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Full text of "Confucius und seiner schüler leben und lehren"

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3 ersten Dynastien und ihre Minister und einige alte Weise werfen und 
seine und seiner Schüler ^) Aeusserungen über sie, die ihnen als Muster 
galten, mittheilen. Dann werden wir 2) a) die Grundideen des chine- 
sischen Lebens und b) die politischen Einrichtungen China's unter der 
3. D. Tscheu nach denselben kurz andeuten. Wir schildern dann 3) 
kurz den Verfall der Kaisermacht und der Einrichtungen der D. Tscheu; 
die Gewaltherrscher Pa und den Kampf der Vasallenfürsten um die He- 
gemonie. 4) Eine Uebersicht der einzelnen zu seiner Zeit in China 
bestehenden Reiche und speziell derjenigen , in welchen er und seine 
Schüler und Meng-tseu auftraten , wird für das Verständniss ihres 
Lebens auch nöthig sein. 

IL Nach einer Nachricht über die speziellen Quellen für das Leben 
des Confucius wird dann das Leben des Confucius den 1. Theil 
unseres eigentlichen Werkes bilden. 

IIL In der 2. Abtheilung werden wir die Nachrichten über seine 
vornehmsten Schüler, die sich erhalten haben, zusammenstellen, doch 
nur die über ihre persönlichen Verhältnisse, mit Ausschluss ihrer ein- 
zelnen Aeusserungen, Lehrmeinungeu u. s. w. Sie sind nicht selbständig 
genug und der Aussprüche der Einzelnen nicht so viele, um jeden ein- 
zelnen darstellen zu können. 

IV. Die 3. Abtheilung wird dann die Aussprüche, Lehren und 
Aeusserungen des Confucius und seiner Schüler nach Ordnung 
der Materien^ zusammengestellt enthalten. 



1) Meng-tseu war kein unmittelbarer Schüler des Confucius, sondern 371 geboren, nur' 
ein Nachfolger von ihm und nach einigen ein Schüler von Confucius Enkel Tseu-sse, 
wahrscheinlich aber sein Mitschüler, da seine Denkwürdigkeiten aber das 4te der 4 Bücher *■ 
(Sse-schu) bilden und Confucius Grundsätze wohl treu überliefern, Berücksichtigen wir ihn, 
doch abgesondert, schon in der Einleitung und in der 2ten und 3ten Abtheilung mit. Die • 
Arbeit wird dadurch umfangreicher, als wir ursprünglich beabsichtigt hatten, aber erspart 
so eine besondere Darstellung Meng-tseu und seiner Lehre und es schien uns 
nach reiflicher üebei^legung die zusammenhängende Darstellung seines Lebens und seiner 
Lehre mit der von Confucius und seinen Schülern daher zweckmässiger. 



(353) 5 



I. Historische Einleitung. 

1) Die ersten Musterkaiser und Gründer der Sersien Dynastien 
und die früheren .Weisen nach Confucius., seinen Schülern und Meng-tseu. 

Confaciusi beginnt im Öchu-king mit den Nachrichten über Yao, 
Schün und Yü und da auch die anerkannt ächteu Aeusserungen von 
ihm im Lün-iü u. s. w. der früheren Kaiser, welche die spätere Zeit 
an den Anfang der chinesischen Geschichte stellt, nicht erwähnen, so 
werden die Nachrichten über die Anfänge der chinesischen (üeschichte 
in seinem angeblichen Anhange Hi-tse zum Y-king und über die Sau- 
(3) Hoang und U-ti oder die 5 Kaiser^) im Kia-iü wohl für apokryph 
angesehen werden müssen. Im Tschung-yung Cap. 30, 1 heisst es aus- 
drücklich: „Tschung-ni (d. i. Confucius) (überlieferte) folgte als seinen 
Ahnen Yao und Schün; Muster (Hien-tschang) waren ihm Wen- und 
Wu- (wang)." Der Tschao-wen^pien bemerkt dazu: Confucius begann mit 
Yao und Schün; Fo-hi, Schin-nung^) (die früheren Herrscher) waren 
ihm zu ferne. Wir geben daher nur Confucius und seiner Schüler und 
dann Meng-tseu's Aeusserungen über jene alten Kaiser, 

Yao und Schün"^) werden als vortreffliche Herrscher dem tyranni- 
schen letzten Kaiser der 1. 1). Hia Kie (1818 — 1766 v. Chr.) und dem der 
2. D. Schang oder Yn Scheu (11 54 — 1 1 22 v. Chr.) entgegengesetzt. Im Ta-hio 
S. 9, 4 heisst es: „Yao und Schün leiteten (sse) das Reich mit Huma- 
nität und das Volk folgte ihnen; Kie und Scheu regierten das Reich 
mit Gewalt und dns Volk folgte ihnen (wieder). Wenn das, was sie be- 
fahlen, entgegen war dem, was das Volk liebte, so folgte das Volk ihnen 
(aber) nicht." Meng-tseu knüpft daran die Lehre, erst müsse der weise 
P^ürst (Kiün-tseuj selbst eine gute Eigenschaft haben, und darnach könne 



1) Wir geben die Stelle aus dem Anhange Hi-tse zum Y-king und über die U-ti, nämlich 
Hoang-ti, Tschuen-hio, Ti-ko, Yao, Schün und Yü aus einem angp.blichen Gespräche des Con- 
fucius mit seinem Schüler Tsai-rigö,, im Kia-iü TJ-ti te 2.S f. 36 v. — 8 v. , auch im 

., Ta-tai Li-ki im I-sse B. 95, 2 f. 7 v. — 9 v. im Anhange. 

2) Von angeblichen Einrichtungen Schin-nung'a die ein Sectirer zu seiner Zeit wieder auf- 
leben lassen wollte, nach Meng-tseu III, 1, 4, 15 fg. s. unten. 

3) Man setzt gewohnlich Yao 2356^2250, Schün 2255—2205, Yü von 2205— 2197 v. Chr. 



ft (^854) 

er erst bei den Menschen sie suchen; habe er sie nicht selbst, dann 
finde er sie auch nicht beim Volke. Der Fürst soll also als ein Muster 
dem Volke yorleuchten. 

Im Lün-iü 8, 18 — 21 ruft Confucius aus: „Wie majestätisch (wei- 
w§i) war (die Art) wie Schün und Yü das Reich inne hatten, als ob es 
Nichts wäre. Gross ,war, sagt er, Yao als Fürst, wie majestätisch ! Nur 
der Himmel ist gross, nur Yao entsprach ihm. Gross, gross (tang-tang) 
war er. Das Volk hatte keinen Namen dafür. Wie majestätisch waren 
seine vollendeten Verdienste , wie leuchtend (ruhmreich) waren seine 
feinen (zierlichen) Anordnungen (Wen-tschang). Schün hatte 5 Minister 
(Tschin, Diener) und das 'ganze Reich war (gut) regiert. Wu- (wang) 
sagte: Ich habe als ordnende (Juan) Minister 10 Männer. Confucius 
sagte: dass (solche) Talente schwer (zu finden sind), ist dem nicht so? 
Nur unter Thang (d. i. Yao) und Yü (d. i. Schün) waren sie reichlicher 
als in dieser (Dynastie Tscheu), doch hatte dieser eine (ausgezeichnete) 
Frau, (Wen-wang's Mutter) und 9 (solcher verdienten) Männer. Von 
3 Theilen des ganzen Reiches hatte er 2 und damit diente er der D. 
Yn. Die Tugend der D. Tscheu konnte derzeit die höchste Tugend ge-^ 
nannt werden." Hier werden Yao's Einrichtungen , ohne sie näher zu 
bezeichnen, gepriesen und die ausgezeichneten Minister, die ihm und 
Schün und später der D. Tscheu zur Seite standen als Stützen ihrer 
Herrschaft gerühmt. Die 5 Minister Schün's, die hier nicht namentlich auf- 
geführt werden, waren- nach dem Schu-king Yü , Heu-tsi, Sie, Kao-yao 
und Pe-i. Die grosse Wirksamkeit solcher Minister spricht Confucius 
Schüler Tseu-hia im Lün-iü 12,22, 6 aus: „Als Schün das ganze Reich ; 
inne hatte, wählte er aus der Menge und erhob (beförderte) Kao-yao 
und die Inhumanen waren entfernt; als Thang (der Stifter der 2. D.) 
das Reich "inne hatte, wählte er aus der Menge und erhob (zum Minister) 
den Y-yn und die Inhumanen waren entfernt." Er will damit geschicht- 
lich beweisen, dass die Wahl eines guten- Ministers nächst einem guten 
Fürsten erstwesentlich ist. 

Yao wählte bekanntlich, mit Uebergehung seines unwürdigen Sohnes 
Tan-tschu (Schu-king C. Y-tsi II, 4, 8), Schün zum Nachfolger. Schün 
war besonders ausgezeichnet durch seine grosse Pietät. Bei Meng-tseu 
VI, 2,3,5, sagt Confucius: „Schün zeigte die höchste Pietät; noch als 



(355) 7 

Fünfziger hatte er ein liebevolles Verlangen (Mu) nach seinen Eltern." 
Im Tschung-yung S. 17, sagt Confucius: ^„Wie gross war Schün's 
Pietät; seiner Tugend nach war er ein vollendeter Weiser (Sching-jin), 
seiner Würde nach war er der Himmelssohn (Kaiser), im Besitze der 
.4 Meere opferte er im Ahnentempel (Tsung-miao) und seine Söhne und 
Enkel erhielten sie (die Opfer ihm): auf Grund seiner Tugend gelangte 
er auf den Thron, erlangte er seine Einkünfte, erlaugte er seinen Ruhm, 
erlangte er sein langes Leben ^)." 

Im Tschung-yung S. 6 sagt Confucius: ,, Welche grosse Kenntnisse 
besass Schün; Schün liebte aber auch zu fragen und liebte Anderer^) 
Aussprüche (Worte) zu erforschen ; er verhehlte das Schlechte und ver- 
breitete das Gute; er fasste die Sache an beiden Enden an und hielt 
dem Volke gegenüber die (goldene) Mitte und so wurde er Schün" und 
im Lün-iü 15, 4 sagt Confucius: „Der nichts (angestrengt) that und 
doch gut regierte, das war Schün. Er zeigte nur seine würdevolle 
Haltung, das Gesicht nach Süden gewandt und das war^) Alles." Noch 
grösser ist das Lob, welches Confucius im Li-ki Cap. Piao-ki 32 f. 48 
(Cap. 26, p. 161. T. p. 80) ihm ertheilt: ,,So grosse Kaiser auch in den 
folgenden Generationen erstehen mögen, keiner kann Yü (Schün) er- 
reichen; obwohl Gebieter (Kiün). über das ganze Reich, hat er während 
seines ganzen Lebens doch nie sein persönliches Interesse verfolgt (wu-sse) 



1) Im Lün-iü 20, 1, sagt Yao: „0 Schün, der Himmelsbeschluss bestimmt deiner Person die 
Nachfolge, halte fest an der (rechten) Mitte; wenn innerhalb der 4 Meere Bedrängniss 
(Noth) ist, dann haben des Himmels Einkünfte für immer ein Ende" und ebenso sprach 
Schün, als er später Yü das Mandat, (die Kaiserwürde) übertrug. Dieser Ausspruch, ist 
nicht von Confucius," sondern nach verschiedenen Stellen des Schu-king, namentlich II, 2, 
14, 15, wo Schün ähnliches zu Yü spricht, gebildet, s. Legge 1, p. 214. 

2) eul heisst nahe, der nächste. Legge übersetzt though they might beshallow; Colli deemed 
. common and simple; die Bedeutung kommt aber sonst nirgends vor. 

3) Im Ta-tai Li-ki im I-sse 91, 4 f. 28, fragt Tseng-tsen wenn einer nicht spendet (fei) und 
nicht (sich oder das Volk) anstrengt (lao), kann der erleuchtet genannt werden ? Confucius 
sagte bekümmert (thsieu) .... San, meinst Du ein erleucliteter Fürst müsse sich (erst be- 
sonders) anstrengen? Einst hatte Schün zur Linken den Yü, zur Rechten Kao-yao. Er 
setzte sich nicht erst auf seine Matte und' das Reich war (schon gut) regiert. Wenn die Re- 
gierung nicht die Mitte hält, ist es des Fürsten Vergehen (kuo üeberschreitung). Wenn die 
Regierung die Mitte hält, üüd die Erlasse nicht vor sich gehen, so' ist das die Schuld der 
Verwaltenden; Ein erleuchteter Fürst strengt sich nur wenig an. 



8 (356) 

und bei seinem Tode seinen Solin nicht zum Nachfolger ernann 
Er behandelte das Volk, wie Eltern ihre Kinder (tseu min iü fu mu 
hegte gegen dasselbe eine zärtliche Liebe und lehrte es den Nutzen de 
Redlichkeit (tschung). Seine Liebe war voll Achtung , während seine 
Müsse (ngan) war er aufmerksam, bei aller Majestät liebevoll, bei seiner 
ßeichthume beobachtete er die ßrädche (Li); sein Wohlwollen vermocht 
er (überallhin) zu verbreiten; Die Weisen hielten die Humanität hoa 
und scheuten das Recht, sie ervötheten zu verschwenden, achteten göriuj 
die Fülle (schi den Reichthum) ; redlich (tschung) traten sie (ihrem Fürsten 
nicht entgegen, hielten auf das Recht, wussten aber doch (ihren Freunden 
etwas zu gewähren (schün). Im Aeusseren bewahrten sie. eine (vollkommene 
Ruhe, leicht (gefällig) und weit (khuan), wussten sie doch Unterschied 
zu machen." Es fragt sich freilich, ob' diese Aeusserung, welche Con 
fucius über Schün beigelegt wird, acht ist. Diese Bedenken gelten aucl 
einigen andern angeblichen Aeusserungen des Confucius bei Kung-tschung 
tseu, im ' Kia-iü und im Schue-yuen. Wir wollen sie daher unten an 
ziehen, wo wir die spezielleren Aeusserungen Meng-tseu's über, diesi 
alten Kaiser zusammenstellen. ' 

Vom dritten dieser ältesten Musterkaiser Y ü sagt Confucius in 
Lün-iü 8, 21: ,,Ich finde keinen Makel an Yü, ärmlich (fei) waren seil 
Trank und seine Speise, aber er zeigte die grösste Pietät (Frömmigkeit 
gegen die Manen und Geister (Kuei-schin). Nur schlecht (gemein) wai 
seine gewöhnliche Tracht, aber äusserst schön sein Opfergewand (fo" 
und seine Ceremoniemütze; nur niedrig (gemein) war seine Palast- 
Wohnung (Kung-schi), aber er erschöpfte seine Kraft (für das Volk^ 
in Anlegung von Bewässerungs-Kanälen. (Keu Hiue^). Ich fi.nde an Yü 
keinen Makel." Wir finden hier diesen alten Kaiser gerühmt, weil ei 
massig und beschränkt, was seine Person betraf, im Cultus und an dei 
Sorge für das Volk es nicht fehlen Hess. Im Lün-iü 14, 6 hebt ein Schüler 
des Confucius hervor, wie Yü und Heu-tsi^), obwohl sie persönlich das 



1) Die ersten waren i Tschi (Fuss) tief und breit, die zweiten, in welche jene mündeten, 
hielten das doppelte Mass. S. Tscheu-li 43, 42. 

2) Dieser war Minister des Ackerbaus unter Yao und Schün und die 3. D. Tscheu stammte 
von ihm ab. 



(357) 9 

Feld besäeten, doch in Besitz des ganzen Reiches kamen, während der 
geschickte Schütze Y und Ngao, der ein Boot über Land trug, keines 
natürlichen Todes starben ^). ' 

Im Li-ki Cap. Tsche-i 33 (27 p. 165) sagt Confucius: Yü «hatte 
noch nicht 3 Jahre regiert und die 1 00 Familien (d. i. das Volk) übten 
schon die Humanität. 

Diess werden die Hauptstellen sein, die die bestbewährtesten Aus- 
sprüche des Confucius über die 3 alten Kaiser enthalten. 

Weit ausführlicher geht Meng- tseu in die Geschichte Yao's, Schün's und Yü's ein. Yao und 
Schün stellt auch er immer als Muster zusammen auf. „loh wage, sagt Meng-tseu (11,2,2,4') dem 
Könige von Thsi, keine anderen Prinzipien (Tao eig. Weg) vorzuhalten als die Yao's und Schün's ; 
daher kein Mann in Thsi wie ich den König ehrt." IV, 1, 1. heisst es aber: „Trotz Yao's und 
Schün's Prinzipien ohne Humanität, (ohne eine humane Eegierung) lässt sich das Reich nicht 
ruhig regieren." VI, 2, 2, 4 sagt er: „Yao's und Schün's Prinzip waren Pietät und Bruderliebe 
und das war Alles; ziehe an Yao's Kleidung, wiedex'hole Yao's Worte, übe Yao's Thaten,. so bist du ein 
Yao; ziehe an (des Tyrannen) Kie Kleid, wiederhole Kie's Worte, übe Kie's Thaten, sobist du einKie't 
und IV, 1, 2, 2: ,,Wer als Fürst (Kiün) vollständig erfüllen (erschöpfen) will des Fürsten Prinzip, 
wer als Minister erschöpfen will das Princip des Ministers, beide haben als Gesetz oder Muster 
(fa) nur Yao und Schün; wer nicht wie Schün Yao diente, seinem Fürsten dient, der ehrt 
seinen Fürsten nicht; wer nicht' wie Yao das Volk regiert, , der schädigt (verletzt) das Volk." 
VI, 2, 10, 7 sagt er: „Wenn wir wollen die (Abgaben) leichter machen als nach Yao's und 
Schün's Prinzipien (tao), so haben wir einen grossen und kleinen Me (das war ein Sektirer zu 
seiner Zeit); wollen wir sie schwerer (drückender) machen, als nach Yao's und Schün's System, 
so haben wir einen grossen und kleinen (Tyrannen) Kie" und VI, 2, 8, 2: „Ein ununterichtetes 
Volk (im Kriege) verwenden, heisst es verderben; ein Volk so zu verderben, wäre in Yao's und 
Schün's Zeitalter aber nicht geduldet worden," vergl. auch VII, 2. 37, 11. Alle Menschen 
können nach VI, 2, 2, 1 Yao's und Schün's werden; sie waren nach IV, 2, 32, anderen 
Menschen ganz gleich (yü jin thung eul).. Was für ein Mann war Schün, sagt Yen-yuen 
III, 1, 1, 4, — was für ein Mann bin ich; man handle nur ebenso , so wird man wie der." Man 
sieht, diese alten Kaiser wurden , so gepriesen sie auch waren , bloss als menschliche Vorbilder 
betrachtet. 

Spezieller geht Meüg-tseu in folgenden Stellen in die Geschichte von Schün und sein Ver- 
hältniss zu Yao ein. V;,.!, 1, 1, fragt Meng-tseu's Schüler Wan-tschang ihn: Schün ging (nach 
Schu-king 11, 2, 21) auf das Feld und rief weinend den mitleidigen Himmel an. Warum rief er 
ihn an und weinte dabei? Meng-tseu sagte: „Er zürnte und war ehrerbietig (kung)." Wan- 
tschang meint, er sage, er zürnte seinen Eltern und sprach: „Lieben Vater und Mutter einen, so 
freut (der Sohn) sich und vergisst sie nicht; hassen Vater und Mutter einen, so strengt er sich 



1) Der erste enthronte 2l45 v. Chr. den Kaiser Heu-siang und wurde später von seinem 
Minister Han-tso erschlagen; der heirathete seine Frau und dessen Sohn Ngao oder Kiao 
wurde später von Kaiser Schao-kang, dem nachgebornen Sohne Kaiser Heu-siang's , ver- 
nichtet, (s. Ti wang schi ki u. a. imi-sse B. 13 f. 2 v. fg) und Schol. Sse-ki Hia pen-ki B. 2 
f. 15. ' 

Aus d. Abh. d. I. Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XI Bd. II. Abth. (46) 2 



10 (358) 

an (lao), aber, zürnt ihnen nicht. Zürnte Schün ihnen denn? Meng-tseu erwiederte: „Tschhang-si 
fragte (seinen Lehrer) Kung-ming Kao , (einen Schüler Tseng-sin's) : dass Schün auf s Feld ging, 
darüber habe ich deine Belehrung (ming, Befehl) vernommen, aber das er weinte und den mit- 
leidigen Himmel anrief, das verstehe ich noch nicht. Kung-ming Kao sagte: Das verstehst du 
nicht. Dieser meinte:. Das Herz eines frommen Sohnes könne nicht so ohne Sorge (kiai) sein 
(wie das Volk meint). (Schün sagte): Ich verwende meine ganze Kraft auf den Feldbau, aber er- 
fülle ich auch die Pflichten eines Sohnes genügend? Dass Vater und Mutter mich nicht lieben, 
was ist da an mir? (Was versehe ich da noch?) Der Kaiser (Yao) hiess seine 9 Söhne*) und 
2 Töchter, die 100 Beamten (pe kuan) Rinder, Schaafe, Vorrathshäuser und Kornmagazine bereit- 
halten, um Schün zu dienen mitten unter den Bewässei'ungs -Kanälen seiner Felder und 
von des ganzen Reiches (thien-hia) Beamten oder Literaten (Sse) eilten viele zu ihm.. Der Kaiser 
übertrug ihm erst die Mitregierung seines Reiches und übergab es ihm dann (ganz). Aber da 
er nicht folgsam (schün) gegen Vater und Mutter war, dünkte er sich wie ein armer Mann, der 
nicht wisse, wo er einkehre. Dass des Reiches Literaten sich über einen freuen, ist was die 
Menschen wünschen, aber es genügte ihm nicht: seinen Kummer zu entfernen: Schöne zu lieben, 
ist was die Menschen sich wünschen, der Kaiser gab ihm seine 2 Töchter zu Frauen, aber das 
genügte ihm nicht, seinen Kummer zu entfernen; E eich thum ist was die Menschen sich wünschen: 
an Reichthümern besass er das ganze Reich, aber es genügte ihm nicht, seinen Kummer zu ent- 
fernen; Ehrenstellen sind, was die Menschen sich wünschen; was die betraf, war er Kaiser, aber 
es genügte ihm nicht, seinen Kummer zu entfernen. Dass die Menschen sich seiner freuten, die 
Liebe von Schönen, Reichthümer und Ehren, (alles) genügte nicht, seinen Kummer zu entfernen; 
nur die Folgsamkeit gegen Vater "und Mutter vermochte dies. Wenn der Mensch klein ist, liebt 
und ehrt er Vater und Mutter: lernt er hübsche Gesichter kennen, dann liebt er kleine Artemi- 
sien (schöne Frauen); hat er Frau und Kind, so liebt er Frau und Kind; erhält er ein Amt, so 
wendet er seine Zuneigung dem Fürsten zu; erlangt er von seinem Fürsten keine Berücksichti- 
gung, so brennt es ihn inwendig, aber der Höchstfromme (hiao, pius) denkt bis an sein Ende in 
Liebe und Ehrfurcht an Vater und Mutter; wie einer in seinem 50. Jahre noch diese Liebe be- 
wies, ist an dem grossen Schün zu sehen " 

Wenn hier Schün's Pietät erhoben wird, wii'd im Folgenden seine Heirath ohne Ein- 
willigung seiner Eltern Gegenstand der Unterhaltung von Meng-tseu mit seinem Schüler. 
Kurz erklärt er sich darüber IV, 1, 2G, 1: ,,drei Dinge gehören zur Impietät; ohne Nachkommen 
sein, ist die grösste; Schün heirathete (daher) , ohne seine Eltern desshalb anzugehen, weil (er 
sonst) ohne Nachkommen geblieben wäre und die Weisen (Kiün-tseu) urtheilten : es sei, wie wenn 
er es ihnen angezeigt hätte." Ausführlicher ist er V, 1, 2, 1; da fragt sein Schüler Wan-tschang: 
Das Lied (Schi-king I, 8, 6, 3) sagt: Wenn einer eine Frau nimmt , wie muss er da verfahren? 
Er geht desshalb Vater und Mutter an (kao); ist das Wort richtig (sin, treu), so gehörte es sich, dass 
keiner so sehr wie Schün es befolgen musste, aber dieser heirathete, ohne seine Eltern anzugehen. 
Wie war das? Meng-tseu sagte: „Ging er sie darum an, so erlangte er nicht zu heirathen, aber 



1) Der Schu-king im Gap. Yao-tien (I, 1. 12) spricht nur von 2 Töchtern und erwähnt anderswo 
nur einen Sohn Yao's Tan-tschu, aber Meng-tseu wiederholt auch V, 2, 6, 6 ziemlich dasselbe,, 
wo er zeigen will, wie ein Fürst einen Weisen behandeln müsse: „Yaö's Verfahren gegen 
Schün war so: Er hiess seine 9 Söhne ihm dienen und gab ihm seine 2 Töchter zu Frauen. 
Die Unterbeamten, Rinder, Schafe, Vorrathshäuser und Kornmagazine hielt er bereit, um 
Schün zu ernähren mitten unter seinen Bewässerungskanälen und dann erst örhob er ihn und 
setzte ihn auf den hohen Sitz (Thron); daher sagt man: „Das ist wie ein König (Wang) 
und Fürst (Kung) den Weisen ehrt.'' 



(359) 



11 



(lass Mann und Frau eine Familie bilden, dass ist der Menschen grosse Ordnung (lün) ; ging er 
sie darum an, so verstiess er gegen der Menschen grosse Ordnung und machte Vater und Mutter 
verhasst, darum ging er sie nicht desshalb an. Wan-tschang sagte : dass Schün desshalb sie nicht 
anging und doch heirathete, darüber habe ich die p]insicht erlangt , aber dass der Kaiser (Yao) 
sie desshalb nicht anging, wie ist das? Meng-tseu sagte: Der Kaiser wusste ebenfalls, dass wenn 
er ihnen davon sagte, -er nicht erlangte (seine Töchter an ihn) zu verheirathen*)." 

Es gibt nach Einigen, sagt Meng-tseu VI,~ 1, 6, 3 , die von Natur gut sind und die von 
Natur nicht gut sind; als daher Yao Fürst war, gab es einen Siang und der Vater Ku-seu hatte 
einen (Sohn) Schün. S. die ganze Stelle unten. 

Im Folgenden V, 1, 2, 3 und daraus wohl Sse-ki U-ti pen-ki B. 1. f. 15 v. geht Meng-tseu 
näher in das Verhalten Schün's gegen seinen Halbbruder und seine Eltern, die ihn 
verfolgten,' ein: Wan-tschang sagte: ,, Vater und Mutter hiessen Schün ein Kornmagazin oben 
ausbessern, nachdem die Leiter dann weggenommen war, legte Ku-seu (sein Vater) Feuer daran ; 
sie hiessen ihn einen Brunnen graben, er kam heraus, (sie wussten das aber nicht), sie folgten 
ihm und deckten den Brunnen zu. (Sein Halbbruder) Siang sagte: Der Anschlag, den Fürsten 
der (Haupt-) Stadt (Tukiün) zuzudecken, ist ganz mein Verdienst; ("seine) Ochsen und Schafe 
mögen Vater und Mutter (erhalten), seine Vorrathshäuser und Kornmagazine auch; sein Schild 
und Speer, seine Laute, sein Bogen seien aber mein; meines älteren Bruders beide Frauen (Sao), 
heisse ich mein Ehebett machen. Siang ging dann tind trat in Schün's Pallast. Schün sass auf 
seinem Lager und spielte die Laute. Siang sagte: ängstlich (Yo-thao) dachte ich nur an dich 
und schämte sich. Schün sagte: Da sind alle meine Beamten (Diener); leite sie statt meiner!'' 
Ich weiss nicht, ob Schün nicht wusste, dass Siang ihn tödten wollte. (Meng-tseu) sagte: „Wie 
sollte er das nicht wissen?. Aber wenn Siang bekümmert war, war er auch bekümmert, und 
wenn Siang erfreut war, war er auch erfreut." Wan-tschang sagte: So war denn Schün's Freude 
nur verstellt, (gemacht). Meng-tseu aber erzählte ihm darauf ein Geschichtchen von Tseu-i^schang, 
dem Minister in Tsching (s. unten), den der Aufseher des Fischteiches auch hinterging und 
schliesst: So könne der Weise wohl getäuscht werden in- seiner Richtung (fang), aber schwer sei 



1) Auf diese Heirath bezieht sich auch ein angebliches Gespräch des Gonfucius bei Kung- 
tschung-tseu im I-sse 95, 4 f. 6. Da fragt sein Schüler Tscheu-tschang: „Es ist doch Brauch 
(Li), dass der Mann im 30. Jahre heirathe. Einst war aber Schün schon 80 Jahre alt und 
vollständiger als gewöhnlich (tsching yung) ; nun nennt ihn aber der Schu-king einen Manu 
ohne Frau (kuan). Nang-sse befragte desshalb den Meister, und sagte: wenn ein höchst 
Weiser (Sching jin) oben (auf dem Throne) und ein Weiser (Kiün-tseu) in einer Stellung 
(wei) ist, dann-^ibt es im Hause keine zürnende Frau, ausserhalb keinen scheelsehenden 
(kbuang) Mann; '^ wie kam es denn, dass als Yao Kaiser war, unten ein vereinsamter 
(unverheiratheter) Mann war? Gonfucius erwiederte: Wenn ein Mann (Nan-tseu) 22 Jahre 
alt ist, nimmt er den männlichen Hut, und darnach auch eine Frau, das .war durchgehends 
Recht in alter wie neuer Zeit, aber Schün's Vater war stumpf (wan), seine Mutter stupide 
(yin); keines kam dahin, die Grundlagen (tuan) des Hauses und der Familie zu entwerfen 
(tu , d. h. an die Verheirathung ihres Sohnes zu denken) ; drum wurde (Schün) 30 Jahre 
alt und biess noch vereinsamt. Der Schi-king (I, 8, 6, 13 und 1,15, 5) sagt: „Will man 
heirathen, wie geschieht das? Sicher geht man Vater und Mutter desshalb an.'" Sind Vater 
und Mutter noch am Leben, so ist es billig (i), dass sie den Plan zur Heirath enfwerfen 
sind sie gestorben, so nimmt einer sich selbst eine Frau, zeigt es ihnen aber im Ahnen- 
tempel (Miao) an. Nun war Schün vereinsamt (noch unvermählt); sein Vater und Mutter 
aber stumpf und stupide; obwohl nun Yao Kaiser war, was vermochte er über Schün?"". 

2* 



12 (360) 

er zu attrapiren (fangen, wang) bei etwas, was nicht dem rechten Principe (Tao) gemäss sei. 
Siang kam wie einer, der seinen älteren Bruder liebte; (Schün) hielt ihn für ehrlich und freute 
sich darüber. War das Verstellung?" 

Meng-tseu V, 1, 3, 1 rechtfertigt ihn, dass er nach seiner Thronbesteigung seinen Bruder 
auch noch beförderte. Wan-tschang fragt da: „Siang machte es doch wie zu seinem täglichen 
Geschäfte, Schün zutödten ; als dieser nun Kaiser geworden war, entfernte er ihn blos (fang). Meng-tseu 
sagte: er gab ihm ein Lehen, einige sagen: er entfernte ihn. "Wan-tschang sagte: „Es verbannte 
(lieu) (nach Schu-kingll, 1, 12)'Schün den Aufseher über die öffentlichen Arbeiten nach Yeu-tscheu 
und schickte Hoan-tao fort (fang) nach den Berg Tshung , er tödtete (den Fürsten der) San-Miao in 
San-Wei , er setzte Kuan gefangen auf den Berg Yü und nachdem diese 4 Verbrecher so be- 
straft worden waren, war das ganze Reich unterwürfig, denn er züchtigte (tschu) die Inhumanen 
(pu-jin^;" aber Siang war der Inhumanste und den belehnte er mit Yeu-pi. Was hatten die Leute 
von Yeu-pi für ein Verbrechen begangen? Darf ein humaner Mann in Wahrheit so handeln? 
(verfahren?) Ist es ein fremder Mann, dann bestraft er ihn, ist es sein jüngerer Bruder, dann 
belohnt er ihn. (Meng-tseu) sagte: Ein humaner Mann zejgt gegen seinen jüngeren Bruder keinen 
Zorn (nu) und hegt keinen Hass; er hegt nur Zuneigung und Liebe gegen ihn. Da er ihm zu- 
geneigt ist, wünscht er ihn geehrt; da er ihn liebt, wünscht er ihn reich (zu sehen). Indem er 
ihn mit Yeu-pi belehnte , machte er ihn reich und geehrt. Wenn Schün Kaiser und sein jüngerer 
Bruder ein blosser Privatmann (Pi-fu) gewesen wäre , könnte man da sagen, er hatte Zuneigung 
und Liebe zu ihm? Wan-tschang sagte: „Aber einige sagen, er verwies ihn (fang); Was besagt 
das?" (Meng-tseu) sagte: „Siang erlangte nicht in seinem Reiche (Kue) etwas zu thun zu haben, 
sondern der Kaiser sandte einen Beamten, sein Reich zu verwalten und die Abgaben für ihn ein- 
zuziehen. Daher sagt man: er verwies ihn. Wie konnte, er dies Volk bedi-ücken lassen? Dann 
wünschte er auch (seinen Bruder) beständig zu sehen; dieser kam daher fortwährend an den 
Hof und er -wartete nicht die Tributbringung oder Regierungsangelegenheiten ab; das will 
das sagen?" 

Eine weitläufige Erörterung ist bei Meng-tseu V, 1, 4, 1 über das Verhältniss Schün's 
als Kaiser zu seinem Vater Ku-seu. „Hien-khieu-mung, (sein Schüler) fragte und sagte: Ein 
Spruch sagt: ein Sse von vollkommener TugelfB. kann einen Fürsten nicht als Unterthanen, 
(Diener), einen Vater nicht als Sohn behandeln. (Nun aber) stand Schün, das Gesicht nach Süden 
(gewandt) und Yao, die -Vasallenf Ursen anführ;end, machte ihm seine Aufwartung (tschao) ; ebenso 
Ku-seu (sein Vater). Als Schün diesen sah, wurde seine Haltung verwirrt. Confucius sagte: zu 
dieser Zeit war das Reich, in Gefahr , es war jedenfalls in einer gefährlichen Lage (ki-ki). Ich 
weiss nicht, ob dem wirklich so war. „Meng-tseu sagte : „Nein , das ist nicht die Sprache eines 
Weisen, das sind Reden von ungebildeten Leuten aus Ost-Thsi. Als Yao alt war, gesellte ersieh 
Schün zu. Der Yao-tien (Schu-king I, 1) sagt: „Nach 28 Jahren starb der Hochverdiente (Fang- 
hiün, d. i Yao) ; die 100 Familien betrauerten ihn wie einen verstorbenen Vater und eine Mutter 
(Kaopi) 3 Jahre. Innerhalb der 4 Meere verstummten die 8 Töne (der Musik)." , Confucius sagte: 
„Der Himmel hat keine 2 Sonnen, das Volk keine 2 Kaiser (Wang)." Wenn Schün bereits Kaiser 
war und doch (später) alle Vasallenfürsten angeführt hätte zur 3jährigen Trauer für Yao, dann 
hätte es ja 2 Kaiser (Thien-tseu) gegeben." 

Meng-tseu V. 2, 3, 5 sagt: Wenn Schün (an den Hof) kam, den Kaiser zu besuchen, so 
logirte der Kaiser ihn als seinen Schwiegersohn im 2ten Pallaste (Hause) und speiste auch 
bei Schün; so abwechselnd Gast (Pin) und Gastgeber. So war der Kaiser Freund mit dem 
Privatmanne. 

Was das Verhältniss Schün's zu seinem Vater betrifft, so sagte, in obiger Stelle 
des Meng-tseu V, 1, 4, 2 der genannte Schüler: „dass Schün Yao nicht als Diener behandelt, 
darüber habe ich (Deine) Unterweisung (Ming, Befehl) vernommen, aber das Lied (Schi-king) 
(II, 6, 1. 2) sagt: „Unter dem ganzen Himmel ist Nichts nicht des Kaisers Gebiet (Land); bis 



(361) 



la 



zu des Landes Küsten ist keiner nicht des Kaisers Diener." Als Schün Kaiser geworden war, 
erlaube ich mir zu fragen, wie war das, dass Ku-seu nicht sein Unterthan (Diener, Tschin) wurde? 
(Meng-tseu) erwiederte, das wolle das Lied nicht sagen: man müsse eine Stelle nicht gewaltsam 

auslegen und erläutert das durch ein Beispiel. Nichts sei bei der Pietät höher, als seine Eltern 

zu ehren; seine Eltern zu ehren, sei nicht so gross, als sie mit dem ganzen Reiche unterhalten 
(ernähren). Da er (Ku-seu) des Kaisers Vater war, war dies die höchste Ehre; dass Schün ihn 

mit dem ganzen Reiche unterhielt, war das die höchste Art, ihn zu unterhalten. Der Schu- 

king (II, 2,15) sage: „Ehrerbietig seine Pflicht erfüllend, besuchte er (sah) Ku-seu voll Ehrfurcht 
(kuei-kuei) und Scheu (tschai-li) und Ku-seu glaubte ihm und folgte ihm." So konnte der 
Vater nicht zum Sohne gemacht (als Sohn behandelt werden, Jo schi wei fu pu te eul tseu ye). 
Die Frage wegen der Uebertragung des Reiches von Yao an Schün und später von 
Schün an Yü wird von Meng-tseu auch besprochen. III, 2, 4, 1 äussert er nur gelegentlich: ,,Ist 
es nicht gemäss seinem Prinzipe (fei khi tao), so darf einer auch nicht einmal eine Bambuschale 
mit Speise von einem Andern annehmen ; aber gemäss seinem Prinzipe konnte Schün Yao's ganzes 
Reich annehmen." Die eigentliche Erörterung istV, 1,5,1. Da fragt sein Schüler Wan-tschang: 
„Gab Yao Schün das ganze Reich? Meng-tseu sagte: „Keinesweges ; der Kaiser kann keinem 
Menschen (Andern) das Reich geben." „So ; aber Schün hatte doch das Reich , wer gab es ihm 
denn?" Antwort: Der Himmel gab es ihm. — Der Himmel gab es ihm?^) Ertheilte'er ihm 
denn speziell (tschüri, tschün) das Mandat? (Meng-tseu) erwiedert (sagte): „Nein, der Himmel 
redet nicht." Aus dem Hergange (seinem Betragen, Hing) und den Begebenheiten (Sse) war es 
zu ersehen, und das war Alles. Spricht (Wan-tschang): aus dem Hergange und seinem Thun war 
es zu entnehmen ? Wie war das ? Meng-tseu sagte : Der Kaiser kann wohl dem Himmel einen 
Mann vorschlagen (darbringen, eigentlich wie ein Opfer) , aber er kann nicht machen , dass der 
Himmel ihm das Reich gibt. Es können die Vasallenfürsten dem Kaiser wohl einen Mann (zum 
Fürsten) vorschlagen, aber sie können nicht machen, dass der Kaiser ihn zum Vasallenfürsten 
macht. Die Ta-fu (Grossen) können dem Vasallenfürsten einen Mann zum Ta-fu vorschlagen, 
aber sie können nicht machen, dass der Vasallenfürst ihn zum Ta-fu macht. Einst schlug Yao 
den Schün dem Himmel vor, und der Himmel nahm ihn an ; er präsentirte (po) ihn dem Volke 
und das Volk nahm ihn an; daher sage (ich): der Himmel redet nicht, aus dem Hergange und 
den Begebenheiten ist es zu entnehmen iind nichts weiter. (Wan-tschang) sagte: Ich erlaube 
mir die Frage: er schlug ihn dem Himmel vor und der Himmel nahm ihn an; er präsentirte 
ihn dem Volke und das Volk nahm ihn an?" Wie war das? (Meng-tseu) sagte: Er hiess ihn 
den Opfern vorstehen (tschü tsi), und die 100 Geister nahmen das Opfer günstig auf; das ist der 
Himmel nahm ihn an. Er hiess ihn den Reich sangelegenheiten (Geschäften, Sse) vorstehen, 
diese wurden (gut) geleitet und die 100 Familien hatten unter ihm Ruhe, d. i. das Volk nahm 






1) Mit dieser Stelle scheint zu streiten Kung-tschung-tseu im I-sse 95, 4 f. 6 fg. : „Tseu-tschang 
fragt da und sagt: Wenn die heiligen Männer (sching-jin) die Herrschaft (Ming, das 
Mandat) erhalten, erhalten sie sie jedenfalls vom Himmel; nun sagt aber der Schu-king- 
(d Schün-tien II, 4): er (Schün) empfing (Yao's Abdankung, tschung, eig. Ende) im Ahnen- 
saale (wen tsu Yao's) wie ist das? Gonfucius sagte (angeblich): die ihr Mandat vom 
Himmel erhielten, waren Thang und Wu (die Stifter der 2. u. 3. Dyn.); die ihr Mandat 
von Menschen erhielten, waren Schün und Yü. Wer den Schi-, Schu-, Y-(king) und den 
Tschhün-thsieu nicht lieset, kennt die Intentionen (sii^ eig. das Herz) der heiligen Männer 
nicht und vermag auch nicht zu unterscheiden Yao's und Schün's Opferplatz (scheu) (Empfang 
der Herrschaft im Ahnensaale) und Thang's und Wu's (durch den) Angriff (fa, Eroberung)." 



14 



(362) 



ihn an. Der Himmel gab es ihm, die Menschen gaben es ihm; daher sage ich: Der Kaiser kann 
keinem Menschen das Eeich geben. Schün war Yao's Keichsgehülfe (Siang) 28 Jahre über, das 
■war nicht, was Menschen (für sich allein) vermochten, das war der Himmel. Als Yao gestorben 
und die 3jährige Trauer zu Ende war, zog sich Schün vor Yao's Sohne südlich vom Süd- (Hoang-) ho 
zurück. Aber des ganzen Reiches Vasallenfürsten (thien hia tschu heu), die zur Cour kamen, 
(tschao-kin), gingen nicht zu Yao's Sohne, sondern gingen zu Schün; die Prozesse hatten, (Sung- 
yo), gingen nicht zu Yao's Sohne, sondern gingen zu Schün; die Sänger (Ngen-ko) besangen 
nicht Yao's Sohn, sondern besangen Schün. Daher sage ich: Das war (that) der Himmel. 
Nach diesen ging er in das Reich der Mitte, bestieg den Kaiserthron und bewohnte Yao's Pallast. 
Hätte er Yao's Sohn verdrängt (pij, so wäre das eine Usurpation gewesen (tsuan) und der Himmel 
hätte es ihm nicht gegeben; (das Capitel im Schu-king IV, 1, 2, 7) Tai-tschi sagt: „der Himmel 
sieht, was mein Volk sieht, der Himmel hört, was mein Volk hört;" dies besagt das. 

Sein Schüler fährt dann fort V, 1, 6, 1 : Die Leute führen eine Rede : als (das Reich) an 
Yü gekommen und die Tugend in Verfall, übergab dieser daher das Reich nicht einem Weisön, 
(Hian), sondei'n überlieferte es (seinem) Sohne. War dem so? Meng-tseu sagte: Neinl so 
war es nicht. Gibt der Himmel es einem Weisen, so gibt er es eiinem Weisen, gibt der Himmel 
es einem Solme, so gibt er es dem Sohne. Kinst präsentirte Schün den Yü dem Himmel; nach 
17 Jahren starb Schün; nachdem die 3jährige Trauer zu Ende war, ging Yü weg von Schün's 
Sohne nach Yang-tsching (jetzt Tang-fung in Ho-nan-fu). Das Volk des ganzen Reiches folgte 
ihm, wie es nach Yao's Tode nicht Yao's Sohne folgte, sondern Schün. Yü präsentirte (seinen 
Minister) Y dem Himmel; aber (schon) nach 7 Jahren starb Yü. Nachdem die 3jährige Trauer 
vorüber war, verliess Y Yü's Sohn und ging nördlich vom Ki-schan (Berge), aber die zu Hofe 
gingen (courten), die Prozesseführenden gingen nicht zu Y, sondern gingen zu Ki (Yü's Sohne) 
und sagten: Es ist unseres Fürsten Sohn; die Sänger besangen Ki und sagten, es ist unseres 
Fürsten Sohn. Dass Tan-tschu (Yao's Sohn, s. Schu-king C. Yao-tien I, 9 und C. Y-tsi II, 4, 8) 
nicht (seinem Vater), Schün's Sohn diesem auch nicht glich (pu-siao); dass Schün Reichsgehülfe 
Yao's, Yü der Schün's viele Jahre über war, und dass sie ihre Wohlthaten über das Volk lange 
verbreiteten; dass Ki weise und ehrfurchtsvoll seine (Yü's) Principien (Weg tao) fortsetzen konnte, 
während Y nur wenige Jahre Yü's Gehülfe war und er seine Wohlthaten dem Volke noch nicht 
lange hatte erweisen können ; dass Schün's, Yü's und Y's Gehülfenschaft der Zeit (Dauer) nach 
so verschieden war, dass ihre Söhne weise oder ihnen ungleich (entartet) waren, das Alles 
war vom Himmel und nicht was Menschen zu bewirken vermochten. Was keiner thut und es 
thut sich doch, das ist (bewirkt) der Himmel ; was keiner erzielt und was doch erreicht wird, das 
ist Bestimmung (Ming). Soll ein Privatmann,(pi-fu) das Reich (die Herrschaft) erlangen, so muss 
er eine Tugend haben, wie Schün und Yü und der Kaiser muss dazu ihn noch dem Himmel prä- 
sentiren; daher bekam Tschung-ni (Confucius) das Reich nicht. War das Reich Geschlechter hindurch 
in eines Besitz und der Himmel nimmt es ihm, so muss er (ein Tyrann), ein Kie und Scheu sein ; 
daher erhielten Y, Y-yn und Tscheu-kung das Reich nicht. Diess erörtert er "noch etwas §5 und 6 
(s. unten) und schliesst: Confucius sagte, d,ass Thang (d. i. Yao) und Yü (d. i. Schün) ihren 
Ministern den Thron hinterliessen (scheu), der Fürst von Hia (d. i. Yü) und, die (2te und 3te ' 
Dynastie) Yn und Tscheu ihn vererbten (in ihrer J'amilie die Herrschaft fortsetzten) ; ihr 
Recht ist ein und dasselbe." 

Charakteristisch für die Ansichten der Confuceischen Schule von der strengen Gesetz- 
waltung eines alten Richters, wie Kao-yao, ohne Rücksicht auf die Person und anderseits von der 
Pietät Kaiser Schün's, selbst einem verbrecherischen Vater gegenüber, ist noch Meng-tseu YII, 1,35. 
Da fragt ihn (sein Schüler) Thao-yjjg: „Als Schün Kaiser und Kao-yao (sein) Criminalrichter 
(Sse) war, wenn da Ku-seu einen Menschen getödtet hätte, was hätte dieser da gethan? Meng- 
tseu sagte: Er hätte ihn ohne Weiteres ergriffen 1 Ja aber Schün würde ihm das doch verboten 
haben? (Meng-tseu) erwiederte: Wie sollte (konnte) Schün ihm das verbieten? Jener hatte (die 



(363) 15 

Vorschrift des Gesetzes) einmal erbalten. Was hätte nun Schün angefangen (gethan) ? (Ant-wort): 
Dem Reiche zu entsagen, wäre ihm gewesen, wie eine Sandale wegwerfen,; heimlich hätte er 
seinen Vater auf seinen Rücken genommen und wäre mit ihm entflohen bis an den Meeresstrand, 
um da zu wohnen sein Lebelang; liebevoll und froh (heiter) hätte er des Reiches vergessen." 
Wie es nicht auf den Geburtsort ankomme, zeigt Meng-tseu IV, 2, 1, 1 an Schün's und 
Wen-wang's Beispiele s. unten bei Wen-wang. Noch andere Aeusserungen über Schün sind: 
Meng-tseu VI, 2, 15 fühlt Schün noch als Beispiel mit an, wie der Himmel (bedeutende 
Männerj, die er zu höhern Aemtern befördern will, sich erst quälen lässt, „Schün, sagt er, ging vom 
Feldbau (eigentlich den Bewässerungskanälen) aus; Fu-yue^) wurde mitten von seinen Bauten( zum 
Minister erhoben); Kao-ke^) wurde befördert vom Fisch- (fange) und der Salz- (Bereitung oder dem Ver- 
kaufe) ;Kuan I-u") wurde befördert vom Gefängnisse aus (Sse eigentlich ein Richter) ; Sün-scho-ngao*) 
wurde befördert vom Meere aus, (an dessen Ufern er sich verborgen hatte) ; Pe-li-hi ^) wurde 
befördert vom Marktplatze aus. So prüft der Himmel , wenn er einen Mann zu einem grossen 
Amte erheben will, erst sein Herz und seine Absicht durch Leiden, strengt an seine Nerven und 
Knochen, setzt seinen Leib dem Hunger aus, unterwirft (gibt preis) seine Person (ihn) der Armuth. 
stört seine Unternehmungen, um in Bewegung zu setzen seines Herzens Gefühle und ihn anzu- 
stacheln, zu dem, was er nicht vermochte." VII, 1, 16 sagt Meng-tseu: „Als Schün mitten im 
tiefen Gebirge (zurückgezogen) unter Bäumen und Felsen wohnte, mit Hirschen und Schweinen 
herumging, war das, worin er von den rohen Bewohnern des tiefen Gebirges verschieden war, nur 
wenig; aber hörte er nur ein gutes Wort, sah er nur eine gute Handlung, so war es, wie wenn 
der Kiang oder der Hoang-ho sich über seine Ufer ergössen, ihren Strom kann Niemand 
aufhalten." IV, 2, 19, 2 sagt Meng-tseu: Wodurch der Mensch verschieden ist von dem Vieh 
(Geflügel und Wild), das ist nur wenig; die Masse des Volks verwischt (verwirft) den Unterschied; 
der Weise bewahrt (erhält) ihn; Schün war einsichtsvoll (erleuchtet) in vielen Dingen und beobach- 
tete genau der .Menschen Ordnung; er folgte dem Wege der Humanität und des Rechtes, er 
übte nicht express Humanität und Recht." IV, 2, 28, 7 sagt er: „Der Weise hegt sein Lebelang 
Besorgniss (yeu), aber hat keinen Kummer (hoan); was die Besorgniss betrifft, so sagt er (zu sich): 
Schün war ein Mensch, ich bin auch ein Mensch; Schün wurde ein Muster (fa, eigentlich ein '' 
Gesetz) für das ganze Reich und konnte als solches den späteren Generationen vorgehalten 
(überliefert) werden. Ich bin nur noch ein Bauer (Dorfbewohner, hiang-jin), das ist meine Sorge. 
Und worin besteht die Sorge? dass ich wie Schün werde; was aber den Kummer des Weisen 
betrifft, so hat er einen solchen nicht; (denn) was gegen die Humanität ist, das thut er nicht; 
was gegen den Brauch (Li die Civilität) ist, das übt er nicht: und wäre es auch nur eines Morgens 
Kummer, der Weise hat keinen solchen." 11,1,8,3 heisst es: Der grosse Schün war noch grösser 
als Yü; das Gute war (nach ihm) den Menschen gemeinsam; er gab sich (seine Ansicht) 
auf und folgte daher den Menschen (Andern); er freute sich von andern es anzunehmen und das 
Gute zu thun; von dei^^Zeit an, wo er pflügte, säte, töpferte und fischte bis da er Kaiser war, 
nahm er immer von Meiischen (Andern) an; von Andern annehmen das Gute zu thun, ist ihnen 



1) Unter Yn Kao-tsung oder Wu-ting seit 1324 v.Chr. S. Schu-king C. Yue-ming IV, 8. 

