation d'Eau min^rale naturelle. 

Grand Casino dans le Parc. 

Wir besichtigen nun den Rest der Hauptsehenswürdigkeiten im Innern der Stadt 
am rechten Seineufer. Von der Place de la R6publique führt die breite, lange Strafse 
Rue de Turbigo nach den Marktliallen: Halles Centrales, der kreisrunden Bourse de 
Commerce, die man ungeniert betreten kann, gleich dahinter führt uns die Rue du 
Louvre zum Louvre. In der Markthalle war ich besonders über die grofse Zahl nie ge- 
sehener Seefische freudig überrascht. Warum ifst man bei uns so selten einmal statt 
des Hummers Langusten, wenn auch die Scheeren fehlen; das Fleisch ist sehr zart und 
wohlschmeckend, freilich etwas teurer. Wenden wir uns in dieser Strafse aber von der 
Seine und dem Louvre ab, so kommen wir zum Hotel des Postes (Hauptpost). 

Die nächste Querstrafse Rue Etienne Marcel führt uns nach Westen zur Place 
des Victoires. Dort steht ein schönes Reiterstandbild Ludwigs XIV. Die In- 
schrift lautet: Ludovico XIV. avitae religionis assertori etc. etc. erectum anno 1816. 
Das Denkmal erinnert uns an dasjenige des Grofsen Kurfürsten; Louis est avec une 
perruque et en costume romain. Son cheval se cabre, et toute la statue, ä Timitation 
de la Statue ^questre de Pierre le Grand a St. Pötersbourg, ne repose que sur les pieds 
de derriere et sur la queue de ce cheval. (Baedeker.) 

Die letztgenannte Strafse nimmt jenseits des Platzes den Namen Rue des petits 
Champs an und führt an der Banque de France und an der Bibliotheque Nationale vor- 
bei. Diese liegt auch in der Rue de Richelieu mit dem 1844 errichteten Denkmal 
Molieres (am Palais Royal). Hier befindet sich auch eine Sanitätswache, Inschrift: 
Secours aux bless^s. Secours m^dicaux de nuit. In der Bibliothek lesen wir: il est 
interdit de fumer. 

Die rue de Richelieu führt in der Richtung nach den nördlich gelegenen grofsen 
Boulevards in die breite rue du 4 Septembre. Wenden wir uns wenige Schritte nach 
rechts, und wir haben einen herrlichen Bau vor uns: la Bourse. Grofsartig ist die 
Wirkung eines solchen Peristylos; wie schwächlich dagegen die eines Pseudoperistylos! 
Und welch mächtige Säulen! Dazu die Wirkung eines schönen, freien, grofsen Platzes, 
auf dem der Tempel steht! — Diese wird aber erheblich beeinträchtigt durch das un- 
glaubliche, betäubende, strafsenweit schallende Gebrüll der Börsenhändler; es braust wie 
ein stürmisches Meer weit hinaus in die Umgegend, denn man handelt auch in der 
grofsen Halle des Säulenganges, gleichsam auf der Strafse; man tritt lebhaft gestikulierend 
auf Stühle, bildet Kreise, und laut geschrieene Zahlen tönen herüber und hinüber. 

Ganz ebenso geht es im Innern des Börsenraumes zu. Man kann ohne weiteros 



f:t 



^ 38 — 

und unbehelligt hinein- und hinausgehen. Man wähle aber die Zeit zwischen 12 
und 1 Uhr! 

Wir wollen nun eine Wanderung vom Louvre aus in entgegengesetzter östlicher 
Richtung unternehmen. Gehen wir an der Seine entlang, so kommen wir zur Place 
du Chätelet, dort befinden sich einander gegenüber le Th^atre du Chätelet mit grofsen 
Ausstattungsstücken und das Th^ätre der Sarah Bernhardt. Dahinter im Norden steht 
ein einzelner Turm: la Tour St. Jacques. 