2) Er lebte zurückgezogen vom Fisch- und Salzverkaufe, als Wen-wang ihn entdeckte und 
dem letzten Kaiser der 2. Dynastie Yn (seit 1154) zur Anstellung empfahl, vgl. Meng-tseu, 
n, 1, 1, 8. 

3) Der berühmte Minister Huan-kung's von Thsi 685 — 64|,. v. Chr. s. unten. 

4) Minister unter dem 5ten Gewaltherrscher (Pa) Tschhuang-wang von Tschu 613 — 590 
V. Chr. s. unten. 

5) Der Minister von Mu-kung von Tshin 659 — 620 s. unten. 



16 (364) 

helfen, es zu üben; drum ist dem Weisen nichts so gross, als die Menschen das Gute üben zu 
lassen." VII, 2, 6 hebt seinen Gleichmuth in ungünstiger wie in günstiger Lage hervor. „Als 
Schün, sagt er, seinen trockenen Reis mit etwas Kräuter ass, war es, als ob er lebenslänglich es 
80 hätte; als er dann aber Kaiser geworden war, gestickte Roben trug, die Laute spielte und zwei 
Frauen hatte, that er wiederum, als ob es immer so gewesen wäre (als ob er es immer so gehabt 
hätte). VII, 1, 25 sagt er: Wer beim Krälien des Hahnen aufsteht, und sorgfältig (mit Vorliebe 
tseu-tseu) das Gute thut, ist ein Schüler Schün's; wer (aber) beim Krähen des Hahnes aufsteht 
und mit Vorliebe Gewinn macht (nur auf seinen Vortheil ausgeht), ist ein Schüler von Tschi, 
(einem Räuber, nach III, 2, 10, 3). Willst du wissen den Unterschied zwischen Schün und Tschi? 
es ist kein anderer als der Unterschied zwischen eigenem Vortheil (li) und gut sein (sehen). 

Höher als alle Macht galt ihm aber nach Meng-tseuIV, 1,28,1 die Pietät: Das ganze Reich, 
sagt er, war höchst erfreut und wandte sich ihm zu ; aber zu sehen, dass das ganze Reich erfreut 
einem sich zuwende und das (nicht höher achten als) ein Bündel Heu (Gras), das vermochte nur 
Schün. (Die Zuneigung) seiner Eltern nicht erlangen, dünkte ihn als wenn er kein Mensch 
wäre; nicht folgsam gegen die Eltern sein, dünkte ihm, kein Sohn sein. Schün erschöpfte 
vollständig das Mittel (den Weg) seinen Eltern s:u dienen und (sein Vater) Ku-seu wurde dazu 
gebracht, erfreut zu sein; als Ku-seu daran Freude hatte, da war das ganze Reich umgewandelt; 
als Ku-seu erfreut war , waren im ganzen Reiche Väter und Kinder befestigt (in** ihrer Pflicht- 
erfüllung), das heisst die grosse Pietät." 

Yü's Wirksamkeit fällt inYao's und Schün's Regierung. Meng-tseu III, 1, 4, 7, sagt: „Zur 
Zeit Yao's als das Reich ') noch nicht geordnet (ping) war, flössen die weiten Gewässer unge- 
regelt (hung) und überflutheten (fan-lieu) das Reich. Gewächse und Bäume schössen üppig auf, 
Geflügel und Wild schwärmten reichlich umher. Die fünf Feldfrüchte kamen nicht auf; Geflügel 
und Wild bedrängten (pi) die Menschen; die Wege mit den Fussstapfen des Wildes und den 
Fussspuren' der Vögel kreuzten sich im Reiche der Mitte. Yao allein war desshalb besorgt (yeu). 
Er erhob (beföi'derte) Schün und traf Regierungs-Massregeln. Schün sandte Y aus, das Feuer 
anzuwenden; Y legte Feuer an Berge und Seeen (Sümpfe) und verbrannte (deren Gestrüpp) und 
Geflügel und Wild entflohen und vei'krochen (verbargen) sich. Yü trennte die Arme des (Hoang)- 
ho; reinigbe den Tsi und Ta (Fluss) und Hess sie ins Meer abfliessen; er öffnete den Ausfluss 
dem Ju und Han, leitete (regelte) den Hoai und Sse-Fluss ab (pai) und Hess sie in einen Kiang ^) 
sich ei'giessen und darnach erlangte das Reich der Mitte zu essen zu haben. Zu dieser Zeit war 
Yü 8 Jahre abwesend, (draussen), dreimal ging er bei seiner Thür vorbei und trat nicht ein (in 
sein Haus)*), wenn ers auch gewünscht hätte, sein Feld selbst zu bestellen, konnte eres? Heu-tsi 
(der Minister des Ackerbaues) lehrte das Volk säen und ärnten und die- fünf (Arten' von) Feld- 



1) Thien-hia. Legge übersetzt unpassend: Die Welt (the world) und spricht von einer 
allgemeinen üeberschwemmung. Dass es aber nur das Reich bezeichnet, erhellt daraus, dass 
im Folgenden dafür das Reich der Mitte (Tschung-kue, d. i. China) steht ; s. m. Abh. über 
die Glaubwürdigkeit der ältesten chines. Geschichte. Sitzber. d. Ak'ad. 1866. I, 4, 539 fgi: 

2) Tschu-hi bemerkt: Nur der Han ergiesse sich in den Kiang, der Ju und Sse in den Hoai 
und der ins Meer, Meng-tseu irre also ; so wenigstens der Schu-king im Cap. Yü-kung III, 1 
§ 45 und III, 2, 2," § 11. 

3) Meng-tseu IV, 2, 29, 1 sagt Yü und (Heu)- tsi in einer Zeit, die beruhigen sollte, gingen 

3mal an ihrer Thür vorbei, ifhne einzutreten. Confucius nannte sie WSise Yü dachte, 

wenn im Reiche einer ertrinke (ni), so sei es, als ob er ihn ertränkt hätte; Tsi dachte, 
wenn im ganzen Reiche einer verhungere, so sei es, als ob er ihn verhungern Hesse, daher 
nahmen sie (die Sache) so ernstlich. 



(365) 



17 



fruchte pflanijen und anbauen; die fünf Feldfrüohte reiften und die Leute des Volkes waren ge- 
nährt. Für die Menschen gibt es aber eine Regel, (Prinzip, tao'); sind sie wohl genährt, warm 
gekleidet, wohnen bequem, sind aber ohne Unterricht (Belehrung), so nähern sie sich dem Vieh (Ge- 
flügel und Wild); (daher) war dies die Sorge des heiligen Mannes (Schün'sj, und er bestimmte 
Sie zum Vorstande des Unterrichts (Sse-tu), das Volk zu belehren über der Menschen Ordnungen 
(lün); auf dass zwischen Vater und Kind Zuneigung (tsin) sei; zwischen Fürst und Unterthan 
Gerechtigkeit (i); zwischen Mann und Frau Trennung (der Geschlechter pie); zwischen Alten 
und Jungen die gehörige Unterordnung (siü); zwischen Freunden und Genossen-' Treue (sin). 
Fang-hiung (d. i. Yao) sagte") (zu ihm): Ermuntei'e sie (lao), leite sie an(lai), rege sie an (kuang). 
lierathe sie (tschi), hilf ihnen (unterstütze sie, fu), beflügele sie (i), mache, dass sie von selbst etwas er- 
langen (vorwärts kommmen), dann folge ihnen und treibe sie an zur Tugend. Wenn die heiligen 
Männer so um das Volk Sorge trugen, wie hätten sie Muse gehabt, (in Person) das Feld zu be- 
bauen (wie ein Sectirer zu Meng-tseu's Zeit vom Fürsten vei'langte). Yao's Sorge war, dass er 
Schün nicht erhalten möchte; Schün's Sorge war, dass er Yü und Kao-yao nicht erlangte; wer 
bloss besorgt ist, dass seine 100 Morgen nicht gut bebaut seien, das ist ein blosser Bauer (Ackers- 
mann). Meng-tseu 111,2,9,2 sagt, dass das Eeich entstand*''), ist schon lange her, einmal wurde 
gut regiert (tschi); ein andermal herrschte Verwirrung (loen). Zu Yao's Zeit überflutheten die 
Gewässer und ti'aten über im Reiche der Mitte; Schlangen und Drachen bewohnten es und das 
Volk hatte nicht (eine Stelle), sich sicher niederzulassen; unten (in der Niederung) machten sie 
sich Nester (auf Bäumen); oben (im Gebirge) machten sie sich Grotten (yng-ko). Der Schu-king'') 
sagt: „Die grossen, wilden Gewässer mahnen mich"; die wilden Gewässer sind die Wasser der 
Ueberschweinmung. Er sandte Yü, sie zu regeln; Yü öffnete (Kanäle) im Lande und leitete (führte) 
die Wasser ins Meer. Er vertrieb die Schlangen und Drachen, und jagte sie in die Sümpfe (tsai) 
Die Gewässer verliefen sich mitten durchs Land; dies waren der Kiang, der Hoai, der (Hoang-) 
ho und der Hau. Die Verstopfungen wurden entfernt, Vögel und Wild, die dem Menschen ge- 
schadet hatten, verschwanden und darnach erlangten die Menschen einen ebenen Boden, ihn zu 
bewohnen. Die folgende Stelle § 5 über den späteren Verfall des Reiches siehe unten. Bei Meng- 
tseu VI, 2, 11, 1 meint Pe-kuei, (ein Zeitgenosse desselben, der allerlei Neuerungen wollte) seine 
Ableitung der Wässer sei besser gewesen als die Yü's. Meng-tseu aber erwiedert: er irre (weit 
gefehlt). Yü's Leitung der Wässer war so, dass er die Wässer ihren Weg nehmen Hess, Yü 
machte daher die 4 Meere zu ihren Behältern (ho) ; während er (u-tseu, eigentlich: mein Herr) die 
Nachbarreiche zu ihrem Behälter (Kanäle) mache (d. h. sie nur in die Nachbai'staaten leite). 
Wasser, das gegen seine natürliche Richtung fliesst, heisse „Uebertretendes Wasser." Solches 
übertretende Wasser nenne man weite Gewässer; diese verabscheue der humane Mann," IV, 2, 
26, 2 sagt Meng-tseu : „Was man hasst an dem Klugen , ist ihr Anbohren (tso d. i, die Sachen 
zwingen zu wollen, statt es abzuwarten). Wenn die Klugen wie Yü das Wasser ableiteten, dann 
würden sie nicht gehasst werden. Yü's Leitung der Wasser war so, dass sie ihm nichts zu thun 
machte. Er leitete sie nur ihren natürlichen Lauf. Wenn die Klugen auch so ihre Sachen führten, 
dass sie nicht viel dabei zu thun hätten, dann wäre ihre Klugheit auch gross." 

IV, 2, 20, 1 sagt Meng-tseu noch: Yü verschmähete(hasste) süssen Wein, liebte aber gute Worte. — 
Wir haben die Aeussei'ungen, welche Confucius und seine Schüler und Nachfolger, besonders Meng- 



1) Legge III, p. 127 übersetzt unpassend: „posses a moral nature." 

2) Diese Ermphnung findet sich nicht im Schu-king. 

3) Thien-hia tschi seng. Legge II, 155 übersetzt wieder lalsch : a longtime has elaj)sed since 
this World of men received its beings; von einer history of mankind ist nicht die Rede. 

4) C. Ta Yü rao II. 2, 14. 

Ausd. Abh.d. I.CI.d.k.b.Ak d Wiss.XLBd. II. Abh. _ (47) ;! 



18 - (366) 

tseu Übel* die 3 grossen Kaiser, die an der Spitze der altchinesischen Geschichte stehen, zusammen- 
gestellt; andere angebliche Aeusserungen von Confucius und seinen Schülern sind-unsicherer. 

Die ächten Aeusserungen des Confucius und seiner Schüler lassen sich wohl alle auf die 
Angaben des Schu-king zurückführen, während Meng-tseu offenbar schon manchen Zug aus der 
Tradition hinzufügt; beiden ist aber gar nicht Zweck, Geschichte zuschreiben, sondern diese alten 
Kaiser sind ihnen nur Muster und sie dienen ihnen bloss einzelne Punkte ihrer Lehre, auf welche 
wir im 2. Theile zurückkommen werden, zu erläutern und zu bekräftigen. 

Mit Yü, dem sein Sohn Ki folgte, beginnt die 1. D. Hia. Dass 
mit dieser Erblichkeit kein Verfall der Tugend begann, wie man seiner 
Zeit meinte, führt Meng-tseu V, 1, 6, 1 aus, s. oben S. 362. Aber von 
seinen Nachfolgern wird bei Confucius und seinen Schülern und auch 
bei Meng-tseu skaum Einer erwähnt ausser der letzte Kaiser Kie, 
durch dessen Tyrannei die Dynastie die Herrschaft verlor und auch 
dieser nur kurz und im Gegensatze der alten ^), weisen Kaiser. S. schon 
oben S. 353 fg. 

Meng-tseu VII, 2, 9, 1 sagt: „Wenn ein Fürst nicht dem rechten Wege (tao) folgt und seine 
Richtung nicht auf die Humanität geht und einer sucht ihn zu bereichern, so heisst das einen Kie 
bereichern." VI, 2, 10, 7 s. schon oben S. 357. IV, 1, 9, 1, sagt Meng-tseu, dassKieund Scheu das 
Reich verloren, war weil sie ihr Volk verloren, sie verloren ihr Volk, weil sie dessen 'Zuneigung 
verloren. Das Reich zu erlangen, gibt es einen Weg: man müss sein Volk erlangen (gewinnen); 
das Volk zu gewinnen, gibt es einen Weg: man gewinne sein Herz (seine Zuneigung); sein Herz 
zu gewinnen gibt es einen Weg: was es wünscht, das gib und gewähre ihm und was es verab- 
scheut (nicht mag), das lege ihm nicht auf. Das Volk wendet sich der Humanität zu, wie Ge- 
wässer abwärts gehen (fliessen) und Wild in die-Wildniss läuft; wie daher die P^ischotter ins 
tiefe Wasser die Fische treibt {jagt ), -wie der Habicht in die Dikichte die kleinen Vögel, so halfen 
Kie und Scheu (den Stiftern der 2. und 3. Dyn.) Thang und Wu das Volk ihnen zuzutreiben. 
Meng-tseu I, I, 2, 4 citirt die Stelle des Schu-king C. Thang-schi (111,1,3), wo das Volk spricht: 
„0 Sonne, wann wirst du doch (zu Grundel gehen (wang), gerne wollen wir mit Dir zu Grunde 
gehen. Wenn so das Volk (wie bei Kie) mit ihm zu sterben wünscht, hätte der (Fürst) da auch 
Lust-Thürme (-Häuser), Teiche, Geflügel und Wild , wer kann denn allein sich freuen ? 



1) Im Kia-iü 13, f. 7 v. sq. und auch im Schue-yuen im J-sse 86, 1 f. 53 sagt Confucius in 
einem Gespräche mit Ngai-kung von Lu. "Einst war Kie (von d. D. Hia), was Ehren he^ 
trifft, Himmelssohn (Kaiser) ; an Reichthümern hatte er die 4 Meere, aber er vergass seiner 
heiligen Ahnen Weg (Tao), zerstörte (kuei) ihre Gesetze und Anordnungen und unteruess 
die Opfer der Geschlechter, ergab sich Ausschweifungen und Vergnügungen , er gab sich 
übermässig dem Weine (Trünke) hin, schmeichlerische Beamte verleiteten sein Herz, recht- 
schaffene Beamte öffneten den Mund nicht mehr, es entflohen Verbrecher und er sagte 
nichts; Thang (im Kia-iü; das Reich) bestrafte Kie und hatte (besass) sein Reich. Diess heisst 
seine Person gänzlich vergessen." Ich bin nicht gewiss, ob der Text und die Uebersetzung 
sicher ist; der Text des Schue-yuen weicht sehr ab. 



(367) 19 

^ Bei Meng-tseul, 2, 8, 1 wirft Fürst Siuen-wang von Thsi die Frage auf, ob Thang den Kie 

verbannt und Wu-wang den Scheu (er) geschlagen habe? Meng-tseu erwiedert: „So sagt die 
üeberlieferung. (Schu-king IV, 2, 3, und V, 1). Darauf fragt der König: Darf denn ein Unterthan 
seinen Fürsten tödten? und Meng-tseu gibt die uns befremdende Antwort: Wer die Humanität 
verletzt, ist ein Räuber, wer das Recht verletzt, ist ein Tyrann (Tsan Vernichter); Tyrannen und 
Räuber nennen wir einfach Menschen (I-fu). Ich habe nun wohl gehört , dass er einen Menschen 
(den Scheu) tödtete, aber ich habe noch nicht- gehört , dass er einen "Fürsten tödtete." (Der Ge- 
danke ist: der Tyrann hört auf Fürst zu sein). 

Das Ende des letzten Kaisers der I.Dynastie, des tyrannischen Kie, 
führt uns unmittelbar zu dem Stifter der 2. Dynastie, Tschhing-thang 
(1766 — 53), der von Confucius Schule nun wieder gefeiert und erhoben 
wird. Der Lün-iü 20, 1, 3 citirt aus Schu-king C. Thang-kap IV, 3, 4 — 8. 
die Stelle: „Ich kleines Kind Li, (das war sein Kindername), wage 
mich eines dunkelfarbigen Opferstieres, (der nur dem Kaiser zukam), 
zu bedienen und" wage Dir es zu melden, hocherhabner Fürst und Kaiser 
(d. i. Gott); dem Verbrecher wage ich nicht zu verzeihen. Des Kaisers 
(Gottes) Diener lasse (halte) ich nicht im Verborgenen (ohne Amt). Die 
Prüfung steht bei des Kaisers (Gottes) Herz (Du magst mein Thun prüfen). 
Begehe ich Vergehen, so lege ich sie nicht dem zahlreichen Volke zur 
Last, wenn aber das zahlreiche Volk Vergehen begeht, so trifft die 
Schuld meine Person." 

Im Ta-hio Gap. 2, § 1 heisst es: „Auf der Badewanne von Thang 
waren die Worte eingegraben: Wenn, du einen Tag Dich erneuen kannst, 
so erneue Dich Tag für Tag und wiederum: täglich erneue Dich." Ob- 
wohl nicht eigentlich Worte von Confucius oder seinen Schülern führen 
sie im Sse-schu sie doch an. Von seinem Minister Y-yn sagt Tseu-hia 
im Lün-iü 12, 22, 6: „Als Thang in Besitz des Pteiches war, wählte 
er aus allem Volke (aus der Menge) den Y-yn aus und erhob ihn und 
* die ohne Humanität (Jin) und die ohne Tugend waren, wurden entfernt." 

AuchMeng-tseu istThang ein Musterkaiser; nach Meng-tseu VI, 2, 2, 1 war Tschhing- 
' thang 9 chin. Fuss gross s. unten bei Wen-wang. IV, 2, 20, 2 sagt er: „Thang ergriff die Mitte 
und stellte Weise an ohne Rücksicht auf die Gegend, aus der sie kamen." II, 2, 12, 1 wird Meng- 
tseu vorgeworfen, dass er den König von Thsi nicht zu einem Thang oder Wu- (Wang) habe 
machen können, I, 2, 11, 1, als Thsi das Reich Yen geschlagen und eingenommen hatte und die 
Vasallenfürsten sich vereinigten, Yen zu Hülfe zu kommen, fragte Siuen-kung von Thsi ihn, was 
er dabei zu thun habe? Meng-tseu erwiederte und sagte: Dein Diener hörte, wie einer mit nur 
70 Li zur Herrschaft über das ganze Reich gelangte. , Dies war Thang ') ; ich habe aber noch 



1) Diess hebt Meng-tseu auch II, 1, 3, 1 hervor, s. unten. 

3' 



20 ' (368) 

nicht gehört, das8 einer mit (einem Reiche von) 1000 Li (wie Thsi) die Menschen gefürchtet 
hatte und citirt dann die Stelle des Schu-king C. Tschung hoei tschi kao IV, 2, 6." Thang führte 
nur einmal*) einen Strafkrieg (tsching). Mit Ko^) begann er; das ganze Reich vertraute ihm. 
„Wandte er gen Osten das Gesicht, ihn in Ordnung zu bringen, so zürnten die Westbarbaren 
(Si-J); wandte er nach Süden das Gesicht, ihn in Ordnung zu bringen, so zürnten die Nordbar- 
baren (Pe-ti) und sprachen: Was setzt er uns hintenan." Das Volk blickte auf ihn, wie bei 
einer grossen Dürre man ausschaut nach Wolken und nach dem Regenbogen. Die auf die Märkte 
gingen, hielt er nicht an ; die Ackernden änderten nicht (ihre Beschäftigung) : er bestrafte ihre 
Füi'sten und tröstete (condolirte) ihr Volk. Wie wenn Regen herabkommt, so war das Volk sehr 
erfreut. Der Schu-king sagt: „Wir warten auf linsern Fürsten, dei" Fürst kommt und wir 
leben wieder auf." Dieselbe Stelle wiederholt er III, 2, 5, 3 und 4 und kürzer VII, 2, 4, 3. 
I, 2, 3, 1 fragt Siuen-kung von Thsi, ob es eine Regel (tao Weg) für den Verkehr mit den Nach- 
barreichen gebe und Meng-tseu sagt: es gibt eine; nur der Humane (Tugendhafte, jin) kann mit 
einem grossen (Reiche) einem kleinen dienen, daher diente Thang Ko, Wen-wang diente den 
Barbax'en Kuen (J). Das Folgende s. unten. III, 2, 5, 2 geht er näher in diese Geschichte 
ein : „Als Thang in Po wohnte, war er Nachbar von Ko ; der Pe (Fürst) von Ko war ausschwei- 
fend (fang) und opferte nicht. Thang sandte Männer ,. ihn zu fragen, warum er nicht opfere? 
Er sagte: Ich habe nicht die. nöthigen Opferthiere (Hi-seng); da sandte Thang zu Geschenken 
ihm Ochsen und Schafe. Der Fürst -von Ko aber verzehrte sie und opferte wieder nicht. Thang 
sandte wieder Männer, ihn zu fragen, warum er nicht opfere? Er sagte: Ich habe nicht Mittel, 
die Hirse (dazu zu bekommen^. Thang sandte nun eine Menge (Volk^ nach Ko, die kamen für 
ihn zu pflügen, während Greise und Schwache ihm Speise 'brachten. Der Fürst von Ko aber 
führte sein Volk hin, denen, welche Wein, Speise, Hirse und gekochten Reis hatten, dies abzu- 
nehmen und die es nicht hergaben, tödtete er. So war da ein Knabe, der Hirse und Fleisch (den 
Ackernden) brachte, den tödtete und beraubte er. Wenn der Schu-king (IV, 2, 6) sagt: „Ko's 
Fürst trat feindlich auf gegen fbehandelte feindlich) die, welche Proviant brachten ," so will dies das 
sagen: Weil er diesen Knaben getödtet hatte, bekriegte er (Thang) ihn und innerhalb der 4 Meere, 
sprachen alle: nicht weil er die Reichthümer des ganzen Reiches begehrt, sondern wegen eines 
Privat- (gewöhnlichen) Mannes, wegen . einer Privat- (gemeinen) Frau trat er feindlich gegen ihn 
auf." (Nun folgt die Stelle die oben schon aus I, 2, 11, 1 angeführt ist). 

Meng-tseu IV, 2, 20, 2 sagt: ,,Thang erginff die Mitte und stellte Weise (Hien) an, o'hne 
(Rücksicht) auf das Land (Wu-fang)." 

Sein leitender Minister war wie gesagt Y-yn. Meng-tseu VI, 2, 6, 2 sagt: „Er kam 5 mal 
zu Thang und 5 mal zu Kie (zu jenem auf seine dringende Einladung, zu diesem , ihn zu warnen 
zu ermahnen" (dies kommt sonst nicht vor). Es gingen zu Meng-tseu's Zeit allerlei Geschichtchen 
über die Art, wie der Minister zu ihm gekommen sei. Bei Meng-tseu V, 1, 7, 1 — 5 fragt sein 
Schüler Wan-tschang ihn: „Die Leute sagen, dass Y-yn durch seine Kochkunst Thang gewann, 
(yao); war dem so?"; Meng-tseu sagte; „Nein, dem war nicht so. Y-yn ackerte auf Sin's'^J Fel- 
dern und freute sich der Prinzipien (des Weges tao) von Yao und Schün. Was gegen sein Prinzip 



1) Statt dessen heisst es III, 2, 5, 4: Er bekriegte eilf (Fürsten) und hatte doch keinen Gegner 
im ganzen Reiche. 

2) Im jetzigen Ning-ling in Kuei-te fu in Ho-nan. 

ä) unter der D. Tscheu Ke, jetzt Schen-tscheu in Ho-nan. Y-yn soll im Gefolge einer Tochter 
des Fürsten von Sin, die Thang heirathete, mit seinem Geschirr zu diesem gekommen sein 
und durch Tranchiren und Kochen sich bei ihm in Gunst gesetzt haben s. Sse-ki Yn Pen- 
ki 3 f. 2 V. 



(369) 21 

war und wäre dei" Gewinn davon das ganze lleich gewesen, er wendete den Kopf nicht hin, 
(schaute es nicht an) und hätte man ihm tausend Viergespanne angeschirrt, er hätte nicht hin- 
geblickt. Was gegen sein Prinzip war und hätte es auch nur einen Strohhalm betroffen , er 
hätte ihn nicht den Menschen gegeben, und wäre es auch nur ein Strohhalm, er hätte ihn nicht 
von Menschen angenommen. Thang sandte Männer mit Seidenzeugen , ihn zu sich einzuladen, 
aber gleichgültig (hiao hiao) 'sagte er : Was soll ich mit Thang's Einladungsgeschenken thun? 
ist es (für mich), wie mitten auf meinen Feldern (unter meinen Bewässerungskanälen) zu wohnen 
und mich der Prinzipien Yao's und Schün's zu freuen ? Thang sandte dreimal Boten , ihn einzu- 
laden. Da änderte er seinen Entschluss (fan yanpei) und sagte: Was wohne ich inmitten meiner 
Bewässerungskanäle, mich der Prinzipien Yao's und Schün's zu orfreuen? Ist das, wie wenn ich 
.diesen Fürsten zu einem Fürsten wie Yao und Schün mache; wenn ich dies Volk zu Yao's und 
Schün's Volk mache? Ist es (so gut) als wenn ich dieses in eigner Person sehe? Als') der 
Himmel dieses Volk schuf, Hess er die früher Wissenden . unterweisen die später Wissenden, "liess 
er die zuerst gelernt hatten belehren die später lernenden. Ich bin einer von des Himmels Volke, 
der zuerst gelernt hat (belehrt ist); ich will in diesen Prinzipien .dieses Volk unterweisen; denn 
wenn ich es nicht unterweise , wer würde es dann thun ? Er dachte , wenn unter dem Volke 
des ganzen Keich es auch nur ein gewöhnlicher Mann eine gewöhnliche Frau der Wohlthaten 
Yao's und Schün's nicht theihaftig würde (Pi eigentlich bedeckt damit wäre), das sei, als ob er 
es (sie) in Kanäle gestürzt hätte. So übernahm er selbst die schwere Ijast im Reiche; daher 
ging er Thang entgegen und ermunterte ihnHia anzugreifen und dem Volke zu Hilfe zu kommen. 
Ich habe gehört, dass Y-yn mit Yao's und Prinzipien Thang anging; ich habe aber nicht 
gehört, dass er als Koch zu ihm kam. Im Schu-king Cap. Y-hiün heisst es: „Als der Himmel 
(Kie) zu strafen begann, 'begann er ihn anzugreifen vom Pallaste von Mu^) aus (soll heissen: 
Kie's Grausamkeiten in seinem Pallaste zu Mu veranlassten den- Himmel zuerst ihn zu vernichten), 
ich begann mit Po." 

Die Frage, ob und wann man einem Fürsten dienen dürfte, beschäftigte die Schüler und 
Nachfolger des Confucius sehr. Die früheren Weisen befolgten in dieser Beziehung verschie- 
dene Prinzipien. So Pe-i und unser Y-yn. Wir werden auf Jenen noch""- zurückkommend 

]Sin anderer Punc't ist das Verhalten des Fürsten gegen einen weisen Minister. 
Meng-tseu II, 2, 2, 8 (7) heisst es : „Der 1* ürst, der Grosses ausrichten will , hat sicher einen 
Minister (tschin, Diener), den er nicht nur so zu sich ruft; will er einen Weisen umEath fragen, 
so geht er ihm entgegen ; wenn seine Art die Tugend zu ehren und sich der rechten Prinzipien 
zu erfreuen, nicht dieser Art ist, dann ist er nicht werth, einen (solchen Weisen zum Minister) 
zu haben. So war das Verhalten von Thang zu. Y-yn. Er lernte von ihm und darnach machte 
er ihn erst zu seinem Minister. Daher wurde er dann auch ohne Mühe ein rechter König (Wang). 
Ebenso verfuhr später Huen-kung von Thsi mit Kuan-tschung ; erst lernte er von ihm und dann 
machte er ihn zu seinem Minister. Daher wurde er denn auch ohne Mühe Gewaltherrscher (Pa). 
Zu seiner Zeit dagegen wollten die Fürsten Minister haben, die sie belehrten und liebten keine, 
von denen sie Belehrung empfingen (Als Gegensatz zu diesen führt Meng-tseu jene frühern 
Fürsten an). Thang stand zu Y-yn und Huan-kung zu Kuan-tschung so, dass jene sich nicht unter- 



1) Die folgende Stelle steht auch Meng-tseu V, 2, 1 3. Da geht vorher: ,,Y-yn sagte: wem 
soll ich dienen, ausser dem Fürsten; wem befehlen, ausser dem Volke. Bei einer guten 
Regierung trat er ins Amt, bei einer schlechten trat er auch ins Amt", welche letzte 
Aeusserung auch II, 1, '2, 22 sich findet. 
2) Schu-king IV, 4, 2 lautet aber von Ming-tiao ; einige meinen daher Meng-tseu habe einen 
andern Text des Schu-king vor sich gehabt. 



22 . (370) 

standen, diese herbeizurufen. Wenn letzterer sich nicht von seinem Fürsten herbeirufen liess, 
um wieviel weniger er (Meng-tseu), der Ku&n-tschung für weit unter sich stehend betrachtete. 
Nach Tsching-thang's Tode führte Y-yn die Regierung und sperrte dessen Sohn und Nachfolger 
ein, da er nicht gut that, bis er sich gebessert hatte. Meng-tseu V, 1, 6, 5 (II, 3, 22) sagt : ,,Y-yn 
unterstützte als Minister (Siang) Thang, dass er Kaiser (Wang) über das ganze Reich wurde. 
Als Thang gestorben, war seih SoHn Tai-ping noch nicht (auf den T'hron) gelangt (li) (vorher 
gestorben), Wai-ping war erst 2, Jahre, Tschung-jin erst 4 Jahre alt'). Thai-kia (Tsching-thang's 
Sohn), (der nun folgte), wollte Tliang's Statute (Tien) und- Gesetze (Hing) umstürzen, aber Y-yn 
verwies ihn (fang) nach Thung (wo das Grab Thang's war) 3 Jahre fdie Trauerzeit über). Tai- 
ping reuten dann' seine Vergehen, er zürnte über sich selber und besserte sich; während 
er in Thung war, übte er, Humanität und wandte sich zur Gerechtigkeit; 3 Jahre hörte er Y-yn's 
Rathschläge (Belehrungen) und darauf kehrte (Y-yn mit ihm) zurück nach Po (der damaligen 
Residenz). Dasselbe wiederholt Vll, 1, 31, 1. 'Meng-tseu's Schüler Kung-sün-tscheu citirt da die 
Stelle des Schu-king C. Thai-kia IV, 5, 3, 9, wo Y-yn sagt: „Ich kann nicht um ihn sein, wenn 
er nicht folgsam ist; darauf verwies pv Thai-kia nach Thung und das Volk war erfreut. Als 
Thai-kia dann weise geworden war, führte er ihn wieder zurück und das Volk war wieder er- 
freut." Kann (fragt der Schüler Meng-tseu darauf) aber, wenn ein Weiser Minister ist und sein 
Fürst nicht weise ist, dieser ihn denn verbannen? Meng-tseu erwiedert: Hat er die Absichten 
dabei, wie Y-yn, dann kann er es; hat er aber Y-yn's Intention nicht, dann wäre es Usurpation 
(tschuan). " . • 

Aus der späteren Zeit in der 2. Djn. ist Kaiser. Kao-tsung oder 
Wu-ting (1324 — 1266 v. Chr.) zu erwähnen. Dieser Kaiser veranlasst 
den Schüler des Confucius Tseu-tschang im Li-ki Cap. Fang-ki 30 f. 27 
und Tan-kung IV f. 68 v. , auch im Lün-iü 14,43 und im Kia-iü 41 
f. 14 zu der Fra^e, ob er wirklich nach Schu-king III, 8, 1. drei Jahre 
über kein Wort gesprochen hai)e ? Confucius erwiedert ihm : „Nein^ 
vor Alters führte, wenn der Kaiser starb, (während der 3jährigen 
Trauer) der Tschung-tsai die Regierung und der Erbprinz hörte bei ihm 
drei Jahre." 

Kao-tsung's oder Wu-ting's Minister war Fu-yue, dessen Erhebung vom einfachen Bau- 
meister zum Premierminister in Folge eines Traumes des Kaisers der Schu-king (Cap. Yue-ming 
IV, 8 erzählt. Meng-tseu VI, 2, 15 führt ihn unter denen an, die der Himmel, wie Sch'ün , erst 
in drückender Stellung erprobte, ehe er sie zu hohen Aemtern erhob; s. die ganze Stelle oben. S. 363. 

Was die folg'enden. Kaiser der 2.",Dyn. betrifft, sagt Meng-tseu II, 1, 1, 8: „Von Thang 
bis Wu-ting (1765 — 1323 v. Chr.) erstanden 6 — 7 weise und heilige Füi-sten (hien tschi kiüri). Dass 
das ganze Reich zur Dynastie Yn hielt, war schon lange; da sie schon lange dauerte, war der 
Wechsel schwer. Wu-ting empfing am Hofe alle Vasallenfürsten und hatte das ganze Reich inne, 
wie wenn er etwas in der Handfläche umkehrte. (Des letzten tyrannischen Kaiser's der 2. Dyn.) 



1) So Julien und Tschhing. Nach Schu-king C. Y-hiün (IV, 4) folgt Tai-kia nämlich unmittel- 
bar auf Tschhing-Thang. Noel und Legge p. 263 mit Tschao-khe und dem Sse-ki 3 f. 5 
verstehen wohl irrig :. sie regierten, s. Julien T. II p. 86., 



(371) 23 

Scheu (1154—1123) Abstand (Entfernung) von Wu-ting, war noch nicht lange her und da waren 
noch ihre alten* Häuser (Familien) und die alten Sitten; es flössen (erhielten sich) noch die Ge- 
wohnheiten und die gute Regierung uiid bestanden fort; auch gab es da noch den Wei-tseu, 
den Wei-tschung, den Kaisersohn Pi-kan, den Ki-tseu und den Kao-ke, lauter weise 
Männer, die (den letzten Kaiser der 2; Dynastie) bei der Führung der Regierung unterstützten. 
Daher währte es lange und darnach erst verlor (Scheu das Reich), Da war kein Fuss Landes, 
den er nicht hatte (besass), nicht ein Volk, das nicht sein Unterthan war. Wen-wang, (der ^ 
Stifter der S.Dyn.) erhob sich erst nur mit einem Gebiete von 100 Li; daher war es für ihn 
schwer (die Herrschaft zu erlangen). Obwohl Wen-wang's Tugend so gross war und er nach § 7 
erst in einem Alter von hundert Jahren starb, war er doch noch nicht durchgedrungen' im ganzen 
Reiche und seine Söhne Wu-wang und Tscheu-kung mussten erst (sein Werk) fortsetzen und dar- 
nach wurde seine Wirkung (sein Einfluss) gross. Meng-tseu führt dann § 9 ein Sprichwort des 
Reiches Thsi an: ,;tlat einer auch Weisheit und Geschick, es kommt nichts dem gleich, als die 
günstige Gelegenheit ergreifen." IH, 2, 9, 5 springt Meng-tseu von Yao und Schün (etwas frei) 
gleich auf Tscheu-kung über: „Nach Yao's und Schün's Tode, sagt er da, verfielen der heiligen 
Männer Prinzipien (Tao); grausame Fürsten erstanden nacheinander, sie rissen Häuser (kung-schi) 
des Volkes (nieder); daraus Fisch- und Lust-Teiche zu machen, so dass das Volk keine Platz hatte 
auszuruhen und aufzuathm6n. Sie nahmen ihm die Felder weg, daraus Parke und Lustgärten zu 
machen, so dass das Volk nicht Kleider noch Speise hatte; verkehrte Reden, grausame Hand- 
lungen entstanden (wurden geübt). Der Parks und Lustgärten, der Lustteiche und Seen waren 
viele und Geflügel und Wild häufte sich, bis zur Zeit von Scheu das ganze Reich in grosser Ver- 
wiri'ung war. Da unterstützte Tscheu-kung Wu-wang, tödtete (den Tyrannen) Scheu, griff Yen^) an 
und nach 3 Jahren vernichtete er dessen Fürsten. Er vertrieb Fei-lien (den Favoritminister und 
Helfershelfer des Tyrannen) in einen Meereswinkel und erschlug ihn''); 50 Reiche vernichtete er.- 
Er verjagte Tiger, Leoparden, Rhinozerosse und Elephanten und entfernte sie. Das ganze Reich 
war sehr erfreut; der Schu-king C. Kiün-ya (V, 25, 6) sagt: „Glänzend waren Wen-wang's Ent- 
würfe, durch Wu-wang's glänzende Thaten (wurden sie ausgeführt). Sie unterstützen und be- 
lehren uns nachfolgende Menschen; sie sind alle recht und. sonder Mackel (Risse)." Man sieht 
;, (schon aus dem Tone), diese ganze überschwengliche Schilderung ist nichts weniger als rein ge- 
schichtlich, sondern apologetisch ausgeschmückt und idealisirt. 

Was die einzelnen Persönlichkeiten zu Ende der 2. Dy- 
nastie betrifft, so finden wir bei Confucius nnd seinen Nachfolgern 
über diese nach mancherlei Aussprüche. 

Was den letzten Kaiser der 2. Dynastie betrifft, so meint 

Confucius Schüler Tseu-kung im Lün-iü C. 19, 20 ,,Scheu's Schlechtigkeit 

(Pu-schen) sei eigentlich doch nicht so gross gewesen, daher meide der 

Weise in niederer Stellung zu weilen, (den schlechten Ruf), wo alles 

Böse aus dem ganzen Reiche zusammenfliesse." 

# 

Die Stelle Meng-tseu's IV, 1, 9, 1, wie Kie und Scheu das Reich verloren, auch die Stelle 
V, 1, 6, 4, wie bei Fortvererbung des Reiches , um das Reich zu verlieren, immer ein Kie und 
Scheu sein müsse, sind schon oben S. 366 und 867 mitgetheilt. 



1) In Kio-feu, in Schan-tung. 

2) Sse-ki Tshin Pen-ki 3 f. 2 erwähnt Fei-lien, aber nicht dieses Ende desselben. 



124 (372) 

Bei Meng-tseu VI, 1, 6, 3 sagt sein Schüler Kung-tu-tseu: „Einige sagten, die Natur (des 
Menschen) könne so sein, dass er das Gute thue,,al)er auch so, dass er das Nichtgute thue; als daher 
Wen und Wu sich erhoben, liebte das Volk das Gute, (dagegen) als (dieKaiser) Yeu und L i erstanden, 
liebte es die Grausamkeit. Andere dagegen sagten, es gibt welche, die von Natur gut sind und die 
von Natur nicht gut sind, als daher Yao Füi^gt war, gab es einen Siang und der Vater Ku-seu 
hatte (einen Sohn) Schün; (und als der' Tyrann) Scheu, der Sohn ihres älteren Brudez-s, Fürst 
war, gab es einen Khi-tsen von Wei; und einen Pi-kan.^ (Beide heissen hier seine Oheime; 
nach dem Schu-king. war Khi sein Halbbruder;. Im Lün-iü 18, 1 heisst es: Der Tseu von -W ei 
verliess (den Hof), Khi-tseu wurde ein Sclave (von Scheu): Pi-kan ermahnte (den Tyrannen) und 
erlitt dafür den Tod; Confucius sagte: (die D.) Yn hatte diese 3 tugendhaften und humanen 
Männer. Wei-tseu wird im Schu-king III, 11 und IV, 1, 2 ermähnt; des Pi-kan gedenkt Con- 
fucius im Kia-iü Cap 20 f. 28 und im Sse-ki 49 f. 20 v., als er zwischen den Reichen Tschin und 
Tsai in Noth kam, s. s. Leben. Auch in Siao-hio iV, 2, 18 wird jener den Kindern noch als 
hohes Beispiel vorgeführt. Den Kao-ke, der oben erwähnt wurde, erwähnt Meng-tseu VI, 2, 15, 1, 
dass er mitten vom Fischen und Salz aus (auf Wen-wang's Empfehlung) zum Minister des letzten 
Kaiser's der 1. Dynastie Yn erhoben wurde. S. die Stelle S. 363. 

Noch preiset die Confucische Schule 2 Fürstensohne aus dieser Zeit, Pe-i und Scho-thsi. 
Es waren dies Brüder und Söhne des Fürsten von Ku-tscho, (eiiies 'kleinen Staates im jetzigen 
Yung-ping-fu in Pe-tschi-li). Der Vater hinterliess das Reich dem Scho-thsi; der wollte aber 
seinen älteren Bruder desselben nicht berauben, der ältere es %ber auch nicht annehmen; beide 
verzichteten nun auf die Herrschaft und zogen sich zurück. Als Wu-wang gegen den Tyrannen 
Scheu auftrat, demonstrirten sie dagegen und stai-ben dann lieber den Hungertod , als dass sie 
sich der neuen Dynastie unterworfen hätten. S. Legge I, 45 zum Lün-iü 5, 22. 

Auf Confucius Urtheil über Pe-i und Scho-thsi im Lün-iü 7, 14 
werden wir unten zurückkommen. Lün-iü 18, 8, 1, vergl. Siao-hio 
IV, 2, 9, 10 ,ff., werden Pe-i und Scho-thsi aufgeführt als Männer, 
die sich aus der Welt zurückzogen ; wie auch Yü- tschung^), J-j, Tschu- 
tschang, Lieu-hia Hoei und Schao'-lien. Confucius sagt da: 
„Nicht ihren Willen (Absicht) aufgeben, nicht besudeln ihre Person, 
der Art waren Pe-i und Scho-thsi." Lün-iü 16, 12 heisst es: ,,King-kung, 
der Fürst von Thsi, hatte 1000 Viergespanne, aber als er starb, war 
keine Tugend (desselben), die das Volk preisen konnte; Pe-i und Scho- 
thsi verhungerten am Fusse des Berges Scheu-jang (in Schen-si) und 
das Volk preiset sie noch bis auf den heutigen Tag." Lün-iü 5, 22 
sagt Confucius: Pe-i und Scho-thsi gedachten nicht alter Feindschaft, 
und erfuhren daher wenig Entfremdung. Vgl. damit Confucius im Kia-iü 
12 f. 6 and im Ta-tai Li-ki im I-sse 95, 1 f. 5 v. Tseng-tsen Tschü- 
yen-tschung im Ta-tai Li-ki im I-sse'95, 1 f. 32 ff. sagt: ,, Einst starben 



1) Wohl der Wu-tschungoder Tschung-y ung , der Bruder von Tai-pe, wie er sonst heisst. 



(373) 



'>5 



Pe-i und Scho-thsi zwischen den Wasserkanälen (Keii-kuai ) , aber ihrc^ 
Humanität (Tugend jin) gab ihnen einen vollendeten Ruf im ganzen 
Reiche. Diese beiden Meister (T.seu) wohnten zwischen dem (Hoang-> 
Ho und Thsi-Flusse. Sie besassen (hatten) nicht eine Menge Land, noch 
einen Reichthum an Gütern und Korn (Reis). Ihre Rede war glänzend; 
sie gingen in einem gesäumten (zusammengenähten) •Pelzkleide (khieu- 
schui) im Reiche; denn der Weise denkt (nur) an Humanität und Recht; 
Morgens vergisst er darüber das Essen, Abends vergisst er den Schlaf, 
den Tag über betreibt er nur sein Geschäft (Profession) , Abends prüft 
er sich selbst, seine Person zu bewahren und so kann man sagen, er 
l)ewahrt seihen Beruf." 

2\uch Meng-tseu erwähnt Pe-i's öfter. VI, 2, G, 2 sagt er: Pe-i weilte in einer niedrigen 
Stellung und wollte mit seiner Weisheit keinem entarteten Fürsten dienen.'' II, 1, 2, 22 fragt ihn 
Tschheu-then: „Was sagt du von Pe-i und J-yn?" Meng-tseu erwiedert: Ihr Prinzip (Tao) war 
nicht (meinem) gleich ; dem , der nicht sein Füi-st war, nicht dienen , was nicht sein Volk war, 
•das nicht regieren, unter einer guten Regierung (ein Amt bekleiden) , bei (zur Zeit der J Verwir- 
Tung zurücktreten, so war Pe-i's Grundsatz *)." II, 1, 9, 1 sagt er: „Pe-i diente keinem, wenn er 
nicht sein Fürst war, (den er achtete) und war nicht Freund, wenn es nicht sein (ein rechter) 
Freund war ,Er stand nicht in eines schlechten Menschen (Fürsten) Hof und sprach mit keinem 
schlechten Menschen ; in eines schlechten Menschen Hofe stehen, mit einem schlechten Menschen 
reden, das dünkte ihm, als wenn er im Hofkleide und mit der Ceremonieraütze sässe im Dreck 
und auf Kohlen (Asche). Was seinen Abscheu gegen einen schlechten Menschen betraf, so dachte 
•er bei einem Dorfmanne (Bauern) stehen, dessen Ceremoniemütze nicht in Ordnung war, von dem 
müsse er fortgehen, um sich schauend, als ob er sofort sich v beflecke. Dies war der Grund, 
dass, als die Vasallenfürsten mit geeigneten Aufträgen an ihn sich wandten, er (ihre Gaben) nicht 
annahm; er nahm sie nicht an, weil er es für unlauter hielt, zu ihnen zu gehen." Aehnlich sagt 
■er V, 2, 1: .,Pe-i blickte nicht auf ein schlechtes Gesicht, hörte auf keinen schlechten Ton; wer 
nicht sein Fürst war, dem diente er nicht; was nicht sein Volk war, dem befahl er nicht; herrschte 
eine gute Regierung, so trat er (ein Amt) an, bei Verwirrung trat er zurück. Von wo eine ver- 
kehrte, (gesetzlose) Regierung ausging, wo ein gesetzloses Volk war (stand), da ertrug er es nicht 
üu weilen. Er dachte bei einem Dorfbewohner weilen, das sei, wie wenn er im Hofkleide und 
mit der Ceremoniemütze im Dreck und auf Kohlen sässe. Zur Zeit des Tyrannen Scheu wohnte 
■er am Ufer des Nordmeers und erwartete des ganzen Reiches Läuterung ; wenn man daher 
von Pe-i's Sitten (Charakter, fung) hört, so werden die Verdorbenen rein , die Schwachen (Schwan- 
kenden) beständig, (entschlossen)." Derselbe Gedanke steht VII, 2, 15: „Ein AVeiser (Heiliger), sagt 
Meng-tseu da, ist der Lehrer für 100 Generationen, so Pe-i und Lieu-hia Hoei. Daher wenn man 
von Pe-i's Charakter hört, wird der Verdorbene rein, der Schwache beständig; wenn von Lieu- 
hia Hoei wird der Gemeine edel, der Beschränkte liberal u. a. w." IV, 1, 13, 1 sagt Meng-tseu: 
„Scheu zu meiden, wohnte Pe-i am Ufer des Nordmeeres; als er hörte, dass Wen-wang sich er- 



1) Wie Y-yn den entgegengesetzten Grundsatz nach Meng-tseu zuletzt befolgte s. oben. S. 36t), 
Aus d. Abh. d. I. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XI Bd. IL Abth. . (48) 4 



26 . (374) 

hoben hatte, erhob er sich -auch und sagte: „Was gehe ich nicht, zu ihm; ich .höre, dass der 
Anführer des Westen die Greise gut ernährt. (Diess stimmt vvenig mit der obigen Nachricht)." 

„Thai-kung wohnte, um Scheu zu entg'ehen, am Ufer des Ostmeeres; als er hörte, dass Weri- 
wang sich erhoben, erhob er sich auch und sagte: Was gehe ich nicht zu ihm, ich höre, dass 
der Anführer des Westen (Si-pe) die Greise gut ernährt." Diese 2 Greise waren die grössten 
(grossen) Greisse im ganzen Reiche, als sie zu ihm (Wen-wang) kamen, kamen des ganzen Reiches 
Väter zu ihm ; ■ als des ganzen Reiches Väter zu ihin kamen , wohin sollten da ihre Sohiie sonst 
gehen? Wenn (jetzt) uijter den Vasallenfürsten nur Einer Wen-wang's Regierung führte, so würde 
er innerhalb 7 Jahren die Herrschaft über das ganze Reich erlangen." Derselbe Ausspruch über 
beide findet sich auch bei Meng-tseu VII, 1, 22. Auch III, 2, 10, 3 wird Pe-i noch erwähnt: 

Besonders werden dann die Gründer der 3. Dynastie gefeiert. 
Auch einige ihrer Ahnen und Vorgänger werden sehr gerühmt. 
So der Ahn der D. /fscheu Heu-tsi (2286 v. Chr.), ein Minister unter 
Yao und Schün. Der Li-ki C. Piao-ki 32 f. 44 v. (26 p. 126 T. p. 80) 
rühmt ihn : „Heu-tsi glänzte im ganzen Reiche als wenn es eine Hand 
und ein Fuss war; aber er wünschte imme^, dass seine Thaten seinen 
ßuf übertrafen; daher nannte er sich nur einen gewöhnlichen Menschen 
(Pien-jin)." So Confucius, und f. 55 (p. 164)* sagt derselbe: „Die Opfer 
Heu-tsi's waren leicht glücklich (eriblgreich); seine Gebete waren voll 
Ehrfurcht; seine Wünsche bescheiden. So gelangten seine Einkünfte (Ehren) 
auf seine Söhne und Enkel; und er citirt dann eine Stelle des Schi-king, 
wo dasselbe von sein Opfern gesagt wird. Vgl. über Heu-tsi Sse-ki 
4 f. 1 fg. 

Sein Urenkel Kung-lieu (1797) wird dem Könige von Thsi Siuen-kung von Meng-tseu 
I, 2, 5, 4 gepriesen. Nachdem er ihm von Wen-wang erzählt hat, findet der König das vortrefilich 
aber sagt er: „ich habe eine Schwäche (tsi , Krankheit) ; meine Wenigkeit liebt die Güter (ho). 
Meng-tseu citirt dann die Stelle des Liederbuchs (Schi-king III, 2,6, 1 und daraus Sse-ki 4 f. 2 fg.) 
wie Kung-lieu auch einst Güter geliebt habe. Das Lied sage : „er füllte seine Schober (Speicher), 
band auf seine Vorräthe an Korn in Beuteln und Säcken und dachte darauf, sein Volk zu sam- 
meln und ihm Glanz zu verleihen. Er spannte seine Bogen und Pfeile und mit Schilden und 
Speeren, grossen und kleinen Schlachtbeilen, begann er dann seinen Marsch zu eröffnen, daher 
hatten die wohnen blieben Magazine von Korn, die wegzogen Vorräthe in Säcken und Beuteln 
und darnach erst konnte er seinen Max'sch beginnen. König, sagt Meng-tseu, wenn du auch so 
die Güter liebst, (d. h. mit dem Volke, den 100 Familien) sie gemeinsam hast (theilst), was kann 
dich dann hindern, ein rechter Kaiser (wang) zu werden? Der König sagt wieder: Aber ich 
habe eine Schwäche; ich liebe schöne Gesichter. Meng-tseu führt ihm dann das Beispiel von 
Ku-kung Tan-fu (1327), dem neunten Nachkommen Kung»lieu's *), vor, der später den Titel 



1) Diese Genealogien mit der gewöhnlichen Zeitbestimmung (la Charmö Chi-king Proleg. 
p. XVII) sind schwerlich richtig s. de Guignes Chou-king p. CXXXIII. 



(375) 



27 



Thai-wang erhielt und von Pin (in Pin-tscheu in ' West-Schen-si) nach Khi übersiedelte. Einst, 
sagt Meng-tseu, liebte Thai-wang (auch) schöne Gesichter: er liebte seine Frau (fei) und citirt 
dann die Stelle des Schi-king III, 1, 3,2, vgl. la Charme p. 299: „Ku-kung Taii-fu kam Morgens 
und galoppirte zu Pferde längs dem Ufer des Westwassers (Fluss) bis an den Fuss des Berges 
Khi mit seiner Frau Kiang ; zusammen kamen sie dahin und wählten den Wohnplatz." Zu der 
Zeit gab es im Hause (drinnen) keine schmollende Frau , draussen keinen unverheiratheten 
(kuang, eig. leeren) Mann. Wenn du so, o König, die schönen Geschlechter liebst und (bei) 
den 100 Familien dies allgemein werden lässt, was hindert dich dann ein rechter Kaiser (wäng) 
zu werden?" Von den Barbaren gedrängt verliess Thai-wang seinen frühereu Wohnsitz Pin. 
Meng-tseu I, 2, 14 hält sein Beispiel dem kleinen FiirsVen Wen-kung von ' Theng vor. Dieser 
klagt ihm: Thsi befestige Sie, das mache ihn besorgt, was er da zu thun habe? Meng-tseu er- 
•wiedert ihm : „Einst wohnte Thai-wang in Pin; die Nordbarbaren (Ti) machten Einfälle; er ver- 
liess sein Land und wohnte am Fusse des Berges Khi; es geschah (war) das eigentlich nicht aus 
freier- Wahl j aber er konnte nicht anders; wenn ein Fürst nur gut ist, können in späteren Zeiten 
seine Söhne noch Kaiser (Wang) werden. Der Fürst müsse nur den Grund legen ,. auf dem 
seine Nachkommen fortbauen könnten ; ob er es es vollende, das stehe freilich beim Himmel ; er 
solle daher nur gut sein. Wen-kung von Theng meint, sein Reich (Theng) sei nur klein; wenn er 
auch alle Kraft erschöpfe, dem grossen Reiche zu dienen, so könne er dem sich doch nicht entziehen, 
was ^ er. da zu thun habe? Daraufgeht Meng-tseü noch weiter in die Geschichte jenes Vorgängers 
der D. Tscheu ein ^) : „Einst wohnte Tai-wang in Pin ; die Nordbarbaren fielen (in sein Land) 
ein; er diente ihnen mit Fellen und Seidenzeugen, aber er erlangte nicht, ihnen zu ent- 
gehen; er lieferte ihnen Hunde und Pferde, aber er ei'langte nicht, ihnen zu entgehen; er lieferte 
ihnen Perlen und Jü-steine, a,ber er erlangte nicht, ihnen zu entgehen ; da versammelte er die 
Alten und Greise, verkündete ihnen und sagte: Was die Barbaren begehren, das ist unser 
Land ; ich habe gehört, dass ein weiser Fürst (Kiün-tseu) mit dem , was Menschen nährt , nicht 
schadet dem Menschen. Meine 2 — 3 Kinder, was bekümmert ihr Euch , wenn ihr ohne Fürsten 
sein werdet; ich will wegziehen und er verliess Pin, setzte über den Berg Liang , baute eine 
Stadt am Fusse des Berges Khi und wohnte da. Aber die Leute von Pin sagten: Es ist ein 
humaner Mann; wir können ihn nicht vei;]assen und sie folgten ihm, wie man dem Max-kte zu- 
strömt. Andere sagen dagegen, (das Reich) muss man Geschlechter hindurch erhalten ; eines 
Person kann nicht darüber verfügen; er (der Fürst) bereite sich daher lieber umzukommen, aber 
er gehe nicht fort. Ich bitte Fürst, wähle zwischen diesen beiden." Auch 1, 2, 3, 1 führt er dem 
Könige von Thsi sein Beispiel vor, als der ihn fragt, wie man. sich im Verkehr mit den Nachbar- 
reichen verhalten müsse. (Den Anfang der Stelle s. bei Thang S. 368). Nur ein kluger Fürst, erwiedert 
er, vermag mit einem kleinen (Reiche) einem grossen zu dienen. So diente Thai-wang (den 
Nordbarbaren) Hiün-yo, Keu-tsien (der spätere König von Yuei 496 — 464) (dem Reiche) U'^). 



1) Die Erzählung findet sich auch bei Tschuang-tseu im J-sse 18 f. 3 v. und im Sse-ki Tscheu 
Pen-ki 4 f. 2 v. sq. 

2) Auch imKia-iü C. lOf. 27fg. wird diese Geschichte erzählt. Gonfucius sagt da zu Tseu-lu, 
(seinem Schüler): „Wenn der Weise (Kiün-tseu) gewaltthätigen Geistes (Kiang-khi) ist, stirbt 
er nicht seinen (einen natürlichen) Tod; wenn der Unweise (kleine Mann) gewaltthätigen 
Sinnes ist , so fällt er der Strafe und Hinrichtung anheim. Das Liederbuch Pin- (fang \ 
(I, 15,2, 2) — welche Stelle auch Meng-tseu II, 1, 4, 3 citirt — sagt: Wenn der Himmel 
noch nicht dunkel (yn) ist von Regen , sammle ich die Rinde und Wurzel des Maulbeer- 
baumes ein und verstopfe damit meine Fenster und Thüren (-Ritzen)-; wer von dem Volke 
da unten wagt dann mir etwas anzuhaben! Gonfucius sagte: Wer sein Reich und Haus 

4* 



>8 (376) 

Nächstdem wird unter den Ahnen dei' Tscheu noch Th-ai-pe ge- 
'ühmt. Er war der älteste Sohn von Thai-wang. Thai-wang beschloss 
hn zu übergehen und die Herrschaft wegen der Weisheit seines Enkels 
rschang, des späteren Kaisers Wen-wang, auf seinen 3ten Sohn, den 
iTater Tschang' s, Wang-ki zu übertragen. Thai-pe gewahrte dies und um 
»ich den Absichten des Vaters nicht zu widersetzen, zog er sich mit 
jeinem 2ten Bruder zu den King-man (Südbarbaren) zurück, wo sie die 
Gründer des Reiches U geworden sein sollen und Hess seinen jüngsten 
IJruder im Besitze der Herrschaft von Tscheu (1231). S. Sse-ki Tscheu 
jen-ki 4 f. 3 v. und U Thai-pe schi kia B. 31 f. 1 fg. Confucius im 
Lün-iü 8, 1 rühmt den Tai-pe: „von ihm könne man sagen,- dass er den 
jripfer der Tugend erreicht habe; 3 mal schlug er das Reich aus, das 
i^olk (verstand es nicht) und erlangte nicht ihn zu preisen." (Davon 
rveiss man sonst Nichts weiter). In ü folgte ihm dann später sein 
2ter Bruder; man meint, dass dies Yü-tschung ist, Lün-iü 18, 8, 1. 

. Die eigentlichen Stifter der D. Tscheu insgesammt werden von Con- 
'ucius im Tschung-yung gepriesen. „Der keinen Kummer (Sorge) hatte, 
leisst es C. 18, 1, das war allein Wen-wang; Wang-ki war sein 



(zu) regieren kann (versteh U, wenn auch einer ihm da zu schaden wünschte (wollte); wer ver- 
möchte es ? Die D. Tscheu sammelte seit Heu-tsi Thaten (hing) . und verknüpfte (band) 
Verdienste, um Aemter und Beamte zu haben. Kung-lieu erweiterte sie durch seine Hu- 
manität bis auf Thai-waug Tan-fu, der durch Tugend gross war, (tun). Er ordnete (i) 
seiner Bäume Wurzel, setzte Bäume und versah damit die Fernen. Thai-wang begann mit 
der Stadt Pin ; die Nordbarbaren (Ti-jin) fielen ein, er diente ihnen mit Fellen und Seiden- 
stoffen, vermochte (erlangte) aber nicht sie abzuhalten. Er diente ihnen mit Perlen und 
Jüsteinen, erlangte aber nicht sie abzuhalten. Darauf versammelte er die Greise und 
Alten und redete sie an: Was sie wünschen, das ist unser Land und Gebiet. Ich habe 
gehört, dass der Weise (Fürst) mit dem, was die Menschen nährt, nicht Menschen schadet. 
Meine 2—3 Kinder (Söhne), welches Unglück ist es, wenn ihr ohne Fürsten seid. Allein 
mit (seiner Gattin) der Thai-kiang, verliess er sie, stieg über dexi Berg Liang und baute 
eine Stadt am Fusse des Berges Khi. Die Leute von Pin aber sagten: Er ist ein humaner 
Mann, wir können (dürfen) ihn nicht verlassen und sie folgten ihm, wie man dem Markte 
zuströmt. Der Himmel gab das Gesetz. Tscheu's Volke. Die Dyn. Yn bestand aber sclion 
lange, desshalb konnte er das ganze lleich nicht haben. (Aehnlich Meng-tseu H, 1, 1, 8 
oben S. 370). Wu-keng, (der Sohn Scheu's, des letzten Kaisers der D. Yn), der 
schlecht wurde, konnte sie noch insultiren ^sich noch gegen Tscheu empören)? Er citirt 
dann den (Schi-king Pi-fung I, 3, 13, 2) und gibt Confucius Aeusserung über die Stelle. 
Der Li-ki C. Kung-tseu hien-kiü 29 f. 21 (24 p. 150, T. p. 74) sagt: Die friedlichen Tugenden 
(wen-te, statt kriegerischer Macht) üben (erstreben), um im guten Vernehmen sich zu setzen 
mit den Reichen an den 4 Grenzen, — das war Thai-wang's Tugend." 



(377) 20 

Vater und Wu-wang war sein ISohn. Der Vater gründete das Reich 
(die Herrachaft); Wu-wang überlieferte (setzte fort) die Unternehmung 
von Thai-wang, Wang-ki und Wen-wang. Nur einmal legte er das Waffen- 
kleid an und hatte (besass) das ganze Keich. Seine Person (er) verlor 
nicht seinen glänzenden Ruf im Reiche; was seine Würde betraf, so 
war er Himmelsohn ; was die Reichthümer, so besass er was innerhalb 
der 4 Meere war.v In seinem Ahnentempel brachte er die Oj)fer dar 
und seine Söhne und Enkel erhielten (bewahrten) sie. Wu-wang 
erhielt erst im Alter das Mandat (Ming, die Kaiserwürde) und Tscheu- 
kung (sein Sohn) vollendete die Tugenden Wen's und Wu's. Er ertheilte 
dem Thai-wang und Wang-ki den Kaisertitel und opferte den früheren 
Kung (etwa Herzögen) nach dem Kaiserrituale (Li) und dieser Brauch 
erstreckte sich auf alle Vasallenfürsten und Grosse (Ta-fu) bis auf 
die Sse- (Literaten) und den gemeinen Mann. War der Vater ein Ta-fu 
und der Sohn ein Sse, so begrub man ihn wie einen Ta-fu und opferte 
ihm wie einem Sse; war der Vater ein Sse und der Sohn ein Ta-fu, 
so begrub man ihn wie einen Sse und opferte ihm wie einem Ta-fu 
(in China werden die Ahnen geadelt). Die einjährige Trauer erstreckte 
sich (nur) bis auf die Ta-fu, die dreijährige Trauer (aber) bis auf die 
Kaiser : die Trauer um Vater und Mutter war bei Angesehenen und 
Geringen eine und dieselbe." Wie gross, sagt Confucius, C. 19, auch im 
Siao-hio IV, 2, 6^), war die Pietät von Wu-wang und Tscheu-kung. 



1) Wen--\vang'8 Pietät gegen seinen Vater rühmt der Li-ki G. Wen-wahg Schi-tseu 8 f. 27, 
auch im Siao-hio IV, 2, 4: „Als Wen-wang Erbprinz (Schi-tseu) war, kam er den Tag 3mal 
zu Wang-ki an den Hof. ,Wenn der*Hahn zu krähen begann und er sich angezogen hatte, 
kam er au dessen Schlafgemach und vor der Thür draussen fi-agte er den , der den 
Dienst im Innern hatte (nui schu tschi yü), ob er (der Vater) diesen Tag sich gut befinde 
(ngan) oder, nicht? Sagte der Diener, es gehe ihm gut, so war er erfi'eut. Mittags und 
Abends kam er ebenfalls und verfuhr eben so. War er aber nicht wohl auf und der 
Diener sagte es Wen-wang, dann zeigte dieser ein betrübtes Gesicht und konnte nicht 
recht aufti'eten (hing-li). Wenn Wang-ki wieder gerne (besser) ass (sehen), fing er auch wieder 
an. Wurden die Speisen aufgetragen, so sah er sicher nach, ob sie auch zu kalt oder zu 
heiss waren ; war abgedeckt, so fragte er, was er gerne gegessen habe (sehen) und befahl 
dem Diener, der die Speisen auftrug (sehen tsai), dieselben nicht wieder vorzusetzen. Sagte 
der gut, so zog er sich zurück. Ebenso Wu-wang: Wenn Wen-wang krank war, so legte 
Wu-wang seinen Hut und Gürtel nicht ab, um zu speisen. Als Wen-wang nur ein Gericht 
(fan) ass, so ass er auch (nur) ein Gericht; ass Wen-wang, 2. so ass er auch 2 u. s. w.'"' 



31) (378) 

Diesie Pietät zeigte sich, indein sie gut fortsetzten der Menschen (ihrer 
Vorfahren) Absichten, gut ausführten derselben Unternehmen. Im Früh - 
linge und Herbste schmückten sie ihre Ahnensäle , ordneten die Ge- 
fässe des Ahnentempels, entfalteten ihre verschiedenen Gewänder und 
brachten ihnen als Opfer die Speisen jeder Jahreszeit dar. Bei den 
Gebräuchen des Ahnentempels unterschieden sie die rechte und linke 
Seite (Tschao und rao). Sie ordneten (stellten) die Familienglieder (auf}, 
um die Ränge und die Angesehenen und Niedrigen zu unterscheiden; beider 
Ordnung der Dienste unterschieden sie die Weisen; beim allgemeinen 
Zutrinken reichten die Unteren (die Schale) ihren Oberen, sie gelangte 
aber auch bis an die untersten. Beim Festmahle (am Schlüsse) sah 
man auf die Haare und ordnete sie (die Gäste) nach den Zähnen (ihrem 
Alter). Sie nahmen (ihrer Ahnen) Plätze ein, übten ihre Bräuche, 
wandten an ihre Musik, verehrten, was die geehrt hatten, liebten, was 
ihnen lieb gewesen war; sie dienten den Todten, wie man diente den 
Lebenden , sie dienten den Dahingegangenen , wie man dient den noch 
Bestehenden (Lebenden). Das war der höchste Grad der Pietät! Mit 
dem Ritus Kiao und Sehe (den Opfern des Himmels und der Erde) 
dienten sie dem Schang-ti (Gott); mit dem Ritus des Ahnentempels 
opferten sie ihren Vorfahren. Bei klarer Einsicht in die Ritus des Eiao 
und Sehe und der Bedeutung der Ahnenopfer Ti und Tschang ist das 
Reich regieren (so leicht), wie wenn man nur auf seine Handfläche 
sieht." Wir sehen hier einige der Grundideen des alten chinesischen 
Wesens, woran auch Confucius festhielt, hervortreten. Der Aeusserungen 
von Confucius und seiner Schüler über Wen-wang und Wu-wang sind 
noch viele. Sie waren ihnen Muster. Im Tschung-yung C. 30, 1 heisst 
es : Tschung-ni, d. i. Confucius überlieferte (tsu scho) (die Lehren) Yao's 
Schün's, (als wenn sie seine) Ahnen (gewesen wären) und entfaltete ele- 
gant (hien tschang) Wen's und Wu's (Anordnungen) Muster. 

Im Tschung-yung Cap. 20 fragt Ngai-kung von Thsi nach der 
Regierung. Confucius erwiedert: Die Regierung von Wen und Wu ist 
entfaltet (enthalten) auf Holz- und Bambutafeln. Wenn diese Männer 



1) S. m. Abh. Ueber die Religion und den Cultus der alten Chinesen II, p. 108 (942) und 
p. 111 (945). 



(379) 31 

da (vorhanden) sind, dann besteht (blüht) ihre Regierung ; sind die 
Männer nicht mehr, dann hört auch , ihre Regierung auf. Bei den rechten 
Prinzipien (Tao) der Männer gedeiht die Regierung wie bei den rechten 
Prinzipien (Zustand) der Erde die Pflanzen gedeihen, so das s man ihre 
Regierung eine leicht aufschiessende Binse nennen könnte" (das Weitere 
bei Regierung). Im Lün-iü 19-, 22 fragt Kung-sün Tschhao von Wei 
Confucius Schüler Tseu-kung, von wem Tschung-ni (Confucius) gelernt 
habe. Tseu-kung sagt: Wen's und Wu's Prinzipien sind noch nicht zu 
Boden gefallen (verfallen) ^) ; sie finden sich (sind) bei den Menschen, die 
Weisen kennen die grossen (Prinzipien), die Nichtweisen kennen die 
kleinen ; jeder (keiner nicht) hat demnach Wen's und Wu's Prinzipien ^); 
wie sollte also der Meister sie nicht haben lernen können und wozu 
bedurfte er eines beständigen (regelmässigen, tschung) Lehrers?" Im 
Lün-iü 9, 5 betrachtet Confucius sich aber als den Depositar von Wen- 
wang's Lehren. „Nachdem Wen-wang todt, sagt er, beruht da der Wen 
auf diesem da (er meint sich). (Wen ist hier wohl soviel, als Tao, 
die Prinzipien desselben) ; wollte der Himmel, fuhr er fort, die zu Grunde 
gehen lassen, so hätte ich der spätere Sterbliche (Heu-sse) sie nicht 
überkommen ; wenn der Himmel sie aber noch nicht zu Grunde gehen 
lassen will, was vermag dann das Volk von Kuang (das ihn damals 
verfolgte) gegen mich?" 

Lün-iü 8, 20, 4 sagt Confucius: „Wen-wang besass von 3 Theilen 
des Reiches (bereits) zwei und diente damit doch noch (der Dyn. Yn), 
Die Tugend der (Dyn.) Tscheu kann daher die höchste genannt werden." 
(Er meinte, das Volk war damals noch nicht vorbereitet zur gänzlichen 
Vernichtung der Dyn. Yn und er überliess diese daher seinem Nachfolger.) 
Lün-iü 8, 20, 2 — wo Wu-wang sagt : ,,Ich habe zehn (?) ordnende (loen) Mi- 
nister (Diener) und Confucius dazu bemerkt: Talente sind schwer (zu finden), 
ist dem nicht so? Unter Thang und Yü (Yao und Schün) findet sich 



1) Der Ta-hio 3, 5 citirt noch den Schi-king (IV, 1, 1, 4, 3): „Die früheren Kaiser (Wen- 
und Wu-wang) sind nicht vergessen. Die Weisen oder Grossen (Kiün-tseu) halten für 
Weise ihre Weisen und lieben ihre Lieben; die kleinen Leute (Unweisen) freuen sich ihrer 
Freude (dessen was sie erfreute) und finden nützlich ihren Nutzen (was ihnen nützte). So 
vergisst die Generation sie nicht, auch nachdem sie vergangen sind." 



82 



(:^80) 



eine grosse Fülle davon, die (D, Tscheu) hatten eine Frau (Wen-wang'« 
Mutter oder Frau) und sonst nur 9, Männer" — ist schon oberi S. 354 angezogen. 
Ein einzelnes Bi3ispiel von Wen-wang's Verfahren erzählt der Kia-iü c. 10 
f. 26: Die beiden Reiche Jti und Jui stritten sich um ein Feld und 
processirten schon ein ganzes Jahr ohne Unterbrechung desshalb, da 
sagten sie zu einander: Der Anführer des Westens (Si-pe d. i. Wen- 
wang) ist ein humaner^ Mann, warum gehen wir nicht zu ihm, dass er 
(die Sache) entscheide? Als sie seine Grenzen betraten, da überliessen 
(cedirten, yang) die Ackernden einander ihre Feldmarken (Pnan); die 
Reisenden wichen einander aus auf den Wegen; als sie seine Stadt 
betraten, gingen (hatten) Männer und Frauen ihre besondern Wege; alte 
Weissköpfe trugen nichts in den Händen; als sie seinen Hof betraten, 
da gaben (wichen) die Sse den Ta-fu (Grossen), die. Ta-fu den Khing 
(Ministern) nach. Da sagten die Fürsten von Jü und Jui: Wir (Unsere 
Art, u tschai), sind doch recht kleine Menschen (Unweise); können 
wir nicht den Weg (die Prinzipien) des Weisen wandeln? Sie gaben 
sich gegenseitig nach und machten aus dem Felde, worüber sie in Streit 
waren, ein besonders abgeschlossenes (regulirtes, hien) Feld. Confucius 
sagte: Hieraus kann man Wen-wang's Prinzipien ersehen; ihnen kann 
man nichts hinzufügen. Er befahl nicht und man befolgte sie; er lehrte 
(unterwies) nicht und man hörte auf ihn.'* — 

Ein Paar andere Aeusserungen des Confucius über Wen-wang sind all- 
gemeiner Art. Im Tschung-yung Cap. 17, 4 citirt er die Stelle des Schi-king 
(HI, 2, 5, 1), wo er gerühmt wird: „E]r war ein bewundernswürdiger', heiterer 
Weise, und entfaltete seine Tugend, wenn er dem Volke befahl; er empfing 
daher die Einkünfte vom Himmel und dieser übertrug ihm das Kaiser- 
mandat.*' Tschung-yung 26, 10 führt wieder eine »Stelle des Schi-king 
(IV, 1, 1, 2, 1), an und vergleicht seine Tugend mit der des Himmels; beide 
wirken ununterbrochen. Im Ta-hio 3 , 3 führt Tseng-tseu die Stelle 
des Schi-king (HI, 1, 1, 4} an: ,,Tief (mo mo) war Wen-wang, wie un- 
aufhörlich glänzend und Ehrfurcht gebietend stand er- da. Als Fürst 
— r setzt Tseng-tseu hinzu — zeigte er (stand er in der) Humanität; 
als Unterthan zeigte er Ehrfurcht; als Sohn übte er Pietät; als Vater 
zeigte er Liebe zu seinen Kindern ; im Verkehr mit des Reiches Leuten" 
bewies (hielt er auf) er Treu (und Glauben, sin)." 



(381) 



33 



Noch häufiger werden Wen-wang und Wu-wang von Meng-tseu den Fürsten seiner 
Zeit als Muster vorgehalten. Meng-tseu II, 1, 3, 1 sagt: Wie Thang's Reich ursprünglich nur 70 Li, so 
betrug Wen-wang's iiur 100 Li; die ganze Stelle s. unten. 1,2,5, 3 preiset Meng-tseu Siuen-wang von 
Thsi, als der nach der Regierung eines Wang's fragt, ihm die Einrichtungen Wen-wang's an. „Einst 
als Wen-wang noch in Khi *) regierte, da bebauten die Ackernden (für den Staat) von 9 Theilen einen 
(100 Meu) ; die Beamten hatten erbliche Einkünfte (Schi-lu); an den Barrieren (Schlagbäumen) und auf 
den Märkten war eine Aufsicht, aber man zahlte keine Abgaben (dafür); für Teiche und Wehren 
(Liang) gab es keine Verbote^); der schuldige Mann (wurde bestraft), aber nicht sein Weib und 
Kind (nu). Kin Greis ohne Frau hiess : Wittwer; eine Alte ohne Mann: Wittwe; ein Alter ohne 
Kind hiess vereinsamt (verlassen); ein Junger (Kind) ohne Vater hiess Waise; diese 4 Klassen 
sind im ganzen Reiche das ärmste Volk; sie haben keinen, den sie ansprechen können. Als Wen- 
wang eine gerechte Regierung einführte und seine Humanität sich äusserte, berücksichtigte er 
vor Allen diese vier. Der Schi-king (II, 4. 8, 13) sagt: „Der reiche Mann, der hilft sich schon, 
aber erbarmenswerth ist der Elende und Verlassene." 

Meng-tseu I, 2, 10, 3 fragt der König von Thsi ihn, ob er (das Reich) Yen in Besitz nehmen solle. 
Meng-tseu erwiedert: „wenn das Volk damit zufrieden sei, möge er es thun. Unter den Alten 
gab es einen, der so verfuhr; es war Wu-v/ang. Sonst aber nicht; unter den Alten gab es einen, 
der so verfuhr; es war Wen-wang." Den (3-egensatz zwischen Wen-wang's Regierung und der 
der Fürsten seiner Zeit hebt Meng-tseu. I, 2, 2, 1 hervor. Siuen-kung von Thsi fragt ihn da: 
„Wen-wang's Park (yeu) hatte 70 Li, war dem so? Meng-tseu erwiederte: Die Geschichte (üeber- 
lieferung) sagt so. Spricht der König: War der aber nicht sehr (zu) gross? Meng-tseu: Das Volk 
aber hielt ihn noch für klein. Der König sagte: Der Park meiner Wenigkeit hat nur 40(1] Li 
und das Volk hält ihn für (zu) gross; wie kommt das? Meng-tseu sagte: Der Park von Wen- 
wang hatte 70 Q Li im Umfange, aber die Gras schnitten und Brennholz sammelten, gingen 
hinein; mit dem Volke hatte er ihn gemeinsam und das Volk achtete ihn daher noch für klein; 
und war das nicht auch billig? Er führt dann aus, wie ganz anders er das in Thsi fand, wo er, 
als er die Grenze betrat, ein Strafgebot angeschlagen fand, dass wer einen Hirsch darin tödte, 
bestraft werden solle, als ob er einen Menschen getödtet habe. In einer Unterhaltung mit König 
Hoei von Liang oder Wei an dessen Lustteiche, führt Meng-tseu I, 1, 2. 3, als dieser fragt, ob 
auch ein Weiser an dergleichen Vergnügen finde, denselben Gedanken aus. Er citirt den Schi- 
king (III, Ij 8, 1 und 2), wie das Volk herbeieilte wie Kinder und als Wen-wang den Geister- 
thurm und den Geisterteich anlegte, ihn gleich fertig hatte. Wir heben nur den Schluss hervor. 
„Wen-wang mit des Volkes Kräften bauete den Thurm, bauete den Teich und das Volk . freute 
sich, das Werk auszuführen und dass er Hirsche, Fische und Schildkröten habe; denn die Alten 
theilten mit dem Volke ihre Freuden, daher konnten sie sich freuen." Meng-tseu I, 1, 7, 12 



1) Khi-scban in Fung-tsiang-fu in West-Schen-si. 

2) Aehnliches sagt Confucius dem Tseng-tseu im Ta-tai Li-ki im I-sse 95, 1 f. 28 v. — „Vor 
Alters untersuchten die erleuchteten Herren (si tsche ming tschu, ohne genauere Angabe; 
vorher ist freilich von Schün die Rede) — an den Barrieren, erhoben aber keine Abgaben 
(tsching); es gab Marktbuden (Schi-schen) , aber man nahm keine Abgaben davon (schni);. 
von 10 nahm man 1 (nur den Zehnten). DieFrohnden, die man dem Volke auflegte, (des 
Volkes Kraft, min li), betrugen im Jahre nicht über 3 Tage; über das Betreten von Bergen 
und Seen zur rechten Zeit, gab es Verbote (kin) aber man erhob keine Abgaben davon. 
Diese 6 sind der Weg (das Mittel) ihm sein Vermögen zu nehmen. Ein erleuchteter Herr 
(Fürst, ming-tschü) verwarf ihi'er 4 und verordnete davon 2, Dies war (die Art), wie ein 
erleuchteter Herr seine Spenden (fei) machte." 

Aus d. Abh. d. I. Cl. d. k. Ak. d. Wis. XI. Bd. II. Abth. (4 9) 5 



34 (382) 

führt aus, dass der Fürst von sich ausgehen und andern ein Muster sein müsse, wie Wen-wang 
es war. „Wenn Greise mir sind, meine Greise (d. h. wenn ich sie ehrfurchtsvoll behandle) und so 
verfahre auch gegen Anderer Greise, Kinder mir sind (d, h. ich mit Liebe behandle) meine Kinder 
(Jugend), so dass eben dahinkommt die Jugend Anderer, daun (ist zu regieren so leicht), dass 
man das Reich auf der Handfläche umdrehen kann." Im Schi-king (III, 1, 6, 2) heisst es (von 
Wen-wang): „sein Beispiel diente seiner kleinen Frau (erstreckte sich bis auf), erreichte seine 
Brüder und so regierte er Haus und Lehen." Diess besagt : Er zeigte nur diese Gesinnung (Sin, 
das Herz) und sie erstreckte sich auch auf diese (andern); man braucht also nur den Sinn zu zeigen, 
so verbreitet er sich. Wodurch die Leute des Alterthums so sehr die jetzigen übertrafen, das 
war nichts Anderes. Gut wussten sie auszubreiten, was sie selbst thaten." 

Wie es auf das Geburtsland bei einem weisen Herrscher nicht ankomme, hebt Meng-tseu 
IV, 2, 1 hervor: „Schün wurde geboren, sagt er, in Tschu-fung, ging (wurde versetztj nach 
Fu-hia und starb in Ming-tiao, ein Mann der Ostbarbaren, (Tung-J, d. h. wohl nur aus deren 
Umgebung); Wen-wang wurde geboren in Tscheu am (Berge) Khi und starb in Pi-yng, ein Mann 
der Westbarbaren (Si-J) ; die Länder sind über 1000 Li von einander entfernt, der Zeit nach lebte 
er über 1000 Jahre später, aber als sie ihre Absichten im Reiche der Mitte durchführten, war es, 
wie wenn zwei Siegelhälften sich vereinigen; der früheren Heiligen und der späteren Heiligen 
Norm ist eine und dieselbe." Dass die Grösse des Menschen es auch nicht ausmacht, sagt 
Meng-tseu YI, 2, 2, 2. Ein gewisser Kiao von Tsao sagt da; „Ich habe^gejiört, dass Wen-waiig zehn 
Fuss (TschhiO gross war, Thang 9 Fuss; nun bin (ich) Kiao 9 Fuss .4 .Zoll gross, ich verzehre 
(aber nur) meine Hirse und das ist Alles; was kann ich dazu thun? Meng-tseu erwiederte: Was hat 
dies (die Grösse) damit zu thun? Handle wie sie und das ist Alles (das genügt). YL, 1, 6, 2 
sagt Meng-tseu das Volk liebte, als Wen und Wu erstanden, das Gute: als aber (die späteren grau- 
samen Kaiser) Yen (781 — 770) und Li- Wang (878— 841) erstanden, liebte das Volk die Grausamkeit s. 
S.372. IV, 1,7, 3 sagt Meng-tseu zum Könige von Thsi: „Jetzt folgen (ahmen nach) die kleinen Reiche 
den grossen Reichen und schämen sich doch von ihnen Befehle anzunehmen. Dies ist, wie wenn 
ein Schüler (ti-tseu) sich schämen (erröthen) wollte, von seinem Lehrer (Sien-'sse) Befehle anzu- 
nehmen. Was das Erröthen betrifft, so kann man nichts Besseres thun, als Wen-wang zum 
Führer nehmen. Nähme einer Wen-wang zum Führer, so würde ein grosses Lehn-Reich (Kue) 
in 5 Jahren , ein kleines in 7 Jahren das ganze Reich (Thien-hia) beherrschen. Der Schi-king 
(III, 1, 4, 5) sagt: Die Enkel und Söhne der (D.) Schang, ihre Zahl war nicht (d. h. mehr als) 
100,000 (i), aber als der Schang-ti (Gott) ihr das Mandat (die Kaiserwürde) nahm, unterwarfen 
sich alle (der D.) Tscheu. Sie unterwarfen sich alle Tscheu, denn des Himmels Mandat (Auftrag 
Ming) dauert nicht beständig Die Beamten (Sse) der (D.) Yn, bewundernswerth und thätig, kamen 
mit Spenden (Kuan) in die Residenz (King) der Tscheu. Confucius sagt: Gegen den humanen 
Mann vermag die Menge nichts; liebt daher der Fürst eines Einzelreiches die Humanität, so 
hat er im ganzen Reiche keinen Gegner." VII, 1, 10 sagt Meng-tseu: „Einen Wen-wang erwarten 
und dann sich erheben, das thut alles Volk. Sse (Literaten) , welche die ersten unter hundert 
oder unter zehn sind (hao und kiel können auch ohne einen Wen-wang sich erheben. Die Stelle 
I, 2 3, 1. wo Siuen-Wang von Thsi Meng-tseu nach dem Verkehr mit den Nachbarreichen fragt, und 
Meng-tseu's Antwort ist oben S. 368 schon bei Tsching-thang erwähnt, hier nur noch der Söhluss 
§. 4 ff. Der König sagte, er habe eine Schwäche, er liebe die Tapferkeit (den Muth, die BraVour 
yung). Meng-tseu erwiedert: Der König möge nur keine kleinliche Tapferkeit lieben. Diese 
ziehe das Schwert, werfe wüthende Blicke und sage : „Wer wagt mir zu widerstehen ? Dies sei 



1) Die gewöhnliche Grösse eines Mannes war 8 Fuss der Tscheu oder Im. 6o. s. Tscheu-Ii 40 
f. 16 und 11 f. 2. - 



(383) 35 

die Bravour eines gemeinen Mannes (Pi-fu); der widersetze sich nur dem einzelnen Manne. Der 
König möge eine grossartige Tapferkeit zeigen. Der Schi-king sage (III, 1, 7, 5). „Der König war 
geröthet (entflammte) vor Zorn und er führte an seine Heere, aufzuhalten den Marsch nach (von) 
Kiü, um Tscheu's Glück zu mehren und dem Reiche und dessen Wünchen zu entsprechen." Das war 
Wen-wang's Tapferkeit. Wen-wang zürnte (nur) einmal und beruhigt waren des ganzen Reiches 
Völker. Der Schu-king C. Thai-tschi (V, 1, 1, 7), — welche Stelle aber im Original sehr abweicht — 
sage: „Als der Himmel das Yolk da unten herabkommen Hess, gab er ihnen Führer und es 
heisst (daher), sie unterstützen den Schang-ti (Gott bei der Weltregierung). Er zeichnete sie 
aus in 'den 4 (Welt-) Gegenden; seien sie schuldig oder unschuldig, bei mir steht's; wer wagt es 
seinen Absichten zu widerstehen?" Ein Mann, (der Tyrann Scheu) führte einen widerspenstigen 
Wandel im Reiche, Wu-wang erröthete darüber; das war Wu-wang's Tapferkeit, Wu-wang zürnte 
so (nur) einmal und. beruTiigt waren des ganzen Reiches Völker." VII, 2, 19, 3 citirt Meng-tseu 
eine Stelle des Schi-king III, 1, 3, 8: „Entgehen konnte er nicht dem Neide, doch verringerte 
es seinen Ruf nicht;" das könne man von Wen-wang sagen. Die Stelle im Liederbuch geht aber 
eigentlich auf seinen Ahnen Tai-wang. IV, 2,20, 1 — 5 spricht Meng-tseu von den Gründern der 3 Dy- 
nastien. Seine Aeusserung über Yü und Thang schon oben S. 365 u. 367; Wen-wang betrachtete das 
Volk wie einen Verwundeten und sah (blickte) aus nach den rechten Prinzipien (Tao , Wege), 
als ob er sie immer noch nicht sähe. (Vergl. Schu-king V, 15, 9, 10 und Schi-king III, 1, 6). 
„Wu-wang (sein Sohn urfd Nachfolger) vernachlässigte nicht die Nahen und vergass nicht 
die Fernen." Tscheu-ku,ng, (sein Bruder, der dann nach seinem frühen Tode für dessen jungen 
Sohn Tsching-wang die Regierung führte), vereinigte (in sich) die 3 Wang (die Stifter der 3 Dy- 
nastien und ihre Tugenden), um die 4 Dinge (§. 1 — 4) zu üben. Hatte er (gab es) etwas, womit 
er nicht übereinstimmte, so blickte er aufwärts und dachte die ganze Nacht darüber nach bis 
zu Tagesanbruch; war er so glücklich es zu fassen (erreichen), so sass er da und (er) wartete 
den Morgen ab." 

Die Prinzipien von Wu-wang's Regierung hebt der Lün-iü C. 20, 
1, 4 hervor, zum Theil nach Stellen des Schu-king: ,, Tscheu, heisst es 
da, vertheilte grosse Gaben und die Guten wurden bereichert. Obwohl 
er (der Tyrann Scheu) nahe Verwandte hatte, waren sie doch nicht 
gleich dem humanen Manne. Haben die 100 Familien ein Verbrechen 
begangen, so trifft es mich einen Mann (so bin ich Schuld), sagte Wu-wang. 
(Vergl. Schu-king C. Thai-tschi V, 1, 2, 6 und 7). (Dann werden die Mass- 
regeln Wu-wang's geschildert, ohne dass man, bis auf §. 8, die Stellen im 
Schu-king nachweisen kann:) §. 6 Er war aufmerksam auf Gewicht und 
Masse, prüfte die Gesetze und Regeln (fa und tu), setzte wieder ein die 
entlassenen Beamten und in den 4 (Welt-) Gegenden hatte eine gute 
Regierung Fortgang. §. 7. Er richtete wieder auf die vernichteten Reiche ; 
setzte fort die unterbrochenen Geschlechter (Generationen, schi); er erhob 
das Volk, (die Männer, die sich zurückgezogen hatten), so dass im 
ganzen Reiche das Volk von Herzen ihm sich zuwandte. §. 8 Was ihm 
(aber) das Wichtigste war, das waren des Volkes Ernährung (Unterhalt) ; 

5* 



36 (384) 

die Trauer und die Opfer. (Nur dieser §. ist im Schu-king). §.9 Sein 
"Wohlwollen (seine Grossherzigkeit) gewann (erlangte) ihm die Menge. 
Seine Redlichkeit machte, dass das Volk ihm vertraute. Seine Thätig- 
keit machte, dass er Verdienste sich erwarb, sein Gemeinsinn (Sinn für 
das gemeine Beste) erfreute iille." 

Im Li-ki C. Yo-ki 19 f. 35 v. (C. 16 p. 105 T. p. 51) sagt Confucius: 
,,,Hast du allein noch nicht gehört die Rede (von Wu-wang) in den Ge- 
filden von Mu (Mu-ye), (wo die grosse Entscheidungsschlacht, die der 
D. Tscheu den Sieg verschaffte, 1122, v. Chr. Statt hatte, s. Schu-king 
Cap. Mu-schiV, 2.) Nachdem Wu-wang die D. Yn besiegt hatte, ging er 
nach (deren Hauptstadt) Schang. Noch war er nicht vom Wagen herab- 
gestiegen, so belehnte (fung) er einen Nachkommen Hoang-ti's mit Ki, 
belehnte einen Nachkommen Kaiser Yao's mit Tscho, belehnte einen 
Nachkommen Kaiser Schün's mit Tschin. Nachdem, er -vom Wagen herabge- 
stiegen war, belehnte er den Fürsten von Hia mit Khiy ibelehnte einen Nach- 
kommen der (D.) Yn mit Sung ; errichtete einen Grabhügel (fung) auf des 
Königssohnes Pi-kan Grab; entliess Khi-tseu aus dem Gefängnisse (s. S. 372); 
hiess die Einrichtungen der (D.) Schang fortsetzen; setzte (die Beamten) 
in ihre Aemter wieder ein; ordnete die Regierung des Volkes und ver- 
doppelte die Einkünfte der Masse der Beamten. (Wu-wang) setzte dann 
über den (Hoang-) ho nach Westen , seine Pferde vertheilte (zerstreute) 
er südlich vom Hoa-schan (Berge) und sie wurden nicht wieder be- 
stiegen. Die Züge (Gespanne) Ochsen vertheilte er über die unbebauten 
Felder des Pfirschenwaldes (Thao-lin) und sie wurden nicht wieder an- 
geschirrt. Die Kriegswagen und Kürasse wurden mit Blut besprengt, 
im Arsenal aufbewahrt und nicht weiter gebraucht. Die Schilder und 
Lanzen wurden umgekehrt und in Tigerfelle (Hu-pi) gethan, die man 
Kien-kao nannte. Er sandte dann die Anführer des Heeres aus und 
machte sie zu Vasallenfürsten (Tschu-heu). Demnach wusste das ganze 
Reich, dass Wu-wang die Waffen nicht weiter anwenden werde. Nach- 
dem das Heer zerstreut (aufgelöst) war, veranlasste er ein Bogenschiessen 
im Kiao (der Vorstadt). In der Ostschule (links) schoss man beim Ge- 
sänge der Ode Li-scheu; (in der Schule der Westvorstadt) rechts schoss 
man beim Gesänge der Ode Scheu-iü. Das Schiessen, um ein Leder (ein 
Fell) zu durchbohren, hörte auf, (das war nur für den Krieg); die untere 



(385) " 37 

Krone (Pi-mien) und die hölzerne Tafel (den Scepter, Tien-höe) (nahm 
man den Soldaten) ; die Garde (Hu-pin-tschi-sse) legte ab ihre Schwerter. 
Er opferte im Ming-tang (der Ahnenhalle) und das Volk lernte (wusste) 
so die Pietät. Er empfing die Aufwartungen am Hofe (Tschao-lihin) 
und die Vasallenfürsten wussten nun, wie sie Diener (Beamte, Tschin) 
zu sein hätten. Er pflügte das Reservefeld und darnach wussten die 
Vasallenfürs fcen, was sie hoch zu achten hatten, (den Ackerbau für die 
Opfer des Himmels). Diese 5 (Sachen) bildeten (wurden) die grossen 
Lehren für das ganze Reich. Bei der Ernährung der 3 (Arten) von. 
Greisen waren 5 Wechsel (Keng) im grossen Collegium (Ta-hio). Der 
Kaiser (Himmelssohn) zog seinen Aermel auf und zerschnitt (selbst) das 
(Opfer-) fleisch. Er nahm die Brühe und brachte sie ihnen selber dar; 
er nahm die Schale und gab ihnen selbst zu trinken. Den Ceremonien- 
hut auf, in der Hand den Schild, lehrte er den Vasallenfürsten Bruder- 
liebe zu üben. Aul", dfese Weise drangen Tscheu's Prinzipien (Tao) nach 
deii 4 (Welt-) Gegenden durch; Ritus (Li) und Musik verbreiteten sich 
überall hin." Wir haben in unserer Abhandlung über die Religion und 
den Cultus der alten Chinesen H S. 116 (950 fg.) schon erwähnt, dass 
bei den Ahnenopfern der Tscheü mimische Darstellungen des Aufstandes 
Wu-wang's noch zu Confucius Zeit stattfanden, aus deren Erläuterung 
obige Stelle entnommen, ist. Wu-wang und Wen-wang ergibt sich daraus, 
obwohl sie die Djn. Yn stürzten, waren doch keine wilden Eroberer, 
sondern so\»ald der Sieg erfochten war, wurden die friedlichen Verhält- 
nisse wiederhergestellt ; Sitten , Gebräuche , Musik , Unterricht und Ge- 
setze geregelt. ^) • 



1) Die Wirksamkeit der Stifter der D. Tscheu spricht Confucius angeblich noch im Kia-iü 
C. 8, f. 18, auch im Schue-yuen im I-sse 86, 4. f. 16 v. aus. ,,Ein rechter König (Wang) sagt er, ist 
ähnlich dem Frühlinge und Herbste; Wen-wang hatte den Wang-kl zum Vater, die Tai-jin 
zur -Mutter, die Tai-sse zur Frau; Wu-wang und Tscheu-kung waren seine Söhne, Tai-tien 
und Tschung-tien waren seine Minister (Diener tscliin). So war die Grundlage (Pen, 
Wurzel) schon schön. Wu-wang ging davon aus und regelte zunächst seine Person, um sein 
Einzelreich (Kue) zu regeln; er regelte dieses Einzelreich, um das ganze Reich (thien-hia) 
zu regeln. Er griff an, die nicht den rechten Weg gingen (Tao) und strafte die Verbrechen 
begingen. Nur einmal setzte er sich in Bewegung und. das ganze Reich war geregelt 
(tsching) und seine Sachen (Angelegenheiten) waren vollendet. Wenn Frühling und Herbst 
ihre Zeit einhalten, dann reichen alle (die 10,000) Dinge hin. Wenn der Kaiser den rechten 



38 (386) 

Charakteristisch in dieser Hinsicht sind noch folgende Stellen Meng-tseu's III, 2, 5, 5 heisst 
es: „Da gab es welche, die nicht ünterthanen (tschin) Tscheu's werden wollten; (Wu-wang) zog 
nach Osten, sie zu bekriegen, er brachte Ruhe (Friede) ihrem Volke (Sse-niü, Männern und 
Frauen), sie brachten ihm Körbe voll gelber (Seide) dar und (sagten): Wir dienen fortan Tscheu's 
Kaiser, um Ruhe zu haben , wurden seine ünterthanen und unterwarfen sich in der grossen Stadt 
Tscheu. Die Weisen oder Grossen (Kiün-tseu) brachten Körbe voll schwarzer und gelber (Seide) dar 
und gingen entgegen ihren (der D. Tscheu) Gcossen. Die kleinen Leute (der D. Yn) brachten 
Schüsseln mit Speise und (Gefässe) mit Brühe, damit entgegen zu gehen, ihren (der D. Tscheu) 
kleinen Leuten. Wu-wang rettete das Volk aus Wassers- und Feuers-Mitte und nahm nur die 
Unterdrücker gefangen." Als Wu-wang (die D.) Yn angriff, heisst es VII, 2, 4, 4: hatte er nur 
300 Leder- (Kriegs-) Wagen, und 3,000 Mann Leibgarde (Hu-pin); der Kaiser aber sagte: „Fürchtet 
euch nicht, ich bin den 100 Familen nicht feind und wie ihre Hörner (bei Jagdthieren) zu Boden 
'fallen, so beugten sie ihre Häupter." ,,Jeder wünschte sich selbst zu rectifizieren ; was bedurfte 
es da eines Kampfes (Tschen)?" „Wenn der Fürst die Humanität (Jin) liebt, sagt Meng-tseu zu 
Anfange, hat er im Reiche keinen Gegner." 

Zuletzt ist noch Tsclieu-kung hervorzuheben, der nach Wa- 
wang's Tode ••) (1115 v. Ghr.) bei der Unmündigkeit von dessen erst 
1 3 jährigem Sohne und Nachfolger Tsching-wang, wi^; gesagt, für ihn erst die 
Regierung führte. Eigenthümlich ist, wie dieser bei seiner Belehrung nach 
dem Li-ki Wen-wang-schi-tseu C. 8 f. 28 v., auch im Kiä-iü C. 43, 
f. 22 V., verfuhr. Hier steht als Einleitung, welche im Li-ki fehlt: 
Tseu-hia fragte Confucius und sagte: Die Geschichte (Ki). sagt, Tscheu- 
kung als Reichsgehülfe (Siang) Tsching-wang unterstützend , belehrte 
(unterwies) ihn nach den Gebräuchen des Erbprinzen. War dem so? 
Confucius sagte: Einst erbte (folgte) Tsching-wang (auf) den Thron 
da er (aber) noch (zu) jung war, konnte er nicht einnehmen die Stufen 
(regieren). Tscheu-kung führte (also) für ihn . die Regierung und er 



Weg(Tao) betritt (erreicht), dann sind alle (die 10,000) Völker gut regiert; Tscheu-kung 
bewirkte die Umwandlung des Wandels und das ganze Reich folgte ihm; seine Redlichkeit 
(Tsching) war die höchste." Im Li-ki Gap. Piao-ki 32 f. 44 (26 p. 159, T.p.79) sagt Con- 
fucius: „Der Schi-king sagt: Wie die (Schlingpflanze) Ko-lui sich ausbreitet (schi) um die 
kleinen Zweige (Tiao) und Aeste (Mei), so sucht der weise Fürst (Kiün-tseu), voll Bruder- 
derliebe das Glück ohne Rückschlag (hoei). Das kann man sagen von Schün, Yü, Wefllfe 
wang und Tscheu-kung. Sie besassen grosse Tugenden, aber auch das kleine Herz (Siao- 
sin, d. i. die Sorgfalt, Aufmerksamkeit), ihrem Fürsten zu dienen." Der Schi-king sagt (III, 1, 
2, 3): Wen-wang's Sorgfalt (Siao-sin) war aufmerksam; glänzend diente er dem Schang-ti 
(Gott), daher hatte er viel Glück; seine Tugend war ohne Rückschlag, daher empfing er 
die Unterwerfung der Vasallenreiche." 
1) Wen-wang wurde 97, Wu-wang 93 Jahre alt, nach Li-ki Wen-wang achi-tseu c. 8 f 28 ; s. 
da des letztern Traum. 