Gehen wir in der angefangenen Richtung weiter an der Seine entlang, so kommen 
wir zum Hotel de Ville. Das Gebäude ist in seiner ursprünglichen Form wieder her- 
gestellt, nachdem es 1871 von den Communards in Brand gesteckt und gänzlich ver- 
wüstet worden war. Der Platz davor ist der alte place de Grfeve. Dort liefs Catharine 
de M6dicis die Anführer der Hugenotten nach der Bartholomäusnacht durch den Strang 
hinrichten. Drei Tage nach der Erstürmung der Bastille (14 juillet 1789) legte 
Louis XVI. aus Versailles nach dem Rathause zurückgeführt hier zur Beruhigung der 
Menge die cocarde tricolore an (les couleurs bleue et rouge sont Celles de la ville de 
Paris, la couleur blanche celle des Bourbons). (p. 58 Baedeker.) Nachdem wir dieses 
schöne grofse Bauwerk eingehend betrachtet haben, überschreiten wir die Seine auf der 
vor uns liegenden Brücke Pont d'Arcole und gelangen geradeswegs zur Place du Parvis- 
Notre-Dame (parvis aus naQdötiaog, pareis, parevis mit hiatustilgendem v). 

Wir sehen rechts das bekannte Krankenhaus: Hotel-Dieu. Vor uns liegt die 
Kirche unserer lieben Frauen, zur rechten Seite derselben ein Denkmal Karls des 
Grofsen, dahinter fliefst der andere schmalere Zweig der Seine; die Kirche befindet sich 
auf der Insel L'ile de la Cit6. Das Hötel-Dieu ist erst 1878 hier vollendet, früher stand 
es an anderer Stelle, mehr in der Nähe des Flusses. 

An der Kirche Notre Dame führten früher Stufen hinauf zu den Eingangs- 
thüren; durch Erhöhung des Strafsenterrains wurde deren Entfernung notwendig, was 
vom künstlerischen Standpunkte zu bedauern ist. Die Türme sind wie bekannt nicht 
spitz ausgebaut, wie es ursprünglich geplant war; les flaches des tours n'ont pas 6t6 
construites. Eine Besteigung ist sehr lohnend; le tr^sor de Notre Dame ist sehenswert; 
er befindet sich in der Sacristie; l'entr^e est d^signee par un ecriteau. Am dimanche 
des rameaux kauft man, wie ich hier sehen konnte, von Händlern, die sich vor der Kirche 
aufhalten, kleine Büsche oder Zweige von Buchsbaum; dieser Gebrauch ist so allgemein 
wie bei uns der Kauf von Pfingstmaien. 

Im Jahre 1793 stellte man in der Kirche die Büsten von Voltaire und Rousseau 
auf; on fit asseoir sur un trone la d^esse de la Raison (une danseuse du nom de Maillard), 
k laquelle on rendit des honneurs divins. 

Hinter der Kirche befindet sich la Morgue am östlichen Ende der Insel gegen- 
über der anderen Seineinsel: ile St. Louis. Wir wenden uns nun nach Westen und gehen 
an der Pr^fecture de Police vorüber, welche ebenfalls an der Place du Parvis Notre-Dame 
sich befindet; so gelangen wir zu dem auf derselben Insel de la Cit6 gelegenen Palais 
de Justice. Dieses steht an Stelle des ursprünglichen Palastes der Könige von Frank- 
reich; zweimal hatte es durch Feuersbrünste arg zu leiden. Erhalten von altersher sind 
nur die alten Türme, so la tour de THorloge nahe dem pont au Change. Die Haupt- 
sehenswürdigkeit des Justizpalastes ist la Sainte-Chapelle, es ist die alte Kapelle des 



— 39 — 

ehemaligen Königspalastes. C'est malgre ses petites dimensions l'edifice gothique le plus 
616gant de Paris, un v^ritable bijou. 

Im Palais befindet sich la salle des Pas-Perdus (reconstruite depuis 1871); c'est 
une des plus vastes dans son genre; c'est lä que se trouvait, avant l'incendie de 1618, 
la grand'salle du Palais, oü les clercs de la Basoche (basilica, palais royal) avaient le 
privilege de jouer des farces, des soties et des raoralit^s. Rechts sieht man ein Denkmal 
von dem Verteidiger Ludwigs XVI, Malesherbes, der 1794 enthauptet wurde. Im Palaste 
befindet sich la Chambre de la police correctionnelle. An der Seine befindet sich der 
Eingang zu la Conciergerie, dem berühmten Gefängnis; Eintritt vom quai aus. Es dient 
jetzt als prison prl^ntive. La plupart des prisonniers politiques de la Revolution furent 
detenus a la Conciergerie avant d'etre conduits a l'^chafaud. On montre encore leurs 
cachots, surtout celui de la reine Marie -Antoinette, transforme en chapelle et orne de 
peintures repr^sentant les derniers jours de la reine. (Baedeker p. 210.) 

Gegenüber dem Palaste steht le tribunal du Commerce. Am westlichen spitzen 
Ausläufer der Insel nahe der ältesten Pariser Brücke, dem Pont Neuf, befindet sich ein 
sehenswertes Reiterstandbild Heinrichs des Vierten, den wir hier und auf den Gemälden 
im Louvre mit kurz gehaltenem Vollbart erblicken. Cette statue fut 6rigee en 1818 ä la 
place d'une autre de 1635, qui fut convertie en canons en 1792; par r6pr6sailles, 
Louis XVIII la fit faire avec la statue de Napoleon de la colonne Vendöme et avec deux 
autres statues. 

Wir haben nun wieder einen Teil unserer Wanderung vollendet. Es lohnt sich 
noch von dem Boulevard du Palais de Justice aus über le pont St. Michel das Boulevard 
St. Michel zu betreten. Hübsch ist dort gleich am Anfang der Strafse die an einem 
Eckhaus angebrachte fontaine St. Michel; der heilige Michael ist also nicht ein so 
Urdeutscher, dafs er nicht auch in Frankreich Verehrer fände; er ist dargestellt terrassant 
le dragon, en bronze — sur un rocher d'oü jaillit une cascade. 

Wir machen nun einige Spaziergänge nach weiter entfernten Punkten. Nach 
dem Bois de Vincenn.'es mit zwei hübschen Seeen (dem hübscheren Lac de St.-Mand6 
und dem gröfseren Lac Daumesnil ou Lac de Charenton), Parkanlagen und Rennplatz 
gelangt man auch in ganz kurzer Zeit mit dem Dampfer, indem man die Seine und dann 
die Marne bis Charenton hinauffährt. Auch die Eisenbahn fährt dorthin; la Gare de 
Vincennes befindet sich an dem Platze de la Bastille. Eine schöne elektrische Bahn 
führt ebenfalls nach dem hübschen Gehölz, in welchem man namentlich an schönen Sonn- 
tagen im Sommer das Pariser Volksleben beobachten kann. 

Nach dem berühmten Kirchhof Cimetiere du Pere-Lachaise ou Cimetifere de 
l'Est führt von dem Platze de la R^publique in östlicher Richtung grades Weges l'Avenue 
de la R^publique. Diese endigt am Boulevard de M6nilmontant; der Haupteingang zum 
Kirchhof findet sich in dieser Strafse etwas weiter südlich. Der Friedhof liegt auf einem 
Hügel; sehr gute Specialkarte im Baedeker p. 166. Die beiden anderen grofsen Kirch- 
höfe sind der des Montparnasse ou du Sud und der des Montmartre im Norden. Der Päre- 
Lachaise verdankt seinen Namen dem Jesuitenpater Lachaise, dem Beichtvater Ludwigs XIV, 
der ein Landhaus besafs an jener Stelle, wo sich jetzt der Gottesacker befindet. 