(387) ■ 39 

brachite dem Erbprinzen das Gesetz mittelst Pe-kin (des Sohnes von 
Tscheu-kung) bei, und er wünschte, dass er üben (kennen) lerne die 
Prinzipien (den Weg, Tao) (des Verhaltens) von Vater und Sohn, von 
Fürsten und Unterthjan, von Aelteren und Jüngeren. Beging Tschin g- 
wang nun einen Fehler, so schlug er Pe-kin dafür, um Tsching- wang 
zu zeigen den Weg des Erbprinzen^)! Im Kia-iü C. 13 f. 8 v. fg., 
auch im Schue-yuen im I-sse 95, 3, f. 7 mit manchen Abweichungen, 
sagt Confucius: Tscheu-kung bekleidete das Amt des Tschung-tsai, die 
Regierung des ganzen Reiches zu führen und hatte unter sich die Sse. 
(Der Kia-iü setzt hinzu: des weissen Hauses). Täglich sah er 170 (der 
Schue-yuan hat nur 70) Männer, wie konnte er da ohne Prinzip (Tao) 
verfahren? Er wünschte die Sse zu gebrauchen. Dass er das Prinzip 
hatte und sich herablassen konnte ^)"feu des Reiches Sse, das zeigte den 
Weisen (Kiün-tseu). Im Lün-iü wird Tscheu-kung von Confucius einige- 
mal gerühmt. C. 8, tX, sagt er: „Habe einer auch Tscheu-kung's be- 
wundernswürdige Geschicklichkeit, wenn er dabei hochmüthig und 
. knickerig ist , ist er im Uebrigen nicht werth, dass man ihn an- 
schaue." C. 18, 10 sagt Tscheu-kung zu seinem Sohn, dem Fürsten 
(Kung) von Lu: „Der weise Fürst (Kiün-tseu) vernachlässigt nicht seine 
Angehörigen (Verwandten, Thsin); er macht nicht, dass die grossen Be- 
amten unzufrieden sind (zürnen), dass er sie nicht braucht (anstelle); 
alte (B'amilien) entlässt er nicht ohne erheblicheu Grund; er sucht nicht 
die Fähigkeit für jedes Amt bei einem Manne." Vergl. zu Letzterem 
die Aeusserung von Confucius c. 13. 25. Die Stelle über Tscheu-kung 
im Tschung-yung 18, 3 und 19 s. schon oben S. 377 bei Wen-wang 
und Wu-wang. 

' Me ng.-tseu's Aeusserung V. 1, 6, 0, wie es kam, dass er nicht zur Herrschaft gelangte, ist auch 
obenS. 362 schon ~ angeführt; so auch 111,2,9, 6 S. 871 und IV, 2, 20, 5 bei Wen-wang und Wu- 
wang. S. 383. 

Zu Meng-tseu's Zeiten kam ein Eingeborner aus Tschu, Tschin Leang , erfreut über 

' ^cheu-kung's und Tschung-ni's (Confucius) Lehren, nach Norden, studirte sie und zeichnete sich 

aus. Tschhin-Siang und sein jüngerer Bruder Sin wurden seine Schüler, schlössen sich dann abear 

einem Sectirer Heu-hing aus Tschhu an, der die einfachen Verhältnisse aus Schin-nang's Zeit 



1) Der Kia-iü ist hier viel weitläufiger und hat manche Abweichungen. 

2) So: Neng-hia, hat der Schue-yuen ; der Kia-iü hat dafür Wu-hia, d. i. und doch nicht 
unter sie herabsinke. 



40 ■ (388) 

wiederherstellen wollte, mit seinen Schülern Hanf oder Haartuch (Ho) und Sandalen aus Hanf trug, 
Matten webte, um seinen Lehensunterhalt zu gewinnen und wollte, der Fürst solle selbst pflügen und 
die Regierung nur daneben führen , wogegen Meng-tseu HI, 1, 4, 1 eifert : „Ich habe wohl gehört, 
sagt er §. 12, dass Hia (China) die Barbaren (J) umwandelte, aber ich habe noch nicht gehört, 
dass es von Barbaren umgewandelt wurde." HI, 1, 4, 15 fg, sagt Meng-tseu: „Ich habe wohl 
gehört, dgjs (Vögel) aus niederen Thälern sich auf hohe Bäume begeben, aber ich habe noch 
nicht gehört, dass man von hohen Bäumen herabsteigt, um in dunkle Thäler einzutreten. Der 
Lu-sung (Schi-ldng IV, 2, 4, 6) sagt: „Die West- und Nordbarbaren warf er, die King und Siü 
(Barbaren) bestrafte er;" die also Tscheu-kung geworfen hatte, deren Schüler wolltest du sein; 
das wäre kein guter Wechsel?" Der Schi-king spricht da freilich eigentlich von Hi-kung von 
Lu s. la Charme p. 318.) 

Tscheu-kung oder eigentlich Wu-wang hatte erst den Kuan-scho, seinen altern Bruder, an- 
gestellt, den Sohn des letzten Kaisers der D. Yn, dem er verziehen, zu beaufsichtigen, der em- 
pörte sich aber später und er musste mit diesem bekämpft werden; s. Schu-king Cap. Kin-teng V, 
6, 12 und Tsai-tschung tschi ming V, 17, 1. Darauf bezieht sich Meng-tseu II, 2, 9. Der Fürst 
von Thsi hatte das Reich Yen, wie schon erwähnt, unterworfen. Dieses empörte sich aber und 
der König schämte sich, weil er Meng-tseu's Rath nicht befolgt hatte. (S. I, 2, 10 und 11). Einer 
seiner Beamten Tschhin-kia, gegen denn er desshalb sich äusserte, sagte aber, er solle sich das 
nicht kümmern lassen; ob der König glaube, dass er humaner und weiser sei als Tscheu-kung. 
Der König sagte: „Was ist das für eine Rede?" Tscheu-kung, sagte Jener, stellte Kuan-scho an, 
um (den Erben von Yn) zu beaufsichtigen, aber Kuan-scho fiel mit Yn ab; wusste er, dass er 
das thun würde, dann war er nicht human; wusste er es aber nicht, dass er so handeln würde, 
so war er ohne Einsicht; wenn nun Tscheu-kung's Humanität und Einsicht noch nicht genügend 
(erschöpfend) war, um wieviel weniger könne man es vom Könige verlangen.' Erlaube, dass ich 
Meng-tseu aufsuche (besuche), um das Räthsel zu lösen. Er besuchte dann Meng-tseu und fragte 
ihn und sagte: Was für ein Mann war Tscheu-kung? (Meng-tseu) sagte: Ein vollendeter weiser 
Mann (sching-jin) des Alterthums. Spi'icht jener: ]Er hiess aber Kuan-scho Yn beaufsichtigen;- , 
Kuan-scho aber fiel mit Yn ab, war dem nicht so? Meng-tseu sagte; So war es. Spricht jener: 
Wusste Tscheu-kung, dass er abfallen werde und gab ihm doch den Auftrag, so war er doch 
ohne Einsicht, dann können heilige Männer auch fehlen (irrenj. (Meng-tseu) sagte: Tscheu-kung 
war der jüngere Bruder, Kuan-scho sein älterer Bruder : war daher Tscheu-kung's Irrthum nicht 
billig (verzeihlich)? Wenn die Weisen des Alterthums irrten (fehlten), so verbesserten sie es; 
wenn die Weisen der Jetztzeit aber Fehler begehen, so beharren sie dabei. Die Irrthümer der 
Weisen des Alterthums waren wie Sonnen- und Mondsfinsternisse; alles Volk sieht sie, aber wenn 
sie vorbei sind, blickt dennoch alles Volk zu ihnen empor (hinauf), während die jetzigen Weisen 
dem Irrthume "nicht nur folgen, sondern ihn auch noch entschuldigen." — Dies waren die alten 
weisen Fürsten und deren Minister, die Confucius und seinen Nachfolger als Muster dienten. 

Meng-tseu VII, 2, 3, 8, 2 sagt : „VonYao und Schün bis Thang waren über 500 Jahre, Yü und 
Kao-yao sahen sie und kannten (wussten) so (ihre Lehren^; Thang hörte von ihnen und kannte 
sie so. Von Thang bis Wen-wang waren wieder über 500 Jahre; Y-yn und Lai-tshhu^) sahen, 
ihn und kannten so (seine Lehren); Wen-wang hörte von ihm und wusste sie so. Von Wenr/-' 
wang bis Confucius waren wieder über 500 Jahre; Thai-kung^) und San J-seng sahen ihn und 
wussten sie so; Confucius hörte von ihm und kannte sie so. Von Confucius bis jetzt (bis zu 
Meng-tseu's Zeit) sind über 100 Jahre; die Zeit ist nicht ferne, der Wohnort des Heiligen 
war nahe, sollte da nicht einer, (d. h. ich), es sein, der die Lehren inne hätte?" 



1) Nach einigen Tschung-hoei, der Minister Tsching-thang's s. Schu-king IV, 2. 

2) s. Meng-tseu IV, 1, 13. San J-seng soll ein Minister Wen-wang's gewesen sein. 



(389) 41 

2a) Die Grundideen des chinesischen Lehens. 

Die Chinesen nahmen immer 5 Verhältnisse (ü-lün) unter den 
Menschen als massgebend an, das des Vaters zum Sohne, das des Gatten 
zur Gattin, das des Aeltern zum Jüngern, das des Fürsten zum ünter- 
than und das zwischen Freunden und Genossen. Die 3 wichtigsten oder die 
Grundverhältnisse (San-kang) sind die zwischen Mann und Frau, zwischen 
Elitern und Kindern und zwischen Regierenden und Regierten. Die 
beiden ersten Verhältnisse haben wir in unserer Abhandlung: über die 
häuslichen Verhältnisse der alten Chinesen, München 1863 8^, aus den 
Sitzungsberichten der kgl. b. Akad. der Wissenschaften 1862 Bd. 2, aus- 
führlich nach den Quellen dargestellt, und können uns hier darauf be- 
schränken, die Hauptmomente daraus hervorzuheben ; über die andern 
müssen wir das Nöthige noch hinzusetzen. Wir bemerken, dass die 
scharfe Trennung der Geschlechter und die völlige Unterordnung 
und Unterwürfigkeit der Frau unter den Mann charakteristisch ist. 
Da die chinesische Cultur in einem gemässigten Klima in den Nord- West-Pro- 
vinzen begann, und da der Ackerbau die verschiedenen Geschlechter bei den 
■Arbeiten des Landbaues nothwendig zusammen brachte, sollte man einen 
freieren Verkehr der Geschlechter erwarten; die kleinlichen und peinlichen 
Verordnungen aber, welche allen freien Verkehr zwischen den Geschlechtern 
so gänzlich abzuschneiden suchte, dass eine männliche Person nicht einmal 
unmittelbar aus der Hand eines weiblichen Wesens etwas hinnehmen sollte, 
(Meng-tseu IV, 1, (II, 9) 17, Li-ki I, 2, 31), lässt die Gesetzgeber offenbar als 
überaus sinnliche Menschen erscheinen und setzt eine Zeit voraus , wo 
schon eine Pallast- oder Harem swirthschaft in China stattfand. Wir 
haben auch schon bemerkt, dass diese strenge Absonderung der Ge- 
f schlechter nur für die höheren Klassen Geltung haben konnte. Was 
■t" 31^ "Unterordnung der Frau unter den Mann betrifft, so blieb sie immer 
'''von ihm abhängig; unverheirathet war sie von ihrem Vater oder wenn 
der gestorben war, von ihrem älteren Bruder, nach der Verheirathung 
von ihrem Manne und nach dessen Tode als Wittwe von ihrem ältesten 
Sohne abhängig. Aus der Trennung der Geschlechter und der Abhän- 
gigkeit der Frau vom Manne folgt schon , dass die Ehe in China nicht 
auf gegenseitiger Bekanntschaft und Neigung beruhte, sondern von den 

Ausd.Abh. d.i. d.d. k.b Ak. cl.Wiss.XI.Bd.il. Al)h. '-,0 (0) 



42 (390) 

Eltern abgeschlossen wurde. Ursprünglich und überhaupt die Masse 
hatte nur eine Frau (tsi) ; beim Mangel von männlichen Erben ^} führte die 
Nothwendigkeit der Erhaltung des Ahnendienstes und der Opfer, die der 
Sohn 'darbringen .musste, zur Annahme einer Neben -Frau (Tsie), um 
das Geschlecht fortzusetzen und die Grossen und die Kaiser legten sich 
später ganze Harems zu. Ihre Kinder ehrten aber die erste Frau als 
Mutter. Diese theilte die Ehren des Mannes, waltete als Hausfrau im 
Hause und wurde geehrt als Mutter. 

Was das Verhältniss der Kinder zu den Eltern betrifft, so war 
die völlige Hingabe an den Yater mit Verläugnung aller Selbstständig- 
keit und Selbstheit dem Sohne vorgeschrieben, und die Schwiegertochter, 
die mit der Heirath aus ihrer Familie in die ihres Mannes übertrat, hatte 
ebenso den Schwieger-Eltern zu dienen. Der Sohn und seine Frau 
hatten bei Lebzeiten seines Vaters kein besonderes Eigenthum, standen 
ihnen unbediligt zu Befehle und der Ahnendienst sollte auch nach dem 
Tode noch diese Pietät fortsetzen lassen. Wir verweisen wegen des 
Speziellen auf unsere obige Abhandlung. Das Verhältniss zwischen 
Freunden können wir übergehen, aber das zwischen Aeltern und. 
Jüngern müssen wir hier noch hervorheben. Brüderliche Liebe, wie 
zwischen Geschwistern, die sich gleichstehen, kommt in China nicht vor, 
Bis in die Zeit der Sprach- und Schrift-Bildung und über die Zeit der 
Trennung der verschiedenen Völkerstämme, die zu der chinesischen Race 
gehören, geht der Unterschied zwischen altern und Jüngern Brüdern 
hinauf; die Sprache hat ■ :dafür schon besondere Wörter ausgeprägt; 
Hiung und Kuen für den altern Bruder, Ti für den jüngeren. Der 
ältere Bruder geht voran , der jüngerß folgt ihm. Der jüngere Bruder 
muss gegen den älteren ehrfurchtsvoll sein ; der ältere gegen den Jüngern 
liebevoll. Inese Achtung gegen den älteren Bruder setzt sich dann auch 
gegen das Alter (Aeltere) überhaupt fort." Wer 20 Jahre älter ist, als-. 
ich, dem diene ich als (meinem) Vater, heisst es im Li-ki C. Kio-li 1 f. 9, wer 
10 Jahre älter ist, als (meinem) älteren Bruder, wer 5 Jahre älter ist, 
da folge ich hinter diesen etwas zurücktretend (Kien-sui). Trägst du eine 



1) Meng-tseu IV, 1, 26, (II, 7, 26) sagt: „Zur Impietät gehören 3 Sachen; ohne Nachkommen 
sein ist die grösste (wu heu yeu ta)." 



(391) 43 

leichte Last, heisst es im Li-ki C. 5 Wang-tschi f. 38, so nimm die des Aelteren 
auch noch, auf, sind beide schwer, wenigstens einen Theil;s siehst du 
einen Greis auf der Strasse eine Last tragen, so nimm sie ihm ab, der 
60ger und 70ger darf nicht zu Fuss gehen." Die Greise wurden schon 
in alter 2ieit von den Kaisern besonders geehrt und tractirt. Die Pflichten 
des Schülers gegen den Lehrer — des früher gebornen (sien-seng) im Ge- 
gensatze gegen den später gebornen (heu-seng) — schliessen sich dem an. 
Als eine Fortsetzung der Unterwürfigkeit der Kinder gegen den Vater 
wird nun das Verhältniss des Unterthanen oder des Volkes zum Fürsten 
betrachtet. Der Begriff Volk hat in China immer und schon zur Zeit 
der Schriftbildung nur etwas Rohes, Ungebildetes bezeichnet; der Cha- 
rakter für Volk (Min) ist eine wild aufwachsende Pflanze, es vegetirt 
bloss und ist ohne Einsicht; es bildet nur den Leib des Staates, von welchem 
der Fürst die Seele ist. Die alte Zeit kam nicht über den Begriff ' 
der Regierenden und,Regierten hinweg. „Wie es nur einen Himmel oben 
gibt und eine Erde unten, heisst es im Li-ki Cap. Yo-ki 60 p. 90, so 

. verhalten sich Fürst und Unterthanen zu einander; wie es Höhen und 
Tiefen gibt, so gibt es angesehene Männer und gemeine, wie Bewegung 
und Ruhe sich folgen, so unterscheidet sich klein und gross." 

Damit ist nun. aber nicht gesagt, dass der Kaiser und die Regie- 
renden nur nach Willkür verfahren dürfen. Der Himmelssohn, wie der 
Kaiser heisst, soll nur den obersten Kaiser (Schang-ti) bei der Welt- 
regierung unterstützen , iind wie die Welt nur durch Gesetzmässigkeit 

' besteht, so auch das Reich; der Kaiset soll selber nur der Repräsentant 
des Gesetzes und mehr als seine Unterthanen, der Sclave, wenn nicht 
ein freier Diener des Gesetzes sein. Er hat bei der Gebung der Ge- 
setze wie bei deren Vollziehung auf den Rath seiner Grossen zu hören 
und selbst die Stimme des Volks zu berücksichtigen. Das gemeine 

./Beste und das Wohl Aller sollte immer die Haupt-Rücksicht sein. 
Ein Privilegien- und Ka^stenwesen war China immer fremd. Hauptpunkte 
für den Herrscher waren zunächst die Sorge für den Unterhalt . des 
Volks, demnächst die Belehrung desselben, d. h. die Verbreitung der 
Grundsätze der chinesischen Moral, des Ackerbaues, die Aufrechthaltung 
der bürgerlichen Ordnung und Ruhe und Aushilfe in Zeiten der Noth. 
Die Acker- Vertheilung und Abgaben-Erhebung war ursprünglich so, dass 



44 (392) 

keine Kamille ohne Eigenthum war, sie musste für den Staat arbeiten, 
hatten aber auch ihren genügenden Antheil am Gemein-Eigeuthura 
zu ihrem Unterhalte. Eine Bonitirung der verschiedenen Aecker fand 
früh statt. Die, Gesetze waren früh aufgeschrieben und wurden Allen 
bekannt gemacht. Die Beamten sollten dem Fürsten gegenüber durchaus 
unterwürfig sein,, doch dürfen sie es an freimüthigen Vorstellungen nicht 
fehlen lassen. Die Belehrung des Volkes über seine Pflichten soll immer 
vorausgehen, wo aber diese nicht ausreicht, da treten die 5 Strafen 
(ü-hing) unerbittlich ein. Sie sind strenge, aber über ihre zweckmässige 
Anwendung werden schon früh, z. B. in dem Cap. des Schu-king Liü- 
hing V, 27, das man unter Mu-wang 1002 — -947 v. Chr. ansetzt, sehr 
vernünftige Vorschriften .gegeben. Die spätere Zeit, welche sich die 
älteste Zeit wohl irrig als eine durchaus unschuldige, sittenreine dachte, 
träumte von einer Zeit, wo unter Yao und Schün noch gar keine Strafen 
angewendet wurden , so Tseu-tschang bei Kung-tschung-tseu im. I-sse 
95, 4, 5 V. und 11 v. und eine ähnliche B'rage stellt im Kia-iü 30 f. 14 
wegen der Zeit der 3 (San-) Hoang und 5 Kaiser (U-ti) sein Schüler 
Yen-jeu an Confucius. Dies^ ist aber unhistorisch. "Wir werden unten, 
wo von den Strafen die Rede ist , auf diesen speziellen Punkt indess 
besser zurückkommen. Die alten Chinesen, ein fleissiges ackerbauendes 
Volk, war nie eine kriegerische Nation. In alter Zeit wurde die Jagd 
fleissig geübt, die Felder vor dem Wilde zu schützen und auch das 
Wild zur Nahrung und für die Opfer zu gewinnen. Die Jagd diente 
auch als Vorübung des Krieges. Aber diesen führte man nur, um den 
rohen barbarischen Stämmen und etwaigen inneren Unruhen zu wehren; 
man führte keinen Eroberungskrieg, bloss um andere Stämme zu unter- 
jochen ; derartige Kriege haben die Weisen der Nation immer verdammt. 
Diese Anschauung reicht bis in die Zeit der Schriftbildung hinauf. Der 
Ausdruck für erobern: Tsching ist schon zusammengesetzt aus dem 
Zeichen gehen (Cl. 60), und in Ordnung oder zum Rechten zu bringen, 
und . der Ausdruck- Wu Krieg ist zusammengesetzt aus Cl. 62 Lanze 
und Cl. 77 hemmen (die Anarchie). Charakteristisch für China ist das cer e- 
moniöse Wesen, welches zur äussern Artigkeit, Unterordnung und Disci- 
plin des Volkes wesentlich beitrug, aber auch den blossen äussern Schein des 
Wohlverhalteus beförderte. Man unterschied die Li und J und rechnete 



(393) 45 

von jeder Art 300. Eigene Werke, wie der Li-ki und J-li, waren 
darüber verfasst und die Gebräuche nicht nur bei religiösen und Hof- 
Festen, sondern auch bei Empfang der Gäste , bei Bänquetten , bei der 
Heirath, bei Leichenbegängnissen, Jagden und Kriegszügen bis in's 
Kleinste geregelt und vorgeschrieben und' die Beobachtung derselben 
galt für ebenso wichtig als die der Moral, des Rechtes und der Religion. 
Der religiöse Cultus war zuletzt nichts als eine Menge solcher Ceremo- 
nien. Die alte Religion war ursprünglich sehr einfach, ein Abbild und 
zugleich eine Stütze ihres Systems. Der Himmel oder der oberste Kaiser 
Schang-ti, hatte, wie der irdische eine Menge Beamten, so eine Schaar 
der Geister anter sich ; ihm und den höheren Geistern opferte der Kaiser 
allein, den andern die Vasallenfürsten. Der Cnltus der Einzelnen beschränkte 
sich fast nur auf den Ahnendienst, bestimmt die Pietät gegen die Eltern 
auch nach dem Tode noch fortzusetzen und zu befestigen. Da ich in 
meinen 2 Abhandlungen: über die Religion und den Cultus der alten 
Chinesen. München 1862 u. 63 4^ ausführlich darüber gehandelt habe, 
brauche ich hier in näheres Detail nicht weiter einzugehen. Mit diesen 
wenigen Andeutungen über die Grundideen des chinesischen Lebens 
müssen wir uns hier begnügen. 



2h) Die Verfassung_ Chinas unter der 3. Dynastie der Tscheu. 

Wir haben oben angedeutet, in wie ferne der kindliche Gehorsam, 
den das Kind dem Vater schuldig ist, sich beim Unterthanen Hin- 
sichts des Fürsten und die väterliche Fürsorge des Fürsten anderseits 
auf jene sich ausdehnen sollte. Man würde aber gänzlich irren, wenn 
man daraus auf eine bloss väterlich-despotische Regierung schliessen 
■ Wollte. Die Regierung war in China unter den 3 ersten Dynastien 
durch und durch organisirt und wenn wir sie mit einem Worte be- 
zeichnen sollen, so war es eine Feudalmonarchie. Schon beim 
Sturze der ersten Dynastie Hia durch Tsching-tang sehen wir verschiedene 
kleine Reiche, die er besiegt. Zu Tsching-tang' s Zeiten soll man nach 
Ma-tuan-lin S. 20 B. 246, Nouv. Journ. as. T. X p. 112 an 3000 Lehen 
gerechnet haben. Unter der 3 ten Dynastie Tscheu soll es ursprünglich an 



46 (394) 

1800 (1773) solcher Lehen-Herrschaften gegeben haben. Der Stifter 
der Dynastie Wu-wang soll 72 neue errichtet haben, 55 für Mitglieder 
seiner Familie, nämlich 15 für seine Brüder und Bruderkinder und 40 
für Mitglieder der Familie seiner Frau. s. Sse-ki, Bayer. Comm. soc. Pe- 
trop. T. VII. p. 273 und 274, de Mailla T. I, p. 269 u. fg. V, 230, du 
Halde H p. 487 fg. UAd 719. 

Da wir in unserer Abhandlung über die Verfassung und Verwaltung 
China's unter den 3 ersten Dynastien München 1865 4^ aus d. Abh. 
d. bayer. Ak. d. W, das wenige, was wir über die Verfassung unter den 
beiden ersten Dynastien wissen, zusammengestellt und erörtert haben, 
begnügen wir uns hier mit einem Abrisse der Verfassung der 3. Dyn. 
Tscheu, wie sie bei Confucius und seinen Nachfolgern, namentlich 
Meng-tseu, als altes verloren gegangenes Ideal hervortritt, indem wir 
die zum Theil abweichenden Angaben der Tscheii-li u. Li-ki c. 5, welche in 
unserer Abhandlung schon erörtert sind, hier unberücksichtigt lassen. 
Die Stelle des Li-ki Yo-ki C. 19 f. 35 über Wu-wang's Vertheilung 
der Lehen ist oben S. 384 schon mitgetheilt. 

Die Hauptstelle bei Meng-tseu ist V, 2, 2, 3 — 9: Pe-kung-i, (ein Beamter von Wei), fragte 
ihn nach der Vertheilung der Würden und Einkünfte im Hause der Tscheu, wie war die? Meng- 
tseu sagte: Das Spezielle ftsiang) darüber kann man nicht mehr erlangen zu hören, da die Va- 
sallenfürsten (die Einrichtungen) als ihnen selbst schädlich hassten und daher die Nachrichten 
darüber vernichteten; indess habe er den allgemeinen TJmriss (lio) doch vernommen (gehört). 
Der Kaiser (Thien-tseu) bildete eine Würde (wei); der Kung eine Würde, der Heu eine Würde, 
der Pe eine Würde, die Tseu und Nan zusammen eine Würde, im Ganzen also 5 Rang-Stufen 
(teng). (In jedem einzelnen Reiche bildete) der Fürst (Kiün) eine Würde, der Minister 
(Khing) eine Würde, der Ta-fu (Grossbeamte) eine Würde, der obere Sse eine Würde, der 
mittlere Sse eine Würde und der untere Sse eine Würde: zusammen 6 Rangstufen. Dem Kaiser 
war ein Gebiet von 1000 — immer Q — Li (Fang) zugetheilt ; die Kung und Heu hatten jeder 100 Li, 
die Pe 70 Li, die Tseu und Nan 50 Li, im Ganzen 4 Rangstufen. Die nicht 50 Li besassen, hatten 
nicht Zutritt bis zum Kaiser, waren ein Anhängsel von einem Vasallenfürsten und hiessen daher 
Fu-yung, etwa Aftervasallen. Des Kaisers erster Minister (Khing) erhielt an Land soviel als ein 
Heu ; (sein) Ta-fu erhielt an Land soviel als ein Pe, sein erster Sse erhielt an Land soviel als. 
ein Tseu und Nan. In einem grossen Reiche von 100 □ Li hatte der Fürst die 10 fachen Ein- 
künfte des Khing; sein Khing die Einkünfte von 4 Ta-fu; der Ta-fu die doppelten eines oberh 
(schang) Sse; der obere Sse die doppelten eines mittleren (tschung-) Sse; der mittlere Sse die dop- 
pelten eines unteren (hia-) Sse; der untere Sse und die Masse der Leute, die ein Amt hatten, 
hatten gleiche Einkünfte; die Einkünfte waren (genügend) soviel, dass sie gleichkamen dem, was 
sie durch Feldbau erzielt hätten. 

In dem Reiche der nächstfolgenden Klasse von 70 Q Li) hatte der Fürst die 10 fachen Ein- 
künfte des Khing; der Khing die Einkünfte von 3 Ta-fu; der Ta-fu die doppelten des oberen 
Sse; der obere Sse die doppelten des mittleren Sse; der mittlere Sse die doiDjjelten des unteren 



(395) 47 

Sse; der untere Sse hatte mit dem Haufen von Leuten im Amte gleiche Einkünfte; der Einkünfte 
waren soviel, als sie durch Ackerbau erzielt hätten. 

In einem kleinen Reiche von 50 □ Li hatte der Fürst die 10 fachen Einkünfte des Khing, 
der Khing die doppelten Einkünfte des Ta-fu, der Ta-fu die doppelten des oberen Sse, der 
obere Sse die doppelten des mittleren Sse, der mittlere Sse die doppelten des unteren Sse, der 
untere Sse hatte mit dem Haufen der Leute, die Aemter hatten, gleiche Einkünfte. Die Einkünfte 
genügten ihnen denFeldbau zu ersetzen. 

Was die Feldbauer betraf, so erhielt Jeder 100 Meu; wenn die 100 Meu gedüngt wurden, 
so nährte der Landbauer höchster (erster^ Klasse davon 9 Mann (Leute); die nächste Klasse er- 
nährte 8 Mann ; die mittlere Klasse ernährte 7 Mann, die nächste ernährte davon 6 Mann ; die 
unterste Klasse ernährte davon 5 Mann. Die Einkünfte des Haufens von Leuten im Amte waren 
darnach (auch verschieden). II, 1, 1, 10 sagt Meng-tseu: (Zur Zeit) der Blüthe der D. Hia, Yn 
und Tscheu betrug das Kaiserland nicht über 1000 Li; soviel hatte zu seiner Zeit Thsi. Es bedürfe 
daher keiner Erweiterung des Gebietes, noch einer Mehrung der Bevölkerung, wenn (dessen König) 
nur eine humane Regierung führe, könne Niemand ihn hindern, ein rechter Kaiser (Wang) zu 
werden." Dies ist die beständige Rede von Confucius und seiner Schule. VI, 2, 8, 5 sagt Meng- 
tseu: „Das Land (Gebiet) des Kaisers betrug lOOOQ Li; hätte er nicht 1000 Li gehabt, so ge- 
nügte es nicht, die Vasallenfürsten zu unterhalten (bejvirthen). Die Vasallenfürsten (Tschu-heu) 
hatten 100 □ Li; wenn sie nicht 100 Li hätten, genügte es nicht, die Ordnung und Gebote für 
den Ahnentempel aufrecht zu erhalten. Als Tscheu-kung mitLu belehnt wurde, hatte es 100 □ Li; 
war das Land etwa nicht genug? und doch betrug es nicht über 100 Li. Als Thai-kung mit 
Thsi belehnt wurde, hatte er auch nur 100 □ Li; war das Land etwa nicht genug? Und doch 
waren es nicht mehr als 100 Li. Jetzt besitzt Lu 500 □ Li , wenn jetzt ein rechter Kaiser er- 
stände, würde da Lu vermindert oder vermehrt werden? Bloss diesem etwas zu nehmen, um es 
einem andern zu geben, das würde ein humaner Mann nicht thun, um wie viel weniger 
würde er dies durch Tödtung von Menschen zu erlangen suchen ? Ein Weiser dient seinem Fürsten, 
indem er sich bemüht, seinen Fürsten auf den rechten Weg zu leiten und seine Absicht zur 
Humanität (jin) zu lenken ; nichts weiter." ^) 

Was die Vertheilung. der Ländereien betrifft, so war nach Meng-tseu (VII, 1, 22, 2) 
Wen-wang, noch ehe er Kaiser wurde, darin ein Muster. Die Einrichtung war nach ihm folgende: 
„Einer hatte 5 Meu bei der Wohnung; pflanzte er unterhalb der Mauern Maulbeerbäume, dass die 
Frauen Seidenwfirmer damit füttern konnten, so genügte es, dass die Alten sich in Seide kleiden 
konnten. Wenn jede (Familie) 5 Mutter- (Brut-) Hennen und 2 Mutter- (Zucht-) Säue hielt und 
ihre Zeit nicht verpasst wurde, so hatten die Alten genug, dass ihnen Fleisch (zum Essen) nicht 
mangelte ; wenn einer ein Feld hatte von 100 Meu und er bebaute es , so brauchte eine Familie 
von 8 Mäulern nicht zu hungern. Dies will das sagen: Der Anführer des Westen (Si-pe, d, i. 
Wen-wang) nährt die Greise gut." Er regelte nämlich ihre Felder und Wohnungen, lehrte sie 
Anpflanzungen und Viehzucht und leitete ihre Frauen und Kinder an , ihre Alten zu ernähren. 



1) Confucius im Li-ki Cap. Fang-ki 30 f. 22 v. fg. erklärt sich über die Beschränkung, die 
den Vasallenfürsten aufgelegt war, so: Arm sein und doch die Musik lieben, reich sein 
und doch die Gebräuche (Li) lieben, viel Volk haben und doch ruhig sein, das thun im 
ganzen Reiche nur wenige. Er citirt dazu den Schi-king III, 3, 3: Daher sei die Anord- 
nung, dass ein Einzelreich (Vasallenreich, Kuo), nicht über 1000 Streitwagen haben, die 
Mauern einer Residenz nicht über lOOTschi (Fuss) hoch sein sollten, der Reichthum eines Hauses 
(eines Ta-fu) nicht über 100 Streitwagen betragen sollte, darum setze man den Vasallen- 
fürsten diesen Damm (diese Beschränkung) auch im Landbesitze." 



48 (396) 

Ist einer ein Fünfziger, so kann er ohne Seidenzeug sich nicht wärmen; ist einer ein Siebziger, 
so wird er ohne Fleisch nicht gesättigt; wird einer nicht erwärmt und gesättigt, so friert und 
hungert er. Wen-wangs's Volk aber Hess seine Greise nicht hungern und frieren. Das will das 
sagen." I, 1, 3, 4 empfiehlt er dieselben Grundsätze einer guten llegierung dem Könige Hoei von 
Leang oder Wei. 

Wir bemerke^ dazu, dass der alte Meu 100 □Sehritt ä 6 Ellen enthalten haben soll; ,900 Meu 
bildeten ein Quadrat, das mittlere Quadrat hiess Kung-tien, das Staatsfeld. Die andern 8 er- " 
hielten 8 Familien für sich , die dafür das Staatsfeld niitbebauen mussten. Von diesen waren 
aber 20 Meu abgetheilt und jeder Familie davon 272 zum Anbaue gegeben, ebenso viel erhielten 
sie in ihrem Dorfe oder ihrer Stadt für ihre Wohnung, im Ganzen also 5 Meu; bei den Häusern 
sollten sie aber Maulbeerbäume pflanzen , damit das Land ganz für den P' eidbau bliebe. 

Nach diesem werden Meng-tseu's Aeusserungen über die Abgabenverhältnisse unter den 
3 ü. verständlicher. Er sagt III, 1, 3, 6 : ,, Unter der Familie der Fürsten von Hia erhob man von 50 Meu 
die Abgabe Kung; unter den Leuten von Yn (der 2. D.) von 70 Meu die Abgabe Tsu; 
unter den Leuten der (3. D.) Tscheu von 100 Meu die Abgabe T seh he. Das Wesentliche war: . 
Alle erhoben von 10 Eins (einen Zehnten). Tschhe heisst: Das Theilungssystem ; Tsu: Gegen- 
seitige Unterstützung. Lung-tseu (ein alter Weiser, von dem man sonst nichts weiss) sagte: Bei 
der Landregulierung ist nichts so gut, als ..das System Tsu, nichts so schlecht, als die Abgabe 
Kung ; bei der Abgabe Kung nahm man den mittleren Durchschnitt von mehreren " Jahren und 
machte daraus eine beständige Abgabe, in freudigen (guten) Jahren, wo Reis und Korn in Fülle 
da ist und man, wenn man viel nähme, es nicht (grausam) drückend wäre, da nimmt man nur 
wenig, in Jahren der Noth, wo auch beim Düngen der Felder diese nicht genug geben, da nimmt 
man die Fülle. Wenn der Fürst, des Volkes Vater und Mutter, macht, dass das Volk beküm- . 
mert um sich blickt und nachdem es das ganze Jahr angestrengt gearbeitet hat, seine Eltern zu 
ernähren nicht im Stande ist, sondern auch noch borgen muss, (seine Mittel) zu mehren, so dass ■■ 
Greise und Kinder in Canäle gestürzt liegen, wie kann dabei einer des Volkes Vater und Mutter- 
heissen? Der Scbi-king sagt II, 6, 8, 3: Regnet es auf unserm Staatsfelde, so kommt der Regen.' 
auch auf unser (Privat-) Feld;" nur beim Systeme Tsu gab es ein Staatsfeld. Man sieht daher ■ 
(aus dieser Stelle), sagt Meng-tseu, dass es auch unter der D. Tscheu ein System Tsu gab. " 

Was die Schulen betrifft, sagt er III, 1, 3 § 10, die Tshiang, Siu, Hio und Hiao dienten 
alle, das (Volk) zu unterrichten. Den Namen der Schule Tshiang erklärt er etwas willkührlich 
durch yang (ernähren); den Namen der Schule Hiao durch einen andern ähnlich lautenden Cha- 
rakter kiao, lehren, eigentlich zur Pietät anleiten; den Namen der Schule Siü durch Sehe, mit 
dem Bogen schiessen. Unter der Dyn. Hia, sagt er, hiess die Schule Hiao; unter der D. Yn . 
Siü- unter der D. Tscheu Tsiang. Die Schule Hio hatten alle 3 Dynastien'). Alle dienten 
die Beziehungen (Ordnungen) der Menschen aufzuklären (sie darin zu unterweisen). Werden der Men- 
schen Ordnungen ins Licht gestellt durch die Oberen, so hegt das kleine Volk unten Zuneigung. 
Wenn ein rechter König (Wang) erstünde, so würde er daran sich ein Muster nehmen und du 
würdest der Lehrer des Musterkaisers." Der Schi-king 111,1,1,1 sagt: „Obwohl Tscheu ein altes 
Lehen (Pang) ist, ist sein Kaisermandat (Ming), doch neu." Er meint damit Wen-wang. Wenn 
du mit Kraft dieses übest, sagt er zum Fürsten von Teng, so wirst du auch dein Fürstenthum " 

erneuen. 

Um die Ordnung im ganzen Reiche aufrecht zu erhalten, dienten auch die Inspektions-. 
reisen der alten Kaiser. Auch diese preiset Meng-tseu an. VI, 2, 7, 2 sagt er: Wenn der 
Kaiser die Vasallenfürsten besuchte, so hiess das Siün- scheu, die Inspektionsreise; wenn die 

1). Abweichend sagt der Li-ki V, .5, 10: Tsiang habe die Schule unter Schün geheisen, Siü 
unter der D Hia, Hio unter der D. Yn und Kiao unter der D. Tscheu. 



(397) 49 

Vasalleiifürsten am Hofe dem Kaiser aufwarteten (tsuliaoj, so hiess das Schu-tschi, berichten 
über die Verwaltung. Im Früblinge sah man nacli den Pflügenden und fügte hinzu, wo nicht 
genug waren; im Herbste sah man nach den Aerntenden und half aus, wo sie nicht hinreicliten. 
Betrat der Kaiser ihre (der Vasallenfürsten) Grenze , und das Landgebiet war bestellt (phi) und 
die Felder wohl bebaut, ernährte man die Greise, ehrte die Weisen, waren talentvolle Männer in 
Aemtern, dann" wurde der Fürst mit Land belohnt. Wenn er aber das Land betrat und es war 
wüste und' voll Unkraut (hoang-wu), waren die Greise vernachlässigt, die Weisen zurücßgesetzt, 
Abgabenerheber (Pei), die zulangten, in Aemtern, dann wurde er getadelt. Kam ein Füi-st ein- 
mal nicht an den Hof, so wurde sein Rang vermindert; erschien er zweimal nicht am Hofe, so 
wurde sein Gebiet verkürzt, kam er dreimal nicht zu Hofe, so entsetzten die 6 Heere des Kaisers 
ihn. Der Kaiser strafte so, (befahl so zu strafen), griff ihn aber nicht selber an; die Vaeallen- 
fürsten machten den Angriff, hatten aber nicht zu strafen." Meng-tseu erwähnt dann, wie anders 
dies unter den 5 Pa (Gewaltherrschern) war; siehe unten, 

King-kung von Thsi (546 — 488 v. Chr.) wollte derzeit eine solche Besuclisreise machen und 
fragte nach Meng-tseu I, 2, 4, 4 fg. seinen Minister Ngan-tseu, wie er das einrichte, dass sie der 
der alten Kaiser ähnlich werde. Dieser erwiederte: eine gute Frage. Wenn dei' Kaiser die Vasallen- 
fürsten besuchte, so hiess das Siün-scheu. Er erklärt dies, beaufsichtigen (eigentlich bereisen 
zu Wasser), was einem anvertraut ist. Wenn die Vasallenfürsten beim Kaiser zu Hofe gingen, 
so hiess das Scliu-tschi, berichten über die Verwaltung ; keines war ohne Arbeit. Im Früblinge 
sahen sie nach den Ackernden und ergänzten, wo nicht genug waren; im Herbste sahen sie nach 
den Aerndtenden und halfen aus, wo sie nicht hinreichten. Ein Sprichwort der Hia sagte: Wenn 
unser Kaiser (Wang) nicht seine Promenade (Yeu) macht, wie können wir Ruhe (Glück) haben; 
wenn unser Kaiser nicht seinen Jagdzug (Excursion, yü) macht, wie erlangen wir Hilfe. Eine 
solche Frühlings- und Plerbsttour war (auch) Regel für alle Vasallenfürsten. Er setzt dann hinzu, 
•^vie zu seiner Zeit diese Fürstenreisen aber zu Raubzügen ausgeartet waren. 

Confucius im Li-ki C. Piao-ki 32 f. 46 — wenn die Stelle von ihm 
ist — charakterisirt die SDynastien nach ihrer Verschiedenheit. Das 
System (Tao, der Weg) der Hia war zu. ehren die Bestimmung, zu 
dienen den Manen (Kuei), Respekt zu haben (king) vor den Geistern 
(Schin), aber sie ferne zu halten. Sie näherte sich den Menschen mit 
Redlichkeit (Tschung), sah zuerst auf die Einkünfte (Lu) und darnach 
erst auf die Würde (Wei), hielt erst auf Belohnungen (Schang) und dann 
erst auf Strafen (Fa). Sie liebte, aber ehrte nicht ihr Volk; das Volk 
war gemein (pi), stupide und dumm, hochmüthig und bäurisch, unge- 
schmückt (pho, eigentlich die Rinde) und ohne Cultur (wen, Zierde). 

Y n ' s Leute ehrten die Geister und trieben das Volk an, den Geistern 
zu dienen; sie setzten voran die Manen (Kuei) und nach die Bräuche 
(Li), voran die Strafen und nach die Belohnungen; sie ehrten, aber 
liebten nicht; ihr Volk war gemein, gross (thang), aber ohne Ruhe 
(Thsing); es eroberte und erröthete darüber nicht. 

Tscheu's Leute ehrten die Bräuche, breiteten aus den Dienst der 
Aus d. Abb. d. L Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XI. Bd. U. Abth. 5 1 (7) 



50 (398) 

Manen (Kuei), hatten Ehrfurcht (King) vor den Geistern, hielten sie 
aber ferne, aber näherten sich den Menschen durch Redlichkeit. Zu 
ihren Belohungen und Strafen verwandten sie die Rang- Stufen (tsio lie). 
Sie liebten und ehrten nicht ; ihr Volk war gemein , sah auf 
seine:df- Vortheil, war geschickt (kiao), cultivirt (zierlich, wen), aber 
nicht vorschreitend, diebisch, aber versteckt (pi), u. f. 47 v. sagt Con- 
fucius: Hia's System war nicht viel zu reden, nicht Strenge anzu- 
wenden, nicht Grosses vom Volk zu erwarten. Das Volk war unerschöpf- 
lich, sie zu lieben. Yn's Leute gaben (sprachen) nicht viel auf die 
Bräuche (Li), suchten (erwarteten) nicht viel vom Volke. Tscheu' s 
Leute waren strenge gegen das Volk , kümmerten sich wenig um 
die Geister, aber Belohnungen, Ehren, Strafen und Züchtigungen 
waren reduzirt. Confucius sagte: Yü's (Schün's) und Hia's Prinzip ent- 
hielt (zeigte) wenig Entfremdung gegen das Volk; Yn's und Tscheu's 
Prinzip bezwang nicht ihre Niedrigkeit (pi); Confucius sagte: Yü's (d. i. 
Schün's) und Yü's Talent (Realität, Tschi), Yn's und Tscheu's Cultur 
(Zierlichkeit) war die höchste; Yü's und Hia's Cultur (Zierlichkeit) 
übertraf nicht ihre Realität, Yn's und Tscheu's Realität übertraf nicht. 
ihre Cultur (wen, Zierlichkeit). 

Wir schliessen hieran Confucius Ideal der glücklichen alten' 
Zeit, im Gegensatze zu seiner Zeit, wenn es von ihm ist. Der Kia-iü 
im Cap. Li-iün 32 fol. 17 v. , auch im Li-ki C. Li-iün 9 f. 46 v. (8 
p. 39 sq.) erzählt: Als Confucius Sse-keu in Lu -^ar — diese Bestim- 
mung lässt der Li-ki ^) aus — war er als Gast beim Opfer Tscha. Als 
das Opfer vorbei war, ging er hinaus, und spazirte oben in^ der Warte 
(über dem Thore 2) und seufzte dabei (über Lu) — setzt der Li-ki hinzu. 
Sein Schüler Jeu-jen, der ihm zur Seite war, sagte: Was seufzt der 
Meister? Confucius sagte: Das einstige Walten der grossen Prinzipien 
(Ta-tao) unter den San- (3) hoang und 5 Kaisern (ü-ti) und zur Zeit 
der Blüthe (Yng). der drei Familien (Dynastien Yü's, Thang's, Wen's und 
Wu's) erlangte ich nicht (zu sehen); ich habe aber doch die Ueber- 



1) Der Li-ki hat dafür: einst, si tsche. 

2) Kuan tschi schang übersetzt Callery irrig: im Hofe. 



(399) 51 

lieferung davon (ki) — oder wie der Li-ki dafür hat, — meine Absicht 
oder Tendenz ist doch darauf gerichtet. 

Als die grossen Prinzipien walteten , war das ganze Reich eine 
öffentliche Angelegenheit (Kung). Man wählte die Weisen und Fähigen 
izur Regierung; man hielt auf Treue (Sin) und cultivirte (hegte) ein gutes 
Einvernehmen (Mo). Daher liebten die Leute (Menschen) nicht allein 
ihre Lieben (Eltern, Tsin), hegten als Kinder nicht bloss ihre Kinder, 
sie machten , dass die Alten (Greise) bis an ihr Ende eine Unter- 
stützung hatten , dass die kräftige Jugend Leute hatte (fand) , die sie 
brauchten. (Die Jugend) hatte (die Mittel) heranzuwachsen^), arme 
Wittwen und Wittwer, Waisen und Alte ohne Kinder, und die Kranken 
hatten alle, die sie ernährten. Die Männer hatten ihren Theil (Fen), 
die Frauen ihre Hauswirthschaft (Kuei, eigentlich Heimkehr) — fehlt 
im Kia-iü. — Die Schätze, die man nicht mochte, Hess man auf der 
Erde liegen und barg sie nicht bei sich. Wozu man Kraft hatte , das 
hielt man für sehr übel, wenn es nicht von einem ausging, wenn es auch 
nicht für einen selbst (khi) war. Daher waren schlechte Projecte ausge- 
schlossen ; es entstanden keine Diebereien, Räubereien, Unruhen und 
gewaltsame Angriffe; daher wurde die äussere Thür auch gar nicht 
verschlossen, diess nennte man die grosse Einigung (Ta-thung). 

Jetzt aber sind die grossen Prinzipien verborgen. Im ganzen 
Reiche gibt es nur Familien (Häuser, Kia); jeder liebt nur seine Eltern 
(tschin), Kinder sind ihm nur seine Kinder, die Reichthümer behält man 
für sich. Die Kraft-Anstrengung ist nur für (die andern Menschen). 
Die Grossen machen ihre Geschlechtsfolge zum beständigen — Gesetze 
(Tschang) — der Li-ki hat dafür Li, Brauche. — Innere und äussere 
Mauern, Gräben und Kanäle machen sie (dienen ihnen) zur Stütze (Be- 
festigung, Ku). Die Bräuche (Li) und das Recht (J) machen sie zur 
Grundlage (eig. zum Bande, Khi), um Fürst und Unterthanen in Ordnung 
zu halten, (zu regeln), anzutreiben (to) Vater und Sohn, zu verbinden 
(vereinigen) ältere und jüngere Brüder, die Harmonie zu erhalten zwi- 
schen Mann und Frau, zu bestimmen Regel und Mass und es festzusetzen 
für Ländereien und Dörfer (Li). Für weise hält man den Starken, Tapferen 



1) Diess fehlt im Kia-iü. 



y* 



52 (400) 

(Yung) und Einsichtsvollen (Tsclii); für verdient, die sich selbst nützen. 
Daher braucht man als Räthe die Schlechten und Kriege entstehen daraus 
— fehlt im Kia-iü — Yü, Thang, Wen-, Wu-, Tsching-wang und 
Tscheu-kung müssten gewählt werden und diese sechs Weisen (fehlt 
im Kia-iü) müssten noch nicht unaufmerksam sein auf die Bräuche (das 
Folgende fehlt im Kia-iü, der von f. 18 an abweicht), ins Licht zu stellen 
ihre Gerechtigkeit, zu offenbaren (zu zeigen, kao) ihre Treue. Sie 
würden an's Licht stellen, wo es Ueberschreitungen (Kuo) gäbe; als 
Gesetz (hing) diente die Humanität, als Rede (Text) die Nachgiebig- 
keit und diess müsste beständige Regel sein. Wäre einer, der sie nicht 
befolgte, so hielte die Menge es für eine Kalamität; diess wäre der Zu- 
stand des kleinen Glückes, (Siao khang, eigentlich kleine Ruhe)." 

3) Der Verfall der Kaisermaclit und der Einrichtungen der 
D. TscJieu. Die Getvaltherrscher (Pa). Der Kampf der Va- 
sall enf Urs ten um die Hegemonie. 

Unter den ersten 7 Nachfolgern Wu-wang's erhielt sich, soviel wir 
wissen, die Einheit des Reiches und die Kaisermacht der Tscheu noch ^). 
Wir haben anderswo^') schon angedeutet, wodurch sie später zerfiel: 
Die Kaiser, deren Gebiet ursprünglich 10 mal so gross war, als das des 
grössten Vasallenfürsten, schwächten ihre Gewalt, indem sie schon seit 
dem 4. Nachfolger Wu-wang's Theile ihres Gebietes an Verwandte oder 
Günstlinge abtraten, während das Reich, ringsum von Barbaren umgeben, 
in den Grenzlanden sich erweiterte und diese Vasallenfürsten an der 
Grenze mit der Zeit theilweise mächtiger wurden als die Kaiser selber 
und dann die grösseren Reiche die kleineren in ihrer Nähe eroberten 
und unterjochten. Die Zahl der einzelnen Vasallenreiche, die zu Anfange 
der D. Tscheu an 1800 (1773) betragen haben soll, war zur Zeit des 
Tschhün-thsieu, wie bemerkt, auf 165 reducirt mit den Barbarenreichen, 



1) Kaiser Mu-wang's (1001—946) weite Reisen und die Vorstellungen Meu-fu's dagegen, die 
ihn davon abstehen liesen, erwähnt Tso-schi Tschao-kung A. 12 f. 62 v. und Kia-iü 41 f. 10 
fg. s. unten bei Tschu Ling-wang. 