Gleich in der Hauptallee sehen wir Alfred de Mussets Grabmal mit seinem 



I' I 



i 






- 40 — 

Medaillonbild; eine Trauerweide (allerdings noch sehr jung) steht auf seinem Grabe, ent- 
sprechend einem Wunsche, den er in einem schönen Gedichte ausgesprochen hat. Doch 
hatte ich mir das Denkmal anders vorgestellt. Leicht ruht es sich nicht in dieser Erde, 
wie Alfred gewünscht hatte, denn fast über jedem Grabe befindet sich ein steinernes 
Häuschen oder ein dem ähnliches schweres Denkmal, so auch über seiner Ruhestätte. 
Der Kirchhof gleicht einer Stadt der Toten, in dem sich jeder noch ein kleines Häuschen 
aus Sandstein gesichert hat, damit der menschliche Eitelkeitsmarkt auch über das Grab 
hinaus fortdauere. Ich führe noch einige Namen der hier ruhenden Toten auf: Rossini, 
Cousin, Auber, Rachel; viel besucht wird le monument d'Ab^lard et Heloise, welches aber 
nicht authentisch ist. Ich erwähne ferner Casimir P6rier, le pr^sidHit Carnot, Chopin, 
Ch6iubini, Lesueur, Bo'ieldieu (sprich Boajeldiö), Raspail, About, Scribe, Beaumarchais, 
Beranger, Racine. Neben Moliere ruht Lafontaine. 

Bäume finden sich zwischen den Grabmälern; frische Kränze dagegen sieht man 
gar nicht, nur künstliche, auch Immortellenkräiize. Selten schmücken Blumentöpfe das 
Grab, da meist keine Erde zum Einpflanzen auf der Steinplatte vorhanden; ganz selten 
steht auf dem Grabe eine Art Steinsarg, in welcher sich Sand zum Einsetzen der Töpfe 
oder Pflanzen befindet. Ein Grabmal erinnert etwas an einen Zuckerhut; es heifst daher 
im Vülksmunde le pain de sucre. Man hat vom Kirchhofe auch eine schöne Aussicht 
auf Paris. Ferner liegen hier WimpflFen, Souvestre, Balzac, Nodier, Delavigne. Bei der 
Kapelle befindet sich das Grabmal für Thiers (tl877). Hier ruht auch Taylor, Bizet. 
Ferner sei ein Kriegerdenkmal erwähnt: Monument des soldats morts dans le siege de 
1870—71, eine Pyramide mit Figuren von vier Soldaten, auch ein Monument des gardes 
nationaux tu6s a Buzenval. Es dauert lange, wenn man alles dieses sehen will! 

Herrlich ist in dem sonst an Schönheiten so armen Osten der Park und die 
Felsengrotte: Les Buttes-Chaumont (calvi montes; buttes steriles et d6nud6es). Man 
gelangt dorthin von dem Platz der Republik durch die Rue du Faubourg du Temple und 
deren Verlängerung Rue de Belleville, von dieser führt links (nach Norden) die rue Bolivar 
zum Parc des Buttes-Chaumont. Hier befand sich bis 1761 der Galgen de Montfaucon, 
an welchem man auch den Hugenotten Coligny aufgehängt hat. Um seinen Leichnam 
dort in Augenschein zu nehmen, erschien daselbst König Karl IX. persönlich. 

Früher befanden sich an dieser Stelle grofse Steinbrüche, deren Ausbeutung 
zahlreiche Unebenheiten des Bodens herbeiführte. Der steile Felsen ist in eine hohe 
Felsgrotte verwandelt, ein Wasserfall rauscht darin herab und ergiefst sich in einen See. 
20 Meter ist diese in den Felsen gehauene Grotte hoch. Auf den Felsen inmitten des 
Sees hat man einen hübschen kleinen korinthischen Tempel nach dem Muster des Tempels 
der Sibylle in Tivoli errichtet. Von diesem Gebäude hat man eine sehr schöne Aussicht 
in der Richtung nach dem Montmartre. Un 16ger pont en fil de fer, de 63 m. de long, 
est suspendu entre deux rochers k 30 m. au-dessus du lac. Man versäume ja nicht, diesem 
herrlich schönen Platze und der Grotte einen Besuch abzustatten! 

Von dem Boulevard des Italiens ans gelangt man durch die Rue Lafitte nach 
der nördlich gelegenen Kirche Notre-Dame de Lorette. Nicht weit von dem Nord- 
bahnhof liegt die sehenswerte Kirche St. Vincent-de-Paul. 