2) S. m. Abh. über die Verfass. u. Verwalt. China's unter den 3 ersten D. Abh. d. Ak. 10, 2 S. 539 (89) . 



(401) 



53 



und wohl ohne diese auf 124, wovon nur 21 bedeutend waren s. Amiot 
Mem. T. II f. 284 — 289 mit Taf. 29 und 30. Als die Kaiser, von 
welchen der Verfall der D. Tscheu vorzugsweise datirte, betrachtete auch 
Confucius den 10. und 12. Kaiser der Tscheu Li-wang (878 — 841) 
und Yeu-wang (781 — 770). Im Li-ki Cap. Li-yün 9, f. 53, auch im 
Kia-iü 32 f. 18, sagt Confucius: „Wenn ich sehe auf Tscheu's Prinzip 
(Tao), so haben Yeu und Li es verletzt." Es bezieht sich die Stelle 
aber mehr auf Gebräuche, welche Lu sich angemasst hatte. Was Li- 
wang betrifft, so spricht er von ihm bei Gelegenheit eines Brandes 
seines Ahnentempels, den er für eine Strafe dafür, dass er Wen- und 
Wu-wan'gs Einrichtungen geändert habe, angesehen^ haben soll, im Kia-iü 
15 f., 13, auch im Schue-yuen im I-sse 86, 1 f. 6 v. und im Sse-ki ß. 35, 
f. 3. Wir werden im Leben des Confucius darauf zurückkommen. 



Meng-tseu IV, 1, 2, 4 sagt: „Bedrückt einer sein Volk sehr, so tödtet man ihn und (sein) 
Reich geht zu Grunde; ist (der Druck) nicht so stark, so wird seine Person gefährdet, (sein) Reich 
geschwächt (sio). Nennt man ihn. so heisst er ein Yen (der dunkle) und Li (der Grausame) und 
hat er auch fromme Söhne und liebevolle Enkel, 100 Generationen können das nicht bessern (ändern). 
Der Schi-king (III, 3, 1, 8, aus Li-wang's Zeit) sagt: ,,Der Spiegel für (die D.) Yn war nicht 
ferne, es war die Generation (das Geschlecht) der Fürsten von Hia.'" Das will das sagen. „Die 
Ode sollte Li-wang warnen. Die Stelle VI, 1, 6, 2 wie das Volk unter Yeu- und Li- (wang) das 
Grausame liebte s. oben. S. 372. Yeu-wang's Sohn und Nachfolger Ping-wang (770 — 719) ist der letzte 
Kaiser, der im Schu-king IV, 28 erwähnt wird. Auch der Schi-king hört hier auf und Confucius 
beginnt unter ihm 722 v. Chr. seine Chronik „Frühling und Herbst" (Tschhün-thsieu) genannt, 
die von ihm bis kurz vor seinem Tode herabgeführt wurde. Meng-tseu IV, 2, 21 sagt: Als die 
Spuren der Kaiser (Wang) aufhörten, hörten auch die Lieder auf (Schi-king P. 2 u. 3 : Ya) ; als der Schi- 
king aufhörte, begann der Tschhün-thsieu ; Tsin's (Annalen) Tschiug (d. i. der Wagen), Tscbu's 
(Annalen) Tao-Wu, (,von einem wilden Thiere so genannt) und Lu's Tschhün-thsieu sind eins und 
dasselbe. Die Thaten, die sie erzählen, (?) sind die von Thsi Huan-kung und Tsin Wen-kung. Ilir 
Stil ist histoi'isch. Confucius sagte: Das gerechte Urtheil(J) nahm ich (fügte ich) versteckt hinzu. 
Zu einer vollständigen Darstellung des Confucius würde gehören , dass wir auf die von ihm dar- 
gestellte Periode näher eingingen. Wir würden aber da noch viel weitläufiger werden müssen 
und behalten daher dieses einer besonderen Arbeit vor und bemerken nur, dass dies eine Zeit 
der Bürgerkriege und vielerlei Greuel und Unthaten an den Höfen der einzelnen kloinen Fürsten 
war. Meng-tseu VII, 7, 2, 2, 1 sagt: „Der Tschhün-thsieu spricht von keinen gerechten Kriegen 
(tsching), doch gab es einige, die besser waren, als andere. Die rechten Kriege (Tsching) sind, 
wenn ein Oberer (mit Grund) einen Untern angreift, ihn zum Rechte zu bringen, aber feindliche 
Reiche können sich nicht gegenseitig so l)ekriegen (tsching)." Der Scholiast bemerkt dazu, der 
Tschhün-thsieu erzählt von 23 Kämpfen (Tschen) und 213 Angriffen (Fa), dann von Invasionen 
(Einfällen, Tsin), Belagerungen (Wei), Wegführungen (Tsien), Vertilgungen (Mie) , Niederlagen 
(Pei), Einnahmen von Orten (Thsin), Ueberfällen (Schi), Verfolgungen (Tschui) und Vertheidigungen 
(Schu). Hbai-nan-tseu im I-sse 86, 3 f. 3 v. sagt: Der Tschhün-thsieu umfasst 242 Jahre (722 — 
480 V. Chr.) und erzählt von 52 zu Grunde gegangenen Reichen und 36 getödteten Fürsten. 



54 (402) 

Diese wenigen Angaben genügen schon die Zeit zu charakterisiren. 
Wir können nur einige Hauptmomente aus dieser Zeit, über welche Confu- 
cius und seine Nachfolger sich aussprechen, sowie einige bedeutende 
Fürsten und Minister, über welche seine und seiner Nachfolger ürtheile 
uns noch erhalten sind , mittheilen. Hier treten nun zunächst die so- 
genannten Gewaltherrscher (Pa) hervor. Nachdem nämlich die 
Kaisern! acht gänzlich in Verfall gerathen war und die Kaiser es vergeblich 
versucht hatten, durch Verbindung mit einzelnen Vasallenfürsten ihrem 
Ansehen noch Geltung zu verschaffen, traten einzelne Fürsten von persön- 
lichen Ansehen an die Spitze zum Theile verbündeter Fürsten und hielten 
im Namen des Kaisers und unter stillschweigender Zustimmung des- 
selben eine Art Gesammtautorität noch aufrecht, da China ganz in 
mittelalterliche Herrenfehden zu verfallen drohte. Es werden namentlich 
5 solcher Pa aufgeführt: Huan-kung von Thsi, 685 — 643; Mu- 
kung von Thsin, 659 — -620; Siang-kung von Sung, 650 — 636; 
Wen-kung von Tsin, 636 — 627 und Tschuang-kung von Tsu, 
(Tschu), 613 — 590. Da ihre Gewalt rein persönlich war, nur auf ihrem 
individuellen Ansehen beruhte, dauerte sie nicht einmal ihre ganze ße- 
gierungszeit über, ging von dem Beherrscher eines Reiches auf den eines 
andern über, erstreckte sich nie über ganz China und war auch im 
Einzelnen sehr verschiedener Art. Im Allgemeinen waren Confucius, 
seine Schüler und Nachfolo-er, denen das Ideal eines vollkommenen Kaisers 
(Wang) immer vorschwebte, der Wirksamkeit dieser Gewaltherrscher 
nicht günstig, obwohl sie die Verdienste einzelner wohl anerkannten. 

Meng-tseu VI, 2,7,1 sagt: „Die 5 Pa vergingen sich gegen die 3 Wang (die Stifter der 
3 Dynastien), aber die jetzigen Vasallenfüraten vergelien sich gegen die 5 Pa und die jetzigen 
Ta-fu vergehen sich wieder gegen die Vasallenfürsten." Er will von ihnen nichts wissen. Als 
nach I, 1, 7, 1 Siuen-wang von Thsi ihn fragte, ob er wohl von den Thaten Huan-kung's von 
Thsi und ■Wen-kung''s von Tsin hören könne, erwiedert Meng-tseu ihm: „Tschung-ni's (d. i. 
des Confucius) Schüler sprachen nicht von Huan's und Wen's Thaten, daher (?) seien sie den 
späteren Geschlechtern nicht überliefert worden und sein Diener habe nicht davon gehört; er 
rede nur von den Wang." Den Gegensatz zwischen beiden ergibt II, 1, 3, 1; da sagt Meng-tseu ._ 
„Wer Gewalt braucht und die Menschen täuscht, der ist ein Pa: ein Pa muss immer ein grosses 
Keich haben. Wer bei Tugend Humanität übt, der ist ein Wang; der Wang braucht nicht auf 
ein grosses (Reich) zu warten ; (Tsching-) thang begann mit (nur) 70 ; Wen-wang mit (nur) 100 Li. 
Die mit Gewalt Andere (die Menschen) unterwerfen, denen unterwerfen sie sich nicht von Herzen, 
die Gewalt reicht dazu nicht hin; wenn einer aber durch Tugend die Menschen unterwirft, da 
sind sie im innersten Herzen erfreut und unterwerfen sich in Wahrheit. So unterwai'fen sich die 



(403) . 55 

70 Schüler des Confucius ihm. Der Schi-king (III, 1, 9, 6) sagt (von Wen-wang und Wu-wang) : 
„von Westen, von Osten, von Süden, von Norden, Niemand dachte sich nicht zu unterwerfen." 
Das will das sagen." VII, 1, 30, 1 sagt Meng-tseu noch: „Yao und Schün waren gut von Natur, 
Thang und Wu machten die Güte sich zu eigen; die 5 Pa thaten nur so. Da sie das lange so 
trieben und nicht davon zurückgingen, wie konnte man wissen, dass sie die Gutheit nicht hatten?" 

Unter den einzelnen 5 Pa war nach Meng-tseu VI, 2, 7, 3 Huan-kung^J von Thsi der 
mächtigste. Auf der Versammlung in Khuei-Khieu (650 v. Chr.), sagt er, band er das Opferthier 
an, legte das Buch des Vertrages (Tsai-schu) darauf, aber (.tödtete jenes nichtj, die Mundwinkel 
mit dem Opferblute zu bestreichen. (Er giebt dann die Artikel des Vertrages einzeln an. Vgl. 
Biet Journ. As. 1845 Th. 6 pag. 263—285). Der erste (Anfang des Erlasses) besagte: Getödtet 
werde, der unfromme Sohn. Es werde nicht der Sohn einer Beifrau (Schu-tseu, wörtlich der 
Pflanzensohn) dem rechtmässigen (Erben) substituirt, noch eine Beifrau (Tshie) zur rechtmässigen 
Frau (Thsi) gemacht. Der zweite Erlass besagte: Man ehre die Weisen, nähre (fördere) das Talent, 
damit ausgezeiclmet wei-den die Tugenden haben. Der 3. Erlass besagte: Man ehre das Alter, 
liebe zärtlich die Jugend, vergesse nicht die Gäste (Pin, Beamte aus andern Ländern) und Keisenden (liü). 
Der 4. Erlass besagte: Die Sse sollten keine erblichen Aemter (Schi-kuan) haben; (Vgl. 1,2,5,3.) 
die Geschäfte eines Amts sollten nicht von andern mit übernommen werden (sehe) ; bei der Wahl 
(Annahme) eines Sse solle man (den geeigneten Mann) nehmen : (der Fürst) solle Ta-fu nicht auf eigene 
Hand (Tschuen) hinrichten lassen. Der 5. Ei-lass besagte: Man mache keine krummen Dämme 
(Kio-fang, d. h. zu selbstischen Zwecken, um Andern das Wasser zu nehmen oder ihre Aecker 
damit zu überschwemmen); man beschränke (hindere) nicht den Verkauf (Ankauf) von Korn (Ngo- 
thi); man vergebe keine Lehen, ohne es zuvor (dem Kaiser) zu melden." Es hiess dann: „Alle 
Leute, die mit mir dieses gemeinsam beschworen haben, wollen gemäss dem Eidschwure auch 
in Liebe (Freundschaft mit einander) verharren." Die jetzigen Vasallenfürsten, schliesst Meng- 
tseu, übertreten aber alle diese 5 Gebote und daher sagte ich: Die jetzigen Vasallenfürsten ver- 
gehen sich gegen die 5 Pa. 

Zu den Erfolgen Huan-kung's von Thsi trug wesentlich sein Minister Kuan-tschung 
oderKuan J-u bei'"'). Meng-tseu VI, 2, 15, 1 erwähnt ihn unter den Ministern , die erst durch Leiden 
zu so hoher Stellung gelangten. Wir haben die Stelle bei Schün schon S. 363 angeführt. Kuan J-u, 
sagt er, ging vom Kriminalrichter (sse, Gefängnisse) aus und II, 2, 2, 8 führt er ihn wie J-yn unter Thang 
an, dass Huan-kung erst von ihm lernte und erst dann ihn als Minister verwandte und so ohne Mühe 
sich zum Pa erhob. Der Fürst berief ihn nicht zu sich, sondern ging zu ihm, während die Fürsten 
seiner (zu Meng-tseu's) Zeit die Minister belehren wollten und nicht solche liebten, von denen 
sie lernen könnten." S. S. 363. Zum Verständnisse dieses und der folgenden Aeusserungen des Confucius 
über ihn, müssen wir aus der Geschichte anführen, dass Huan-kung erst (685) mit seinem Bruder 
Kieu um den Thron von Thsi zu kämpfen hatte. Kuan-tschung hatte sich diesem angeschlossen; zu 
schwach aber zum Widerstände mussten beide nach Lu flüchten, welches die Gelegenheit benutzte, 
um Thsi anzugreifen, aber- geschlagen wurde. Der König von Thsi verlangte nun die Auslie- 
ferung seines Bruders, den er dann hinrichten liess. Er suchte nun einen geschickten Minister, 
wurde von Pao-scho auf Kuan-tschung, der noch in Lu war, aufmerksam gemacht und verlangte 
dessen Auslieferung, angeblich ihn zu bestrafen. Obwohl der im Kriege einen Pfeil auf ihn selbst 



1) Siehe über ihn den Sse-ki Thsi Schi-kia B. 32 f. 8—13 v., S. B. 40. S, 657—669 und im 

I-sse das ganze B. 44 Thsi Huan-kung Pa. 
2} Es sind von ihm noch Fragmente über die gute Regierung erhalten s. Gaubil Traite de 

Chronologie Chin. P. 104 und Anekdoten und Aussprüche von ihm bei du Halde T. 2 p. 768 — 

771, 783 fg. 



56 (404) 

abgeschossen liatte, verzieh der Fürst ihm grossmüthig, ging ihm dann 685 entgegen, Hess ihm 
die Ketten abnehmen, führte ihn in seinen Palhist, untei'hielt sich mit ihm und machte ihn nach 
2 Tagen zu seinem ersten Minister, der gerührt ihm sein ganzes Leben dafür widmete und ihn 
zum ersten Fürsten seiner Zeit machte. 

Confucius im Lün-iü 14, 10, 3, nach ihn gefragt, sagte: Das 
war ^in Mann! (Huan-kung) nahm Pe-schi wegen eines (Vergehens) die 
Stadt Pien mit 300 Familien (und gab sie ihm). Jener musste sich von 
grober Speise nähren, und starb alt, aber ohne mit einen Worte zu murren, 
(wegen Kuan-tschung's Verdienste). Im Lün-iü 14, 17, 1 hat (findet) Con- 
fucius Schüler Tseu-lu an ihm mancherlei zu tadeln. Huan-kung, sagt 
er, tödtete den Fürstensohn (seinen Bruder) Kieu; Schao-hö, einer von 
dessen Ministern, starb mit ihm, Kuan-tschung starb nicht auch (mit 
ihm), das war doch nicht human (tugendhaft, jin). Confucius aber sagte: 
Huan-kung vereinigte alle Vasallenfürsten und das nicht durch Waffen 
und Streitwagen, es geschah durch Kuan-tschung's. Kraft (Li, Geschick- 
lichkeit); wessen Humanität (Wohlthat) war wie seine? Tseu-kung (ein 
anderer Schüler des Confucius) meinte auch Kuan-tschung war doch 
ohne Humanität (Tugend, jin), Huan-kung tödtete den Fürstensohn Kieu 
und er konnte nicht mit ihm sterben , sondern wurde sogar noch Pre- 
mierminister (Siang) von Huan-kung. Confucius sagte: Kuan-tschung 
als Premierminister von Huan-kung machte ihn zum Pa über alle Va- 
sallenfürsten und brachte (einigte) das ganze Reich in Ordnung. Das 
Volk hat bis auf den heutigen Tag davon noch die Wohlthat; ohne 
Kuan-tschung trüge ich jetzt das Haar aufgelöst (pi , wie die Ostbar- 
baren nach Li-ki III, 3, 14) und das Kleid links zugeknöpft (Vergl. 
Schu-king V, 25, 13, d. h. wir wären Barbaren geworden, die damals 
China angriffen, die Huan-kung aber zurückschlug). Sollte er wie ein 
gemeiner Mann oder eine gemeine Frau sich in einen Kanal oder einen 
Strom stürzen, so dass keiner von ihm wusste?^)" 



1) Diese Unterredung ist offenbar erweitert im Kia-iü Cap. 8 fol. 18 v., auch im Schue-yuan im I-sse 
B. 95, 3 fol. 7 mit einigen Abweichungen. Da fragt Tseu-lu Confucius : Kuan-tschung, was für 
ein Mann war das ? Confucius sagte: er war ein humaner Mann (Jin, der Schue-yuan hat dafür 
ein grosser Mann, Ta-jin). Tseu-lu sagte : einst unterhielt Kuan-tschung sich mit Siang-icung 
(Fürsten von Thsi 697 — 686), der nahm ihn aber nicht an; diess zeigt doch von keiner 
Unterscheidungsgabe ("Pien). Er wollte des Fürsten Sohn Kieu auf den Thron erheben, 



(405) 57 

An andern Stellen, die aber niclit alle gieichmässig- sicher sind, 
spricht Confucius weniger vortheilhaft von ihm; so im Kia-iü 13 f. 7 v., 
auch im Schue-yuen im I-sse 95, 2 f. 10, wo Tseu-kung ihn nach den 
weisen Beamten der Zeit fragt, sagt Confucius: die kenne er nicht; 
unter den früheren aber seien Pao-scho von Thsi und Tseu-pi von 
Tsching weise gewesen. Tseu-kung sagt: Waren es in Tshi nicht Kuan- 
tschung und in Tsching nicht Tseu-tschang (s. unten)? Confucius sagte: 
Sse, du kennst nur den einen und kennst noch nicht den andern. Hast 
du gehört, dass wer Gewalt braucht, ein Weiser sei, oder, dass, wer die 
Weisen erhebe (befördere), ein Weiser sei? Tseu-kung sagte: Wer die 
Weisen befördert, ist ein Weiser. Confucius sagte: so ist es. Nun aber 



vermochte es aber nicht: diess zeigt doch von keiner Einsicht (Tschi). (Er musste nach 
Lu flüchten) die Familie wurde in Thsi vernichtet und erzeigte kein kummervolles Gesicht, 
. das war doch keine Liebe (tseu). Er kam in Fesseln (Tschi-ko) und sass auf einem Wagen 
zum Transporte von Spitzbuben (Ilien-kiü) und er (sein Herz) schämte sich nicht (tsan); 
da zeigte er sich (war er) doch ohne Scham (Tscheu). Er schoss auf seinen Fürsten (Huan- 
kung;, das war doch nicht recht (tsching). Als seine Parthei erschöpft war, (Tscho-voe) 
starben zwei Anhänger; Kuan-tscliung starb nicht mit, das war doch nicht redlich (tschung). 
Ist das die Art (der Weg, Tao) eines humanen (Jin, tugendhaften) Mannes? Confucius 
sagte: wenn Kuan-tschung mit Siang-kung sprach und der ihn nicht annahm, so war der 
Fürst vernagelt (ngan, ohne Einsicht; der Schue-yuan hat: ohne Unterscheidungsgabe). 
Wenn er dessen Sohn Kieu (auf den Thron) zu ei'heben wünschte und es nicht vermochte, 
so traf er nicht den rechten Zeit -Punkt. Wenn die Familie in Thsi unterlasr und 
er zeigte kein kummervolles Gesicht, so wusste er, dass diess Bestimmung sei. Wenn 
er in Fesseln sich nicht schämte, so wusste er selbst zu unterscheiden und die Dinge zu 
beurtheilen. Wenn er auf den Fürsten schoss, so drang er auf ihn ein nach (bei) der Ver- 
änderung (Tung yü pien ye, die Stelle ist dunkel). Wenn er nicht starb (niit seiner Par- 
thei), so ermass er die Leichtigkeit und Schwere des Fürsten - (Sohnes Kieu). Kieu war 
damals noch kein vollendeter Fürst, Kuan-tschung war noch nicht ein vollendeter (rechter) 
Diener; Kuan-tschung erwog nicht die Gerechtigkeit (der Sache). Wenn Kuan-tschung nicht 
stavb (sich den Tod gab), so hielt er sich für gebunden (fo), noch Verdienste und Ruhm 
zu erwerben und es konnte nicht unrecht sein. Und obwohl Tschao-hoe (der andere Mi- 
nister) starb (sich tödtete), fehlte er, da er im Ergreiff'en der Tagend (jin, Humanität) noch 
nicht genügend war, viel. — Der Schue-yuan weicht am Ende sehr ab: Dass Kuan-tschung 
nicht starb (sich tödtete), war niclit inhuman; Tschao-hoe (der andere Minister) hatte das 
Geschick (Talent) eines Dienenden (Ministers, Jin-tschin); nicht sterben (.zeigt) ist wie 
sich 3er Pleere bemächtigen; tödtet man sich, so erlangt man Namen und Piuhm im 
ganzen Reiche; wer wollte also wohl nicht sich tödten? Aber Kuan-tschung wurde die 
Stütze des Kaisers, Minister (Beistand) eines Vasallenfürsten. Tödtete er sich, so entging 
er dem nicht, dass man den Armen (Tsi) in eine Grube warf; starb er nicht, dann konnten 
seine Verdienste wieder im ganzen Reiche verwendet werden. Warum er sterben (sich 
tödten) sollte, das verstehst du (Yen) nur nicht. 
Aus d. Abh. d. I. Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XI. Bd. II. Abth. " (52) 8 



58 (406) 

habe ich gehört, dass Pao-scho durchdrang mit (tha, beförderte den) 
Kiian-tschung, dass Tseu-pi durchdrang mit Tseu-tschang; ich habe aber 
noch nicht gehört, dass diese beiden Männer (Kuan-tschung und Tseu- 
tschang) Weise ihren Talenten gemäss beförderten, Confucius im Kia-iü. 
43, f. 24, auch im Li-ki Cap. Tsa-ki hia, Cap. 21, f. 25 v., sagt: Kuan- 
tschung begegnete Räubern (Tao), nahm davon 2 Männer und machte 
sie zu des Kung Dienern (Tschin) und sagte, sie wurden nur schlecht 
(phi) durch den Verkehr; es waren ursprünglich fähige Männer. Nach- 
dem Kuan-tschung gestorben war, machte Huan-kung sie zu Beamten ; 
dass ein solcher es bis zum Ta-fu brachte, begann seit Kuan-tschung. 
Es geschah (war) bloss auf des Fürsten Befehl. Dazu stimmt die Stelle 
bei Kung-tschung-tseu im I-sse B. 106 f. 1. Da fragt Tseu-sse (Con- 
fucius Enkel) den Meister: Ich (Khi) habe gehört, wie der Meister 
lehrte (ermahnte), dass, um recht zu machen die Gewohnheiten und um- 
zuwandeln des Volkes Regierung, nichts so gut (dienlich) sei, als die 
Bräuche (Li) und die Musik. Kuan-tschung erliess Gesetze, um Thsi 
zu regieren und das ganze Reich pries seine Humanität (Tugend, Jin). 
Die Gesetze sind doch von Ritus und Musik verschieden; angewandt 
haben. sie aber ein gleiches Verdienst: wie kann man. denn Ritus und 
Musik allein empfehlen? Confucius sagte : Yao's und Schün's Verdienste 
Hessen 100 Generationen hindurch nicht nach.- Der Ruf ihrer Huma- 
nität und Gerechtigkeit verbreitete sich weithin. Kuan-tschung erliess 
Gesetze in seinem Amte, aber als er gestorben war, verkamen seine 
Gesetze; er war strenge, aber wenig wohlwollend; wenn Kuan-tschang's 
Einsicht genügt hätte, die Gesetze festzustellen, dann würden nicht, 
aufmerksam wie er im Amte auf die Gesetze war, am Ende (nach seinem 
Tode) die Unruhen ausgebrochen sein. 

Confucius tadelt an ihm auch sonst, dass er selbst gegen die Bräuche 
verstiess. Im Lün-iü 3,22 sagt er: Kuan-tschung's Fassungskraft (Khi, 
eigentlich Gefäss) war doch nur klein. Einer sagte: War Kuan-tschung 
nicht sparsam (kien) ? Confucius wandte ein : Kuan-schi hatte 3 (san) 
Kuei^) und seine Beamten verrichteten keine doppelten Dienste, wie 



1) Dieser Ausdruck ist dunkel ; nach Tschu-hi war es der Name eines Thurmes, den er gebaut 
hatte, nach andern heisst es: 3 Frauen. 



(407) 59 

sollte er sparsam sein? Aber, (meinte Einer), Kuan-tschung kannte doch 
die Bräuche? Confucius sagte: (nur) ein Lehensfürst hat vor seiner 
Thüre einen Schirm (Schu-se, eigentlich einen Baumverschluss) ; Kuan- 
tschung hatte auch einen solchen Schirm vor seiner Thüre, (obwohl der 
nur den Lehensfürsten zukam); die Lehensfürsten haben bei einer freu- 
digen Zusammenkunft (hao) mit andern Fürsten ein Gestelle, die Trink- 
schale darauf umzukehren (fan-tien); Kuan-schi hatte auch eine solche; 
wenn er die Bräuche kannte, wer kannte sie dann nicht?" Man sieht 
hier in Confucius den chinesischen Pedanten. Ein ähnlicher Tadel 
trifft ihn im Kia-iü 42 f. 18, auch im Li-ki C. Tsa-ki hia 21 f. 81 v. 
(da fehlt nur die Einleitung) und wieder im Cap. Li-ki C. 10 f. 11 
(doch hier ohne Confucius zu nennen). Dort fragt Tseu-kung: Kuan- 
tschung's Fehler war Verschwendung, Ngan-tseu's, (des Minister in Thsi 
s. unten) zu grosse Sparsamkeit (Kien). Bei solchen Fehlern beider, 
wer war da der weisere? Confucius sagte: Kuan-tschung hatte ein Ge- 
fäss mit Schnitzwerk (Leu), eine Schnur von Perlen (wie am Hute des 
Kaisers), einen grossen Weg-schirm (Y-schu) und eine steinerne Säule zum 
Umkehren der Schalen (fan-tien s. oben); er hatte Berge (nach den 
Schollen) auf Capitälern geschnitzt und Querbalken (Tschue) mit Pflanzen- 
verzierungen (Tsao); konnte ein weiser Ta-fu sich höher versteigen? 
Ngan-ping-tschung dagegen ojDferte seinen ersten Ahnen bloss ein. säu- 
gendes Ferkel (Tun), trug es selbst auf seiner Schulter und bedeckte 
GS nicht mit einem Topfe ^) ; einen Fuchspelz trug er 30 Jahre, konnte 
ein weiser Ta-fu weiter hinabgehen ? Der wahre Weise (Kiün- 
tseu), wenn er eine hohe Stelle einnimmt, steigt nicht bis zu einer 
unteren herab und wenn er eine untere einnimmt, drängt er sich nicht 
bis zu einer oberen hinauf. 

Auch Meiig-tseu II, 1, 1 will von Kuan-tschung nichts wissen. Kung-sün-tschheu (einex" 
seiner Schüler) fragt ihn da: ,,Wenn , Meister, die Leitung (Lu, den Weg) in Thsi erhielte, 
würde er wohl Kuan-tschung und Ngan-tseu's Verdienste wiederholen?" Meng-tseu sagte: Du 
bist doch in Wahrheit ein Mensch aus Thsi; du kennst den Kuan-tschung und den JS'^gan-tseu 
und nichts weiter. Einer fragte Tseng-si (den Sohn oder Enkel Tseng-sin's, eines Schülers des 
Confucius): Wer ist weiser, du oder Tseu-lu (ein Schüler des Confucius)? Tseng-si wurde un- 
ruhig und sagte: Dieser (der) war (ein Gegenstand der) Ehrfui'cht für meinen Gross vater (Sien- 
tseu). Spricht jener: Wer ist dann weiser, du oder Kuan-tschung? Tseng-si ward unwillig und 



1) So klein war es nach dem Schol. 

8* 



60 (408) 

wenig erfreut sagte er: Wie magst du mich mit Kuan-tschung vergleichen ? Kuan-tschung erlangte 
(gewann) seinen Fürsten, so unbeschränkt, dass er das Keich leitete (hing), und wie lange war 
das nicht! aber der Glanz seiner Verdienste, wie gering war der? Wie magst du mich also 
mit dem vergleichen?" Spx'icht (Meng-tseu) : Wenn Tseng-si aus Kuan-tschung sich nichts machte, 
wie glaubst du dann, dass ich darnach verlange, ihm gleichzukommen? Jener (erwiederte): Aber 
Kuan-tschung machte doch seinen Fürsten zum Pa und Ngan-tseu seinen Fürsten bcrülimt (hien), 
und Kuan-tschung und Ngan-tseu wären dir noch nicht genug! Meng-tseu sagte: Aus Thsi's 
Fürsten einen Wang zu machen, das wäi'e wie die Hand umdrehen und er erörtert dann, wie 
Wen-wang und Wu-wang es anfingen, solche ideelle Könige zu werden (s. oben S. 370). Auch 
II, 2, 2, 10 spricht er aus, dass er sich weit melir dünkt, als lüian-tschung. 

Der zweite Pa Mu-kung von Thsin ^) wird von Confucius im Kia- 
iü 13, f. 9 und Sse-ld B. 47 f. 4 v., vgl. Amiot. Mem. T. Xll. P. 98 
ebenfalls hervorgehoben. King-kung von Thsi fragt da den Confucius: 
Thsin Mu-kung's Reich war ursprünglich nur klein und unbedeutend 
(schlecht) und doch wurde er Pa. Confucius sagte: Obwohl sein Reich 
nur klein war, waren seine Absichten doch gross; obwohl (sein Land) 
schlecht war, war seine Regierung doch gut (Tschung, eigentlich von 
der rechten Mitte). Die er erhob (zu Aemtern), konnten ihm rathen. 
Er harmonirte mit dem Gesetze, war ohne Privatinteresse (Sse), seine 
Befehle waren nicht nach Lust und Belieben (Yü). Er gab für ihn 
5 Ziegenböcke (ku) und erhob ihn,, (nämlich seinen Minister Pe-h-hi), 
zum Range eines Ta-fu, 3 Tage unterhielt er sich mit ihm, übergab ihm 
dann die Regierung und der nahm sie an. Obwohl er aber ein ^^'ang 
hätte werden können, war er als Pa doch nur klein. King-kung 
sagte: gut! 

Die Geschichte seines Ministers Pe-li-hi bespricht Mepg-tseu V, 1, 9. Wan-tschang fragt ihn 
da; Einigesagen, Pe-li-hi verkaufte sich selbst an einen Viehzüchter, um die Häute von 5 Schafen 
und fütterte dessen Ochsen, um bei Thsin Mu-kung sich Eingang zu verschaffen; war dem so? (Ist 
das richtig?) Meng-tseu sagte: nein, dem war nicht so, die Geschichte ist gemacht von denen, die 
Geschichtchen (zu erfinden) lieben (Hao-sse). Pe-li-hi war ein Mann aus (dem kleinen Reiche) Yü. Tsin's 
Leute erkauften (borgten ) mittelst Yü-Steinen von Tschuy-ki und einem Viergespann (Wagenrossen), die 
in Kiue gezogen waren, sich den Durchzug (Weg) durch Yü, um Ke(ein anderes kleines Eeich) an- 
zugreifen. Kung-tschi-khi machte (Yü) Vorstellungen dagegen, Pe-li-hi machte keine Vorstellungen 
dagegen; er wusste, dem Kung von Yü könne man (mit Erfolg) keine Vorstellungen machen; er 
verliess ihn (Yü) daher und ging nach Thsin, schon 70 Jahre alt. Wenn er damals noch nicht 
gewusst hätte, dass sich durch Ochsenzüchtung bei Thsin Mu-kung einzuführen schmutzig gewesen 
wäre, wie hätte er da für einsichtsvoll gelten können? Da er (mit Erfolg) nicht reraonstriren 
(abrathen) konnte, remonstrirte er nicht; kann das unweise heissen? Er wusste (er sah ein), dass 
der Kung von Yü alsbald zu Grunde gehen würde und verliess ihn daher vorher; das kann 



1) S. im I-Bse Buch 54, Thsin Mu-kung Pa Si-Jung. 



(409) 61 

doch nicht unweise genannt werden? Nach Thsin gekommen, erkannte (wusste) er, dass man 
mit Thsin Mu-kung etwas unternehmen (anfangen, hing) könne und diente ihm daher als Minister 
(Siang) ; kann das unverätändig heissen? Als Minister verlieh er seinem Füi-sten Glanz im ganzen 
Reiche, so dass den späteren Geschlechtern noch davon erzählt werden kann. Wenn er nicht 
weise gewesen wäre, hätte er das vermocht? Sich selbst zu verkaufen, um seinen Fürsten zur 
Geltung zu bringen (tsching), das thäte ein Dorfbewohner (Bauer, Hien-tang), der sich nur selbst 
liebte, nicht einmal und ein Weiser sollte das gethan haben? YI, 2, (>, 4, zieht daraus Meng- 
tseu die Lehre, Yü brauchte Pe-li-hi nicht und ging darüber zu Grunde; Thsin Mu-kung brauchte ihn 
(stellte ihn an) und wurde ein Pa; braucht (ein Fürst) also einen Weisen nicht, so geht er zu 
Grunde (wang) u. s. w. VI, 2, 15, 1 führt Meng-tseu Pe-li-hi, der vom Marktplatze aus zu hohen 
Ehren gelangte, unter den Männern mit auf, die der Himmel erst grossen Prüfungen unterwarf, 
ehe er ihnen eine hohe Stellung vertraute, s. oben S. 363 die ganze Stelle. 

Mu-kung unterwarf an 20 tatarische Fürsten im Nord-Westen, über 
den sich eigentlich seine Macht allein erstreckte. Es drangen aber 
dadurch auch barbarische Sitten in sein Reich ein. So 'wurden bei 
seinem Tode 177 Personen lebendig mit ihm begraben, eine Barbarei, 
welche die Chinesen verabscheuten. Der Schi-king I, 11, 6 beklagt 
3 Männer, welche dieses Loos traf. Tso-schi Wen-kung Ao. 6 f. 10, S. B. 15. 
S. 440 sagt: ,,Die Weisen sprachen, dass Mu-kung von Thsin nicht Herr 
der Vertrages (Ming) würde (den Staaten Chinas keine Bedingungen 
vorschreiben konnte), ist billig; er starb und verliess das Volk." Wir 
Averden im Leben des Confucius sehen, dass dieser seine Missbilligung 
dieser Barbarei nur dadurch kund gab, dass er Mu-kung's Tod in seiner 
Chronik gar nicht erwähnte! 

Den dritten Pa Wen-kung von Tsin ^) führt Confucius im Kia-iü 20 f. 
29 V. als Beispiel an, wie er als Prinz Tschung-eul erst lange in bedrängten 
umständen in Tsao undWei lebte und doch noch Pa wurde, ebenso wieKeu-tsien 
von Yuei. Im Ta-hio S. 10 § 13 ist der kurze Ausspruch seines Oheim' s Fan 
erhalten: „Unser Flüchtling hält das für keine Kostbarkeit; die Liebe zu 
seinen Eltern ist ihm das Kostbarste." Um dies zu verstehen, muss man 
wissen: er hatte schon bei der Thronbesteigung seinesVorgängers und Bruders 
Ansprüche auf den Thron von Tsin gehabt, aber während der Trauer 
um seinen Vater hatte er sich nicht in Regierungsangelegenheiten mi- 
schen wollen und sein Bruder war so mit Hilfe Mu-kung's von Thsin 
zur Herrschaft gelangt. Er musste dann lange bei den Nord-Barbaren (Ti), 



1) S. I-ase B. 51 Thsi Wen-kung Pa. 



62 (410) 

in Thsi, Tsao, Sung und Tschu lierumirren, überall ausser in dem letzten 
Lande übel aufgenommen. Als auch hier sein Leben bedroht war, floh 
er zu Mu-kung von Thsin, der ihn immer schon geschätzt hatte, nament- 
lich aber seit er, um den Pflichten der Trauer um seinen Vater, obwohl 
der ihn vertrieben hatte, zu genügen, die von diesem ihm angebotene 
Hülfe anschlug, wodurch so die Krone an seinen minder scrupulösen 
Bruder und später an dessen Sohn kam, bis dieser getödtet wurde und 
die Grossen ihn dann unter dem Namen Wen-kung zum Fürsten aus- 
riefen. Er regierte nicht lange, schwang sich aber zum Pa auf. Con- 
fucius scheint ihn aber Huan-kung von Thsi nachzusetzen; er sagt im 
Lün-iü 14, 16: ,, Wen-kung von Tsin war listig, aber nicht gerade (auf- 
richtig) ; Huan-kung war gerade und nicht listig." 

Unbedeutender war die Rolle des 4. Pa Siäug-kung von Sung; 
er erstrebte nur die Stelle S. I-sse B, 47, Sung Siang-kung thu Pa; 
er wird in den 4 Büchern gar nicht erwähnt. 

Der ö.Pa, Tschuang-Wang von Tschu, (s.l-sseB. 57: Tschu Tschuang 
wang tseng Pa) wird von Confucius nur im Kia-iü 10 f. 24 v. erwähnt. 
Confucius, heisst es da, las- die Geschichte und kam an Tschu's Rückzug 
aus Tschin. — Der Scholiast erklärt es: Der Minister von Tschin Hia-tsching- 
tschu tödtete seinen Fürsten (Ling-kung, der sich in seine Tochter ver- 
liebt hatte) und erhob dessen Sohn. Tschuang- wang von Tschu bestrafte 
ihn und nahm Tschin ein. Schin-scho warnte (ermahnte) ihn aber, es 
nicht zu behalten und Tschuang-wang folgte ihm, und zog sich aus 
Tschin zurück. — (Confucius) seufzte und sagte: „Dies. war ein Weiser; 
Tschu's König hatte leicht ein Reich von 1000 Streitwagen, aber schwer 
einen, der die Wahrheit (sin) ihm sagte; ohne Schin-scho's Wahrhaftig- 
keit wäre seine Gerechtigkeit nicht durchgedrungen, aber ohne Tschuang- 
wang's Weisheit hätte er seinen Rath nicht angenommen." Meng-tseu er- 
wähnt VI, 2, 15, 1 — s. die Stelle schon oben S. 363 — (einen Minister des 
Fürsten von Tschu) Sün-scho-ngao der vom Meeres-(ufer , wo er sich 
verborgen hatte), zu Ehrenstellen erhoben sei (Kiu iü hai) ; seine 
Geschichte ist aber dunkel. 

Wenn der Einfluss der 5 Pa mehr nur persönlich war, so entspann 
sich später ein Kampf um die Hegemonie unter den grösseren 
Reichen, namentlich zwischen Tsin in Schan-si und Tschu in Hu-kuang, 



(411) 6 



o 



dem dann das erst später in die Geschichte eingetretene Reich U in 
Kiang-nan und diesem das noch später emporgekommene und mehr 
barbarische Keich Yuei in Tsche-kiang entgegentrat. Da aber Confucius 
und seine Schüler und Nachfolger bei allen diesen grossartigen Kämj)fen, 
durch welche sie sich erhoben und die die Vernichtung mehrerer kleinere 
Reiche nach sich zogen, unbetheiligt waren, so übergehen wir diese hier. 
Es erübrigt daher nur noch eine : 

4) UehersicJit über die einzelnen Reiche China^s zur Zeit 
des Confucius ilnd seiner Nachfolger.^) 

Da wir in unserer Abh. über die Verf. u. Verw. d. Chin. Reiches unter 
den 3 ersten Dynastien, Abh. d. Ak. B, 10 Abth. 2 S. 554 (104) eine allgemeine 
Uebersicht über die Hauptreiche im damaligen China und deren Bildung 
und Bestand gegeben haben, so erwähnen wir . hier vorzugsweise nur die 
Reiche, in welchen er und seine Schüler und Nachfolger auftraten oder 
zu welchen sie doch in Beziehungen kamen und der Fürsten und 
Minister einzelner Reiche, über die wir ihre Aeusserungen haben. 

Das Kaiser gebiet der Tsclieu in Ho-nan war, wie schon be- 
merkt, sehr zusammengeschrumpft, trotz des hohen Titels Thien-wang, 
d. i. der Himmelskönig, welchen Confucius den Kaisern in seiner Chronik 
immer gibt. Confucius kam einmal, wie wir in seinem Leben sehen werden, 
hin, die Gebräuche dort zu. studiren, da aber weder er, noch seine 
»Schüler oder Meng-tseu mit dem Kaiserhofe in eine Verbindung traten, 
so ist es nicht weiter nöthig, auf dessen Geschichte hier speziell ein- 
zugehen, s. Sse-ki B. 4 Tscheu Pen-ki. 

In Schen-si bestand damals das mächtige Reich Thsin, das unter 
Mu-kung, wie wir sahen, 659 — 620 eine bedeutende Rolle spielte. Es trat 
aber, obwohl es später die D. Tscheu stürzte, erst nach dieser Zeit in den 



1) Ein kurzer Aufsatz Annais of Confucius, or a survey of the chronology and geography of 
the Chinese empire during the period embraced in the Chun-ts'iu , im Chin. Reposit. Canton 
1849 Vol. 18 Nr. 8 p. 393 — 400 entspricht der Ueberschrift wenig. Wir haben die geogra- 
phischen Bestimmungen der Hauptstädte der einzelnen Reiche daraus entlehnt. 



64 (412) 

Kampf der streitenden Reiche ein. Confacius und seine Schüler und 
Nachfolger kamen auch in dieses Reich nicht hin und er ahnte nicht 
im Entferntesten, dass von da aus eine Neugestaltung China's ausgehen 
würde; wir brauchen daher auch in dessen Geschichte nicht weiter ein- 
zugehen ; s. Sse-ki B. 5 Thsin Pen-ki. 

In Schan-si nahm das Reich Tsin mit der Hauptstadt Y-tsching, 
35*^ 37' N.-Br., 111^ 47' O.L., in Ping-yang, namentlich unter Wen-kung 
(636 — 627) als Pa eine bedeutende Stellung ein und kämpfte längere 
Zeit mit Tschu oder Tsu um die Hegemonie ^). Später verfiel aber die 
Macht der Fürsten und die Regierung kam in die Hände dreier mäch- 
tiger Familien Wei, Han und Tschao, die 375 das ganze Reich unter 
sich theilten und später sehr rnächtig, lange mit Thsin und Tschu um 
die Oberherrschaft Chinas kämpften. Auf Wen-kung war in Tsin Siang- 
kung 627 — 620 und dann Ling-kung 620 — 607 gefolgt. Das war 
ein arger Tyrann. S. Tscho-schi Siuen-kung Ao. 2 f. 3 fg. , S. B. 17 
S. 20, auch im Kia-iü C. 41 f. 9., und Sse-ki 39 f. 33., S, B. 43 S. 132. 
Er wurde 607 von Tschao-tschuen getödtet und dessen Halbbruder, 
der erste Reichsminister, der vor dem Tyrannen geflohen war, kehrte, 
als er dessen Tod erfuhr, zurück, bestrafte aber den Mörder nicht. Der 
Tai-sse Tung-ku schrieb nieder : „Tschao-tün oder Tschao Siuen-tseu — 
dies war der Name des Ministers — tödtete seinen Landesherrn und 
zeigte es am Hofe an. Der Minister sprach: Es ist nicht wahr. Jener 
antwortete aber: Du bist der erste Reichsminister, du hattest die Grenze 
noch nicht überschritten und als du zurückkehrtest, straftest du den 
Mörder nicht; wenn du es nicht bist, wer ist es denn?" Confucius sagte: 
„Tung-ku ist ein guter Geschichtsschreiber der alten Zeit; er schrieb 
nach der Vorschrift, ohne etwas zu verheimlichen. Tschao-siuen-tseu 
(der Minister) war ein guter Staatsmann der alten Zeit ; der Vorschrift 
nach nahm er den Übeln Ruf (eines Fürstenmörders) auf sich. Es ist 
traurig; hätte er die Grenze überschritten gehabt, so wäre er dem ent- 
gangen." Auf Ling-kung folgte in Tsin Tsching-kung 606 — 599, King- 
kuug 599 — 580, Li-kung 580—572, Tao-kung 572 — 557 und Phing- 
kung 557—531. 



1) s. Sse-ki Tsin schi-kia B. 39, S. B. 43 p. 74 fg. 



(413) . 65 

Von diesem liat M an g - 1 s e u V, 2, 3, 4, eine Anekdote. Er führt ihn als Beisjjiel auf, wie eingrosser 
Fürst gegen einen Weisen unpassend verfuhr. Hai-Thang war ein solcher xn seiner Zeit; sagte der 
•zu ihm: Komm zu mir in mein Haus, so kam er; sagte er: setze dich, so setzte er sich; sagte 
er: iss, so ass er, und war es auch nur eine Schüssel groben Heises (Speise), so unterstand er 
sich nicht anders, als sich damit zu sättigen, aber dabei blieb es denn auch. Kr gab ihm keine 
Reichsstelle, er gab ihm kein Iteichsamt zu verwalten, er gab ihm keine Reichseinkünfte zu ver- 
zehren. Dies war wie ein Schüler (Sse) einen Weisen ehrt, aber es war nicht wie ein rechter 
König (Wang) einen Weisen ehrt. 

Die übrigen Fürsten in Tsin werden von Confacius und seinen 
Schülern und Nachfolgern nicht weiter erwähnt. Die erwähnten Häuser 
Wei, Han, und Tschao nahmen, wie gesagt, unter ihnen schon länger 
die ersten Ministerstellen (Khing) ein; als I^'ürst^j tritt aber in Wei 
zuerst Wen-heu 423—3862), in Han Wu-tseu 424—408, in Tschao Lie- 
heu 408 — 303 auf. Indessen werden auch einige ihrer Vorfahren als 
Minister von Confucius .erwähnt. Unter Han Siuen-tseu 562 — 496 
entstand in Tsin 528 v. Chr. unter einigen grossen Familien ein Streit 
mit Tüdschlag über den Besitz gewisser Felder, den Tso-schi Tschao- 
kung ao. 14,, F. 1, S. B. 25 S. 62 — 64, auch der Kia-iü 41 F. 11 aus- 
führlich erzählt. Scho-hiang hatte das Urtheil über die Schuldigen zu 
sprechen und Confucius rühmte sein strenges, aber gerechtes Urtheil. 
Tschung-ni (Confucius) sprach: „Scho-hiang ist die Iledlichkeit selber. 
Er ordnete das Reich, bestimmte die Strafen und verdeckte auch 
bei seinen Verwandten nichts. Dreimal zieh er Scho-yü eines Vergehens, 
er kannte kein Aufhören und keine Abnahme, welch eine Gerechtigkeit! 
Man kann es immer Redlichkeit nennen." Wir brauchen aber diese 
einzelne Criminalgeschichte hier nicht ausführlich zu erzählen, da wir in 
unserer Abhandlung über Gesetz und Recht im alten China, Abhandl, 
der I. Classe der b. A. d. W. 10, 3 S. 758 fg. (113) sie schon ausführlich 
mitgetheilt haben. 

O I 

Nachdem Han Siuen-tseu gestorben war, führte an dessen Stelle Wei 
Hien-tseu die Regierung von Tsin und vertheilte 514 nach Kia-iü 41, 



1) S. Sse-ki B. 44 Wei-sclii-kia , B. 45 Han-schi-kia, B. 43 Tschao-schi-kia. Darnacli Pfitz- 
maier, Geschichte des Hauses Tschao. Wien 1858 ; aus den Denkschriften der Wiener 
Akad. B 9. und I-sse B. 87 Tsin Khing fa hing und ß. 110. San Khing fen Tsin. 

2) Auf Wen-heu von Wei geht Meng-tseu III, 2, 7, 2, wo er erzählt, dass Tuan-kan-mo ein 
Schüler Tseu-hia's ihn nicht sehen wollte. 

Aus d. Abh. d. I. Gl. d. k. b. Ak. d. Wiss. XI. Bd. II. Abth. (53) 9 



6G • (414) 

F. 12 V. und Tso-schi Tschao-kung Ao. 28, S. B. 25, S. 109 (51) die 
Felder des Geschlechtes Khi und .des Geschlechtes Yang, welche die 
6 Reichsminister von Tsin hatten hinrichten lassen, um die Ta-fu und 
ihre Söhne zu belohnen, aber er erhob nur Weise und sagte: Kia-sin, 
du hast deine Kraft angestrengt für das Kaiserhaus, daher erhebe ich 
dich. Geh' und ehre es und lass nicht vernichtet werden die Kraft (Tso- 
schi weicht ziemlich ab und das folgende hat nur der Kia-iü). Als Con- 
fucius das hörte, sagte er: „Bei Wei-tseu's Beförderungen der Nahen 
(Verwandten) unterlässt, (vergisst) er nicht, die Fernen zu lieben. Er kann 
daher gut genannt werden und als er den Erlass Kia-sin betreffend 
hörte, nannte er ihn redlich (erklärte er ihn für rechtschaffen). Der 
Schi-king sage (HI.) : ,,wer beständig dem Himmels-Mandate nachkommt, 
zieht sich viel Glück zu." Wei-tseu's Beförderungen waren gerecht, seine 
Erlasse rechtschaffen, daher hatte er lange Nachkommen im Reiche Tsin." 
Im Jahre 513 hatte nach Tso-schi Tschao-kung ao. 29, S. B. 25 S. 311 
und Kia-iü 41 f. 13, nachdem Tschao-yang und Siün-yün von^^Tsin ein Gebiet 
der Barbaren (Ju-pin) erobert hatten, diese eine ganze Menge Eisen als Tribut 
nach Tsin gesandt. Man goss daraus Dreifüsse des Strafgesetzes und ver- 
öffentlichte darauf das von Fan-siuen-tseu verfasste Strafgesetzbuch, 
(welches darauf eingegraben wurde). Confucius tadelte dieses aber sehr: 
,,das Reich Tsin, sprach er nach Tso-schi, ist verloren; es lässt ausser 
Acht seine Richtschnur, es soll bewahren die Gesetze, welche Thang- 
scho (der erste Landsherr von Tsin, von den Tscheu) empfangen hat, 
damit sie ein Gewebe und Fäden für das Volk seien. Die Reichsminister 
und Grossen des Reiches sollen sie bewahren mittelst ihrer Rang- 
ordnung; durch sie ist das Volk im Stande die Höheren zu ehren und 
diese ihre Stelle zu behaupten. Höhere und Niedere erlauben sich dann 
keine Ausschreitungen, das heisst die Richtschnur. Aus diesem Grunde 
schuf Wen-kung Obrigkeiten, die sich mit den Rangordnungen befassten; 
er gab (erneuerte) die alten (Vorschriften Thang-scho's zu Pei-liü) und 
wurde dadurch Herr des Vertrages (unter Lu Hi-kung Ao. 27). Jetzt 
verlässt man die Richtschnur und verfertigt die Dreifüsse mit dem 
Strafgesetzbuche; das Volk hält sich nun allein daran, wie kann es 
die Höhern noch ehren? Wie können diese ihre Stellung behaupten ?- 
Zwischen Höheren und Niederen gibt es keinen Rangunterschied mehr; 



(415) G7 

wie lässt sich da das Reich regieren? Auch starameii diese Strafgesetze 
(Han-) Siuen-tseu's aus der Zeit der Frühlingsjagd von J (unter Lu 
Wen-kung, Ao. 6.) Es waren die unordentlichen Erlasse des Reiches 
Tsin (während der Empörung im Innern). Wie konnte man die zu Ge- 
setzen erheben? Der Geschichtschreiber (von Tsin) Me aus Tsai sprach: 
Die Geschlecliter Fan und Tschung-hang gehen zu Grunde. (Dies war 
unter Lu Ting-kung Ao. 11.) Das Unglück wird das Geschlecht Tschao 
erreichen! Uebt es aber die Tugend, so kann es dem noch entgehen." 
Die Familien Fan und Tschung-hang wurden von den andern herrschen- 
den Familien vernichtet. Der Schüler des Confucius, Tseu-lu fragt im 
Kia-iü C. 13, f. 8, Confucius desshalb: „Ich (Yen) habe gehört, dass die 
Famihe Tschung-hang in Tsin die Weisen ehrte und die Nichtweisen 
(Pu-siao) gering achtete, wenn sie dennoch unterging, wie kam das? 
Confucius sagte: „Die Familie Tschung-hang ehrte zwar die Weisen, aber 
konnte (verstand) sie nicht brauchen (zu verwenden), sie achtete gering 
die Nichtweisen, aber sie konnte (vermochte) sie nicht zu entfernen. 
Die Weisen wussten nun, dass sie nicht verwendet wurden und zürnten 
ihr daher, die Unweisen wussten, dass sie sie gering achtete und waren 
ihr daher feind. Da so Hass und Feindschaft bei beiden im Reiche be- 
stand und die Nachbarn sie nun mit Waffen aqgriffen im Kiao, wie 
konnte da die Familie Tschung-hang, wenn sie auch nicht untergehen 
wollte, dies erlangen?" 

In Confucius Leben kommt Tschao Kien-tseu vor, indem Yang-hu 
aus Lu, wie wir sehen werden, zu ihm entfloh. Confucius selber kam 
nicht nach Tschao oder überhaupt nach Tsin, er wollte zu Tschao Kien- 
tseu, kehrte aber um, als sein Leben von ihm bedroht war. Pi-hi fiel 
mit einer Stadt Tschao's Tschung-meu von Tschao Kien-tseu ab und lud 
Confucius zu sich ein, der hatte nach Lün-iü 17, 7 Lust hinzugehen, 
es kam aber nicht dazu. 

Die Familie Tschao, aus der 4 Mitglieder nach und nach an der Spitze der Regierung von 
Tsin standen, NS'ar dort eine Art Königmacher, wie die Warwiks in England. Darauf bezieht sich 
die Stelle Meng-tseu's, VI, 1, 17, 2. „Die Ehren, zu welchen die Menschen erheben, sind keine wahren 
Ehren, den Tschao-meng, (das Haupt der Familie Tschao) erhebt, kann Tschao-raeng auch wieder 
erniedrigen." Die Macht der andern beiden Häuser zu seiner Zeit deutet Meng-tseu VH, 1, 11, 
an: „Füge zu einem das Haus von Han und Wei, wenn er dann auf sich selbst ohne Stolz (Uebermuth) 
sieht, übertrifft er die Menschen weit." Zu Meng-tseu's Zeiten waren die 3 Familien nach Ver- 
nichtung der 3 andern grossen Familien schon selbstständig geworden iind der Kaiser Wei-lie- 

9* 



68 , (416) 

■wang Ao.' 23 hatte jeder Familie 402 den Titel Fürst (Heul evtheilt. Sie liiossen auch die San (3) 
Tsin nnd alle 8 nahmen später den Königstitel (Wang) an. Wei, in Kai-fung-fu in ITo-nan, wel- 
ches nach seiner damaligen Hauptstadt, auch Liang, genannt wurde, nahm den südöstliclien Theil des 
frühern Tsin ein Han, mit der Hauptstadt Han-tschang-hien in Schen-si den westlichen und 
Tschao, mit der Hauptstadt Han-tan, den nördwestlichen des alten Tsin. Zu seiner Zeit regierte 
in AVei (Liang) Ho ei- wang, d.: i. der Sanfte oder der wohlwollende König. Meng-tseu be- 
sachte ihn im Jahre 3in und wir haben in seinen Denkwürdigkeiten 5 Unterhaltungen, die er 
mit ihm hatte. Bei Meng-tseu I, 1, 5, 1 klagt ihrti der König, Tsin sei einst das mächtigste 
Reich gewesen, seit er aber zur Begierung gelangt, sei; er iin Osten von Tshi geschlagen und sein 
ältester Sohn dabei umgekommen, im Westen habe er 700 Li an Tshin verloren, im Süden habe 
er Schmach erlitten von Tschu, was er dazu thun könne? Und der hält ihm dann die rechten 
Regierungsgruudsätze vor und wie es zu einem ideellen König (Wang) keines grossen Reiches bedürfe, 
u. s. w. Wenn Hungersnoth lierrsche, so sei nicht das Jahr Schuld, sondern seine Sorglosigkeit, 
die das Vt)lk Hungers sterben lasse (I, 1, 4, b). er raube, (durch die Frohnden) dem Volke seine 
Zeit (I, 1, 5, 4). In seiner ersten Unterhaltung mit ihm, wo der König ihm sagt, da er 1000 Li 
weit her zu ihm gekommen sei, bringe er ihm gewiss etwas zum Vortheil seines Reiches mit, führt 
er schon aus, es komme auf Humanität und Recht an, nicht auf. den Vortheil. Auf Hoei-wang folgte 
319 sein Sohn Siang-wang. Nach Meng-tseu I, 1, 6 scheint er nur eine Unterhaltung mit ihm 
gehabt zu haben; als er von ihm fortging Cherauskam), sagte er: Ich sah ihn aus der Ferne und 
sah nichts Fürstenähnliches an ihm (er schien mir keinem Fürsten ähnlich), als ich ihm näher 
trat, sah ich nichts Ehrwürdiges an ihm. Er fragte den Weisen abru]pt, wie das ganze Land be- 
festigt werden könne? Meng-tseu erwiderte: durch Einheit. Und auf die weitere Frage, wer 
es vereinigen könne, erwiederte er, wer kein Gefallen daran habe, Menschen umzubringen u. s. w. 
Meng-tseu ging dann wieder nach Thsi zurück. 

In Hu-kuang und einigen angrenzenden Distrikten war damals das 
bedeutende Reich Tschu oder Tsu.^) Die Einwohner waren ursprüng- 
lich Barbaren gewesen und nach Meng-tseu III, 2, 6^) war die Sprache 
von Tschu von der Tlisi's (in Schan-tung) noch zu seiner Zeit so ver- 
schieden, dass naan, sich zu verständigen, Dolmetscher brauchte. Wir 
haben Tschuang-wang's als Pa (613 — 590) schon erwähnt. AufTschuang- 
wang folgte Kung- wang (590 — 559), von dem eine Anekdote im Kia-iü 10, 
f. 25, auch im Schue-yuen im I-sse 86,4 f. 31 vorkommt. Er ging von Tschu 
auf einer Lustfahrt aus und verlor einen kostbaren Rabenbogen._ Die 
zu seiner Linken und Rechten baten, ihn suchen zu dürfen, der König 
aber sagte: Lasst das, der König von Tschu hat einen Bogen verloren, 
Tschu's Leute erhalten (bekommen) ihn, wozu ihn suchen? Als Confu- 
cius das hörte, beklagte er ihn angeblich : Er (der Fürst) ist nicht 
gross und sagte: Hat Jemand einen Bogen verloren, so wird ein Mann 



1) Erst mit der Hauptstadt Kiang-ling 30", 2G' n. Br., 112", 0,4' öst. L., in King-tscheu im 
Hu-pe. 

2) S. Sse-ki, B. 40, Tschu Schi-kia, S. B. 44,1. 



(417) 69 

ihn wieder erbalten. Auf ihn folgte dann Khang-wang 559 — 544, Kia- 
ngao 544—540 und lüng-wang 540— 528. Der Kia-iü C. 41 f. 10, 
fg. und Tso-schi Tschao-kung Ao. 12 f. 62 v., S. B. 21, S. 204 fg. 
erzählen: Ling-wang Tön Tschu war sehr verschwenderisch. Der Mini€ter 
der Rechten (Yeu-yn) Tseu-ke wartete ihm auf bei seinem Sitze. 
Der Geschichtschreiber der Linken I-siang kam eilends und ging vor- 
über. Der König sagte: Dies ist ein guter Geschichtschreiber; er kann 
lesen die San (3) fen, die U-tien, die Paso und die Kieu-kieu^). Jener er- 
wiederte und sprach: Ein guter Geschichtschreiber überliefert (schreibt 
auf) des Fürsten Fehler, verbreitet des Fürsten Tugenden (Gutes), die 
zu vermehren (befeuchten, yün) ist sein Amt; wer das nicht kann, ist 
kein guter Geschichtschreiber. Dein Diener befragte ihn auch: Einst 
wollte Kaiser Mu-wang (1001 — 946) seines Herzens Wünsche befriedigen 
Er zog umher im Reiche oder in der Welt (Thien-hia), er wollte, dass 
überall die Radspuren seines Wagens und die Huftritte seines Pferdes 
seien. Der Kung (Fürst) von Tsai Meu-fu machte das Gedicht Khi- 
schao (nacli dem Anführer der Streitwagen genannt), um Einhalt zu 
tbun des Königs Wünschen (Sin, Herz, dass du die weiten Reisen aufgebest) 
und der Kaiser erreichte so ein gutes Ende (nach Tso-schi, in seinem 
Palaste Tschi^). Dein Diener fragte ihn nach dem Gedichte, aber er kannte 
es nicht. Wenn man ihn nach etwas Fernem fragte, wie könnte er es wissen? 
Der König sprach.: Kannst du es? Er erwiderte: Ich kann es, (weisses). 
Das Lied sagt: Khi-schao, welche Reine! 

Sein Streben, (ist) dass die Tugend hell erscheine, 

Er denkt an unser s Kaisers Maas und Ziel, 

Wie ein Jaspis, wie das Gold, 

Er formt des Volkes Kraft, 

Das nicht hat den Sinn der Schwelgerei. 



1) Angeblich alte Wei'ke: San fen, die 3 Erdhügel, sollen Bücher Fohi's, Schin-nung's und 
Hoang-ti's gewesen sein ; die U (5) tien, d. i. die 5 Muster, Bücher der 5 Kaiser, die Pa-so, 
d. i. die 8 Messschnüre, eine Erklärung der 8 Kua; die Kieu-kieu oder 9 Anhöhen, eine 
Beschreibung der 9 Provinzen. 

2) Der Kia-iü hat dafür im Wen-kung. 



70 (418) 

Ling-wang grüsste dreimal und ging hinein, an der Tafel ass er 
nicht, im Bette schlief er nicht, aber mehrere Tage vermochte er über 
seine Leidenschaft nicht Herr zu werden und fiel dem Unglücke (Schwie- 
rigkeiten, Nan) anheim. Als Confucius die Geschichte las, sagte er, „sich 
selbst bezwingen und zurückkehren zu den Bräuchen, das ist Humanität 
(Jin, Tugend). Wie wahr und gut! Wenn Ling-wang von Tschu 
dieses im Stande gewesen wäre, wie hätte er die Schande in Kien-khi 
erlitten. (Im folgenden Jahre fiel das Volk von ihm ab und er erhing 
sich da.) Tseu-ke's Fehler war es, dass der Geschichtschreiber der Linken 
das Lied nicht wüsste, ihn zur Folgsamkeit zu ermahnen.'* Auf Ling- 
wang folgte Tsching -wang 528 — 515, Ts-chao-wang 515 — 488. Dieser 
berief Confucius 489 zu sich. Er konnte erst von den Fürsten von 
Tschin und Tsai gehindert, nicht hingelangen, bis die Truppen Tschu's 
ihn befreiten. Doch gelangte er daselbst zu keiner Stellung. Confucius 
lobt Tschao-wang im Kia-iü 41, f. 13 v., auch bei Tso-schi Ngai-kung 
Ao. 6 f. 11 V., S. B. 27, S. 146, dass er erkrankt, dem Hoang-ho nicht 
opfern wollte, wie die befragte Schildkrötenschale wollte. Wir werden 
die Geschichte in der Abtheilung IV, wo von Opfern die Rede ist, besser 
mittheilen. Confucius kam nach Lün-iü 13, 16 auch nach Sehe, einer 
Stadt in Tschu, deren Name sich noch erhalten hat, im jetzigen Nan- 
3'-ang-fu in Süd-Ho-uan, dessen Gouverneur sich den Titel Kung ange- 
masst hatte. Vergl. auch Lün-iü 7, 18. Tschu führte viele Kriege 
mit Tsin und mit U, auch noch zu Meng-tseu's Zeit; wir brauchen aber 
auf diese hier nicht weiter einzugehen, da Confucius und seine Schüler 
nicht dabei betheiligt waren. 

Tsiji's und Tschu's Reichfchümern kam nach Meng-tseu II, 22,2 6 nichts gleich. Die kleinen 
Reiche in der Nähe, wie Teng, waren von ihm immer bedroht, so auch Sung, wie andererseits 
von Thsi III, 2, ö, 1. Die Geschichte Tschu's, (Tao-wu genannt) deren er IV, 2, 21, 2 gedenkt, 
ist schon S. 401 erwähnt. Zu Meng-tseu's Zeiten gingen bei den beständigen Kriegen der einzelnen 
Staaten unter einander Literaten von einem zum andern. So ervrahnt er VI,2, 4, l,fg. eines Sung- 
khang. Der hatte gehört, dass Thsin und Tschu mit einander im Kampfe waren und wollte zum 
Könige von Tschu gehen und ihn bereden, von den Feindseligkeiten abzulassen, wenn der aber 
nicht darauf einginge zum gleichen Zwecke zum König von Tshin; er denke wenigstens bei einem 
zu reussiren. Meng-tseu fragte ihn, wie er das anfangen wolle, der erwiderte, er wolle ihnen 
zeigen, dass der Krieg für sie nicht vortheilhafL sei. Meng-tseu erwiderte, seine Absicht sei zwar 
gross, aber sein Argument nicht gut. Er dürfe nicht vom Vortheile ausgehen, sondern nur, was 
Meng-tseu immer predigte, von Humanität und Recht und was die geböten, was er dann weiter 
ausführt. 



(419) 71 

In Süd-Kiang-su und Süd-W-Ngan-hoei bestand das bedeutende 
Reich U^) die Hauptstadt erst in U-si, d. i. No-tin," dann in Su-tscheu-fu, 
31^ 23' n. Br., 120<> 25' östl. L., — welches mit Tschu in bestän- 
digem Kanapfe war. Die Einwohner waren ursprünglich Barbaren. Die 
Fürsten wollten von Thai-pe, dem Sohne von Thai-wang von Tscheu, 
(s. oben S. 376) abstammen. In die chinesische Geschichte trat das 
Reich erst unter Scheu-mung 584 — 460 ein, und gelangte bald zu 
grossem Ruhme. Sein jüngster Sohn Ki-tscha machte viele Reisen und kam 
auch nach Lu, sich über die Gebräuche zu unterrichten. Eine Aeusser- 
ung von Confucius über ihn, siehe unten bei Wei, S. 423. Er schlug 
den Thron, den sein Vater ihm" bestimmt hatte, aus, auf dem seine 3 
Brüder dem Vater folgten. Als er auch nach dem Tode des letzten 
nicht nachfolgen wollte, gelangte später unter Ko-liü (514 — 495) U-tseu- 
siü oder U-yün, der Sohn eines flüchtigen Ministers von Tschu, aber 
auch gleichzeitig Pe-poei, der Sohn eines andern Ministers von Tschu, 
dort zu grossem Ansehen und veranlasste den blutigen Krieg ü's mit 
Tschu. Ko-liü starb an einer Wunde, die er im Kampfe mit Yuei er- 
halten hatte und sein Sohn Fu-tschai folgte ihm (495 — 472}. Dieser 
setzte den Kampf gegen Yuei fort, besiegte dessen König Keu-tsien, 
erst, da er ihn aber nicht vernichtete, unterlag er später und U wurde 
von Yuei erobert. Da Confucius und seine Schüler an allen diesen 
wichtigen Begebenheiten aber keinen Antheil nahmen, übergehen wir 
das Detail hier. 2) 



1) S. Sse-ki B. 31 U Tai-pe Schi-kia und A. Pfitzmaier Geschichte des Reiches U. Wien 1854 
4., (Aus den Denkschriften der Wiener A. d. W. B. 8.) 

2) Auf den letzten König von U, Fu-tschai, beziehen sich noch einige Anekdoten. Er hatte 
nach dem Sse-ki mit Ngai-kung von Lu Ao. 7 eine Zusammenkunft und machte dabei 
übermässige Ansprüche, welche Tseu-kung, Confucius Schüler, zurückwies. Wir werden 
darauf in seinem Leben zu sprechen kommen. Kurz vor seiner letzten Niederlage wollte 
er mit dem Fürsten von Lu Ngai-kung (Ao. 12) nach dem Schol., dem Fürsten von 
Tsin (in Hoang-tschi) aufwarten. Auf diese Zusammenkunft bezieht sich Kia-iü C. 16, 
f. 20 v. Tseu-fu-king-pe erwiederte seinem Gesandten und sagte: Wenn der Wang 

. die Tschu-heu vereinigt, dann führt der Pe die Pleu und Gouverneure (Mu) an ; dem Wang 
aufzuwarten; wenn der Pe die Vasallenfürsten vereinigt, dann führt der Heu die Tseu und 
Nan an, dem Pe anfzuwarten; wenn jetzt die Vasallenfürsten sich vereinigen und der Fürst 
(von U) mit dem kleinen Fürsten (von Lu) Tsin's Fürsten aufwartet, dann wird Tsin vollends 
zum Pe (Pa). Die Sachen angreifen als ein Pa, die Tschu-heu berufen und doch nur am 



72 (420) 

In Tsche-kiang war das ebenfalls m^prünglich barbaribclie lieich 
Yuei, das erst 537 nach Chr., zur Zeit Lu Tschao-kung's Ao. 8 unter 
den Reichen, welche ü zum Angriffe führte, verzeichnet wird. Es er- 
langte seinen grossen Ruhm unter seinem Könige Keu-tsien (496 — 466), 
der das früher unbekannte Reich auf die höchste Stufe des Ansehens 
brachte und zwar mit Hülfe Fan-li's und seines Ministers Tschung. In 
seinem Kampfe mit U, 494, kam er in die grösste ßedrängniss und war 
von dessen Könige Fu-tschai auf dem Berge Hoei-ki eingeschlossen. U- 
tseu-siü rieth dem Könige von ü seine ^ Vernichtung an, aber der be- 
stochene Minister Pe-poei bestimmte ihn, mit dem Könige von Yuei 
Frieden zu machen, der dann später im Stillen seine Kräfte wieder 
sammelte und die Umstände benutzend, den König von U gänzlich 
schlug, und sein Reich eroberte.^) Dies war aber schon nach Confucius 
Tode, nach Sse-ki, B. 33, f. 21 v. ü-tseu-siü hatte, von Pe-poei verläumdet, 
mit dem Schwerte, das Fu-tschai ihm sandte, sich den Tod geben 
müssen. Er Hess dem Könige sagen : ich habe deinen Vater gelehrt, 
die Herrschaft über die Reichsfürsten zu gewinnen, ich habe dich auf 
den Thron gesetzt, du wolltest das Reich mit mir theilen und jetzt 
muss ich eines Verläumders wegen sterben, aber ein einzelner Mensch 
kann sich allein in seiner Stellung nicht halten. Zu seinen Hausgenos- 
sen sagte er: Pflanzet einen Hartriegel auf mein Grab. Wenn das 
Holz brauchbar, ist das Reich U nicht mehr. Stich mir die Augen aus 
und hänge sie an das Ostthor von ü, damit ich sehe, wie die Räuber 
von Yuei einziehen und U vernichten. Hierauf schnitt er sich mit dem 



lüide ein Heu sein, was für einen Nutzen kann das haben? U's Leute standen davon ab, 
al)er es reute sie und sie setzten King-pe gefangen. (King)-pe sagte aber zum Tai-tsai Po ei : 
„Lu hat im 10. Monate am Schang-(obern)-sin ein Opfer (Sse, Afiaire) des -^ Schang-ti 
(Gottes), die früheren Könige (wang) am Ki-(jüngern, letzten )-sin; es zu Ende zu bringen, (pi). 
hat Ho, d. i. King-pe die Geschlechter hindui^ch seit Siang(-kung von L\i 072 — 541) das 
Amt und bis jetzt ist dies nicht geändert. Wenn die Zusammenkunft nicht stattfindet, 
so wird der Tempelvorstand (Scho-tsung) sagen : U ist im Rechte (Schi). Poei sagte dies 
Fu-tschai, der dann zurückkehrte. Tseu-kung, der es hörte, besuchte Confucius und sagte: 
der Sohn der Familie Tseu-fu ist einfältig (tschue) in seiner Erklärung, aber er sucht ehr- 
lich einzudringen und der Täuschung zu entgehen. Confucius sagte: „der Fürst (Tseu) von 
U hat noch nicht die volle Tugend (Jin), man kann ihn täuschen (ki), aber ihm nicht die 
Wahrheit sagen. Hört er das Verdeckte, so ist das nicht Dummheit des Erklärers." 
1) Sse-ki B. 4. Yuei Schi-kia, S. B. 44. f. 197 fg. und I-sse B, 96 Yuei mie U. 



(421) 78 

Schwerte den Hals ab. S. Tso-schi Ngai-kung Ao. 11, f. 20, S. B. 27, 
S. 149, Sserki ß. 31, f. 17 v. mit Schol. Auf diesen seinen Tod soll 
sich Confucius nach Kia-iü 20 f. 29 v. und Han-schiuai-tschuen B. 86, 
f. 22 V. bezogen haben, da er von Tsai und Tschin bedrängt war. Der 
letztere lässt Confucius auch eine Aeusserung gegen seine Hausgenossen 
anführen. Die Erzählung wird aber wohl nicht acht sein. S. Con- 
fucius Leben. Keu-tsien bezeugte dann dem Kaiser Yuen-wang seine 
Achtung, der ihm dafür den Titel Pa verlieh.^) Confucius und seine 
Schüler sind aber aucl^ bei diesen wichtigen Begebenheiten nicht be- 
theiligt, nur der plötzliche Glückwechsel Keu-tsien' s wird von Confucius 
und dessen Nachfolgern erwähnt. Als Confucius in der Bedrängniss von 
Tsai und Tschin war, führte er unter den altern und neuern Beispielen, 
wie Weise in grosser Bedrängniss doch noch aufkamen, seine klagen- 
den Schüler nach dem Kia-iü und Han-schi Uai-tschuen in I-sse am an- 
geführten Orte, angeblich auch die Beispiele von Tschung-eul oder Wen- 
kung von Tsin (S. 409) und Keu-tsien von Yuei an, der trotz der Bedräng- 
niss auf Hoei-ki doch noch Pa wurde. Meng-tseu.I, 2, 3, 1 führt ihn 
als Beispiel an, wie nur ein weiser P'ürst mit einem kleinen (Reiche) 
einem grossen dienen könne; so .diente Thai-wang den Hiün-scho und 
Keu-tsien U (Wu); siehe die Stelle schon oben S. 375. Wenig glaublich 
ist das Geschichtchen im Kia-iü 16, f. 18, fg. und im Kue-iü 2, 11, 
f. 14, s. Amiot Mem. T. 12 p. 376, dass er nach der Eroberung U's 
einen grossen Knochen gefunden und Confucius darüber befragt habe. 
In der jetzigen Provinz Ho-nan lagen mehrere kleine Reiche. Da 
Confucius und seine Schüler und Nachfolger mit mehreren von diesen 
in Berührung kamen, müssen wir sie hier kurz erwähnen, obwohl es 
nicht nöthig ist, in die spezielle Geschichte aller im Einzelnen einzugehen. 
In Kai-fung-fu lag zunächst das Reich Tschin in Tschiii-tscheu, 33^ 46' 
n. Br., 115^0,2' öst. L. (Sse-ki B. 36), von Wu-wang einem Nachkommen 
Hu-kung's verliehen; dann in Tschang-tsai-hien , in Jü-ning-fu in Nord- 
Honan, das Reich Tsai, — die Hauptstadt in Sin-tsai 32^ 46' n. Br., 114*^ 58' 
öst. L. (Sse-ki B. 35) — dem älteren Bruder des Fürsten von Wei 1122 



1) S. Sse-ki B. 41 Yuei schi-kia. JWiener S. B. 44, S. 197 fg, und I-sse B. 96 Yuei mie U. 
Ausd. Abh.d.I.Cl.d,k.Ak.d.Wiss,Xr.Bd.II.Abth. (54) 10 



74 (422) 

verliehen. Beide wurden von Tschu Hoei-wang, jenes 477, dieses 446 
vor Christus vernichtet J) Confucius wurde, wie schon erwähnt, von 
beiden sehr bedrängt, als er nach Tschu wollte, wie in seinem Leben 
ausführlich erzählt werden wird. Im Lün-iü 7, 30, 1 wird der Krimi- 
nalrichter von Tschin, der dort Sse-pai hiess, erwähnt. 

In Siü-tscheu in Kuei-te-fu, in Nord-Ost-Honan lag dann Sung (Sse-ki 
B. 38), mit der Hauptstadt Schang-kiü, 34^ 28' n. B., llö» 51' öst. L., 
das einem Nachkommen der Kaiser der 2. D. 1113 von Wu-wang ver- 
liehen war. Es wurden daher dort noch den Kaisern der D. Yn Opfer 
dargebracht nach Tschung-yung 28, 5 und Lün-iü 3, 9 und manche Ge- 
bräuche derselben hatten sich da erhalten. Es war ein kleines Reich. 
Confucius kam dort auch in Gefahr, wie wir sehen werden. 2) 

Ein anderer Staat in Ho-nan, wohin Confucius auch kam, war Wei^) 
(verschieden geschrieben von dem früher erwähnten). Es lag in dem Theile 
Ho-nan's, der zwischen Schan-si und Pe-tschi-li sich hinauf erstreckt, — die 
Hauptstadt Ki lag 3 5*^ .38' n. Br. und 114^ 21' öst. L., und war ursprünglich 
von Wu-wang seinem Jüngern Bruder Khang-scho verliehen. Auf Wei 
beziehen sich einige Stellen im Kia-iü. Im Kia-iü B. 41, f. 14 v., auch 
bei Tso-schi Tsching-kung Ao. 2 (588) f. 1, S. B. 17, S. 255 fg. 
(hier nur kürzer), heisst es : Sün-Huan-tseu von Wei fiel in Thsi ein, 
traf (mit dessen Heere) zusammen und schlug es. Thsi's Leute erstiegen 
Sin-scho. Der Ta-fu Tschung-scho-iü-hi mit seinem Heere kam Huan- 
tseu zu Hilfe. Huang-tseu entkam und Wei's Leute belohnten jenen mit 
einer Stadt. Tschung-scho-iü-hi schlug die aber aus und bat nur um 
ein Musikgestell, einen Bauchgurt und einen Bauchriemen, um am Hofe 

'S' 

damit zu erscheinen. Es wurde ihm bewilligt. Es gab da 3 Aemter, 



1) Meng-tseu V, 1, 8, 3 erwähnt den Minister von Tscheu, dem Fürsten von Tschin; Tscheu 
war der Eigenname des letzten Füi'sten Min-kung, 501 — 477, unter dem das Beich von 
Tschu Hoei-wang dem seinigen einverleibt wurde. 

2) Meng-tseu II, 2, 3, 3 kam auch durch Sung und erhielt von den dortigen Fürsten ein Ge- 
schenk, worüber er sich auslässt, sowie in Sie Schutz. Es litt nach III, 2, 5, I der Zeit von 
Thsi und Tschu, die es angriffen, und ein Schüler Meng-tseu s fragt ihn da, was dabei zu 
thun sei. Sung hatte noch das kleine Reich Tsao, 35" 11' n. Br. und 115° 44' öst. L. in 
Tsao-tscheu-fu in Schan-tung 485 vernichtet; da es aber weder von Confucius, noch 
von Meng-tseu erwähnt wird, brauchen wir nicht weiter davon zu reden. 

3)S. Sse-ki B. 33. Pfitzmaier, Geschichte des Hauses Tschao-kung's (Yan's) und Kang-scho's 
(Wei). Wiener S. B. 1863. 



(423) 75 

(nacli den Scliolien, das des Sse-kheu, Sse-ma und Sse-kung). Tseu-lu be- 
kleidete ein Amt in Wei und da er dessen Kegierung sah, fragte er dess- 
halb den Confucius (was der dazu sage). Der seufzte und sagte: ,,Es ist 
nicht, als wenn man ihm viele Städte gegeben hätte; Geräthe (Auszeich- 
nungen), die einem nicht zukommen, darf man einem Mann nicht ver- 
leihen. Der Fürst ist ihnen vorgesetzt. Der Name muss ausgehen von 
der Wahrheit (Sin). Der Wahrheit entsprechend muss das Geräthe sein. 
Das Geräthe dient den Brauch zu bergen (zu bewahren); den Brauch 
übt man nach dem Rechte; aus dem Rechte entsteht der Vortheil 
(Nutzen); der Nutzen, das Volk zu beruhigen, diess sind die grossen 
Glieder (Ordnungen) der Regierung. Wenn man den Menschen derglei- 
chen leiht, so überträgt (übergibt) man ihnen die Verwaltung (Regie- 
rung); geht die Regierung verloren, dann geht auch das Reich und das 
Haus nach und der Sturz kann nicht aufgehalten werden.'- (Man sieht 
hier, wie viel Confucius auf Sachen gab, die uns seht untergeordnet 
erscheinen.) Eineandere Geschichte ist imKia-iü 41, f. 9, vergl. Sse-ki B, 31, 
f. 8 fg. Sün-wen-tseu, (der Minister oder Khing von Wei) verging sich gegen 
Hien-kungund wohnte in Thsi. Als der Kung starb (543) und da er noch nicht 
begraben war, schlug Wen-tseu die Glocke (ein musikalisches Instrument der 
Chinesen). Der Prinz von Yen-lingKi-tseu(Ki-tscha, der Sohn des Königs von 
U, s. S. 419), der nach Tsinging, kam bei Thsi vorbei, hörte das und sagte: 
„Der Meister ist wohl hier, wie das Nest einer Schwalbe unter einem 
Vorhange (d. h. in Gefahr); ich fürchte, dass das noch nicht sein kann 
und wie kann man musiciren, wenn der Fürst noch im Sarge liegt!" 
Wen-tseu hörte seitdem sein Lebelang die Guitarre und Laute (King se) 
nicht mehr. Als Confucius das hörte, sagte er: ,,Ki-tseu konnte (ver- 
stand) nach dem Rechte die Menschen (zu) beurtheilen. Tsching Wen- 
tseu vermochte sich selber zu überwinden. Wenn man gegen das Recht 
verstösst, kann man gut sich bessern." Die Geschichte wird ausführli- 
cher erzählt im Sse-ki B. 37 Fol 8 v. ; S. B. 1863 S. 35, auf den wir 
verweisen müssen. Auf Hien-kung folgte Sien-kung 543 — 534 und auf 
diesen Ling-kung 534 — 492. Unter diesem kam Confucius nach Wei. 
Auf seinen Aufenthalt daselbst, den Verkehr mit ihm 497 — 492 und mit 
dessen Gemahlin, der Nan-tseu, werden wir im Leben des Confucius zu- 
rückkommen. ) 



76 (424) 

Nach Lün-iü 14, 20 sprach Confucius von dem prinziplosen (wu- 
tao) Verhalten Ling-kung's. Ki-kharig-tseu, (der Minister von Lu) sagte: 
Wenn er so ist, wie geht er denn nicht zu Grunde? Confucius sagte: 
„Tschung-scho Yü^) hat die Leitung und den P^mpfang der Gäste und Frem- 
den, der Beter Tho leitet den Ahnentempel, Wang-sün Kia hat die Leit- 
ung der Heeresmacht, wie kann er mit solchen Beamten da zu Grunde 
gehen (verderben)." Nach Meng-tseu V, 2, 4, 7 nahm Confucius in Wei unter 
Ling-kung ein Amt an, da er sah', dass er es führen könne und ebenso unter 
Hiao-kung, da er ihn imterhielt. Allein einen solchen Fürsten Hiao-kung hat 
es in Wei gar nicht gegeben, es folgte vielmehr auf Ling-kung sein Enkel 
T s c h u - k u n g (492 — 480). Der älteste Söhn Ling-kung's, Khuai-wai hatte 
angeblich seine Mutter oder Stiefmutter, die erwähnte Nan-tseu (Lün-iü 
6, 26) tödten wollen und desshalb aus dem Reiche nach Sung entfliehen 
müssen und sein Sohn war daher bei Ling-kung's Tode diesem gefolgt, 
dem sein Vater vergebens die Herrschaft zu entreissen suchte. (Sse-ki 
B. 37 f. 9 fg.) Im Lün-iü 7, 14 fragt Yen-yeu, ob der Meister für diesen 
Fürsten von Wei sei. Tseu-kung sagte : ich will ihn fragen, that dieses 
aber nur indirekt, indem er sagte : Was für Männer waren Pe-i und 
Scho-thsi (s. S. 372). Confucius sagte: Es waren weise Männer des Alter- 
thums. Jener fragte: Reuete (ihr Thun) sie nicht? Confucius er wiederte: 
Sie erstrebten die Humanität und erreichten sie; was sollten sie Reue 
empfinden? Als er herauskam, sagte er zu seinem Mitschüler: Unser 
Meister ist nicht für ihn (Tschu-kung). Darauf bezieht sich auch Lün-iü 
13, 3. Sein Schüler Tseu-lu war in den Dienst dieses Fürsten getreten 
und sagte zu ihm: der Fürst von Wei erwartet, dass du die Regierung 
führen sollst. Was würde dir da .das Wichtigste zu thun scheinen? 
Confucius erwiderte : ,,Den rechten Namen ihn annehmen lassen." (Tsching- 
ming.) Confucius wollte damit sagen : er solle sich als Sohn zeigen und 
also zu Gunsten seines Vaters abdanken. Sein Schüler Tseu-lu ver- 



1) Nach seinem Tode ei'hielt er den Ehrennamen Wen. Es soll das der Kung Wen-tseu im Lün-iü 
5, 14 sein. Da fragt Tseu-kung, wie der zu dem Ehrentitel komme. Confucius erwiedert: „er 
war intelligent (min, thätig), liebte zu lernen und schämte sich nicht, seine Untergebenen 
(hia) zu befragen, daher nannte man ihn Wen." Dies vieldeutige Wort ist schwer zu über- 
setzen; Legge möchte es accomplished geben. 



(425) 77 

stand das nicht und meinte, er gehe weit fehl, wie sollte er das machen. 
Confu eins sagte : ,, Du bist doch recht dumm (Sehe); was der Weise nicht 
versteht, darüber ist er zurückhaltend. Ist der Name nicht recht, so 
entsprechen die Worte ihm nicht; sind die Worte nicht entsprechend, 
so ist kein Erfolg der Angelegenheiten; ist kein Erfolg der Angelegen- 
heiten, dann haben Bräuche und Musik keinen Fortgang, dann halten 
Strafen und Züchtigungen nicht die rechte Mitte; halten die nicht die 
rechte Mitte, dann weiss das Volk nicht Hand, nicht Fuss zu rühren, 
daher der Weise einen Namen führt, den er aussprechen darf und aus- 
spricht, was er ausführen kann; des Weisen Worte dürfen daher nicht 
incorrekt sein." Lün-iü 13, 7 sagt Confucius: Die Regierungen von Wei 
und Lu sind die von einem älteren und jüngeren Bruder (d. h. waren damals 
gleich entartet). Das Volk war nach §, 9 überaus zahlreich. Tschu-kung 
verdrängte sein Vater Tschuang-kung, der auf ihn 480 — 477 folgte. 
Bei diesen Unruhen kam der Schüler des Confucius, Tseu-lu, der in Tschu- 
kung's Diensten war, um, wie Confucius vorausgesehen hatte, während 
ein anderer Schüler Tseu-kao entkam. Wir werden im Leben des Con- 
fucius darauf zurückkommen. S. Sse-ki B. 39 f. 10 v. Der Kia-iü C. 44 
f. 29 erzählt, wie Tschuang-kung, in sein Reich zurückgekehrt, die alten 
Einrichtungen änderte, den Ahnentempel wechselte und Hof und Markt 
vertauschte. Kao-tseu-hoang fragte desshalb Confucius und sagte: Die 
Gebräuche der Tscheu (Tscheu-li) bestimmen das Opfer im Fang (Thor- 
wege), dieser ist im Westen vom Thore des Ahnentempels; vorne ist 
der Hof und hinten der Markt. Jetzt will der Fürst von Wei die Sache 
aber ändern, wie ist es damit? Confucius erwiederte, er übertrage inner- 
halb des Magazinthores den Fang; im Osten sei der Markt, der Hof 
im Westen. (Ohne die historische Einleitung findet sich Confucius Ant- 
wort auch im Li-ki C. Kiao-te-seng C. 11 f. 32.) Auf Tschuang-kung, 
der sich nicht lange hielt, folgte Wei-kiun, d. i. der Fürst von Wei, aber nur 
1 Jahr und dann gelangte Tschu-kung wieder zur Regierung 476 — 455. 
S. Sse-ki B. 37 f. 1 1 fg. 

Erst von Siuen-wang in Hoa-tscheu, 34*^ 30' n. Br., 109^ 51' ö. L. 
in Tung-tscheu in Schen-si gegründet, versetzte Ping-wang später nach Sin- 
tsching 34^ 26' n. Br., 113^ 56' öst. L., im heutigen Yü-tschen, in Kai-fung-fu 
in Ho-nan, das kleine Reich Tsching. (Sse-ki B. 42.) Die Gesänge aus 



78 (426) 

diesem Reiche (Schi-king I, 7,) werden im Lün-iü 15, 10, 6 und bei 
Meng-tseu VII, 22, 37, 12 von Confucius als besonders weichlich (aus- 
schweifend,) und daher verwerflich erwähnt. Confucius kam auch hin. In 
diesem kleinen Reiche soll auch die Grenzstadt Khuang gelegen haben, 
wo Confucius nach Lün-iü 9, 5 und 11, 22 in Bedrängniss kam. 

Aber vornehmlich verdient Erwähnung der Minister (Khing) Tseu-san 
oder Tseu-tschan. Er diente unter 3 Fürsten, unter Tsching Kien-kung 
565 — 529, seinem Sohne Ting-kung 529 — 513 und Hien-kung, indessen 
5. Jahre er starb. Sse-ki 42 f. 16^). Alle Leute in Tsching, sagt er, beweinten 
und beklagten ihn wie einen Verwandten (tshin-tshi). Tseu-tschan war 
ein jüngerer Sohn (schao-tseu) von Tsching-kung von Tsching (584 — 570). 
Gegen die Leute war er human (jin) und menschenliebend, (dem) seinem 
Fürsten diente er redlich (tschung). Als Confucius bei Tsching vorbei- 
kam, war er mit Tseu-tschan wie ein Bruder. Als er hörte, dass er 
gestorben sei, weinte Confucius. — Im Lün-iü 5, 15 sagt er: Tseu-tschan 
hatte vier Principien (Wege, Tao) von der Art eines Weisen ; in seinem 
persönlichen Betragen war er ehrerbietig (kung), im Dienste gegen seine 
Obern respektvoll (khing), in der Unterhaltung (des Volkes) wohlwollend 
(hoei), wenn er dem Volke gebot, gerecht (i). Als ihn einer nach Tseu- 
tschan fragte, sagte er 14, 10: er war ein wohlwollender Mann. Die 
Stelle über ihn im Kia-iü 13, f. 7 v. und Schue-yuen im I-sse 95, 2 
f. 16, wo er ihn tadelt, weil er die Weisen nicht befördert habe, wie 
Tseu-si ihn, ist schon oben bei Kuan-tschung S. 405 erwähnt. Im Lün-iü 
14, 9 wird Tsching gerühmt, dass es, umgeben von mächtigen 
Nachbarn durch seine trefflichen Beamten doch glücklich war. Beim 
Entwerfen der Erlasse machte Phi-schin den ersten rohen Entwurf, Schi- 
scho prüfte und untersuchte dann den Inhalt, Tseu-iü, der den Verkehr 
mit den Fremden leitete, machte Zusätze dazu oder liess etwas weg 
und Tseu-schah von Thung-li, (der Premier-Minister) gab ihnen dann 
das vollendete Ansehen.^) 



1) S. I-sse B. 74. Tseu-tschan siang Tsching. Medhurst lieset den Namen Tseu-san; Legge, 
Pfitzmaier u. a. lesen Tseu-tschan. 

2) Im Kia-iü in cap. 41, f. 15 v. fg. fragt Tseu-yeu Confucius : Meister spricht so hoch CKhi) 
von Tseu-tschan's Wohlwollen (Hoei), könnte ich das wohl erlangen zu hören (worin das 



(427) 



79 



Im Kia-iü cap. 14, f. 11 fragt Tseu-kung den Confucius nach 
Tseu-tschan und Ngan-tseu (den Minister von Thsi), wer von beiden Ta-fu 
am höchsten stehe ? Confucius sagt da : Tseu-tschan war gegen das Volk 
ein wohlwollender Herr, sein Studium erstreckte sich auf viele Dinge 
(po-voe)." 

Der Tso-tschueu hat viele einzelne Züge von ihm, z. B. unter 
Tschao-kung Ao. 16 fg., S. B. 25. S. 71 fg. und auch früher B. 20 
S. 489, die der I-sse zusammenstellt. Der Kia-iü, cap. 41 f. 9 fg. vgl. 
Tso-tschuen Siang-kung hia Ao. 25 f. 7 v., S. B. ß. 18 S. 170 erwähnt 
noch eines Zuges von ihm und Confucius ürtheil über diesen. Tsching, 
heisst es, 'griff 548 Tschin an und drang in das Land ein. Tseu-fschan über- 
reichte Tsin die Beute. Tsin's Leute fragten nach Tschin's Verbrechen. Tseu- 
tschan erwiederte und sprach: (Hier fehlt im Kia-iü vieles, was Tso-schi 
hat. S. 167 fg. (55 fg.). Tschin ermangelte (Tso-schi hat vergass, beides 
lautet wang) der D. Tscheu grosse Tugend (Wu-wang belehnte Hu-kung mit 
Tschin), stützte sich (sehe) auf Tschu's Menge (Heere) und drang mit 
Gewalt gegen unsere geringe Stadt (Fung-ling) vor, (der Tso-schi setzt 
hinzu: und liess sich nicht zurückhalten von seinem Vorhaben.) Darum 
meldeten wir es im vorigen Jahre Tsin, hatten aber (von diesem) noch 
nicht den Befehl (die Erlaubniss), es angreifen zu dürfen, erhalten, da 



bestand)'? Confucius sagte: sie bestand in (seiner) Liebe zum Volke und das war Alles. 
Tseu-yeu sagte; wenn das Volk lieben schon Tugend heisst, dann ist das Wohlwollen nur 
auszudehnen. Confucius sagte: Tseix-tschan war wie eine Mutter der Menge; er vermochte 
sie zu ernähren, aber wusste nicht, sie zu belehren. — Diese Aeusserung dos Confucius über 
ihn steht auch im Li-ki Cap. Tschung-ni yen-kiü 28 f. 9. — Tseu-yeu sagte: Kannst du mir 
das (die Sache) sagen? Confucius sagte: Mit dem Wagen, auf dem er fuhr, setzte er die 
Leute im Winter selbst über den Fluss, durchwatend (sehe), das ist (heisst) lieben, aber 
nicht belehren. Meng-tseu IV, 2, 2 erzählt von ihm, dass er als Minister in Tsching die 
Leute in seinem eigenen Wagen über den Thsin- und Weifluss setzen wollte, das sei zwar 
wohlwollend gewesen, aber zeige doch, dass er eigentlich zu regieren nicht vei'standen habe. 
Wenn im 11. Monate die Brücken für die Fussgänger, sagt ei", und im 12. die für die Wagen 
ausgebessert würden, brauche das Volk nicht durchzuwaten. Wenn ein Weiser die Regierung 
gleichmässig führe, so könne er bei einer Tour das Volk wohl aus dem Wege entfernen, 
wie könne einer aber die Leute selbst über den Fluss setzen? Wolle der Regierende jedem 
so zu Gefallen sein, dann würde der Tag nicht hinreichen. V, 1, 2, 4 hat er noch eine Anek- 
dote von ihm, wie ein Fischhalter, dem er einen ihm gesühenkten Fisch zum Autbewahren 
gegeben, ihn betrog, indem er, statt ihn in den Fischteich zu setzen, ihn verspeisete, ohne 
dass er es merkte ; so könne ein Weiser betrogen werden in einer Sache (fang), aber schwer 
sei es, ihn zu attrapiren bei etwas, was gegen seiix rechtes Prinzip (tao) sei. 



80 (428) 

erfolgte die Waffenthat am Ostthore (d. h. nach dem SchoL, mit Tschu 
drang es bis an Tsching's Ostthor vor). Tschin folgte (kam heran), die 
Brunnen wurden verschüttet, die Bäume umgehauen, unsere geringe 
Stadt fürchtete sehr — der Tso-schi setzt hinzu, dass sie nicht streiten 
könne und Tsching schämte sich vor Thai-khi (der Tochter Wu-wang's, 
der Gemahlin des Gründers der D. Hu-kung's — , aber der Himmel 
brachte (führte) zurecht unser Inneres und eröffnete die Herzen der ge- 
ringen Stadt. Tschin erkannte seine Schuld, es überlieferte uns die 
Häupter^) zu unserem Gebrauche. Daher wagen wir darzubringen die 
Beute (kung, das Verdienst). Tsin's Leute sagten; Aus welchem Grunde 
drangt ihr\n das kleine Reich ein? Jener erwiederte und sprach: Der 
Befehl der frühern Könige lautet: man sehe nur darauf, wo die Schuld 
ist, dann irifft Jeden die. gehörige Strafe. Auch betrug einst das Kaiser- 
gebiet einen Khe (von 1000 Li), die Reiche der Vasallenreiche besassen 
eine Gemeinschaft (Thung von 100 Li), von da an ging es abwärts, so 
war die Anordnung der D. Tscheu (s. S. 395). Jetzt sind aber der grossen Reiche 
von mehreren Khe (1000 Li) viele, wären sie nicht eingedrungen in 
die kleineren, wie wäre das möglich? (Hier fehlen im Kia-iü wieder 
mehrere Sätze des Tso-tschuen.) Tsin's Leute sagten, seine Rede zeigt 
Folgsamkeit. Als Confucius das hörte; sagte er zu Tseu-kung: „die Ge- 
schichte enthält die durch die Worte ergänzten Gedanken; der Schmuck 
der Rede dient zu ergänzen die Worte; wenn es keine Worte gäbe, 
kennten wir nicht den Schmuck der Gedanken; wenn die Worte ohne 
Schmuck der Beredsamkeit wären, kämen wir bei der Ausführung nicht 
weit. Tsin war Pe (Oberherr) , als Tsching in Tschin eindrang ; ohne 
den Redeschmuck (die Beredsamkeit) Tseu-tschan's wäre dies kein Ver- 
dienst gewesen (Tsching wäre von Tsin desshalb gestraft werden) „man 
sei daher sorgfältig in seiner Rede." 

Tso-schi Siang-kung Ao. 31 (541) f. 41, S. B. 20 S. 509 erzählt: 
Die Leute von Tsching lustwandelten in der Distriktsschule und sprachen 
über die Lenker der Regierung. Jen-mung wollte die Schule nieder- 



1) Bei Tso-schi steht irrig Ol. 64 Hand, statt Gl. 185 Haupt; Ijeidq Charaktere lauten Scheu 
und sind, wie ab und an gleichlautende, hier verwechselt. 



(429) 



81 



reissen lassen, Tseu-tsclian aber ervviederte : Warum das ? Sie besprachen 
was an den Lenkern der Regierung gut ist, und was nicht; was sie 
gut finden, mögen wir thun, was sie schlecht finden, verbessern. Warum 
die Schule niederreissen lassen? Ich habe gehört, Redlichkeit und gute 
Thaten hindern den Hass; ich habe nicht gehört, dass Anwendung von 
Strenge den Hass tilgt; wie sollte -man ohne Uebereilung ihm wehren 
können? Es ist, wie wenn man einen Pluss aufhalten wollte; er macht 
einen grossen Riss in das, was sich ihm entgegenstellt und richtet viele 
Menschen zu Grunde. Wir sind nicht im Stande zu helfen, wir müssen 
kleine Einrisse machen 'lassen, den Abzug zu bewirken , die Reden an- 
hören und sie für eine Arznei halten. Jen-mung erkannte die Wahrheit 
dieser Aeusserung und Confucius sagte, als er diese Worte hörte: „Ich 
ersehe daraus, wenn die Menschen sagen sollten, dass Tseu-tschan nicht 
menschlich sei, so glaube ich es nicht.'' 

Kia-iü cax^. 41 f. 11 v., auch im Tso-tschuen Tschao-kung Ao. 13, 
schang f, 69 fg., S. B. 21 S. 219 (wo nur die Einleitung fehlt) wird 
erzählt, wie Tgeu-tschan Ao. 529 wegen der Darreichung des Tributes, 
den Tsin von Tsching verlangte, mit diesem stritt, als Phing-kung von 
Tsin die Vasallenfürsten zu Phing-khieu versammelte. Einst, sagte er, be- 
stimmte der Kaiser die Tribute, leichtere und schwerere nach Classen; 
er ordnete sie nach dem höheren (oder geringeren) Range (der Fürsten) ; 
so war die Anordnung der D. Tscheu. Die geringe vom Stande waren, 
aber einen schweren (Tribut) zu ertragen hatten, waren im Kaisergebiete 
(Tien-fu)^). Tsching gehörte zu den Pe und Nan''^) (Fürsten dritter bis 
fünfter Classe). Nun heisst man es den Tribut der Kung und Heu (Fürsten 
erster und zweiter Classe) zahlen ; ich fürchte, dass er nicht dargereicht 
werde und wage desshalb zu bitten (die folgende Stelle des Tso-schi 
fehlt im Kia-iü). Als die Fürsten des Reiches die Waffen ruhen Hessen, 
machten sie im Vertrage von Sung die Freundschaft zu ihrer Angele- 
genheit; es vergehtjetzt aber kein Monat, wo der Befehl der Mahner (Hang-li) 
hinsichtlich des Tributes uns nicht zukommt. Der Tribut besitzt keine 



1) Für tien (bei de Guignes 6177) hat der Kia-iü einen Druckfehler, den ähnlich aussehenden 
Charakter Siün. (3869.) 