Von dem Platze der Republik führt der Boulevard de Magenta an dem Gefängnis 



— 41 — 

St. Lazare vorüber zu den äufseren Boulevards (Bd. de Rochechouart etc.). Wir blicken 
von dieser Strafse aus auf die Gare de l'Est, zu welcher le Boulevard de Strasbourg 
führt. Letzterer führt von dem genannten Bahnhofe zu den grofsen Boulevards 
(Bd. St. Denis); seine Verlängerung ist der ebenso wie er selber schnurgerade verlaufende 
Bd. de S6bastopol, welcher zur Seine über den Platz du Chätelet führt. 

Auch die Nordbahn erblicken wir von dem Bd. de Magenta aus. Sobald wir den 
Boulevard de Rochechouart erreicht haben, der an dieser Strafse seinen Namen ändert 
und weiter östlich Boulevard de la Chapelle heifst, wenden wir uns nach dem Westen. 
Am College Rollin führt die rue de Steinkerque nördlich zu den Buttes du Montmartre 
hinauf. Dieser ist etwa 100 Meter hoch; sehr enge und steile Strafsen vermitteln den 
Zugang, der Hügel ist nur mit Hülfe der in denselben eingefügten zahlreichen Stufen 
zu ersteigen. Treppenabsätze mit Ruhebänken machen den Aufstieg auch für solche, die 
nicht schwindelfrei sind, unbedenklich. Hinab gelangt man bequemer auf der nach dem 
Osten führenden Rue de la Barre, von welcher man durch die Rue de Ramey und Rue 
de Clignancourt zu dem Boulevard de Rocliechouart zurückkehrt. 

Der Name A^- jntmartre soll Mens Martyrum bedeuten; hier, sagt man, habe der 
erste Bischof von Paris, St. Denis mit Namen, mit seinen Gefährten den Märtyrertod 
erlitten. An dieser Stelle begann am 18. März 1871 der bis zum 28. Mai dauernde 
Aufstand der Commune; aufrührerische Soldaten bemächtigten sich nach Ermordung 
zweier Generäle der dort befindlichen Kanonen, welche einem Corps Nationalgarden an- 
vertraut waren. 

Auf diesem steilen Hügel erhebt sich die jetzt endlich beinahe fertige 6glise du 
Sacre-Coeur, welche, in dieser Höhe weit über Paris sichtbar, dem sich Paris nahenden 
Fremden schon von der Eisenbahn entgegenleuchtet und mit ihrer hohen Kuppel und 
einigen kleineren Türmen, welche alle in weifsem Sandstein erstrahlen, schon jetzt einen 
imposanten Eindruck macht. 

Wir kehren nun zu dem Bd. de Rochechouart zurück, gehen am College Rollin 
vorbei; am Cirque Medrano nimmt die Strafse, indem sie sich etwas mehr nach Norden 
wendet, den Namen Boul. de Clichy an. In dieser liegt das durch eine rotangestrichene 
Mühle, deren Flügel sich abends drehen und elektrische Lichter ausstrahlen lassen, leicht 
kenntliche berüchtigte Nachtballlocal „le Moulin Rouge". 

Nicht weit dahinter führt l'avenue du Cimetiere zu dem nördlich gelegenen 
Cimetiere Montmartre ou du Nord. Auf diesem ruhen Halevy, le compositeur, 
Delaroche, Horace Vernet, A. de Neuville, le peintre (bekannt durch das Gemälde von 
Le Bourget), Theoph. Gautier, Dumas fils, Heinrich Heine, Offenbach, Berlioz. 

Der Boulevard de Clichy geht bis zum gleichnamigen Platze, dort nimmt die 
etwas mehr südwestlich gerichtete Strafse den Namen Boulevard de Courcelles an. 
Letztere führt uns zum Platz des Terres, von hier erreichen wir durch die Avenue de 
Wagram in kurzer Zeit la Place de l'fitoile mit dem Triumphbogen. 

Um von hier nach unserem Ausgangspunkt Place de la Republique zurück- 
zukehren, benutzen wir diesmal die Avenue de Friedland, die sehr bald den Namen 
Boulevard Hausmann annimmt. Diese lange, breite, sehenswerte Strafse führt uns zum 
Opernhause, dessen Rückseite sich hier unseren Blicken darbietet. Dort befinden wir 
uns auf bekanntem Terrain. 