2) Mein Kia-iü hat für dieses nan (6175) irrig ein anderes nan (1010), der Süden. 
Ausd.Abh.d.I.Cl.dk.Ak.d.Wis!3.XI.Ed. II.Abth. (55) 11 



82 (430) 

vorzügiiclien Eigenschaften oder das kleine Reich bleibt damit im Rück- 
stande und es wird so in Schuld verwickelt. Als die Reichsfürsten den 
Vertrag schlössen, wollten sie die kleinen Reiche erhalten; bei einem 
Tribute aber ohne Mass ist ihr Untergang zu erwarten ; heute wird ihre 
Erhaltung oder ihr Untergang entschieden. (Der Kia-iü fährt nun mit 
Tso-tschuen fort:) Man stritt von Mittag bis Abends; da bewilligten 
die Leute von Tsin es. (Die folgende Stelle im Tso-tschuen fehlt wieder 
im Kia-iü ; wir übergehen sie aber und führen nur den Schluss bei 
beiden an.) Confucius sagte: „Indem Tseu-tschan so handelte, zeigte 
er sich hinreichend (würdig) des Reiches Fussgestfell (Grundlage) zu sein. ^) 
Der Schi-king sagt: „Es ist eine Freude, wenn ein Weiser (Kiün-tseu) 
eines Lehen oder einer Familie Grundlage ist. Tseu-tschan's Weisheit 
gewährt eine solche Freude. Auch sagte er, bei der Vereinigung der 
Fürsten und seiner Geschicklichkeit (J, der geschickten Ausführung 
wegen des Tributes) handelte er gemäss dem Brauche.'' (Die letzte 
Stelle fehlt nur bei Pfizmaier.) 

Der Kia-iü cap. 41 f. 12, auch Tso-tschuen Tschao-kung Ao. 20 
(521), hia f. 22, auch im I-sse ß. 74 f. 21 (bei Pfizmaier S. B. B. 25 
fehlt die Geschichte) erzählt: Als Tseu-tschan von Tsching krank war, 
sagte er zu Tseu-tai-scho^): „Ich werde sterben und du wirst die Re- 
gierung führen; nur wer Tugend hat, kann durch Liberalität das Volk 
unterwerfen.^) Der Nächste ist nicht wie ein Gewaltthätiger (mung). 
Dieser ist wie ein Feuerbrand; das Volk blickt auf ihn und fürchtet 
ihn, daher sterben Wenige vom Volke (für eine solche Regierung). Ist 
einer aber weich (jo) und nachgiebig wie das Wasser ist, dann nähert das 
Volk sich ihm (hia), hält sich an ihn und viele gehen (für eine solche 
Regierung) in den Tod. Daher ist die Liberalität so wichtig (schwer). 
Als Tseu-tschan gestorben war, führte Tseu-tai-scho die Regierung ; er 
litt keine Strenge (Mung) und war liberal. Aber da gab es im Reiche 
Tsching viele Räuber und Diebe. Tsai-scho war (desshalb) bekümmert 
und sagte: Ich folgte früh dem Meister, aber erreichte ihn nicht, (Der 



1) Tsu i woi kue ko; der Kia-iü hat Jafüv ohne Siun Tschi-i- wöi-kue. 

2) Er kommt auch bei Tso-tsohuon Tschao-kung Ao. 17, S. B. 25, S. 81 vor. 

3) Fu, so bat Tso-techuen; dor Kia-iü wohl irrig ming, erleuchten. 



(431) B3 

folgende Satz des Tso-tschuen fehlt im Kia-iü.) Er hob nun ein Heer 
aus, die Räuber anzugreifen, tödtete sie und dem Räuberwesen war in 
Kurzem gewehrt. Als Confucius das hörte, sagte er: „Gut, wenn die 
Regierung liberal (kuang) ist, dann ist das Volk respecktvoll (man-man), 
dann vereinigt es sich gegen die Gewaltthätigen (Mung); ist sie aber 
selbst gewaltthätig, dann wird das Volk schlecht. Ist das Volk schlecht, 
dann bewege es durch (wende an, sehe) Liberalität, um seine Gewalt- 
thätigkeit zu ertränken. Die Gewaltthätigkeit ertränkt aber die Li- 
beralität.-^) (Es wird nun noch eine Stelle aus dem Liederbuche 
citirt, die wir der Kürze wegen übergehen.) Die Erzählung schliesst: 
Als Tseu-tschan gestorben war und Confucius es hörte, ging er hinaus 
und weinte, und sagte: „Es ist dahin seine Liebe der alten , Ordnung (ku, 
des Alterthumes)." 

Im Sin-siü, im I-sse, B. 95, 2 f. 15 v. heisstes: Tsaag-sün führte 
eine grausame Regierung. Tseu-kung missbilligte sie und sagte : Mit der 
Regierung ist es, wie mit dem Anziehen (tschang) der Harfe (kin) und 
Laute (se); wenn man die grosse Saite (Hiuen) zu scharf anzieht (ki), 
wird die kleine Saite reissen (tsiue). Daher sagt man : Straft man viel, 
so entstehen Schlechtigkeiten; ertheilt man (dagegen) Belohnungen, 
(tsching) so erfreut man das Herz seiner Untergebenen. Hast du allein 
nicht gehört, wie .Tseu-tschan als Minister (Siang) in Tsching verfuhr? 
Er suchte die Weisen auf, beförderte die Fähigen zu Aemtern, wies die 
Schlechten zurück, erhob die Guten, hatten welche grosse Verdienste so 
fragte er nicht nach ihrer Kleinheit (Kürze); hatten welche eine grosse 
Tugend, so machte er nichts aus einem kleinen Fehler (tseu, Krankheit) 
derselben. Die Häuser waren wohl versehen, die Gefängnisse (ling-iü) 
leer. Als Tscheu-tschan starb, weinten alle im Reiche, 3 Monate über 
hörte man nicht den Ton der Orgel (von 30 und 13 Pfeifen, yü und 
seng); er sah sich bei Lebzeiten geliebt und nach dem Tode noch be- 
klagt. Daher sagt man: Keine Tugend ist so gross, als die Humanität 
(jin); kein Unglück so gross, als abgeschnitten zu werden (khi, früh 



1) Der Kia-iü hat noch die Worte Kuang muiig siang tsi tsching, die unverständlich 
oder überflüssig sind. 

11* 



84 (432) 

sterben). Jetzt bist du krank, und die Leute gratuliren einander und gegen- 
seitig fürchten sie nur und sagen, sein Leben ist nicht gut, dass der 
noch nicht stirbt. Tsang-sin beschämt gab seine Stelle auf und ging 
sein Lebenlang nicht mehr aus. 

Die Stelle aus dem Schue-yuen im I-sse 95, 3. f. 18 und bei 
Tseu-sse im I-sse B. 106 f. 2. v., wo Ki-khang-tseu gegen Tseu-yeu, 
(einen Schüler des Confucius) die Trauer des Volkes beim Tode Tseu- 
tschan's in Tschiug, im Gegensatze zu dem Verhalten der Leute in Lu 
bei Confucius's Tode, erwähnt, werden wir besser im Leben des Con- 
fucius bei dessen Tode mittheilen. Eine ähnliche Geschichte aus Kuna:- 
tschung-tseu im I-sse B. 106, f. 2, wo Hien-tseu. den Tseu-sse fragt und 
dieser diese Unterhaltung Ki-sün's mit Tseu-jeu anzieht, mag dort auch 
erwähnt werden. 

Bei Han-schi Uai-tschuen in I-sse B. 92, 2 f. 15 stellt Tseu-kung, 
Confucius Schüler, Ki Sün-tseu's harte Verwaltung Lu's mit den vielen 
Hinrichtungen der milden Regierung Tseu-tschan's in Tsching gegenüber. 
Wir werden die dogmatische Stelle aber besser in Abtheiluug IV, wo 
von den Strafen die Rede ist, anführen. 

Noch gab es das kleine Reich Khi, welches einem Nachkommen 
der D. Hia von Wu-wang verliehen war und in welchem zu Confucius Zeit 
sich nach Lün-iü, 3, 9 und Tschung-yung 28, 5, die Gebräuche und 
Einrichtungen der ersten Dynastie noch zum Theil erhalten hatten. Es 
lag ursprünglich in Süd-Kai-fung-fu, in Ho-nan. (Die Hauptstadt im 
jetzigen Khi, 34^ 42' n. ßr, 114^ 55' östl. L., zu Confucius Zeiten, aber 
in einem Theile von Schan-tung.) Es wurde 444 von Tschu vernichtet. 
(S. Sse-ki B. 36 und 98.) Es bleiben uns noch im Nordosten die Reiche 
Yen, Thsi, Lu und einige kleinere. 

Das Reich Yen (Sse-ki B. 34, W. S. ß. 1863), in Pe-tschi-li, unter 
den Nachkommen Tschao-kung's, des Bruders von Wu-wang, war an der 
chinesischen Grenze gelegen, die Hauptstadt in Ta-hing, 39*^ 54' ndl. Br., 
116^ 28' östl. Länge, in Schün-tien-fu. Wie früher, so tritt es auch zu 
Confucius Zeit fast gar nicht in der Geschichte hervor. Confucius an- 
gebliche Reise dahin 525 nach Amiot ist wohl kaum richtig. Wir brauchen 
also die einzelnen Fürsten nicht weiter anzuführen. 



(433) 85 

Zu M eng-tseu's Zeiten aber war eine grosse llevolution darin vorgegangen. Der alters- 
schwache König Yen-khuai') (320—311) hatte sich durch Su-tai, den Bruder des weisen Su-tlisin, 
der viel bei ihm galt und dem er seine Tochter zur Frau gegeben hatte, bethören lassen, ob- 
wohl er selbst einen Sohn hatte, nach dem Beispiel von Yao (und Schün, S. 361) 31ß V. Chr. zu Gunsten 
seines ehrgeizigen Ministers Tseu-tschi abzudanken. Der Erbprinz, wenig damit zufrieden, ging 
mit den meisten Grossen nach Thsi, dessen Fürst ihm seine Hilfe anbot und 314 zwei Heere gegen 
Yen aussandte. Als das erste unter seinem General Pei-pi von Tseu-tschi geschlagen war, wusste 
dieser ihn- zu gewinnen, dass er vom Erbprinzen zu ihm abfiel. Dieser behauptete aber trotzdem 
mehrere Monate das Feld; der Fürst von Thsi schickte ein Heer, das gerade auf die PTaup'tstadt 
losging; erschrocken lieferten die Einwohner Tseu-tschi ihm aus, den er zum abschreckenden 
Beispiel in Stücke Jiauen Hess. Der König von Thsi, Siuen-wang^), Hess seine Armee in Yen zurück, 
dachte daran, dieses Reich für sich zu behalten und fragte Meng-tseu (1, 2, 10, vgl. Sse-ki 
34 f. 7), was er thun solle? Einige meinten, er solle es behalten; mit einem Reiche von 
10,000 Streitwagen habe er ein Reich von 10,000 Streitwagen angegriffen uud in 50 Tagen erobert. 
Das sei nicht, was Menschenmacht allein vermöge; nehme er es nicht, so werde der Himmel sicher 
Ungemach auf ihn herabsenden. Was er thun solle? Meng-tseu erwiedert ihm ; wenn das Volk von Yen 
damit zufrieden sei, so möge er es behalten, wie vor Alters Wu-wang that; wenn aber das Volk 
nicht zufriedei) sei, so möge er es nicht behalten, wie im Alterthume Wen-wang verfuhr. (S. 
oben S. 381.) Sei das grosse Reich mit Schüsseln voll Reis und Schalen voll Brühe des Königs 
Heere entgegengekommen , aus welchem andern Grunde sei diess geschehen, als dass es dem 
Wasser und Feuer entgehen wollte, wenn aber das Wasser tiefer nnd das Feuer heftiger würde, 
so werde es nur revoltiren. Der König nahm dann Yen in Besitz, aber verschiedene Fürsten beriethen, 
•wie sie Yen zu Hülfe kommen könnten. Er fragte nun Meng-tseu wieder (C. 11): Die Vasallen- 
fürsten machten allerlei Pläne, wie sie seine Wenigkeit angreifen könnten. Solle er das ab- 
warten? Meng-tseu sagte ihm: Er habe wohl gehört, dass einer mit 70 Li zur Herrschaft über das 
ganze Reich gelangte, dies war (Tsching-)Thang, aber er habe noch nicht gehört, dass einer mit 
1000 Li die andern gefürchtet habe, hält ihm nun die Stelle desSchu-king IV, 2, 6 vonTsching- 
thang's schnellem Siege vor, die wir oben S. 367 schon angeführt haben, und schliesst: Yen 
tyrannisirte sein Volk, der König sei gekommen, es zu züchtigen ; das Volk hoffte, er werde es 
aus Wasser und Feuer befreien und kanfi seinem Heere daher mit Geschenken entgegen ; er aber 
habe ihre Väter und ältere Brüder erschlagen, ihre Söhne und Jüngern Brüder gefesselt, ihre 
Ahnentempel zerstört, ihre schweren (kostbaren) Gefässe mitgenommen (entfernt); bei dem Ver- 
fahren fürchte das ganze Reich Thsi's Uebermacht. Wenn er jetzt doppelt so viel Land (Gebiet) 
besitze (als erst) und nun keine humane Regierung führe, dann werde er des ganzen Reiches 
Waffen gegen sich in Bewegung setzen. Schnell möge er den Befehl erlassen, die alten und jungen 
(Gefangenen) zurückgeben, ihre kostbaren Gefässe dort lassen, mit' Yen's Volk in Berathung treten, 
einen Fürsten einsetzen und dann abziehen, so könne er noch den Angriff hindern. II, 2, 8 und 9 
wird auf diese Begebenheit nochmals zurückgegangen; wir werden aber dieses Detail besser in Meng- 
tseu's Leben mittheilen und bemerken nur: der König befolgte seinen weisen Rath, sich zurück- 
zuziehen, nicht, das Volk von Yen empörte sich gegen ihn und der König schämte sich vor Meng-tseu. 
Die Geschichte wird übrigens im Sse-ki mit manchen Abweichungen erzählt. 



1) I-Bse B. 124 Yen-khuai sing kue tschi ho. 

2) Dieser regierte aber 342 — 323 und nach dem Sse-ki 34, f. 6 v. nahm erst sein Sohn und 

Nachfolger Min-wang (323—283) Yen ein. S. Legge Prolog T. II, p. 34. 



HO (434) 

Das Fürstenthum Thsi^), welches von Wn-wang Thai-kung verliehen 
war, nahm die nördliche Hälfte von Schan-tiing ein. Die Hauptstadt 
war das jetzige Lin-tso, 36^ 55' n. Br., 118^ 32' östl. L., in Tsing-tscheu. Ur- 
sprünglich nur 100 Li gross nach Meng-tseuH, 12, 8, war es nach I, 1, 7, 17u. 
1,2,10, 1 zu seiner Zeit ein grosses Reich von 1000 Li, mit 10,000 Streitwagen. 
Wie Huan-kung von Thsi 685 — 643 zuerst als Pa auftrat und sein Mi- 
nister Kuan-tschung ihn dabei unterstützte, ist oben S. 403 schon er- 
zählt. Da Confucius, wie später Meng-tseu, mit Thsi viel zu thun hatten, 
geben wir die Liste der Fürsten von Thsi zu ihrer Zeit: Tschuang-kung 
553 — 547; King-kung 547 — 489; Ngan-iü-tseu noch in demselben Jahre 
ermordet; Tao-kung 489 — 485 und Kien-kung 485 — 481, beide ermordet, 
endlich Phing-kung 480 — 455. 

King-kung war nach Ermordung seine« Bruders und Vorgängers, 
Tschuang-kung, 547 durch den General Thsui-tschu auf den Thron ge- 
langt. Die Freimüthigkeit , mit der die Geschichtschreiber sich nicht 
abschrecken Hessen, diese Mordthat der Geschichte zu überliefern, ist 
anderswo von uns erwähnt. S. m. Abh. Vf. u. Verwalt. China's u. d. 
3 ersten Dyn. Abh. der Ak. B. 10, Abh. 2, f. 580(130). Lün-iu 5, 18, 2 
erwähnt Tseu-tschang, dass, als Thsui-tseu den Fürsten von Thsi getödtet 
hatte, Tschin-wen, obwohl er 40 Pferde befehligte, ihn verliess und da- 
vonging. Als er in einen andern Lehensstaat kam, sagte er aber, das 
ist wieder unser Ta-fu Thsui-tseu und ging fort, ebenso in einen dritten 
(andern) Lehensstaat, wo er dasselbe wieder fand und ihn daher auch 
wieder verliess. Der Schüler fragte: War der nicht rein? Confucius 
sagte: Er war rein. (Frage:) War er nicht human? (tugendhaft, jin). Con- 
fucius sagte: „Das weiss ich nicht, ob er vollkommen tugendhaft war." Unter 
King-kung kam Confucius mit Tseng-tseu (s. Kia-iü 15 f. 16 v.) nach Thsi, 
der ihn wohl aufnahm und mit ihm viel verkehrte, später aber ging er 
nach Lu zurück. Besorgt, dass Lu durch seine Rathschläge zu mächtig 
werden möchte, suchte der König von Thsi 497 den Fürsten Ting-kung 
von Lu durch schöne Mädchen, die er ihm sandte, zu verführen. Das 



1) Sae-ki Thai-kung Scbi-kia B. 32 und Pfizmaier, Geschichto des Hausos Tai-kung's S. B. B. 40^ 



(435) 87 

Nähere siehe in Confucius Leben. Im Lün-iü 16, 12 heisst es: Kiug- 
kung- von Thsi hatte 1000 Viergespanne, aber als er starb, konnte das 
Volk keine Tugend an ihm rühmen. Der Gegensatz bei Pe-is u. Scho-thsis 
Sode ist schon S. 372 angeführt. Er starb 490. 

Meng-tseu 1,2, 4, sagt, dass er die Inspektionsreisen der früheren Fürsten wieder heratollen 
wollte, die damals sehr abgekommen waren und seinen Minister Ngau-taeu desshalb befragte. S. 
S. 397. III, 1, 1, 4 erwähnt er eine Aeusserung Tscliing-kan's, von dem wir sonst weiter nichts 
wissen, gegen King-kung von Thsi. Sie, (die alten Weisen) waren Menschen , ich bin auch ein 
Mensch, was sollte ich sie scheuen? III, 2, 2, 1 erwähnt er wie der König einst auf der Jagd 
den Aufseher der "Wälder (Yü-jin) mittelst einer Fahne (gegen den Brauch) berief, und als dieser nicht 
kam, ihn tödten wollte, worauf Confucius (sagte): „Der entschlossene Sse vergisst nie, dass er in 
einem Graben oder Strom umkommen kann ; der muthige Sse vergisst nicht, dass er seinen Kopf 
einbüssen mag." "Was entnahm Confucius daraus? er entnahm (billigte) das, dass er, wenn es nicht 
sein rechter Ruf war, nicht kam ; wenn einer daher ohne eine Einladung abzuwarten zu einem Fürsten 
hingeht, wie ist das? (Was muss man dazu sagen?) Dieselbe Gescliichte wiederholt Meng-tseu V, 
2, 7, 5. IV, 1, 7, 2 führt er einen Spruch King-kung's an: Wenn man andern nicht gebieten 
kann (ling) und will dann ihre Befehle auch nicht empfangen, das heisst die Dingo (allen Verkehr) 
abschneiden und weinend gab er seine Tochter dem (mächtigern) Fürsten von ü zur Frau. 

Berühmt "war sein Premierminister Ngan-phing-tschung oder 
Ngan-yng, den wir schon oben S. 397 und 407 ein paarmal genannt 
haben. Wir werden in ConfuQius Leben bei dessen Aufenthalte in Thsi 
auf ihn zurückkommen. Die Unruhen und Bürgerkriege, sowie die aus- 
wärtigen Kriege nach King-kung's Tode brauchen wir hier nicht zu er- 
zählen, da sie in Confucius und seiner Schüler Leben nicht eingreifen. 
"Wir bemerken nur, dass Kien-kung von Thsi 481 durch Tien-tschang 
ermordet wurde, der dessen Bruder Phing-kuug auf den Thron erhob. 
Confucius, werden wir sehen, ermahnte Ngai-kung von Lu vergebens, 
den Tod des Fürsten zu rächen. 

Phing-kung (480 — 455) überliess seinem Minister Ticn-tschang ganz die Kegierung. Die 
Kegierung seines Nachfolgers Siuen-kung's (455 — ■404) zeigt nichts Bemerkenswerthes. Auf ihn 
folgte Khang-khung (404 — ö79). "V\'^io wir aber in Tsin das Fürstengeschlecht schon lilngere Zeit 
in Verfall und die Gewalt in Händen dreier Ministerfamilicn sahen, die zuletzt, des ganzen Reiches 
sich bemächtigten, so waren auch in Thsi schon früher mehrere mächtige Familien, welche um 
die Gewalt sich stritten. Alle diese überbot aber die Familie Thien, eigentlich die Nachkommen 
eines Sohnes der Fürsten Li-kung von Tschin (700), der nach Thsi übergesiedelt und dort zu 
hohen Ehren gelangt war. Vergebens hatte der Minister Ngan-tseu Tschuang-kung und King-kung 
vor dieser Familie gewarnt. Auf Thion-tschhang folgte eigentlich schon als x-egierender Mi- 
nister sein Sohn Tieu-aiang, auch unter Siuen-kung und auf den sein Sohn Thien Tschuang-tseu 
unter demselben Fürsten. Auf ihn folgte endlich Thien-so oder Thai-kung-ho. Längst schon 
übermächtig, bemächtigte sich dieser 391 des ganzen Reiches, setzte den letzten Fürsten 
Khang-kung auf einer Meeresinsel gefangen und bewirkte durch die Fürsten von Wei und Tschu 
in dessen 19. Jahre seine Anerkennung durch den Kaiser als Fürst von Thsi. Die Nachkommen 
Thai-knng's hatten seit 1122 2.9 Geschlechter hindurch 7-14 .Tahre übe)- in Thsi geherrscht. Die neue 



88 (436) 

Dynastie nennt man Tliien Thsi^) Es bestanden damals in China so nur noch 7 grössere Reiche, 
Wei, Han und Tschao, (statt des frühern Tsin in Schan-si), Thsin in Schen-si, Tschu in 
Hu-kuang, Yen in Pe-tschi-li und Thsi in Schari-tung. Lu war unbedeutender; andere kleine 
Reiche noch mehr. Der Stifter der neuen Dynastie Thai-kung regierte nur 2 Jahre 386 — 384 
als" Fürst, Huan-kung, dann 384 — 378, Wei-wang, der den Köuigstitel annahm, 378 — 342, 
Siuen-wang 342 — 323 und dann sein Sohn Min-wang 323 — 282. Unter Siuen-wang kam Meng- 
tseu 332—323 nach Thsi und später noch einmal 311.") Wir haben die Unternehmung des 
Königs gegen Yen und Meng-tseu's Unterhaltung mit ihm und die Aeusserungen, desshalb 
schon oben bei Yen, S. 433 erwähnt. Indem wir die weitern Einzelheiten über dessen Verkehr mit 
ihm und die Aeusserungen gegen ihn dem Leben Meng-tseu's und der Darstellung seiner Lehren 
-vorbehalten, heben wir hier nur hervoi-, wie Meng-tseu gegenüber den Eroberungs- und abso- 
lutistischen Gelüsten der damaligen Fürsten China's sein Ideal eines gerechten und humanen Kaisers 
(Wang) immer ihnen zur Nachahmung vorhält und ihnen die Grundsätze der Regierung, die da- 
raus folgen, im Gegensatz der Gewaltherrscher (Pa), anpreiset, z. B. I, 1, 7. Siuen-wang hatte sich 
einen Park von 40 Li angelegt und wunderte sich nach I, 2, 2, dass das Volk ihn zu gross fand, 
während Wen-wang doch einen Park von 70 Li gehabt habe. Meng-tseu erklärt ihm das : der 
habe mit dem Volke ihn getheilt, während er beim Eintritte in sein Reich ein Jagdverbot fand, 
welches Todesstrafe darauf setzte, wenn einer einen Hirsch tödte. Die Stelle ist schon bei Wen- 
wang S. 381 mitgetheilt. Meng-tseu bekleidete in Thsi nach II, 2, G eine Zeitlang die Stelle eines 
Ministers, (Khing), man meint aber, dass es bloss ein Ehrentitel gewesen sei. Das R3ich hielt 
sich 166 Jahre, bis es 221 v. Chr. von Thsin erobert wurde. 

Zwischen Thsi und Tschu lag in Schan-tung noch das kleine Reich Theng, in dem jetzigen 
Departement gleichen Namens o!'->° 15' n. Br., 117" 24' öst. L., in Yen-tscheu-fu und daneben der 
kleine Staat Sie, man meint die Hauptstadt im jetzigen Sie-tsching, 35" 12' n. Br, 117" 21' ö. L. 
im Distrikte Theng, im jetzigen Yen-tscheu. Lün-iü 14, 12 sagt Confucius, das Haupt der Familie 
Meng in Lu, Kung-tscho ist geeignet, ein Oberbeamter (Lao) in (den gi'ossen Reichen) Tschao ufid 
Wei zu sein, aber er ist nicht geeignet, auch nur einen Ta-fu in (den kleinen) Theng und Sie 
abzugeben. Es bestand noch zu Meng-tseu's Zeit, der zwischen seinem ersten und zweiten Aufenthalt in 
Tlisi 318 V. Chr. hier sich aufhielt. Der Erbprinz, Sohn von Ting-kung von Theng, besuchte ihn nach 
Meng-tseu III, 1, 2, war ein grosser Vereherer von ihm und der Weise sprach zu ihm von der ur- 
sprünglichen Güte der menschlichen Natur und den Prinzipien Yao's und Schün's. Als er dann 
unter dem Titel. Wen-kung auf den Thron gelangte, befragte er ihn zunächst über die Trauer- 
gebi'äuche, die Meng-tseu auf's Strengste ihm zu beobachten rieth, wodurch er aber mit seinen 
Grossen in Conflikt gerieth. Er kam dann selber nach Theng und hatte mit dem Fürsten mehrere 
Unterhaltungen. Er empfahl ihm die alten Einrichtungen und ertheilte ihm Rath bei seinen Be- 
sorgnissen wegen der grossen Nachbarreiche. S. Meng-tseu I, 2, 13 — 15, II, 2, G, III, 1, 1 — '4, 
VII, 1, 43 u. 2, 30. Wir werden auf die Einzelnheiten besser im Leben Meng-tseu's zurückkommen. 
Meng-tseu war aucü in dem benachbarten Staate Sie, der aber nicht mehr selbstständig, sondern 
schon incorporirt war, welches nach Meng-tseu I, 2, 14, die Stadt gegen Theng- befestigte, 

Noch kommt ein Barbarenreich Than in Than-tsching, nördlich an 
der Mündung des Hoang-ho, einmal bei Tso-schi Tschao-kung Ao. 17, 



1) S. Sse-ki B. 46 und I-sse B. 102 Thien-schi. 

2) So Legge Prol. T. II, 34; nach andern regierte damals schon Min-wang; dieser eroberte 
auch Yen nach dem Sse-ki. 



(437) 89 

f. 9 fg., S. B. 25, S. 76 und im Kia-iü 16, f.,. 19 vor. Der Fürst kam 
zu Confucius Zeit an den Hof von Lu und Confucius hörte angeblich von ihm 
die Bezeichnung der Aemter in der ältesten Zeit unter Hoang-ti u. s. w. S. m. 
Abh. Verf. und Verw. China's und der 3 ersten D. S. 481, (31) und Confucius 
Leben. 

Der letzte Staat, der noch in Betracht kommt, ist das Reich L u, mit der 
Hauptstadt Kio-feu, 35^ 52' n. Br., 117^ 13' öst. L., in Jen-tscheu, in Süd- 
Schan-tung, Confucius und vieler seiner Schülel" Geburtsland, von dem wir 
daher etwas ausführlicher reden müssen. Ursprünglich nur 100 Li gross, war 
Lu nach Meng-tseu VI, 2, 8, 6 (II, 12, 8) zu seiner Zeit 500 Li gross. Wir wissen, 
dass dieses Reich Tscheu-kung, dem Bruder Wu-wang's, dem die Institutionen 
der Tscheu so viel verdankten, verliehen wurde. Wir haben auch schon 
erwähnt, wie dessen Sohn und späterer Nachfolger Pe-kin, als Tscheu-kung 
den minderjährigen Kaiser Tsching-wang mit ihm erzog, als Prügelknabe 
dienen musste (S. S. 387). Zu Confucius Zeit regierten in Lu Siang-kung 
572 — 542; Tschao-kung 542 — 509; Ting-kung 509 — 496 und Ngai-kung 
496 — 467. Unter dem ersten wurde er geboren, unter dem dritten ge- 
langte er zu hohen Ehrenstellen, unter dem letzten, mit dem er in 
mannigfachen Verkehr stand, starb er. Soweit er in die Geschichte Lu's 
eingreift und über seinen und seiner Schüler Verkehr mit Ngai-kung werden 
wir im Leben des Confucius das Detail besser mittheilen. Wir bemerken 
daher hier nur: Im Lün-iü 6, 22 urtheilt Confucius über Lü verhält- 
nissmässig günstig: „Wenn Thsi eine Wendung (Wechsel) mache, so er- 
reiche es Lu ; wenn Lu noch eine Wendung mache , erreiche es die 
rechten Prinzipien (Tao)"; aber cap. 13, 7 dagegen sagt er, wie schon 
S. 425 bemerkt, wohl in späterer Zeit: ,,die Regierungen von Lu und 
Wei seien Brüder (gleich entartet)." 

Die Macht der Fürsten von Lu war zu seiner Zeit sehr beschränkt 
und fast nur noch nominell, indem die Zügel der Regierung ihren Hän- 
den entglitten und in die dreier mächtiger Familien übergegangen 
waren, welche die höchsten Aemter erblich bekleideten. Es waren dies 
dieFamilien Ki-sun, Scho-sün und Meng-sün. S. I-sse B. 80, San 



1) S. Sse-ki B. 33 Lu Tscheu-kung Schi-kia. Pfizmaier's Geschichte des Hauses Tscheu-kung. 
Wien 1863. 8, aus d. S.-B. d. Ak, 
Aus d. Abli. d. I. Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XL Bd. II. Abth. (56) 12 



90 (438) 

Huan iü Lu. Sie waroai Nachkommen von 3 Brüdern, Söhnen einer 
Beifrau von Huan-kung von Lu (710—693) S. Sse-ki B. 33 f. 14. Man 
unterschied sie erst durch die Beinamen Tschung, Scho vund Khi, und 
setzte sj)äter noch d§n Charakter sün (Enkel) hinzu. Später vertauschte 
der Vater von Meng-i den Namen Tschung-sün mit dem von Meng-sün, 
s. Legge I, p. 11. Sej.t Siuen-kung 609 waren die Fürsten schwach 
und die San (3) Huan mächtig. Im Lün-iü 16, 3 sagt Confucius: „dass 
die Einkünfte des Staates den Fürsten (kung) entzogen sind, ist schon 
5 Generationen (Geschlechter, Schi), dass die Regierung an die Ta-fu 
gekommen, ist schon 4 Generationen. Daher die Söhne und Enkel der 
Huan sehr reduzirt sind." Wie Confucius dieses missbilligte, siehe Cap. 2 
Die Familie Ki-schi nahm nach Kung Ngan-kue beim Schol, zum Sse-ki 
B. 47 f. 6, die erste der drei Ministerstellen (khi ng) ein: die Familie 
Meng die unterste. Dies ergibt sich auch aus King-kung's von Thsi 
Aeusserung im Lün-iü 18, 3. Ki-wen-tseu starb im 5. Jahre Siang- 
kung's (567) und wird im Sse-ki 33, f. 16 v. gerühmt: ,,Er hatte 
keine zweite Frau die sich in Seide kleidete; seine Ställe enthielten 
keine Pferde, die Reis frassen; seine Schatzkammer kein Geld und 
keine Jü-Steine. Er stand als Minister (Siang) 3 Fürsten von Lu, 
(Siuen-, Tsching- und Siang-kung) zur Seite. Der Weise (Kiün-tseu) sagt: 
Ki-wen-tseu war sparsam (lien) und rechtschaffen." Auf ihn folgte sein 
Sohn Ki-wu-tseu als Minister von Lu und übte die Gebräuche. Im 
11. Jahre der Regierung des Fürsten bildeten die 3 Ministerfamilien 3 
Heere nach Tso-schi Siang-kung Ao. 11 f. 17 und Sse-ki 33 f. 16 v., 
wie die grossen Reiche und früher auch Lu sie hatten, das nur später 
geschwächt, sich auf 2 beschränkt hatte. Ki-wu-tseu starb unter Lu 
Tschao-kung Ao. 7 (535), nach Sse-ki 33, f. 17 v. Auf ihn folgte Ki- 
ping-tseu. Er stand 517 gegen Lu Tschao-kung auf. Von ihm geschla- 
gen, verband er sich mit den Familien Meng- und Scho-sün, dass Tschao- 
kung nach Thsi flüchten musste, wo er starb (Sse-ki 47 f. 5). Er starb 
unter Lu Ting-kung Ao. 5 (504), nach Sse-ki B. 33 f. 20 v. und 47 f. 6. 
Auf ihn folgte Ki Huan-tseu oder Ki-sse nach Sse-ki B. 47 f. 6 
und dem Schöl. zu Kia-iü cap. 1 f. 1 v. Er wurde von Yang-hu ge- 
fangen gesetzt, der aber später unterlag und fliehen musste. Unter ihm 
sandte der Fürst von Thsi die weiblichen Musikanten, den Fürsten von. 



(439) 91 

Lu zu verführen, nacli Lu, die er nach Lün-iü 18, 4, annahm. Die Anek- 
dote, wie Ki Huan-tseu Confucius 1000 Mass (tschung) Reis schenkte, im 
-Kia-iü c. 8 f. 17 V. und bei Kung-tschung-tseu im I-sse, s. im Leben 
des Confucius. Dann folgte Ki Khang-tseu, schon unter Lu Ngai-kung 
Ao. 7 (489), in dessen 27. Jahre (469) er starb nach Sse-ki 3 3 f. 21 y. undKia-iü 
41, 8. Er stellte unter andern Confucius Schüler Yen-yeu an Und Hess 
Confucius aus Wei zurückrufen nach Sse-ki B. 33 f. 21. Es werden 
im Lün-iü und sonst öfter Gespräche von ihni mit Confucius, zum Theil 
über dessen Schüler, die er anstellen wollte, aber auch des Confucius 
mit seinen Schülern über seine Verwaltung, die keineswegs gelobt wird, 
erwähnt. Wir werden dies aber wohl besser im Zusarnmenhange in Con- 
fucius Leben mittheilen, hier uns auf die Darstellung der allgemeinen 
Verhältnisse in Lu beschränkend. 

Die andern beiden Familien waren nicht so bedeutend und ich habe 
die genaue Folge derselben nicht gefunden. '. Vor Confucius Zeit war 
unter 2 Fürsten von Lu Ts chung-sün-mie oder Meng Hien an- 
gesehen. Der Ta-hio c. 10, 22 führt von ihm ein Sprüchwort an: „Wer 
Pferde und Viergespann hält, sieht nicht auf Geflügel und Schweine; 
eine Familie die Eis aufbewahrt, zieht keine Ochsen und Schafe. So 
muss eine Familie von 100 Vierspännern keineii Beamten halten, der 
dem Volke Abgaben auferlegt; besser als einen solchen Beamten halten, 
wäre gleich einen Räuber als Beamten haben. Das will dieses sagen : 
„Ein Reich hat keinen Gewinn vom Gewinne, das Recht macht seinen 
Gewinn. " ^) Vor Confucius Zeit lebte auch Meng Tschuang-tseu 
oder So. Im Lün-iü 19, 18 sagt (Confucius Schüler) Tseng-tseu : „Meng 
Tschuang-tseu' s Pietät in andern|Punkten vermochten (auch Andere) zu 
erreichen; aber dass er seines Vaters Beamte und seines Vaters Re- 
gierung nicht änderte, das war schwer zu können." Nach Lün-iü 19, 19 



1) Aucli Meng-tseu V, 2, 3, 2 erwähnt ihn: Meng Hien-tseu, das Haupt von 100 Streitwagen, 
hatte.5 Männer zu Freunden, Yo-tsching-khieu und Mu-tschung, die 3 andern habe ich ver- 
gesessen. Hien-tseu war mit diesen 5 Männern befreundet, da sie nicht aus seiner Familie 
ifaren. Wären sie aus Hien-tseu's Familie gewesen, so hätte er nicht mit ihnen befreundet 
sein können. 

12* 



92 (440) 

machte das Haupt dieser Familie Meng-schi — die Person wird nicht 
weiter bezeichnet — den Yang-fu (einen der 7 Schüler Tseng-sin's) zum 
Kriminalrichter (Sse-sse). Der befragte Tseng-tseu und dieser sagte 
ihm: „Da die Oberen die rechten Prinzipien verlassen haben, ist das 
Volk schon lange desorganisirt (san, zerstreut). Findest du (daher) auch 
(eine Anklage) begründet, so sei darum bekümmert und mitleidig 
und zeige keine Freude." 14, 12. erwähnt Confucius (das Haupt der 
Familie) MengKung-scho als mehr geeignet, Oberbeamter (lao) in 
(den grössern Reichen) Tschao und Wei zu sein, denn ein Ta-fu (in den 
kleinern Reichen) Theng und Sie. 2, 5 fragt Meng-J mit dem Bei- 
namen Ho-ki, worin die Pietät bestehe, und 2, 6 (dessen Sohn) Meng- 
Wu-pe (oder Tschi), der unter Lu Ngai-kung lebte nach Sse-ki B. 33 
f. 2 1 V., auch nach der Pietät (S. Abth. IV b. P i e t ä t) ; 5,7 aber nach (Confu- 
cius Schülern) Tseu-lu, (Yeu), Tseu-yeu (Khieu), und Tseu-hoa (Tschi). 
Wir werden, wo von diesen Schülern die Rede ist, auf die Stelle zu- 
rückkommen. 8, 4 erwähnt seines Sohnes Meng King-tseu und eines 
Besuches, den er dem kranken Tseng-tseu machte — s. bei diesem. — 
Lün-iü 6; 13 erwähnt noch eines Meng tschi-fan, der, als er unter 
Lu Ngai-kung Ao. 11 (483) eine Niederlage erlitten hatte, seine Flucht 
beschönigte: ,, sein Pferd habe nicht vorwärts gewollt." Dies sind die ab- 
o-erissenen Notizen, weiche ich über diese zweite Familie gefunden habe. 
Zu dieser Familie scheint mit mehreren Verwandten auch Meng-tseu 
gehört zu haben. S. Legge Prol. T. 2, p. 16. 

Aus der dritten Familie Scho-sün wird im Lün-iü 19, 23 u. 24 
Scho-sün Wu-scho (oder Tscheu-kieu) erwähnt. Er habe Tseu-kung 
(Confucius Schüler) über Confucius selber gestellt. Er war nach Kia-iü 
c. 19 zum Beneiden und Herabsetzen anderer geeignet. Der Kia-iü c. 
41 f. 10 V., erwähnt noch den Scho-sün Mo-tseu, (einen altern Bru- 
der von Scho-sün Pao nach d. Schol.) Den Schwierigkeiten zu entgehen, floh 
er nach Thsi. Er übernachtete in der Stadt von Keng-tsung. Eine Frau von 
Kenf>"-tsung drang zu ihm und gebar ihm den Nieu. Als Mo-tseu später nach 
Lu zurückkehrte, machte er Nieu zum Diener im Innern (Nui-schu) und Ge- 
hilfen des Hauses. Nieu verläumdete bei Scho-sün 2 Männer, und sie wurden 
fetödtet (er tödtete sie). Scho-sün ward krank, Nieu drang (kam) nicht 
zu ihm- seine Mahlzeit ass jener nicht und starb. Nieu unterstützte 



(441) 93 

nun dessen illegitimen Sohn Tscliao und setzte ihn (an dessen Stelle) 
ein. Nachdem Tschao gestorben war, sagte den Morgen sein ganzes 
Haus: Der Diener Nieu ist ein Unglück für die Familie Scho-sün. Er 
macht, dass grosse Unruhen folgen, tödtet den legitimen Sohn (schi), 
setzt den illegitimen (schu) ein und öffnet ihm (pe) seine Städte, um 
für sein Verbrechen Erlass erlangen zu suchen. Kein Verbrechen ist 
grösser! Es ist nothwendig ihn zu tödten, und alsbald tödteten sie 
den Diener Nieu. Confucius sagte: „Scho-sün Tschao würdigte (sein) 
Verdienst nicht (pu-lao, nämlich dass er ihn eingesetzt hatte) und ver- 
mochte nichts. Tscheu-jin (ein alter Weiser) hat .einen Spruch, (Wort) 
der besagt : „Der Regierende belohnt nicht die Privatanstrengung und 
bestraft nicht eine Privatfeindschaft. Der Schi- (king) sagt: Wer auf- 
richtig (kio) die Tugend übt, dem folgen vier Reiche. Tschao -tseu 
hatte die." 

Das sind die abgerissenen Nachrichten über die 3 Familien, die zu 
Confucius Zeit und schon vorher im Lu eine so grosse Rolle spielten; 
den Fürsten Tschao-kung, wie wir sahen in's Exil trieben und auch 
Ngai-kung nöthigten, nach Wei zu flüchten. Welche Desorganisation 
aber derzeit in Lu herrschte, zeigt, dass zu Confucius Zeiten ein Beamter 
der Familie Ki, Yang-hu sich der ganzen Gewalt in Lu bemächtigt hatte 
und das Haupt derselben Ki Huan-tseu, wie erwähnt, selbst eine Zeitlang- 
gefangen hielt) aber seine Anschläge schlugen fehl und er musste nach 
Thsi, und später zu Tschao Kien-tseu flüchten. Wir werden im Leben 
des Confucius darauf zurückkommen. 

Ngai-kung wollte die drei Huan durch die Vasallenfürsten stürzen 
und mit Yuei sie angreifen, sie schlugen ihn aber, und er musste, wie 
erwähnt, nach Wei flüchten. Unter seinem Nachfolger Tao-kung ver- 
fielen sie aber nach Sse-ki B. 33 f. 21 v. 

Lu, als ein kleines Reich, spielt in der chinesischen Geschichte 
keine bedeutende Rolle ; es streitet sich mit Thsi um ein Paar Städte, wie 
wir sehen werden, und muss bei den grösseren Reichen am Hofe aufwarten 
(s. S, 419). Doch machten noch kleinere Reiche auch ihm den Hof und es 
hatte, wie die andern Reiche auch, seine Aftervasallen (Fu-yung) (S 394), 
die nur im Gefolg;e des Fürsten ursprünglich am Kaiserhof erscheinen konnten. 
Aber auch mit diesen wurde manchesmal Krieg geführt. Ein solcher 



94 (442) 

war der Tseu von Tschuen-yü, welchen Ki-sün (d. i. Ki Khang-tseu) nach 
Lün-iü 16, 1 im J. 483 oder 482 bekriegen wollte; s. d. Leben d. Confucius. 

Auch in der Zeit nach Confucius tritt Lu sehr wenig hervor. Auf Ngai-kung folgte 
Tao-kung 467 — 430, dann Yuen-kung 430 — 409, von welchen kaum etwas Bemerkenswerthes ange- 
führt wird, dann Mu-kung 409 — 376. Tseu-sse, der Enkel des Confucius, lebte am Hofe von 
Mu-kung.') Meng-tseu II, 2, 11, 3 sagt: Hätte Mu-kung von Lu nicht eine Person zur Seite gehabt» 
so würde der nicht bei ihm geblieben sein. (Der Fürst musste einen Diener haben, der ihm immer 
seinen Kespekt bezeugte). Sie Lieu aus Lu (auch ein Schüler der Confuceischen Schule s. Li-ki II, 
1, 2, 3, 4 und P. 2, 3, 26.) und Schin-tshiang, (der Sohn von Tseu-tschang, einem Schüler des Con- 
fucius), waren auch am Hofe dieses Fürsten von Lu : sie hatten nach Meng-tseu an seiner Seite 
einen oder mehrere Beamte, die sie bei ihm in guten Gedächtnisse erhielten, sonst würden sie 
auch nicht geblieben sein. Meng-tseu V, 2, 6, 4. erzählt, wie Mu-kung sich häufig nach Tseu-sse's 
Befinden erkundigte und ihm Töpfe mit Fleisch zu Geschenken schickte. Wir werden auf Tseu-sse's 
Verhalten in dessen Leben zurückkommen. V, 2, 7, 4 erwähnt Meng-tseu noch einer Unterhaltung 
Mu-kung's mit Tseu-sse über die Freundschaft zwischen grossen Fürsten und Literaten (Sse). 
Auch von dieser wird dort besser die Rede sein. ISTach VI, 2, 6, 3 führte die Regierung von Lu 
unter Mu-kung Kung-i als Premierminister, während Tseu-lieu und Tseu-sse Beamte wai-en. Kuen 
fragt da den Meng-tseu: Dennoch verfiel Lu (wurde unter Mu-kung zerstückelt) noch mehr; man. 
sehe also, dass Weise (Hien) ein Reich nicht förderten. Meng-tseu erwiedert ihm aber, er habe 
sie nicht zu brauchen gewusst. Auf Mu-kung folgte in Lu Kung-kung 375 — 354 und Khing-kung 
345 — 316, die in der Geschichte kaum erwähnt werden. Zur Zeit seines Nachfolgers Phing-kung 
316 — 2'JQ kam Meng-tseu nach Lu. Er wollte nach I, 2, 16, 1 sogar Meng-tseu den ersten Be- 
such machen, aber als er ausfahren wollte, machte sein Favorit Tsang-tshang ihm Vorstellungen 
dagegen, dass es unterblieb ; dies war nach Meng-tseu's zweiten Aufenthalte in Thsi 309. Er kam 
durch Sung. Der Fürst von Lu hatte einen Schüler des Confucius Yo-tsching mit der Regierung 
betraut und das veranlasste Meng-tseu hinzugehen. Als Meng-tseu es erst hörte, bewegte es ihn 
nach VI, 2, 13 so, dass er nicht schlafen konnte. Das Weitere in Meng-tseu's Leben. Lu stritt 
derzeit mit Thsi um den Besitz von Nan-yang und wollte nach Meng-tseu VI, 2, 8 Schin zum 
Befehlshaber seines Heeres machen. Meng-tseu eiferte dagegen: „ein un unterrichtetes Volk (zum 
Kriege) verwenden, heisse es vernicbten; „In Yao's und Schün's Zeiten würde man einen solchen 
Volksvernichter nicht geduldet haben. Wenn er auch durch eine Schlacht Thsi besiegen und 
Nan-yang erobern könne, dürfe es doch nicht geschehen." Schin-tseu verwundert sich und Meng- 
tseu kramt ihm nun seine bekannte Weisheit aus, wie es auf den Besitz einer Stadt mehr oder minder 
nicht .ankomme. Der Weise diene dem Fürsten, indem er ihn auf den rechten Weg leite." 

Wir erwähnen noch mit einem Worte des kleinen Reiches Tseu im jetzigen Tseu-hien, 35" 
SO'n. Br., 117" 10' östl. L., inYen-tscheu in Schan-tung, früher Tschu genannt, das später in Lu 
aufging, weil es Meng-tseu's Geburtsland war. Es war sehr klein. Meng-tseu fragt daher 1,1, 7, 17 
den König -Siuen-kung von Thsi, wenn Tseu und Tschu mit einander kämpften, wer wird da 
siegen? Der erwiedert; natürlich (das grössere) Tschu und Meng-tseu hält ihm dann vor, da 
im ganzen Reiche derzeit es neun Reiche, jedes von 1000 □ Li, gäbe, wovon Thsi nur eines ausmache, 
so könne er sich selbei* sagen, was dabei herauskommen werde, wenn er den Kampf mit den übrigen 
8 aufnehmen wolle. Das einzige Mittel zur Herrschaft über ganz China zu gelangen, sei — wie 
er immer predigt — eine humane Regierung zu führen, dann werde alles Volk ihm zufallen. 
Er war öfters in Tseu so nach III 1, 2, 2, als Wen-kung von Theng ihn um Rath fragte. Vgl. 
auch VI, 2, 1, 4 und VI, 2, 5, l und VI, 2, 2, 6. 



1) I-sse B. 104 Lu Mu-kung yung hien. 



(443) 95 

Meng-tseu I, 2, 12, erwähnt eines Gefechtes zwischen Tseu und Lu. Mu-kung') fragt ihn da 
und sagt : Von seinen Offizieren seien 33 Mann gefallen und vom Volk wollte keiner (in ihrer 
Vertheidigung) umkommen ; hinrichten könne er so viele doch nicht lassen, strafe er sie aber 
nicht, so würden sie auf ihre Obern aufgebracht blicken und ihnen nicht zu Hülfe kommen. Meng- 
tseu erklärt ihm nach seinen Prinzipien, wie in Jahren der Hungersnoth in seinem Lande Greise und 
Schwache bei Tausenden sich in Gräben und Kanäle gestürzt hätten, während seine Kornspeicher, 
sein Schatz und sein Arsenal gefüllt gewesen seien. Die Oberen seien nachlässig und grausam 
gegen ihre Untergebenen gewesen. Tseng-tseu habe gesagt: „Hütet euch, hütet euch, was von 
euch ausgeht, das kehrt zu euch zui'ück (wii'd euch vergolten)." So vergelte jetzt das Volk ihnen. 
Tadle sie daher nicht o Fürst ! Wenn der Fürst eine humane Eegierung führt , liebt das Volk 
seine Obern und stirbt für seine Vorgesetzten. 

Ueber blicken wir den ganzen Zeitraum des Tschün-thsieu und spe- 
ciell die Zeit des Confucius und auch die spätere bis zu den Zeiten 
Meng-tseu's, so hatte .sich China gegen die frühere Zeit zwar sehr er- 
weitert und unter der Vielherrschaft der Feudalfürsten mächtig entwickelt, 
aber dennoch war es eine traurige Zeit beständiger Bürgerkriege der ein- 
zelnen Fürsten unter einander, in welcher erst die Gewalt den jeweilig 
mächtigsten Fürsten in einem Theile China' s an die Spitze brachte, 
S23äter die kleinen Reiche den grossen unterlagen, die erst um die He- 
gemonie, später um die Herrschaft über ganz China mit einander kämpften, 
bis, aber erst 246 fg., Thsin Schi-hoang-ti ganz China unter seiner 
Alleinherrschaft vereinigte. In den einzelnen Fürsten-Familien waren 
dazu noch Erbstreitigkeiten, Verrath, Mord und Todtschlag an der 
Tages-Ordnung und es herrschte vielfach die grösste Noth und Unter- 
drückung des Volkes, das mit Militärdiensten und Frohnden belastet 
war. Die Macht der Kaiser war gänzlich gebrochen; gegen einige Ge- 
schenke wurde jeder Usurpator vom Kaiser anerkannt, dessen Ansehen war 
nur nominell. Die Inspektionsreisen der Kaiser hatten längst aufgehört, 
so auch die der Fürsten. Wenn sie etwa eine solche unternahmen, so 
glich sie nach Meng-tseu (I, 2, 4, 6) verheerenden Heuschreckensch wärmen. 
Das Volk war durch die ewigen Kriege oft gehindert, sein Feld zu be- 
stellen, um seine Aeltern zu ernähren; Vater, Mutter hungern, frieren, 



1) Legge im Index, B. II, p. o93 versteht Mu-kung von Lu, aber der kann es nicht sein, da 
Mu-kung von Lu 409 — 376 regierte, Meng-tseu aber nach Legge selbst Prol. II, p. 17, erst 
371 n. Chr. geboren wurde und nach p. 37 erst 309 unter Phing-kung in Lu war. Sein 
Name wird auch bei Meng-tseu 11, 2, 11, V, 2, 6 und 7 VI, 2, 6 und im Sse-kiB. 33 f. 22 
anders geschrieben (de Guignes 7228), dieser aber wie d. G. 8012. Es muss also mit Collie 
p. 30 ein Mu-kung von Tseu vei'standen werden. Die Folge der Fürsten von Tseu finde 
ich freilich nicht und beide Charaktere werden sonst auch wohl verwechselt. 



96 (444) 

Söhne trennen sich von ihren Aeltern, sagt Meng-tseu I, 1, 5, 4. Man 
sah in Wei auf den Landstrassen von Hunger GetÖdtete (I, 1, 3, 5); des 
Fürsten Hunde und Schweine verzehrten die Nahrung der Menschen 
und der Fürst hinderte es nicht und er öffnete seine Kornspeicher nicht. 
In Jahren des Mangels^) hatten in Tseu Tausende von Greisen sich in 
die Kanäle und Gräben gestürzt, Tausende waren ausgewandert (I, 2, 12, 2) j 
Unterthanen hatten ihre Fürsten getödtet, Kinder ihre Eltern (I, 6, 32). 
Die Fürsten hielten sich grosse Parks 2), wo dem Volke der Zutritt un- 
tersagt war und Wilddiebe mit dem Tode bestraft wurden (I, 2, 2, fg.), 
während in früherer Zeit gute Fürsten, dem Volke das -Wild daraus und 
die Fische aus dem Teiche hatten zukommen lassen (I, 2, 3). Zur Zeit 
der Noth versetzten die Fürsten die Anbauer aus einem Distrikte in ^en 
andern (I, 1, 3, 1). In jedem Königreiche waren zwar Magazine, worin 
ein Theil des Kornes, welches der Staat jährlich im Voraus erhob, de- 
ponirt wurde, um in Zeiten der Noth einen massigen Preis zu erzielen 
(III, 1,4, 3. Vgl.Li-kicap. 5 Wang-tschif. 14 v.) — Confucius war erst ein^Korn- 
aufseher, — aber Meng-tseu wirft den Fürsten seiner Zeit vor, auf die 
Verkäufe zu spekuliren und so die Noth des Volkes zu mehren, statt 
sie zu mindern. Er klagt wiederholt über die mangelhafte Ernährung 
des Volkes, das kein Fleisch essen könne (I, 1, 3, 4 und I, 1, 7, 24) 
und aus Tso-kieu-ming , Confucius Zeitgenossen, (Lu Tschuang Ao. 9 (684) 
sieht man, dass Reiche schon hiessen, die Fleisch essen konnten, die 
Mehrzahl damals also bloss von Vegetabilien lebte. ^) 

Wie war da zu helfen? Confucius und seine Schüler und Nach- 
folger meinten, wie es unsere historische Einleitung schon ergiebt und 
die weitere Darstellung ihrer Lehre im Einzelnen darthun wird, man 
müsse zu den alten Einrichtungen, den Institutionen der Stifter 
der 3. Dynastie, die, zum Theil nur unvollkommen bekannt, sie sich 
oft idealisirt vorstellen mochten, zurückkehren und sie bis in die klein- 



1) Eine Hungersnotli erwähnt der Kia-iü c. 42 f. 17 v. in Thsi unter King-kung u. Meng-tseu 
VII, 2, 23 (II, 13,23). Wie der Schwiegervater da von einem Tiger gefressen wurde, erzählt 
der Li-ki c. 4 f. 82 v. und Kia-iü c. 41 f. 12 v. 

2) So aber auch schon früher nach Meng-tseu III, 2, 9, 5. zu Ende der 2. Dynastie. 

3) S. E. Biot, Recherches sur la civilisation chinoise au IV siecle avant notre ere d'apres 
les livres de Meng-tseu,, Journ. As. 1845 Nov., T. 6, p. 362—385. 



(445) 



97 



lichsten Details befolgen. Einige Sectirer wollten auf ein noch höheres 
und noch weniger bekanntes Alterthum , wo die 3 (San) Hoang und 
5 Kaiser (U-ti) angeblich in den einfachsten Verhältnissen gelebt hätten, 
zurückgehen, während Confucius sich so hoch nicht verstieg. Da ihm 
aber später auf diese älteste Zeit bezügliche Aeusserungen wohl mit 
Unrecht zugeschrieben worden sind, wollen wir diese noch in einem 
Anhange mittheilen. 

Anhang: Die unecJiten Aeusserungen des Confucius über das 
höchste Alterthum, die San-hoang u. U-ti. 

Die Hauptstelle über das höchste Alterthum ist im Anhange zum J-king Pli-tse, hia 
Cap. J, f. 12 fg (13), T. n, p. 528 und lautet so: 

„In alter Zeit regierte Pao-hä (d. i. Fo-hi) das ganze Reich (Thien-hia). Blickte er auf- 
wärts, so sah er die liilder (Siang, von Sonne, Mond und Stei-nen) am Himmel, blickte er abwärts, 
so sah er das Gesetz (Fa) auf Erden, er sah der Vögel und wilden Thiere Schmuck (Wen) mit 
dem Ebenmaasse (Ji der Erden. In der Nähe entnahm er (die Zeichen) von seiner Person; aus der 
Ferne entnahm er sie von den Dingen, und darnach begann er die 8 Kua zu bild 'n, um zu durch- 
dringen die Kräfte (te, virtutes) der lichten Geister, um darzustellen die Eigenschaften 'aller 
(der 10,000j Dinge. 

Er machte Faden und Schnüre (Kie-sching) ujjd fertigte (daraus) Fallstricke und Netze 
(Khang-ku) zum Jagen und zum Fischen. Er entnahm das (der Kua 30), Li. (thsiü tschu Li) ') 
Nachdem Pao-hi gestorben war,'^ erstand Schin-nung. Ei- hieb Bäume um (tscho) und 
machte daraus Pflugscharen, er streckte (weichte, jen) die Bäume und machte daraus Pflüge, 
(lui). Des Pflügens und des Uäthens Vortheile lehrte er dem Reiche und entnahm dies (der Kua 
42) J (des Zuwachsens). 

An des Tages Mitte machte (eröfi'nete) er Märkte, um herbeizuziehen des Reiches Volk, 
um- zusammenzubringen des Reiches Schätze, um sie zu vereinigen, sie auszutauschen (i) und weg- 
zugeben; so erlangte jedes seine rechte Stelle. Er entnahm das (der Kua 21), Schi-ho. 

Nachdem Schin-nung gestoi-ben war, erstanden Hoang-ti, Yao und Schüu, Sie be- 
wirkten durch ihre Veränderungen, dass das Volk (durch die Arbeiten) nicht ermüdet wurde. 
Geister, (Schin, wie sie waren) wandelten sie es um und machten, dass das Volk das Rechte (i) 
that, sie wandelten das (bisher) bedrängte (khiung) um, dass es verändert wurde. Verändert 
drang es durch, weil durchdringend war es dauernd; so brachten sie ihm vom Himmel Glück und 
das Glück war nicht ohne Vortheil. Hoang-ti, Yao und Schün brauchten bloss ihren Anzug (ihr 
Unter- und Oberkleid, i-schang) zu ordnen (tschui, herabfallen zu lassen) und das Reich war re- 
giert. Das entnahmen sie (,der Kua 1 und 2) Kien und Khuen. 

Der Baum wurde ausgehöhlt (ku) und man machte Schiffe daraus ; das Holz wurde zu- 
gespitzt (yen) und man mächte Ruder (tsie) daraus. Schifie und Ruder dienen zum Uebersetzen, 



1) Diese Schlusssätze sind sehr unverständlich, ob spätere Zusätze ? S. P. Regis T. H p. 529 sqq. 

2) Immer mo, eigentlich : im Wasser umkommen. 

Aus d. Abb. d. I. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XI. Bd. H. Abth. (57) 13 



98 (446) 

wohin man (sonst) nicht dringen könnte, um die Ferne (Gegend) zu erreichen, zum Nutzen des 
Reiches. Alan entnahm dies (der Kua 59} Hoan. 

Man spannte Ochsen an, bestieg das Pferd," und Schweres konnte mau nun weithin ver- 
führen, zum Nutzen des Reiches. Man entnahm diess, (der Kua 17) Sui (Folgen). 

An der schweren Tliür wurde eine Klapper (tha) angebunden zum Anschlagen, um die 

grausamen Gäste (i)ao-khe, d. i. die Spitzbubeu) zu erwarten. Mau entnahm dies (der Kua 16) Yü. 

Man hauete Holz zu, Stössel (tschu) zti machen und höhlte die Erde aus, daraus Mörser fkhieu) 

zu machen. Mörser und Stössel sind zum Nutzen des zahlreichen (wan) Volkes, ihm fortzuhelfen. 

(i-thsi). Man entnahm dies (der Kua 62) Siao-ko. 

Man machte am Holze eine Bogensenne (inen) und hatte so den Bogen (hu). Aus zuge- 
spitztem Holze machte man Pfeile. Bogen und Pfeile nützen, dem Reiche Respekt zu verschallen. 
Man entnahm dies (der Kua 38) Kuei. 

Im hohen Alter thume (schang-ku) wohnte man um Winter) in Grotten (hiue), im Sommer 
auf dem Felde. Die heiligen Männer, (sching-jin) der spätem Geschlechter vertauschten dies mit 
Palästen und Häusern (kung-schi). Oben wurden Dachsparren (Balken, tung), unten Flügel (yü) 
angelegt, um Wind und Regen abwarten zu können. Man entnahm dies (der Kua 34) Ta-tschuang 
(Die grosse Stärke) 

■" . Im Alterthume wurden die Beerdigten nur diöht mit frischen Reisern (sin) bedeckt 
(bekleidet, i); man begrub sie mitten auf den Feldern, ohne Grabhügel (fung) und Baumpflanzung. 
In späterer Zeit führten (vei'tauschten) die heiligen Männer die äussern und innern Särge (kuan-ko) 
ein. Man entnahm es (der Kua 28) Ta-ko. 

Im höchsten Alterthume bediente man sich der Schnüre (Knoten, kie-sching — wie die 
Quippos der Peruaner) beim Regieren. In den spätem Generationen vertauschten die heiligen 
Männer sie mit Büchern (schu) und Bambutafeln (khi); sie dienten den 100 Beamten bei der 
Regierung, das Volk zu beaufsichtigen. J)ies entnahm man (der Kua 43) Kuei." 

Soweit der angebliche Confucius im Anhange zum J-king, Wir werden im Leben des Con- 
fucius darthun, dass dieser Anhang (Hi-tse) ihm wohl mit Unrecht zugeschrieben wii'd, bis auf ei- 
nige Abschnitte, wo er als Autor speziell genannt wird. Dies ist bei diesem aber nun nicht der 
Fall und wir haben schon zu Anfange bemerkt, dass er über Yao und Schün nicht hinausging. 
Er führt aueh die alten Kaiser immer nur als moralische und politische Muster auf und 
ergeht sich nicht in geschichtlichen Darstellungen oder historischen Philosophemen, wie hier. 

Eine zweite Stelle ist im Li-ki cap. Li-yün 10, f. 50 v. und Kia-iü c. 6, f. 12, aus einem 
angeblichen Gespräche des Confucius mit seinem Schüler Yen-yeu : „Einst, da die Könige noch 
keine Paläste und Häuser ('kung-schi) hatten, wohnten sie im Winter in Höhlen unter der Erde, 
(yng-kiü) ; im Sommer wohnten sie unter dem Schutzdache der Bäume (in Schuppen und Nesteim, 
tseng-tschao). Da sie noch kein Feuer hatten, Speisen zu bereiten (umzuwandeln), assen sie die 
Früchte von Pflanzen und Bäumen. Da sie noch keinen Hanf und Seide (masse) hatten, beklei- 
deten sie sich mit Federn und Fellen. Nachdem später • die heiligen Männer erstanden waren, 
«rfanden sie den Nutzen des Feuers und machten Gefässe aus Metall, bücken Erde zusammen 
(ho-tu) imd machten (baueten) Terrassen (tai) mit Schutzdächern (siai), Palläste und Häuser' 
(kung-shi), mit Fenstern (yeu), Thüren (.hu), um darin zu rösten (pao), zu braten (fan), zu kochen (heng), 
(den Opferwein) Li und Lo zuzubereiten, zogen Hanf und Seide, um daraus hänfene und seidene Zeuge 
(phe) zu machen, um zu ernähren die Lebenden, um zu geleiten die Tödten, um zu dienen den 
Geistern und Ahnen (Kuei-schin) und dem Schang-ti," (letzteres hat nur der Li-ki"). Das Uebrige 
siehe Abtheilnng IV unter Gebräuchen. 

Im Li-ki c. Li-yün 10 f. 46 v. (8 p. 39 fg.), auch im Kia-iü c. 32, f. 17, erwähnt Confucius 
angeblich des Waltens der grossen Prinzipien (Ta-tao) unter den San (3"! Hoang und U-ti, (den 
5 Kaisern) und zur Zeit der Blüthe der 3 Dynastien. 



(447) 99 

DerKia-iü hat noch 2 Capitel mit augeblichon Aeussierungen des Confucius über 
die U-ti, c. 24, f. 1 — 2, wo sie als Voi'steher der fünf Elemente betrachtet werden s. beilleligion, 
Abth. IV; hier cap. 23, f.36— 38v. ü-ti-te, auch im Ta-tai Li-ki im I-sse 95,2 f. 7 v. — 9 v. undzum Theil 
imSse-kiB. 1, f. 1 v. fj^., dieser ohne Confucius zu nennen und beide mit manchen Zusätzen und Ab- 
weichungen, die wir beim Mangel chinesischer Schrift aber nicht 7nittheilen können. Vgl, den Thai- 
sse-kung ib. B. 1, f. 21. (Sein Schüler) Tsai-ngo fragt dort den Confucius angeblich: „Einst hörte 
ich von Yung-i, der sagte, dass (der alte Kaiser) Hoang-ti 300 Jahre (alt wurde), ich erlaube mir 
die Frage, war er ein Mensch, oder war er keiner, dass er 300 Jahre alt werden konnte? Confu- 
cius sagte: was Yü, Thang, Wen- und Wu- (wang) und Tscheu-kung betrifft, so, kann (ich) nicht 
übertroffen werden in ihrer Erkenntniss (sie zu sehen), aber fragt man nach Hoang-ti aus einer 
höhern (früheren) Generation (Schang-schi) , darüber vermag der Lehrer nur schwer zu reden (ab- 
weichend der Ta-tai Li-ki). Tsai-ngo sagte: die Ueberlieferung aus der altern Zeit, die Erklärung des 
Dunkeln und Verborgenen (yn wei tschi schue), die Unterscheidung beendeter Geschäfte, die Ten- 
denz des Dunkeln und Vergessenen ist denn doch nicht der Weg (die Art, tao) des Weisen, üahej- frage 
ich darnach. Confucius sagte: ich kann es allerdings mitthoilen , ich habe davon etwas reden ge- 
hört (felilt im Ta-taiLi-ki). Hoang-ti warder Sohn von Schao-tien und hiess Hien-yuen . ') Bei seiner Ge- 
burt (schon) ein (erleuchteter) Geist (Schin-ling) koi\nte er schwach (jung) schon sprechen; jung 
war er geordnet und intelligent, grösser geworden, liberal ^tün), geschickt (min), redlich (tsching) 
und treu (sin), erwachsen (tschäng) durchdringend vmd einsichtsvoll (tnng-ming). (Vier Zeilen des 
Sse-ki fehlen hier im Kia-iü.) Er regierte die 5 Geister (Khi, der 5 PHemente), regelte die 5 Maase 
(Hang) und beruhigte (fu) alles Volk, (Wan-min), mass aus die i (Welt-) Gegenden. Er bändigte 
(jochte. an) die Stiere, spannte die Rosse am Wagen, bändigte (zog, jao) und machte gelehrig das 
starke Wild (mong scheu), (abweichend der Sse-ki und der Ta-tai Li-ki.) Mit dem Feuerkaiser 
(Yen-ti, d. i. Schin-nung) kämpfte er in den Gefilden von Pan-tsiuen) ; dreimal kämpfte er und darnach 
besiegte er ihn (vieles im Sse-ki fehlt im Kia-iü, dieser hat dafür:) er regelte die Ober- und Un- 
terkleider, fertigte (führte ein) gestickte Kleider (Fu.-fo); er regierte das Volk, indem er es 
dem Gesetze Himmels und der Erde folgen liess , kannte die Ursachen des Dunkeln und Hellen, 
durchdrang des Todten und Lebenden (des Bestehenden und Vergangenen) Erklärung. Zur rechten 
(gehörigen) Zeit säete er die hunderterlei Früchte, untersuclite die Geschmäcke, Pflanzen und 
Bäume; seine weite Humanität erstreckte sich bis auf Vögel, Wild xxnd alle Insekten; er erforschte 
Sonne, Mond, Planeten und Sternbilder (Sing tschin), — des Wassers Wogen (Po), der Erde Gesteine, 
Metalle und Edelsteine (J^), (setzt der Sse-ki und ähnlich der Ta-tai Li-ki hinzu.) — Er strengte 
OHr und Auge an, (brauchte") wandte fleissig Herz und Kräfte an, bediente sich des Wasser.s und 
Feuers, der Schätze (des Materials) und der Dinge (im Folgenden weicht der Sse-ki und Ta-taiLi-ki 
ab), um das \''olk zu beleben und das Volk hatte den Nutzen davon. Nach 100 Jahren starb er; 
das Volk fürchtete (ehrte) seinen Geist 100 Jahre, bis es aufhörte, dann wandte das Volk seine 
Lehre noch 100 Jahre an, bis es damit wechselte, daher spricht man von 300 Jahren lioang-ti's. 

Tsai-ngo sagte (dann) : ich erlaube mir die Frage nach (Kaiser) Tschuen-hio. Confucius 
sagte : von den (altern) 5 Kaisern (ü-ti) braucht (hat) man (nur) Erzählungen, die (näheren) 3 Könige 
(San-wangl haben (schon ihre'lEogel (Gesetz). Du wünschest nun an einem Tage alles zu hören, auch die 
Erzählung vom fernen Alterthume, du bist sehr ungeduldig (Tsao). Tsai-ngo sagte: Einst hörte 
ich vom Meister: Kinder, dass keiner über Nacht ruhe (so), daher frage ich. Confucius sagte 
nun: Tschuen-hio war Hoang-ti's Enkel. Tschang-i's Sohn. Er hiess Kao-yang-yuen, erforschte 



1) Vgl. Premare diso, prel z. Chou-kingp. CXXX; de Maiila. Hist. J p. 14 hat irrig Suan-yuen. 

.13* 



100 (448) 

die Quelle, besass Ueberlegung , drang weit hin , um das Ferne zu erkennen, nährte (unterhielt, yang) 
die Reich thümer (das Material), sich zu bedienen der Erde, regelte die Zeiten, darzubilden den Himmel, 
stützte sich (i) auf die Manen und Geister (Kuei-schin), ordnete das Recht, regierte die Natur der 
Geister (Khi-sing), um zu belehren die Menge, war rein (kie), redlich bei den Opfern (tsirsse), 
machte die Rundreise (Siün) zu den 4 Meeren, um das Volk zu beruhigen — (diess fehlt im Sse-ki). 
Im Norden kam er bis Yeu-ling, im Süden bis Kiäo-tschi,*), im Westen erreichte er die Sandwüste 
(Lieu-scha), im Osten gelangte er bis Fan-mo. Die Arten, die sich bewegen ( Thiere) und die ruhen (Pflan- 
zen), die grossen und kleinen Dinge, was nur Sonne und Mond beleuchten, nichts nicht (Alles) ordnete er. 

Taai-ngo sagte (nun): Ich erlaube mir nach Kaiser Ti-ko zu fragen? Gonfucius sagte: er 
war ein Enkel von Hiüen-hiao'') und Sohn von Kao-ki; er hiess Kao-sin (der Sse-ki gibt Näheres 
über seine Abkunft). Schon bei seiner Geburt war er geistig begabt (Schin, im Sse-ki Schin-ling); 
verschieden von andern, gab er sich selbst seinen Namen. Er verbreitete viele nützliche Dinge, 
sah nicht auf seine Person, scharfsinnig im Erkennen des Fernen, erleuchtet im Erforschen des 
Feinen (Wei). Er war human, und dabei voll Würde, wohlwollend und dabei treu, um zu be- 
folgen das Recht (i, die Gerechtigkeit) von Himmel und Erde. Er erkannte des Volkes Noth 
(Khi ; bildete seine Person aus und das ganze Reich (thien-hia) unterwarf sich ihm. Er nahm der 
Erde Schätze und verwandte sie ordentlich; er sorgte für die Unterweisung des Volkes und be- 
lehrte es über seinen Nutzen. Er bestimmte den Anfang (so) von Tag und Monden; ging ihnen 
entgegen mit Darbringungen, stellte in's Licht die Manen und Geister (Kuei-schin), um ihnen mit 
Ehrerbietung zu dienen. Sein Aussehen war harmonisch (ho\ seine Tugend gross, (gewichtig, 
thung) ; seine Bewegung immer (zur rechten) Zeit, seine Haltung voll Liebe (Ngai). Im Früh- 
linge und ^ommer, im Herbst und Winter ernährte und schützte (Hu) er das Reich, (abweichend 
der Ta-tai Li ki). Was Sonne und Mond nur erleuchten, wohin Wind und Regen nur dringen, 
nichts nicht (Alles) folgte der Umwandlung (hoa; der Sse-ki hat dafür: unterwarf sich ihm, fu.) 

Tsai-ngo sagte: ich erlaube mir die Frage nach Kaiser Y a o. Gonfucius sagte: er war ein 
Sohn aus de3> Familie Kao-sin und hiess Thao-thang (fehlt im Sse-ki.) Seine Humanität (jin) war 
wie der Himm^el, seine Einsicht (tschi), wie ein Geist (Schin); er ging ihnen entgegen, wie der 
Sonne, er sah auf sie (wang-tschi), wie auf die Wolken. Reich war er, doch nicht hochmüthig 
(kiao), geehrt, wusste er doch sich herabzulassen. (Das folgende im Sse-ki fehlt im Kia-iü, dieser 
hat dafür:) Pe-i ordnete die Gebräuche (li); Lung und Kuei ordneten die Musik: Schün erhielt 
zur (rechten' Zeit ein Amt, und eilte, die 4 Jahreszeiten zu sehen (zu bestimmen), strengte sich 
zuvor an und das Volk begann es (auszuführen) ") Er verbannte die 4 Bösewichter (Hiung) und 
das Reich unterwarf sich. (Detaillirter ist hier der Ta-tai Li-ki f. 8.) Sein Wort war nicht zwei- 
felhaft (the), seine Tugend nicht mangelhaft (hoei). Wo innerhalb der 4 Meere nur Schiffe und 
Wagen hinkommrn, war keiner nicht (alles) befriedigt (i) und erfreut. 

Tsai-ngo sagte: ich erlaube mir nach Kaiser Schün zu fragen. Gonfucius sagte: er war 
der Enkel von Klnao-nieu, der Sohn von Ku-seu, er hiess auch Yü-Schün (Fung-hoa). Seine Pietät 
und P'reundschal't kamen in Ruf, (wurden gehört) in den 4 (Welt) Gegenden. Er töpferte und fischte, 
(seinen) Eltern zu dienen, l-r war liberal (Kuan yü), weich (wen, warm) und gut (Hang), 
generös (tun) und tliätig (min); erkannte die Zeit, schenete den Himmel und liebte das Volk, 
Latte Mitleid mit den Fernen und Liebe zu den Nahen. Er emi^fing das grosse Mandat (die Kai- 
serwürdej, unterstützt von seinen 2 Frauen (Yao's Töchtern). Einsichtsvoll und klug, wurde er 



1) .\ngeblich Cochin-China, aber Kiao-tschi, Querzehe, hiessen früher auch die ürbewohner von 

Süd-China, 
2] So der Sse-ki und Ta-tai Li-ki; der Kia-iü hat einen andern Charakter. 
S) \Vu sien, min tschi tschi. Der Sinn der Stelleist mir, wie der einiger andern, nicht sicher. 



(449) 



101 



zuletzt des ganzen Reiches Kaiser und ertheilte Befehle an seine 22 Beamten. (Vgl. Schu-king 
Schün-tien II, 1, 2, 6.) Als Yao alt wurde, ersetzte er ihn selber, beruhigte die Erde und vollen- 
dete die Rundreise bis zu den 4 Meeren; in 5 Jahren begann er sie einmal. 30 Jahre (alt) gelangte 
er auf den Thron und war 50 Jahre Kaiser. Er stieg hinauf den Fang-yo (einen heiligen Berg), 
starb in den Gefilden von Thang-wu und wurde da begraben. 

Tsai-ngo sagte : ich erlaube mir nach Kais(?rYü zu fragen. Confucius sagte: Er war Kao-yang's 
Enkel, Kuen's Sohn. Als Hia's Fürst war er thätig (min ), einsichtsvoll, honett (kie), überlegen (khe), 
geregelt und seine Tugend nicht wechselnd (zweifelhaft, hoang). Steine Humanität konnte man 
lieben, seinem Worte konnte man glauben, seine Stimme war geregelt, seine Person konnte zur 
Norm, (tu, als Mass) dienen. (Der Ta-tai Li-ki hat hier einen Zusatz). Kr war unermüdet (Wei-wei) 
voll Respect (Mo-mo). Er traf Anordnungen.^) Durch seine Verdienste wurde er der Herr 
(Voi'stand) d^r 100 Geister. Seinem Wohlwollen nach war er des Volkes Vater 'Uiid Mutter. Links 
hatte er stehen die Masslinie (Sching), rechts den Compass und das Winkelmass (Kuei-kiü). Er 
regelte die 4 Jahreszeiten, hielt in Ordnung was inner der 4 Meere war, er ertheilte Aemter an 
Kao-sün und Pe-i, zu unterstützen seine Regierung, und hob die 6 Heere aus, um zu bekriegen, 
die nicht gehorsam wären. An den 4 Grenzen'-') (Enden), wagte keiner vom Volke sich nicht zu 
unterwerfen. Confucius sagte: ich müsste gross sein, wie der Himmel und klein, wie die Bewegung 
der Lippen (Yen), (um die Tugenden der 5 Kaiser gehörig in's Licht stellen zu können) und das 
Volk würde sich freuen. Ich bin aber nicht der Mann dazu und ich, sagte Tsai-ngo, bin nicht 
genügend, ihnen die gebührende Ehrfurcht und Achtung zu bezeigen. 

So weit kommt das Capitel des Kia-iü hier in Betracht. Es enthält offenbar Reminiscenzen 
aus dem Schu-king und Sse-schu, ist in der Fassung aber wohl sicher nicht von Confucius. Wir 
kommen nun zu dessen Leben. 



l)Wei ki, weikang. Der Ausdruck ist vieldeutig ; so Schu-king III, 3, 7. 

2) Der Tatai Li-ki hat dafür: innerhalb der 4 Meere, wohin Schiffe und Wagen nur kommen. 



(Das Leben des Confucius in der III. Abtheilung.) 



102 • - (4r)0). 



Inhalt 

"von Dr. J. H. Plath's historischer Einleitung zu Confucius und seiner 

Schüler Leben und Lehren. 

Vorbemerkung^. Um Confucius Leben darzustellen,' ist ein riclftiger Begriff nöthig, wer er 
-war und was er wollte. Er war ein Chinese, zur Zeit des 'Verfalles der dritten Dynastie; er wollte 
nichts Neues, Selbsterfundenes, sondern nur Wiederherstellung der verfallenen Einrichtungen der 
alten, weisen Kaiser Yao, Schün und der Stifter der drei ersten Dynastien, und namentlich der 
dritten, unter der er lebte. Er studierte also die alten Einrichtungen dei'selben, verbreitete sie und 
überlieferte sie der Nachwelt. Dass dies die allein richtige Ansiciit über seine Person ist, wird 
durch seine eigenen Aussprüche nachgewiesen. (,S. 1 — 3.)- Daher erfordert die Darstellung 

des Lebens und der Lehren von ihm und seinen Schülern in 

Abth. I, eine Historische Einleitung*, die seine, seiner Schüler und Meng-tseu's') Aussprüche über 
jene alten Kaiser und deren weise Minister giebt, -^ demnächst die Grundideen des chinesischen Le- 
bens und die politischen Einrichtungen China's unter der dritten Dynastie enthält — weil er den 
Verfall der Kaisermacht, das Aufliommen der Gewaltherrscher (Pa) und den Kampf der Vasallen- 
fürsten um die Plegemonio, alles nach Confucius und seiner Schüler und Meng-tseu's Aeusserungen 
andeutet, und — endlich eine Uebersicht der einzelnen Reiche zu Confucius Zeit und speziell derer, 
mit deren Herrschern und Ministei'n er, seine Schüler und Meng-tseu in Berührung kamen, gibt. 

Abtheilung II wird dann das Leben des Confucius geben; 

Abtheilung III die Nachrichten über seine vornehmsten Sciiüler und 

Abtheilung IV die Aussprüche und Lehren von Confucius und seinen Schülern, 
■ systematisch geordnet, enthalten. S. 1—4. 

I. Historische Einleitung. 

1. Die Musterkaiser und Gründer der drei ersten Dynastien und früheren Weisen nach 
Confucius, seinen Schülern und Meng'-tseu. lieber Yao, (seit 23.57 vor Chr.), scheint Confucius 
nicht hinausgegangen zu sein. Aussprüche von Confucius und seinen Schülern über Yao, Schün 
u. Yü S. 5—9. 

Ausführlicher über diese ist Meng-tseu. Seine Lobeserhebung Yao's und Schün's im All- 
gemeinen. Schün's grosse Pietät gegen seinen Vater und Halbbruder, trotzdem, dass diese ihn 
umbringen wollten; — wie er ohne seines Vaters Einwilligung heirathen konnte; — sein Verhalten 
o-egen Vater und Bruder nach der Thronbesteigung. — VVie Yao ihm die Herrschaft übertragen 
Itonnte und ebenso später Schün dem Yü, da sie doch Söhne hatten. — Andere Aussprüche über 



1) Es schien zweckmässig Meng-tseu, dessen Denkwürdigkeiten das 4te der 4 Bücher (Sse-schu) 
bilden, und seine Zeit mitzunehmen, obwohl er kein Schüler, sondern nur ein Nachfolger 
des Confucius war. Die Nachrichten von ihm sind aber mit kleiner Schrift gedruckt. 



(451) loa 

Schüii. — Wie nach Yü das Reich an seinen Sühu kam — Yü's Wirksamkeit unter Yao und Schüu 
S5ur Zeit der grossen Ueberschwemmung. (S. 16 fg.) S. !) — 18. 

Mit Yü beginnt die Krblichkeit der Kaiser. Vun denen der ersten Dynastie (Hia) wird aber 
nur der letzte Kaiser, der Tyrann Kie, der den Sturz der Dynastie veranlagste, von Confucius u. Meng- 
tseu erwähnt. (S. 18.) Gefeiei't wird dann wieder der Stifter der zweiten Dynastie Tschhing-thang 
(1766 — 1753 v.Chr.). Aussprüche von Confucius und Meng-tseu über diesen und seinen leitenden 
Minister Y'-yn. Meng-tseu widerlegt namentlich eine Anekdote, wie der sich beim Kaiser in- 
sinuirt habe und erörtert an seinem Beispiele, wie ein Fürst gegen einen weisen Minister sich zu 
verhalten habe. Er erzählt dann, wie er nach dem Tode des Kaisers dessen Sohn und Nachfolger, 
der nicht gut thun wollte, einspei-rte, bis er sich gebessert hatte (S. 19 — 22). Von den folgen- 
den Kaisern der zweiten Dynastie Schang oder Yn, wird von Confucius und Meng-tseu nur der 
Kaiser Kao-tsung (1324 — 1266 v. Chr.) noch erwähnt und sein Minister Fu-yue, ein einfacher 
Baumeister, dessen Bild der Kaiser im Traume sah, in Folge dessen er' ihn zum Minister 
machte. Meng-tseu erörtert dann, dass, wenn trotz der Tyrannei des letzten Kaisers dieser Dy- 
nastie, des Scheu, die zweite Dynastie sich so lange erhielt, dies den trefflichen Männern zu'ver- 
.danken war, die sie noch hatte:, Wei-tseu, Wei-tschung, Pi-kan, Ki-tseu und Kao-ke. 
(S. 22 fg.) Noch werden von Confucius und Meng-tseu einige alte Weise gepriesen, wie nament- 
lich Pe-i und Scho-thsi, die beim Sturze der Dynastie lieber sich todt hungerten, als dass 
sie dem Gründer der neuen dritten Dynastie, in ihren Augen einem Usurpator, sich angeschlossen 
hätten. (S. 24 fg.) S. 19—26.' 

Unter den Ahnen der dritten Dynastie wird von Confucius gefeiert Heu-tsi, der Mi- 
nister des Ackerbaues unter Yao und Schün (2286 v. Chr.), dann von Meng-tseu, sein 
Urenkel Kung-lieu(1797), und dessen neunter Nachkomme Ku-kung Tan-fu(1327), derspäter 
den Titel T a i - w a n g erhielt ; von den Barbaren bedrängt, zog er lieber fort, als mit ihnen zu kämpfen, 
worauf sein Volk, das an ihm hing, ihm willig folgte. Auch sein ältester Sohn Tai-po wird 
von Confucius gerühmt, der da sein Vater seinem Jüngern Bruder die Nachfolge bestimmte, gehorsam 
wich, zu den Südbarbaren ging und dort der Gründer des Eeiches U wurde. (S. 26 — 28). Vor 
Allem werden dann von Confucius und seinen Schülern die Stifter der 3. Dynastie Tscheu 
Wen-'wang und sein Sohn und Nachfolger Wu-wang und dessen Bruder Tsclieu-kung, der 
nach dessen Tode für seinen minderjährigen Sohn erst die Regierung führte und ihre Institu- 
tionen gepriesen. Speziell erhebt der Li-ki Wen-wang's Pietät. Anekdote von dem Eindrucke, 
den seine Einrichtungen auf ein paar streitende Fürsten machten, die darnach sich vertrugen. 
(S. 28 — 32.) Ausführlicher ist wieder Meng-tseu über diese. Er preiset die vortrefflichen 
Einrichtungen Wen-wang's, — sein Park war nie abgeschlossen. Nicht der Geburtsort, noch, die 
Grösse macht es; in Folge seiner Humanität unterwarf sich ihm alles, obwohl sein Sohn Wu-wang 
erst dieGründung der Dynastie vollendete. (S. 33—35.) Confucius" Aeusserung über Wu-wang's 
Einrichtungen, namentlich seine Vertheilung der Lehen auch an Nachkommen der alten Kaiser 
und verdienter Männer und wie er dann sein Heer entliess, die Greise ehrte, in der Uebung der 
Ceremonien voranging u s. w. (S. 35 — 38.) Wie Tscheu-kung den Erbprinzen mit seinem 
Sohne unterweist, und wenn jener etwas versieht, diesen dafür schlägt. Seine weise Vertheilung 
der Aemter. Meng-tseu entschuldigt ihn, dass er den Aufstand seines Bruders nicht vorherge- 
sehen habe. (S. 38—40.) S. 26—40. S. 5—40. 
2) a. Die Grandideen des cMnesisohen Lebens. Die Trennung der Geschlechter, Unterwürfig- 
keit und stete Abhängigkeit der Frau vom Manne, — Abhängigkeit der Kinder vom Vater, — hohe 
Achtung des Alters, auch des jungem gegen den altern Bruder, — Unterwürfigkeit der Unter- 
thanen unter den Fürsten, — geringe Mi^inung vom Volk, — doch soll der Kaiser nicht will- 
kührlich herrschen, immer das gemeine Beste im Auge haben. Die Sorge für die Ernährung des 
Volkes und die Belehrung desselben ist erstwesentlich; Gesetze, Strafen. China war kein er- 
obernder Staat. Grosse Bedeutung des Ceremoniewesens. Die alte Religion. S. 41 — 45. 



104 ^ (452) 

2) b. Die Verfassung: China's unter der dritten Dynastie der Tscheu. Es war eine Feudal- 
TMonarchie. Genauere Nachrichten über die ursprünglichen Einrichtungen derselben, die verschie- 
denen Rangstufen der Fürsten, den Umfang ihres Gebiistes, die verschiedenen Beamten und ihre 
Einkünfte, die Vertheilung der Ländereien, das System der Abgaben, die Schulen, die Inspektions- 
reisen der alten Kaiser und Fürsten und deren Aufwartung am Hofe, nach Meng-tseu.. 
S. 45—49. 

Angebliche Charakteristik der drei Dyn astieen nach ihrer Verschiedenheit 
von Confucius im Li-ki und dessen Ideal der glücklichen alten Zeiten, im Gegen- 
sati5 zu seiner Zeit. S. 49—52. S. 41—52. 

3. Der Verfall der Kaisermacht und der Einrichtungen der Dynastie Tscheu. Die Gewalt- 
herrscher (Pa). Der Kampf der Vasallenfürsten um die Hegemonie. 

Confacius datii't den Verfall der dritten Dynastie Tscheu vom 10. und 12. Kaiser derselben 
Li-wang(878 — 841) und Yeu-wang (781— 770). 'Meng-tseu'fe Urtheil Überdieseiben. Kurze Cha: 
rakteristik der Zeit des Tschhün-tshieu, der Chronik des Confucius vom Jahr 722 bis kurz vor 
seinem Tode. (479 v. Chi'.) Die fünfGewalt herrsch er (Pa). Allgemeines ürtheil Meng- 
t s e u's über diese. (S. 54.) Spezielle Aeusserung von IMftng-tseu und Confucius über den ersten H u a n- 
kung von Thsi (685 — 643), seinen Erlass vom Jahre 650 v. Chr. und seinen Minister Kuan- 
t s c h u n g. Confucius rühmt dessen Verdienste ; ohne ihn trüge er die Tracht der Barbaren. 
Er vertheidigt ihn gegen seinen Schüler Tseu-lu, dass er sich nicht umgebracht, als der Prätendent, dem 
erfrühersichangeschlüssen, unterlag, u s w. Doch wird der Minister anderweitig getadelt, dasser Män- 
ner von Talent nicht befördert, gegen die Gebräuche Verstössen habe und verschwenderisch gewesen sei. 
Auch Meng-tseu will von ihm nichts wissen. (S. 55 — 60.) Der zweite Pa Mu-kung von 
Thsin (659 — 620) und sein Minister Pe-li-hi wird von Confucius im Kia-iü auch gerühmt. 
Meng-tseu verwirft eine Anekdote, wie dieser Minister sich bei jenem Fürsten insinuirt habe. 
(S. 60 fg.) Der dritte Pa, Wen-kungvon Tsin (636 — 627) wird seiner Pietät wegen gerühmt und 
als Beispiel angeführt, wie einer aus'bedrängten ürastän'den|es doch noch zu etwas bringen könne. (S. 6 1 .) 
Der vierte Pa wird nicht erwähnt. Den fünften Pa Tschuang-wang von Tschu(613 — 590), 
lobt Confucius wegen seines Rückzugs aus Tschin, das er erobert hatte. (S. 62 fg.) Die Kämpfe 
um die Hegemonie, namentlich zwischen Tsin und Tschu, dann zwischen Uund Yuei brauchen 
wir im Detail hier nicht zu erzählen, da Confucius, seine Schüler und Meng-tseu bei diesen gross- 
artigen Kämpfen überall nicht betheiligt waren, noch sie besonders erwähnen S. 52—63. 

4. üebersicht über die einzelnen Reiche China's zur Zeit des Confucius und Meng-tsea's, 
so weit sie diese berühren. Das Kaiserreich der Tscheu in Ho-nan besuchte Confucius, 
kam aber ebensowenig als Meng-tseu mit den Kaisern in Berührung. Auch nach Thsin in 
Schen-si kamen sie nicht und ahnten nicht im fernsten, dass von da die Neugestaltung China's 
ausgehen sollte. Es ist daher nicht nöthig, in die Geschichte dieser Reiche weiter einzugehen. 
(S. 63 fg.) ^ 

In Schan-si war das Reich Tsin, aber die Regierung seit längerer Zeit in den Händen dreier 
mächtiger Familien W ei, Han und Tschao, die 375 das ganze Reich unter sich theilten In 
Tsin war 607 der Tyrann Ling-kung getödtet. Confucius lobt den Geschichtschreiber, der den 
sonst guten Minister Tschao-tün desshalb nicht verschonte. Von Phing-kung (557—531), hat 
Meng-tseu eine Anekdote, wie er unpassend gegen einen Weisen verfuhr. Confucius erwähnt 
noch den Scho-hiang als ein Muster strenger Gerechtigkeitsliebe und wie Wei Hien-tseü 514 
die Beamten auf eine p erechte Weise beförderte, tadelt dagegen, dass513 das Strafgesetzbuch 
von Fan-siuen-tseu auf einem Gefässo eingegraben und so dem Volke bekannt gegeben wurde. 
Seinem Schüler Tseu-lu erklärt er, wie die Familie Tschung-hang in Tsin zu Grunde 
ging, obwohl sie die Weisen ehrte — ■ sie wusste sie nicht zu verwenden. Zu Tschao Kien-tseu 



(453) , 105 

wollte Confuoius, kehrte aber um, da sein Leben von ihm bedroht war. Zu Meng-tseu's Zeiten 
waren an die Stelle vonTsin die drei genannten Reiche getreten. Es regierte inWei oder Li an g 
damals Hoei-wang; diesen besuchte er 319 und hatte mehrere Unterredungen mit ihm, auch 
mit seinem Sohne und Nachfolger Siang-wang. (S. 64^ — 68). 

In Hu-kuang war das Eeich Tau oder T s c h u. Den König K u n g - w a n g (590 — 559) er- 
wähnt eine Anekdote von Confuoius im Kia-iü. Ling-wang (540 — 528) beklagt Confucius, dass 
er sich selbst nicht zu bezwingen gewusst habe, sonst würde er das elende Ende nicht genommen 
haben (er erhing sich). Sein zweiter Nachfolger Tschao-wang (515 — 488) berief Confucius 
489 zu sich; er gelangte aber dort zu keiner Stellung. (S. 68 — 70). 

Mit den Reichen TJ in Süd-Kiang-su und Yuei in Tsche-kiang, welches ersteres ver- 
nichtete, kamen Confucius und Meng-tseu in keine näheren Beziehungen. Confucius Schüler Tseu- 
kung wies nur die unmässigen Ansprüche von Fu-tschai, dem letzten König von TJ, bei einer 
Zusammenkunft mit dem Könige von Lu zurück. Confucius Aeusserung über die zurückgewiesene 
Aufwartung der Fürsten von U und Lu bei Tsin. Von Keu-tsien, dem Könige von Yuei, wird 
der Glückswechsel in seinem Leben hervorgehoben vind auf den Tod U -tseii-siü's, des Ministei's 
von U, angespielt. (S 71 — 73.) 

In der Provinz H o - u a n waren mehrere kleine Reiche, in welche Confucius und seine Schüler 
kamen. In Tschin und Tsai kam er in Bedrängniss, als er nachTschu wollte, auch in Sung^ 
wo unter Nachkommen der Kaiser der 2. Dynastie deren Einrichtungen zum Theil noch fort 
Ijestanden, wie in Ki die der ersten Dynastie unter Nachkommen der Kaiser derselben. (S. 421 fg.) 
Hier war auch das Reich Wei, (anders geschrieben als obiges). Auf dieses beziehen sich mehrere 
Anekdoten. So tadelt Confucius, dass einem Beamten dort Auszeichnungen geworden sind, die 
ihm nicht zukamen, und rühmt den Ki-tseu wegen seines Tadels eines dortigen Ministers. Unter 
Ling-kung (534 — 492j kam Confucius nach Wei und verkehrte mit ihm und seiner Gemahlinn 
derNan-tseu. Sein Urtheil über ihn. Mit Uebergehung seines Sohnes folgte dessen Enkel Tschu- 
kung (492 — 480). Dies missbilligte Confucius. Später verdrängte sein Vater ihn, wobei Confucius 
Schüler Tseu-lu umkam. Der Vater Tschuang-kung folgte 480—477. Confucius /Veusserung 
über Aenderungen die er an den Gebräuchen vornahm. (S. 74 — ^77.) 

Im kleinen Reiche Tschijng. auch in Plo-nan, wird der Minister Tseu-tschan 
oder Tseu-san von Confucius vor allen gepriesen. Obwohl von mächtigen Nachbarn 
umgeben, war das Eeich durch seine trefflichen Beamten glücklich. Eine Schwäche des Ministers, 
Leute persönlich über den Fluss zu setzen. Seine Beredtheit rechtfertigt Tsching's Angriff auf 
Tschin, dem oberherrlichen Tsin gegenüber. Er lässt die Leute in Tsching die Regierungsmass- 
regeln critisiren u. wendet die Erhöhung des Tributs durch Tsin ab. Das Verhalten seines Nach- 
folgers. Wegen alles dessen wird er von Confucius gerühmt. Auch Tseu-kung preiset seine gute 
Regierung und wie er allgemein betrauert starb, im Gegensatze der harten Regierung Ki-sün's in 
Lu. (S. 77—84.) 

In Pe-tschi-li war das Reich Yen. Confucius scheint aber nicht hingekommen zu sein, 
daher in dessen Geschichte zu seiner Zeit einzugehen nicht nöthig ist. 

Zu Meng-tseu's Zeit aber hatte die Abtretung des Reiches durch den schwachen König 
Yen-khuai (320 — 311) an seinen Minister nach Schün's Muster den Einfall und die Eroberung des 
Reiches durch Thsi veranlasst, dessen König aber wieder daraus verdrängt wurde. Meng-tseu's 
Verhandlung darüber mit diesem. (S. 84—85.) 

In Nord-Schan-tung war das Reich Thsi. Die Reihe seiner Fm-sten zu Confucius Zeit. 
Thsui-tschu ermordet 547 Tschuang-kung. Confucius Urth eil über T s c h i n - w e n , der 
desshalb das Reich verliess. Unter King-wang (547 — 489) kommt Confucius nach Thsi. Con- 
fucius und Meng-tseu über ihn und seinen berühmten Minister Ngan-yng. (Das Nähere über 
seinen Verkehr mit beiden in Confucius Leben.) Kien-kung 481 durch Thien-tschang ermordet. 
Ausd. Abh.d.I.CI. d.lcAk.d.Wiss.XLB.II.Abth. (58) 14 



106 (454) 

Confucius fordert den Fürsten von Lu vergebens auf, den Mörder zu bestrafen. Dieser und sein,e Fa- 
milie Thien, ein Zweig der Fürstenfamilie von Tschin, hatten sich eigentlich schon länger 
der Gewalt im Lande bemächtigt, bis zuletzt Thien-so oder Thai-kung den Fürsten von Thsi 
391 entthronte und seine Dynastie die Thien Thsi "an die Stelle der alten Fürstenfamilie tritt. 
Unter Sitten- wang aus dieser Familie kam Meng-tseu 332 — 323 und 311 nach Thsi und 
verkehrte viel mit ihm. (S. 86—88.) 

Auch das kleine Reich T h e n g erwähnt Confucius und Meng-tseu verhandelte mit dessen 
Fürsten Wen-kung (318fg.), Confucius angeblich auch mit dem Fürsten von Than. (S. 88 fg.) 

In Süd-Schan-tung war das Eeich Lu, Confucius und vieler seiner Schüler Geburtsland 
Die zu seiner Zeit herrschenden Fürsten werden daher genannt. Die Zügel der Regierung waren 
aber ihren Händen entglitten und in die dreier mächtiger Familien Ki-sün, Scho-sün 
und Meng-sün übergegangen. Nachrichten über diese. (Ueber Confucius Verhältnisse zu den 
Fürsten Ting-kung (509—496), unter dem er zu hohen Ehren in Lu gelangte und Ngai-kung 
(496 — 467), mit dem er in vielfachem Verkehr stand und zu de)' Familie Ki-sün's s. in Confucius 
Leben) AnMu-kung's Hofe (409 — 396) lebte sjiäter Tseu-sse, der Enkel des Confucius; 
unter Ping-kung (316—296) kam Meng-tseu nach Lu. S. 89—94 

Noch lag in Schan-tung das kleine Reich T s e u, früher Tschü genannt, Meng-tseu' s Vater- 
land. Er erwähnt es oft, und namentlich eines Gefechtes zwischen Tseu und Lu unter Mu-kung 
(S. 94 fg.) S. 63—94. 

Ueber blickt man den ganzen Zeitraum vom Anfange des Tschhün-thsieu bis Meng-tseu, so zeigt 
sich nach Meng-tseu der traurigste Zustand China's. Wie war da zu helfen ? Confucius, seine Schüler und 
Nachfolger meinten durch Rückkehr zum Alten undj genaue Befolgung aller Ein- 
richtungen der alten weisen Kaiser und namentlich der Stifter der dritten 
Dynastie. Andere wollten noch höher hinaufgehen, zu den angeblichen einfachen Verhältnissen 
unter dem alten Kaiser Hoang-ti. So hoch verstieg sich Confucius nicht (S. 95 fg.), doch geben wir iin 
Anhange noch die a p k r y p h e n Aussprüche des Confucius über die älteste Zeit 
China's aus seinem angeblichen Anhange Hi-tse im Y-king, aus dem Li-ki, im Kapitel Li- 
yün und dem Kapitel seiner angeblichen Hausgespräche (Kia-iü), Cap. 23 U-ti-te, über die 
fünf Kaiser in einer Uebersetzung aus dem chinesischen Urtext. S. 97 — 101. 

Inhalt S. 102—106.