VIL Städtische Realscbule. 1900. /. 



— 42 — 



— 43 — 



1 

I 



Das Ausstellxingsterrain. 

Der Haupteingang befindet sich an der Seine am Place de la Concorde, auf dem 
rechten Ufer des Flusses. Wir geben zunächst eine Beschreibung der Gebäude, welche 
schon dort stehen. 

Zunächst am gegenüberliegenden linken Seineufer schauen wir auf la Chambre 
des D6put6s. Westlich von diesem, also stromabwärts (so führt uns unser Weg), erblicken 
wir das Wohnhaus des Präsidenten dieses Hauses. Darauf folgt le Ministere des Affaires 
6trangeres, la Gare des Invalides am Pont Alexandre HL Südlich vom diesem l'Esplanade 
des Invalides mit dem Hotel des Invalides (dahinter Tfiglise St. Louis aux Invalides). 
Weiter am Strome fortgehend sehen wir la Manufacture des Tabacs, le Magasin militaire, 
r£curie de la Pr^sidence, le Garde-Meuble (Mus6e), dann folgt la Tour Eiffel auf dem 
Champ de Mars. 

Auf dem rechten Seineufer unsere Promenade an dem Place de la Concorde am 
Haupteingange von neuem beginnend und wie vorhin in westlicher Richtung möglichst 
nahe dem Flusse vorwärts schreitend, erblicken wir le Petit Palais und gleich dahinter 
le Grand Palais des Beaux-Arts. Linker Hand erblicken wir le Vieux Paris, welches für 
die Ausstellung aufgebaut wird und sich durch zahlreiche Türme, sowie durch vier 
gröfsere direct an der Seine gelegene Plätze auszeichnen wird. Wir gelangen auf unserem 
Wege bald zum Pont d'J6na, an welchem la Tour EiflFel am jenseitigen Ufer, le Trocadero 
am diesseitigen Ufer steht. Neben dem Eiffelturm erblicken wir la grande Rone de Paris, 
ein enorm hohes Stahlrad, an welchem sich eine unendliche Zahl von Wagen, die wie 
Eisenbahnwagons ohne Räder aussehen, im Kreise bewegen. Abends bietet dieses Rad 
mit seinen erleuchteten Wagons, die sich glänzend vom Himmel abheben, ein höchst 
fesselndes Schauspiel. 

Der Eiffelturm steht auf einem Terrain, welches etwas tiefer liegt als die vorüber- 
führende Uferstrafse. Er erhebt sich schlank und elegant; es wird wahrhaft bewunderungs- 
würdig! Kleine Eisenbahnwagons führen beständig, zunächst in schräger Richtung, hinauf. 
Die meisten werden sich begnügen, das erste Stockwerk zu besteigen, auf welchem sich 
eine Restauration befindet. Das zweite Stockwerk zu erreichen, ist für nicht ganz schwindel- 
freie Personen nicht ratsam. Auf der höchsten Höhe des Turmes weht häufig die Tricolore 
an senkrecht stehender Fahnenstange. Den würdigsten Abschlufs würde eine Kaiserkrone 
bilden ; aus der Ferne sieht es auch beinahe so aus, als wenn eine solche die Spitze krönte. 

Die schmale Jenabrücke führt hinüber zum Palais du Trocadero, dem alten Aus- 
stellungsgebäude; zahlreiche Cascaden und Marmorgruppen schmücken den sanft ansteigen- 
den Hügel, auf welchem der Palast steht. Gehen wir durch denselben hindurch, so be- 
finden wir uns auf la Place du Trocadero, von welchem die Avenue K16ber in nordöst- 
licher Richtung zum Are de triomphe zurückführt. Des beschränkten Raumes wegen 
verzichten wir auf eine genauere Beschreibung des Ausstellungsterrains. Der Eiffelturm 
befindet sich auf dem Champ de Mars; die Ausstellung befindet sich auf diesem, der sich 
bis zum Invalidendom erstreckt, ferner auf dem Platz, der sich vom Pont Alexandre III 
bis zu eben diesem Dom hinzieht, und schliefslich auf den zwischen beiden Plätzen 
liegenden Seineufern. Auf der Seine sehen wir eine Gelegenheit zu Lustfahrten auf dem 



Flufs: Navigation de Plaisance. Auch ein vollständiges village suisse wird erbaut. Über 
Alt-Paris berichtet le Plan gen^ral de l'exposition: Le vieux Paris formera un spectacle 
admirable comme on n'en aura jamais vu dans aucune exposition. 11 ne s'agit, en effet, 
ni d'un panorama, ni d'une „restitution" aux trois quarts inhabitable. II s'agit d'une 
vraie petite ville, bätie solidement sur les dessins du maitre imagier Robida, avec ses 
portes, ses rues, ses places, son 6glise, ses halles, ses salles de spectacle et de concert, 
ses tavernes artistiques, ses cabarets populaires, ses maisons habitöes jusqu'au 4® etage, 
ses boutiques oü fonctionneront toutes sortes de metiers curieux, etc. La population 
portera le costume des quatre 6poques: moyen-äge, renaissance, XVII* et XVHI siecles 
jusqu'a la Revolution. 

Les illuminations attireront 6galement tout le monde au VIEÜX PARIS, qui 
sera, on s'en rendra compte, le moment venu, par le Programme de ses attractions et 
de ses plaisirs la Gaiete de l'Exposition. 

Die Umgegend von Paris. 

Diese ist sehr sehenswert. Herrlich ist die Fahrt auf der Seine nach Meudon, 
gleich dahinter Sevres und St. Cloud. Herrlich ist die Aussicht auf Paris von der terrasse 
von Meudon und St. Cloud. Noch schöner ist der Ausblick auf Paris von der Terrasse 
und vom Dache des Schlosses St.-Germain-en-Laye; in letzterem ein herrliches Museum 
(darin die Grabstätte eines Galliers, geöffnet, neben ihm sein Pferd und sein Diener be- 
erdigt). Bei St. Cloud fallen uns die Wagen einer Hochzeitsgesellschaft auf; es ist Sitte, 
die Zeit zwischen dem d^jeuner und dem diner durch eine Spazierfahrt durch das Bois 
de Boulogne und durch einen Spaziergang im Park von St. Cloud auszufüllen. Nach 
St.-Gerraain-en-Laye (in diesem Schlosse wurde 1638 Louis XIV. geboren) gelangen wir 
mit der Eisen- oder Strafsenbahn, letztere von l'^toile ausgehend. 

Nach Versailles fährt vom Louvre am Pont des Arts die Dampfbahn oder die 
Eisenbahn vom Bahnhof St. Lazare; man besichtige auch die beiden Trianons und le 
Hameau (les dames de la cour y venaient jouer aux villageoises [XVIIP siecle]) im Parke 
von Versailles! 

Versailles devint ä peu pres la r^sidence permanente de la cour a partir de 1682. 
Sous Louis XV, le palais somptueux du grand roi ne fut plus qu'un boudoir oü r^gnerent 
les Pompadour et les du Barry, et c'est la que le chätiment m6rit6 par ses ancetres vint 
chercher l'infortun^ Louis XVI, qui n'en avait pas les vices. Les fitats-Gen^.raux avaient 
6t6 convoqu6s, en 1789, pour d^liberer sur la Solution des difficultös dans lesquelles se 
trouvait engag6 l'fitat. Ils ne purent s'entendre sur la maniere dont se feraient les votes, 
la noblesse et le haut clerg6 voulant qu'ils eusseut lieu comme pr6c6demment, par ordre 
et non par tete, ainsi que le demandait le tiers-6tat. Celui-ci 6tait particulierement 
interess^ ä donner le plus de valeur possible a ses votes, puisque c'^tait lui qui payait 
les impots. Soutenu par l'opinion publique, il se constitua le 17 juin en Assembl^e 
Nationale. C'^tait le commencement de la Revolution. La salle des S^ances ayant 6te 
ferm6e par ordre du roi, les d6put6s se rendirent dans la salle du Jeu de Paume (süd- 
lich von la place d' Armes vor dem Schlofs) et jurerent de ne pas se s6parer avant d'avoir 

donn6 une Constitution ä la France. L'Assembl6e Nationale se change bientöt en 

6* 



/ 



— 44 — 

Assembl6e Constituante; survient la prise de la Bastille, le 14 juillet; un banquet ini- 
prudent des gardes du corps au th^ätre du chäteau, oü ils foulent aux pieds la nouvelle 
cocarde (tricolore), provoque un soulevement ä Paris; Versailles est envahi le 5 octobre, 
et le 6 la plebe force le roi de se rendre a Paris (Baedeker p. 294). 

Sehr lohnend Ausflug nach Fontainebleau (dorado der Maler, Urwald, Felsen, 
r^vocation de l'edit de Nantes), doch dazu gehören zwei Tage. 

Weitere Ausflüge nach St. Denis, Malmaison (hierhin zog sich die Kaiserin 
Josephine nach ihrer Ehescheidung zurück, ohne ihre Beziehungen zu ihrem geschiedenen 
Gatten abzubrechen. Sie starb hier 1814. Ein Jahr später wohnte hier nach seiner 
Niederlage Napoleon I; von hier ging er Schutz suchend nach England, welches ihn nach 
St. Helena schickte), ferner Bougival, Montmorency (chateau de chasse), Moulin d'Argenteuil, 
Champigny (Schlachtfeld), Lebourget (im Nordosten), Bouj^'ival (beliebt bei den amateurs 
de canotage; la grenouillere, Bad im Sommer geöffnet), Robinson bei Sceaux im Süden 
(diner a la Robinson in Baumwipfeln, Lauben, Hüttenj. 

Theater. 

Zur Oper nimmt man besser Billets schon vormittags im Bureau de location; 
gute Plätze zu 7, 8 francs sind die Stalles de parterre, etwa wie unser Parquet. Für 
einen strapontin im ersten Range der Com^die-Fran^aise zahlte icli 10 francs. Donners- 
tags (dieser Tag ist schulfrei) finden fast überall Nachmittagsvorstellungen statt. 

„Voyez les oranges'* tönt der Ruf der Händler im Theater, die meisten Zu- 
schauer gehen während der Pausen auf die Strafse und in Restaurants in der Nähe. 

Die wichtigsten Theater sind l'Opera, la' Comedie-Frangaise im Palais Royal, in 
diesem Palais spielt auch le Theätre du Palais Royal seine echt modernen pariser Stücke. 
L'Od^on liegt am Luxembourg. Sehr gut auch l'Opera-Comique dicht am Bd. des Italiens, 
dort auch das Theätre des Nouveautes (hier spielt man La femme de chez Maxim). Am 
Bd. des Capucines liegt le Theätre du Vaudeville; am Bd. Montmartre liegt le Theätre 
des Varietes; am Bd. Bonne Nouvelle: le Theätre du Gymnase, am Bd. St. Martin: le 
Theätre de la Renaissance, le Theätre de la Porte-St.-Martin (dort spielt Coquelin z. B. 
im Cyrano de Bergerac) und TAmbigu. 

Die Folies Bergere befinden sich in einer engen Strafse nördlich vom Bd. Mont- 
martre; le Cirque d'hiver am Bd. du Temple nahe Place de la R6publique. Der Bd. de 
S6bastopol führt nach der Seine, dort liegt le theätre du Chätelet (Ausstattungsstücke) 
und le Theätre Sarah Bernhardt. In der Mitte des Bd. S^bastopol liegt ein viereckiger 
Platz, an diesem le theätre de la Gait6; im Bd. de Strasbourg: le theätre Antoine. 

Zum Schlufs sei noch erwähnt le Cirque d'f:t6 in den Champs £lys6es, ferner 
les Bouffes Parisiens nahe dem Bd. des Italiens, Eldorado, Scala, Folies Dramatiques, 
la Parisiana. 

Wir brechen hier die Arbeit ab. 

Druckfehler p. 32 Z. 5 L: Zwischen dem Platz de la Concorde und der Chambre 



Drnck yon W. PormcUer in fierlin.